Alle Artikel von Anselm Bühling

Übersetzer und Redakteur von tell, lebt in Berlin.

Schattenlektüre

Die „Recherche“ drängt nicht zur Eile. Sie wartet geduldig auf diejenigen, die beim Lesen Zeit verlieren.

/ 15. Juli 2021

Die Anklägerin

Die Mannheimer Staatsanwältin Barbara Just-Dahlmann hat für Prozesse gegen NS-Verbrecher polnischsprachige Zeugenaussagen ausgewertet und übersetzt. Aus einem nebenberuflichen Einsatz wurde für sie eine Lebensaufgabe. Eine Erinnerung.

/ 4. Mai 2021

Sprache und Herrschaft

Victor Klemperer beschreibt in „LTI“ (1947) die ideologische Instrumentalisierung von Sprache durch die Nationalsozialisten - eine aufschlussreiche Lektüre im Hinblick auf die Gegenwart. Die Geschichte des Buchs ist eng mit der Biografie des Autors verbunden.

/ 19. Juni 2019

Navid Kermani – Der Erzähler

Traditionen lassen sich nicht gegeneinander abschotten – der Islam und das Christentum etwa bereichern sich gegenseitig. Navid Kermani setzt dem Kulturkampf das Erzählen entgegen, wo sich das Verbindende ebenso offenbart wie das Trennende.

/ 8. Januar 2018

Das Schiff auf dem Weißmeerkanal

Im August 1933 befahren über hundert sowjetische Schriftsteller den neuen Weißmeer-Ostsee-Kanal, um über die „Umschmiedung“ der Häftlinge in den Zwangsarbeiterlagern zu berichten. Dabei kommt es zu heiklen Begegnungen.

/ 11. März 2017

Wie man Menschen zu Fremden macht

Gerhard von Amyntors „Eine moderne Abendgesellschaft“ ist im Jahr 1881 erschienen. Die „Judenfrage“ war damals das Thema des Tages. Martin A. Völker hat diesen Schlüsseltext neu herausgegeben. Die Klischees sind vertraut und erschreckend frisch.

/ 2. März 2017

Aufbruch in den Nachkrieg

Bernward Vespers Buch „Die Reise“ sollte ursprünglich „Der Trip“ heißen. Vesper hat den Romanessay unter LSD-Einfluss geschrieben und erkundet rauschhaft das eigene Bewusstsein. Dabei entsteht auch ein hellsichtiges Porträt der bis zum Bersten gespannten westdeutschen Gesellschaft in den sechziger Jahren.

/ 17. Dezember 2016

Die Ironie des menschlichen Treibens

E.T.A. Hoffmanns Märchen „Klein Zaches genannt Zinnober“ erzählt von der Macht der Zuschreibung und ist damit erstaunlich aktuell. Hoffmanns Erzählstil ist ein Balanceakt: Das Erhabene ist immer auch komisch, das Alltägliche zugleich fantastisch.

/ 27. November 2016

Verweile doch

Wisława Szymborskas Gedichte machen kein Geheimnis aus sich. Ohne Anstrengung beginnt man zu lesen und zu denken. Und dann erkennt man, wie viel in diesem poetischen Raum verborgen ist – obwohl es offen daliegt.

/ 21. Oktober 2016

Gefährliches Denken

Wie kommt es, dass Menschen Böses tun? Liegt es an unzulänglichem Denken? Keineswegs, meint Bettina Stangneth in ihrem philosophischen Essay Böses Denken. Sie plädiert dafür, Täter als Denker ernst zu nehmen.

/ 31. August 2016