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	<title>Herwig Finkeldey &#8211; tell</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
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	<title>Herwig Finkeldey &#8211; tell</title>
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		<title>Die Bloggerspontaneität bewahren</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Mar 2026 08:08:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
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					<description><![CDATA[Was bedeutet es, als Blogger bei tell mitzuarbeiten? Ein Gründungsmitglied gibt Auskunft.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">



<p><strong>10 Jahre tell</strong> </p>



<p>Weitere Texte:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Sieglinde Geisel: <a href="https://tell-review.de/stilkritik-und-zeitgenossenschaft/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Stilkritik und Zeitgenossenschaft</a>. 16. März 2026</li>



<li>Anselm Bühling: <a href="http://10 Jahre tell   Weitere Texte:  Sieglinde Geisel: Stilkritik und Zeitgenossenschaft. 16. März 2026  Herwig Finkeldey: Die Bloggerspontaneität bewahren. 24. März 2026" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schwimmen lernen</a>. 18. März 2026</li>



<li>Frank Heibert: <a href="https://tell-review.de/analyse-und-wagemut/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Analyse und Wagemut</a>. 31. März 2026</li>



<li>Agnese Franceschini: <a href="https://tell-review.de/tell-me-what-happened/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">tell me what happened</a>. 3. April 2026</li>
</ul>


</div></div>



<p class="has-drop-cap">In den seligen 1990er Jahren nahm ich neben meinem Medizin-Studium an Lesungen und Veranstaltungen des Off-Literaturbetriebs teil; ich stellte dabei ein für die Zeit typisches Exemplar des großmäuligen Berlin-Literaten ohne Werk dar. Nach der Jahrtausendwende verschwand ich aus beruflichen und persönlichen Gründen literarisch in der Versenkung.</p>



<p>Nach über zehn Jahren tauchte ich in den 2010er Jahren wieder auf, und zwar als Blogger. Mit dieser Literaturexistenz war ich eigentlich sehr zufrieden. Dann aber wurde ich von Sieglinde Geisel eingeladen, an einem Online-Magazin mitzuarbeiten, das professionelle Literaturkritik und Literaturblogger verbinden sollte, und ich nahm die Einladung an.</p>



<p>Zu Beginn gab es Missverständnisse. Ein Blogger schreibt, der Melodie der Tastatur folgend, einfach drauflos. Bei tell aber wird redigiert, es kann vorkommen, dass ein Text auch einmal mehrheitlich abgelehnt wird. Aber gerade das Redigieren empfinde ich mittlerweile als Gewinn. Wobei ich hoffe, dass hin und wieder die Bloggerspontanität durchscheint.</p>
</div></div>



<p>Anfangs hatte ich tell als ein rein ästhetisches Medium verstanden. Von der Blogosphäre aus wollten wir einer müde gewordenen Literaturkritik Beine machen. Von Anbeginn war neben der Literaturkritik zwar auch die „Zeitgenossenschaft“ unser Anspruch. Den Brexit aber haben wir nicht kommentiert. Und der Name Donald Trump tauchte im Laufe des Jahres 2016 vor der Novemberwahl nur ein oder zweimal in unseren Texten auf. Wir konnten uns, wie wohl die gesamte linksliberale Szene, einen Wahlsieg Trumps damals einfach nicht vorstellen.</p>



<p>Der Desillusionierungsprozess, der nach Nine-Eleven und der Bankenkrise eingesetzt hatte, war bei uns noch sehr am Anfang. Die erste Trumpwahl rüttelte uns dann aber endgültig wach. Schon kurz nach diesem populistischen Orkan machten wir eine <a href="https://tell-review.de/berechtigte-sorgen-oder-angstmacherei/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Serie mit Beiträgen</a> aller Redaktionsmitglieder.</p>



<p>Wir nahmen Ulrich Greiners Buch <em><a href="https://tell-review.de/unheilige-allianzen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Heimatlos</a></em> zum Anlass, die Frage nach der Stabilität der Konservativen zu stellen. Würden sie dem populistischen Angebot erliegen oder standhalten? Unsere Abschlussdiskussion trug den Titel <a href="https://tell-review.de/medienecho/" data-type="page" data-id="5797" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Berechtigte Sorgen oder Angstmacherei?“</a>. </p>



<p>Ich empfinde diese Reihe noch immer als die wichtigste unserer zehnjährigen Geschichte. Die Fragen, die wir damals stellten, sind bis heute aktuell.</p>



<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: <a href="https://www.gezett.de">Gezett</a></h6>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div class="wp-block-image"><p align="center"><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady"/></a></p></div>
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		<title>Der Fluch der Rache</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Oct 2025 07:28:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Faschismus ist eine Herrschaftsform, die in unauflösbare Dilemmata führt. In seiner KZ-Erzählung „Mein ist die Rache“ von 1943 zeigt der jüdische Schriftsteller und Übersetzer Friedrich Torberg (1908-1979), welche fatalen Folgen eine mutige und richtige Entscheidung haben kann. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">



<p>Putins Angriffskrieg, Trumps Schockstrategie, der globale Angriff auf die Demokratie – bis vor wenigen Jahren hätte man sich das im Traum nicht ausdenken können. <br>In unregelmäßigen Abständen lesen wir auf tell klassische Texte vor dieser Folie und fragen: Haben die Klassiker Antworten auf die derzeitigen Verwerfungen des politischen und gesellschaftlichen Raums?</p>



<p>1. März 2025: <a href="https://tell-review.de/die-tyrannei-der-freiheit/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Tyrannei der Freiheit</a>. Herwig Finkeldey über Fernando Pessoas „Ein anarchistischer Bankier“</p>



<p>19. April 2025: <a href="https://tell-review.de/die-freiheit-zu-ziehen-oder-nicht-zu-ziehen/">Die Freiheit, zu ziehen oder nicht zu ziehen</a>. Herwig Finkeldey über Thomas Manns „Mario, der Zauberer“</p>


</div></div>
</div></div>



<p class="has-drop-cap">Friedrich Torberg war 1940 unter dramatischen Umständen die Flucht in die USA geglückt, seine Novelle <em>Mein ist die Rache</em> ist im US-amerikanischen Exil entstanden und erschien 1943 in einem kleinen Emigrantenverlag auf Deutsch, also in der Sprache, in der gerade in Europa die Tötungsmaschine zur Vernichtung der europäischen Juden kommandiert und gelenkt wurde. Die Erzählung handelt von genau dieser Maschine sowie von der Ohnmacht und dem Grauen derjenigen, die dieser Maschine ausgesetzt sind. Wie Anna Seghers <em>Das siebte Kreuz</em> erzählt auch dieses Erzählwerk aus der überrealen Welt der Konzentrationslager.</p>



<p>Ein zunächst namenlos bleibender entflohener Insasse eines Lagers erzählt einem Mit-Exilanten in New York seine Geschichte. Er war zuvor Häftling eines Lagers gewesen, in dem zunächst ein Wechsel des Lagerkommandanten stattgefunden hatte.</p>



<p>Mit diesem Wechsel ändern sich die Verhältnisse im Lager grundlegend. Wagenseil, so der Name des neuen Kommandanten, handelt ganz im Sinne seiner Ideologie. Er glaubt an die nationalsozialistische Kernthese einer jüdischen Weltverschwörung und leitet daraus die Vernichtung der Juden als „geschichtlich notwendig“ ab. So rechtfertigt er „vor der Geschichte“ seine Verbrechen: Er will sie als humane Tat verstanden wissen, als Opfergang.</p>



<p>Sein erstes Ziel ist es, allen Insassen „jegliches Solidaritätsgefühl zu zermürben“.</p>



<p>So habe Wagenseil sofort auf Kollektivstrafen verzichtet.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Denn die Gemeinsamkeit des Leids ist so gut eine Gemeinsamkeit wie jede, sie bekräftigt und tröstet – und Wagenseil wollte uns selbst diese trostloseste aller Tröstungen verwehren.</p>
</blockquote>



<p>Über Wagenseils Sadismus sagt der Erzähler:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Er war ein Gourmet, und kein Fresser.</p>
</blockquote>



<p>Das höchste Ziel dieses „Gourmets“ war es dabei nicht, die Juden eigenhändig zu töten. Sie sollten vielmehr in den Selbstmord getrieben werden. Und diesen letzten Akt sollten sie darüber hinaus als Ausdruck einer angeblichen „geschichtlichen Notwendigkeit“ begreifen.</p>



<p>Ein Ausdruck dieser Notwendigkeit ist die von Wagenseil initiierte sogenannte Judenbaracke. Bis dato waren die Häftlinge bunt durchmischt gewesen; Wagenseil aber lässt alle Juden in einer Baracke zusammenfassen. Die den Juden zugewiesene Baracke erweist sich sofort als zu eng für 80 Menschen. Aber Wagenseil ‚beruhigt‘ die drei Juden, die es noch wagten, als Delegation die Bitte um mehr Raum vorzutragen. Nachdem Wagenseil den Bittstellern ins Gesicht geschlagen hat, gibt er die unmissverständliche Antwort:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Es wird in Ihrer Baracke noch genügend Platz sein. Das verspreche ich Ihnen. – Wegtreten.</p>
</blockquote>



<p>Ein Jude nach dem anderen suizidiert sich dann nach Wagenseils Folter. Spätestens nach dem dritten Selbstmord kennen die Insassen der Judenbaracke ihr Schicksal. Unvermeidlicherweise kommt die eine Frage auf, der junge Seligmann stellt sie des Abends in der Baracke:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Aber warum, warum! Was haben wir denn getan! Warum hassen sie uns so!</p>
</blockquote>



<p>Worauf der Rabbinatskandidat Josef Aschkenasy die entscheidende Antwort gibt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Man haßt uns nicht für das, was wir tun. Man haßt uns für das, was wir sind.</p>
</blockquote>



<p>Es gibt eine Szene im Roman, die das traditionelle jüdische Denken fassbar macht: das Vertrauen auf die göttliche Rache als Teil der göttlichen Gerechtigkeit. Torberg exemplifiziert das anhand des jungen Häftlings Hans Landauer.</p>



<p>Landauer erscheint die Überwindung des Suizids als letzte Freiheit, die den Häftlingen noch bleibt. Er meldet sich freiwillig zum ‚Verhör‘ bei Wagenseil, wird entsprechend gefoltert, verweigert aber den ihm zugedachten Suizid. Zerschlagen und sterbend kommt er zurück in die Baracke.</p>



<p>Noch einmal erwacht er und denkt an seinen Folterer:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Aber dem zeig ich‘s noch. Der soll nur warten. Ich zeig‘s ihm noch.</p>
</blockquote>



<p>Diese Sterbeszene ist schriftstellerisch ungeheuerlich. Die jüdischen Häftlinge diskutieren, was Hans Landauer wohl damit gemeint haben könnte. Ob er Wagenseil hätte umbringen wollen? Josef Aschkenasy sorgt dann für Erstaunen, indem er sagt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Es ist gut, daß er es nicht getan hat. Es ist gut, daß sein Opfer rein geblieben ist vor dem Herrn. Mein ist die Rache und die Vergeltung, spricht der Herr.</p>
</blockquote>



<p>Und wenig später sagt Aschkenasy in Bezug auf die Peiniger:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Und Er wird ihnen ihr Unrecht vergelten und wird sie um ihrer Bosheit vertilgen!</p>
</blockquote>



<p>Damit beschwört der Rabbinatskandidat das jahrtausendalte Gesetz, das den Juden ihr Überleben sichern soll.</p>



<p>Dann aber wird der Ich-Erzähler zu Wagenseil gerufen. Und erleidet alles, was seine Vorgänger auch erlitten haben. Dieses Leiden lässt ihn Aschkenasys Worte noch einmal durchdenken – und damit auch die jüdische Tradition:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Es ist nicht so, wie Aschkenasy gesagt hat: daß wir keine Wahl haben. Nur unsere Feinde glauben das […]. Und das ist es auch, was sie so sicher macht: daß wir immer nur auf die göttliche Rache vertrauen, immer nur, immer wieder, immer noch, seit Jahrtausenden.</p>
</blockquote>



<p>Der Ich-Erzähler redet weiter zu sich und ruft im Selbstgespräch zugleich Gott an. In seiner Vorstellung lässt er Gott antworten:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Ihr solltet manchmal für meine Rache einstehen, oder solltet doch zeigen, daß ihr dazu bereit seid.<br>[…]<br>Mein ist die Rache, und Ich werde sie üben, wenn es Mir gefällt. Aber ihr sollt nicht glauben, dass ihr nichts weiter zu tun braucht, als um Rache zu rufen, <em>damit</em> es mir gefiele. Denn ich bin nicht mehr sicher, ob ihr aus Gehorsam und aus Treue zum Gesetz so handelt – und nicht aus Feigheit und Furcht, und weil ihr schwach und weich geworden seid im Vertrauen auf Meine Rache.</p>
</blockquote>



<p>Mit diesen Fragen im Kopf wird der Gefolterte sich Wagenseils Manipulation zum Selbstmord widersetzen – und mit der ihm von Wagenseil hingehaltenen Waffe nicht sich, sondern Wagenseil erschießen, der geglaubt hatte, Juden würden sich nicht wehren.</p>



<p>Darauf kann der Ich-Erzähler fliehen und seine Geschichte erzählen. Die Folgen seiner Rache aber sind grausam: Das nationalsozialistische Terrorsystem rächt sich seinerseits, nun doch mit einer Kollektivstrafe.</p>



<p>So kommt es, dass der Ich-Erzähler am New Yorker Pier steht und bei jedem aus Europa anlandenden Schiff vergebens auf einen Mithäftling wartet. Sein eigenes Überleben und seine Rache haben mutmaßlich den Tod aller anderen bewirkt.</p>



<p class="has-text-align-center">***</p>



<p>Friedrich Torbergs Erzählung <em>Mein ist die Rache</em> hallt, wie alle großen Literaturwerke, über die letzte Zeile hinaus nach, denn sie wirft Fragen auf, die moralisch kaum lösbar sind. Wie handelt man richtig? Was darf man tun, wenn der eigene, zunächst gerechte Widerstand andere an Leib und Leben gefährdet?</p>



<p>Friedrich Torberg hatte die existenzielle Dimension dieser Fragen erkannt. Nach der Vollendung von <em>Mein ist die Rache</em> erklärte er alle seine früheren Werke für null und nichtig.</p>



<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: A.Greeg <br>via iStock</h6>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"> <div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">



<p class="has-text-align-left">Friedrich Torberg<br><strong>Mein ist die Rache</strong><br>Novelle<br>dtv 2008 · 106 Seiten · vergriffen<br>ISBN: 978-3423136860<br></p>


</div></div> <div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" width="648" height="1030" data-attachment-id="119838" data-permalink="https://tell-review.de/der-fluch-der-rache/81jiuntguol-_sl1500_/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/10/81JIUNTgUOL._SL1500_.jpg?fit=943%2C1500&amp;ssl=1" data-orig-size="943,1500" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="81JIUNTgUOL._SL1500_" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/10/81JIUNTgUOL._SL1500_.jpg?fit=189%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/10/81JIUNTgUOL._SL1500_.jpg?fit=648%2C1030&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/10/81JIUNTgUOL._SL1500_.jpg?resize=648%2C1030&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-119838" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/10/81JIUNTgUOL._SL1500_.jpg?resize=648%2C1030&amp;ssl=1 648w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/10/81JIUNTgUOL._SL1500_.jpg?resize=189%2C300&amp;ssl=1 189w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/10/81JIUNTgUOL._SL1500_.jpg?resize=50%2C80&amp;ssl=1 50w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/10/81JIUNTgUOL._SL1500_.jpg?resize=768%2C1222&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/10/81JIUNTgUOL._SL1500_.jpg?resize=300%2C477&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/10/81JIUNTgUOL._SL1500_.jpg?w=943&amp;ssl=1 943w" sizes="(max-width: 648px) 100vw, 648px" /></figure>


</div></div></div> </div></div>
</div></div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a id="_msocom_1"></a></p>
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		<title>Die Hunde im Souterrain</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Jun 2025 06:23:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Homosexualität]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Mann]]></category>
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					<description><![CDATA[Thomas Manns Homosexualität steht im Zentrum von Tilmann Lahmes aktueller Biografie. Dabei werden nicht nur neue Quellen ausgewertet. Es geht auch um die Verwandlung des unterdrückten Begehrens in Literatur – und um die Versäumnisse der Germanistik.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-drop-cap">Mit dem Erscheinen dieses Buches seien alle vorherigen Biografien „verwelkt“, meint Gustav Seibt in einem Facebook-Beitrag zu Tilmann Lahmes neuer Biografie über Thomas Mann. Lahmes Fokus liegt dabei eindeutig auf Manns unterdrückter Homosexualität. Vor allem neu ausgewertete Briefe an Manns Schulfreund Otto Grautoff sowie bisher fehlende Tagebuchpassagen – beide werden im Anhang erstmals abgedruckt – sorgen hier für Klarheit.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die &#8222;konträre Sexualempfindung&#8220;</h3>



<p>Tilmann Lahme stellt anhand dieses Materials unumstößlich klar, dass Thomas Mann nicht „auch“ homosexuelle Neigungen hatte, dass er nicht „bisexuell“ gewesen ist, nicht nur eine „homosexuelle Achillesferse“ hatte oder wie die Formeln noch heißen mochten. Thomas Mann war schlicht homosexuell. Seine sechs Kinder, die er mit seiner Ehefrau Katia gezeugt hat, belegen nicht das Gegenteil. Vielmehr ist seine Ehe Ausdruck des Zeitgeistes, in dem sich Homosexuelle Ende des neunzehnten Jahrhunderts behaupten mussten. </p>



<p>Dies gilt auch für den medizinischen Zeitgeist, das damalige medizinische „Konzept“ der Homosexualität. Nach diesem Konzept wurde die Homosexualität, damals auch „konträre Sexualempfindung“ genannt, als therapiebedürftige Störung verstanden.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Nach all den Spekulationen zuvor in der Forschung, was Thomas Mann gekannt haben könnte von den beginnenden wissenschaftlichen Diskursen seiner Zeit um die „conträre Sexualität“, sorgen hier zwei Briefe für Klarheit: Er las noch in der Lübecker Jugendzeit die beiden zentralen Bücher von Krafft-Ebing und Moll zum Thema Homosexualität.</p>
</blockquote>



<p>Mann kommt nach der Lektüre zur niederschmetternden Conclusio: „degenerative Hirnerkrankung, Perversion, schwer heilbar“.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Sublimation durch das Schreiben</h3>



<p>Tilmann Lahmes Fokus auf die Homosexualität ist legitim und nachvollziehbar. Allerdings bleibt dadurch anderes auf der Strecke. Über das wichtige Thema Thomas Mann und die Juden liest man bei Lahme nichts substanziell Neues. Dabei war etwa die Ehe mit Katia Mann nicht nur die Ehe eines Homosexuellen mit einer Frau, sondern auch die Ehe eines für den Antisemitismus Verführbaren mit einer Jüdin.</p>



<p>Otto Grautoff, so erfährt man bei Lahme, ließ sich in der Praxis von Albert Moll in Berlin hypnotisieren. In Beschwörungsformeln muss er der angeblich krankmachenden Masturbation abschwören. Thomas Mann hingegen verordnet sich bewusste Entsagung, kaltes Duschen und diätetische Maßnahmen. Die Nietzsche-Formel aus <em>Jenseits von Gut und Böse</em> wird zu einer entscheidenden Metapher: Man habe „die Hunde im Souterrain“ gefälligst an „die Kette“ zu legen.</p>



<p>Bei Thomas Mann läuft das Kupieren der Begierde schließlich zum einen auf eine Ehe mit einer Frau hinaus; er nennt das selbst „sich eine Fassung geben“. Zum anderen werden die unterdrückten Wünsche klassisch freudianisch sublimiert: mit Hilfe des Schreibens. Im Laufe seines Lebens jedoch drängen die unterdrückten Wünsche immer wieder nach oben. Schon auf der Hochzeitsreise nach Genf notiert sich Thomas Mann in seinem Notizbuch die Namen zweier Psychiater und eines Hypnotiseurs. </p>



<h3 class="wp-block-heading">Der verschwiegene Freund</h3>



<p>Die Erlebnisse – zum Beispiel auf dem Lübecker Schulhof, mit Klaus Heuser auf Sylt, mit einem polnischen Jungen in Venedig vor dem ersten Weltkrieg oder mit dem bayrischen Kellner Franzl Westmeier 1950 in Zürich – sind hinreichend bekannt. Tilmann Lahme zeichnet die verschlungenen Wege vom Erleben und Erleiden zum sublimierenden Gestalten dezidiert und kenntnisreich nach. Die frühe Liebe auf dem Lübecker Schulhof wird in „Tonio Kröger“ verarbeitet und dann noch einmal in <em>Der Zauberberg</em> (Pribislav Hippe), der junge Pole in Venedig wird Anlass zum „Tod in Venedig“ sein. Und der Amphytrion-Essay respektive der Michelangelo-Essay spiegeln die Bekanntschaften mit Klaus Heuser und Franzl.</p>



<p>Wann Katia Mann, geb. Pringsheim, von der geheimen Neigung ihres Mannes erfuhr, ist letztlich unbekannt. Sicher ist aber, dass sie schließlich Bescheid wusste. Im Tagebuch spricht Thomas Mann von der „armen Katia“, der er die „letzte Geschlechtslust“ nicht bereiten könne. Und von seiner „Dankbarkeit“.</p>



<p>Das Verdrängen der eigenen Homosexualität bedeutete für Mann auch das Verschweigen des Freundes, mit dem er sich wie mit keinem sonst offen über seine Homosexualität ausgetauscht hat. Das Ende des Kontaktes mit Otto Grautoff – von belanglosen Briefen abgesehen – wirft auf Thomas Manns Charaktereigenschaften kein günstiges Licht. Freilich hängt dieses Ende auch damit zusammen, dass ihr gemeinsames Thema damals kein öffentliches sein durfte. Thomas Mann dürfte schlicht Angst vor Enttarnung gehabt haben. Dass diese Freundschaft ihm wichtig gewesen ist, bezeugt die Widmung des elften und letzten Teils von <em>Die Buddenbrooks</em>: „Meinem Freunde Otto Grautoff“.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Ignoranz der Germanistik</h3>



<p>Engagiert rückt Tilmann Lahme seinen Germanisten-Kollegen zu Leibe, die das „Problem“ der Homoerotik bei Thomas Mann größtenteils übergingen, dies obwohl die Fakten längst auf dem Tisch lagen und auch der breiteren Öffentlichkeit im Feuilleton beispielsweise durch Marcel Reich-Ranicki oder auch durch Hans Mayer nach der Veröffentlichung der Tagebücher mitgeteilt worden waren. Es gab Ausnahmen. Lahme erwähnt die mittlerweile wieder aus der Versenkung aufgetauchte Doktorarbeit von Karl Werner Böhm (1991!), die verdienstvollen Arbeiten von Gerhard Härle sowie Heinrich Deterings wunderbares Buch <em>Juden, Frauen und Literaten</em>.</p>



<p>Jenseits dieser Ausnahmen aber schwankten die Gelehrten zwischen Ignoranz und Unverschämtheit: Manche bemühten sogar das Wortungetüm „Homosexualitätskeule“, die von einer „bestimmten Klientel“ geschwungen werde. Thomas Manns Biografie und seine Literatur sind von diesem Konflikt geprägt wie von nichts anderem. Seine „Lebensbeichte“ im <em>Doktor Faustus</em> ist wortwörtlich zu verstehen: Er „durfte nicht lieben“. </p>



<p>Tilmann Lahme übernimmt die Formulierung am Ende seiner Biografie:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Sein Leben, seine Literatur und seine Tagebücher erzählen die fesselnd-traurige Geschichte eines Mannes, der nicht lieben darf.</p>



<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: Thomas Mann 1910 <br> ETH-Bibliothek Zürich, Thomas-Mann-Archiv / Fotograf: Unbekannt / TMA_0057 </h6>
</blockquote>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"> <div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">



<p class="has-text-align-left">Tilmann Lahme<br><strong>Thomas Mann</strong><br>Ein Leben<br>dtv 2025 · 592 Seiten · 28 Euro<br>ISBN: 978-3423284455<br></p>



<p align="left"> Bei <a href="https://yourbook.shop/book/?isbn=9783423284455&amp;ref=tell" title="Mit Ihrer Bestellung bei yourbook shop unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" target="_blank" rel="noopener noreferrer">yourbook shop</a> oder im lokalen Buchhandel


</div></div> <div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" width="682" height="1030" data-attachment-id="119703" data-permalink="https://tell-review.de/die-hunde-im-souterrain/cover-33/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/06/Cover.jpg?fit=993%2C1500&amp;ssl=1" data-orig-size="993,1500" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/06/Cover.jpg?fit=199%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/06/Cover.jpg?fit=682%2C1030&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/06/Cover.jpg?resize=682%2C1030&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-119703" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/06/Cover.jpg?resize=682%2C1030&amp;ssl=1 682w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/06/Cover.jpg?resize=199%2C300&amp;ssl=1 199w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/06/Cover.jpg?resize=53%2C80&amp;ssl=1 53w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/06/Cover.jpg?resize=768%2C1160&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/06/Cover.jpg?resize=300%2C453&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/06/Cover.jpg?w=993&amp;ssl=1 993w" sizes="(max-width: 682px) 100vw, 682px" /></figure>


</div></div></div> </div></div>
</div></div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



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		<title>Die Freiheit, zu ziehen oder nicht zu ziehen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 19 Apr 2025 08:11:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
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					<description><![CDATA[Thomas Manns „Mario und der Zauberer“ ist eine Jahrhunderterzählung. Bereits 1930 erkannte Mann die Verwandtschaft der faschistischen Politiker mit dem Hypnotiseur – und damit auch dem Künstler.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">



<p>Putins Angriffskrieg, Trumps Schockstrategie, Musks Machtrausch – bis vor wenigen Jahren hätte man sich das im Traum nicht ausdenken können. In unregelmäßigen Abständen lesen wir auf tell klassische Texte vor dieser Folie und fragen: Haben die Klassiker Antworten auf die derzeitigen Verwerfungen des politischen und gesellschaftlichen Raums?</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>1. März 2025: <a href="https://tell-review.de/die-tyrannei-der-freiheit/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Tyrannei der Freiheit</a>. Herwig Finkeldey über Fernando Pessoas „Ein anarchistischer Bankier“</li>



<li>21. Oktober 2025: <a href="https://tell-review.de/der-fluch-der-rache/">Der Fluch der Rache</a>. Herwig Finkeldey über Friedrich Torbergs </li>
</ul>


</div></div>
</div></div>



<p class="has-drop-cap">In Thomas Manns Erzählung „Mario und der Zauberer“ von 1930 geht es um die Urlaubserfahrungen einer deutschen Familie am Tyrrhenischen Meer, mit dem Familienvater als Ich-Erzähler. Im ersten Absatz gibt Mann eine Zusammenfassung sowohl des Inhalts als auch der geistigen Grundlage dieser Novelle.</p>



<p>Diese Grundlage ist nichts anderes als der Alltag im faschistischen Italien. Der deutschen Familie wird im Grand Hotel der Platz im Wintergarten mit Blick auf das Meer vorenthalten, dort dürfen nur Italiener sitzen. Eine italienische Adelige beklagt sich über die Fremden: Ein ausklingender Keuchhusten der Tochter stört sie. Am Strand schließlich läuft die achtjährige Tochter nackt zum Meer, um ihren sandigen Badeanzug auszuspülen – dieses Ereignis führt zu einem veritablen Ärgernis mit Polizeieinsatz und Strafzahlung.</p>



<p>Personifizierter Ausdruck dieser „unangenehmen Atmosphäre“ ist der Zauberer Cipolla; sein Auftritt im Badeort wird zu einem „Ereignis“, an dem die ganze Familie teilnehmen möchte.</p>



<p>Künstlernovelle</p>



<p>„Zauberer“ wurde Thomas Mann familienintern genannt, und im Verlauf der Erzählung wird er Cipolla dann auch einen „Künstler“ nennen. Es ist also eine Künstlernovelle, freilich eine sehr spezielle. Denn Cipollas Kunst besteht darin, das Publikum, ohne das keine Kunst auskommt, direkt zu manipulieren: Er ist ein Hypnotiseur. Das Publikum wird nicht von einem Werk oder einer Darbietung überzeugt, vielmehr ist das Publikum als zu hypnotisierende Masse selbst Teil des Werks. Da das Kunstwerk dem Willen des Künstlers unterworfen ist, bedeutet diese Konstellation nichts anderes, als dass diese Unterwerfung nun mit dem Publikum geschieht.</p>



<p>Das ahnen manche Teilnehmer der Show und versuchen sich dagegen zu wehren. Ein junger Römer, der, wie alle, Zeuge wurde, wie Cipolla es mittels hypnotischer Kraft fertigbringt, Zuschauer stepptanzen zu lassen, stellt sich freiwillig zur Verfügung.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Hier nun war es, dass der Herr aus Rom sich meldete und trotzig anfragte, ob der Cavaliere sich anheischig mache, ihn tanzen zu lassen, auch wenn er nicht wolle.<br>„Auch wenn Sie nicht wollen!“ antwortete Cipolla in einem Ton, der mir unvergeßlich blieb.</p>
</blockquote>



<p>Der Kampf beginnt, und es endet, wie es enden muss: Auch der Römer steppt schließlich wie alle anderen hypnotisch manipulierten Teilnehmer der Show. </p>



<p>Der Ich-Erzähler berichtet:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Verstand ich den Vorgang recht, so unterlag dieser Herr seiner Kampfposition. Wahrscheinlich kann man vom Nichtwollen seelisch nicht leben, eine Sache nicht tun wollen, ist auf die Dauer kein Lebensinhalt.</p>
</blockquote>



<p>Cipolla spricht den jungen Mann, der sich noch gegen die Manipulation wehrt, direkt an:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Wer wird sich so quälen? Nennst du es Freiheit – diese Vergewaltigung deiner selbst? Una ballatina! Es reißt dir ja an allen Gliedern. Wie gut wird es sein, ihnen endlich den Willen zu lassen! Da, du tanzest ja schon! Das ist kein Kampf mehr, das ist bereits Vergnügen!“ – So war es, das Zucken und Zerren im Körper des Widerspenstigen nahm überhand […], und so führte der Cavaliere ihn, während die Leute klatschten, aufs Podium, um ihn den anderen Hampelmännern anzureihen. Man sah nun das Gesicht des Unterworfenen, es war da oben veröffentlicht. Er lächelte breit, mit halbgeschlossenen Augen, während er sich „vergnügte“.</p>
</blockquote>



<p>Cipolla hat dem Publikum bereits vorher mitgeteilt, dass jeder Widerstand gegen seine Kunst zwecklos sei. Auf die Frage eines Zuschauers, ob Widerstand gegen seine Hypnosekünste etwas ausrichten könnte, antwortet Cipolla:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Sie werden mir [&#8230;] damit meine Aufgabe etwas erschweren. An dem Ergebnis wird der Widerstand nichts ändern. Die Freiheit existiert, und auch der Willen existiert; aber die Willensfreiheit existiert nicht, denn ein Wille, der sich auf seine Freiheit richtet, stößt ins Leere. Sie sind frei zu ziehen oder nicht zu ziehen. Ziehen Sie aber, so werden Sie richtig ziehen – desto sicherer, je eigensinniger Sie zu handeln versuchen.“</p>
</blockquote>



<p>Das Ende der Erzählung besiegeln zwei Schüsse des Kellners Mario. Nachdem er unter Hypnose statt seiner Angebeteten das abstoßende, vom Alkohol gezeichnete Gesicht des Zauberers geküsst hat, erschießt er diesen mit einem Revolver.</p>



<p>Anders kann man sich des Faschismus‘ nicht entledigen, das erkannte Thomas Mann vor annähernd einhundert Jahren, noch weit vor dem Höhepunkt dieser so fatalen wie verführerischen politischen Heilslehre. Heute kommt einem diese Jahrhunderterzählung – um nichts anderes handelt es sich hier – wie eine doppelte Prophezeiung vor: sowohl der damals unmittelbar folgenden Ereignisse als auch einer Entwicklung, die heute möglich ist.</p>



<p>„Mario und der Zauberer“ weist schon auf Manns Essay „Bruder Hitler“ hin, den er 1938 im Exil verfasste. Darin streicht er die Verwandtschaft des nationalsozialistischen Führers mit dem Künstler noch einmal heraus:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
[…] muß man nicht, ob man will oder nicht, in dem Phänomen eine Erscheinungsform des Künstlertums wiedererkennen?</p>
</blockquote>



<p>Das Wesen der faschistischen Politiker besteht laut Mann darin, dass ihr „Werk“ das Volk ist, dessen Willen sie formen, genauso wie der Künstler sein Werk formt. Daraus lässt sich in der Summe beinahe schon eine Handlungsempfehlung lesen. Wenn der Faschist unvermeidlich jeden manipuliert und formt, der sich auf ihn einlässt, so darf man eben diesen ersten Schritt nicht gehen. Man ist „frei zu ziehen oder nicht zu ziehen.“ Wer aber die Karten zieht, die der Faschist einem hinhält, zieht unweigerlich die vom Faschisten gewünschten.</p>



<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: Niklaus Bächli </h6>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"> <div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">



<p class="has-text-align-left">Thomas Mann<br><strong>Mario und der Zauberer</strong><br>Ein tragisches Reiseerlebnis<br>Erzählung<br>Fischer Verlag 1989 · 112 Seiten · 12 Euro<br>ISBN: 978-3596293209<br></p>



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</div></div> <div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" width="649" height="1030" data-attachment-id="119653" data-permalink="https://tell-review.de/die-freiheit-zu-ziehen-oder-nicht-zu-ziehen/cover-mario-und-der-zauberer/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/04/Cover-Mario-und-der-Zauberer.jpg?fit=708%2C1123&amp;ssl=1" data-orig-size="708,1123" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover Mario und der Zauberer" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/04/Cover-Mario-und-der-Zauberer.jpg?fit=189%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/04/Cover-Mario-und-der-Zauberer.jpg?fit=649%2C1030&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/04/Cover-Mario-und-der-Zauberer.jpg?resize=649%2C1030&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-119653" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/04/Cover-Mario-und-der-Zauberer.jpg?resize=649%2C1030&amp;ssl=1 649w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/04/Cover-Mario-und-der-Zauberer.jpg?resize=189%2C300&amp;ssl=1 189w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/04/Cover-Mario-und-der-Zauberer.jpg?resize=50%2C80&amp;ssl=1 50w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/04/Cover-Mario-und-der-Zauberer.jpg?resize=300%2C476&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/04/Cover-Mario-und-der-Zauberer.jpg?w=708&amp;ssl=1 708w" sizes="(max-width: 649px) 100vw, 649px" /></figure>


</div></div></div> </div></div>
</div></div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



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		<title>„Wisst ihr Deutsche das? Und wie findet ihr das?“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Mar 2025 07:38:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
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					<description><![CDATA[Aus Anlass des Thomas-Mann-Jahrs beschäftigen sich zwei Bücher mit Manns politischem Wirken: Kai Sinas „Was gut ist und was böse“ und der Band „Deutsche Hörer!“ mit seinen Rundfunkreden, herausgegeben von Mely Kiyak. Beide Bücher zeigen Thomas Mann als einen zur Politik gedrängten Ästheten.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-drop-cap">Unter den zahlreichen Publikationen zum Thomas Mann-Jahr verdienen zwei Bücher besondere Beachtung: Der Literaturwissenschaftler Kai Sina, Mitherausgeber der neuen großen Werkausgabe, stellt Thomas Mann in seinem Buch <em>Was gut ist und was böse</em> als politischen Aktivisten dar. Mely Kiyak wiederum gibt Manns Rundfunkreden gegen Nazi-Deutschland neu heraus, unter dem Titel <em>Deutsche Hörer!</em> So sprach Thomas Mann sein Publikum an, als er über BBC-Deutschland Radiobotschaften nach Deutschland schickte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Thomas Manns Verhältnis zum Zionismus</h3>



<p>Es sind die richtigen Bücher zur richtigen Zeit. Beide Autor:innen stellen darüber hinaus klar, dass das alte Urteil, Thomas Mann sei im Grunde seines Wesens immer ein „Unpolitischer“ geblieben, in dieser Apodiktik nicht haltbar ist. Freilich hat Thomas Mann in der ihm eigenen Ambivalenz selbst kräftig dafür gesorgt, dass solche Urteile überdauern konnten. Er wollte die Welt ästhetisch sehen. Aber die Zeit, in der er lebte, ließ ihn nicht. Daher seine berühmten Worte, dass er „mehr zum Repräsentanten, als zum Märtyrer“ geboren sei. Und zum politischen Aktivisten schon gar nicht – der er dann doch wurde.</p>



<p>Kai Sina nimmt sich dabei in seinem Buch <em>Was gut ist und was böse</em> eines Themas an, das bisher nur wenig Beachtung gefunden hat: das Verhältnis Thomas Manns zum Zionismus. Das ist der Faden, an dem Sina die Geschichte des politischen Aktivisten Thomas Mann auffädelt.</p>



<p>Sinas Ausgangspunkt ist der wegweisende Essay „Zur Judenfrage“ aus dem Kaiserreich, auf dessen Bedeutung bereits Marcel Reich-Ranicki hingewiesen hat. Der Anlass war eine Rundfrage von Julius Moses aus dem Jahr 1907, in der er die Angeschriebenen bat, sich zur „Judenfrage“ zu äußern. Dieser Begriff sei damals noch nicht negativ konnotiert gewesen, so Sina:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Vielmehr wurde der Begriff von unterschiedlichen jüdischen und nichtjüdischen Parteien für ihre jeweiligen Interessen und Ziele in Anspruch genommen.</p>
</blockquote>



<p>Hier nun erteilt Mann den „Zionisten von der strengen Observanz“ eine klare Absage, weil die Juden für Deutschland einen „unentbehrlichen Kultur-Stimulus“ darstellen würden. Er betont die angebliche Andersartigkeit der Juden durchaus im essentialistischen Sinne und bezeichnet sich selbst als „Philosemiten“.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die „Betrachtungen“ und ihre Folgen</h2>



<p>Manns politische Verwirrungen in der Folge des ersten Weltkrieges unterschlägt Kai Sina nicht. Es sind Thomas Manns Schriften nach 1914, zunächst die „Gedanken im Kriege“, dann der Riesen-Essay <em>Betrachtungen eines Unpolitischen</em>, die aus heutiger Sicht befremdlich wirken. Sina schreibt zunächst:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Vom politischen Frühwerk aus betrachtet, kommt man nicht umhin, Manns Entwicklung in der Entstehungszeit der <em>Betrachtungen </em>als Diskontinuität zu begreifen, in der Sache wie im Ton, in der Form wie in der Rhetorik, bis hin zur Materialität.</p>
</blockquote>



<p>Dann aber weist Kai Sina darauf hin, dass man die <em>Betrachtungen</em> auch als Literatur, als einen „verschleierten Roman“ verstehen kann, in dem Thomas Mann Positionen ausprobiert, gerade so, wie er es im <em>Zauberberg</em> erneut unternimmt.</p>



<p>Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zu dem, was manche als Thomas Manns Wandlung beschrieben haben. Vor allem seine Gegner wurden enttäuscht, die wegen der <em>Betrachtungen</em> geglaubt hatten, er sei einer von ihnen. Auch Thomas Manns Einstellung zum Zionismus wandelte sich. </p>



<p>Zunächst kam es aber 1921 noch zu einem Streit mit seiner (jüdischen) Ehefrau Katia über einen projüdischen Essay. Sie hieß die Veröffentlichung nicht gut, wahrscheinlich aus ökonomischen Ängsten, denn Thomas Manns Essay ist Zeugnis der Solidarität mit den Juden und wendet sich gegen die „kulturelle Reaktion“. Deren „plump-populärer Ausdruck“ manifestiere sich nirgendwo abscheulicher als im „Hakenkreuz-Unfug“, so Thomas Mann bereits 1921!&nbsp;</p>



<p>Dann aber ließ sich Thomas Mann beim jüdischen Thema von niemanden mehr zurückhalten. Er wird Mitglied in dem Komitee Pro Palästina und präferiert zunächst einen „spirituellen Zionismus“. Im Gespräch mit der Jewish Telegraphic Agency sagt Mann: „The Jew has not come to conquer but to fullfill himself and to liberate his soul. […] After all, the Arabs have been here for over a 1000 years.“</p>



<p>Kai Sina fasst zusammen:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Mit einem aus heutiger Sicht rührenden Optimismus erdenkt sich Mann eine Zukunft in Eintracht und Kooperation: Wenn die Juden darauf achtgäben, vorsichtig zu handeln, ließe sich gewiss mit der arabischen Bevölkerung zusammenleben und gemeinsam etwas aufbauen.</p>
</blockquote>



<h3 class="wp-block-heading">Fähigkeit zur Neujustierung</h3>



<p>Manns Meinung wird sich im Verlauf der Geschichte ändern, und nach dem Zweiten Weltkrieg wird er unter dem Eindruck der Shoa einen politischen Zionismus befürworten: die Errichtung eines jüdischen Staates. Sina schreibt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>So klar und emphatisch sich Thomas Mann hinter die Juden stellt, […] so einfach macht er es sich in Hinsicht auf ihr Zusammenleben mit den Arabern.</p>
</blockquote>



<p>Der oben noch erwähnte „rührende Optimismus“ ist – folgt man Sina – von einem „als kolonial“ zu bezeichnendem Denkmuster verdrängt worden. Nun, ob hier bei Thomas Mann wirklich ausschließlich „koloniales“ Denken vorliegt, das er ja davor gerade in Bezug auf Palästina nicht gezeigt hat, muss hier vielleicht nicht ausdiskutiert werden. Eine strikte Befürwortung eines jüdischen Staates hatte unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und somit nach dem Bekanntwerden des Mordes an den europäischen Juden sicherlich noch andere Motivationen als ein „koloniales Denkmuster“, das wir bei Thomas Mann, 1875 als Großbürgersohn geboren, sicherlich voraussetzen dürfen. Jedenfalls wird Thomas Mann diese grundsätzliche Solidarität mit Israel Zeit seines Lebens nicht mehr aufkündigen.</p>



<p>Bekanntlich war er lange Zeit auch ein glühender Verehrer der USA, wurde dann aber nach den Erfahrungen mit dem McCarthyismus zu einem Kritiker und verließ am Ende seines Lebens das Land. Auch seine Einstellung zum Zionismus war einem ständigen Wandel unterzogen: von der ursprünglichen Ablehnung über die Befürwortung des kulturellen und dann auch des politischen Zionismus.</p>



<p>Wie sich seine Haltung im weiteren zeitgeschichtlichen Verlauf entwickelt hätte, können wir nicht wissen. Ob er aber beispielsweise ein Fürsprecher Netanjahus gewesen wäre, darf man immerhin bezweifeln. Seine grundsätzliche Fähigkeit zur Neujustierung sollte jeden davon abhalten, Mann in heutigen politisch-moralischen Diskussionen als Kronzeugen für eine bestimmte Position aufzurufen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Polemik in den Radioansprachen</h3>



<p>Thomas Mann hat sich nicht nur in seinen Essays politisch geäußert. In seinen Radioansprachen erweist er sich sowohl als leidenschaftlicher Polemiker wie auch als Analytiker, der Debatten beinahe Jahrzehnte vorwegnimmt. Mely Kiyaks Neuausgabe seiner Radioansprachen zeigt die visionäre Schärfe seines Denkens. Zunächst macht er in diesen Reden vor allen Dingen den Mord an den europäischen Juden öffentlich und das erstaunlich früh, schon 1942. Er hat die ersten Berichte nie als unglaubwürdig zurückgewiesen, wie es unter anderem Hannah Arendt tat, die das nach dem Krieg auch zugab: „Ich habe es nicht geglaubt!“ Thomas Mann hatte es sofort „geglaubt“, um nicht zu sagen: gewusst. Denn er kannte das Kulturvolk, die deutsche Gesellschaft nur zu gut, die deutsche Volksgemeinschaft, aus der er selbst kam und vor der er schließlich floh. Und er sprach dieser Volksgemeinschaft ins Gewissen. Nachdem er minutiös über die Vernichtung der Juden im sogenannten Generalgouvernement berichtet hat, fragt er die Deutschen aus dem Radio heraus: „Wisst ihr Deutsche das? Und wie findet ihr das?“</p>



<p>In der berühmten Rede vom April 1942 stellt Thomas Mann weiterhin klar, dass die Luftangriffe auf „Hitlerland“ (wie er Deutschland nennt) und speziell auf seine Vaterstadt Lübeck, Ausdruck dessen sei, „daß alles bezahlt werden muß“. Hier schon deutet Mann an, dass „Deutschland zu schluchzen hat auch über das, was es erleidet“. Die Diskussionen über den Bombenkrieg und Deutschland als Opfer sollten erst fünfzig Jahre später tatsächlich gesamtgesellschaftlich geführt werden.</p>



<p>Am 14. Januar 1945 erklärt Mann, was nötig sei:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>die volle und rücksichtslose Kenntnisnahme entsetzlicher Verbrechen, von denen ihr tatsächlich heute noch das Wenigste wisst, teils, weil man euch absperrte […] teils, weil ihr aus dem Instinkt der Selbstschonung das Wissen um dieses Grauen von euren Gewissen fernhieltet. Es muß aber in euer Gewissen dringen, wenn ihr verstehen und leben wollt, und ein gewaltiges Aufklärungswerk, das ihr nicht als Propaganda mißachten dürft, wird nötig sein, um euch zu Wissenden zu machen.</p>
</blockquote>



<p>Hiermit nimmt Thomas Mann die Re-Education und die deutschen Vorbehalte gegen diese vorweg – Vorbehalte, die heute wieder formuliert werden, zum Beispiel von Alice Weidel.</p>



<p>Mely Kiyak weist in ihrem bemerkenswerten Vorwort darauf hin, dass Thomas Mann gerade deswegen beispielgebend ist, weil ihm, dem Großbürgersohn, das Revoluzzertum nun gerade nicht in die Wiege gelegt worden ist. </p>



<p>Sie schreibt: </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Seit ich mich mit Thomas Mann und seinem Widerstand intensiv auseinandersetze, lande ich immer wieder bei diesem Gedanken: Für jemanden, der aus ethnischen, religiösen oder sozialen Gründen ausgegrenzt und verfolgt wird, ist der Kampf für Solidarität und der Widerstand gegen ein faschistisches System notwendig und irgendwie auch selbstverständlich. […] Aber für jemanden wie Thomas Mann („männlich, weiß, privilegiert“ wären wohl die heutigen Schlagwörter) ist seine Beharrlichkeit und sein Aufbäumen gegen das NS-Regime zunächst einmal eine politische Entscheidung, zu der er nicht gezwungen war.</p>
</blockquote>



<p>Es war ein innerer Zwang, der Thomas Mann trieb. Die Zeitumstände machten aus dem Schriftsteller, dessen Schreiben immer zuerst der Ästhetik verpflichtet gewesen ist, auch einen politischen Aktivisten.</p>



<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: Thomas Mann 1947 in der niederländischen Wochenschau </h6>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"> <div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">



<p class="has-text-align-left">Kai Sina<br><strong>Was gut ist und was böse</strong><br>Thomas Mann als politischer Aktivist<br>Propyläen 2024 · 304 Seiten · 24 Euro<br>ISBN: 978-3549100851<br></p>



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</div></div></div> </div></div>
</div></div>


<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"> <div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">



<p class="has-text-align-left">Thomas Mann<br><strong>Deutsche Hörer!</strong><br>Radiosendungen nach Deutschland<br>Herausgegeben und mit einem Vorwort und einem Nachwort versehen von Mely Kiyak<br>S. Fischer 2025 · 272 Seiten · 24 Euro<br>ISBN: 978-3103976854<br></p>



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</div></div></div> </div></div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



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		<title>Die Tyrannei der Freiheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Mar 2025 08:41:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Elon Musk]]></category>
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					<description><![CDATA[Welche Folgen hat Freiheit ohne Solidarität? In seiner Erzählung „Ein anarchistischer Bankier“ von 1922 nimmt Fernando Pessoa Elon Musk vorweg – aus dem Abstand eines Jahrhunderts.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">



<p>Putins Angriffskrieg, Trumps Schockstrategie, der globale Angriff auf die Demokratie – bis vor wenigen Jahren hätte man sich das im Traum nicht ausdenken können. <br>In unregelmäßigen Abständen lesen wir auf tell klassische Texte vor dieser Folie und fragen: Haben die Klassiker Antworten auf die derzeitigen Verwerfungen des politischen und gesellschaftlichen Raums?</p>



<p>19. April 2025: <a href="https://tell-review.de/die-freiheit-zu-ziehen-oder-nicht-zu-ziehen/">Die Freiheit, zu ziehen oder nicht zu ziehen</a>. Herwig Finkeldey über Thomas Manns „Mario, der Zauberer“</p>



<p>21. Oktober 2025: <a href="https://tell-review.de/der-fluch-der-rache/">Der Fluch der Rache</a>. Herwig Finkeldey über Friedrich Torbergs „Mein ist die Rache“</p>


</div></div>



<p class="has-drop-cap">Fernando Pessoas Erzählung „Ein anarchistischer Bankier“ von 1922 ist für mich ein Buch der Stunde. Pessoa schildert darin den Dialog eines Bankiers mit einem Freund, der allerdings nur die Stichworte liefert. Aus dem Monolog des Bankiers entwickelt sich gewissermaßen das Manifest seiner Lebenshaltung.</p>



<p>Diesen Bankier beschreibt Pessoa zunächst als einen „großen Händler und namhaften Schieber“.</p>
</div></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Mir wurde erzählt, Sie seien früher Anarchist gewesen!“</p>
</blockquote>



<p>Mit dieser Frage des Freundes wird das Gespräch in Gang gesetzt. Der Bankier korrigiert:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Ich bin es nicht gewesen, ich bin es noch immer.“</p>
</blockquote>



<p>Nun erklärt der Bankier, wie man beides sein kann: Bankier und Anarchist. Mehr noch: Wie das eine notwendigerweise zum anderen führt. Er geht sogar so weit zu behaupten, dass nur er ein echter Anarchist sei, im Gegensatz zu den „Typen von den Arbeiterorganisationen“.</p>



<p>Wie das geht? Ganz einfach. Indem man die Freiheit absolut setzt, mit dieser Freiheit aber nur die eigene meint. So war der Bankier zunächst selbst Mitglied einer anarchistischen Gruppe gewesen und in dieser Organisation enttäuscht worden: Denn auch unter diesen Anarchisten gebe es Subordination und Forderung nach Gefolgschaft. Der Sozialismus war für ihn nie in Frage gekommen, denn die Sozialisten wollten nur die gerade gültigen „gesellschaftlichen Fiktionen“ durch andere ersetzen.</p>



<p>Deswegen sei er schließlich seinen eigenen Weg gegangen. Der korrupte Anarchismus, den er in seiner Gruppe kennengelernt hat, konnte die „Fiktionen“ nicht aufbrechen. So kam der Bankier zu folgendem Ergebnis:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Die gewichtigste Fiktion in unserer Zeit ist nun einmal das Geld. Wie aber […] die Macht bzw. die Tyrannei des Geldes bezwingen? […]<br>Die einfachste Methode wäre gewesen, mich aus seiner Einflußsphäre, das heißt aus der Zivilisation zurückzuziehen; ich hätte aufs Land gehen können, Wurzeln essen und Wasser aus den Quellen trinken, nackt herumlaufen, wie ein Tier leben können.“</p>
</blockquote>



<p>Pessoa beschreibt in den Worten des Bankiers zunächst das Aussteigertum, das es ja bis heute gibt. Der Bankier nennt dieses Aussteigen eine „Flucht“.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Ich musste also anders vorgehen – was ich brauchte, war eine Kampf- und keine Fluchtmethode. [&#8230;]<br>Die einzige Methode war – <em>es zu erwerben, </em>es in so großer Menge zu erwerben, daß sein Einfluß nicht mehr spürbar werden konnte; und je größer die erworbene Menge wäre, desto freier würde ich von seinem Einfluß. Als mir das mit der ganzen Kraft meiner anarchistischen Überzeugung und der Logik meines Scharfsinns vor Augen stand, trat ich, lieber Freund, in die jetzige Phase – in die Kommerz- und Bankphase meines Anarchismus ein.“</p>
</blockquote>



<p>Pessoa beschreibt hier die Herkunft des libertären Denkens aus dem Geist des Anarchismus. Freiheit ist, wenn <em>ich</em> frei bin. Die „Tyrannei des Geldes“ ist bezwungen, wenn <em>ich</em> reich bin. </p>



<p>Damit ist Pessoas Bankier nichts anderes als eine Vorwegnahme von Elon Musk. Genau das ist der neuralgische Punkt: Wenn Freiheit sich nicht mit Solidarität verbindet, kippt sie in Tyrannei. Musks Kettensägen-Show ist dafür ein bildhafter Beweis.</p>



<p>Gegen solche Bankiers und Online-Oligarchen hilft keine Antifa-Rhetorik, denn diese wendet sich ja immer gegen den alten, militaristischen Nazi. Möglicherweise ist das ein Grund, warum Diskussionen über und mit den Neuen Rechten bisher so wenig Erfolg hatten, egal wie intensiv sie geführt werden.</p>



<p>Der libertäre „Freiheitsheld“ Elon Musk muss sich als Nazi gar nicht angesprochen fühlen. Und dessen Fans ebenso wenig.</p>



<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: Elon Musk auf der CPAC 2025 (picture alliance)</h6>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"> <div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">



<p class="has-text-align-left">Fernando Pessoa<br><strong>Ein anarchistischer Bankier</strong><br>Erzählung<br>Wagenbach 2006 · 96 Seiten · 18 Euro<br>ISBN: 978-3803112361<br></p>



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</div></div> <div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="347" height="648" data-attachment-id="119597" data-permalink="https://tell-review.de/die-tyrannei-der-freiheit/ein-anarchistischer-bankier/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/02/Ein-anarchistischer-Bankier.jpg?fit=347%2C648&amp;ssl=1" data-orig-size="347,648" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Ein-anarchistischer-Bankier" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/02/Ein-anarchistischer-Bankier.jpg?fit=161%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/02/Ein-anarchistischer-Bankier.jpg?fit=347%2C648&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/02/Ein-anarchistischer-Bankier.jpg?resize=347%2C648&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-119597" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/02/Ein-anarchistischer-Bankier.jpg?w=347&amp;ssl=1 347w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/02/Ein-anarchistischer-Bankier.jpg?resize=161%2C300&amp;ssl=1 161w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/02/Ein-anarchistischer-Bankier.jpg?resize=43%2C80&amp;ssl=1 43w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2025/02/Ein-anarchistischer-Bankier.jpg?resize=300%2C560&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 347px) 100vw, 347px" /></figure>


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</div></div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



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		<title>Gegen das Tribunaldenken</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Nov 2024 07:53:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Verschwörungstheorien]]></category>
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					<description><![CDATA[Warum sind die Diskussionen über die Corona-Pandemie so aufgeheizt? In ihrem Buch „Alles überstanden?“ zeigen Christian Drosten und Georg Mascolo, wie man faktenbasiert streiten kann. Eine Rezension aus der Sicht eines Arzts.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-drop-cap">Mit Ausnahme des Themas Migration war kein Thema in den Wahlkampfstrategien der Neuen Rechten derart präsent wie die Corona-Pandemie.&nbsp;Es verging im Sommer praktisch kein Tag, an dem in Sachsen nicht von irgendwo her der Rücktritt oder gar die Bestrafung von Entscheidungsträgern, Politiker, Journalisten oder Wissenschaftlern der Pandemie-Zeit gefordert wurde. Die Bestrafungsfantasien reichten teilweise bis zum Galgen.</p>



<p>Auch im Brandenburger Landtagswahlkampf arbeitete die AfD unverhohlen mit diesem Tribunaldenken. Auf Plakaten wurde gefordert, Politiker „endlich für Fehler zu bestrafen“. Der AfD-Kandidat für das Märkische Oderland, Lars Günter, lud in seinem Wahlkampf zu einem Film ein, der die während der Pandemie „schuldig“ gewordenen Eliten „entlarven“ soll.</p>



<p>Und man staunte, welche Zeitgenossen dem Vorschub leisten. Etwa der Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki, der eine politische Aufarbeitung der Pandemie fordert. Diese durchaus nachvollziehbare Forderung begründet er, wie die AfD, mit den angeblich kompromittierenden „RKI-Files“, obwohl sich in denen bei genauer Betrachtung nichts Wesentliches findet.</p>



<p>Wie konnte es dazu kommen, dass eine ganze Gesellschaft sich von Verschwörungsdenkern derart vorführen lässt? Und wie konnte es sein, dass aus dem Wunsch einer politischen Aufarbeitung billigste Rachsucht wurde? Hat dieser Spin – weg von einer vernünftigen Aufarbeitung, hin zum Tribunaldenken – auch etwas mit fehlgegangener Kommunikation zu tun? Begann diese fehlerhafte Kommunikation schon während der Pandemie?</p>



<p>Zwei Personen dieser angeprangerten Eliten, Christian Drosten und Georg Mascolo, haben ein Gespräch über genau diese Zeit verfasst. Schnell erfährt man in ihrem Buch <em>Alles überstanden?</em>, dass sich die beiden durchaus nicht immer einig sind. Und genau das macht den Reiz dieses Buches aus: Beide kritisieren den jeweils anderen und dessen Rolle während der Pandemie, aber es ist eine Kritik, die ganz ohne Verschwörungsdenken auskommt.</p>



<p>Der Journalist Georg Mascolo etwa kritisiert die chinesische Informationspolitik und zugleich die Tatsache, dass die Frage nach der Herkunft des Virus‘ derartig ideologisch aufgeladen wurde. Eine zentrale Rolle spielte dabei ein Paper in der Fachzeitschrift <em><a href="https://www.nature.com/nm/">nature science</a></em>, an dem auch Christian Drosten beteiligt war. Darin wurde die Herkunft des Virus aus der Natur als einzige Möglichkeit dargestellt. </p>



<p>Dazu Mascolo:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Das war ein problematischer Vorgang. Das Paper trug dazu bei, dass ein möglicher Labor-Ursprung öffentlich zu einer reinen Verschwörungserzählung erklärt werden konnte. […] Das Vertrauen, man gehe mit allen möglichen Hypothesen offen um, nahm dadurch Schaden.</p>
</blockquote>



<p>Dieser Vertrauensverlust sei durch die Impfpflichtdiskussion noch verstärkt worden. Zunächst erteilten führende Politiker einer Impfpflicht eine klare Absage, dann aber wurde, ebenfalls von Politikern, eine Impfpflichtdebatte entzündet. Das habe das ohnehin schon angekratzte Vertrauen weiter verspielt, zumal die Impfung dann gegen die Weiterverbreitung des Virus doch weniger wirksam war als ursprünglich angenommen. Gerade in diesem Punkt gebe ich Georg Mascolo recht. Die Impfpflichtdiskussion hat wie keine zweite das Vertrauen in die Regierung untergraben, zumal sie sich im Pandemieverlauf mit der Erfahrung der ökonomischen Existenzbedrohung verband.</p>



<p>Man erkennt an diesen Beispielen das Kontroverse des Gesprächs. Hier findet Aufklärung statt und die beiden schonen sich keineswegs. Das zeigt sich im Weiteren in der Auseinandersetzung über die Rolle der Medien. Mascolo fragt Drosten, wo er Berichterstattung vermisst habe.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Ich kann Ihnen mal drei Punkte nennen, die mir persönlich fehlten: Wie wurde an der Pandemie verdient? Um welche Themen dreht sich die Pandemie-Nachbearbeitung in anderen Ländern? Und was war eigentlich das politisch-gesellschaftliche Ziel unserer Pandemiekontrolle: Hatten offene Schulen oder hatte die Wirtschaft Priorität?</p>
</blockquote>



<p>Christian Drosten kritisiert den Weg des „Economy first“: Die Pendlerzüge waren voll, doch die Schulen wurden geschlossen. Obwohl Christian Drosten dies bis heute falsch findet, wird gerade seine Person mit den Schulschließungen in Verbindung gebracht.</p>



<p>Beide Gesprächspartner wünschen eine gesellschaftliche Aufarbeitung der Coronabeschlüsse. Als Arzt habe ich allerdings einige persönliche Erfahrungen gemacht, die einer solchen Aufarbeitung entgegenstehen. Auch unter meinen Kollegen habe ich undifferenzierte Schuldzuweisungen erlebt, bis hin zu Hassreden gegen Karl Lauterbach. Hier decken sich meine persönlichen Erfahrungen mit den Forschungen der Sozial-Psychologin <a href="https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/politik/verschwoerungsmythen-hetze-netz-internet-afd-lamberty-e441769/">Pia Lamberty</a>. Verschwörungsdenken gibt es in jeder Gesellschaft, doch mit der Corona-Pandemie und ihren ökonomischen Folgen verließ dieses Denken den <em>lunatic fringe</em> und kam in der bürgerlichen Mitte der Gesellschaft an.</p>



<p>Als Aufklärer gerät man in diesen Debatten schnell an Grenzen: Der Verschwörungstheoretiker weiß eine große Sache und die ganz gewiss, Aufklärer dagegen kennen viele Einzelheiten, und sie haben Fragen, die sie klären möchten. Gewissheit jedoch ist immer attraktiver als abwägendes Fragen.</p>



<p>Man kann auch sagen: Verschwörungstheoretiker sind auf einem Kreuzzug. Und Kreuzzügler wollen nicht analysieren, sondern schuldig sprechen, sie wollen nicht aufklären, sondern verurteilen. Ihre Gewissheit, die sie mit Wissen verwechseln, stellen sie gegen die angebliche Dummheit der Welt. Erfahrungsgemäß hilft gegen einen solchen Kreuzzug kein Einspruch der Vernunft, umso weniger, wenn dabei wirtschaftliche Ängste instrumentalisiert werden.</p>



<p>Um wieder diskutieren zu können, sollte eine gesellschaftliche Aufarbeitung der Pandemie an drei wissenschaftlich belegte Prämissen geknüpft werden:</p>



<p><strong>1. Prämisse<br></strong>Das Virus war gefährlich. In der <a href="https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1422600/umfrage/lebenserwartung-nach-kontinenten-und-weltweit" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Statistik</a> der Lebenserwartung zeigt sich für alle Kontinente in den Jahren 2020/21 eine Delle, die nur mit SARS-Cov2 erklärt werden kann.<a href="https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(23)02467-4/fulltext"></a></p>



<p><strong>2. Prämisse<br></strong>Die Impfung war wirksam. Sie verhinderte zwar nicht die Ansteckung, doch Todesfälle, denn sie sorgte für einen milderen Krankheitsverlauf. Im Juni 2024 wurde in der renommierten Fachzeitung <em><a href="https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(23)02467-4/fulltext#" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The Lancet</a></em> eine Studie publiziert, die diese Einschätzung belegt.</p>



<p><strong>3. Prämisse<br></strong>Auch die nicht-pharmakologischen Maßnahmen wie Masken und Kontaktbeschränkungen waren wirksam, Beleg dafür ist ein Text der <a href="https://www.google.com/url?sa=t&amp;source=web&amp;rct=j&amp;opi=89978449&amp;url=https://royalsociety.org/-/media/policy/projects/impact-non-pharmaceutical-interventions-on-covid-19-transmission/covid-19-examining-the-effectiveness-of-non-pharmaceutical-interventions-executive-summary.pdf&amp;ved=2ahUKEwjqv6f2-6SIAxWfRfEDHfiIATEQFnoECBQQAQ&amp;usg=AOvVaw0ZqIxB2WiMHVq9KVOOuwTJ" data-type="link" data-id="https://www.google.com/url?sa=t&amp;source=web&amp;rct=j&amp;opi=89978449&amp;url=https://royalsociety.org/-/media/policy/projects/impact-non-pharmaceutical-interventions-on-covid-19-transmission/covid-19-examining-the-effectiveness-of-non-pharmaceutical-interventions-executive-summary.pdf&amp;ved=2ahUKEwjqv6f2-6SIAxWfRfEDHfiIATEQFnoECBQQAQ&amp;usg=AOvVaw0ZqIxB2WiMHVq9KVOOuwTJ" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><em>Royal Society</em></a>.</p>



<p>Wenn diese drei Prämissen akzeptiert werden, dann kann man über Schulschließungen, Impfpflichtdiskussionen, Freiheitsbeschränkungen etc. diskutieren.</p>



<p>Christian Drosten stellt lapidar fest, was auch meiner Erfahrung entspricht. So schlecht sind wir in Deutschland nicht durch die Pandemie gekommen, trotz unserer überalterten Bevölkerung.&nbsp; Hinterher ist man immer klüger. Drosten erinnert daher an die Voraussetzungen des Nicht-Wissens:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Ein politischer oder gesellschaftlicher Aufarbeitungsprozess setzt voraus, dass wir die damals herrschende Situation klar vor Augen haben und sie nicht aus einer Warte der überstandenen Gefahr bewerten, sondern aus der Warte der damaligen Bedrohung und Unsicherheit. Denn aus Unsicherheit heraus werden auch beim nächsten Mal die Entscheidungen getroffen werden müssen.</p>



<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: IMAGO/Bihlmayerfotografie </h6>
</blockquote>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"> <div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">



<p class="has-text-align-left">Christian Drosten, Georg Mascolo<br><strong>Alles überstanden? </strong><br><strong>Ein überfälliges Gespräch zu einer Pandemie, die nicht die letzte gewesen sein wird</strong><br>Ullstein 2024 · 272 Seiten · 14,99 Euro<br>ISBN: 978-3548070322<br></p>



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</div></div> <div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">



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		<title>Toxische Bürgerlichkeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Jun 2024 06:22:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Lektüretipps]]></category>
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					<description><![CDATA[Franz Kafkas „Brief an den Vater“ erlaubt viele Deutungen: Identifikationslektüre für rebellierende Jugendliche, autobiografisches Bekenntnis, literarisches Dokument des Patriarchats. Entwicklung einer Lektüre.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">



<p>Die erste Begegnung mit Kafkas Werk liegt meistens in der Schulzeit. Zu Kafkas 100. Todestag wenden wir uns seinem Werk zu, indem wir es wiederlesen &#8211; und uns aufs Neue überraschen lassen.</p>



<p>Bereits erschienen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://tell-review.de/das-erste-mal/">Das erste Mal</a>, 3. Juni 2024</li>



<li><a href="https://tell-review.de/das-schwarze-loch-der-hoffnung/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Das schwarze Loch der Hoffnung</a>, 7. Juni 2024</li>



<li><a href="https://tell-review.de/die-brotloseste-aller-kuenste/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die brotlosteste aller Künste</a>, 12.6.2024</li>



<li><a href="https://tell-review.de/erloesung-durch-gewalt/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Erlösung durch Gewalt</a>, 18.6.2024</li>



<li><a href="https://tell-review.de/geisterstunde/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geisterstunde</a>, 20. Juni 2024</li>
</ul>


</div></div>
</div></div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="has-drop-cap">Franz Kafka gehört zu den prägendsten Leseerfahrungen meiner Jugendzeit. Durch seine Texte (und die von Thomas Mann) erfuhr ich zum ersten Mal, dass nicht der Inhalt die Qualität eines Textes bestimmt, sondern die Form, die Art, wie der Inhalt dargestellt wird.</p>



<p>Inhalte sind bei Kafka schnell erzählt. Das Geschehen in seinen Büchern zeichnet sich ja gerade dadurch aus, dass es <em>nicht </em>vorangeht. Der Bote mit der kaiserlichen Nachricht dringt nicht durch, er kommt gar nicht aus der Stadt hinaus. Der Mann vom Lande wartet vor dem Gesetz vergebens auf Einlass. Das Schloss ist dem Landvermesser unerreichbar. Karl Roßmann irrt umher. Und immer wieder werden Kafkas Protagonisten von Frauen abgelenkt. Einerseits scheinen nur Frauen eine Entwicklung im Kafka’schen statischen Kosmos der Hoffnungslosigkeit möglich zu machen, sei sie auch nur scheinbar oder vorläufig. Andererseits schaffen es letztlich auch Frauen nicht, die Hoffnungslosigkeit zu besiegen, die Blockierungen zu lösen.</p>



<p>Nachdem ich viele von Kafkas Texten schon als Jugendlicher gelesen hatte, kam bald auch der <em>Brief an den Vater</em> hinzu. Eine Lektüre, die mich auch mit der Person Kafkas verband. Ich sah mein Schicksal als verwandt an: In scheinbar geordneten bürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen, war mir wie vielen Heranwachsenden das Befolgen dieser komplexen Regeln und das Einsehen ihrer Sinnhaftigkeit unmöglich (und ist es bis heute).</p>



<p>Darüber hinaus las ich den Brief als Interpretationshilfe für Kafkas Werk. Nun sah ich in seinen Texten eigentlich nur einen biografischen Ausdruck seiner familiären Umstände und seiner übergroßen Schuldgefühle, als Antwort auf den väterlich-familiären Druck.</p>



<p>Diese Sicht belegt zunächst Kafkas eigene Aussage:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Mein Schreiben handelte von Dir, ich klagte ja dort nur, was ich an Deiner Brust nicht klagen konnte.</p>
</blockquote>



<p>Im <em>Brief an den Vater</em> weist er selbst immer wieder auf seine Werke hin. Er zitiert (ein wenig ungenau!) sich selbst aus <em>Der Prozess</em>, und die Erzählung „Das Urteil“ wirkt nachgerade wie die literarische Variante des Briefes.</p>



<p class="has-text-align-center">***</p>



<p>Nun habe ich nach mehreren Jahrzehnten den <em>Brief an den Vater </em>erneut gelesen. Ich muss zwar meine damalige Sicht nicht komplett umstoßen. Aber ich begann nun, den Brief nicht nur als persönliches Dokument, sondern auch als Literatur zu verstehen. Und fand über diesen Umweg dazu, auch Kafkas Werk neu zu deuten.</p>



<p>Versteht man diesen Brief nämlich literarisch, so ist er auch ein Dokument einer Zeit, in der Familien patriarchalisch geprägt waren. Der Vater als Oberhaupt und ökonomischer Versorger: Sein Wohlergehen hat über allem zu stehen, seinen Launen ist alles erlaubt. Die Familie hat ihn zu stabilisieren, er darf sich schadlos halten. Ob die einzelnen Mitglieder dabei leiden, sich zum Beispiel schuldlos schuldig fühlen, ist unerheblich. Die gütig-nachsichtige Mutter als der Part, der mit ihrer Wärme die Kinder ‚überzeugt‘, den tyrannischen Launen des Vaters keinen Widerstand entgegenzusetzen. Allzu große Härten federt sie ab.</p>



<p>Das äußere Leben besteht ausschließlich aus dem Kampf um die Existenz sowie gegen Neider, Missgünstige und Betrüger, die nicht selten im eigenen Betrieb hocken. Dazu der ewige Vorwurf der Eltern an die undankbaren Kinder: Hart und entbehrungsreich mussten wir arbeiten, während ihr wohlstandsverwahrlost und ohne Leistungswillen dahinlebt. Kurzum: Kafka beschreibt hier nichts anderes als die toxische Bürgerlichkeit, wie sie in Aufsteigerfamilien typischerweise zu finden ist. Solche Familienverhältnisse waren bis weit in die zweite Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts die Regel.</p>



<p>Noch einen Aspekt berührt dieser lange Brief: das Verhältnis des Künstlers zum bürgerlichen Leben, zur bürgerlichen Existenz. Kafkas Hang zur Ambivalenz zeigt sich auch hier. Seine Unfähigkeit zur endgültigen Entscheidung betraf die Ehe mit allen Konsequenzen ebenso wie das bürgerliche Leben und dessen Anforderungen. Auch davon erzählt nicht nur der Brief, sondern das gesamte literarische Werk des Antibürgers Franz Kafka, dessen Helden ja vor allem die Unmöglichkeit auszeichnet, sich einzuordnen.</p>



<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: Herwig Finkeldey (Montage: Anselm Bühling)



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div class="wp-block-image"><p align="center"><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady"/></a></p></div>
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		<title>Das demokratische Alphabet</title>
		<link>https://tell-review.de/das-demokratische-alphabet/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 May 2024 08:12:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Mann]]></category>
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					<description><![CDATA[Thomas Sparrs „Zauberberge“ ist eine Stichwortsammlung zu Thomas Manns „Der Zauberberg“. Von A bis Z geht es durch den Klassiker, ein anregender Zugang mit überraschenden Tiefenbohrungen. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-drop-cap">Das hundertjährige Jubiläum der Veröffentlichung von Thomas Manns Roman <em>Der Zauberberg</em> nimmt der Lektor und Literaturwissenschaftler Thomas Sparr zum Anlass, ein ebenso kurzes wie kurzweiliges Buch zu schreiben. Grundlage war ein Vortrag, den Sparr im Februar 2024 in Davos gehalten hatte: einmal vor Schülern und einmal abends vor einem älteren, anspruchsvollen Publikum. Das Lebensalter des jeweiligen Publikums spiegle die beiden Lebensalter wider, in denen er selbst den <em>Zauberberg</em> gelesen hatte, so Sparr. Die beiden Lesungen vor den unterschiedlichen Generationen sei daher eine „Selbstbegegnung“ gewesen – ein Gedanke, der Thomas Mann sicher gefallen hätte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Zufall des ABC</h3>



<p>Strukturprinzip von Sparrs Text ist das Alphabet. Von A wie „Ankunft“ bis Z wie „Zauberberge“ findet der Autor zu jedem Buchstaben ein Stichwort, das mit dem Roman korrespondiert.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Die Reihenfolge der Beiträge sind dem Zufall des ABC geschuldet, manche sind länger, andere eher kurz. Es versteht sich von selbst, dass manche Buchstaben anders oder auch mehrfach zu vergeben gewesen wären.</p>
</blockquote>



<p>Der „Zufall des ABC“ weist schon auf das geheime Grundmotiv von Sparrs Buch hin. Denn durch diesen Zufall werden alle dargestellten Motive gleich gewichtet. Sie sind gleich wichtig und gleich viel wert, trotz ihrer Unterschiedlichkeit. Das ist das demokratische Prinzip: Wir sind nicht gleich, aber wir sind gleich viel wert und haben gleiche Rechte. Und genau so nennt Sparr, unter Bezugnahme auf Helmut Jendreieks Thomas-Mann-Studie von 1977, den <em>Zauberberg</em> einen „demokratischen Roman“. Alle anderen Bezeichnungen – Bildungsroman, Zeitroman (im doppelten Sinne, wie Thomas Mann schon selbst dargelegt hatte), Gesellschaftsroman, Ideenroman – würden zwar Aspekte des Romans treffen, seien aber letztlich zu eng gefasst. Hierbei haben Sparr und Jendreiek wiederum Thomas Mann selbst als Gewährsmann.</p>



<p>Mann schrieb im <em>Zauberberg</em> über die Sitzordnung an den sieben Esstischen: </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Es war eine Demokratie von Ehrentischen, kühn gesagt. Dieselben übergewaltigen Mahlzeiten wurden an ihnen gereicht, wie an allen anderen […]; und die daran speisenden Völkerschaften waren ehrenwerte Mitglieder der Menschheit, wenn sie auch kein Latein verstanden und sich beim Essen nicht übertrieben zierlich benahmen.</p>
</blockquote>



<h3 class="wp-block-heading">Ein „queerer“ Roman avant la lettre?</h3>



<p>In einem demokratischen Roman haben eben alle Platz, und jedes fast schon zufällig gewählte Stichwort darf Anlass sein für weitere Reflexionen. Der Umstand der Homosexualität im Werk Thomas Manns und natürlich auch im <em>Zauberberg</em> ist für Thomas Sparr gewissermaßen der Elefant im Bild, der jahrzehntelang nicht wahrgenommen wurde. Und so wählt er unter dem Buchstaben Q das Stichwort „Queer“, die Buchstaben X und Y wiederum werden zum „XY-Chromosomen“ zusammengefasst.</p>



<p>In beiden Kapiteln zeigt Sparr dezidiert, wie Leben und Werk bei Thomas Mann ineinandergreifen und die „Problematik der Sexualität“ beinahe alles überlagert. Ebenso zeigt Sparr, wie der Autor diese ‚Problematik‘ im Werk darstellt: häufig verdeckt, im <em>Zauberberg</em> aber mitunter auch unverblümt offen. So schreibt Thomas Mann über eine tuberkulosekranke „ägyptische Prinzessin“, sie sei „eine sensationelle Person mit nikotingelben, beringten Fingern“, die „von den Hauptmahlzeiten abgesehen, bei denen sie Pariser Toiletten trug, in Herrensakko und gebügelten Hosen umherging, übrigens von der Männerwelt nichts wissen wollte, sondern ihre zugleich träge und heftige Huld einer rumänischen Jüdin zuwandte“. Thomas Mann als Erfinder des Marlene Dietrich-Looks.</p>



<p>Über Hans Castorps Gefühls- und Objektverwirrung schreibt Thomas Sparr:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Das Ineinanderübergehen von Pribislav Hippe und Madame Chautchat lässt die Geschlechter konfundieren: Wen begehrt Hans Castorp denn nun, seinen früheren Schulkameraden Pribislav oder die ältere Frau, die ihn an jenen erinnert?</p>
</blockquote>



<p>(Eine Beobachtung, die sich übrigens auch in Olga Tokarczuks Roman <em>Empusion</em> wiederfindet, siehe <a href="https://tell-review.de/der-schlesische-zauberberg" data-type="link" data-id="https://tell-review.de/der-schlesische-zauberberg">meine Rezension</a> auf tell).</p>



<p>Thomas Sparr geht gar so weit, zu behaupten, der <em>Zauberberg</em> sei ein „queerer“ Roman „avant la lettre“, der erste in der deutschen Literatur. Dafür spricht in der Tat einiges.</p>



<p>Zuletzt weist  Sparr noch darauf hin, dass die Thomas-Mann-Forschung „selbst fest in Männerhand“ gewesen und dem Thema Homosexualität „nicht gerecht geworden“ sei – bis Literaturwissenschaftler wie Heinrich Detering, Michael Maar, Gerhard Härle, auch Marita Keilson, sich dem Thema zugewendet hätten. Ein Name fehlt in dieser Reihe, nicht nur bei Thomas Sparr. Vielleicht liegt es daran, dass Marcel Reich-Ranicki kein Literaturwissenschaftler war, sondern „nur“ Literaturkritiker? Immerhin hatte Reich-Ranicki schon in den 80er Jahren auf die Bezüge zur Homosexualität hingewiesen, im Rahmen der Veröffentlichung von Manns Tagebüchern.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Kompliziertes Verhältnis zu den Juden</h3>



<p>Im Eintrag zum Buchstaben J reflektiert Sparr auch das Thema der Darstellung von Juden, er nennt den <em>Zauberberg</em> dabei innerhalb des Mannschen Kosmos „ein Werk der Mitte und Mäßigung“, nachdem das Frühwerk eindeutig antisemitische Tendenzen zeigte. Der Roman weist schon auf das Spätwerk hin mit seiner positiven Wendung der Sicht auf Juden, exemplifiziert vor allem in <em>Joseph und seine Brüder</em>.</p>



<p>Auf zwei Menschen mit einem jüdischen Familienhintergrund geht Thomas Sparr besonders ein, sie stammten jeweils aus Städten, die für Thomas Mann von herausragender Bedeutung waren. Der Philosoph Hans Blumenberg kommt aus Lübeck. Die Germanistin Käte Hamburger (wie Hans Castorp) aus Hamburg, sie promovierte dann in München in Literaturwissenschaft. Blumenberg war als Schüler dabei, als Thomas Mann in Lübeck eine Rede hielt, weiß Sparr zu berichten. In seinem Hauptwerk <em>Arbeit am Mythos</em> zitiert Blumenberg Mann und auch dessen <em>Zauberberg</em> ausgiebig: „Der <em>Zauberberg </em>hatte das Thema der Zeit als Vernichtung des Zeitbewußtseins in der exotischen, in der ekstatischen Situation des Todgeweihten beschrieben.“</p>



<p>Und Käte Hamburger, mit Thomas Mann in jahrelanger Korrespondenz verbunden, weist in ihrem Hauptwerk, <em>Die Logik der Dichtung</em>, auf den Umstand hin, dass episches Erfinden immer nur in die Vergangenheit hinein funktioniert. Sie nimmt natürlich den Verfasser des <em>Zauberberg</em>, den „raunenden Beschwörer des Imperfekts“, als Kronzeugen.</p>



<p>Sparrs Hinweise auf Blumenberg und Hamburger, die nicht nur vom Werk des „Zauberers“ inspiriert wurden, sondern auch in sein Lebensnetz eingewoben waren, sind wunderbar angedeutete Hinweise auf Thomas Manns kompliziertes Verhältnis zu Juden. Und auf die erstaunliche Wirkung, die sein Werk gerade auch auf Juden hatte. Mir fallen dazu Marcel Reich-Ranicki, Hans Mayer, Erich von Kahler, Ferdinand Lion, sein Verleger Samuel Fischer und sein erster Lektor Moritz Heimann ein – aber auch Franz Kafka: „Mann gehört zu denen, nach deren Geschriebenem ich hungere.“</p>



<p>Und so kann man immer weiter spazieren durch Thomas Sparrs demokratisches <em>Zauberberg</em>-Alphabet. Mitunter referiert Sparr auch über weniger gewichtige Stichworte, etwa unter O über Opulenz. Da geht es um die opulenten Mahlzeiten und über Mynheer Peeperkorns Bedürfnisse. Aber meistens sind es doch die „großen“ Themen. Unter R geht es um Religion. Unter M natürlich um Musik. Und unter T um den Tod.</p>



<p>Insgesamt scheint mir dieser Zugang mittlerweile fruchtbarer als der Versuch, den Roman auf eine Formel zu verdichten.</p>



<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: Herwig Finkeldey </h6>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"> <div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">



<p>Thomas Sparr<br><strong>Zauberberge</strong><br>Ein Jahrhundertroman aus Davos<br>Berenberg 2024 · 80 Seiten · 22 Euro<br>ISBN: 978-3949203824<br></p>



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		<title>Der schlesische Zauberberg</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Mar 2024 09:55:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
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					<description><![CDATA[Olga Tokarczuks Roman „Empusion“ handelt von einer Männlichkeit, die krank macht. Ihr Roman ist eine Antwort auf Thomas Manns „Der Zauberberg“. Die parallele Lektüre fördert überraschende Gemeinsamkeiten zutage.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-drop-cap">Das Jahr 2024 bringt das hundertjährige Jubiläum von <em>Der Zauberberg</em>, dem Roman, der Thomas Mann endgültig Weltruhm bescherte. Bei mir muss im Fall Thomas Manns allerdings kein Jubiläum einen Leseanlass herstellen. Mann gehört zu den prägenden Leseerlebnissen meiner Jugend, und ein Teil seiner Werke sind für mich unveräußerlich wie die erste Liebe. Seitdem ich <em>Buddenbrooks</em> gelesen habe, bin ich gewissermaßen infiziert, <em>Der Zauberberg</em> machte mich dann endgültig zum Manniac.</p>



<p>So las ich nun während einer längeren Erkrankung zum dritten Mal den <em>Zauberberg</em>. Meine erste Lesung als Jugendlicher hatte sich an einem Vortrag Manns vor Princetoner Studenten aus dem Jahr 1939 entlanggehangelt, der meiner damaligen Ausgabe gewissermaßen als Vorwort vorangestellt war. In diesem Vortrag spricht Mann selbst über den <em>Zauberberg</em>, verwendet dafür aber Arbeiten von Literaturwissenschaftlern. Er führt aus, dass es „ja ein Irrtum“ sei, „zu glauben, der Autor selbst sei der beste Kenner und Kommentator seines eigenen Werkes“. Das gelte vielleicht für die Phase des Entstehens. Dann aber bemächtigten sich andere des Werkes und erinnerten den Autor an das, was er „vergessen oder nie klar gewußt hat“.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Listiger Gegenentwurf</h3>



<p>Mitunter bemächtigen sich aber auch andere Schriftsteller eines Werks und nehmen es zum Anlass, ihrerseits literarisch-belletristisch tätig zu werden. Auch sie werfen gewissermaßen en passant einen Blick auf das Anlass gebende Werk, der so vorher „vergessen oder nie klar“ gewesen ist.</p>



<p>Solches tut nun Olga Tokarczuk in ihrem Roman <em>Empusion</em>, einer literarischen Antwort zum hundertjährigen Geburtstag des Originals. Auch in <em>Empusion</em> kommt ein junger Ingenieur vor Beginn des ersten Weltkrieges in einen hoch gelegenen Kurort, in dem Tuberkulosekranke in Form zeitlich aufwändiger Liegekuren behandelt werden.</p>



<p>Auch die Thematik und die Motive korrespondieren mit Thomas Manns Roman. Wobei Olga Tokarczuk eher die zur Reflexion animierende Atmosphäre von Krankheit und Todesnähe übernimmt als Thesen oder Gedanken, um die es in Manns Roman geht. Genau das macht ihren listigen Gegenentwurf so spannend.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Romanheld mit non-binärem Körper</h3>



<p>Der Held in <em>Empusion</em>, Mieczysław Wojnicz, zeichnet sich durch ein gesteigertes Schamgefühl gegenüber seinem Körper aus. Er hat angedeutete Brüste und einen spärlichen Bartwuchs. Später bestätigt sich der Verdacht, dass er einen sogenannten non-binären Körper hat. Die Medizin nannte einen solchen Körper damals Hermaphroditismus. Sein Vater jedoch – so erinnert sich Mieczysław – möchte unbedingt aus dem „Hermaphroditen“ einen echten Mann formen.</p>



<p>So lässt der Vater seinen Sohn eine Suppe aus Tierblut essen,</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„eine traditionelle polnische Suppe. Ein Narr, wer sie nicht probiert. Und wieviel Kraft sie gibt!“</p>
</blockquote>



<p>Im Kind Mieczysław mischen sich nach diesen väterlichen Belehrungen die Tränen mit dem Tierblut, und er erkennt die Lehre, die er zu ziehen hat:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Ein Mann zu sein, heißt, zu lernen, alles zu ignorieren, was Probleme bereitet.</p>
</blockquote>



<p>Der Vater fährt wegen der „Verwachsungen“ mit Mieczysław ständig zu Arztterminen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Consultationen“ sagte sein Vater zu diesen. Und er glaubte fest daran, dass es eine Arznei geben müsste. Als er nach und nach zu verstehen begann, dass es eine solche nicht gab, formte sich in seinem Kopf die Idee einer Operation.</p>
</blockquote>



<p>Wir erinnern uns, dass Mieczysławs Pendant in <em>Der Zauberberg</em>, Hans Castorp, sich in seiner Jugend in einen Jungen verliebt hatte, um dann auf dem Zauberberg durch Clawdia Chauchat (Chauchat = heiße Katze) verzaubert zu werden. Interessanterweise liebt Hans Castorp bei den beiden dieselben äußeren Merkmale, trotz des unterschiedlichen Geschlechts. Eine nicht eindeutige Liebe gewissermaßen, man könnte es auch eine „unmännliche“ Liebe nennen.</p>



<p>Mieczysław jedenfalls gewinnt aus diesen männlichen „Consultationen“ letztlich die Erkenntnis:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Nun, er war, wie er war. Er konnte nichts dafür. Er selbst sah sich als normal an. Einmal hat er versucht, es dem Vater zu sagen, doch er fand nicht die passenden Worte.</p>
</blockquote>



<h3 class="wp-block-heading">Krankheit als Schwäche</h3>



<p>Das sind die Voraussetzungen, bevor Mieczysław Wojnicz im schlesischen Görbersdorf zur Therapie seiner Tuberkulose eintrifft. Auch hier ist die Welt männlich dominiert. Schnell macht der behandelnde Arzt dem Patienten klar, dass gegen die Erkrankung nur der männliche Kampf hilft. Dr. Semperweiß erklärt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Sie müssen sich nur unterordnen, den Kurprinzipien fügen. Fühlen Sie sich wie bei der Armee!“<br>Er ging zum Fenster, deutete mit einer Kopfbewegung auf die Patienten, die im Park spazierten.<br>„Das sind Ihre Kampfgefährten.“<em> </em>&nbsp;</p>
</blockquote>



<p>Die medizinische Welt vor dem ersten Weltkrieg sieht Krankheit als Schwäche an und das Besiegen der Krankheit als einen soldatischen, einen männlichen Akt. Später heißt es über Mieczysław Wojnicz:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Und wenn auch keine Gewehrläufe zu sehen waren und keine verschlagenen Aufklärer durch die Gegend strichen, schien es Wojnicz, als wäre er gegen seinen Willen in einen Krieg geraten. […] Sie rangen mit der Tuberkulose, kämpften gegen das Fieber, stärkten den Körper, […] versuchten, nach dem anarchistischen Regime wieder Herr im eigenen Haus zu werden.</p>
</blockquote>



<p>Dieser Beginn seines Aufenthaltes wird durch den Suizid der Ehefrau seines Zimmerwirtes Opitz kontrastiert. Was war dort geschehen? Im Verlauf des Romans wird Mieczysław immer deutlicher, dass Frau Opitz an derselben Männlichkeit zu Grunde gegangen ist, die ihn seit der Kindheit als väterliche Wunschvorstellung quält und die ihm nun als fragwürdiges Therapiekonzept angeboten wird: Krankheit als weibliche Schwäche, männlicher Kampf dagegen als Genesung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Misogyne Phrasen</h3>



<p>Seine Mitpatienten erzählen und rodomontieren ständig über „die Frauen“ und nehmen Frau Opitz‘ Suizid als Anlass, über weibliche Schwäche zu reden. Das Gerede dieser Männer über „Frauen“, maßgeblich beeinflusst von einem mit Pilzen und deren Halluzinogenen angereicherten Likör mit Namen „Schwärmerei“, zählt für mich zu den literarisch stärksten Abschnitten des Romans. Vor allem eine Person mit Namen August August tut sich mit misogynen Phrasen hervor, die Olga Tokarczuk, wie sie in einer kurzen Nachbemerkung ausführt, aus Äußerungen von Schriftstellern und Philosophen paraphrasiert hat. </p>



<p>Hier finden sich Sätze wie:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Aber sehen Sie, Frauen entwickeln sich noch einmal anders, ihre Psyche funktioniert anders als die der Männer.</p>
</blockquote>



<p>Ein gewisser Walter Frommer weiß aus der Wissenschaft zu berichten:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Wissenschaftliche Untersuchungen haben erwiesen, dass das Gehirn der Frauen gänzlich anders funktioniert, ja, es ist auch anders aufgebaut. […] Vor allem ist es eine Frage der Größe, und dann sind auch völlig verschiedene Bezirke von Bedeutung. Wo beim Mann der Sitz des Willens ist, befindet sich bei den Frauen die Begierde. Und wo beim Mann das Verständnis für Zahlen und allgemeine Strukturen angesiedelt ist, sitzt bei den Frauen die Mutterschaft.</p>
</blockquote>



<p>Diese klare, gewissermaßen „männliche“ Rollenverteilung, auch bei der Sicht auf Krankheit, der man männlich entgegenzutreten habe, scheint zunächst nichts mit Thomas Manns <em>Zauberberg</em> zu tun zu haben.</p>



<p>Allerdings macht auch Thomas Mann sich über das Wesen der Krankheit Gedanken und erkennt damals schon die wichtige Rolle der Psyche. Er lässt gar Hofrat Behrens‘ Assistenten Dr. Krokowski über die Ursachen von Krankheiten erklären: „Das Organische ist immer sekundär.“ Ob das stimmt, lässt Mann offen. So kann man Hans Castorps Nasenbluten („Sein Gesicht war bleich wie Leinen und sein Anzug mit Blut befleckt, so dass er einem von frischer Tat kommenden Mörder glich“) und seine Tachykardie auch als Höhenanpassung verstehen. Aber dass ihn dann die Liebe zu einer Frau, die ihn an einen Jungen erinnert, sieben Jahre magnetisch festhält, ist ein seelischer Vorgang.</p>



<p>Dr. Krokowski seinerseits doziert: „Das Krankheitssymptom sei verkappte Liebesbetätigung und alle Krankheit verwandelte Liebe.“ Und das gilt natürlich auch für Hans Castorps Vetter, Joachim Ziemßen. Joachim ist Soldat und wünscht nichts mehr als eine soldatische, männliche Existenz im „Flachland“. Aber die Krankheit und die Liebe zur Russin Marusja… herrje, im Flachland stellen sich wieder die Symptome ein. Da hilft kein männlicher, soldatischer Kampf gegen die Erkrankung. Joachim wird immer schwächer und muss zum Sterben zurück auf den Zauberberg.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Frauen als Schreckgespenster</h3>



<p>Bei Tokarczuk wiederum kommen die Männer auf Spaziergängen in und um Görbersdorf immer wieder mit dieser besonderen Männlichkeit in den Kontakt. Da sind Köhler im Wald, die sich sogenannte Tunschis bauen, Figuren mit Löchern, um ihren Geschlechtstrieb zu befriedigen. Und es gibt das Gerücht eines alljährlich stattfindenden Mordes, jedes Mal an einem Mann. Dieses Gerücht nimmt immer breiteren Raum ein, denn unaufhaltsam nähert sich die Zeit dieser Morde, der erste Vollmond im November.</p>



<p>Ein Patient weiß zu berichten:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Diese alte Geschichte, die ich Ihnen erzählt habe von den Frauen, die in die Berge geflüchtet sind […]. Bis heute sollen sie im Wald leben und völlig verwildert sein, angeblich fallen sie über Köhler und andere Männer her, die ihnen über den Weg laufen.</p>
</blockquote>



<p>Damit scheinen auch die merkwürdigen Geräusche vom Dachboden zusammenzuhängen, aus dem Zimmer der verstorbenen Frau Opitz, die Mieczysław regelmäßig hört. Drückt sich hier die Angst der Männer vor den Frauen aus? Vor Frauen als Schreckgespenstern, in der griechischen Mythologie „Empusen“ genannt. Und damit wären wir endlich beim Titel: Den Ausbruch der Empusen nennt Olga Tokarczuk „Empusion“, ein Kunstwort.</p>



<p>Als Kontrast zu dieser von Ängsten geprägten Männerwelt zeichnet Olga Tokarczuk Mieczysławs Freundschaft zum homosexuellen Thilo von Hahn, einem Berliner Maler, der todgeweiht ist und schließlich, wie Joachim Ziemßen bei Thomas Mann, sein Bett nicht mehr verlassen kann. Thilo zeigt Mieczysław ein Sehen, das mehr ist als nur das Wahrnehmen äußerlicher Formen, sondern das echter Erkenntnis entspricht. </p>



<p>Im Wissen um sein nahes Ende bittet Thilo schließlich Mieczysław:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Umarme mich!</p>
</blockquote>



<p>Und Mieczysław erfüllt ihm die Bitte.</p>



<p>Wie im <em>Zauberberg</em> ist der Krieg auch in Olga Tokarzcuks Roman ein zentrales Motiv: ohne Weltkrieg kein <em>Zauberberg</em>, wie wir ihn kennen, und damit euch keine <em>Empusion</em>.</p>



<p>Tokarczuks geheimes Leitmotiv sind die männlichen Wahnvorstellungen, die letztlich in diesen so furchtbaren Krieg münden werden. Der Höhepunkt dieser Wahnvorstellungen findet in der besagten Vollmondnacht statt, aber ganz anders, als vermutet. Hier sei nur so viel verraten: Mieczysław Wojnicz besiegt seine Krankheit, indem er seine männliche Rolle abstreift. Die Krankheit entflieht schließlich mit neuer Identität in Gestalt von Frau Opitz dem Männergefängnis Görbersdorf. Dr. Semperweiß erweist sich dabei unerwarteterweise doch noch als ein Verbündeter. Im letzten Arzt-Patienten-Gespräch erklärt er Mieczysław:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Die Norm ist ein Hirngespinst.</p>
</blockquote>



<p>Das trifft letztlich sowohl für Mieczysław Wojnicz zu als auch für Hans Castorp. </p>



<p>Aber trifft es nicht eigentlich für jeden zu? Und ist nicht das die Erkenntnis, die gegen die normierende Männerwelt hochgehalten werden muss?</p>



<h3 class="wp-block-heading">Diagnose einer seelischen Verwirrung</h3>



<p>Eine weitere Frage drängt sich mir auf: Ist diese beinahe zwanghafte Einordnung von Krankheiten und anderem nicht selbst eine Krankheit? Etwas Krankmachendes? Wobei weder Mann noch Tokarczuk die Tuberkulose und ihr Wesen als Infektionskrankheit leugnen, also als eine somatisch zu erklärende Erkrankung. Dennoch ist beiden klar, dass Krankheit immer auch ein seelischer Prozess ist. Und der Krieg ist finaler Ausdruck dieser seelischen Verwirrung. Kein Bakterium erklärt den Wahnsinn des ersten Weltkriegs. Beide Romane enden mit der Hoffnung, die bei Thomas Mann als Frage formuliert ist<em>:</em></p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Wird aus diesem Weltfest des Todes, auch aus der schlimmen Fieberbrunst, die rings den regnerischen Abendhimmel entzündet, einmal die Liebe steigen?</p>
</blockquote>



<p>Was mir beim Lesen beider Romane auffiel, waren weniger die Unterschiede, die in den bisherigen Besprechungen im Fokus standen, als vielmehr die geheimen Überschneidungen.</p>



<p>Sicherlich ist Tokarzcuks Roman keine blinde Adaption, und das gruselige Ende mit der wildgewordenen Männergesellschaft ist ihre genuine Erfindung. Aber die Gemeinsamkeiten überwiegen. Das Leben als einen rein männlichen Kampf zu verstehen, der schließlich in den großen europäischen Krieg führen musste, darin besteht der Grundirrtum der Epoche. Olga Tokarzcuk und Thomas Mann verleihen dieser Erkenntnis auf je ihre Art und Weise Ausdruck.</p>



<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: Hotel Schatzalp, Davos </a> via Wikimedia</a><br></h6>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"> <div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">



<p>Olga Tokarczuk<br><strong>Empusion</strong><br>Roman<br>Aus dem Polnischen von Lothar Quinkenstein und Lisa Palmes<br>Kampa Verlag 2023 · 384 Seiten · 26 Euro<br>ISBN: 978-3311100447<br></p>



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</div></div> <div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">



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