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	<title>Redaktion &#8211; tell</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
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	<title>Redaktion &#8211; tell</title>
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		<title>Weihnachtstipps 2025</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Dec 2025 10:01:59 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[In unseren Weihnachtstipps empfehlen wir eine Satire auf den Rassismus (und die Schweiz), ein laientaugliches Buch über Physik, einen Roman über die Konfrontation mit der Sterblichkeit und zwei atemberaubende Klassiker.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Ein Angeklagter ohne Verbrechen</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Weihnachtstipp von Herwig Finkeldey</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" width="753" height="1200" data-attachment-id="119918" data-permalink="https://tell-review.de/weihnachtstipps-2025/duerrenmatt-mit-rahmen/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/Duerrenmatt-mit-Rahmen.jpg?fit=753%2C1200&amp;ssl=1" data-orig-size="753,1200" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="Dürrenmatt mit Rahmen" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/Duerrenmatt-mit-Rahmen.jpg?fit=188%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/Duerrenmatt-mit-Rahmen.jpg?fit=646%2C1030&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/Duerrenmatt-mit-Rahmen.jpg?resize=753%2C1200&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-119918" style="width:286px;height:auto" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/Duerrenmatt-mit-Rahmen.jpg?w=753&amp;ssl=1 753w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/Duerrenmatt-mit-Rahmen.jpg?resize=188%2C300&amp;ssl=1 188w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/Duerrenmatt-mit-Rahmen.jpg?resize=646%2C1030&amp;ssl=1 646w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/Duerrenmatt-mit-Rahmen.jpg?resize=50%2C80&amp;ssl=1 50w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/Duerrenmatt-mit-Rahmen.jpg?resize=300%2C478&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 753px) 100vw, 753px" /></figure>
</div>


<p>Schullektüre zu werden, ist der sichere Tod eines Buches: ein willkommener Anlass, über Lesezwang zu klagen und dieses Buch nie mehr in die Hand zu nehmen.</p>



<p>Meine Empfehlung für die Zeit zwischen den Jahren ist eine existenzialistische Erzählung über Schuld, Verbrechen und Strafe, für die Friedrich Dürrenmatt keine einhundert Seiten benötigt hat – und die ich gerne vor dem Schullektüren-Schicksal bewahren möchte.</p>



<p>In <em>Die Panne. Eine noch mögliche Geschichte</em> geht Dürrenmatt in der Vorrede davon aus, dass es kein Schicksal mehr zu erzählen gibt. Sondern dass der Zufall die Rolle des Schicksals übernommen hat. Schicksal ist somit nur noch eine statistische Größe, die einem mehr oder weniger zufällig widerfährt.</p>



<p>Im Fall dieser Geschichte ist es eine Autopanne, die den Handlungsreisenden Alfredo Traps zwingt, in einem ihm unbekannten Ort zu nächtigen. Er findet Unterschlupf bei einem alten Richter, der mit zwei juristischen Freunden unter Zuhilfenahme des Alkohols Freude am Nachspielen historischer Prozesse hat. Sollte sich allerdings die Gelegenheit ergeben, einen Prozess ganz neu zu kreieren, so ist die illustre Juristengesellschaft auch daran interessiert. Dafür benötigt man selbstredend einen Angeklagten und den finden die drei in Alfredo Traps.</p>



<p>Traps ist bereit und erkundigt sich nach dem Verbrechen, dessen er in diesem „Spiel“ angeklagt ist:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Ein unwichtiger Punkt, antwortete der Staatsanwalt, das Monokel reinigend, ein Verbrechen lasse sich immer finden.</p>
</blockquote>



<p>Traps Verteidiger beginnt die Verhandlung dann mit der Behauptung:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Mein Klient ist ein Angeklagter ohne Verbrechen.</p>
</blockquote>



<p>Dass es dabei nicht bleiben wird, versteht sich bei Dürrenmatt von selbst. Aus der zufälligen Panne wird ein ernstes Spiel, und das Spiel mündet im Schicksal einer Verurteilung. Mehr wird hier nicht verraten.</p>



<p>Friedrich Dürrenmatt<br><strong>Die Panne. Eine noch mögliche Erzählung<br></strong>Diogenes 2006 · 96 Seiten · 10 Euro</p>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Den Spieß umdrehen</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Weihnachtstipp von Sieglinde Geisel</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" width="900" height="1429" data-attachment-id="119919" data-permalink="https://tell-review.de/weihnachtstipps-2025/daily-soap-mit-rahmen/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/Daily-Soap-mit-Rahmen.jpg?fit=945%2C1500&amp;ssl=1" data-orig-size="945,1500" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="Daily Soap mit Rahmen" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/Daily-Soap-mit-Rahmen.jpg?fit=189%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/Daily-Soap-mit-Rahmen.jpg?fit=649%2C1030&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/Daily-Soap-mit-Rahmen.jpg?resize=900%2C1429&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-119919" style="width:344px;height:auto" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/Daily-Soap-mit-Rahmen.jpg?w=945&amp;ssl=1 945w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/Daily-Soap-mit-Rahmen.jpg?resize=189%2C300&amp;ssl=1 189w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/Daily-Soap-mit-Rahmen.jpg?resize=649%2C1030&amp;ssl=1 649w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/Daily-Soap-mit-Rahmen.jpg?resize=50%2C80&amp;ssl=1 50w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/Daily-Soap-mit-Rahmen.jpg?resize=768%2C1219&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/Daily-Soap-mit-Rahmen.jpg?resize=300%2C476&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></figure>
</div>


<p>Nora Osagiobare (*1992 in Zürich) hat einen nigerianischen Vater und gehört damit zu den Schwarzen Schweizer:innen, und aus dieser Perspektive ist dieser Roman erzählt. Doch für einmal liest man keine autofiktionale Anklage gegen Rassismus. Im Gegenteil: In ihrem Debüt dreht Nora Osagiobare den Spieß um und macht sich über den Rassismus lustig (und über die Schweiz).</p>



<p>In diesem Roman treiben schwarze, weiße, schwule, promiske, gescheiterte, verschrobene Figuren ihr Unwesen, unter ihnen ein paar Reiche und ein paar Künstler – die jeweilige Schickeria gehört zu weiteren Zielen von Osagiobares Spott: Es gibt in dieser Soap Opera niemanden, der oder die ungeschoren davonkommt.</p>



<p>Der Roman <em>Daily Soap</em> ist tatsächlich eine Soap Opera, mit Fußnoten und vor allem mit Werbespots, zum Beispiel von einer PR-Agentur, die sich „der nachhaltigen Umpolung von Täter-Opfer-Diskursen“ widmet:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Sind auch Sie ein weißer, mitteleuropäischer, heterosexueller, reicher Cis-Mann und deshalb immer an allem schuld? Dann lassen Sie sich noch heute von uns beraten.</p>
</blockquote>



<p>Ein fulminantes Debüt mit maximaler Pointen-Schlagzahl. Unbegreiflich, dass dieses Buch es nicht auf die Shortlist des Schweizer Buchpreises geschafft hat. <br>(Meine ausführliche Rezension in der <a href="https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/literatur/gewitztes-debuet-nora-osagiobares-roman-daily-soap-110742249.html">FAZ</a>)</p>



<p>Nora Osagiobare<br><strong>Daily Soap<br></strong>kein &amp; aber 2025 · 288 Seiten · 24 Euro</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Das Damoklesschwert der Sterblichkeit</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Weihnachtstipp von Sieglinde Geisel</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" width="900" height="1469" data-attachment-id="119920" data-permalink="https://tell-review.de/weihnachtstipps-2025/mezger/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/Mezger.jpg?fit=919%2C1500&amp;ssl=1" data-orig-size="919,1500" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Mezger" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/Mezger.jpg?fit=184%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/Mezger.jpg?fit=631%2C1030&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/Mezger.jpg?resize=900%2C1469&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-119920" style="width:336px;height:auto" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/Mezger.jpg?w=919&amp;ssl=1 919w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/Mezger.jpg?resize=184%2C300&amp;ssl=1 184w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/Mezger.jpg?resize=631%2C1030&amp;ssl=1 631w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/Mezger.jpg?resize=49%2C80&amp;ssl=1 49w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/Mezger.jpg?resize=768%2C1254&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/Mezger.jpg?resize=300%2C490&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></figure>
</div>


<p>In Daniel Mezgers Roman <em>Bevor ich alt werde</em> geht es um Charlotte und die „Jacksonsche Krankheit“, eine fiktive Erbkrankheit, die erst im fünften Lebensjahrzehnt ausbricht. Charlotte überlegt sich, ob sie den Gen-Test machen soll. Die genetischen Chancen stehen fifty-fifty, und sie würde ein Resultat riskieren,</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>das einen zwanzig Jahre lang krank machte, bevor die Krankheit einen krank machte.</p>
</blockquote>



<p>In diesem Roman geht es, nebst anderem, um das Aufwachsen in einer kanadischen Kleinstadt, um Mutter-Tochter-Querelen, um eine gescheiterte Musikkarriere und diverse gescheiterte Liebschaften. Doch das eigentliche Anliegen des Romans besteht im Damoklesschwert, das über uns allen hängt: der Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit.</p>



<p>Großartig ist der Roman nicht nur wegen dem existenziellen Stoff, sondern mehr noch aus stilistischen Gründen. Die Formulierungen treffen mit ihrer lakonischen Genauigkeit ins Schwarze, so etwa bei Mick, den Charlotte in den letzten Jahren nicht oft gesehen hat, der Abschied hat bereits stattgefunden. </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Ein Nicken von ihm. Schau nicht so, dachte sie. Ein Hund, der auf ein zweites Leckerli wartet</p>
</blockquote>



<p>Auch Matt gehört zu Charlottes glücklosen Liebhabern. Als er ihr einen etwas wirren Brief schreibt, fühlt Charlotte sich verpflichtet, ihm zu antworten.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Sie ging nicht auf die Liebesbekundungen ein, der Ton kam ihr selbst so kühl vor, dass sie noch ein paar Wenn-du-was-brauchst-dann-melde-dich-Kopf-hoch-Sätze dazufügen musste.</p>
</blockquote>



<p>Immer wieder spielt der Autor mit diesen Bindestrich-Wörtern, seltsamerweise ohne dass es zur Masche wird.</p>



<p>(Meine ausführliche Rezension in der <a href="https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/literatur/daniel-mezgers-roman-bevor-ich-alt-werde-110785586.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">FAZ</a>)</p>



<p>Daniel Mezger<br><strong>Bevor ich alt werde<br></strong>altantis 2025 · 336 Seiten · 25 Euro</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Die Romantik der Physik</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Weihnachtstipp von Anselm Bühling</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="900" height="1402" data-attachment-id="119921" data-permalink="https://tell-review.de/weihnachtstipps-2025/71lavreibtl-_sl1500_/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/71LAvrEIbtL._SL1500_.jpg?fit=963%2C1500&amp;ssl=1" data-orig-size="963,1500" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="71LAvrEIbtL._SL1500_" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/71LAvrEIbtL._SL1500_.jpg?fit=193%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/71LAvrEIbtL._SL1500_.jpg?fit=661%2C1030&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/71LAvrEIbtL._SL1500_.jpg?resize=900%2C1402&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-119921" style="width:362px;height:auto" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/71LAvrEIbtL._SL1500_.jpg?w=963&amp;ssl=1 963w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/71LAvrEIbtL._SL1500_.jpg?resize=193%2C300&amp;ssl=1 193w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/71LAvrEIbtL._SL1500_.jpg?resize=661%2C1030&amp;ssl=1 661w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/71LAvrEIbtL._SL1500_.jpg?resize=51%2C80&amp;ssl=1 51w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/71LAvrEIbtL._SL1500_.jpg?resize=768%2C1196&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/71LAvrEIbtL._SL1500_.jpg?resize=300%2C467&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /></figure>
</div>


<p>Der Wissenschaftshistoriker Ernst Peter Fischer erzählt die Geschichte der Revolution, die sich vor etwa hundert Jahren in der Physik vollzog – der Abkehr vom klassischen Modell der Newtonschen Physik und der Arbeit am Paradigma der Quantenmechanik, die immer wieder von ungläubigem Staunen und teils heftigem Widerstreben der beteiligten Forscher begleitet war.</p>



<p>Fischer konzentriert sich auf das Jahrzehnt von 1922 bis 1932, in dem die wichtigsten Erkenntnisse der Quantentheorie ausformuliert wurden. Er wählt einen überraschenden Ansatz: Er setzt die Umwälzung in der Physik in Beziehung zu einer geistesgeschichtlichen Umwälzung, die sich ein Jahrhundert zuvor ereignete, nämlich den Wechsel von der klassischen zur romantischen Weltsicht:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>In beiden Fällen wurden überzeugende, auf mathematische Sicherheit angelegte, mit der Rationalität begründete und als abgeschlossen angekündigte Welterklärungen aufgegeben und durch irrational wirkende, von wahrscheinlich eintretenden Möglichkeiten handelnde, mit kreativen Elementen bestückte und durchgehend offenbleibende Denkweisen ersetzt.</p>
</blockquote>



<p>Fischer buchstabiert das nicht Detail für Detail durch. Aber seine Herangehensweise eröffnet unvermutete Einsichten, zumal er es nicht beim bloßen Vergleich belässt: Das Bohrsche Atommodell ist für ihn „in mehrfacher Hinsicht romantisch, was sich ganz allgemein daran zeigt, dass es nicht dadurch zustande kommt, dass man ein Geheimnis lüften konnte, sondern im Gegenteil dadurch, dass man das Mysterium vertiefte“. </p>



<p>Die geistesgeschichtliche und die naturwissenschaftliche Revolution stehen in engem Zusammenhang: Die Vorstellung von einer objektiv gegebenen Realität weicht einer Welt der unendlichen Möglichkeiten, in der vieles im Auge des Betrachters liegt. Und das hat wiederum geschichtliche Konsequenzen, von der Französischen Revolution bis zur Kernspaltung.</p>



<p>Dass sich die physikalischen Formeln der Quantentheorie als solche dem intuitiven Verständnis entziehen, dass sie sich nicht einfach in Alltagssprache übersetzen lassen, heißt für Fischer nicht, dass es sinnlos wäre, diese Theorie einem breiten Publikum zu vermitteln. Ganz im Gegenteil:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Wovon man nicht sprechen kann, davon muss man erzählen, und es ist die Aufgabe der Wissenschaftler oder der dazugehörigen Historiker, aus ihrer privilegierten Position heraus damit zu beginnen.</p>
</blockquote>



<p>Die Erzählung wechselt geschmeidig zwischen Anekdote, Biografie, Geschichte und Theorie und macht dabei immer deutlich, wie alles miteinander zusammenhängt. Fischer ist – wie Werner Heisenberg und einige andere seiner Protagonisten – auch geisteswissenschaftlich gebildet; ihm ist bewusst, dass die exakten Wissenschaften philosophische und narrative Implikationen haben.</p>



<p>Deshalb kann er unbefangen erzählen, ohne banal zu werden. Er zeigt, dass es möglich ist, über Physiker (und etwas gar zu gelegentlich auch über Physikerinnen) so zu schreiben, dass es Licht auf die Physik wirft. Das liest sich anregend und hilft Nicht-Fachleuten, vieles besser zu verstehen.</p>



<p>Ernst Peter Fischer<br><strong>Die Stunde der Physiker<br></strong>Einstein, Bohr, Heisenberg und das Innerste der Welt<br>Piper 2025 · 304 Seiten · 16 Euro (Taschenbuchausgabe)</p>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Masterpiece unzuverlässigen Erzählens</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Weihnachtstipp von Hartmut Finkeldey</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="587" height="906" data-attachment-id="119922" data-permalink="https://tell-review.de/weihnachtstipps-2025/csm_9783150194140_97aa4173fb/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/csm_9783150194140_97aa4173fb.jpg?fit=587%2C906&amp;ssl=1" data-orig-size="587,906" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="csm_9783150194140_97aa4173fb" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/csm_9783150194140_97aa4173fb.jpg?fit=194%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/csm_9783150194140_97aa4173fb.jpg?fit=587%2C906&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/csm_9783150194140_97aa4173fb.jpg?resize=587%2C906&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-119922" style="width:417px;height:auto" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/csm_9783150194140_97aa4173fb.jpg?w=587&amp;ssl=1 587w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/csm_9783150194140_97aa4173fb.jpg?resize=194%2C300&amp;ssl=1 194w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/csm_9783150194140_97aa4173fb.jpg?resize=52%2C80&amp;ssl=1 52w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/12/csm_9783150194140_97aa4173fb.jpg?resize=300%2C463&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 587px) 100vw, 587px" /></figure>
</div>


<p>Annette von Droste-Hülshoffs <em>Die Judenbuche</em> ist nicht nur längst kanonisiert, sondern vor sechs Jahren auch schon einmal von <a href="https://tell-review.de/weihnachtstipps-2019-klassiker/">Anselm Bühling</a> in dieser Liste empfohlen worden. Trotzdem möchte ich für die Lektüre dieses Jahrhundertwerks werben (Fontanes Fehlurteil schmerzt heute noch). Denn trotz aller Rehabilitation, zumindest in der Literaturwissenschaft (insbesondere durch Winfried Freund), gilt Annette von Droste-Hülshoff in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch als verhuschte Stiftsjungfer, die ein paar ganz artige Sächelchen geschrieben hat.</p>



<p>Nichts dergleichen. In <em>Die Judenbuche</em>, diesem Masterpiece unzuverlässigen Erzählens („schwanken“ nennt sie es selbst), ruft die verhuschte Stiftsjungfer aus der westfälischen Provinz bereits 1842 alles auf, was die europäisch-amerikanische und inzwischen Welt-Moderne bis heute in Atem hält: gebrochene Identität (Mergel/Niemand), soziale Ungerechtigkeit, Antisemitismus, verfehltes Leben, verfehltes Lieben, kurzum: Gewalt in allen Spielarten, nicht zuletzt Gewalt in der Familie: <em>Die Judenbuche</em> ist einer der ersten Texte, in dem Männergewalt, familiäre Gewalt, nicht nur geschildert, sondern zentral thematisiert wird.</p>



<p>Schon im Einleitungsgedicht, das wie ein erratischer Block dasteht, verrätselt von Droste-Hülhoff:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Wer wagt es, eitlen Blutes Drang zu messen,<br>Zu wägen jedes Wort, das unvergessen<br>In junger Brust die zähen Wurzeln trieb,<br>Des Vorurteils geheimen Seelendieb?<br>Du Glücklicher, geboren und gehegt<br>Im lichten Raum, von frommer Hand gepflegt,<br>Leg hin die Waagschal&#8216;, nimmer dir erlaubt!<br>Laß ruhn den Stein – er trifft dein eignes Haupt! –</p>
</blockquote>



<p>Den Stein nicht werfen, die Spirale der Gewalt unterbrechen, darum geht es in dieser Novelle (oder ist es eine Erzählung?).</p>



<p>Ich empfehle langsame Lektüre.</p>



<p>Annette von Droste-Hülshoff<br><strong>Die Judenbuche</strong><br>Studienausgabe<strong><br></strong>Reclam 2016 · 224 Seiten · 8 Euro</p>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: Niklaus Bächli</h6>



<div class="wp-block-image"><p align="center"><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady"/></a></p></div>
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		<title>Sommertipps 2025</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Jul 2025 08:30:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[tell-Listen]]></category>
		<category><![CDATA[Sommer 2022]]></category>
		<category><![CDATA[tell-Liste]]></category>
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					<description><![CDATA[Für den Sommer empfehlen wir Wiederentdeckungen von Grace Paley, Herman Wouk und Thomas Mann sowie die Biografie des vergessenen Dichters Michael Beer und das Memoir der Schweizer Autorin Esther Spinner.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Kurzgeschichten über ‚kleine Leute‘</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Lektüretipp von Herwig Finkeldey</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-medium"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="184" height="300" data-attachment-id="119758" data-permalink="https://tell-review.de/sommertipps-2025/cover-paley/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Paley.jpg?fit=613%2C1000&amp;ssl=1" data-orig-size="613,1000" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover Paley" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Paley.jpg?fit=184%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Paley.jpg?fit=613%2C1000&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Paley.jpg?resize=184%2C300&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-119758" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Paley.jpg?resize=184%2C300&amp;ssl=1 184w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Paley.jpg?resize=49%2C80&amp;ssl=1 49w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Paley.jpg?resize=300%2C489&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Paley.jpg?w=613&amp;ssl=1 613w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" /></figure>
</div>


<p>Grace Paley, 1922 als Kind jüdisch-ukrainischer Einwanderer in New York geboren, hat ausschließlich in kurzen Formen geschrieben: Gedichte und Short Stories. Gerade diese Short Stories zählen für mich zum literarischen Erbe des 20. Jahrhunderts.</p>



<p>Das New York von Paleys Kindheit im migrantischen Milieu ist hierbei das Gerüst vieler ihrer Werke. Mehr aber auch nicht: In ihren Geschichten kann man sich keineswegs luzide über dieses Milieu informieren. Wer hingegen aus diesen Geschichten exemplarisch etwas darüber lernen möchte, wie vermeintlich ‚kleine Leute‘ ihren meist gar nicht so kleinen Widrigkeiten des Lebens trotzen, der ist hier richtig.</p>



<p>Da trifft Rosie, eine ehemalige Kartenabreißerin eines jüdischen Theaters, nach Jahren den alternden Star dieses Theaters wieder. Es ist ihr ehemaliger Liebhaber. Seine Frau hat sich wegen seiner Untreue nach fünfzig Jahren scheiden lassen, und nun versucht er es bei seiner alten Liebe, der Kartenabreißerin. </p>



<p>Denn:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Wie alle Männer versuchte er, bis zum Ende der Zeit heil und ungeschoren davonzukommen.</p>
</blockquote>



<p>Rosie aber gibt ihm ihr Lebensmotto zur Antwort, das zugleich der Titel dieser wunderbaren Geschichte ist:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Auf Wiedersehen und viel Glück!</p>
</blockquote>



<p>In einer anderen Geschichte sollen jüdische Schulkinder bei einer Weihnachtsaufführung in der Schule mitmachen, und die Ich-Erzählerin wird gewählt, weil sie die „lauteste Stimme“ hat. Die Reaktionen der Migranten-Community fällt ganz unterschiedlich aus. Was Grace Paley von enger Religionsauslegung hält, wird dem Leser dabei <em>en passant</em> mitgeteilt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Die Frau des Rabbis sagte: „Es ist empörend!“ Aber niemand hörte auf sie. Unter dem engen Himmel von Gottes unermesslicher Weisheit trug sie eine rotblonde Perücke.</p>
</blockquote>



<p>Eine junge Mutter wird vom Vater ihrer Kinder verlassen. Auf die Frage des Sohnes, wo denn der Vater sei, antwortet die Mutter:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Stell mir keine Fragen. Dann erzähl ich dir keine Lügen.“</p>
</blockquote>



<p>Grace Paley lässt ihre Figuren lügen. Und es sind dabei immer die Frauen, die den Männern mit ihren Lügen die Wahrheit zeigen und sie damit entblößen.</p>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"> <div class="su-row">



<p>Grace Paley<br><strong>Die kleinen Widrigkeiten des Lebens<br></strong>Storys<br>Aus dem Englischen von Sigrid Ruschmeier<br>Schöffling &amp; Co 2013 · 256 Seiten · 10,99 Euro (Kindle) oder antiquarisch<br>ISBN: 978-3895612350</p>



Bei <a href="https://yourbook.shop/book/?isbn=9783895612350&amp;ref=tell" title="Mit Ihrer Bestellung bei youbook.shop unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" target="_blank" rel="noopener noreferrer">yourbook.shop</a> oder im lokalen Buchhandel


</div> </div></div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>
</div></div>



<h2 class="wp-block-heading">Wie es war (und ist), als Frau zu schreiben</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Lektüretipp von Sieglinde Geisel</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-medium"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="186" height="300" data-attachment-id="119767" data-permalink="https://tell-review.de/sommertipps-2025/cover-spinner/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Spinner.jpg?fit=401%2C648&amp;ssl=1" data-orig-size="401,648" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover Spinner" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Spinner.jpg?fit=186%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Spinner.jpg?fit=401%2C648&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Spinner.jpg?resize=186%2C300&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-119767" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Spinner.jpg?resize=186%2C300&amp;ssl=1 186w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Spinner.jpg?resize=50%2C80&amp;ssl=1 50w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Spinner.jpg?resize=300%2C485&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Spinner.jpg?w=401&amp;ssl=1 401w" sizes="auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px" /></figure>
</div>


<p>Esther Spinner gehört zu den vom Literaturbetrieb übersehenen Schweizer Autorinnen (zusammen etwa mit der vor kurzem verstorbenen <a href="https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/zum-tod-der-schweizer-autorin-gertrud-leutenegger-110551499.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gertrud Leutenegger</a> und Margrit Baur). In ihrem „Memoir“ Mit <em>Hund und Wort</em> erzählt die 1948 geborene Autorin davon, welchen Mut das Schreiben für eine junge Frau in den 1960er-Jahren erforderte. </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Ich will schreiben. Welche Frau steht hin und sagt das laut? Ich jedenfalls kannte damals keine.</p>
</blockquote>



<p>Man erfährt in diesem Buch viel über die Schweiz, die Frauenbewegung und darüber, was es heißt, in der Schublade der Frauenliteratur steckenzubleiben. </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Es gab – und gibt? – eben Literatur, die richtige, wahre, von Männern geschriebene, und es gibt Frauenliteratur.</p>
</blockquote>



<p>Sie gehöre „nicht zu den Grossen, Berühmten, Bekannten“. Vom ausbleibenden Erfolg erzählt Esther Spinner ohne jedes Ressentiment und in einer klaren, leuchtenden Sprache. Zu den vielen berührenden Passagen gehört etwas, über das sonst niemand spricht – eine Lesung ohne Besucher: „Die Unsicherheit hat mich seither immer begleitet.“</p>



<p>Was dieses Buch von einer handelsüblichen Schriftstellerbiografie unterscheidet, sind die Hunde bzw. Hündinnen. Um in Ruhe schreiben zu können, ging die Autorin (und Ich-Erzählerin) seinerzeit nach Sardinien, und weil das Häuschen so einsam war, besorgte sie sich ihre erste Hündin. </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Ob es mir gelingen würde, den Hund, die Hündin neben jedem Wort mitgehen zu lassen, so wie Cima neben mir an der Leine geht – ob das gelingen kann?</p>
</blockquote>



<p>Die Begleitung durch die Hunde wird zu einem poetologischen Spiel.</p>


<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"> <div class="su-row">



<p>Esther Spinner<br><strong>Mit Hund und Wort<br></strong>Memoir<br>Edition 8 2024 · 248 Seiten · 28 Euro<br>ISBN: 978-3859905313</p>



Bei <a href="https://yourbook.shop/book/?isbn=9783859905313&amp;ref=tell" title="Mit Ihrer Bestellung bei youbook.shop unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" target="_blank" rel="noopener noreferrer">yourbook.shop</a> oder im lokalen Buchhandel


</div> </div></div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Schwieriges Glück, Krieg, Political Correctness</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Drei Lektüretipps von Hartmut Finkeldey</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-medium"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="188" height="300" data-attachment-id="119759" data-permalink="https://tell-review.de/sommertipps-2025/cover-mann/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Mann.jpg?fit=740%2C1184&amp;ssl=1" data-orig-size="740,1184" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover Mann" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Mann.jpg?fit=188%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Mann.jpg?fit=644%2C1030&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Mann.jpg?resize=188%2C300&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-119759" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Mann.jpg?resize=188%2C300&amp;ssl=1 188w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Mann.jpg?resize=644%2C1030&amp;ssl=1 644w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Mann.jpg?resize=50%2C80&amp;ssl=1 50w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Mann.jpg?resize=300%2C480&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Mann.jpg?w=740&amp;ssl=1 740w" sizes="auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px" /></figure>
</div>


<p>Um Thomas Manns 150. Geburtstag komme auch ich nicht herum. <em>Königliche Hoheit</em> gilt als weniger bedeutendes Nebenwerk – zu Unrecht. Denn dieses „lehrhafte Märchen“ (Thomas Mann) enthält alle Themen, die für Mann relevant waren.</p>



<p>Ein Roman zweier Liebender, die, bei all ihren Privilegien, vom Leben geschlagen sind: Klaus Heinrich, mit verkrüppeltem Arm (mithin impotent), ist Repräsentant einer Familie in vollem Verfall, und das Land steht kurz vor der Pleite. Imma Spoelmann, märchenhaft reich und schön, wurde in ihrer Heimat zum Paria, weil sie „indianischen“ Blutes ist (wir dürfen getrost „jüdischen Blutes“ übersetzen). Und ob ein solches „strenges Glück“, um Thomas Manns Formel aufzunehmen – ein Glück, zu dem man sich verpflichten muss – ein so recht glückliches Glück ist, darüber kann man streiten.</p>



<p>Als Klaus die Lebenswunden von Imma bemerkt, reflektiert er:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Bestaunt, gehaßt und verachtet zu gleicher Zeit, halb Weltwunder und halb infam, so hatte sie [Imma] gelebt, und das hatte die Dornen in ihre Reden gebracht, jene spöttische Schärfe und Heftigkeit, die Abwehr war, wenn sie Angriff schien. (…) [Imma] hatte ihn zu Mitleid und Milde angehalten gegenüber der armen Gräfin – aber ihr selbst taten Mitleid und Milde not, weil sie einsam war und es schwer hatte, – gleich ihm.</p>
</blockquote>


<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"> <div class="su-row">



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow">
<p>Thomas Mann<br><strong>Königliche Hoheit</strong><br>Roman<br>Fischer 1989 · 358 Seiten · 9,99 Euro (Kindle) oder antiquarisch<br>ISBN: 9783596294305<br></p>



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</div> </div></div>
</div></div>



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<figure class="aligncenter size-medium"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="200" height="300" data-attachment-id="119777" data-permalink="https://tell-review.de/sommertipps-2025/71bma5rfyl-_sl1500_/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/71bma5rfyL._SL1500_.jpg?fit=1000%2C1500&amp;ssl=1" data-orig-size="1000,1500" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="71bm+a5rfyL._SL1500_" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/71bma5rfyL._SL1500_.jpg?fit=200%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/71bma5rfyL._SL1500_.jpg?fit=687%2C1030&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/71bma5rfyL._SL1500_.jpg?resize=200%2C300&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-119777" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/71bma5rfyL._SL1500_.jpg?resize=200%2C300&amp;ssl=1 200w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/71bma5rfyL._SL1500_.jpg?resize=687%2C1030&amp;ssl=1 687w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/71bma5rfyL._SL1500_.jpg?resize=53%2C80&amp;ssl=1 53w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/71bma5rfyL._SL1500_.jpg?resize=768%2C1152&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/71bma5rfyL._SL1500_.jpg?resize=300%2C450&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/71bma5rfyL._SL1500_.jpg?w=1000&amp;ssl=1 1000w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" /></figure>
</div>


<p>Herman Wouks Bücher <em>The Winds of War</em> (1971) und <em>War and Remembrance</em> (1978) (auf Deutsch in drei Bänden: <em>Der Feuersturm</em>, <em>Krieg</em> und <em>Weltsturm</em>) sind bis heute unterschätzt, obwohl (oder weil?) die Bücher Bestseller waren. Sie schildern den Zweiten Weltkrieg aus US-amerikanischer Sicht. Wouk entlehnt sein Schreibverfahren Tolstois <em>Krieg und Frieden</em>: reale geschichtliche Ereignisse und Gestalten werden aus der Sicht fiktiver Personen geschildert. Dem Pierre Besuchow (dem Protagonisten von <em>Krieg und Frieden</em>) entspricht in Wouks Romanen die Familie Henry, allen voran der Vater Victor „Pug“ Henry, höherer Marineoffizier und zunächst Militärattaché in Berlin.</p>



<p>Wouk ist bisweilen ein bisschen ‚drüber‘ bei dem Versuch, quasi alle ‚prominenten‘ Ereignisse des zweiten Weltkriegs abzudecken. Aber das tut dem Ganzen keinen Abbruch: Die Lektüre des ausgezeichnet informierten Buchs ist spannend und lehrreich zugleich.</p>



<p>Captain Victor Henrys innerer Monolog am 8. Dezember in Pearl Harbor:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„(…) dieser [kriegerische] Irrsinn war der Lauf der Welt. Er hatte seine besten Jahre dafür gearbeitet. Und jetzt war er im Begriff, sogar sein Leben dafür aufs Spiel zu setzen. Warum?<br>Weil die anderes es taten, dachte er. Weil Abels engster Nachbar Kain war. Weil trotz all ihrer Mißstände die USA nicht nur seine Heimat waren, sondern die Hoffnung der Welt.</p>
</blockquote>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"> <div class="su-row">



<p>Herman Wouk<br><strong>The Winds of War<br></strong>Roman<br>Back Bay Books 2002 · 896 Seiten · 18,76 Euro</p>


</div> </div></div>
</div></div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-medium"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="195" height="300" data-attachment-id="119761" data-permalink="https://tell-review.de/sommertipps-2025/cover-pc/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-PC.jpg?fit=831%2C1280&amp;ssl=1" data-orig-size="831,1280" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover PC" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-PC.jpg?fit=195%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-PC.jpg?fit=669%2C1030&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-PC.jpg?resize=195%2C300&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-119761" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-PC.jpg?resize=195%2C300&amp;ssl=1 195w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-PC.jpg?resize=669%2C1030&amp;ssl=1 669w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-PC.jpg?resize=52%2C80&amp;ssl=1 52w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-PC.jpg?resize=768%2C1183&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-PC.jpg?resize=300%2C462&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-PC.jpg?w=831&amp;ssl=1 831w" sizes="auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px" /></figure>
</div>


<p>In seiner verdienstvollen Reihe „Was bedeutet das alles?“ publiziert der Reclam-Verlag den Band <em>Was ist und was soll Political Correctness?</em> des Politikwissenschaftlers Jörn Knobloch und des Philosophen Christoph Sebastian Widdau. Ein hervorragend ausgewuchteter Band, auch historisch korrekt (der Streit um die Wokeness bzw. PC ist jahrzehntealt und mitnichten erst in den letzten Jahren relevant geworden). Die Autoren stellen beide Seiten dar und suchen nach Auswegen aus dem festgefahrenen Kulturkampf.</p>



<p>In einer sauberen spieltheoretischen Analyse zeigen sie dabei auch, warum beide Seiten ein Interesse an diesen Extrempositionen haben und sich deshalb in eine Deadlock-Situation begeben:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Aufgrund der Moralisierung beharren dann beide Seiten auf ihren Positionen. Dies ist für sie attraktiv. Weil der Zwang fehlt, auseinander zugehen zu müssen, gewinnt man jeweils, indem man dem anderen nicht die Hand reicht und nicht verhandelt. Würde der andere die Hand reichen, wäre dies umso besser, weil dies den Glauben an die Richtigkeit der eigenen Position stärkt.</p>
</blockquote>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"> <div class="su-row">



<p>Jörn Knobloch und Christoph Sebastian Widdau<br><strong>Was ist und was soll Political Correctness?<br></strong>Reclam 2024 · 96 Seiten · 7 Euro<br>ISBN: 9783150144947<br></p>



Bei <a href="https://yourbook.shop/book/?isbn=9783150144947&amp;ref=tell" title="Mit Ihrer Bestellung bei youbook.shop unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" target="_blank" rel="noopener noreferrer">yourbook.shop</a> oder im lokalen Buchhandel


</div> </div></div>
</div></div>



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<h2 class="wp-block-heading">Widerstand gegen das antisemitische Ressentiment</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Lektüretipp von Anselm Bühling</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-medium"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="178" height="300" data-attachment-id="119763" data-permalink="https://tell-review.de/sommertipps-2025/cover-osterkamp/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Osterkamp.jpg?fit=892%2C1500&amp;ssl=1" data-orig-size="892,1500" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover Osterkamp" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Osterkamp.jpg?fit=178%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Osterkamp.jpg?fit=613%2C1030&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Osterkamp.jpg?resize=178%2C300&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-119763" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Osterkamp.jpg?resize=178%2C300&amp;ssl=1 178w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Osterkamp.jpg?resize=613%2C1030&amp;ssl=1 613w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Osterkamp.jpg?resize=48%2C80&amp;ssl=1 48w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Osterkamp.jpg?resize=768%2C1291&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Osterkamp.jpg?resize=300%2C504&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/07/Cover-Osterkamp.jpg?w=892&amp;ssl=1 892w" sizes="auto, (max-width: 178px) 100vw, 178px" /></figure>
</div>


<p>Im November 1824 wurde am Weimarer Hoftheater das Trauerspiel <em>Der Paria</em> des jungen Dramatikers Michael Beer aufgeführt – auf Betreiben Johann Wolfgang von Goethes, der das Stück schon vorher in seiner Zeitschrift <em>Über Kunst und Alterthum</em> hatte rezensieren lassen. Beer war auf dem Höhepunkt seiner Anerkennung angelangt, doch sein eigentliches Anliegen ging dabei unter: Er hatte sein Stück als Parabel auf den Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft angelegt; Goethe hingegen interessierten daran vor allem der indische Stoff, mit dem er sich ebenfalls befasste, und das Allgemeinmenschlich-Tragische.</p>



<p>Ich habe in Ernst Osterkamps Monografie über Michael Beer nicht nur diesen heute völlig vergessenen Dichter kennengelernt, sondern auch die Literaturgeschichte des frühen 19. Jahrhunderts aus einer neuen Perspektive entdeckt – von der späten Goethezeit über Karl Immermann und die Düsseldorfer „Musterbühne“ bis zu der Polemik zwischen den Dichtern August Graf von Platen und Heinrich Heine – zwei Außenseiter, die das Außenseitertum des jeweils anderen öffentlich skandalisierten und in der Folge beide das Land verlassen mussten.</p>



<p>Michael Beer, der jüngere Bruder des Komponisten Giacomo Meyerbeer, schreckte vor solchen scharfen Auseinandersetzungen zurück. Vielleicht ist dies ein Grund dafür, dass man sich nicht mehr an ihn erinnert.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Michael Beer war ein deutscher Jude, der alles, was er sich als Trauerspieldichter zu erreichen vorgenommen hatte, im Widerstand gegen das antisemitische Ressentiment, das in der Korrespondenz mit seiner Familie den Namen „Risches“ trägt, durchsetzen musste. Ein Epigone? Dies pauschale Urteil besagt angesichts der vielfältigen werkkonstitutiven Spannungen, die sein Leben durchziehen, nicht viel. Eine Randfigur der Literaturgeschichte gar? Michael Beer war eine repräsentative Gestalt des ersten Jahrhundertdrittels und stand inmitten gesellschaftlicher Bezüge und literarischer Verbindungen, wie nur wenige Autoren seiner Zeit über sie verfügten [&#8230;] Wer Michael Beers Leben zu vergegenwärtigen sich vorgenommen hat, besichtigt zugleich sein Zeitalter in dessen zentralen künstlerischen, politischen und sozialen Spannungen.</p>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"> <div class="su-row">



<p>Ernst Osterkamp<br><strong>Der Dichter und der Risches</strong><br>Leben und Werk des Michael Beer (1800-1833)<strong><br></strong>Wallstein 2024 · 256 Seiten · 24 Euro<br>ISBN: 978-3-8353-5741-9<br></p>



Bei <a href="https://yourbook.shop/book/?isbn=9783835357419&amp;ref=tell" title="Mit Ihrer Bestellung bei youbook.shop unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" target="_blank" rel="noopener noreferrer">yourbook.shop</a> oder im lokalen Buchhandel


</div> </div></div>
</div></div>
</blockquote>



<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: Foto von nortonsrx via iStock



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



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<p></p>
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		<title>Weihnachtstipps 2024</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Dec 2024 05:49:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[tell-Listen]]></category>
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					<description><![CDATA[In unseren drei Weihnachtstipps geht es ums Verstehen: Bei Jens Bisky ist es der Aufstieg des Faschismus, bei Zora del Buono der Tod ihres Vaters, bei Manès Sperber das 20. Jahrhundert.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Vom Sterben der Demokratie</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Weihnachtstipp von Herwig Finkeldey</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="900" height="1379" data-attachment-id="119533" data-permalink="https://tell-review.de/weihnachtstipps-2024/cover-bisky/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/12/Cover-Bisky.jpg?fit=979%2C1500&amp;ssl=1" data-orig-size="979,1500" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover Bisky" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/12/Cover-Bisky.jpg?fit=196%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/12/Cover-Bisky.jpg?fit=672%2C1030&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/12/Cover-Bisky.jpg?resize=900%2C1379&#038;ssl=1" alt="Buchcover Jens Bisky: Die Entscheidung" class="wp-image-119533" style="width:286px;height:auto" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/12/Cover-Bisky.jpg?w=979&amp;ssl=1 979w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/12/Cover-Bisky.jpg?resize=196%2C300&amp;ssl=1 196w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/12/Cover-Bisky.jpg?resize=672%2C1030&amp;ssl=1 672w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/12/Cover-Bisky.jpg?resize=52%2C80&amp;ssl=1 52w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/12/Cover-Bisky.jpg?resize=768%2C1177&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/12/Cover-Bisky.jpg?resize=300%2C460&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /></figure>
</div>


<p>Jens Biskys neustes Buch <em>Die Entscheidung</em> erzählt aus sehr vielen Blickwinkeln die Jahre des Scheiterns der Weimarer Republik: von 1929 bis zur endgültigen Etablierung der totalen Macht Adolf Hitlers 1934, nach dem Röhm-Putsch und dem Tod Hindenburgs.</p>



<p>Bisky findet in diesem Buch natürlich keine das bisherige Geschichtsbild umstürzenden neuen Erkenntnisse – zu auserzählt und ausgeforscht ist diese Episode der deutschen Geschichte. Aber was dieses Buch leistet, muss man bewundern. Ohne Phrasen und ohne billige Anklagen erzählt Jens Bisky das Sterben der Demokratie. Er macht klar, dass der Weg nicht notwendigerweise zum schrecklichen Ende hätte führen müssen. Man hätte es verhindern können. </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Wer heute auf das Ende Weimars zurückblickt, weiß: Es ist politisch leichtfertig, nicht mit dem Schlimmsten zu rechnen.</p>
</blockquote>



<p>Eine Aussage, die nicht nur historisch zu verstehen ist.</p>



<p>Jens Bisky<br><strong>Die Entscheidung. Deutschland 1929-1934</strong><br>Rowohlt Berlin 2024 · 640 Seiten · 34 Euro<br>ISBN: 978-3737101257</p>



<p>Bei <a href="https://yourbook.shop/books/32803251" target="_blank" rel="noreferrer noopener">yourbook.shop</a> oder im lokalen Buchhandel</p>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Very creative non-fiction</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Weihnachtstipp von Sieglinde Geisel</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="329" height="512" data-attachment-id="119534" data-permalink="https://tell-review.de/weihnachtstipps-2024/cover-del-buono/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/12/Cover-del-Buono.jpg?fit=329%2C512&amp;ssl=1" data-orig-size="329,512" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover del Buono" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/12/Cover-del-Buono.jpg?fit=193%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/12/Cover-del-Buono.jpg?fit=329%2C512&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/12/Cover-del-Buono.jpg?resize=329%2C512&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-119534" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/12/Cover-del-Buono.jpg?w=329&amp;ssl=1 329w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/12/Cover-del-Buono.jpg?resize=193%2C300&amp;ssl=1 193w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/12/Cover-del-Buono.jpg?resize=51%2C80&amp;ssl=1 51w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/12/Cover-del-Buono.jpg?resize=300%2C467&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 329px) 100vw, 329px" /></figure>
</div>


<p>Zora del Buonos <a href="https://www.schweizerbuchpreis.ch/preistraegerinnen/">preisgekröntes Buch</a> ist kein Roman, aber es liest sich, als wäre es einer. Ich würde es als „very creative nonfiction“ bezeichnen. Zora del Buono erzählt die Geschichte einer Recherche: Als ihr Vater mit 33 Jahren bei einem Autounfall starb, war sie noch ein Baby. Fast sechzig Jahre später macht sie sich auf die Suche nach dem Chevrolet-Fahrer, der an dem Unfall schuld war. Diese Spurensuche ist der rote Spannungsfaden einer Collage, zu der schonungslose Selbstanalyse („Liste der eigenen Deformationen“) ebenso gehört wie Wissenswertes über die Frauenbewegung der Schweiz und Besuche im Pflegeheim, denn ihre Mutter ist inzwischen dement, sie hat auch den Vater vergessen, um den sie ein Leben lang getrauert hat. In den Intermezzi &#8222;IM KAFFEEHAUS&#8220; unterhalten sich die Ich-Erzählerin, ein Mann namens Munz und Isadora über philosophische Themen, zum Beispiel über das Schweigen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Zunehmend glaube ich, dass es hochkompliziert ist, was sprachlich geht und was nicht, sagt Isadora. Du lernst von Anfang an, worüber du reden kannst [&#8230;]. Die halbe Welt besteht aus Tabus und heißen Zonen. Generationen haben über die Nazis nicht geredet, da konnten die 68er fragen, so viel sie wollten, da kam nichts.</p>
</blockquote>



<p>Zora del Buono<br><strong>Seinetwegen</strong><br>C. H. Beck 2024 · 204 Seiten · 23 Euro<br>ISBN: 9783406822407<br>Bei <a href="https://yourbook.shop/books/32760926" target="_blank" rel="noreferrer noopener">yourbook.shop</a>&nbsp;oder im lokalen Buchhandel</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Das 20. Jahrhundert in einem Brennglas</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Weihnachtstipp von Hartmut Finkeldey</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="330" height="512" data-attachment-id="119535" data-permalink="https://tell-review.de/weihnachtstipps-2024/cover-sperber/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/12/Cover-Sperber.jpg?fit=330%2C512&amp;ssl=1" data-orig-size="330,512" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover Sperber" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/12/Cover-Sperber.jpg?fit=193%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/12/Cover-Sperber.jpg?fit=330%2C512&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/12/Cover-Sperber.jpg?resize=330%2C512&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-119535" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/12/Cover-Sperber.jpg?w=330&amp;ssl=1 330w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/12/Cover-Sperber.jpg?resize=193%2C300&amp;ssl=1 193w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/12/Cover-Sperber.jpg?resize=52%2C80&amp;ssl=1 52w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/12/Cover-Sperber.jpg?resize=300%2C465&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 330px) 100vw, 330px" /></figure>
</div>


<p>Ich empfehle eine kleine Wiederentdeckung: Manés Sperbers autobiografische Trilogie <em>All das Vergangene</em>.</p>



<p>In Manès Sperbers Leben zeigt sich das 20. Jahrhundert wie in einem Brennglas gebündelt. Ich belasse es bei Stichworten: aufgewachsen im Schtetl (er schreibt „Städtel“, aber keine Sorge: uns wird kein verlogener Anatevka-Kitsch angeboten!), im ersten Weltkrieg verarmt in Wien, dort früh politisiert, nicht zuletzt durch die zionistische Jugend; Justizpalastbrand, dann Alfred Adler, Berlin, Brecht, die KP, die obligate Moskaureise 1931, dort beginnende Desillusionierung, die faschistische Bedrohung, der 30. Januar 1933 (Sperbers Erinnerung an die „Machtergreifung“ gehört in unsere Schullesebücher!), Exil, Münzenberg.</p>



<p>Sperber erzählt analytisch und leidenschaftlich zugleich. Ein Intellektueller des 20. Jahrhunderts, der erleben musste, wie alle Utopie an menschlicher Schwäche scheitert.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
[&#8230;] ob ich es dem Leser nicht zu schwer mache, mein damaliges Verhalten zu verstehen; dieses beschränkende, verschränkende Ineinander von Wissen und Nichtwissen, von Verzweiflung über die getäuschte Hoffnung und von Begeisterung für alles, was auch nur im Entferntesten einer Erfüllung nahe kommen konnte.</p>
</blockquote>



<p>Manès Sperber<br><strong>All das Vergangene</strong>. Ausgewählte Werke<br>Sonderzahl 2023 · 609 Seiten · 44 Euro<br>ISBN: 9783854496281<br>Bei&nbsp;<a href="https://yourbook.shop/books/31340983" target="_blank" rel="noreferrer noopener">yourbook.shop</a> oder im lokalen Buchhandel</p>



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<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: Sieglinde Geisel</h6>



<div class="wp-block-image"><p align="center"><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady"/></a></p></div>
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		<title>Sommertipps 2024</title>
		<link>https://tell-review.de/sommertipps-2024/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Jul 2024 08:33:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[tell-Listen]]></category>
		<category><![CDATA[Sommer 2022]]></category>
		<category><![CDATA[tell-Liste]]></category>
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					<description><![CDATA[Für den Sommer empfehlen wir zwei Romane des belarussischen Autors Alhierd Bacharevič, Klassiker von Stanisław Lem und Simone de Beauvoir sowie ein deutsch-deutsches Sachbuch.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Große Literatur aus Belarus</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Zwei Lektüretipps von Sieglinde Geisel</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-medium"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="211" height="300" data-attachment-id="119391" data-permalink="https://tell-review.de/sommertipps-2024/cover-europas-hunde/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Cover-Europas-Hunde.jpg?fit=367%2C522&amp;ssl=1" data-orig-size="367,522" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover Europas Hunde" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Cover-Europas-Hunde.jpg?fit=211%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Cover-Europas-Hunde.jpg?fit=367%2C522&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Cover-Europas-Hunde.jpg?resize=211%2C300&#038;ssl=1" alt="Cover Alhierd Bacharevic: Europas Hunde" class="wp-image-119391" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Cover-Europas-Hunde.jpg?resize=211%2C300&amp;ssl=1 211w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Cover-Europas-Hunde.jpg?resize=56%2C80&amp;ssl=1 56w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Cover-Europas-Hunde.jpg?resize=300%2C427&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Cover-Europas-Hunde.jpg?w=367&amp;ssl=1 367w" sizes="auto, (max-width: 211px) 100vw, 211px" /></figure>
</div>


<p>Ich empfehle dieses Jahr zwei Bücher des großen belarussischen Autors Alhierd&nbsp;Bacharevič. Sein opus magnum <em>Europas Hunde</em> ist im Februar 2024 auf Deutsch erschienen (im belarussischen Original 2017), eine irrwitzige Phantasmagorie in sechs Teilen, die bis ins Jahr 2050 reicht. Eigentlich sind es sechs komprimierte, locker verbundene Romane: Die erfundene Sprache Balbuta spielt eine wichtige Rolle, es gibt wiederkehrende Figuren, und die Bewohner der späteren Welten diskutieren über die Ereignisse der Vergangenheit, beispielsweise darüber, dass es einst ein Land namens Belarus gegeben hat, das allerdings längst vom russischen „Reich“ geschluckt wurde und nun nur noch dessen Westgrenze darstellt.</p>



<p>Der Roman ist nicht nur politisch visionär, sondern auch sprachlich eine Meisterleistung, und zwar sowohl des Autors als auch seines Übersetzers Thomas Weiler. Eine der interessantesten Figuren des Romans ist eine uralte Babka mit schamanischen Fähigkeiten, und so sieht sie aus:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Ein schwarzes, greisenhaft grobporiges, wie eine gusseiserne Pfanne verbackenes Gesicht, dicklippig, mit gekräuselten grauen Härchen am Kinn, dem kleinen feuchten Dotter der Augen, in dem die blaue Iris schwamm.</p>
</blockquote>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"> <div class="su-row">



<p>Alhierd Bacharevič<br><strong><strong>Europas Hunde</strong></strong><br>Roman<br>Aus dem Belarussischen von Thomas Weiler<br>Voland &amp; Quist 2024 · 740 Seiten · 36 Euro<br>ISBN: 9783863913151</p>



Bei <a href="https://yourbook.shop/book/?isbn=9783863913151&amp;ref=tell" title="Mit Ihrer Bestellung bei youbook.shop unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" target="_blank" rel="noopener noreferrer">yourbook.shop</a> oder im lokalen Buchhandel


</div> </div></div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>
</div></div>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="309" height="522" data-attachment-id="119392" data-permalink="https://tell-review.de/sommertipps-2024/das-letzte-buch/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Das-letzte-Buch.jpg?fit=309%2C522&amp;ssl=1" data-orig-size="309,522" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Das-letzte-Buch" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Das-letzte-Buch.jpg?fit=178%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Das-letzte-Buch.jpg?fit=309%2C522&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Das-letzte-Buch.jpg?resize=309%2C522&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-119392" style="width:231px;height:auto" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Das-letzte-Buch.jpg?w=309&amp;ssl=1 309w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Das-letzte-Buch.jpg?resize=178%2C300&amp;ssl=1 178w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Das-letzte-Buch.jpg?resize=47%2C80&amp;ssl=1 47w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Das-letzte-Buch.jpg?resize=300%2C507&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 309px) 100vw, 309px" /></figure>
</div>


<p><em>Das letzte Buch von Herrn A.</em> ist 2023 auf Deutsch erschienen (im belarussischen Original 2020). Um seine Schulden bei seinem Verleger zu begleichen, muss der Dichter A. dreißig Märchen schreiben. Er wohnt beim Verleger, und jeden Abend liest er der Familie und den Hausangestellten die Geschichte vor, die er an diesem Tag geschrieben hat: Literaturkritik live in Form einer poetologischen Scheherazade, so unterhaltsam wie intelligent. Zwischen den Figuren entspinnt sich dabei eine Romanhandlung, die weit über eine bloße Rahmenerzählung hinausgeht.</p>



<p>Zugleich geht es ganz zwanglos um Kriterien für Literatur.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Ich hatte Angst, und ich lächelte dabei… Ich mag es, wenn Furcht und Lachen zusammengehen, wie zwei schöne Burschen.“</p>
</blockquote>



<p>So die Frau des Verlegers über ein Märchen.</p>



<p>Jede Geschichte führt uns ein anderes Genre vor: Krimi, phantastische Begebenheit, modernistische Innerlichkeit – ein virtuoses Sammelsurium, bei Bedarf mit analytischen Schlaglichtern wie hier in einer politischen Parabel:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>In den Jahren meiner Jugend fand in meiner Heimat die Große Revolution statt. Zur Macht kam das Volk, und der Führer des Volkes war der Große Genosse Kyndyrgyl. Er träumte vom Glück für alle – mit Ausnahme derer, die es nicht verdienten.“</p>
</blockquote>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"> <div class="su-row">



<p>Alhierd Bacharevič<br><strong><strong>Das letzte Buch von Herrn A.</strong></strong><br>Roman<br>Aus dem Belarussischen von Andreas Rostek<br>Edition FotoTapeta 2023 · 464 Seiten · 25 Euro<br>ISBN: 9783949262234</p>



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</div> </div></div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Meister des Fingierens</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Lektüretipp von Hartmut Finkeldey</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-medium"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="186" height="300" data-attachment-id="119396" data-permalink="https://tell-review.de/sommertipps-2024/sterntagebuecher/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Sterntagebuecher.jpg?fit=276%2C445&amp;ssl=1" data-orig-size="276,445" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Sterntagebücher" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Sterntagebuecher.jpg?fit=186%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Sterntagebuecher.jpg?fit=276%2C445&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Sterntagebuecher.jpg?resize=186%2C300&#038;ssl=1" alt="Cover von Stanislaw Lem: Sterntagebücher" class="wp-image-119396" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Sterntagebuecher.jpg?resize=186%2C300&amp;ssl=1 186w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Sterntagebuecher.jpg?resize=50%2C80&amp;ssl=1 50w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Sterntagebuecher.jpg?w=276&amp;ssl=1 276w" sizes="auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px" /></figure>
</div>


<p>Die <em>Sterntagebücher</em> von Stanisław Lem sind eine Auswahlausgabe der „Schriften“ des Reisenden und Forschers Ijon Tichy, und zwar handelt es sich um die erweiterte Neuausgabe. Die Werkauswahl enthält die „Reiseberichte“ diverser Weltraumreisen (nicht die 26., die sich als apokryph erweisen hat!) nebst wissenschaftlichen Schriften.</p>



<p>Schon in der „Einleitung“ durch „Prof Taratonga“ zeigt sich Lem somit als Meister des Fingierens. Die einzelnen Geschichten hier aufzuzählen, ist wenig sinnvoll: die berühmte Zeitschleifengeschichte mit lauter Tichys, die achte Reise (letztlich nur ein Traum), wo sich Tichy als Delegierter der Erde um die Aufnahme in den Rat der Vereinten Planeten bemüht – und natürlich scheitert, denn die Erde wird bekanntlich von Irren bewohnt, die wie blöde aufeinander einschlagen&#8230;</p>



<p>Das ist alles großartig, zugleich im besten Sinne witzig und reflektiert. Den Schluss bildet Ijon Tichys offener Brief „Retten wir den Kosmos“. Dort schildet er, welche seltsamen Lebensformen die Planetenwelt hervorgebracht hat.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Auf der Protestenes lebt ein kleiner Vogel, die Entsprechung des irdischen Papageis, doch redet er nicht, sondern er schreibt.</p>
</blockquote>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"> <div class="su-row">



<p>Stanisław Lem<br><strong>Sterntagebücher</strong><br>Roman<br>Aus dem Polnischen von Caesar Rymarowicz<br>Suhrkamp 2021 · 523 Seiten · 10 Euro<br>ISBN: 9783518471463<br></p>



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</div> </div></div>
</div></div>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Lebenswelt urbaner Intellektueller</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Lektüretipp von Hartmut Finkeldey</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-medium"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="182" height="300" data-attachment-id="119397" data-permalink="https://tell-review.de/sommertipps-2024/die-mandarins/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Die-Mandarins.jpg?fit=270%2C445&amp;ssl=1" data-orig-size="270,445" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Die Mandarins" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Die-Mandarins.jpg?fit=182%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Die-Mandarins.jpg?fit=270%2C445&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Die-Mandarins.jpg?resize=182%2C300&#038;ssl=1" alt="Cover Simone de Beauvoir: Die Mandarins von Paris" class="wp-image-119397" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Die-Mandarins.jpg?resize=182%2C300&amp;ssl=1 182w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Die-Mandarins.jpg?resize=49%2C80&amp;ssl=1 49w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Die-Mandarins.jpg?w=270&amp;ssl=1 270w" sizes="auto, (max-width: 182px) 100vw, 182px" /></figure>
</div>


<p>Simone de Beauvoirs Roman <em>Die Mandarins von Paris</em> war 1955 der toast of the town in Paris und wurde sofort mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet. Natürlich kann man ihn als Schlüsselroman lesen (Robert Dubreuilh ist Sartre, seine Frau Anne ist de Beauvoir usw.). Und als solcher ist er ein Zeitdokument: Er dokumentiert eine der wichtigsten geistesgeschichtlichen Epochen Europas im zwanzigsten Jahrhundert, als um 1950 der französische Existenzialismus zur Leitphilosophie der Modernität avancierte und man sich zugleich mit Marx intensiv auseinandersetzte.</p>



<p>Darüber hinaus aber ist er ein Roman über die Lebenswelt urbaner Intellektueller überhaupt, ihrer intellektuellen Debatten, ihrer Streitereien, Zerwürfnisse, Gegnerschaften, ihrer amourösen Abenteuer – also ihrer Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung. </p>



<p>Somit ist der Roman heute so aktuell wie eh: Im Jahr 2024 ist er auch ein Roman über uns.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Verrückt ist es, an wie viele Dinge man nicht denken darf, wenn man ohne Entgleisung von einem zum anderen Ende des Tages gehen will.</p>
</blockquote>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"> <div class="su-row">



<p>Simone de Beauvoir<br><strong>Die Mandarins von Paris</strong><br>Roman<br>Aus dem Französischen von Ruth Ücker-Lutz und Fritz Montfort<br>rororo Taschenbuch 1975 · 1033 Seiten · 16 Euro<br>ISBN: 9783499107610</p>



Bei <a href="https://yourbook.shop/book/?isbn=9783499107610&amp;ref=tell" title="Mit Ihrer Bestellung bei youbook.shop unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" target="_blank" rel="noopener noreferrer">yourbook.shop</a> oder im lokalen Buchhandel


</div> </div></div>
</div></div>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Deutsch-deutsche Befindlichkeiten</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Lektüretipp von Herwig Finkeldey</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-medium"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="184" height="300" data-attachment-id="119399" data-permalink="https://tell-review.de/sommertipps-2024/cover-ungleich-vereint/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Cover-Ungleich-vereint.jpg?fit=314%2C512&amp;ssl=1" data-orig-size="314,512" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover Ungleich vereint" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Cover-Ungleich-vereint.jpg?fit=184%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Cover-Ungleich-vereint.jpg?fit=314%2C512&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Cover-Ungleich-vereint.jpg?resize=184%2C300&#038;ssl=1" alt="Cover Steffen Mau: Ungleich vereint" class="wp-image-119399" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Cover-Ungleich-vereint.jpg?resize=184%2C300&amp;ssl=1 184w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Cover-Ungleich-vereint.jpg?resize=49%2C80&amp;ssl=1 49w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Cover-Ungleich-vereint.jpg?resize=300%2C489&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2024/07/Cover-Ungleich-vereint.jpg?w=314&amp;ssl=1 314w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" /></figure>
</div>


<p>Das Sachbuch <em>Ungleich vereint</em> von Steffen Mau ist das rechte Buch zur rechten Zeit, gewissermaßen eine vorweg genommene Analyse der Landtagswahlen im Herbst, deren Ergebnis mutmaßlich in einem fulminanten Stimmenzuwachs zugunsten der AfD und einem Eintritt des BSW in die ostdeutschen Landesparlamente bestehen wird. Die Landkarte der Europawahl gibt ja exakt die alte deutsch-deutsche Grenze wieder: Das AfD-Blau färbt das Gebiet der ehemaligen DDR ein, das CDU/CSU-Schwarz die alte Bundesrepublik, jeweils mit einigen rot-grünen Einsprengseln.</p>



<p>Es ist hier nicht der Ort, alle Thesen und Beobachtungen aus Maus Buch zu analysieren. Exemplarisch seien seine klugen Beobachtungen zum Jahr 1990 genannt. Das Ergebnis der Einheit nennt Mau eine „ausgebremste Demokratisierung“, die nach der „Selbstermächtigung“ des Revolutionsherbstes 1989 zur „Selbstentmachtung“ durch die Übernahme eines fremden, vermeintlich gut funktionierenden Systems führte, im Jahr 1990.</p>



<p>Die rasche Enttäuschung bewirkte sehr unterschiedliche Deutungen in Ost und West. Dagegen resümiert Steffen Mau: </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Wer in der Ost-West-Debatte mit Schuldbegriffen operiert, ist schon auf dem Holzweg.</p>
</blockquote>



<p>Man kann diesem Buch nur wünschen, dass es vielen hilft, diesen „Holzweg“ zu verlassen. Sei es nun am Strand der Lübecker Bucht oder am Strand von Usedom oder Hiddensee.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"> <div class="su-row">



<p>Steffen Mau<br><strong>Ungleich vereint</strong><br>Suhrkamp 2024 · 168 Seiten · 18 Euro<br>ISBN: 9783518029893<br></p>



Bei <a href="https://yourbook.shop/book/?isbn=9783518029893&amp;ref=tell" title="Mit Ihrer Bestellung bei youbook.shop unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" target="_blank" rel="noopener noreferrer">yourbook.shop</a> oder im lokalen Buchhandel


</div> </div></div>
</div></div>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: Foto von Toa Heftiba auf Unsplash



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<div class="wp-block-image"><p align="center"><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady"/></a></p></div>
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		<title>Das erste Mal</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Jun 2024 05:46:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
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					<description><![CDATA[Um Kafka kommt niemand herum. Aus Anlass seines 100. Todestags berichten wir von unserer ersten Lektüre. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">



<p>Die erste Begegnung mit Kafkas Werk liegt meistens in der Schulzeit. In unserer Reihe zu Kafkas 100. Todestag wenden wir uns seinem Werk zu.</p>



<p>Weitere Beiträge:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://tell-review.de/toxische-buergerlichkeit/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Toxische Bürgerlichkeit</a>, 5. Juni 2024</li>



<li><a href="https://tell-review.de/das-schwarze-loch-der-hoffnung/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Das schwarze Loch der Hoffnung</a>, 7. Juni 2024</li>



<li><a href="https://tell-review.de/die-brotloseste-aller-kuenste/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die brotlosteste aller Künste</a>, 12.6.2024</li>



<li><a href="https://tell-review.de/erloesung-durch-gewalt/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Erlösung durch Gewalt</a>, 18.6.2024</li>



<li><a href="https://tell-review.de/geisterstunde/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geisterstunde</a>, 20. Juni 2024</li>
</ul>


</div></div>
</div></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Anselm Bühling</strong></h2>



<p>An meine erste Begegnung mit Kafka habe ich keine genaue Erinnerung. Ich muss älter als zehn und jünger als fünfzehn gewesen sein. Und ich vermute, mein erster Text war&nbsp;„Vor dem Gesetz“. Diese kurze Parabel war meinem Vater wichtig; sie kam auch im Deutschunterricht vor und vielleicht im Konfirmationsunterricht.<br>Mein Verhältnis zu Kafka ist, seit der Name mir etwas sagt, ambivalent gewesen. Da war die Schwere der großen Deutungen: das Belastende, Bedrohliche, Zwanghafte, das umso stärker hervortrat, weil es sich mit der Zerstörung der Welt verband, in der es entstanden war und von der ich nichts wusste. Da war aber auch diese Sprache, die gar nichts Belastendes oder Bedrohliches hat, sondern glasklar ist. Sie macht sichtbar, wovon sie redet, anstatt Bilder davorzuschieben. Sie ist nicht zwanghaft, aber umso bezwingender in dem, was sie zeigt und was sich an ihr lernen lässt.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Herwig Finkeldey</strong></h2>



<p>Meine erste Begegnung mit Franz Kafka kann ich nicht sicher datieren. Es könnte die Schule gewesen sein. Möglich ist aber auch ein Suhrkamp Taschenbuch von Hermann Hesse mit dem Titel <em>Literaturgeschichte in Rezensionen und Aufsätzen</em>, das sich damals in meinem Besitz befand und in dem sehr ausführlich und beinahe ehrfürchtig von einem gewissen Franz Kafka die Rede gewesen ist. An das Elektrisierende der ersten Lesung, es war <em>Der Prozeß</em>, kann ich mich hingegen sehr genau erinnern. Und daran hat sich bis heute nichts geändert.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Sieglinde Geisel</strong></h2>



<p>Ich hatte im Gymnasium Streit mit meinem Französischlehrer: Weil ich seinen Unterricht unerträglich fand, las ich oft heimlich unter dem Tisch. Irgendwann einigten wir uns darauf, dass ich seinen Unterricht nicht mehr störe und er mich beim Lesen nicht mehr stört. Im Deutschunterricht hatten wir Kafka, ich erinnere mich an „Die Verwandlung“ und <em>Der Prozess</em>. Ich war sofort angefixt.<br>Also las ich nun im Französisch-Unterricht unterm Tisch Kafka. Was zur Folge hatte, dass ich die Geistlosigkeit des Unterrichts erst recht nicht mehr ertrug.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Agnese Franceschini</strong></h2>



<p>Wie alle italienischen Schüler und Schülerinnen habe ich „Die Verwandlung“ gelesen, aber nicht viel davon verstanden. Es war eine Pflichtlektüre, ziemlich absurd und ich war von dem Text nicht besonders angezogen.<br>Als ich meine Diplomarbeit über Musils Mann ohne Eigenschaften schreiben sollte, wurde ich von meinem Professor aufgefordert, unter anderem auch <em>Der Prozess</em> von Kafka zu lesen. Doch nach wenigen Seiten war mir klar, dass ich den Roman nicht lesen werde. Ich konnte die sinn- und&nbsp;hoffnungslose Situation nicht ertragen, das Gefühl der Angst und Hilflosigkeit hinderte mich daran, weiterzulesen. So habe ich Kafka nicht gelesen, aber das Kafkaeske wohl fast am eigenen Leib, wenn nicht erfahren, dann zumindest erkannt.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Hartmut Finkeldey</strong> </h2>



<p>Es war tatsächlich Kafka, durch den ich zur Literatur kam, und das Ganze kam überraschend, ohne jede Vorahnung: Ich war 14, als unser Deutschlehrer – P.B., ein Kafka-Kenner und Liebhaber – im Deutschunterricht „Vor dem Gesetz“ lesen ließ. Es gibt sie, die Texte, die einfach ‚einschlagen‘; dies war meiner. Ich stornierte alle Wunschzettel zu Weihnachten und wollte ausschließlich „Alles von Kafka“ haben, und meine Eltern begingen den Fehler, darauf einzugehen.<br>Schon vor der Bescherung griff ich zum Band <em>Das Urteil und andere Erzählungen</em>, denn er lag bereits in der häuslichen Bibliothek vor, als Fischer-Taschenbuch, „Das gute Buch für jedermann“, herrlichstes 50er-Jahre-Design. Als erstes las ich „In der Strafkolonie“, und damit war alles entschieden. Natürlich verstand ich nichts (von „Warum wird der Verurteilte so gequält?“ bis „Warum spuckt die Maschine jetzt Zahnräder aus?“) – von zwei Dingen abgesehen: Mir war sofort klar, dass man hier mit einem „Was will uns der Dichter damit sagen?“ nicht wirklich weiterkommt, und ich sah sofort, wie großartig Kafkas Schreibverfahren war: Das Entsetzliche derart lakonisch zu schildern, bisweilen so, als handele es sich um eine Betriebsanleitung – das war groß.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">



<p>Unsere erste Lektüre liegt viele Jahrzehnte zurück. In den nächsten Tagen widmen wir uns dem Wiederlesen von Kafkas Texten.</p>


</div></div>
</div></div>



<div class="wp-block-image"><p align="center"><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady"/></a></p></div>
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		<title>Weihnachtstipps 2023</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Dec 2023 07:24:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[tell-Listen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://tell-review.de/?p=118801</guid>

					<description><![CDATA[Dieses Jahr empfehlen wir existenzielle Literatur: einen Krimi mit literaturwissenschaftlichem Anspruch, einen Mikrokosmos der kolonialen Lügen, abgründige Märchen, eine hochmusikalische Rosen-Prosa und einen Roman, der keiner ist.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Die Rosen und der Krieg</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Weihnachtstipp von Sieglinde Geisel</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="400" height="669" data-attachment-id="118802" data-permalink="https://tell-review.de/weihnachtstipps-2023/rosenroman_9783518431306_cover/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/rosenroman_9783518431306_cover.jpg?fit=400%2C669&amp;ssl=1" data-orig-size="400,669" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="rosenroman_9783518431306_cover" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/rosenroman_9783518431306_cover.jpg?fit=179%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/rosenroman_9783518431306_cover.jpg?fit=400%2C669&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/rosenroman_9783518431306_cover.jpg?resize=400%2C669&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-118802" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/rosenroman_9783518431306_cover.jpg?w=400&amp;ssl=1 400w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/rosenroman_9783518431306_cover.jpg?resize=179%2C300&amp;ssl=1 179w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/rosenroman_9783518431306_cover.jpg?resize=48%2C80&amp;ssl=1 48w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/rosenroman_9783518431306_cover.jpg?resize=300%2C502&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></figure>
</div>


<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>… auch wenn die Dinge zugrunde gingen, auch wenn sie zerstört wurden, wir lebten weiter, man konnte nicht nicht weiterleben, und da lebten wir eben, wie es ging, wir passten uns der Situation an, und das ist eine Regel, die immer gilt, denn was lebt, lebt immer so, wie es kann.</p>
</blockquote>



<p>Zoltán Danyis <em>Rosenroman</em> ist vom ersten bis zum letzten Satz ein existenzieller Text. Wir sind 440 Seiten lang im Bewusstsein eines Rosenzüchters; er wurde von seinem Vater aus dem Jugoslawien-Krieg herausgekauft, doch er ist von diesem Krieg ebenso traumatisiert, als wenn er in ihm gekämpft hätte.</p>



<p>Dass man mit Lesen nicht mehr aufhören kann, liegt an der Musik dieser von Terézia Mora brillant übersetzten Prosa. Der Roman entwickelt sich aus der Sprache selbst, und er dringt dabei immer tiefer in das Wesen der Rosen ein: in ihre Kolonisierung durch die Rosenzucht, in welcher der serbisch-ungarische Autor eine Verwandtschaft zum Krieg entdeckt.</p>



<p>Zoltán Danyis erster Roman <em>Der Kadaverräumer</em> (2019) handelt direkt vom Krieg. Auf tell gibt es dazu ein <a href="https://tell-review.de/da-der-krieg-nun-einmal-geschehen-ist-muss-ich-ihn-lieben/">Interview</a> mit dem Titel: „Da der Krieg nun einmal geschehen ist, muss ich ihn lieben“.</p>



<p>Zoltán Danyi<br><strong>Rosenroman</strong><br>Aus dem Ungarischen von Terézia Mora<br>Suhrkamp 2023 · 441 Seiten · 26 Euro<br>ISBN: 9783518431306</p>



<p>Bei <a href="https://yourbook.shop/books/31148645">yourbook.shop</a> oder im lokalen Buchhandel</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Ein Roman, der keiner ist</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Weihnachtstipp von Anselm Bühling</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="326" height="512" data-attachment-id="118803" data-permalink="https://tell-review.de/weihnachtstipps-2023/aichinger/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Aichinger.jpg?fit=326%2C512&amp;ssl=1" data-orig-size="326,512" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Aichinger" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Aichinger.jpg?fit=191%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Aichinger.jpg?fit=326%2C512&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Aichinger.jpg?resize=326%2C512&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-118803" style="width:332px;height:515px" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Aichinger.jpg?w=326&amp;ssl=1 326w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Aichinger.jpg?resize=191%2C300&amp;ssl=1 191w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Aichinger.jpg?resize=51%2C80&amp;ssl=1 51w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Aichinger.jpg?resize=300%2C471&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 326px) 100vw, 326px" /></figure>
</div>


<p>Im Zentrum von Ilse Aichingers Roman <em>Die größere Hoffnung</em> steht ein verzweifeltes Krippenspiel. Eine Gruppe von Kindern übt es ein. Sie müssen sich vor der Geheimpolizei verstecken, denn sie haben die falschen Großeltern.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Maria ließ das Bündel fallen und Josef stieß dem Engel leicht in die Seite. Der Engel wandte den Kopf und lächelte hilflos zu den heiligen drei Königen hinüber, die als Landstreicher verkleidet miteinander auf der großen Kiste saßen. Die heiligen drei Könige zogen die Beine ein wenig hoch und starrten brennend, mit blassen, finsteren Gesichtern nach der Tür. Es hatte geläutet.“​​</p>
</blockquote>



<p>Das Buch ist 1948 erschienen. Aichinger, damals 27 Jahre alt, hatte den Krieg in Wien überlebt. Sie hatte, wie ihre Protagonistin Ellen, zwei „falsche Großeltern“ und war auf sich allein gestellt, nachdem ihre Mutter in die USA ausgereist und ihre jüdische Großmutter, bei der sie lebte, 1942 deportiert worden war. 1996 sagte Aichinger in einem Interview: &#8222;Ich wollte zunächst eigentlich nur einen Bericht über die Kriegszeit schreiben. An ein Buch habe ich gar nicht gedacht, ich wollte nur alles so genau wie möglich festhalten. Als das Buch dann bei Fischer erschienen ist, stand noch immer viel zuviel drin. Ich wollte am liebsten alles in einem Satz sagen, nicht in zwanzig.&#8220;</p>



<p>Aichingers Texte wurden von da an immer kürzer und dichter. <em>Die größere Hoffnung</em> bliebt ihr einziger Roman. Der eigentlich gar keiner ist. Er hat mehr mit Musik gemein als mit einer Erzählung, er ist mehr Traum als Bericht. Die Sprache ist fremd und vertraut, aus der Zeit gefallen und doch ganz gegenwärtig. Sie lässt mich nicht mehr los.</p>



<p>Ilse Aichinger<br><strong>Die größere Hoffnung</strong><br>Fischer 1991 · 288 Seiten · 13 Euro<br>ISBN: 978-3-596-11041-4<br>Bei <a href="https://yourbook.shop/books/1339759">yourbook.shop</a>&nbsp;oder im lokalen Buchhandel</p>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Shakespeare in New York</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Weihnachtstipp von Herwig Finkeldey</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="621" height="1030" data-attachment-id="118804" data-permalink="https://tell-review.de/weihnachtstipps-2023/bronfen/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Bronfen.jpg?fit=905%2C1500&amp;ssl=1" data-orig-size="905,1500" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Bronfen" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Bronfen.jpg?fit=181%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Bronfen.jpg?fit=621%2C1030&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Bronfen.jpg?resize=621%2C1030&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-118804" style="width:319px;height:515px" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Bronfen.jpg?resize=621%2C1030&amp;ssl=1 621w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Bronfen.jpg?resize=181%2C300&amp;ssl=1 181w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Bronfen.jpg?resize=48%2C80&amp;ssl=1 48w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Bronfen.jpg?resize=768%2C1273&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Bronfen.jpg?resize=300%2C497&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Bronfen.jpg?w=905&amp;ssl=1 905w" sizes="auto, (max-width: 621px) 100vw, 621px" /></figure>
</div>


<p>Elisabeth Bronfens erstes belletristisches Werk, nach ihrer Emeritierung vom Lehrstuhl für Literaturwissenschaft der Universität Zürich, kann man zunächst als einen Kriminalroman lesen.</p>



<p>In ihm ermittelt das mutmaßliche alter Ego der Autorin, die junge Literaturwissenschaftlerin Eva, in den 1990er Jahren den unklaren Todesfall ihres in einem New Yorker Krankenhaus verstorbenen Vaters. Dabei kommt ihr nicht nur ein älterer New Yorker Kriminalkommissar und ihr Bruder zu Hilfe, sondern auch William Shakespeare, dessen Werk Eva immer wieder an die Gegenwart und den rätselhaften Tod ihres Vaters erinnert:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Was mich an Shakespeare interessiert, ist die Lust am Geheimnis. […] Ich bezeichne das als „Kryptomanie“: ein zwanghafter Trieb zur Geheimhaltung.</p>
</blockquote>



<p>Zunächst hat Eva, wie auch der alte Kommissar, den Verdacht, dass die Stiefmutter beim Sterben des an einem Schlaganfall erkrankten Vaters nachgeholfen hat, im Sinne einer aktiven Sterbehilfe, und ermittelt in diese Richtung. Doch auch die Rolle des amerikanisch-jüdischen Vaters während des Krieges und der Besatzungszeit in München erweist sich schnell als ungeklärt. </p>



<p>Elisabeth Bronfen verknüpft den Plot mit kulturwissenschaftlichen Reflexionen – und mit Shakespeare. Wunderbar, wie sie die Hauptfiguren des Romans dem Shakespearschen Figurentableau aus <em>Hamlet</em> zuordnet. Die Lektüre ist ein intellektuelles Vergnügen, das an Umberto Ecos <em>Der Name der Rose</em> erinnert.</p>



<p>Elisabeth Bronfen<br><strong>Händler der Geheimnisse</strong><br>Limmat 2023 · 314 Seiten · 28 Euro<br>ISBN: 9783039260614<br>Bei&nbsp;<a href="https://yourbook.shop/books/31259179">yourbook.shop</a> oder im lokalen Buchhandel</p>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Abgründiges aus dem Märchenschatz</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Weihnachtstipp von Sieglinde Geisel</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="369" height="522" data-attachment-id="118805" data-permalink="https://tell-review.de/weihnachtstipps-2023/grimmschrat/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Grimmschrat.jpg?fit=369%2C522&amp;ssl=1" data-orig-size="369,522" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Grimmschrat" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Grimmschrat.jpg?fit=212%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Grimmschrat.jpg?fit=369%2C522&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Grimmschrat.jpg?resize=369%2C522&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-118805" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Grimmschrat.jpg?w=369&amp;ssl=1 369w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Grimmschrat.jpg?resize=212%2C300&amp;ssl=1 212w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Grimmschrat.jpg?resize=57%2C80&amp;ssl=1 57w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Grimmschrat.jpg?resize=300%2C424&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 369px) 100vw, 369px" /></figure>
</div>


<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Wie er aber an die Haustür kam, sprang der Mühlstein herunter und schlug ihn tot. Der Herr Korbes muss ein recht böser Mann gewesen sein.</p>
</blockquote>



<p>Über Herrn Korbes erfahren wir nichts weiter, als dass sich eine Meute von Tieren und Gegenständen in seinem Haus breitmacht, die sich gegen ihn verschworen hat: Katze, Ente, Mäuschen, Hühnchen und Hähnchen sowie Stecknadel, Nähnadel, Ei – und eben der fatale Mühlstein.</p>



<p>„Herr Korbes“ gehört zu den unbekannten Märchen im Band <a href="https://grimmschrat.de/grimm-4-blaubart-blut-dinge/"><em>Blaubart – Blut und Dinge</em></a>, der sich „dem Dunklen“ widmet. Es ist der vierte Band des auf fünf Bände angelegten Projekts <a href="https://grimmschrat.de/">Grimmschrat</a>: eine spektakuläre Neuausgabe der Gesammelten Märchen der Brüder Grimm durch den Künstler Henrik Schrat. In seinen Illustrationen verbindet Schrat die Archaik der Märchen mit unserer Gegenwart: durch Schauplätze und Gesichter, für die man ihm auf seiner <a href="https://grimmschrat.de/beteiligung/">Website</a> Vorschläge unterbreiten kann. </p>



<p>„Make it new“, so lautet Ezra Pounds Aufforderung an die Schriftsteller. Henrik Schrat ist eine Rundum-Erneuerung des Grimmschen Märchenwerks gelungen: Das liegt nicht nur an seinen Illustrationen, sondern auch an der dramaturgisch raffinierten Mischung zwischen den Evergreens und weniger bekannten Geschichten, die oft abgründiger sind als das Vertraute.</p>



<p>Henrik Schrat<br><strong>Grimms Märchen: Blaubart &#8211; Blut und Dinge</strong><br>Gesamtausgabe in fünf Bänden<br>Band vier<br>Textem 2023 · 285 Seiten · 34 Euro<br>ISBN: 978-3864852497<br>Bei <a href="https://www.amazon.de/Grimms-M%C3%A4rchen-Blaubart-Gesamtausgabe-illustriert/dp/3864852498/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=16JK7Z9RXM9VJ&amp;keywords=Blaubart+Schrat&amp;qid=1702570983&amp;s=books&amp;sprefix=blaubart+schrat%2Cstripbooks%2C110&amp;sr=1-1" data-type="link" data-id="https://www.amazon.de/Grimms-M%C3%A4rchen-Blaubart-Gesamtausgabe-illustriert/dp/3864852498/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=16JK7Z9RXM9VJ&amp;keywords=Blaubart+Schrat&amp;qid=1702570983&amp;s=books&amp;sprefix=blaubart+schrat%2Cstripbooks%2C110&amp;sr=1-1">Amazon </a>oder im lokalen Buchhandel</p>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Mikrokosmos der Lügen</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Weihnachtstipp von Hartmut Finkeldey</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="312" height="500" data-attachment-id="118807" data-permalink="https://tell-review.de/weihnachtstipps-2023/orwell/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Orwell.jpg?fit=312%2C500&amp;ssl=1" data-orig-size="312,500" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Orwell" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Orwell.jpg?fit=187%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Orwell.jpg?fit=312%2C500&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Orwell.jpg?resize=312%2C500&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-118807" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Orwell.jpg?w=312&amp;ssl=1 312w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Orwell.jpg?resize=187%2C300&amp;ssl=1 187w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Orwell.jpg?resize=50%2C80&amp;ssl=1 50w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2023/12/Orwell.jpg?resize=300%2C481&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 312px) 100vw, 312px" /></figure>
</div>


<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Das ganze Leben ist ein Leben der Lügen. Jahr für Jahr sitzt man in kleinen Clubs, in denen Kipling spukt, rechts einen Whisky, links die Sporting Times, und hört eifrig zustimmend zu, wie Colonel Bodger seine Theorie zum besten gibt, dass diese verdammten Nationalisten in Öl gesotten werden sollten.</p>
</blockquote>



<p>In <em>Tage in Burma</em> reflektiert Orwell über seine eigenen Erlebnisse als Kolonialoffizier, eine traumatische Erfahrung. Ort ist der fiktive Distrikt Kyauktada am Irrawady. Eine Kleinstadt, ein Mikrokosmos voller Lügen, also unerfüllter Sehnsucht, Alkohol und Gewalt.</p>



<p>Orwell zeigt, wie zerstörerisch, wie hoffnungslos sich das koloniale System auf alle auswirkt. Liebe? Freundschaft? Nicht hier, nicht so. Inmitten einer beeindruckenden Natur scheitert die „Sendung des weißen Mannes“, weil sie von vornherein auf Lüge und Gewalt basierte und alles und alle unheilbar  kontaminiert.</p>



<p>Der Roman konnte in England, bei Gollancz, zunächst nur gekürzt erscheinen. Das glauben wir sofort.</p>



<p>George Orwell<br><strong>Tage in Burma</strong><br>Aus dem Englischen von Manfred Allié<br>Mit einem Nachwort von Manfred Papst<br>Dörlemann 2021 · 464 Seiten · 30 Euro<br>ISBN: 978-3038200802<br>Bei <a href="https://yourbook.shop/books/25852198">yourbook.shop</a>&nbsp;oder im lokalen Buchhandel </p>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: Nino Caré<br>via Pixabay</h6>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<div class="wp-block-image"><p align="center"><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady"/></a></p></div>
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		<title>Was macht der russische Angriffskrieg mit uns?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Feb 2023 06:26:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ukraine-Krieg]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Jahr danach. Zeitgenossenschaft in Zeiten des Kriegs: Das bedeutet, mit Widersprüchen, Zweifeln, Hilflosigkeit zu leben. Und nachzudenken über das Zuhören, Machtpolitik und Privilegien.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">



<p>Am 24. Februar 2022 endete mit dem russischen Angriff auf die Ukraine jene Epoche, die spätestens 1991 mit dem Ende der Sowjetunion begonnen hatte. Im März 2022 brachten wir auf tell eine Reihe mit sehr persönlichen Artikeln, in denen wir einen knappen Monat nach Kriegsbeginn den ersten Schock verarbeiteten: </p>



<ul class="wp-block-list">
<li>21. März 2022: <a rel="noreferrer noopener" href="https://tell-review.de/wir-sind-keine-zuschauer/" target="_blank">Wir sind keine Zuschauer</a> (Anselm Bühling)</li>



<li>22. März 2022: <a rel="noreferrer noopener" href="https://tell-review.de/das-boese-in-der-politik/" target="_blank">Das Böse in der Politik</a> (Herwig Finkeldey)</li>



<li>24. März 2022: <a rel="noreferrer noopener" href="https://tell-review.de/krieg-oder-kein-krieg/" target="_blank">Krieg oder kein Krieg?</a> (Hartmut Finkeldey)</li>



<li>25. März 2022: <a rel="noreferrer noopener" href="https://tell-review.de/wird-schoenheit-die-welt-retten/" target="_blank">Wird Schönheit die Welt retten?</a> (Agnese Franceschini)</li>



<li>26. März 2022: <a rel="noreferrer noopener" href="https://tell-review.de/angriff-auf-den-sinn/" target="_blank">Angriff auf den Sinn</a> (Sieglinde Geisel)</li>
</ul>



<p>Nun ziehen wir nach dem ersten Kriegsjahr Bilanz, und wieder tun wir es ganz subjektiv. </p>


</div></div>
</div></div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Widersprüche</strong></h3>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Tomas Bächli</strong></h5>



<p>Ganz einfach: Solange es Waffen auf dieser Welt gibt, soll man sie alle der Ukraine für ihre Verteidigung zur Verfügung stellen, niemand benötigt sie dringender.</p>



<p>Es bleibt ein Widerspruch: Ich selbst kann mir nicht vorstellen, diese Waffen zu tragen, noch weniger kann ich mir vorstellen, dass das meine Kinder tun. </p>



<p>Das sind die Widersprüche der Glücklichen auf dem westeuropäischen Sofa.</p>



<p>Auf die Frage, ob ich mich im Kriegsfall einem Verteidigungskampf anschließen würde oder ob ich alles dransetzen würde, mich zu entziehen, kann ich von diesem Sofa aus ohnehin keine ehrliche Antwort geben.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Privilegien</strong></h3>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Sieglinde Geisel</strong></h5>



<p>Jeden Abend gehe ich mit dem Bewusstsein des Kriegs ins Bett, und jeden Morgen wache ich mit diesem Bewusstsein wieder auf. Und doch: Trotz aller Nachrichten, die mich auf Twitter aus nächster Nähe des Kriegs erreichen, kann ich mir nicht vorstellen, was es heißt, im Krieg zu sein.</p>



<p>Zugleich gibt es für mich ein Leben vor dem 24. Februar und eins danach. Seit einem Jahr fühle ich mich privilegiert, wenn ich abends in mein warmes Bett steige, ohne Angst vor Bomben, ohne Angst um Menschen an der Front.</p>



<p>Beim Gedanken, meine Söhne (19, 23) müssten an die Front, wird mir schlecht.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Hilflosigkeit </strong><strong></strong></h3>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Herwig Finkeldey</strong><strong></strong></h5>



<p>Ich kann, rein persönlich, nichts wirklich Neues über den Krieg schreiben. Meinem <a href="https://tell-review.de/das-boese-in-der-politik/">Text</a> von vor einem Jahr habe ich weder etwas hinzuzufügen noch etwas wegzunehmen.</p>



<p>Interessant scheinen mir die offenen Briefe und Erklärungen zu sein, von denen wir im Laufe des Jahres hören und lesen mussten. Sie sind bestenfalls Ausdruck der Hilflosigkeit, und in einem solchen Fall sind sie auch mir nahe. Denn hilflos gefangen im Netz des Krieges sind wir alle.</p>



<p>Ich fürchte aber, dass einige Unterschriften auch aus dem Geist der angemaßten Überlegenheit kommen. Eines frappiert mich dabei besonders: Diese meist linken Stimmen wurden doch sonst nie müde, vor einem drohenden neuen Faschismus im Westen zu warnen. Dass der neue Faschismus einer ist, der sich als Gegner des Westens definiert, erwischt viele auf dem falschen Fuß, lässt viele stolpern. Und manche sind noch inmitten der Fallbewegung.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Zuhören</strong><strong></strong></h3>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Anselm Bühling</strong></h5>



<p>„Es ist Zeit, uns zuzuhören!“ verkünden Alice Schwarzer und Sahra Wagenknecht in ihrem <em>Manifest für den Frieden</em> ein Jahr nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine.</p>



<p>Statt lautstark Aufmerksamkeit für uns selbst zu fordern, sollten wir besser den Angegriffenen zuhören. Und uns dann gut überlegen, wie wir ihnen antworten.</p>



<p>Achten wir darauf, wer das versucht – und wer sich dagegen vorstellt, man könnte über die Köpfe der Betroffenen hinweg zu einem Arrangement gelangen.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Machtpolitik</strong><strong></strong></h3>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Hartmut Finkeldey</strong><strong></strong></h5>



<p>Ich bin so rat- und fassungslos wie vor einem Jahr. Ich erinnere mich gut, wie ich auf die Nachricht reagierte: Oh Gott, der tut das ja wirklich! Und wie ich wochenlang, wenn der Fernseher an war, auf die Breaking News: „+++Putsch in Moskau+++Putsch in Moskau+++“ wartete. Es musste doch auch in Moskau noch Restvernunft geben! Denn dass Putin <em>in the very long run</em> vor allem auch seinem eigenen Land schadet, ist allen Denkfähigen klar.</p>



<p>Wo und wie soll das enden? Über die, gelinde gesagt, haltlose Naivität von Wagenknecht und Schwarzer müssen wir nicht reden, aber mich verstören auch die ganz Nassforschen. Neulich las ich auf Facebook, man müsse „Putin aus der Krim rausprügeln“. Dieses Maulheldentum! Wie viele toten Ukrainer dürfen‘s denn sein? 100 000? 200 000?</p>



<p>Mit gefallen Marc Saxers Analysen zum Krieg. Der politische Analyst, der das Asia-Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bangkok leitet, ist in seiner Haltungeindeutig. Er benennt den Aggressor klar und befürwortet Waffen, aber ohne Maximalmoral: „Russland ist ein Aggressor, den es zu bekämpfen und auf Dauer einzuhegen gilt. Die Frage ist, wie man dabei am wenigsten schlecht vorgeht, denn wirklich gute Optionen gibt es keine“, so in einem Facebook-Kommentar. Und ja, das kann auch faule Kompromisse enthalten. Nennt sich Machtpolitik, nennt sich Realpolitik, und die ist moralisch nie schön anzuschauen.</p>



<p>Die Ukraine würde dabei wohl eher nicht gefragt werden.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Zweifel</strong></h3>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Agnese Franceschini</strong></h5>



<p>Um mit der Wahrheit zu beginnen: Dies ist nicht der erste Krieg in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. In den neunziger Jahren gab es einen verheerenden Krieg im ehemaligen Jugoslawien. Aber wir haben ihn vergessen, vielleicht um Putins Aggression gegen die Ukraine in den Vordergrund zu rücken.</p>



<p>Diese „Verdrängung“ verrät viel über eine Waffe, die nicht direkt tödlich ist, aber viele Tote verursachen kann: die Propaganda. Auf der einen Seite Putins Propaganda, die den Zweiten Weltkrieg braucht, um die Ukrainer als Nazi-Kollaborateure abzustempeln und ihnen das Recht auf eine eigene Nation abzusprechen. Auf der anderen Seite die westliche Propaganda, die den Zweiten Weltkrieg braucht, um die Gefährlichkeit eines Diktators hervorzuheben, als ob uns allein die Analogie zu Hitler bewusst machen würde, wie gefährlich ein skrupelloser Diktator wie Putin ist.</p>



<p>Wir haben auf diese Weise ein bestimmtes Bild des Kriegs geschaffen, und ich frage mich, was dieses Bild des Kriegs mit uns gemacht hat. Es hat uns die Überzeugung eingeprägt, dass man mit Diktatoren nicht reden kann und darf. Und da niemand die Wahrheit dieses Satzes in Frage stellt, sind wir zum Krieg verpflichtet.</p>



<p>In seinem vieldiskutierten Gastbeitrag in der <a href="https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/kultur/juergen-habermas-ukraine-sz-verhandlungen-e159105/?reduced=true"><em>Süddeutschen Zeitung</em></a> versucht Jürgen Habermas, dieser Logik zu entkommen. Für ihn ist klar: „Die Ukraine darf den Krieg nicht verlieren!“ Aber seiner Meinung nach ist es auch „fatal [&#8230;], dass der Unterschied zwischen ‚nicht verlieren‘ und ‚gewinnen‘ begrifflich nicht geklärt ist“. Der Titel des Artikels &#8222;Ein Plädoyer für Verhandlungen&#8220; ist Programm. </p>



<p>Interessanterweise ist auch US-Generalstabschef Mark Milley davon überzeugt, dass es in diesem Krieg keinen Sieger geben kann. Einerseits sei es für Russland „praktisch unmöglich“, seine militärischen Ziele zu erreichen. Andererseits sei die Ukraine nicht in der Lage, „die Russen einfach rauszuwerfen“, so Milley in der <a href="https://www.ft.com/content/a3c943e9-9071-49b8-9f6d-2b82e1f8167b"><em>Financial Times</em></a>. Deshalb plädiert der US-General nachdrücklich für Verhandlungen. Doch derzeit werden Verhandlungen von allen Beteiligten abgelehnt.</p>



<p>Das ist es, was dieser Krieg aus uns gemacht hat: Er hat uns in eine Situation gebracht, aus der es keinen Ausweg gibt. Wir sind gezwungen, daran zu glauben, dass dieser Krieg die einzige Möglichkeit ist, die Freiheit und die Demokratie in Europa zu verteidigen; wir müssen den Krieg füttern (mit Waffen und Munition), und der Krieg muss weitergeführt werden. Gleichzeitig wissen wir, dass dies keine Lösung sein kann. Die Ukraine kann nicht verlieren, aber sie kann möglicherweise gegen die Weltmacht Russland auch nicht gewinnen, zumindest nicht auf dem Schlachtfeld.</p>



<p>Das ist es, was dieses Kriegsjahr aus mir gemacht hat: Zweifel begleiten mich jeden Tag, ich kenne nur Fragen, aber keine Antworten. Jetzt kenne ich die Angst vor dem Irreversiblen und die Wut über die eigene Ohnmacht. Wenn wir uns in einer ausweglosen Situation befinden, bedeutet das, dass wir den falschen Weg eingeschlagen haben. </p>



<p>Dieser Krieg gibt mir das Gefühl, im falschen Leben zu leben.</p>



<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: mammuth <br>via iStock



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



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		<title>Weihnachtstipps 2022</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Dec 2022 09:53:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[tell-Listen]]></category>
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					<description><![CDATA[Dieses Jahr bringen wir zu Weihnachten lauter Bücher, die wir selbst geschrieben oder übersetzt haben: Saunders (Heibert), Plokhy (Bühling), Geisel, Finkeldey, Hahn.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Menschen-Erfinder bei der Arbeit</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Weihnachtstipp von Frank Heibert</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="313" height="499" data-attachment-id="112677" data-permalink="https://tell-review.de/weihnachtstipps-2022/cover-saunders-1/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Saunders-1.jpg?fit=313%2C499&amp;ssl=1" data-orig-size="313,499" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover-Saunders-1" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Saunders-1.jpg?fit=188%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Saunders-1.jpg?fit=313%2C499&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Saunders-1.jpg?resize=313%2C499&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-112677" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Saunders-1.jpg?w=313&amp;ssl=1 313w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Saunders-1.jpg?resize=188%2C300&amp;ssl=1 188w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Saunders-1.jpg?resize=50%2C80&amp;ssl=1 50w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Saunders-1.jpg?resize=300%2C478&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 313px) 100vw, 313px" /></figure>
</div>


<p>Wer gern liest, ist fasziniert von den inneren Prozessen des Schreibens, Erzählens, Menschen-Erfindens. Der US-Autor George Saunders, politischer Satiriker und unsentimentaler Menschenfreund, lässt sich in seinem neuen Buch in die Karten schauen – indem er in seiner typischen, liebevoll-hemdsärmligen und präzisen Art sieben Meistererzählungen russischer Autoren des 19. Jahrhunderts auf den Grund geht (Tschechow, Turgenjew, Tolstoi, Gogol). </p>



<p>Ein Fest des Lesens, in mehrfacher Hinsicht – für mich als Übersetzer war das Spiel über Bande zwischen Russisch, Englisch und Deutsch ein zusätzlicher Spaß.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Oft reden wir über Kunst ungefähr so: Der Künstler hatte etwas zu sagen, und dann hat er es, na ja, halt gesagt. Damit bestätigen wir den Trugschluss über die Intention: die Vorstellung, dass es bei der Kunst um eine genau umrissene Aussageabsicht ginge, die selbstbewusst umgesetzt wird. Nach meiner Erfahrung ist der tatsächliche Prozess deutlich rätselhafter und schöner und, wenn wir ehrlich darüber reden, auch nerviger.</p>
</blockquote>



<p>George Saunders<br><strong>Bei Regen in einem Teich schwimmen</strong><br>Von den russischen Meistern Lesen, Schreiben und Leben lernen<br>Aus dem Amerikanischen von Frank Heibert<br>Luchterhand 2022 · 544 Seiten · 24 Euro<br>ISBN: 9783630876979</p>



<p>Bei <a href="https://yourbook.shop/books/27120168" data-type="URL" data-id="https://yourbook.shop/books/27688080" target="_blank" rel="noreferrer noopener">yourbook.shop</a> oder im lokalen Buchhandel</p>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Die Nation-Werdung der Ukraine</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Weihnachtstipp von Anselm Bühling</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="112673" data-permalink="https://tell-review.de/weihnachtstipps-2022/plokhy-cover-hoca/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Plokhy-Cover-HoCa.webp?fit=900%2C1396&amp;ssl=1" data-orig-size="900,1396" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Plokhy-Cover-HoCa" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Plokhy-Cover-HoCa.webp?fit=193%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Plokhy-Cover-HoCa.webp?fit=664%2C1030&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Plokhy-Cover-HoCa.webp?resize=332%2C515&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-112673" width="332" height="515" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Plokhy-Cover-HoCa.webp?resize=664%2C1030&amp;ssl=1 664w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Plokhy-Cover-HoCa.webp?resize=193%2C300&amp;ssl=1 193w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Plokhy-Cover-HoCa.webp?resize=52%2C80&amp;ssl=1 52w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Plokhy-Cover-HoCa.webp?resize=768%2C1191&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Plokhy-Cover-HoCa.webp?resize=300%2C465&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Plokhy-Cover-HoCa.webp?w=900&amp;ssl=1 900w" sizes="auto, (max-width: 332px) 100vw, 332px" /></figure>
</div>


<p>Serhii Plokhy, Historiker an der Universität Harvard, erzählt in <em>Das Tor Europas</em> die Geschichte der Ukraine. Die englische Originalausgabe ist schon 2015 erschienen. Sie wurde für die deutsche Fassung aktualisiert, so dass jetzt auch die Jahre bis zum russischen Überfall im Februar 2022 abgedeckt werden.</p>



<p>Plokhy geht 2500 Jahre zurück bis zur ersten verbürgten Erwähnung der Region bei Herodot, doch er verfolgt die Geschichte der Ukraine nicht aus der Sicht der Imperien, die versuchten, dieses Gebiet zu erobern, sondern aus Sicht der Menschen, die dort lebten. <em>Das Tor Europas</em> spannt den großen Bogen der ukrainischen Geschichte. Es macht es leicht, Zugang zu finden, man versteht vieles besser.</p>



<p>Ich habe den dritten Teil des Buchs übersetzt. Dort geht es um das 18. und 19. Jahrhundert: Das Hetmanat der Saporoger Kosaken am Dnepr (ukrainisch: Dnipro) wird vom Russischen Reich geschluckt, es geht um die Polnischen Teilungen und das neu erwachende Nationalbewusstsein, das ukrainische Menschen in beiden damaligen Imperien verbindet: dem österreich-ungarischen und dem russischen. Dieses emanzipatorische und befreiende Moment der Nationwerdung liegt Plokhy am Herzen, und das prägt die Haltung des ganzen Buchs. </p>



<p>Als kleiner Einblick hier ein Zitat aus einem Vorwort, das der ukrainische Nationaldichter Taras Schewtschenko 1847 seinem Gedichtband <em>Kobsar</em> voranstellte:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Ein großer Kummer hat meine Seele ergriffen. Ich höre und lese manchmal auch: Polen, Tschechen, Serben, Bulgaren, Montenegriner und Russen, sie alle drucken. Nur von uns ist kein Mucks zu hören, als ob wir alle stumm wären. Warum, meine Brüder? Habt ihr vielleicht Angst vor einer Invasion ausländischer Journalisten? Fürchtet euch nicht; achtet nicht auf sie. [&#8230;] Schaut euch nicht nach den Russen um. Sie sollen auf ihre Weise schreiben, und wir schreiben auf unsere. Sie sind ein Volk mit einer Sprache, und wir sind es auch. Darüber, welche besser ist, lasst die Menschen urteilen.</p>
</blockquote>



<p>Serhii Plokhy<br><strong>Das Tor Europas</strong><br>Die Geschichte der Ukraine<br>Aus dem Englischen von Anselm Bühling, Bernhard Jendricke, Stephan Kleiner, Stephan Pauli und Thomas Wollermann<br>Hoffmann und Campe 2022 · 560 Seiten · 30 Euro<br>ISBN: 978-3-455-01526-3<br>Bei <a href="https://yourbook.shop/books/27609768" target="_blank" rel="noreferrer noopener">yourbook.shop</a>&nbsp;oder im lokalen Buchhandel</p>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Die Literatur stellt Fragen</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Weihnachtstipp von Sieglinde Geisel</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="112670" data-permalink="https://tell-review.de/weihnachtstipps-2022/cover-manguel-kampa/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Manguel-Kampa.jpg?fit=700%2C1131&amp;ssl=1" data-orig-size="700,1131" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover-Manguel-Kampa" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Manguel-Kampa.jpg?fit=186%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Manguel-Kampa.jpg?fit=637%2C1030&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Manguel-Kampa.jpg?resize=319%2C515&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-112670" width="319" height="515" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Manguel-Kampa.jpg?resize=637%2C1030&amp;ssl=1 637w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Manguel-Kampa.jpg?resize=186%2C300&amp;ssl=1 186w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Manguel-Kampa.jpg?resize=50%2C80&amp;ssl=1 50w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Manguel-Kampa.jpg?resize=300%2C485&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Manguel-Kampa.jpg?w=700&amp;ssl=1 700w" sizes="auto, (max-width: 319px) 100vw, 319px" /></figure>
</div>


<p>Es war eine Freude, mit Alberto Manguel zu reden. In dem Band <em>Ein geträumtes Leben</em> geht es um Bücher, seine Kindheit, Jorge Luis Borges, das Lesen und den Tod. Wir hatten unsere Gespräche während der Pandemie über Zoom geführt, und das war überraschend gemütlich. Ob etwas anderes dabei herausgekommen wäre, wenn wir uns am Tisch gegenüber gesessen hätten, werden wir nie wissen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Die Literatur hat weder die Aufgabe noch die Möglichkeit, irgendetwas in Ordnung zu bringen. Literatur kann uns eine Erfahrung zeigen, sie kann uns mit Situationen konfrontieren, aber wenn es gute Literatur ist, gibt sie uns keine Antworten, sondern stellt Fragen, und durch diese Fragen lernen wir, bessere Fragen zu stellen.</p>
</blockquote>



<p>Alberto Manguel<br><strong>Ein geträumtes Leben</strong><br>Ein Gespräch mit Sieglinde Geisel<br>Kampa 2021 · 191 Seiten · 21 Euro<br>ISBN: 9783311140290<br>Bei&nbsp;<a href="https://yourbook.shop/books/26291857" target="_blank" rel="noreferrer noopener">yourbook.shop</a> oder im lokalen Buchhandel</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Zwischen Empathie und Diagnose</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Weihnachtstipp von Herwig Finkeldey</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="319" height="499" data-attachment-id="112661" data-permalink="https://tell-review.de/weihnachtstipps-2022/cover-finkeldey/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Finkeldey.jpg?fit=319%2C499&amp;ssl=1" data-orig-size="319,499" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover-Finkeldey" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Finkeldey.jpg?fit=192%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Finkeldey.jpg?fit=319%2C499&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Finkeldey.jpg?resize=319%2C499&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-112661" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Finkeldey.jpg?w=319&amp;ssl=1 319w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Finkeldey.jpg?resize=192%2C300&amp;ssl=1 192w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Finkeldey.jpg?resize=51%2C80&amp;ssl=1 51w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Finkeldey.jpg?resize=300%2C469&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 319px) 100vw, 319px" /></figure>
</div>


<p>Anlass dieser Kurzgeschichten ist mein täglicher Spagat: der Spagat zwischen ununterdrückbarer Empathie für die Patienten und der Notwendigkeit des kalten diagnostischen Blickes auf die Erkrankung. Und das immer wiederkehrende Staunen über das fragile Leben, dieses Schweben, Überleben und Abstürzen – im ärztlichen Alltag kommt es nicht selten wie aus dem Nichts.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Die Intensivmedizin […] hat im Grunde immer nur eine Frage zu beantworten: Wohin geht die Reise des Patienten? Ist die intensivmedizinische Kunst in der Lage, dem Patienten eine Brücke zu bauen, eine Brücke über einen reißenden Fluss, den zu durchschwimmen der Patient aktuell nicht in der Lage ist? Oder verlängert die ärztliche Kunst lediglich die Planke, auf welcher der schwer betroffene Patient sich noch gerade so entlanghangelt, ohne ein realistisch erreichbares Ziel, ohne dass ein Ufer jenseits der Planke erkennbar wäre.</p>
</blockquote>



<p>Herwig Finkeldey<br><strong>Die Paselke Stories</strong><br>Erzählungen<br>Renneritz 2022 · 87 Seiten · 8 Euro<br>ISBN: 978-3940684332<br>Bei&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://yourbook.shop/books/27132498" target="_blank">yourbook.shop</a> oder im lokalen Buchhandel</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Von Besserwissern und Weltenrettern</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Weihnachtstipp von Frank Hahn</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="399" height="598" data-attachment-id="112662" data-permalink="https://tell-review.de/weihnachtstipps-2022/cover-hahn/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Hahn.jpg?fit=399%2C598&amp;ssl=1" data-orig-size="399,598" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover-Hahn" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Hahn.jpg?fit=200%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Hahn.jpg?fit=399%2C598&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Hahn.jpg?resize=399%2C598&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-112662" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Hahn.jpg?w=399&amp;ssl=1 399w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Hahn.jpg?resize=200%2C300&amp;ssl=1 200w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Hahn.jpg?resize=53%2C80&amp;ssl=1 53w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Hahn.jpg?resize=300%2C450&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 399px) 100vw, 399px" /></figure>
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<p>Zeit: 1970er Jahre. Ort: Hamburg und Polen. Auch vor 50 Jahren gab es selbsternannte Weltenretter. Fabian ist einer von ihnen – er und seine Gruppe merken nicht, dass sie sich selbst in die Denkmuster verstricken, die sie bekämpfen. <em>Brennendes Treibeis</em> ist eine Warnung vor Besserwissern und Weltenrettern. Darüber hinaus ging es mir darum, bestimmte zeithistorische und kulturelle Atmosphären in poetischen Bildern einzufangen, so wie das Hamburg der Nachkriegszeit und das Polen der Nachwendezeit: Dort nämlich gelingt Fabian unter dem Eindruck einer „echten Revolution“ der Ausstieg aus seiner Gruppe.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Eine verschworene Gemeinschaft segelt auf der Eisscholle, und Fabian gehört dazu, und sie verkünden nur die Wahrheit, und nichts als die Wahrheit, denn es gibt eine Logik und eine Wissenschaft, und es gibt Beweise, auch wenn es keine Zeugen gibt. Und die Wahrheit wird verkündet zur Heilung der Heilbaren, die zu heilen Fabian nie zu hoffen aufgibt, denn er ist auf Sendung, und wo es einen Sender gibt, da wird es auch einen Empfänger geben. Und so steht Fabian am Rand der Scholle und ruft den Armen etwas zu, die krank und matt an ihm vorbeitreiben, manche schwimmen, andere haben ein Stück Holz gefunden, auf dem sie sich bei Sonnenschein ausruhen. Die Meisten merken nicht, dass sie krank und matt sind, scheinen sich im Gegenteil pudelwohl zu fühlen und lachen Fabian aus, wenn er ihnen Worte der Verkündigung zuwirft oder manchmal sogar eine Leiter, an der sie zur Scholle hinauf klettern könnten.&nbsp; Aber nur selten hört einer auf und greift einer zu, die Meisten beklagen, dass auf der Scholle zu wenig Platz sei, oder sie mögen kein Eis, […]Ein besonders arroganter Schwimmer zieht vorbei und ruft, er könne im Wasser tun was er wolle, keiner könne beobachten, was er unter der Oberfläche treibe, und dieses Privileg des Hedonisten werde er keinesfalls aufgeben. Fabian und seine Begleiter schauen zum Himmel: Feuerbrocken sollen fallen, die das Meer entzünden, dann erst werden die noch Unheilbaren auf die Scholle sich retten vor dem brennenden Meer. Nur durch die Apokalypse scheint Heilung möglich, nur ein Flammenmeer wird die Kranken, Ungläubigen und Kleinmütigen auf das Eis treiben, das Kühlung verheißt und Sicherheit. Doch droht nicht das Eis zu schmelzen im Feuerwasser? Fabian erscheinen die Bilder seiner Kindheit: das Gelb der brennend treibenden Eisbrocken auf der unteren Elbe.</p>
</blockquote>



<p>Frank Hahn<br><strong>Brennendes Treibeis</strong><br>Roman<br>PalmArtPress 2022 · 347 Seiten · 25 Euro<br>ISBN: 978-3962581183<br>Bei <a rel="noreferrer noopener" href="https://yourbook.shop/books/27809670" target="_blank">yourbook.shop</a>&nbsp;oder im lokalen Buchhandel </p>



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<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: TJ Barnwell<br>(Adobe Stock)</h6>



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		<title>Sommertipps 2022</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Jul 2022 09:29:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[tell-Listen]]></category>
		<category><![CDATA[Sommer 2022]]></category>
		<category><![CDATA[tell-Liste]]></category>
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					<description><![CDATA[Für den Sommer empfehlen wir Bücher, die uns zum Nachdenken gebracht haben: Cristina Morales, Julia Franck, Tanja Schwarz und Viktor Schklowski. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Schimpftiraden, Redeschwälle und ein Whatsapp-Roman</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Lektüretipp von <a href="https://tell-review.de/author/frank-heibert/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Frank Heibert</a></h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-medium"><a href="https://yourbook.shop/book/?isbn=9783751800662&amp;ref=tell" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="186" height="300" data-attachment-id="109253" data-permalink="https://tell-review.de/sommertipps-2022/cover-morales-mit-rand/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/Cover-Morales-mit-Rand-scaled.jpg?fit=1584%2C2560&amp;ssl=1" data-orig-size="1584,2560" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="Cover-Morales-mit-Rand" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/Cover-Morales-mit-Rand-scaled.jpg?fit=186%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/Cover-Morales-mit-Rand-scaled.jpg?fit=637%2C1030&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/Cover-Morales-mit-Rand.jpg?resize=186%2C300&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-109253" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/Cover-Morales-mit-Rand-scaled.jpg?resize=186%2C300&amp;ssl=1 186w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/Cover-Morales-mit-Rand-scaled.jpg?resize=637%2C1030&amp;ssl=1 637w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/Cover-Morales-mit-Rand-scaled.jpg?resize=50%2C80&amp;ssl=1 50w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/Cover-Morales-mit-Rand-scaled.jpg?resize=768%2C1241&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/Cover-Morales-mit-Rand-scaled.jpg?resize=951%2C1536&amp;ssl=1 951w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/Cover-Morales-mit-Rand-scaled.jpg?resize=1267%2C2048&amp;ssl=1 1267w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/Cover-Morales-mit-Rand-scaled.jpg?resize=1300%2C2101&amp;ssl=1 1300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/Cover-Morales-mit-Rand-scaled.jpg?resize=300%2C485&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/Cover-Morales-mit-Rand-scaled.jpg?w=1584&amp;ssl=1 1584w" sizes="auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px" /></a></figure>
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<p>Was heißt es, heutzutage in Europa nicht so ganz dem Mainstream zu genügen – sei es wegen sprachlicher, politischer oder sexueller Auffälligkeiten? Darum geht es in dem Roman <em>Leichte Sprache </em>der spanischen Autorin Cristina Morales, die dafür zusammen mit ihrer Übersetzerin Friederike von Criegern den Internationalen Literaturpreis 2022 bekommen hat: Vier offiziell „geistig behinderte“ Frauen im heutigen Barcelona  ergreifen das Wort. Jede von ihnen äußert sich in ihrer eigenen Sprachform:  Angels schreibt in Leichter Sprache einen WhatsApp-Roman über ihr Leben, Nati ergießt Schimpftiraden über die faschistischen Machos und Machas, Patricia überschwemmt das für sie zuständige Gericht mit manisch detaillierten Redeschwällen (wir bekommen das als Gerichtsprotokoll serviert), und die sexuell hyperaktive Marga wird Hausbesetzerin und berichtet von dem Hickhack unter den Punk-Anarchos.</p>



<p>Das ist hoch unterhaltsam, zuweilen anstrengend und immer kunstvoll durchkomponiert. Dabei kriegen alle ihr Fett weg, die „Bösen“ wie die „Guten“, und Friederike von Criegern erfüllt in ihrer Übersetzung alle vier Tonlagen gewitzt und beherzt mit Leben. </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Ich war so wütend, wie man sein muss, um über das Drehkreuz der Metro zu springen, und ich fühlte mich wie eine bastardistische Guerillera, als ich an der Plaza España ausstieg. Auf der Fahrt hatten mich alle angestarrt, weil ich im Nachthemd und mit geschlossenen Schiebetüren unterwegs war, allerdings ist anstarren übertrieben, denn in der Metro starren alle nur auf ihr Handy und sonst sehen sie gar nichts. Ich würde also sagen, dass sie mich aus dem Augenwinkel angeschaut haben, aber ich schlug meine Beine übereinander und klimperte mit den Schlüsseln, mehr hatte ich nicht dabei. Sie hätten es verdient, dass ich sie mit einem Was zur Hölle glotzt ihr so anrüffele, beugt den Nacken wieder unter euer Joch und pflügt weiter über das Display von eurem Handy!, aber wenn du schwarzfährst, musst du unauffällig bleiben, sonst taucht der Typ vom Sicherheitsdienst mit seiner Hündin auf, und der ruft dann den Kontrolleur und der die Polizei und dann darfst du 100 Euro latzen, und wenn du dich weigerst, deinen Ausweis zu zeigen, wirst du verprügelt und keiner von denen, die sich durch ihre Displays pflügen, rührt einen Finger, allerhöchstens heben sie das Handy und filmen journalistisch, heldenhaft und denunzierend den Übergriff, um das Video ins Internet zu stellen, während du dich auf dem Boden windest.</p></blockquote>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"> <div class="su-row">



<p>Cristina Morales<br><strong><strong>Leichte Sprache</strong></strong><br>Roman – Aus dem Spanischen von Friederike von Criegern<br>Matthes &amp; Seitz 2022 · 427 Seiten · 25 Euro<br>ISBN: 978-3-7518-0066-2 </p>



Bei <a href="https://yourbook.shop/book/?isbn=9783751800662&amp;ref=tell" title="Mit Ihrer Bestellung bei youbook.shop unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" target="_blank" rel="noopener noreferrer">yourbook.shop</a> oder im lokalen Buchhandel


</div> </div></div>



<p></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Das Leben schlägt zurück</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Lektüretipp von <a href="https://tell-review.de/author/herwig-finkeldey/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Herwig Finkeldey</a></h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-medium"><a href="https://yourbook.shop/book/?isbn=9783100024381&amp;ref=tell" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="184" height="300" data-attachment-id="109215" data-permalink="https://tell-review.de/sommertipps-2022/pa_978-3-10-002438-1_franck_welten-indd/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/9783100024381_franck.jpg?fit=1512%2C2469&amp;ssl=1" data-orig-size="1512,2469" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;PA_978-3-10-002438-1_Franck_Welten.indd&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="PA_978-3-10-002438-1_Franck_Welten.indd" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/9783100024381_franck.jpg?fit=184%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/9783100024381_franck.jpg?fit=631%2C1030&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/9783100024381_franck.jpg?resize=184%2C300&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-109215" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/9783100024381_franck.jpg?resize=184%2C300&amp;ssl=1 184w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/9783100024381_franck.jpg?resize=631%2C1030&amp;ssl=1 631w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/9783100024381_franck.jpg?resize=49%2C80&amp;ssl=1 49w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/9783100024381_franck.jpg?resize=768%2C1254&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/9783100024381_franck.jpg?resize=941%2C1536&amp;ssl=1 941w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/9783100024381_franck.jpg?resize=1254%2C2048&amp;ssl=1 1254w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/9783100024381_franck.jpg?resize=1300%2C2123&amp;ssl=1 1300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/9783100024381_franck.jpg?resize=300%2C490&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/9783100024381_franck.jpg?w=1512&amp;ssl=1 1512w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" /></a></figure>
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<p>Julia Francks <em>Welten auseinander</em> bekam ich geschenkt, und ich las es unter der Vorstellung, leicht zu konsumierende Saisonware vor mir zu haben. Aber weit gefehlt. Dieses Buch, das man dem autofiktionalen Erzählen zuordnen kann, schenkt dem Leser nichts. „Autobiographisches Schreiben. Das fand ich abwegig.“ Damit formuliert die Autorin die Vorbehalte gegen diese Form des Schreibens gleich selbst.</p>



<p>Und dann schildert Julia Franck, wie sie sich von einer belastenden Familienkonstellation emanzipiert. Wichtig ist ihr dabei, dass sie ihre Familie nicht als schuldig empfindet. Diese Familie ist vielmehr durch die Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts heimatlos geworden und konnte deswegen selbst niemandem eine Heimat sein. Julia Francks Buch kommt ganz ohne Anklage aus – wenn sie auch während&nbsp; ihrer Kindheit teilweise durch die Mutter vernachlässigt wurde.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Die Ereignisse und Begebenheiten in meiner Familie ließen sich literarisch kaum erzählen, so unwahrscheinlich und grell waren sie. Ich würde warten wollen, bis meine Großmutter gestorben ist, aus Respekt vor ihrem Schmerz.</p></blockquote>



<p>Das Buch hat sie in der Tat nach dem Tod der Großmutter geschrieben. Die Befreiung scheint Julia Franck über die Literatur zu gelingen. Aber das Leben schlägt zurück. Die Passagen der Trauer über eine verlorene Liebe sind die schriftstellerisch stärksten in diesem erstaunlichen Buch.</p>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"> <div class="su-row">



<p>Julia Franck<br><strong>Welten auseinander</strong><br>Roman<br>S. Fischer Verlag 2021 · 368 Seiten · 23 Euro<br>ISBN: 978-3-1000-2438-1 <br></p>



Bei <a href="https://yourbook.shop/book/?isbn=9783100024381&amp;ref=tell" title="Mit Ihrer Bestellung bei youbook.shop unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" target="_blank" rel="noopener noreferrer">yourbook.shop</a> oder im lokalen Buchhandel


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<h2 class="wp-block-heading">Alltäglich und existenziell</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Lektüretipp von <a rel="noreferrer noopener" href="https://tell-review.de/author/sieglinde-geisel/" target="_blank">Sieglinde Geisel</a></h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-medium"><a href="https://yourbook.shop/book/?isbn=9783446271135&amp;ref=tell" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="184" height="300" data-attachment-id="109216" data-permalink="https://tell-review.de/sommertipps-2022/artk_ct0_9783446271135_schwarz/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/ARTK_CT0_9783446271135_Schwarz-scaled.jpg?fit=1568%2C2560&amp;ssl=1" data-orig-size="1568,2560" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="ARTK_CT0_9783446271135_Schwarz" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/ARTK_CT0_9783446271135_Schwarz-scaled.jpg?fit=184%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/ARTK_CT0_9783446271135_Schwarz-scaled.jpg?fit=631%2C1030&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/ARTK_CT0_9783446271135_Schwarz.jpg?resize=184%2C300&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-109216" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/ARTK_CT0_9783446271135_Schwarz-scaled.jpg?resize=184%2C300&amp;ssl=1 184w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/ARTK_CT0_9783446271135_Schwarz-scaled.jpg?resize=631%2C1030&amp;ssl=1 631w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/ARTK_CT0_9783446271135_Schwarz-scaled.jpg?resize=49%2C80&amp;ssl=1 49w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/ARTK_CT0_9783446271135_Schwarz-scaled.jpg?resize=768%2C1254&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/ARTK_CT0_9783446271135_Schwarz-scaled.jpg?resize=941%2C1536&amp;ssl=1 941w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/ARTK_CT0_9783446271135_Schwarz-scaled.jpg?resize=1254%2C2048&amp;ssl=1 1254w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/ARTK_CT0_9783446271135_Schwarz-scaled.jpg?resize=1300%2C2123&amp;ssl=1 1300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/ARTK_CT0_9783446271135_Schwarz-scaled.jpg?resize=300%2C490&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/ARTK_CT0_9783446271135_Schwarz-scaled.jpg?w=1568&amp;ssl=1 1568w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" /></a></figure>
</div>


<p>Vor einem Jahr ist Tanja Schwarz‘ Erzählband <em>In neuem Licht</em> erschienen, ohne dass die Leitmedien davon Notiz genommen hätten. In jeder der zwölf Erzählungen steckt ein Roman, so vielschichtig sind die Lebensgeschichten, in die wir einen Blick werfen. Wir begegnen Migranten und Flüchtlingen, pubertierenden Kindern und verunsicherten Eltern, oder einer Schwangeren, deren Mann das Kind nicht will. Es sind Szenen aus unserer Welt, alltäglich und existenziell, erlebt aus dezidiert weiblicher Sicht und auf eine Weise erzählt, die zum genauen Hinschauen einlädt. </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Da liegt Lina. Schläft unter wimpernlosen, wie zugeschmolzenen Augen. Liegt in ihrem Bettchen, auf dem Rücken, die zu Fäusten geballten Hände beidseits neben dem Kopf, der seltam weit zur Seite zeigt. Ein ganz neuer Mensch, meine Tochter: Füllt mit ihrer Wärme und Kleinheit das ansonsten nichtssagende Zimmer.</p></blockquote>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"> <div class="su-row">



<p>Tanja Schwarz<br><strong>In neuem Licht</strong><br>Erzählungen<br>Hanserblau 2021 · 272 Seiten · 22 Euro<br>ISBN: 978-3-4462-7113-5 <br></p>



Bei <a href="https://yourbook.shop/book/?isbn=9783446271135&amp;ref=tell" title="Mit Ihrer Bestellung bei youbook.shop unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" target="_blank" rel="noopener noreferrer">yourbook.shop</a> oder im lokalen Buchhandel


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<h2 class="wp-block-heading">Eiserne Brücken und Herzen</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Lektüretipp von <a href="https://tell-review.de/author/anselm-buehling" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Anselm Bühling</a></h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-medium"><a href="https://yourbook.shop/book/?isbn=9783945370346&amp;ref=tell" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="184" height="300" data-attachment-id="109217" data-permalink="https://tell-review.de/sommertipps-2022/1637664765830-cover_2021_schklowski_rgb_200dpi/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/1637664765830-Cover_2021_Schklowski_RGB_200dpi.png?fit=490%2C800&amp;ssl=1" data-orig-size="490,800" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="1637664765830-Cover_2021_Schklowski_RGB_200dpi" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/1637664765830-Cover_2021_Schklowski_RGB_200dpi.png?fit=184%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/1637664765830-Cover_2021_Schklowski_RGB_200dpi.png?fit=490%2C800&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/1637664765830-Cover_2021_Schklowski_RGB_200dpi.png?resize=184%2C300&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-109217" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/1637664765830-Cover_2021_Schklowski_RGB_200dpi.png?resize=184%2C300&amp;ssl=1 184w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/1637664765830-Cover_2021_Schklowski_RGB_200dpi.png?resize=49%2C80&amp;ssl=1 49w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/1637664765830-Cover_2021_Schklowski_RGB_200dpi.png?resize=300%2C490&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2022/07/1637664765830-Cover_2021_Schklowski_RGB_200dpi.png?w=490&amp;ssl=1 490w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" /></a></figure>
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<p>Berlin 1923: Viktor Schklowski ist aus politischen Gründen aus Sowjetrussland geflohen und fristet ein Emigrantendasein in der deutschen Hauptstadt. Als Autor fühlt er sich in einem Vakuum. Als Autonarr frustrieren ihn die Elektrotaxis, die sich nicht wieder flottmachen lassen, wenn die Batterie zum Erliegen gekommen ist.</p>



<p>In dieser Situation entsteht das Buch <em>ZOO. Briefe nicht über Liebe oder die dritte Heloise</em>. Es ist eine Liebesgeschichte und zugleich das Protokoll einer Geschichte, die anstelle einer Liebe entsteht. Es erzählt vom Misslingen der Begegnung zwischen zwei Menschen und zwei Kulturen.</p>



<p>Am Ende steht ein Brief, in dem der politische Flüchtling seinen Verfolgern Abbitte leistet und darum ersucht, in Gnaden wieder aufgenommen zu werden. Dieser Brief hat dem Autor tatsächlich den Rückweg geebnet. Aber nicht er soll als letzter gelesen werden, sondern ein anderer, der im Buch durchgestrichen ist.</p>



<p>Olga Radetzkaja hat Schklowskis assoziative Sprache, die scheinbar Unverbundenes nebeneinander stellt, ins Deutsche gebracht. Und hier gelingt die Begegnung.</p>



<p>Neunundneunzig Jahre nach seinem Erscheinen ist dieses kleine Buch ganz erstaunlich frisch. Es regt an, ohne zu bedrücken; man kann es in finsteren Zeiten in einen hellen Sommer mitnehmen.<a></a></p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Auf dem nächtlichen Rückweg von Dir habe ich oft zwölf eiserne Brücken unterquert.<br><br>Man geht, man singt vor sich hin. Man denkt nach, warum dem Leben zu Deutschlands eisernem Herzen, dem Gleisdreieck, und zu Hamburgs eisernen Toren nur öde Konfektion einfällt – Häuser wie Koffer und Trambahnen, in denen man nirgendwohin kommt. Ich gehe, ich gehe zurück.</p></blockquote>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"> <div class="su-row">



<p>Viktor Schklowski<br><strong>ZOO. Briefe nicht über Liebe, oder die dritte Heloise.</strong><br>Aus dem Russischen von Olga Radetzkaja<br>Nachwort von Marcel Bayer<br>Guggolz Verlag 2022 · 189 Seiten · 22 Euro<br>ISBN: 978-3-945370-34-6<span><a href="javascript:"></a></span> <br></p>



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<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: andy, <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hot_summer_night_in_Deep_Cove.jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hot Summer Night in Deep Cove</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0">CC BY 2.0</a>, via Wikimedia Commons<br>Buchcover: Verlage</h6>



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<div class="wp-block-image"><p align="center"><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady"/></a></p></div>
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		<title>Weihnachtstipps 2021</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Dec 2021 08:42:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[tell-Listen]]></category>
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					<description><![CDATA[Neuerscheinungen und Klassiker, autobiografische und fiktive Romane, eine Dystopie und eine Graphic Novel - unsere Weihnachtstipps für dieses Jahr.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p></p>



<h2 class="wp-block-heading">Gespräche mit Glühbirnen und Krähen</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Weihnachtstipp von Tomas Bächli</h4>



<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="299" height="499" data-attachment-id="104583" data-permalink="https://tell-review.de/weihnachtstipps-2021/cover-oezdamar/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Oezdamar.jpg?fit=299%2C499&amp;ssl=1" data-orig-size="299,499" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover Özdamar" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Oezdamar.jpg?fit=180%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Oezdamar.jpg?fit=299%2C499&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Oezdamar.jpg?resize=299%2C499&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-104583" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Oezdamar.jpg?w=299&amp;ssl=1 299w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Oezdamar.jpg?resize=180%2C300&amp;ssl=1 180w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Oezdamar.jpg?resize=48%2C80&amp;ssl=1 48w" sizes="auto, (max-width: 299px) 100vw, 299px" /></figure></div>



<p>Von den 750 Seiten dieses autobiographischen Romans habe ich bis jetzt gut ein Fünftel geschafft. Ich empfehle das Buch, weil ich es unbedingt fertiglesen möchte.</p>



<p>Hier die Gründe dazu:</p>



<p>Es ist die Leichtigkeit, mit der die Autorin nicht nur das Politische und das Private, sondern auch die realen Menschen und ihre eigene Phantasiewelt miteinander verknüpft. Dank ihrer Vorstellungskraft werden selbst banale, manchmal absurde Situationen mit Leben erfüllt. Der ganze Roman ist voll von winzigen Theaterszenen. In einem Zimmer in Paris kommuniziert die Ich-Erzählerin abwechselnd mit einer knisternden, offenbar defekten Glühbirne, der sie den Namen „Williams“ gibt und mit einem schweigsamen Drogensüchtigen, den sie „Laurent“ nennt.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Er war ein sehr schöner Mann. Deswegen fiel mir sein Schweigen umso schwerer.<br>Der Stuhl, auf dem er sitzt, kriegt er eine Gänsehaut?<br>Wieder hörte ich hinter mir die Selbstgespräche von Williams. <br>Was denkt Williams über das Schweigen?</p></blockquote>



<p>Die Nachkriegszeit wird von&nbsp;uns Westeuropäern oft als harmlose Idylle verklärt. In der Türkei, dem Geburtsland der Autorin, war das Leben damals von Diktaturen und Kriegen geprägt. Wie gelingt es ihr, sich von diesen Schrecken nicht lähmen zu lassen, ohne zynisch zu werden?</p>



<p>Was mir weiter gefällt, ist die ebenso genaue wie phantasievolle Sprache, mit der Özdamar zum Beispiel über die europäische Ausländerfeindlichkeit schreibt (ein fiktiver Dialog der Ich-Erzählerin mit Krähen):</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p><em>„</em>Ausländer machen die Einheimischen zu Pförtnern. Das bedeutet Wörterkrieg unter den zweigeteilten Einheimischen.“ <br><em>„</em>Aber was meint ihr Krähen? Ausländer machen die Einheimischen zu Pförtnern?“ <br>„Ja“ schrien die Krähen, „entweder ein guter Pförtner, der von seinem festen Platz aus entscheidet, ob ein Fremder durch das Drehkreuz gehen darf, oder ein böser Pförtner, der dich nicht durchlässt. Du wirst dich schämen, weil du dauernd ein Thema bist. Kein Mensch mehr, ein Thema.“</p></blockquote>



<p>Emine Sevgi Özdamar<br><strong>Ein von Schatten umgrenzter Raum</strong><br>Roman<br>Suhrkamp 2021 · 763 Seiten · 28 Euro<br>ISBN: 978-3518430088<br>Bei&nbsp;<a href="https://mojoreads.de/book/?isbn=9783518430088&amp;ref=tell" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mojoreads</a>&nbsp;oder im lokalen Buchhandel</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<h2 class="wp-block-heading">Die Dringlichkeit des Augenblicks</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Weihnachtstipp von Hartmut Finkeldey</h4>



<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="376" height="600" data-attachment-id="104601" data-permalink="https://tell-review.de/weihnachtstipps-2021/cover-woolf-leuchtturm/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Woolf-Leuchtturm.jpeg?fit=376%2C600&amp;ssl=1" data-orig-size="376,600" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover Woolf Leuchtturm" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Woolf-Leuchtturm.jpeg?fit=188%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Woolf-Leuchtturm.jpeg?fit=376%2C600&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Woolf-Leuchtturm.jpeg?resize=376%2C600&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-104601" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Woolf-Leuchtturm.jpeg?w=376&amp;ssl=1 376w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Woolf-Leuchtturm.jpeg?resize=188%2C300&amp;ssl=1 188w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Woolf-Leuchtturm.jpeg?resize=50%2C80&amp;ssl=1 50w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Woolf-Leuchtturm.jpeg?resize=300%2C479&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 376px) 100vw, 376px" /></figure></div>



<p>Virginia Woolfs <em>Zum Leuchtturm</em> ist ein Traum von einem Buch, in jeder Hinsicht. Schon der Plot: Die bildungsbürgerliche Familie macht Ferien auf den Hebriden. Die Mutter verspricht ihren Kindern, morgen zum Leuchtturm zu segeln, sofern das Wetter es zulässt. Aus der Fahrt wird nichts, wie vom Vater kühl vorhergesagt. Sie findet erst zehn Jahre und einen Weltkrieg später statt: ohne die Mutter Mrs. Ramsay (verstorben), ohne die Schwester Prue (Kindbettfieber), ohne den Bruder Andrew (Weltkrieg, die Granate war „gnädig“), ohne die anderen (abwesend oder nicht interessiert). Nur noch Mr. Ramsay, James und Camilla machen sich auf den Weg.</p>



<p>Mehr möchte ich eigentlich nicht verraten. Nichts über die feministische Malerin Lily Briscoe, die sich ein Jahrzehnt müht, das zusehends verfallende Haus der Ramsays zu malen. Nicht über den Vater, der immer recht hat und wenig versteht. Nichts über die Künstlerinnen, Künstler und Intellektuellen, die die Ramsays in ihrem Landhaus besuchen. Und so weiter.</p>



<p>Am Ende erreichen der alte Mr. Ramsay, Camilla und James den Leuchtturm, und Lily Briscoe, die gerade ihr Bild zu Ende malt, reflektiert:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Man weckte andere Menschen jedoch nur auf, wenn man wußte, was man sagen wollte. Und sie wollte nicht nur eins sagen, sondern alles. Unbedeutende Worte, die den Gedankenfluß zerrissen und zerstückelten, sagten gar nichts. ‚Über das Leben, über den Tod; über Mrs. Ramsay‘ – nein, sie fand, man konnte zu keinem etwas sagen. Die Dringlichkeit des Augenblicks verfehlte stets ihr Ziel. Worte flatterten zur Seite und trafen die Gegenstände um etliche Zoll zu tief. Dann gab man es auf; dann verlor die Idee an Kraft; dann wurde man wie die meisten Menschen mittleren Alters, vorsichtig, heimlichtuerisch, mit Falten zwischen den Augen und dem Ausdruck unablässiger Wachsamkeit.</p></blockquote>



<p>Die derzeit aktuelle Übersetzung ist die von Karin Kersten, aber auch die ältere Übersetzung von Herberth und Marlys Herlitschka unter dem Titel <em>Die Fahrt zum Leuchtturm</em> ist brauchbar. Wer den englischen Text bevorzugt, dem empfehle ich die preiswerte Ausgabe in den Wordsworth Classics mit einer guten Einführung von Nicola Bradbury.</p>



<p>Virginia Woolf<br><strong>Zum Leuchtturm</strong><br>Roman<br>Aus dem Englischen von Karin Kersten, herausgegeben von Klaus Reichert<br>Fischer Taschenbuch 1993 · 240 Seiten · 13 Euro<br>ISBN: 978-3596120192<br>Bei&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://mojoreads.de/book/?isbn=9783596120192&amp;ref=tell" target="_blank">Mojoreads</a>&nbsp;oder im lokalen Buchhandel</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<h2 class="wp-block-heading">Die frühe DDR aus Kindersicht</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Weihnachtstipp von Anselm Bühling</h4>



<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="299" height="500" data-attachment-id="104603" data-permalink="https://tell-review.de/weihnachtstipps-2021/cover-kurzchalia-2/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Kurzchalia-1.jpg?fit=299%2C500&amp;ssl=1" data-orig-size="299,500" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover Kurzchalia" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Kurzchalia-1.jpg?fit=179%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Kurzchalia-1.jpg?fit=299%2C500&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Kurzchalia-1.jpg?resize=299%2C500&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-104603" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Kurzchalia-1.jpg?w=299&amp;ssl=1 299w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Kurzchalia-1.jpg?resize=179%2C300&amp;ssl=1 179w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Kurzchalia-1.jpg?resize=48%2C80&amp;ssl=1 48w" sizes="auto, (max-width: 299px) 100vw, 299px" /></figure></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Mit Widerstreben denke ich an meine privilegierte Kindheit in einem Land zwischen Aufbruch und Stagnation und spüre, gleichsam in einer Gegenbewegung, den Sog der verflossenen Jahre wie ein Ziepen im Nacken. Als hätten sich die Fäden der Erinnerung verknotet wie meine langen Haare.</p></blockquote>



<p>Helga Kurzchalia, geboren 1948, kehrt in diesem schmalen Buch zurück in die Kinderzeit, ihre eigene und die der jungen DDR. In den fünfziger Jahren zieht die Familie in das neu errichtete „Haus des Kindes“, eine der beiden markanten Turmbauten, die den repräsentativen, sozialistisch-klassizistischen Abschnitt der Karl-Marx-Allee – damals noch Stalinallee – eröffnen. Das Gebäude ist die steingewordene Verheißung des sozialistischen Staates an seinen Nachwuchs: Es gibt dort ein Kinderkaufhaus, ein Puppentheater und ein Kindercafé, das Erwachsene nur in Begleitung von Kindern betreten dürfen.</p>



<p>Kurzchalias Erinnerungsbilder erzählen – in verhaltener, genauer Sprache – auch vom Scheitern dieser Verheißung.</p>



<p>Die Sicht des Kindes, das die Vorgänge um sich herum aufmerksam beobachtet, wird durch das Wissen der erwachsenen Frau erhellt, aber nirgendwo durch Erklärungen oder Belehrungen überlagert. So entsteht ein tiefenscharfes, lebendiges Bild des Mikrokosmos im und um das Haus des Kindes. </p>



<p>Im Spiegel der Kindheitseindrücke ist zu ahnen, was die Gründergeneration der DDR jenseits des innersten Funktionärszirkels bewegte. Ihre Motive, Hoffnungen und Enttäuschungen werden sichtbar, und auch die zunehmende Desillusionierung der heranwachsenden Kinder. Das hilft, die Geschichte des Landes – und der Nachkriegszeit überhaupt – besser zu verstehen, wenn man sich, wie ich, dafür interessiert.</p>



<p>Helga Kurzchalia<br><strong>Haus des Kindes</strong><br>Friedenauer Presse 2021 · 140 Seiten · 18 Euro<br>ISBN: 978-3751806138<br>Bei&nbsp;<a href="https://mojoreads.de/book/?isbn=9783751806138&amp;ref=tell" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mojoreads</a>&nbsp;oder im lokalen Buchhandel</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Traumverloren und verstört</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Weihnachtstipp von Sieginde Geisel</h4>



<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="273" height="450" data-attachment-id="104590" data-permalink="https://tell-review.de/weihnachtstipps-2021/cover-duvanel-2/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Duvanel-1.jpg?fit=273%2C450&amp;ssl=1" data-orig-size="273,450" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover Duvanel" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Duvanel-1.jpg?fit=182%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Duvanel-1.jpg?fit=273%2C450&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Duvanel-1.jpg?resize=273%2C450&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-104590" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Duvanel-1.jpg?w=273&amp;ssl=1 273w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Duvanel-1.jpg?resize=182%2C300&amp;ssl=1 182w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Duvanel-1.jpg?resize=49%2C80&amp;ssl=1 49w" sizes="auto, (max-width: 273px) 100vw, 273px" /></figure></div>



<p>Adelheid Duvanel (1936-1996) ist die große Unbekannte der Schweizer Literatur und der Band <em>Fern von hier</em> mit ihren gesammelten Erzählungen daher ein literarisches Ereignis. Oft sind diese Erzählungen nur eine oder zwei Seiten lang, kaum je sind es mehr als fünf oder sechs. Die Lektüre verstört und beglückt zugleich. Man kann nicht viel auf einmal lesen, denn jeder Satz ist eine Überraschung, doch gerade deswegen kann man mit Lesen kaum aufhören.  </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Der Wind reißt mit Krallen an den Telefondrähten; zu der Melodie könnte man singen. Rot ist die Wolke, die am frühem Morgen über das glänzende Himmelsparkett tanzt; sie hält nach einer Ecke Ausschau, um die sie verschwinden könnte, doch Ecken gibt es keine.</p></blockquote>



<p>Man begegnet einer seltsam fremden Wahrnehmung, alles ist brüchig in diesen oft traumverlorenen, manchmal unvermittelt brutalen Texten. </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>(Ihr fiel ein, dass sie den Bruder einmal am Telefon gefragt hatte, wie sie denn als Kinder sprechen gelernt hätten; seine Antwort lautete: „Wahrscheinlich außerhalb.“)</p></blockquote>



<p>Adelheid Duvanel<br><strong>Fern von hier</strong><br>Gesammelte Erzählungen<br>Limmat 2021 · 792 Seiten · 39 Euro<br>ISBN: 978-3039260133<br>Bei&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://mojoreads.de/book/?isbn=9783039260133&amp;ref=tell" target="_blank">Mojoreads</a>&nbsp;oder im lokalen Buchhandel</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Eine zerstörerische Idee</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Weihnachtstipp von Hartmut Finkeldey</h4>



<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="329" height="499" data-attachment-id="104591" data-permalink="https://tell-review.de/weihnachtstipps-2021/cover-orwell/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Orwell.jpg?fit=329%2C499&amp;ssl=1" data-orig-size="329,499" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover Orwell" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Orwell.jpg?fit=198%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Orwell.jpg?fit=329%2C499&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Orwell.jpg?resize=329%2C499&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-104591" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Orwell.jpg?w=329&amp;ssl=1 329w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Orwell.jpg?resize=198%2C300&amp;ssl=1 198w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Orwell.jpg?resize=53%2C80&amp;ssl=1 53w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Orwell.jpg?resize=300%2C455&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 329px) 100vw, 329px" /></figure></div>



<p>George Orwells Roman <em>1984</em> muss wohl kaum beworben werden. Oder doch? Wäre <em>1984</em> <strong>nur</strong>, was er zweifellos <strong>auch</strong> ist: Protest gegen totalitäre Gewalt, dann wäre er ein achtbares Zeitdokument, aber mehr auch nicht. Er ist mehr. Dieses Jahr wurde Orwells Werk gemeinfrei – dass es gleich acht Neuübersetzungen gegeben hat, ist kein Zufall.</p>



<p>Die großartige Satire „Die Prinzipien von Neusprech“ im Anhang des Romans gehört zu den Schlüsseltexten des zwanzigsten Jahrhunderts (dass die Linke das nie verstanden hat, ist ihr großes, selbst verschuldetes Unglück). Allein diese Satire wäre die Lektüre wert.</p>



<p>Aber der Roman zeigt viel mehr: Er zeigt die Zerstörung von Liebe und Loyalität – also des Menschen – im Namen einer Idee. Die entscheidende Einsicht des Romans wird von Julia formuliert, einer Frau, die von sich selber sagt, literarisch und intellektuell nicht besonders beschlagen zu sein:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Manchmal“, sagte sie, „bedrohen sie dich mit etwas, dem du nicht standhalten kannst. Und dann sagst du: &#8211; Tut das nicht mir an, macht es mit jemand anders, macht es mit Sowieso. &#8211; Danach kannst du vielleicht so tun, als wäre es ein Trick gewesen, dass du es nur gesagt hättest, damit sie aufhören, und du hättest es gar nicht so gemeint. Aber das ist nicht wahr. Wenn es passiert, meinst du es genauso. Du glaubst, anders kannst du dich nicht retten, und du bist absolut bereit, dich auf diese Weise zu retten. Du <em>willst</em>, dass sie es mit dem anderen machen. Dir ist scheißegal, was der zu erleiden hat. Du denkst nur noch an dich.“<br>„Du denkst nur noch an dich“, wiederholte er.<br>„Und danach empfindest du nicht mehr dasselbe für diesen Menschen.“<br>(<em>Übersetzung: Frank Heibert</em>)</p></blockquote>



<p>Soweit ich stichprobenartig prüfen konnte, sind alle acht Neuübersetzungen als gelungen anzusehen. Hervorheben möchte ich zwei: Holger Hanowells solide, mit kenntnisreichem Nachwort versehene Übersetzung bei Reclam und Frank Heiberts experimentelle bei Fischer. Heibert hat, von der französischen Neuübersetzung durch Josée Kamoun inspiriert, den Roman ins Präsens transponiert, und er begründet diese Entscheidung (und einige andere z.B. zur Frage des Dialekts) in seinem lesenswerten Nachwort sehr genau.</p>



<p>George Orwell<br><strong>1984</strong><br>Roman<br>Aus dem Englischen von Frank Heibert<br>Fischer Taschenbuch 2021 · 336 Seiten · 12 Euro<br>ISBN: 978-3596907281<br>Bei&nbsp;<a href="https://mojoreads.de/book/?isbn=9783596907281&amp;ref=tell" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mojoreads</a>&nbsp;oder im lokalen Buchhandel </p>



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<h2 class="wp-block-heading">Eine korsische Familienaufstellung</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Weihnachtstipp von Herwig Finkeldey</h4>



<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="305" height="499" data-attachment-id="104592" data-permalink="https://tell-review.de/weihnachtstipps-2021/cover-limongi/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Limongi.jpg?fit=305%2C499&amp;ssl=1" data-orig-size="305,499" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover Limongi" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Limongi.jpg?fit=183%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Limongi.jpg?fit=305%2C499&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Limongi.jpg?resize=305%2C499&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-104592" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Limongi.jpg?w=305&amp;ssl=1 305w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Limongi.jpg?resize=183%2C300&amp;ssl=1 183w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Limongi.jpg?resize=49%2C80&amp;ssl=1 49w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Limongi.jpg?resize=300%2C491&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 305px) 100vw, 305px" /></figure></div>



<p>Laure Limongis Roman <em>Sieben Tage Windstille</em> ist ihr erstes ins Deutsche übersetztes Buch. Ich hoffe doch sehr, dass es nicht ihr letztes sein wird.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Ist die Erinnerung nicht ohnehin eine Dichterin, die sich für eine Historikerin hält? </p></blockquote>



<p>fragt die Ich-Erzählerin Huma beinahe programmatisch, nachdem sie erstmals seit Jahren ihre Heimatinsel Korsika besucht.&nbsp;</p>



<p>Die Geschichte von Humas Familie umklammert ein düsteres Geheimnis. Humas Eltern waren auf Korsika jahrelang auf der Flucht, und Waffen gehören für Huma zu den Kindheitserinnerungen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Als kleines Mädchen war sie nicht nur <em>ein</em> Mal mit dem Kopf gegen die Baretta ihrer Mutter gestoßen [&#8230;]</blockquote>



<p>Huma reagiert darauf mit Hinwendung zur Kunst, zur Literatur, zur Musik. Das wäre beinahe eine konventionelle Coming of Age-Geschichte, gäbe es da nicht Alice, die Figur von Humas Mutter: eine Frau, die nie auf der Sonnenseite des Lebens stand und folglich Zeit ihres Lebens auch wenig Licht spenden konnte. </p>



<p>Der Titel des Buchs <em>Sieben Tage Windstille</em> bezieht sich auf eine Vogelart, die diese sieben Tage Windstille dringend benötigt: zur Bebrütung ihres Nachwuchses auf den Wellen des Mittelmeers. Alice hatte diese sieben Tage in ihrem Leben nie. Sie wuchs im Dauersturm heran, und wie sich zeigt, kann sie in der Folge auch ihrer Tochter keine Windstille bieten.</p>



<p>Laure Limongi<br><strong>Sieben Tage Windstille</strong><br>Roman<br>Aus dem Französischen von Valerie Schneider<br>mare 2021 · 288 Seiten · 22 Euro<br>ISBN: 978-3866486515<br>Bei&nbsp;<a href="https://mojoreads.de/book/?isbn=9783866486515&amp;ref=tell" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mojoreads</a>&nbsp;oder im lokalen Buchhandel</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Auf Spurensuche in der eigenen Familie</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Weihnachtstipp von Agnese Franceschini</h4>



<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="368" height="499" data-attachment-id="104593" data-permalink="https://tell-review.de/weihnachtstipps-2021/cover-schaalburg/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Schaalburg.jpg?fit=368%2C499&amp;ssl=1" data-orig-size="368,499" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover Schaalburg" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Schaalburg.jpg?fit=221%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Schaalburg.jpg?fit=368%2C499&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Schaalburg.jpg?resize=368%2C499&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-104593" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Schaalburg.jpg?w=368&amp;ssl=1 368w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Schaalburg.jpg?resize=221%2C300&amp;ssl=1 221w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Schaalburg.jpg?resize=59%2C80&amp;ssl=1 59w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/12/Cover-Schaalburg.jpg?resize=300%2C407&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 368px) 100vw, 368px" /></figure></div>



<p>Weihnachten ist eine Gelegenheit, verschiedene Generationen und ihre Geschichten miteinander zu verflechten. In Bianca Schaalburgs autobiografischer Graphic Novel <em>Der Duft der Kiefern </em>macht sich die Enkelin Bianca auf Spurensuche in ihrer Familie. Von Berlin bis Riga versucht sie Antworten auf die Fragen zu finden, die eine Spiegelkonsole mit Wäschekommode, ein Nachttischchen, ein Tisch und ein großer Schrank stellen, Möbel, die Bianca von ihrer Großmutter geerbt hat, gut verarbeitete und robuste Handwerkskunst. „Deutsche Wertarbeit“, die berühmte deutsche Gründlichkeit.</p>



<p>Doch: Woher kommen diese Zimmermöbel? Wer wohnte in dem Haus der Großeltern, vor ihrem Einzug im Jahr 1935? Die Namen auf den Stolpersteinen vor dem Haus geben Hinweise. Bianca Schaalburg verleiht den Namen eine Geschichte.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Wie viel kann der Mensch aushalten? <br>In Theresienstadt herrschten Gelbsucht, Typhus, Brechdurchfall. Letzteres erwischt auch mich. <br>Erschöpfung war das Meer, in dem ich badete. <br>Schmutz und Wanzen waren der Strand, auf dem ich wandelte. <br>Verzweiflung war die Brandung des Meers, das mich überflutete.</p></blockquote>



<p>Mit einem poetischen Zusammenspiel von Worten und Bildern erzählt uns diese Graphic Novel die Geschichte einer deutschen Familie, die zugleich die Geschichte eines Landes ist.</p>



<p>Bianca Schaalburg<br><strong>Der Duft von Kiefern</strong><br>Graphic Novel<br>avant 2021 · 208 Seiten · 26 Euro<br>ISBN: 978-3964450586<br>Bei&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://mojoreads.de/book/?isbn=9783964450586&amp;ref=tell" target="_blank" data-type="URL" data-id="https://mojoreads.de/book/?isbn=9783964450586&amp;ref=tell">Mojoreads</a>&nbsp;oder im lokalen Buchhandel</p>



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<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: Tim Reckmann <a href="https://ccnull.de/foto/weihnachten/1006119" target="_blank" rel="noopener noreferrer"></a>  <a href="">Lizenz: CC-BY 2.0</a><br></h6>



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