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	<title>Konservatismus &#8211; tell</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
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	<title>Konservatismus &#8211; tell</title>
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		<title>Die konservative Freakshow</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Nov 2021 08:58:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Konservatismus]]></category>
		<category><![CDATA[Populismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn die Gesellschaft nichts mehr hat, was in den Augen der Konservativen bewahrenswert wäre, entdecken einige von ihnen ihre Affinität zum Populismus. Was als Farce beginnt, kann in der Tragödie enden. Ein Essay mit Blick auf Natascha Strobls Buch „Radikalisierter Konservatismus“.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-drop-cap">Über den Erfolg des neurechten Populismus und die Rolle, die völkisches Denken, Autoritätsgläubigkeit und Verschwörungstheorien dabei spielen, ist schon viel Kluges geschrieben worden. In Zeiten der zunehmenden Unsicherheit – es seien die Finanzkrise 2008, die Flüchtlingskrise 2015/16, die Klimakrise und Corona genannt – justiert sich eine zuvor leidlich zufriedene, fast schon lethargische Gesellschaft neu. </p>



<p>Krisen führen keineswegs zu einer automatischen Zunahme der Solidarität. Vor allem, wenn sie sich verstetigen, tritt die zunächst allseitig beschworene Solidarität in den Hintergrund, und die Nutznießer der Angst, die Rattenfänger, betreten das Spielfeld.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Treibstoff des Populismus</h2>



<p>Das Hochkommen neurechter Bewegungen verlief in der Geschichte noch jedes Mal nach diesem Fahrplan. Hervorstechendes Merkmal ist das Adressieren von Ängsten: „Der da ist schuld an deiner Angst!“ Diese einfachen Antworten erscheinen vielen immer einleuchtender, je länger die Krise andauert. Ständige Angst ist das Benzin des Populismus. Das heißt natürlich im Umkehrschluss, dass Populisten an einer Lösung der Probleme nicht interessiert sind. Man kann diese Bewegungen, die neben radikalen politischen Kräften auch obskure Charaktere magnetisch anziehen, als eine politische Freakshow verstehen. Darin sind sich viele Beobachter einig.</p>



<p>Die Rolle der Konservativen in dieser gesellschaftlichen und kulturellen Neujustierung wird hingegen wenig beleuchtet. Dabei liefert die Geschichte deutliche Hinweise auf die zentrale Rolle der Konservativen in historischen Umbruchsituationen. Im zwanzigsten Jahrhundert gilt das vor allem für ihr Verhältnis zu den von der Gegenwart frustrierten rechten Aufwieglern. In der ersten großen Krise der Demokratien ab 1930 waren es die Konservativen, die sich in großer Zahl von den republikfeindlichen populistischen Rattenfängern verführen ließen. Sie konnten damals im demokratischen System genauso wenig eine politische Heimat finden wie die völkischen Nationalisten. </p>



<p>Sicher: Es gab später auch entschiedene Hitlergegner aus dem Geist des Konservativismus heraus, hier wirkte vor allem die Kirchenfeindlichkeit des Nationalsozialismus. Und doch müssen sich die Konservativen den Vorwurf gefallen lassen, dass Hitler nie Kanzler geworden wäre ohne ihr weitgehendes Versagen in den entscheidenden Jahren vor 1933. Unter Fachhistorikern wird diese unrühmliche Rolle der deutschen Konservativen diskutiert, eine gesamtgesellschaftliche Debatte hat es jedoch dazu nie gegeben, obwohl die Dimension des Themas danach ruft.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Anziehungen und Abstoßungen</h2>



<p>Vielleicht ist das Fehlen einer solchen Debatte eine Ursache für die neuerliche Verführbarkeit der Konservativen. Eine weitere Ursache mag darin liegen, dass es bei allen deutlichen Unterschieden auch inhaltliche Affinitäten gibt. Es scheint so zu sein, dass der verführbare Teil der Konservativen immer dann bereit ist, den Populisten zuzulaufen, wenn die Gesellschaft nichts mehr hat, was in ihren Augen bewahrenswert wäre. Die Konservativen machen sich dann gemein mit einer politischen Freakshow, die sie in ruhigeren Zeiten eher verachten würden.</p>



<p>Vor dem Hintergrund dieses historischen Spannungsverhältnisses zwischen Konservativismus und Rechtspopulismus mit wechselseitigen Anziehungen und Abstoßungen kommt mir die Gelassenheit vieler Zeitgenossen im Angesicht neuerlicher Verführbarkeit merkwürdig vor. Es droht zwar aktuell kein neuer 30.&nbsp;Januar. Aber ein Schulterschluss zwischen neurechten, teilweise völkischen Populisten und Konservativen ist in einigen Ländern bereits vollzogen.</p>



<p>Und noch etwas fällt auf. Der konservative Spin in Richtung Populismus funktioniert auch umgekehrt. Viele neurechte Populisten wollen als „konservativ“ wahrgenommen werden, teils aus taktischen Erwägungen, teils wohl auch aus echter Neigung. In Deutschland vergeht keine Wahl, nach der sich die AfD nicht selbst als konservativ bezeichnet. Zuletzt hat das nach der Bundestagswahl 2021 Alice Weidel getan.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Radikal und konservativ</h2>



<p>Ein neues und vieldiskutiertes Buch nimmt sich nun endlich dieses Themas an: Natascha Strobls <em>Radikalisierter Konservatismus</em>. Ausgangspunkt sind dabei die politischen Verhältnisse in Strobls Heimat Österreich sowie in den USA. Bei Sebastian Kurz und Donald Trump findet die Autorin genau diese Form des radikalisierten Konservativismus vor, der sich weder inhaltlich noch in den angewandten Methoden groß von den Rechtspopulisten abhebt. Einziger Unterschied: Die populistischen Sehnsüchte nach Teilhabe an einer politischen Freakshow haben in Österreich und den USA nicht zu einer Parteineugründung geführt, sondern sie finden ihren Ausdruck in der Radikalisierung einer traditionellen konservativen Partei. </p>



<p>Gerade die Amalgamierung dieser beiden widersprüchlichen Aspekte – radikal und konservativ – macht das Phänomen so schwer fassbar. Bewahren <em>und</em> Freakshow, das passt eigentlich nicht zusammen. Aber in Umbruchszeiten löst sich dieser Widerspruch auf. Es wird eine gefährliche Dynamik entfesselt, von der Kurz wie Trump profitiert haben.</p>



<p>Über das System Kurz schreibt Strobl summarisch:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Es ist die Strategie des Rechtspopulismus Haider’scher Prägung. Neu ist, dass die Strategie einer überpolitischen und übermenschlichen Führungsfigur nicht mehr nur von der extremen Rechten beschworen, sondern von konservativen Kräften vollzogen wird. Dabei entsteht das Paradoxon einer konservativen Partei, die sich als Kämpferin gegen das alte System geriert und doch auch die Glaubwürdigkeit ihrer jahrzehntelangen Rolle als staatstragender Partei ausnutzt.</p></blockquote>



<h2 class="wp-block-heading">Die enthemmten Konservativen</h2>



<p>Natürlich gab es sofort Kritik. Strobl würde nicht aufklären, sondern die Gegner des Konservativismus „munitionieren“, so Sara Rukaj in der <a href="https://www.zeit.de/2021/39/radikalisierter-kondervatismus-natascha-strobl-oesterreich-buch-rezension" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ZEIT</a>. Sie lasse den gemäßigten Konservativismus außer Acht.</p>



<p>Dass es gemäßigte Konservative gibt, stellt niemand in Abrede. Strobl geht es aber gerade um diejenigen, welche die bei Konservativen traditionell angezogene Handbremse der politischen Emotionen lösen. Man konnte dies am 6. Januar 2021 beim Erstürmen des Kapitols sehen. Nicht irgendein obskurer Netzaktivist hat zu diesem Sturm aufgerufen, sondern der scheidende US-Präsident Donald Trump – Repräsentant einer (ehemals?) konservativen Partei und zugleich Anführer der bizarrsten politischen Freakshow der letzten Jahrzehnte.</p>



<p>In Deutschland stehen – bei allen Unterschieden in Stil und Auftreten – die Personen Alexander Gauland, Albrecht Glaser und Hans Georg Maaßen exemplarisch für die Figur des enthemmten Konservativen, der letztlich auf einen Umsturz des Systems hinarbeitet.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Von der Farce zur Tragödie</h2>



<p>Dass sich Konservative von obskuren politischen Bewegungen verführen lassen oder von diesen profitieren wollen, sagt zunächst nichts über die Gefährlichkeit dieser Bewegungen aus. Die meisten politischen Freakshows – ob von rechts oder links – verschwinden im Orkus der Geschichte und sind bestenfalls Stoff für schlechte Filme. Werden sie aber wirkmächtig, kann das ganze Gesellschaften in den Abgrund reißen.</p>



<p>Extremstes Beispiel für das Wirken einer zunächst nur lächerlich wirkenden Freakshow ist der Hitlerputsch in München am 8./9.&nbsp;November 1923. Die Reihenfolge von Farce und Tragödie ist keineswegs so klar, wie Karl Marx es bei der Bewertung des napoleonischen Staatsstreiches formuliert hat: Die Tragödie wiederholt sich nicht immer als reine Farce, und eine Farce kann umgekehrt sehr wohl in einer Tragödie enden. </p>



<p>Dieses unbehagliche Thema und die ambivalente Affinität der Konservativen zum neurechten Populismus hat Natascha Strobl dankenswerterweise aufs Tapet gebracht. Mit ihrem Buch widerspricht sie der alten Behauptung, zwischen dem neurechten Populismus und dem radikalisierten Konservativismus gebe es eine klare Trennlinie. Die deutschen Konservativen, die beim traditionellen Konservatismus bleiben und nicht Maaßen, Gauland oder Glaser in deren Irrsinn folgen wollen, sollten diese Diskussion zum Anlass nehmen, endlich über die konservative Vergangenheit zu debattieren. Was war es, was vor neunzig Jahren so viele Konservative hat wackeln lassen? &nbsp;&nbsp;</p>



<p>Das sind Fragen, die nicht zuletzt bei der Neuausrichtung der deutschen Konservativen nach der verlorenen Bundestagswahl eine wichtige Rolle spielen werden. Die BILD-Zeitung fordert einen deutschen „Klartext-Kanzler Kurz“ – es bleibt zu hoffen, dass die CDU nicht den Weg der österreichischen Schwesterpartei ÖVP geht. Schwarz soll schwarz bleiben. Das Türkise überlassen wir gerne den Spinnern.</p>



<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild von Marco Verch:<br><a href="[URL zum Bild]" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Politischer Rosenmontag 2020: AFDP &#8211; Rechter Politiker Bernd Höcke als Hund läuft Hass und Hetze hinterher, mit Gauland &amp; Kemmerich auf dem Rücken</a>, via <a href="https://www.flickr.com/photos/160866001@N07/49583244381">flickr</a> (<a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a>)</h6>



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<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"> <div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">



<p>Natascha Strobl<br><strong>Radikalisierter Konservatismus</strong><br>Eine Analyse<br>Suhrkamp 2021 · 192 Seiten · 16 Euro<br>ISBN: 978-3-518-12782-7 <span><a href="javascript:"><img decoding="async" identifier="978-3-518-12782-7" identifiertype="2" title="Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen" class="citavipicker" src="data:image/svg+xml;base64,PD94bWwgdmVyc2lvbj0iMS4wIiBlbmNvZGluZz0idXRmLTgiPz48IURPQ1RZUEUgc3ZnIFBVQkxJQyAiLS8vVzNDLy9EVEQgU1ZHIDEuMS8vRU4iICJodHRwOi8vd3d3LnczLm9yZy9HcmFwaGljcy9TVkcvMS4xL0RURC9zdmcxMS5kdGQiPjxzdmcgdmVyc2lvbj0iMS4xIiBpZD0iRWJlbmVfMSIgeG1sbnM9Imh0dHA6Ly93d3cudzMub3JnLzIwMDAvc3ZnIiB4bWxuczp4bGluaz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMTk5OS94bGluayIgeD0iMHB4IiB5PSIwcHgiIHdpZHRoPSIxNnB4IiBoZWlnaHQ9IjE2cHgiIHZpZXdCb3g9IjAgMCAxNiAxNiIgZW5hYmxlLWJhY2tncm91bmQ9Im5ldyAwIDAgMTYgMTYiIHhtbDpzcGFjZT0icHJlc2VydmUiPjxnPjxnPjxwYXRoIGZpbGw9IiNGRkZGRkYiIGQ9Ik04LjAwMSwxNS41QzMuODY0LDE1LjUsMC41LDEyLjEzNiwwLjUsOGMwLTQuMTM1LDMuMzY1LTcuNSw3LjUwMS03LjVTMTUuNSwzLjg2NCwxNS41LDhTMTIuMTM3LDE1LjUsOC4wMDEsMTUuNXoiLz48cGF0aCBmaWxsPSIjRDUyQjFFIiBkPSJNOC4wMDEsMUMxMS44NiwxLDE1LDQuMTQxLDE1LDhzLTMuMTM5LDctNi45OTksN0M0LjE0LDE1LDEsMTEuODU5LDEsOFM0LjE0LDEsOC4wMDEsMSBNOC4wMDEsMEMzLjU4MiwwLDAsMy41ODIsMCw4czMuNTgyLDgsOC4wMDEsOEMxMi40MTgsMTYsMTYsMTIuNDE4LDE2LDhTMTIuNDE4LDAsOC4wMDEsMEw4LjAwMSwweiIvPjwvZz48cGF0aCBmaWxsPSIjRDUyQjFFIiBkPSJNNi43NDUsMTIuNTg5Yy0wLjIyNywwLjEyMi0wLjQ5NywwLjI0Ny0wLjY4NCwwLjI0N2MtMC4zMTgsMC0wLjUwMS0wLjE2NC0wLjUwMS0wLjQ1MmMwLTAuMjA3LDAuMTQtMC4zNzUsMC41OTUtMC42MjJjMS41NDktMC45MDQsMi41OTQtMi4yNzIsMi41OTQtMy43MjFjMC0wLjgyNS0wLjIyNy0xLjExOS0wLjY4MS0xLjExOWMtMC4xMzUsMC0wLjMyLDAuMjE5LTAuNjM2LDAuMjE5SDcuMTU3QzYuMTAyLDcuMTQzLDUuMzMzLDYuMjY0LDUuMzMzLDUuMjNjMC0xLjE1MiwwLjk1OC0yLjAwNiwyLjI4LTIuMDA2YzEuNzc3LDAsMy4wNTMsMS4zNzMsMy4wNTMsMy40M0MxMC42NjYsOS4yMTUsOS4yMDMsMTEuMjcsNi43NDUsMTIuNTg5Ii8+PC9nPjwvc3ZnPg" style="border: 0px none!important;width: 16px!important;height: 16px!important;margin-left:1px !important;margin-right:1px !important;"></a></span><br></p>



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<div class="wp-block-image"><p align="center"><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady"/></a></p></div>
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		<title>Page-99-Test: Simon Strauß</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Jan 2018 11:28:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst der Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Page-99-Test]]></category>
		<category><![CDATA[Hype]]></category>
		<category><![CDATA[Konservatismus]]></category>
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					<description><![CDATA[An Simon Strauß' Text "Sieben Nächte" hat sich eine Debatte entzündet. Muss man dieses Buch gelesen haben, um mitreden zu können? Ein Kommentar mit integriertem Page-99-Test.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">Wenn Sie gleich zum Page-99-Test springen wollen, klicken Sie bitte <a href="#sprungmarke">hier</a>.</div></div><br />
<span class="dropcap">D</span>ie Debatte um Simon Strauß ist nur deshalb entflammt, weil der Debattenbetrieb auf einen wie ihn gewartet hat. Alles passt: Als Sohn seines <a href="http://tell-review.de/in-beschwerten-zungen-reden/" target="_blank" rel="noopener">Vaters</a> ist Simon Strauß von vornherein verdächtig, in seinem Buch <em>Sieben Nächte</em> findet man die richtigen Schlüsselreize, dann kommt auch noch der Name Götz Kubitschek ins Spiel – und schon lassen sich solche Sätze formulieren, die nicht ganz falsch sind und doch tendenziös:</p>
<blockquote><p>Ebenso wie ­Kubitschek sehnt sich Simon Strauß nach dem Gegenentwurf, nach Unversöhnlichkeit, nach echter Trauer und echtem Zorn. Und ebenso wie Kubitschek will Simon Strauß Geschichte wieder als Schicksal, als Kampf, als Konfrontation und Elend, als Größe und Zusammenbruch begreifen.</p></blockquote>
<p>So steht es in dem Artikel von Alem Grabovac, der die Debatte in der <a href="http://www.taz.de/!5472546/">taz</a> losgetreten hat; der <a href="https://www.theguardian.com/world/2017/nov/10/compromises-compromise-merkel-generation-reinvents-german-romanticism" target="_blank" rel="noopener">Guardian</a> hatte schon im November 2017 auf ein Revival der Romantik in der jüngeren deutschen Gegenwartsliteratur hingewiesen.</p>
<p>Dass Simon Strauß dem Phantombild des neurechten bösen Buben nicht entspricht, hat sich inzwischen herumgesprochen. Doch um Simon Strauß geht es in der Debatte gar nicht: Er ist nur ein Pappkamerad zum Draufhauen, also Anlass dafür, dass endlich wieder einmal alle Gelegenheit haben zu sagen, was sie immer schon einmal sagen wollten. Das kannten wir bisher vor allem von der anderen Seite: Man <a href="https://www.nzz.ch/feuilleton/die-barbaren-sie-lauern-ueberall-ld.1324642" target="_blank" rel="noopener">schwadroniert</a> etwa von Feministinnen, die angeblich das Recht der Frau auf Vollverschleierung einfordern, um sich dann so richtig darüber aufregen zu können.</p>
<p>Ich muss gestehen, dass Simon Strauß für mich bis zu seinem Auftritt als Pappkamerad eher ein Gerücht war. Natürlich hatte ich mitbekommen, wie <em>Sieben Nächte</em> im letzten Sommer als das neue heiße Ding durch die Feuilletons gereicht wurde:</p>
<ul>
<li>Ein „grandioses Debüt, der Generationenroman der aktuellen Endzwanziger schlechthin“ (<a href="https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/von-der-ohnmacht" target="_blank" rel="noopener">Der Freitag</a>)</li>
<li>„Strauß ist mit diesem literarischen Aufruf ein überaus großer Wurf gelungen.“ (<a href="https://www.berliner-zeitung.de/kultur/literatur/-sieben-naechte--ein-gewaltiges-literarisches-debuet-von-simon-strauss-28021980" target="_blank" rel="noopener">Berliner Zeitung</a>)</li>
<li>„Schon wenn man dieses Buch in die Hand nimmt, spürt man, dass es für Furore sorgen wird.“ (<a href="http://www.zeit.de/2017/29/sieben-naechte-simon-strauss" target="_blank" rel="noopener">Die Zeit</a>)</li>
<li>&#8222;<em>Sieben Nächte</em> ist eine Suche nach dem guten, wilden Leben, ein Manifest wider den Zeitgeist.“ (<a href="http://www.spiegel.de/kultur/literatur/sieben-naechte-von-simon-strauss-dringlichkeit-besteht-immer-buchkritik-a-1157515.html" target="_blank" rel="noopener">Spiegel Online</a>)</li>
</ul>
<p>Immerhin die <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/sieben-naechte-der-klaps-des-windgottes-1.3584140?reduced=true" target="_blank" rel="noopener">SZ</a> relativierte: Es fehle „an den sprachlichen Mitteln, um über die bloße Behauptung hinauszureichen“.</p>
<p>In solchen Fällen werfe ich gern einen Blick in die <a href="https://www.amazon.de/Sieben-N%C3%A4chte-Simon-Strau%C3%9F/dp/3351050410/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1516547009&amp;sr=8-1&amp;keywords=Sieben+N%C3%A4chte" target="_blank" rel="noopener">Kundenrezensionen</a> auf Amazon. Hier kommt das Buch auf 3,2 Sterne. Unter den 1- und 2-Stern-Rezensionen finden sich Aussagen wie diese:</p>
<ul>
<li>„Das Buch hat erschreckend wenig zu sagen.“</li>
<li>„Liest sich, als hätte ein lauwarmer Fruchtzwerg beschlossen, Autor zu werden.“</li>
<li>„Unfassbare inhaltliche Langeweile.“</li>
<li>„So plätschert das Buch mal peinlich, mal belanglos vor sich hin.“</li>
</ul>
<p>Muss man dieses Buch gelesen haben, um mitreden zu können?</p>
<hr />
<h3 id="sprungmarke">Page 99-Test</h3>
<p><a href="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/01/S.99_Sieben_N%C3%A4chte.png" target="_blank" rel="noopener"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" data-attachment-id="12060" data-permalink="https://tell-review.de/page-99-test-simon-strauss/s-99_sieben_naechte/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/01/S.99_Sieben_N%C3%A4chte.png?fit=960%2C1280&amp;ssl=1" data-orig-size="960,1280" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="S.99_Sieben_Nächte" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/01/S.99_Sieben_N%C3%A4chte.png?fit=773%2C1030&amp;ssl=1" class="size-medium wp-image-12060 aligncenter" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/01/S.99_Sieben_N%C3%A4chte-225x300.png?resize=225%2C300" alt="" width="225" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/01/S.99_Sieben_N%C3%A4chte.png?resize=225%2C300&amp;ssl=1 225w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/01/S.99_Sieben_N%C3%A4chte.png?resize=60%2C80&amp;ssl=1 60w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/01/S.99_Sieben_N%C3%A4chte.png?resize=768%2C1024&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/01/S.99_Sieben_N%C3%A4chte.png?resize=773%2C1030&amp;ssl=1 773w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/01/S.99_Sieben_N%C3%A4chte.png?resize=300%2C400&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/01/S.99_Sieben_N%C3%A4chte.png?w=960&amp;ssl=1 960w" sizes="(max-width: 225px) 100vw, 225px" /></a>Als erstes fällt der lockere Satzspiegel ins Auge: Selbst für die 144 Seiten musste der Text offenbar gestreckt werden.</p>
<p>Auf der Seite 99 beginnt ein Kapitel. Wir platzen in eine unheimliche Szenerie hinein, düster geradezu. Der Ich-Erzähler begegnet zwei Männern im Anzug,</p>
<blockquote><p>die Hände hinter dem Rücken verschränkt wie griechische Philosophen [&#8230;].</p></blockquote>
<p>Kein Mensch weiß, ob die Peripatetiker bei ihren Wandelgängen die Hände hinter dem Rücken verschränkten, auch nicht der Altphilologe Simon Strauß. Der Vergleich dient einem Zweck: Der Ich-Erzähler will uns damit zeigen, dass er einer ist, der, wenn er zwei Männer mit hinter dem Rücken verschränkten Händen sieht, an griechische Philosophen denkt.</p>
<p>Im Weiteren haben diese Männer dann nichts Philosophisches mehr an sich:</p>
<blockquote><p>sie tragen schwarze Masken und der Schweiß steht ihnen auf der Stirn.</p></blockquote>
<p>Dass ich an Darth Vader denke, dürfte im Sinne des Autors sein. Ich soll mich gruseln. Gruseln geht nur im Dunkeln, und dunkel ist denn auch das Treppenhaus, durch das die beiden Männer den Ich-Erzähler geleiten. Es geht durch „einen Hinterhof ohne Katzen“, bis zu einer alten Holztür mit Milchglasfenster.</p>
<blockquote><p>„Dreimal klopfen, bitte – viel Vergnügen.“</p></blockquote>
<p>Das verheißt nichts Gutes. Eine Frau öffnet die Tür (lächelnder Mund, berechnender Blick):</p>
<blockquote><p>Ihre weiße Haut spiegelt den flackernden Kerzenschein, es kommt mir vor, als ob sie zittere.</p></blockquote>
<p>Und dann ein Blick in die nahe Zukunft, der Grusel-Trick par excellence:</p>
<blockquote><p>Aber später, am Ende, wenn sie neben mir auf der Tischpyramide liegt und die Hand über meinen Hinterkopf gleiten lässt, wird das Zittern vorbei sein. Dann ist da nur noch Ruhe und Glück.</p></blockquote>
<p>Was – nur über den Hinterkopf gleitet diese Hand? Ich dachte, ich hätte mich verlesen. Jetzt möchte ich aber wirklich wissen, was sich auf den nächsten Seiten abspielt. Und was wohl eine Tischpyramide sein soll?</p>
<p>Leider sind wir am Ende der Seite angelangt. Der letzte Satz ist vollends rätselhaft:</p>
<blockquote><p>Ein dunkler Garten aus Pailletten und Samt, Irrlichter, ein Idyll des Rauschs und der Musik.</p></blockquote>
<p>Ein Garten aus Pailletten und Samt, ein Garten der Lüste also, in dem schlanke Maiden wachsen, gewandet in Blütenblätter aus Pailletten und Samt? Ein „Idyll des Rauschs“, ein „Idyll der Musik“? Das ist purer Theaternebel. Mir fällt der fiese Spruch eines Schauspielers über einen Regisseur ein: „Wenn ich nicht mehr weiter weiß: Trockeneis, Trockeneis.“ Das einzige ehrliche Wort in diesem letzten Satz ist „Irrlichter“.</p>
<h4>Fazit:</h4>
<p>Dieser Text ist viel zu unscharf geschrieben, als dass man unter der Lupe des Page-99-Tests etwas sehen könnte: Alles verschwimmt.</p>
<p>Auf <a href="https://www.54books.de/simon-strauss-sieben-naechte/" target="_blank" rel="noopener">54books</a> hat Katharina Herrmann eine Stilanalyse des ganzen Texts unternommen (in der zweiten Hälfte des sehr langen Beitrags); die Autorin distanziert sich zwar eingangs von ihrer Rezension, doch der Befund hält stand.</p>
<hr />
<h3>Ein Kind seiner Zeit</h3>
<p>Seit ich weiß, wie <em>Sieben Nächte</em> entstanden ist, wundere ich mich nicht mehr über den Stil:</p>
<p><a href="https://tell-review.de/page-99-test-simon-strauss/"><img decoding="async" alt="YouTube Video" consent-original-src-_="https://tell-review.de/wp-content/plugins/wp-youtube-lyte/lyteCache.php?origThumbUrl=https%3A%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2FIpIDfTWkHvk%2Fhqdefault.jpg" consent-required="104322" consent-by="services" consent-id="104323"></a></p>
<p>Eine Art Challenge: Der Verlag stellt seinem Autor an sieben Abenden jeweils eine Überraschungsaufgabe, indem er Ort und Zeit nennt, wo sich der Autor der betreffenden Todsünde aussetzen soll (Steakhouse, Swinger-Club, Trabrennbahn etc.). Am nächsten Morgen um sieben liefert der Autor dann sieben Seiten Text zu seiner Sünden-Erfahrung ab, hinterherredigieren gilt nicht. Hier soll die nackte, rohe Erfahrung eingefangen werden, direkt vom Bauch (der Seele, dem Unbewussten) aufs Papier bzw. den Bildschirm.</p>
<p>Ich gestehe, dass ich das Buch nicht zu Ende gelesen habe. Eine Erschütterung, die man bestellt, ist keine. Immer seichter, weicher und harmloser werden die Sünden, während der Autor sich im Wollen, Sehnen, Reden erschöpft. Dieser autofiktionale Ich-Erzähler ist halt auch nur ein Kind der Zeit, an der er leidet.</p>
<p>Mich wundert kein bisschen, dass einer so etwas schreibt. Mich wundert, dass ein Verlag so etwas druckt. Noch mehr wundert mich, dass so etwas zum Hype des Tages wird (5. Auflage!). Und am allermeisten wundert mich, dass sich alle im <em>larger-than-life</em>-Modus darüber aufregen.</p>
<p>Das allerdings wollte ich schon immer einmal sagen.<br />
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"><br />
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><br />
Simon Strauß<br />
<strong>Sieben Nächte</strong><br />
Blumenbar 2017 · 144 Seiten · 16 Euro<br />
ISBN: 978-3351050412<br />
Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="http://www.amazon.de/dp/3351050410/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow noopener">Amazon</a>, <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="http://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=9783351050412" target="_blank" rel="noopener">buecher.de</a><img decoding="async" style="display: none !important;" hidden="" src="http://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM --> oder im lokalen Buchhandel<br />
</div></div><br />
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="12067" data-permalink="https://tell-review.de/page-99-test-simon-strauss/cover-6/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/01/Cover-1.jpg?fit=303%2C499&amp;ssl=1" data-orig-size="303,499" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/01/Cover-1.jpg?fit=303%2C499&amp;ssl=1" class="alignnone size-medium wp-image-12067" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/01/Cover-1-182x300.jpg?resize=182%2C300" alt="" width="182" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/01/Cover-1.jpg?resize=182%2C300&amp;ssl=1 182w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/01/Cover-1.jpg?resize=49%2C80&amp;ssl=1 49w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/01/Cover-1.jpg?resize=300%2C494&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/01/Cover-1.jpg?w=303&amp;ssl=1 303w" sizes="auto, (max-width: 182px) 100vw, 182px" /></div></div></div><br />
</div></div></p>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
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		<title>Hans Aeppli &#8211; Der Distinguierte</title>
		<link>https://tell-review.de/hans-aeppli-der-distinguierte/</link>
					<comments>https://tell-review.de/hans-aeppli-der-distinguierte/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jan 2018 09:43:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Konservatismus]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=11963</guid>

					<description><![CDATA[Gymnasiallehrer an der Kantonsschule Zürcher Oberland, Gemeindepräsident von Stäfa, Mitglied der Freisinnigen Demokratischen Partei. Sein Humor war so gepflegt wie sein Auftreten. Hommage an meinen Physiklehrer Hans Aeppli (1925-2011).]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">Mit welchen Konservativen würden wir uns gern bei einem Glas Wein unterhalten? Das war die Ausgangsfrage für unsere kleine &#8222;Hall of Fame&#8220; des Konservatismus, mit der wir unsere Reihe zum <a href="http://tell-review.de/?s=Konservatismus&amp;category_name=&amp;submit=Suche" target="_blank" rel="noopener">Konservatismus</a> fortführen.<br />
Woran erkennt man „Konservative im besten Sinn des Worts“? Am dialektischen Denken: Sie erneuern, was sie bewahren wollen.</p>
<p>Weitere Beiträge:<br />
<a href="http://tell-review.de/gustav-stresemann-der-aufgeklaerte-konservative/" target="_blank" rel="noopener">Gustav Stresemann – Der aufgeklärte Konservative</a><br />
<a href="http://tell-review.de/norbert-lammert-der-gralshueter/" target="_blank" rel="noopener">Norbert Lammert – Der Gralshüter</a><br />
<a href="http://tell-review.de/theodor-w-adorno-der-heimatbewusste/" target="_blank" rel="noopener">Theodor W. Adorno – Der Heimatbewusste</a><br />
<a href="http://tell-review.de/hannah-arendt-die-linke-konservative/" target="_blank" rel="noopener">Hannah Arendt – Die linke Konservative</a><br />
<a href="http://tell-review.de/navid-kermani-der-erzaehler/" target="_blank" rel="noopener">Navid Kermani – Der Erzähler</a></p>
<p>Mit diesem Beitrag endet unsere Porträtserie.<br />
</div></div></p>
<p><span class="dropcap">V</span>ielleicht war <a href="https://www.nzz.ch/ein_mann_der_feinen_toene-1.12075165">Hans Aeppli</a> der erste echte Konservative, der in meinem Leben eine Rolle spielte. Er war mein Physiklehrer an der Kantonsschule Zürcher Oberland (Wetzikon). Schon seine Kleidung verriet den konservativen Habitus: grauer Anzug, weißes Hemd und eine Krawatte, die während der Physikstunde unter dem weißen Laborkittel versteckt war, was die Garderobe noch edler machte. Seine Aura hatte etwas Distinguiertes. Dabei war er keineswegs verkrampft, sein Humor war so gepflegt wie sein Anzug.</p>
<p>Ich erinnere mich an eine wüste Anekdote. Am letzten Schultag der Maturanden (so heißen Abiturienten in der Schweiz) hatte ein Bauernsohn ein Ferkel mitgebracht. Tür auf, Ferkel rein, Tür zu. Ich weiß nicht mehr, wie die Geschichte ausgegangen ist, aber ich stelle mir vor, dass Hans Aeppli auch dieser Situation gewachsen war, und wahrscheinlich hatte der Bauernsohn ihn gerade deshalb für seinen Streich ausgewählt.</p>
<h3>Segeln auf dem Zürichsee</h3>
<p>Dass wir Gymnasiasten einen wie den damals etwa 60-jährigen Herrn Aeppli mochten, war keine Selbstverständlichkeit. Es waren die 1980er, und wir waren das, was man damals in der Schweiz „alternativ“ nannte: Die Jungs lernten stricken, die Mädels übten sich im Feminismus, wir waren gegen AKW und für die Weltrevolution. Hans Aeppli war überzeugtes Mitglied der Freisinnigen Demokratischen Partei, seine Tochter Regine machte als Politikerin bei den Sozialdemokraten Karriere, und er war stolz auf sie. Uns Schüler nahm er so ernst, dass wir im Maturjahr für unser letztes Klassenlager (so nennt man das in der Schweiz) auf eine Auslandsreise verzichteten und eine Woche nach Uerikon (sprich &#8222;Üürike&#8220;) gingen, an den Zürichsee. Hans Aeppli war Segler, und er mobilisierte eine Handvoll Segler-Kollegen, die nachmittags mit uns die Praxis des Segelns übten. Am Morgen lernten wir eifrig Vektor-Geometrie und wussten danach zumindest theoretisch, in welchem Winkel man am besten gegen den Wind kreuzt.</p>
<h3>Geachtet und gefürchtet</h3>
<p>Es gibt zwei weitere Gründe dafür, dass Hans Aeppli für mich in die <em>Hall of Fame</em> der Konservativen gehört. Der eine war das Duzen. Mit einem feinen Lächeln erklärte er uns im Ritterhaus Uerikon, dass man auf dem Segelschiff „duzis“ sei (so heißt das in der Schweiz). Du meine Güte, jeden anderen Lehrer hätten wir eher geduzt als ihn! Hans Aeppli genoss es in vollen Zügen. Der zweite Grund war seine Verwandlung beim Segeln. Auf dem Segelboot wurde er zum Kind. Sobald er eins der anderen Boote sah, nahm er den Wettkampf auf und wehe, jemand vermasselte ihm die Tour, weil er das Segel im falschen Winkel stellte.</p>
<p>Manche Schülerinnen und Schüler haben Hans Aeppli offenbar als autoritär und unnahbar erlebt, wie mir erzählt wird. In seinen zwölf Jahren als Gemeindepräsident von Stäfa war er geachtet und gefürchtet. Offenbar war es uns gelungen, sein autoritäres Muster zu unterlaufen. Ich kann mir denken, dass er unter dieser Seite seines Charakters mindestens so sehr gelitten hat wie die Schüler, die sich von ihm ungerecht behandelt fühlten.</p>
<h6 style="text-align: right;">Beitragsbild:<br />
Privat (mit Dank an Matthias Bruppacher)</h6>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
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		<item>
		<title>Hannah Arendt – Die linke Konservative</title>
		<link>https://tell-review.de/hannah-arendt-die-linke-konservative/</link>
					<comments>https://tell-review.de/hannah-arendt-die-linke-konservative/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Hartmut Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jan 2018 10:06:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Konservatismus]]></category>
		<category><![CDATA[Konservative]]></category>
		<category><![CDATA[Linke]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=11864</guid>

					<description><![CDATA[In ihren Positionen war Hannah Arendt links, in ihrer Grundhaltung jedoch konservativ. Das lässt sich an grundlegenden linken Theoremen zeigen wie etwa der Behandlung des Privaten oder der Unterscheidung von Gewalt und Macht, an der sie festhielt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">Mit welchen Konservativen würden wir uns gern bei einem Glas Wein unterhalten? Das war die Ausgangsfrage für unsere kleine &#8222;Hall of Fame&#8220; des Konservatismus, mit der wir unsere Reihe zum <a href="http://tell-review.de/?s=Konservatismus&amp;category_name=&amp;submit=Suche" target="_blank" rel="noopener">Konservatismus</a> fortführen.<br />
Woran erkennt man „Konservative im besten Sinn des Worts“? Am dialektischen Denken: Sie erneuern, was sie bewahren wollen.</p>
<p>Weitere Beiträge:<br />
<a href="http://tell-review.de/gustav-stresemann-der-aufgeklaerte-konservative/" target="_blank" rel="noopener">Gustav Stresemann – Der aufgeklärte Konservative</a><br />
<a href="http://tell-review.de/norbert-lammert-der-gralshueter/" target="_blank" rel="noopener">Norbert Lammert – Der Gralshüter</a><br />
<a href="http://tell-review.de/theodor-w-adorno-der-heimatbewusste/" target="_blank" rel="noopener">Theodor W. Adorno – Der Heimatbewusste</a><br />
<a href="http://tell-review.de/navid-kermani-der-erzaehler/" target="_blank" rel="noopener">Navid Kermani – Der Erzähler</a><br />
<a href="http://tell-review.de/hans-aeppli-der-distinguierte/" target="_blank" rel="noopener">Hans Aeppli – Der Distinguierte</a><br />
</div></div></p>
<p><span class="dropcap">Z</span>u Lebzeiten wurde Hannah Arendt kaum je als Konservative wahrgenommen, denn ihre konkreten Inhalte waren häufig links bzw. wirkten auf den ersten Blick doch so.</p>
<h3></h3>
<h5><strong>Hannah Arendt war gegen:</strong></h5>
<ul>
<li>das restaurative Deutschland Adenauers und dessen Persilscheine für die Täter</li>
<li>die rassistischen Gesetze in den Südstaaten der USA</li>
<li>Richard Nixon</li>
<li>den Vietnamkrieg</li>
<li>Menachem Begin</li>
</ul>
<h5><strong>Sie hatte Sympathien für:</strong></h5>
<ul>
<li>Rosa Luxemburg und räterepublikanische Ansätze</li>
<li>zivilen Ungehorsam</li>
<li>die 68er (nun ja: für deren gemäßigten Teil)</li>
</ul>
<p>Als Daniel Cohn-Bendit, der Sohn enger Freunde, 1968 in Frankreich in Schwierigkeiten zu geraten schien – ihm drohte Ausweisung oder Schlimmeres –, bot Hannah Arendt ihm Geld an. Auch zu einigen Schriftstellern der Gruppe 47 – Hans Magnus Enzensberger, Uwe Johnson – hatte sie ein herzliches, zugleich kritisches Verhältnis.</p>
<p>Das alles ist richtig und wir müssen es im Hinterkopf behalten. Das Faszinierende an Hannah Arendt ist aber, dass sie all diese Positionen aus einer konservativen Grundhaltung heraus entwickelt hat.</p>
<p>Das lässt sich an ihren Antworten auf drei Theoreme zeigen, die für die Linke im 20. Jahrhundert zentral waren.</p>
<h4>1. „Das Private ist politisch und das Politische privat.“</h4>
<p>Unfug!, so Hannah Arendt. Nichts ist in ihren Augen problematischer als diese Gleichsetzung. Das Private, das Intime, die Ausschließlichkeit, das alles hat privat zu bleiben. Mit Politik, mit dem Raum für Freiheit, mit dem Beginn von etwas Neuem haben private Vorlieben nicht das Geringste zu tun, und sie dürfen damit auch nichts zu tun haben. Es sei „ein Verhängnis“, die Liebe an den politischen Verhandlungstisch zu holen, so Arendt im Gespräch mit Günter Gaus.</p>
<p><a href="https://tell-review.de/hannah-arendt-die-linke-konservative/"><img decoding="async" alt="YouTube Video" consent-original-src-_="https://tell-review.de/wp-content/plugins/wp-youtube-lyte/lyteCache.php?origThumbUrl=https%3A%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2FJ9SyTEUi6Kw%2Fhqdefault.jpg" consent-required="104322" consent-by="services" consent-id="104323"></a></p>
<p id="lrback">Weder im Bereich des Privaten noch im Bereich des Gesellschaftlichen darf man Antidiskriminierung gesetzlich erzwingen. Gleichheit gibt es allein im Bereich des Politischen, dort allerdings ist sie zentral. Um diesen Aspekt, den Hannah Arendt vor allem in ihrem Aufsatz <a href="#lr">„Little Rock“</a> erläutert, macht die heutige Arendt-Rezeption einen großen Bogen. Arendt gesteht Rassisten und Antisemiten das Recht auf ihre private Meinung anstandslos zu, das liest man heute mit Befremden. Aber sie gesteht es ihnen eben nur als private Meinung zu.</p>
<h4>2. „Die Macht kommt aus den Gewehrläufen.“</h4>
<p id="mgback">Falsch, auf fatale Weise falsch!, so Arendt. Die Gewalt kommt aus den Gewehrläufen, aber nicht die Macht. Macht und Gewalt sind kategorial getrennt. Macht setze eine Gegenseitigkeit voraus, also Kommunikation, Gewalt werde einseitig ausgeübt. Macht beruht auf Zustimmung, und diese Zustimmung „ist niemals bedingungslos“ (<a href="#mg">MG</a>).</p>
<h4>3. „Gesellschaft ist der Grundbegriff, an dem sich alle politische Aktion auszurichten hat. Es  geht um kritische Gesellschaftsanalyse und um Gesellschaftsveränderung!“</h4>
<p id="vaback">Nein!, so Arendt. Natürlich bestreitet sie den massiven Einfluss nicht, den die Gesellschaft, gerade die Massengesellschaft, auf den Einzelnen ausübt. Die überbordende Macht der diffusen „Gesellschaftlichkeit“ deutet sie in der Tat sogar als wesentliches Moment der Moderne, in der alle traditionellen Zusammenhänge zerrissen sind. Gesellschaftliche Strömungen jedoch 1:1 als Kompass zu verwenden, heiße, dem Konformismus – „ein typisches Merkmal jeder Gesellschaft“ (<a href="#va">VA</a>) – Tür und Tor zu öffnen. Dies habe 1933 zu jener Gleichschaltung geführt, die ja überwiegend eine Selbstgleichschaltung gewesen sei: „Diese Gleichschaltung war keine von der Angst genährte Heuchelei, sondern der sehr früh an den Tag gelegte Eifer, ja nicht den Zug der Geschichte zu verpassen.“ (<a href="#pv">PV</a>) Menschliche Freiheit, hier steht Arendt gegen alle progressiven Gesellschaftstheorien des 20. Jahrhunderts, vollziehe sich nicht im gesellschaftlichen Raum, sondern allein in der Sphäre der Politik. Im Politischen, und nur dort, fänden sich Menschen als Gleiche zusammen, um etwas Neues zu beginnen.</p>
<h3>Der Verlust des Ariadnefadens</h3>
<p id="dfback">Hannah Arendt, und das macht sie als Konservative für die Postmoderne so anschlussfähig, hat übrigens mitnichten empfohlen, einfach irgendetwas ‚Gewachsenes‘ künstlich zu revitalisieren (sozusagen die ‚alte Zucht und Ordnung‘ als Korsettstange zu verwenden, wie es so viele Konservative tun, neulich <a href="http://tell-review.de/unheilige-allianzen/" target="_blank" rel="noopener">Ulrich Greiner</a>). Sie wusste, dass wer die Moderne vollzogen hat, „wirklich allein ist“. Orientierung kann einem, wenn man „ohne Geländer denkt“ (<a href="#df">DF</a>), tatsächlich nur noch ein Beharren auf grundsätzlichen moralischen Standards geben.</p>
<p>Denn Arendt weiß natürlich, dass wir (in Rilkes Worten) in der Moderne „nicht sehr verlässlich zu Haus sind in der gedeuteten Welt“. Auch sie betrauert den zerrissenen Ariadnefaden. Aber sie weiß, dass dieser Verlust endgültig ist. Und sie weiß, dass wir in Teufels Küche kommen, wenn wir auf die Moderne mit Konzepten reagieren, die die alte Wohlgeordnetheit künstlich wiederherstellen möchten, etwa per Volksgemeinschaft.</p>
<h3>Urteilsschärfe</h3>
<p>Sie war immun gegen allen völkischen Tinnef, nicht nur wegen ihrer Erfahrung als Jüdin in einer antisemitischen Gesellschaft, ihrer Erfahrung als „Paria“ (bekanntlich Arendts eigenes Wort), sondern vor allem wegen ihrer Urteilsschärfe. So schrieb sie 1947 (!) an Karl Jaspers:</p>
<blockquote>
<p id="kjback">„Woran mir liegen würde (…) wäre eine solche Änderung der Zustände, daß jeder frei wählen kann, wo er seine politische Verantwortlichkeit auszuüben gedenkt und in welchen kulturellen Zusammenhängen er sich am wohlsten fühlt. Damit endlich die Ahnenforschung hüben und drüben ein Ende hat. (&#8230;) Wenn ein Deutscher sagt, er möchte lieber Italiener sein oder vice versa und danach handelt, warum denn nicht?“</p>
</blockquote>
<h6 style="text-align: right;"><a href="#kj">KJ</a>, Arendt im Brief an Jaspers, 2. Juni 1947</h6>
<p>Mit dieser Einsicht hat sie allen konservativen Ansätzen eine Absage erteilt, Sinn in irgendeiner Form ‚organisch‘ (rassisch, ethnisch, kulturell) zu begründen. Und so verstanden war sie dann doch links: eine linke Konservative.</p>
<hr />
<h5><strong>Zitierte Schriften von Hannah Arendt:</strong></h5>
<ul>
<li id="va">Vita Activa oder Vom tätigen Leben. München 1982 ( VA) <a href="#vaback">↑</a></li>
<li id="lr">Little Rock, in: Hannah Arendt, In der Gegenwart, Übungen im politischen Denken II. München 2000 (LR) <a href="#lrback">↑</a></li>
<li id="pv">Persönliche Verantwortung in der Diktatur, in: Hannah Arendt, Israel, Palästina und der Antisemitismus. Aufsätze, herausgegeben von Eike Geisel und Klaus Bittermann. Berlin 1991 (PV) <a href="#vaback">↑</a></li>
<li id="mg">Macht und Gewalt, in: Hannah Arendt, In der Gegenwart (s.o.) (MG) <a href="#mgback">↑</a></li>
<li id="df">Diskussion mit Freunden und Kollegen in Toronto, in: Hannah Arendt, Ich will verstehen – Selbstauskünfte zu Leben und Werk. München 1996 (DF) <a href="#dfback">↑</a></li>
<li id="kj">Briefwechsel mit Karl Jaspers, München 1991  (KJ) <a href="#kjback">↑</a></li>
</ul>
<h6 style="text-align: right;"><em>Beitragsbild:</em><br />
<em> Ausschnitt aus </em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=J9SyTEUi6Kw" target="_blank" rel="noopener">Günter Gaus im Gespräch mit Hannah Arendt</a></h6>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
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		<title>Berechtigte Sorgen oder Angstmacherei?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Oct 2017 07:07:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Heimat]]></category>
		<category><![CDATA[Konservatismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Buch <em>Heimatlos</em> von Ulrich Greiner hat auf einer tell-Sitzung zu heftigen Diskussionen geführt. Ein schriftliches Streitgespräch zwischen Anselm Bühling und Lars Hartmann, mit einer Schlussbemerkung von Sieglinde Geisel – ein weiterer Beitrag in unserer Reihe zum Konservatismus.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">Was heißt es heute, konservativ zu sein? Warum fühlen sich Intellektuelle von diesem Denken angezogen, und wo liegt die Grenze zum Rechtspopulismus? Mit diesen Fragen setzt sich tell in einer Reihe von Beiträgen auseinander.</p>
<p>Bisher erschienen:</p>
<ul>
<li><a href="http://tell-review.de/unheilige-allianzen/" target="_blank" rel="noopener">Unheilige Allianzen</a>. <a href="http://tell-review.de/author/hartmut-finkeldey/" target="_blank" rel="noopener">Hartmut Finkeldey</a> über Ulrich Greiners Buch <em>Heimatlos</em></li>
<li><a href="http://tell-review.de/von-arschloechern-und-opfern/" target="_blank" rel="noopener">Von Arschlöchern und Opfern</a>. <a href="http://tell-review.de/author/sieglinde-geisel/" target="_blank" rel="noopener">Sieglinde Geisel</a> über eine Diskussion im Literarischen Colloquium Berlin</li>
<li><a href="http://tell-review.de/wider-die-verhunzung-des-konservatismus/" target="_blank" rel="noopener">Wider die Verhunzung des Konservatismus</a>. <a href="http://tell-review.de/author/herwig-finkeldey/" target="_blank" rel="noopener">Herwig Finkeldey</a> zur politischen Entwicklung von Thomas Mann</div></div></li>
</ul>
<p><strong>Anselm Bühling: </strong>Ich finde Ulrich Greiners Buch <em>Heimatlos</em> gedanklich bestürzend schlampig und darin auch wieder symptomatisch. Denn es ist vor allem ein Befindlichkeitsdokument. Zwar ist es ganz in Ordnung, seinen Befindlichkeiten Ausdruck zu verleihen. Aber ich wünsche mir keine Politik, die sich in erster Linie an solchen Befindlichkeiten orientiert – ob es nun Greiners Befindlichkeiten sind oder meine oder sonst jemandes.</p>
<p><strong>Lars Hartmann: </strong>Dann haben wir beide ein sehr unterschiedliches Buch gelesen. In der Tat: Greiner formuliert eine Sichtweise auf die Welt, teils polemisch und zuspitzend, und damit ist das Buch in gewisser Hinsicht nichts weiter als eine Meinung. Das zeigt bereits der auf Subjektivität deutende Untertitel „Bekenntnisse“ an. Wir denken dabei an Augustinus und Rousseau, womit wir voll im europäischen und eben nicht nur im völkischen Kontext von Kultur sind. Diese Ausführungen macht Greiner nicht schlampig. Er führt Gründe für seine Sicht an – die man teilen kann oder eben nicht. Ich gehöre zu denen, die sie in weiten Passagen teilen. Du teilst sie nicht. Ich halte beispielsweise Merkels Einwanderungspolitik vor zwei Jahren (offene Grenzen ohne Absprache mit EU-Partnern) für verheerend. Aber in Bezug auf die Fragen handelt es sich um Überzeugungen und Sichtweisen.</p>
<h3>Kultur und Identität</h3>
<p><strong>A.B.:  </strong>Wo es um Kultur geht, enthält das Buch sachkundige und differenzierte Passagen – hier ist Greiner erkennbar zu Hause, also gerade nicht heimatlos. Und seine Bedenken in Sachen Sterbehilfe und Reproduktionsmedizin sind mir teilweise nahe.<br />
In anderen Bereichen finde ich das Buch eher deprimierend. Zwei Kapitel befassen sich mit Identität – eins mit &#8222;deutscher&#8220; Identität, an der dem Autor offenkundig liegt, und eins mit linker Identitätspolitik, die er mit den Argumenten des  Politikwissenschaftlers Mark Lilla kritisiert. <span class="pull-right">Kultur ist ein Können, eine lang eingeübte Praktik.<br />
<em>Lars Hartmann</em></span>Dass es einen Zusammenhang zwischen beidem gibt, scheint Greiner nicht aufgefallen zu sein. Die Räsonnements zum Eigenen und zum Fremden, zur Leitkultur und zur Islamkritik, sind Elemente einer Ausgrenzungslogik, die Greiner an keiner Stelle wieder einfängt. Da geht es darum, die Gesellschaft in Menschen erster und zweiter Klasse einzuteilen: auf der einen Seite die Träger der Leitkultur und auf der anderen Seite die Kulturfremden, die a priori im Verdacht stehen, Gegner dieser Leitkultur zu sein und die diesen Verdacht durch fortlaufende Anpassung immer wieder von Neuem ausräumen müssen.</p>
<p><strong>L. H.:  </strong>Gerade in der Identitätspolitik differenziert Greiner und führt Argumente an: Er redet dem Eignen nicht als reinem Selbstzweck das Wort, damit alles rassisch schön rein bleibt –  genau diese Sicht hält er für Quatsch. Deutsche Kultur ist allerdings ein Traditionszusammenhang, der sich in der Geschichte aufbaute und sich kontinuierlich entwickelt hat, oft in mühevollen Kulturkämpfen. Das hat nichts mit Ausgrenzungslogik zu tun, sondern damit, dass man in diese Dinge hineinwachsen muss. Kultur ist ein Können, eine lang eingeübte Praktik.</p>
<h3>Islam und Christentum</h3>
<p><strong>A.B.: </strong>Bei Greiners Islamkritik – und nicht nur bei ihm – fällt mir auf, dass sie sich gerade nicht auf bestimmte Ausprägungen und Ansichten beschränkt, sondern aufs Ganze geht. Es ist eine Sache zu sagen: Ein Religionsverständnis, das Morde und Unterdrückung anderer als gerechtfertigt ansieht, ist inakzeptabel. Es ist eine andere Sache zu sagen: Das Christentum ist unsere Religion, es ist die bessere Religion und gehört hierher; der Islam ist die fremde und schlechtere Religion und gehört nicht hierher. Mit der zweiten Aussage zieht man einen Trennungsstrich: Wer sich in dieser Gesellschaft als Muslim versteht, gehört zunächst einmal nicht dazu, er muss seine Integrationsfähigkeit grundsätzlich unter Beweis stellen.</p>
<p><strong>L.H.: </strong>Die Islamisierung ist in Greiners Sicht nicht einfach eine Behauptung, sondern er begründet, weshalb besonders bei Flüchtlingen aus dem islamischen Kulturraum Probleme bestehen. Dies sind Befürchtungen, die sich nicht einfach beiseiteschieben lassen. Ich lasse hier das komplette Zitat sprechen:</p>
<blockquote><p>Es ist leicht zu sehen, dass der Vorrat solcher Gemeinsamkeiten nicht bei allen zugewanderten Menschen gleich groß ist. Die vielen hunderttausend Flüchtlinge, die 2015 und später nach Deutschland kamen, stammen mehrheitlich aus dem islamischen Kulturkreis, und ihre Vorstellungen von Selbstbestimmung und Meinungsfreiheit unterscheiden sich erheblich von den unsrigen. Die Warnung vor einer Islamisierung ist keineswegs absurd, auch wenn sie von ressentimentgeladenen Demonstranten an die Wand oder auf die Transparente gemalt wurde. Ich zweifle daran, dass die Eingliederung so vieler Menschen, denen unsere Kultur und Geschichte fremd sind, in absehbarer Zeit gelingen kann. Im Übrigen glaube ich nicht, dass es einen generellen Fremdenhass in diesem Land gibt. Kroaten und Polen, Ukrainer und Russen, die hier in nennenswerter Anzahl leben, haben zuweilen mit abschätzigen Reaktionen zu tun, doch nicht mit einer Pogromstimmung – ganz zu schweigen von Japanern, Italienern, Franzosen und vielen anderen Ausländern. Angenommen, Island müsste wegen eines Vulkanausbruchs evakuiert werden, und alle Isländer müssten hier unterkommen– es wäre ein Problem, aber ein lösbares.</p></blockquote>
<p><strong>A.B.: </strong>An diesem Zitat kann ich ganz gut zeigen, wo mir unheimlich zumute wird. Was Greiner nicht explizit sagt, aber insinuiert: Die Anwesenheit bestimmter Menschen &#8222;in nennenswerter Anzahl&#8220; in diesem Land löst eine Pogromstimmung aus; sie stellt ein unlösbares Problem dar. Also sollten solche Menschen nicht &#8222;in nennenswerter Anzahl&#8220; in diesem Land anwesend sein. Und sofern sie da sind, sollten sie verschwinden.<br />
Greiner beschwört hier eine &#8222;Pogromstimmung&#8220; um nahezulegen, dass diejenigen, gegen die sie sich richtet, verschwinden sollten, um das Problem zu lösen. Damit kann man auch die antisemitischen Pogrome im 19. Jahrhundert rechtfertigen. Auch damals war es so, dass in den betreffenden Orten „in nennenswerter Anzahl“ Menschen mit einem anderen kulturellen Hintergrund lebten. Ob Greiner das bewusst ist oder nicht: Man darf ihm so etwas nicht durchgehen lassen.</p>
<h3>Differenzen und Einflüsse</h3>
<p><strong>L.H.: </strong>Ich lese aus diesen Sätzen kein Beschwören einer Pogromstimmung heraus, ganz im Gegenteil: Es gibt eine Ablehnung, die auf kulturellen Brüchen und Differenzen beruht. Insofern ist dies ein Plädoyer dafür, dass wir uns sehr genau überlegen und prüfen sollten, wenn wir uns dauerhaft ins Land holen.<br />
Die Unterscheidung zwischen dem Eigenem und dem Fremdem ist teils ausgrenzend, da gebe ich dir Recht. <span class="pull-left">Ist es schon &#8218;Islamisierung&#8216;, wenn die muslimische Minderheit deutlicher präsent ist?<br />
<em>Anselm Bühling</em></span>Doch halte ich diese Apodiktik für keinen Fehler, und das von dir kritisierte Zitat lese ich nicht inkriminierend. Die hier lebenden Muslime haben sich an die bestehenden Gesetze zu halten, sie sind Bürger dieses Landes mit einer bestimmten Kultur, mögen sie glauben, was sie wollen. Etwas moderater sehe ich es, was die Förderung von liberalen Strömungen im Islam betrifft. Hier sollte ein Staat fördern, helfen, unterstützen. Nicht aus moralischen Gründen, sondern rein pragmatisch, um den Laden ruhig zu bekommen.</p>
<p><strong>A.B.: </strong>Was mich an dem Zitat beunruhigt, gilt für das ganze Buch: Greiner schränkt eben nicht klar ein. Es geht ihm um viel mehr als nur darum, dass bestimmte Verhaltensweisen nicht toleriert werden dürfen – Übergriffe gegen Frauen, Schwulenfeindlichkeit, Antisemitismus, Zwangsverheiratung, you name it. Es geht ihm darum, den Unterschied zwischen dem christlichen und dem islamischen Kulturraum möglichst fundamental darzustellen. Und es geht ihm darum, die Gefahr einer &#8218;Islamisierung&#8216; zu vermeiden. Was er darunter genau versteht, sagt er nicht. Hält er die deutsche und europäische Kultur für so schwach, dass sie angesichts einer etwas größeren muslimischen Minderheit in sich zusammensackt und es zu einem Houellebecqschen Unterwerfungsszenario kommt?  Oder ist es für ihn schon &#8218;Islamisierung&#8216;, wenn diese Minderheit im öffentlichen Leben deutlicher präsent ist?<br />
Greiner sagt an keiner Stelle unmissverständlich: Ich habe kein Problem mit Muslimen, die hier leben und arbeiten und sich an die Gesetze halten. Er sagt an keiner Stelle, was du oben sagst, nämlich dass man auf liberale Strömungen innerhalb des Islam aktiv zugehen und sie fördern sollte.</p>
<h3>Trittbrettfahrer?</h3>
<p><strong>Sieglinde Geisel: </strong>Wenn ich eure Diskussion verfolge, erkenne ich folgenden Grundkonflikt: Welche Sorgen sind berechtigt (um das Land, die Heimat, die Zukunft), und was ist inszenierte Bedrohung und manipulative Angstmacherei? Die Neue Rechte lebt von der Angst, deshalb baut sie systematisch Bedrohungsszenarien auf. Intellektuelle wie Greiner springen auf dieses Trittbrett auf. Symptomatisch ist ja auch, dass Greiner sein Konservativsein als „Lebensgefühl“ beschreibt, nicht als eine politisch durchdachte Haltung.<br />
Ich finde interessant, was Greiner mit dem Begriff „konservativ“ verbindet und für sich in Anspruch nimmt: Es gehe darum, „dem Vergessenen und Verlorenen zu seinem Recht [zu] verhelfen“. Er hält es für konservativ, dass er „die bedeutenden Kunstwerke unserer reichen Vergangenheit mit größerer Aufmerksamkeit als früher“ rezipiert. Als würden Linke keine Klassiker lesen!<br />
Sogar der Glaube ans ewige Leben gehört zu seinem Konservativsein. Greiner bemüht dazu das Bibelzitat „Denn Staub bist du, und zu Staub kehrst du zurück“ und sagt dazu im Anschluss:</p>
<blockquote><p>Was nach dem Staub war und was vor dem Staub gewesen sein wird, ist in jedem Fall mehr als das schiere Nichts. – Dies ist vermutlich der allerkonservativste Gedanke meiner konservativen Bekenntnisse.</p></blockquote>
<p>Ich würde das Wort konservativ hier gern durch spirituell ersetzen.<br />
Am meisten wundert mich die Art und Weise, wie Greiner das Christentum für die konservative Sache vereinnahmt. Die Bergpredigt scheint er auszublenden, sonst dürfte er nicht nur das Eigene gegen das Fremde verteidigen, sondern müsste sich auch um das Schicksal der „Geringsten“ kümmern, derjenigen, die tatsächlich ihre Heimat verloren haben. Dieser Heimatlose, der jeden Abend in sein warmes Bett steigen kann, spricht davon mit keinem Wort.<br />
Ich erinnere mich an die Diskussion, die wir an der tell-Redaktionssitzung über Greiners <em>Heimatlos</em> geführt haben. Nach ein paar Flaschen Wein stand auf einmal ein Wort im Raum: „Schein-Rationalität“. Google kennt nur Scheinrabatte, Scheinriese, Scheinschwangerschaft, Scheinselbständigkeit. Offenbar ein neues Wort, das wir dringend brauchen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h6 style="text-align: right;"><em>Beitragsbild: Greifensee, MS Heimat</em><br />
<em> Von Roland Zh (Eigene Arbeit) [<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0">CC BY-SA 3.0</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AGreifensee_-_MS_Heimat_IMG_2523.jpg">via Wikimedia Commons</a></em></h6>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
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		<title>Unheilige Allianzen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hartmut Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Oct 2017 10:12:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Konservatismus]]></category>
		<category><![CDATA[PC]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Literaturkritiker Ulrich Greiner legt mit "Heimatlos" eine konservative Bekenntnisschrift vor. Sein Verständnis des Konservatismus erliegt jedoch immer wieder den Erzählungen der Neuen Rechten.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">Was heißt es heute, konservativ zu sein? Warum fühlen sich Intellektuelle von diesem Denken angezogen, und wo liegt die Grenze zum Rechtspopulismus? Mit diesen Fragen setzt sich tell in einer Reihe von Beiträgen auseinander.</p>
<p>Bisher erschienen:</p>
<ul>
<li><a href="http://tell-review.de/berechtigte-sorgen-oder-angstmacherei/" target="_blank" rel="noopener">Berechtigte Sorgen oder Angstmacherei? </a>Eine Debatte über Ulrich Greiners <em>Heimatlos</em></li>
<li><a href="http://tell-review.de/von-arschloechern-und-opfern/" target="_blank" rel="noopener">Von Arschlöchern und Opfern</a>. <a href="http://tell-review.de/author/sieglinde-geisel/" target="_blank" rel="noopener">Sieglinde Geisel</a> über eine Diskussion im Literarischen Colloquium Berlin</li>
<li><a href="http://tell-review.de/wider-die-verhunzung-des-konservatismus/" target="_blank" rel="noopener">Wider die Verhunzung des Konservatismus</a> – <a href="http://tell-review.de/author/herwig-finkeldey/" target="_blank" rel="noopener">Herwig Finkeldey</a> zur politischen Entwicklung von Thomas Mann<br />
</div></div></li>
</ul>
<p><span class="dropcap">W</span>as mach&#8216; ich nur mit diesem Buch? Immer wieder möchte ich innerhalb weniger Zeilen ein kleines „Er hat ja Recht“ und dann ein großes „Oh je“ annotieren.</p>
<p>Die Grundstruktur des Buchs ist rasch erklärt: Ulrich Greiner versteht sich als Konservativer, und zwar als ex-linker: Ein Kapitel ist seiner Heimkehr zum Konservatismus speziell wegen 1989 gewidmet. Greiner konstatiert eine kulturelle Hegemonie der Linken, die ihn, so der Buchtitel, „heimatlos“ mache. Es geht um Genderismus und Multikulturalismus, um die Stellung des Christentums und die Leitkulturdebatte, aber auch um den Selbstoptimierungswahn und, nicht zuletzt, um die Ehe für alle, die Greiner aufs Absurdeste mit der Debatte um die künstliche Befruchtung verquickt. Nichts daran ist wirklich neu, das alles konnten wir in den letzten Jahren immer wieder nachlesen, verstärkt seit Trumps Wahlsieg – ganz abgesehen davon, dass der Kulturkampf zwischen „links“ (wie immer das verstanden wird) und „konservativ“ (was immer das sei) seit Jahrzehnten schwelt, man denke etwa an Heinrich Böll versus Peter Boenisch.</p>
<h3>Das Wahre im abgrundtief Falschen</h3>
<p>Nur schüttet Greiner das Kind immer wieder schwungvoll mit dem Bade aus. Wer jetzt an die pseudofeministische Debatte über das <a href="http://tell-review.de/im-inneren-des-gedichts/" target="_blank" rel="noopener">Gomringer-Gedicht </a>denkt oder sich an die Treibjagd auf <a href="http://www.sueddeutsche.de/medien/westfalen-blatt-kolumnistin-barbara-eggert-ich-kann-nichts-homophobes-an-meinem-text-finden-1.2491169" target="_blank" rel="noopener">Barbara Eggert</a> erinnert, der weiß: Bestimmte Spielarten dekonstruierenden Denkens sind längst zur Neo-Inquisition mutiert. Den Gender-Gaga beispielsweise empfinde auch ich als schwer erträglich. An dieser Stelle wird auch verstehbar, warum die AfD für eine bestimmte Spielart konservativer Intelligenz so attraktiv ist, Stichwort Marc Jongen, seines Zeichens Philosoph und AfD-Funktionär.</p>
<p>Denn genau das ist das Problem, das wir mit der Neuen Rechten haben: Man kann ihr immer wieder diese Momente des Wahren im abgrundtief Falschen attestieren. Mit anderen Worten: Die Feminismuskritik Greiners zielt nicht völlig daneben, und doch geht sie völlig fehl. Denn Greiner tut (nicht anders als Marc Jongen) eben so, als zappele tatsächlich ganz Deutschland hilflos und dauerhaft im Würgegriff der PC. Gibt es islamistischen Terror? Offenkundig ja! Und natürlich muss man die islamische Welt damit konfrontieren. Aber einen islamistischen Masterplan, Europa zu überrennen, den gibt es eben nicht. Gab es vor 1989 Linke, die die DDR verharmlost haben? Ja, gab es. Aber es hat doch nicht „die“ bundesdeutsche Linke den Ostblock verharmlost – oder zählen Heinrich Böll, Peter Rühmkorf und Günter Grass nicht mehr? Ulrich Greiner erliegt den Erzählungen der Neuen Rechten immer wieder, weil er einige kleine Wahrheiten für das ganze Bild hält. So ist er etwa der Pegida-Lüge aufgesessen, nach der man nicht mehr Weihnachtsmarkt sagen dürfe, sondern Wintermarkt sagen müsse. Dieser peinliche Missgriff ist kein Zufall. Greiner tappt hier in eine selbst gestellte Falle. Zwar grenzt er sich glaubwürdig gegen AfD und Pegida ab, doch inhaltlich gebärdet er sich bisweilen wie ein AfD-Pressesprecher. Sogar den ersichtlich absurden „Lügenpresse“-Vorwurf will er zumindest „ernst nehmen“.</p>
<h3>Kulturelle Hegemonie der Linken?</h3>
<p>„Die“ Linke übt also seit Jahrzehnten kulturelle Hegemonie aus, „links-grün versifft“ nennt es die AfD, und wieder unterscheiden sich Greiner und AfD nur noch in der Wortwahl. Aber wo ist sie denn, die kulturelle Hegemonie der Linken? In Fernsehrunden, mit einem Claus Strunz als Moderator? Und wenn wir an Antonio Gramsci denken: Wie viel reale Macht hat die Linke denn dank ihrer angeblichen kulturellen Hegemonie generieren können? Schon Böll spottete über Boenischs These von der Vormacht der Linken (die These ist uralt, schon Thomas Manns Betrachtungen lebten von ihr): Man erinnere sich, so Böll sarkastisch, immer noch an die jubelnden Volksmassen, die den studentischen Protest 68 begleitet hätten. Das gilt auch heute: Angesichts der Debatte könnte man meinen, die G20-Proteste seien von flächendeckendem Verständnis begleitet gewesen.</p>
<p>Ich hätte so gerne ein echtes konservatives Bekenntnis gelesen, finde aber wieder nur Vorurteile, Meinungsmulm, verquere Gedanken. Sogar de Maizières „Leitkultur“-Vorstellung wird bedingungslos gelobt. Greiner sollte es besser wissen: In einer Demokratie kann es keine Leitkultur geben, es sei denn um den Preis ihrer gewaltsamen Verordnung. Und natürlich gehört der Islam zu Deutschland, ob das Greiner nun schmeckt oder nicht, die Muslime leben ja hier. Und Goethe, Hitler, Kukucksuhren, Lederhosen, das Satiremagazin „Titanic“ sowie Bielefeld-West gehören ebenfalls zu Deutschland, denk mal an! Sogar Greiner und ich gehören dazu.</p>
<h3>Wutbürgerrede</h3>
<p>Konservatismus ist eine Haltung, die weiß, dass der Mensch sehr konkret, sehr widersprüchlich, sehr geschichtlich, sehr verletzlich ist. Eine Haltung, die weiß, wo sie auch mal fünf gerade sein lassen kann. Eine solche Haltung habe ich immer schon als Antidot gegen jene gemeingefährlichen linken Mythen empfunden, die seit 1789 davon träumen, im Glutofen der Revolution den neuen Menschen schmieden zu können.</p>
<p>Doch Greiner erliegt einem alten konservativen Minderwertigkeitskomplex, nämlich dem Glauben, aus der Zeit gefallen zu sein. Lebt das gesamte konservative Ethos inzwischen allein davon? Das wäre schade. Das Humanisierende, das Dämpfende, das dem konservativen Denken in seinen besten Momenten eignet – davon findet sich nichts in Greiners Buch. Ich sehe nur eine Wutbürgerrede, die fast alle derzeit bespielten Vorurteile wiederholt. Schon immer ist der Konservatismus unheilige Allianzen eingegangen, wenn er nichts mehr zu sagen hatte und sich aufs bloße Nörgeln verlegte.<br />
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"><br />
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><br />
Ulrich Greiner<br />
<strong>Heimatlos. Bekenntnisse eines Konservativen</strong><br />
Rowohlt Verlag 2017 · 160 Seiten · 19,95 Euro<br />
ISBN: 978-3498025366<br />
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</div></div></p>
<h6 style="text-align: right;"><em>Beitragsbild:</em><br />
<em> German garden gnome</em><br />
<em> By Colibri1968 at English Wikipedia (Transferred from en.wikipedia to Commons.)<br />
[Public domain], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AGerman_garden_gnome.jpg">via Wikimedia Commons</a></em></h6>
<hr />
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		<title>Wider die Verhunzung des Konservatismus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Sep 2017 09:18:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Konservatismus]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Thomas Mann war ein gefallener Konservativer: 1914 gehörte er zu den Kriegsbegeisterten, von den Nationalsozialisten jedoch war er angewidert. Die Debatten der 1930er Jahre erinnern auf unheimliche Weise an heutige Diskussionen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">Was heißt es heute, konservativ zu sein? Warum fühlen sich Intellektuelle von diesem Denken angezogen, und wo liegt die Grenze zum Rechtspopulismus? Mit diesen Fragen wird sich tell in einer Reihe von Beiträgen auseinandersetzen. Zum Auftakt ein Blick in die Geschichte: Wie hat sich Thomas Manns konservative Haltung angesichts der Zeitläufte verändert?</p>
<p>Weitere Beiträge:</p>
<ul>
<li><a href="http://tell-review.de/unheilige-allianzen/" target="_blank" rel="noopener">Unheilige Allianzen</a>. <a href="http://tell-review.de/author/hartmut-finkeldey/" target="_blank" rel="noopener">Hartmut Finkeldey</a> über Ulrich Greiners Buch <em>Heimatlos</em></li>
<li><a href="http://tell-review.de/berechtigte-sorgen-oder-angstmacherei/" target="_blank" rel="noopener">Berechtigte Sorgen oder Angstmacherei? </a>Eine Debatte über Ulrich Greiners <em>Heimatlos</em></li>
<li><a href="http://tell-review.de/von-arschloechern-und-opfern/" target="_blank" rel="noopener">Von Arschlöchern und Opfern</a>. <a href="http://tell-review.de/author/sieglinde-geisel/" target="_blank" rel="noopener">Sieglinde Geisel</a> über eine Diskussion im Literarischen Colloquium Berlin</li>
</ul>
<p></div></div></p>
<p style="text-align: right;"><span style="font-size: 80%;">Vielleicht braucht man ‚Geschichte’ nur zu erleben, um gründlich den Respekt davor zu verlernen.<br />
<em>Thomas Mann</em></span></p>
<p style="text-align: right;"><span style="font-size: 80%;">&#8230;sie, die dem Land immer nur geschadet haben<br />
<em>Thomas Mann über die deutschnationale Rechte, 1928</em></span></p>
<p><span class="dropcap">Z</span>u Beginn seines öffentlichen Wirkens war Thomas Mann, als Kind seiner Zeit, ein aufgeklärter Konservativer. Sein Konservatismus bot ihm keinen Schutz vor der patriotischen Kriegsbegeisterung. An seinen Bruder Heinrich schrieb er schon im August 1914:</p>
<blockquote><p>Muß man nicht dankbar sein für das vollkommen Unerwartete, so große Dinge erleben zu dürfen?</p></blockquote>
<p>Im November dann hatte Thomas Mann den Höhepunkt seiner Kriegsbegeisterung erreicht. Ebenfalls in einem Brief an seinen Bruder nennt er den Krieg, der seit drei Monaten tobt, einen „großen, grundanständigen, ja feierlichen Volkskrieg“.</p>
<p>In diesem Krieg, so Mann, verteidige sich Deutschlands Kultur gegen die westliche Zivilisation. Denn Kultur und Zivilisation, das sei nicht etwa identisch, sondern ein Widerspruch, sagt er 1914 in „Gedanken zum Kriege“:</p>
<blockquote><p>Kultur ist Geschlossenheit, Stil, Form, Haltung, Geschmack, ist irgend eine gewisse geistige Organisation der Welt, und sei das alles auch noch so abenteuerlich, skurril, wild, blutig und furchtbar. Kultur kann Orakel, Magie, Päderastie <em>[damals ein Synonym für Homosexualität, Anm. d. Red.]</em>, Vitzliputzli, Menschenopfer, orgiastische Kultformen, Inquisition, Autodafés, Veitstanz, Hexenprozesse, Blüte des Giftmordes und die buntesten Greuel umfassen. Zivilisation aber ist Aufklärung, Vernunft, Sänftigung, Sittigung, Skeptisierung, Auflösung…</p></blockquote>
<p>Als Heinrich sich in seinem Zola-Essay sowohl gegen den Krieg als auch gegen den Bruder ausspricht, antwortet Thomas mit <em>Betrachtungen eines Unpolitischen</em>. Das Fallieren des kaiserlichen Deutschlands und die Kriegsniederlage erwischte Thomas Mann ebenso hart wie Millionen andere Deutsche. Die eben noch unumstößlichen Koordinaten sind nun vollkommen aufgelöst.</p>
<h3>Ein gefallener Konservativer</h3>
<p>Thomas Mann flüchtet sich in Idyllen, er schreibt 1918/19 <em>Herr und Hund</em> und <em>Gesang vom Kindchen</em>, kommt dann aber 1922 anlässlich des 60. Geburtstag Gerhart Hauptmanns zurück in die Öffentlichkeit. Und überrascht alle. <em>Von deutscher Republik</em> heißt sein Geburtstagsgruß an Hauptmann, ein Essay nicht frei von antisemitischen Bemerkungen übrigens, in dem er die Grundlage der Republik aus dem Geist der Frühromantik, speziell aus dem Geist Novalis‘ und dessen Verschmelzung mit Walt Whitman erklärt. Ein waghalsiges Unterfangen, aber für einen gefallenen Konservativen die einzige Möglichkeit, intellektuell an die Republik anzudocken. Wir wissen heute zwar, dass Thomas Mann schon vor 1914 dem Kritizismus und Skeptizismus, also der „Zivilisation“, zuneigte. Aber eben nur teilweise. Es ist kein Zufall, dass sein großartiges essayistisches Fragment „Geist und Kunst“ dann eben doch Fragment blieb.</p>
<p>Auch in den erhaltenen Tagebüchern 1918-1921 bemerkt man Manns Schwanken, seine Ausschläge hin zu beiden Seiten. Der freche Reaktionär, der den Arbeitslosen das Arbeiten empfiehlt, steht gleich neben dem Intellektuellen, der den aufkommenden völkisch-politischen Antisemitismus zunehmend kritisch sieht. Für den entscheidenden <em>alternative fact</em> der Weimarer Republik ist Thomas Mann nicht empfänglich: die Dolchstoßlegende.</p>
<h3>Politik als Schaumschlägerei</h3>
<p>Und dann musste Mann, der geistig eben erst selbst in der Republik angekommen war, erleben, was es in den 20er Jahren bedeutete, sich in einer aufgeheizten, sich ständig überschlagenden, ständig beschleunigenden und radikalisierenden politischen Stimmung für internationale Verständigung und für mäßigenden Interessensausgleich einzusetzen. Unmittelbar nach der Rede für Gerhart Hauptmann schreibt er zunächst an den Bruder:</p>
<blockquote><p>Politik umschäumt mich… ich werde als Wahlredner für Eberten verstanden.</p></blockquote>
<p>In konservativer Tradition begreift Thomas Mann Politik weiterhin als Schaumschlägerei. Eine Schaumschlägerei allerdings, die ihn in allen Fasern des Daseins treffen wird – und die auf frappierende Weise an heutige Facebook-Schlachten erinnert.</p>
<p>Zwar konnte Thomas Mann zeitlebens einen gewissen Salonantisemitismus nicht verbergen, womit er bei seinen Zeitgenossen keineswegs allein war. Dennoch erkannte er früh, wie gefährlich der Judenhass der völkischen Bewegung war:</p>
<blockquote><p>Der deutsche Antisemitismus aber, als Produkt und Zubehör eines rassischen Pöbel-Mythos, ist mir in der Seele zuwider und verächtlich. Er ist der Not-Aristokratismus kleiner, sehr kleiner Leute.</p></blockquote>
<p>Man sollte dies nicht als bloß taktische Äußerung eines &#8218;eigentlich&#8216; antisemitisch Gestimmten missverstehen. So gab es Angebote, in konservativen Zeitungen zu schreiben, die damals zugleich fast immer eine antisemitische Tendenz hatten. Arthur Hübscher etwa hatte Thomas Mann 1928 angeboten, wieder bei den „Münchener Neuesten Nachrichten“ mitzuarbeiten. Thomas Mann antwortete:</p>
<blockquote><p>Gewissen Borniertheiten und Bösartigkeiten widerstrebt meine Intelligenz und mein Charakter. Ich mache kein Hehl daraus, daß ich mit Leuten, die bei Rathenaus Ermordung sagten: „Bravo, einer weniger!“ (Münchener Universitätsprofessoren!) nichts zu schaffen haben will, und daß ich die Münchener bürgerliche Presse fürchterlich finde.</p></blockquote>
<h3>&#8222;Verschwärmte Bildungsbarbarei&#8220;</h3>
<p>Auch literarisch reagiert Mann auf die Zeit. 1926 beginnt er an der Arbeit zu <em>Joseph und seine Brüder, </em>ein Roman, der sich mit einem Urmythos des Judentums auseinandersetzt. Ganz explizit erklärte er später, er habe „den Mythos ins Humane umfunktionieren“ wollen, da die Völkischen damals schon begannen, den Mythos für sich zu reklamieren, so etwa in Rosenbergs <em>Mythus des 20. Jahrhunderts</em>. Weiterhin schrieb er seine zweite Italiennovelle <em>Mario und der Zauberer</em>, die 20 Jahre nach <em>Tod in Venedig</em> im mittlerweile faschistischen Italien spielt, und die literarisch den Ursachen der faschistischen Verführungen nachspürt:</p>
<blockquote><p>Die Erinnerung an Torre di Venere ist atmosphärisch unangenehm.</p></blockquote>
<p>Mit diesem Satz beginnt die Novelle. Man geht nicht zu weit, wenn man diese Erinnerung autobiografisch liest, schließlich folgt die Novelle auf einen Italienaufenthalt der Familie Mann.</p>
<p>Bis zu Thomas Manns Emigration wird sich die Stimmung auch in Deutschland zuspitzen. 1930 im September nach der desaströsen Reichstagswahl erkennt Mann, dass der Faschismus auch in Deutschland droht, mehrheitsfähig zu werden. Abermals reagiert er mit einem Essay, <em>Ein Appell an die Vernunft</em>, und er beschreibt, wenn auch versteckt, seinen Anteil an der politischen Bewegung, die eine so „gewaltige Werbekraft“ bewiesen habe:</p>
<blockquote><p>Es findet sich mehr zusammen, um die politische Bewegung, von der wir sprechen, die nationalsozialistische, vom Geistigen her zu erklären. Dazu gehört eine gewisse Philologen-Ideologie, Germanisten-Romantik und Nordgläubigkeit aus akademisch-professoraler Sphäre, die […] auf die Deutschen von 1930 einredet und der Bewegung ein Ingrediens von verschwärmter Bildungsbarbarei hinzufügt, gefährlicher und weltentfremdender, die Gehirne noch ärger verschwemmend <em>[sic!]</em> und verklebend als die Weltfremdheit und politische Romantik, die uns in den Krieg geführt haben.</p></blockquote>
<p>Er sagt es nicht offen, aber es ist eine Selbstkritik hinter diesen Sätzen. Denn auch Thomas Mann hatte eine gefährliche und weltenfremde politische Romantik zu überwinden. Sogar noch dann, als er und seine Familie sich längst außerhalb Deutschlands aufhielten, zunächst noch ohne „offiziellen“ Bruch. Auch hier wieder das Schwanken.</p>
<h3>Das Muster der &#8218;angry white men&#8216;</h3>
<p>Auskunft über dieses Schwanken gibt <em>Leiden an Deutschland. Tagebuchblätter aus den Jahren 1933 und 1934, </em>Thomas Manns nach der Emigration veröffentlichtes redigiertes Tagebuch. Es ist eine Schrift, die im Grunde von der Sprachlosigkeit des Schriftstellers im Angesicht des Faschismus erzählt. Thomas Mann sieht darin das Aufkommen der Völkischen als die „Verhunzung“ aller Werte. Diese Werte fänden sich in verhunzter Form im Nationalsozialismus wieder, der lügenhafterweise behaupte, nur er selbst könne diese angeblich verloren gegangenen Werte neu installieren. Später in <em>Ein Bruder</em>, seinem Essay über den „verhunzten“ Künstler Adolf Hitler, schreibt Thomas Mann über Hitlers Aufstieg:</p>
<blockquote><p>Märchenzüge sind darin kenntlich, wenn auch verhunzt (das Motiv der Verhunzung und der Heruntergekommenheit spielt eine große Rolle im gegenwärtigen politischen Leben): Das Thema vom Träumerhans, der die Prinzessin und das ganze Reich gewinnt…</p></blockquote>
<p>Das ist die Kritik am Nationalsozialismus aus dem Geist des Konservatismus: Nichtswürdige Emporkömmlinge haben sich „ermächtigt“, Deutschland zu führen. Mann nennt sie „wildgewordene Kleinbürger“.</p>
<p>Seine Analyse der Vorgänge wirkt erschreckend aktuell, wir erkennen unsere eigene Zeit wieder. Das Muster der &#8218;angry white men&#8216; schimmert durch, die Wut der Abgehängten, wobei wir es hier eher mit kulturell &#8218;Abgehängten&#8216; zu tun haben. Die Hinwendung Knut Hamsuns zum Faschismus, bald nach 1933, kommentiert Thomas Mann in den Tagebuchblättern:</p>
<blockquote><p>Er ist 75, weiß nicht, was in Deutschland vor sich geht, ist ihm aber großen Dank schuldig und gehört zu der antiliberalen und antistädtischen Geisteswelt, die im Nazitum ihre grauenhafte Verhunzung erfährt.</p></blockquote>
<p>Im Wort „antistädtisch“ steckt ein alter Topos konservativer Kulturkritik: Schon damals hieß es rural versus urban. Man denke an <em>Heidi</em>, schon damals wurde das gute, einfache, saubere Landleben wirkungsvoll mit dem großstädtischen Sünden- und Entfremdungsbabel kontrastiert. Schon damals gab es diesen bis ins Groteske gesteigerten Hass auf Künstler und Intellektuelle, die &#8218;Eliten&#8216;, wie es heute heißt.</p>
<h3>Die verhunzte Intellektualität</h3>
<p>Dieser Intellektuellenfeindlichkeit widerspricht es nur scheinbar, dass nach der sogenannten Machtergreifung die Intellektuellen in Scharen zu den Nazis überliefen. Thomas Mann windet sich in <em>Tagebuchblätter von 1933 und 1934</em> in Ekel vor jenen,</p>
<blockquote><p>die in kläglichen Rausch mit den tollsten Unsinnsreden und &#8218;Beiträgen&#8216; der Psychose nachgegeben und sich vor der Geschichte prostituiert haben.</p></blockquote>
<p>Das Verleugnen vormals getätigter Aussagen ist ihm nur zu bekannt:</p>
<blockquote><p>Es ist ein Lügen, Ableugnen und Nie-so-etwas-gesagt-haben-wollen, daß Gott erbarm.</p></blockquote>
<p>Über die Verrohung des Denkens ins Schwarz-Weiße hinein, in das Alles oder Nichts, ein Denken, das kein Sowohl/als auch mehr kennt, schreibt Mann in den Tagebuchblättern:</p>
<blockquote><p>Die Primitivisierung. Die Nuance als das rote Tuch.</p></blockquote>
<p>Über die Rolle der Intellektuellen:</p>
<blockquote><p>Jeder Wicht in aller Welt kühlt heute sein geistiges Mütchen an der Idee der Demokratie.</p></blockquote>
<blockquote><p>Was wird mit diesen Intellektuellen, die es hemmungslos, mit unterworfenen und begeisterten Hirnen mitgemacht haben.</p></blockquote>
<blockquote><p>Die Diktatur wird geleugnet, es wird die Redensart germanische Demokratie dafür eingesetzt. Die Regierung wolle im Volk wurzeln und tue es auch, sei nur Vollstreckerin des Volkswillens et cetera.</p></blockquote>
<p>Thomas Mann meint Messer, Baeumler und Spranger als Sinnbild der verhunzten Intellektualität. Wir denken heute an Jongen, Bannon und Höcke und an Wendungen wie „Merkel-Diktatur“ „links-grün versiffte Politik der Kartell-Parteien“.</p>
<p>Die größte Verhunzung aber betrieben die Nationalsozialisten mit dem Begriff der Revolution.</p>
<blockquote><p>Es war den Deutschen vorbehalten, eine Revolution nie gesehener Art zu veranstalten: ohne Idee, gegen die Idee, gegen alles Höhere, Bessere, Anständige, gegen Freiheit, Wahrheit, Recht. Es ist menschlich nie etwas Ähnliches vorgekommen.</p></blockquote>
<p>Konservative in der Revolte – gibt es einen größeren Widerspruch? Sind Konservative in der Revolte nicht geradezu Ausdruck einer „Revolution ohne Idee“?</p>
<h3>Revolte gegen die Moderne</h3>
<p>Für den Konservativen Thomas Mann war die Revolte gegen die Moderne keine Option. Er konnte sie nur als Verhunzung begreifen, gerade so wie die falsche Romantik, den falschen Mythos eines Alfred Rosenberg, das falsche Künstlertum eines Adolf Hitler. Er hat das Verhängnis dieser Verhunzung früh gesehen, früher als die meisten politisch deutlich weiter links stehenden Schriftsteller der Weimarer Republik.</p>
<p>Einer der Verhunzer, der völkisch orientierte Literaturwissenschaftler Joseph Nadler, schickte Thomas Mann und seinem Bruder Heinrich in seinem vierten Band der <em>Literaturgeschichte des deutschen Volkes</em> einen infamen Gruß in die Verbannung hinterher:</p>
<blockquote><p>…sie <em>[Heinrich und Thomas Mann]</em> sind schließlich hemmungslos oder widerstrebend in jenem Weltverband der Ungesinnten gelandet, die weder Vaterland noch Eigenvolk kennen.</p></blockquote>
<p>So wutbürgerte Joseph Nadler gegen die Brüder Mann und verhunzte sein Fach, die Literaturwissenschaft.</p>
<p>Sind nicht auch heute wieder die Konservativen in der Revolte, verhunzen sich zum Wutbürger? Und ist das gegenwärtige völkische Denken etwas anderes als verhunzter Konservatismus?</p>
<p>Das letzte Wort gehört Thomas Mann. Es sind Worte, die einem auch heute noch den Atem rauben, über 80 Jahre später, so genau beschreiben und antizipieren sie das deutsche Verhängnis. Er schrieb sie in dem offenen Brief an die Universität Bonn, nachdem er, fast zeitgleich mit seiner Ausbürgerung, seine Ehrendoktorwürde der Universität verloren hatte:</p>
<blockquote><p>Sie [die Nazis] haben die unglaubwürdige Kühnheit, sich mit Deutschland zu verwechseln. Wo doch vielleicht der Augenblick nicht fern ist, da dem deutschen Volk das letzte daran gelegen sein wird, nicht mit ihnen verwechselt zu werden.</p></blockquote>
<p>Mitarbeit: <a href="http://tell-review.de/author/hartmut-finkeldey/" target="_blank" rel="noopener">Hartmut Finkeldey</a></p>
<h6 style="text-align: right;"><em>Beitragsbild: Anselm Bühling </em><br />
<em>unter Verwendung einer Fotografie von Carl van Vechten </em><br />
<em>(Public domain, <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AThomas_Mann_1937.jpg">via Wikimedia Commons</a>)</em></h6>
<hr />
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