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	<title>Ukrainekrieg &#8211; tell</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
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	<title>Ukrainekrieg &#8211; tell</title>
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		<title>Krieg oder kein Krieg?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hartmut Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Mar 2022 07:57:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Pazifismus]]></category>
		<category><![CDATA[Putin]]></category>
		<category><![CDATA[Ukraine-Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Ukrainekrieg]]></category>
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					<description><![CDATA[Lässt sich angesichts von Putins Angriffskrieg noch pazifistisch argumentieren? Soll man der Ukraine zum Widerstand bis zum Äußersten raten? Was man aus dem Vergleich mit den dreißiger Jahren lernen kann.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">



<p class="wp-block-paragraph">tell ist ein „Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft“. Als Zeitgenossen dürfen wir nicht schweigen, wenn die Zeit aus den Fugen gerät. </p>



<p class="wp-block-paragraph">In der vierten Woche von Putins Krieg gegen die Ukraine und die ganze Welt bringen wir persönliche Beiträge zum Krieg. </p>



<ul class="wp-block-list">
<li>21. März 2022: <a rel="noreferrer noopener" href="https://tell-review.de/wir-sind-keine-zuschauer/" target="_blank">Wir sind keine Zuschauer</a> (Anselm Bühling)</li>



<li>22. März 2022: <a href="https://tell-review.de/das-boese-in-der-politik/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Das Böse in der Politik</a> (Herwig Finkeldey)</li>



<li>25. März 2022: <a href="https://tell-review.de/wird-schoenheit-die-welt-retten/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wird Schönheit die Welt retten?</a> (Agnese Franceschini)</li>



<li>26. März 2022: <a rel="noreferrer noopener" href="https://tell-review.de/angriff-auf-den-sinn/" target="_blank">Angriff auf den Sinn</a> (Sieglinde Geisel)</li>
</ul>


</div></div>
</div></div>



<p class="has-drop-cap wp-block-paragraph">Der russische Angriff auf die Ukraine hat mich entsetzt. Ich fand es ehrlich von Habeck, zuzugeben, dass er damit lange Zeit nicht gerechnet habe. Mir ging es genauso. Als die Nachricht kam, war ich einfach nur fassungslos: Selbst aus Putins Sicht, gerade aus seinen Machtinteressen heraus, so glaubte ich bis fast zum Schluss, wäre das doch Wahnsinn. Und ist es ja auch, wie sich jetzt zeigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Putins völkerrechtswidriger Angriffskrieg hat einen naheliegenden Vergleich herausgefordert, nämlich den mit den dreißiger Jahren. Ich war immer <a href="https://tell-review.de/prachtvoller-hass-versus-gutmenschenscheiss/">gegen Vergleichsverbote</a>, denn vergleichen heißt ja nicht in eins setzen, sondern parallelisieren – und schauen, wie weit man damit kommt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so nähere auch ich mich diesem Krieg mit drei Zitaten aus den dreißiger bzw. vierziger Jahren: zwei bekannten Zitaten emigrierter deutscher Schriftsteller – Klaus Mann und Bertolt Brecht –, und einem in Deutschland vielleicht weniger bekannten Zitat von George Orwell.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Radikaler Pazifismus</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In seiner Autobiographie <em>Der Wendepunkt</em> berichtet Klaus Mann, wie er im Sommer 1940 kurz nach Hitlers Sieg im Westen mit seinem alten Freund Christopher Isherwood aneinandergeriet. Die beiden kannten sich schon aus Berlin. Isherwood gehörte mit W. H. Auden und Klaus Mann u.a. zur den frühen Protagonisten der Schwulenbewegung. Dass Isherwood als Schwuler und als Weltbürger kein Nazi-Sympathisant war, steht außer Diskussion. Seit Ende der dreißiger Jahre näherte sich Isherwood ostasiatischen Weisheitslehren an (oder dem, was er dafür hielt). In diesem Rahmen entwickelte er einen Radikal-Pazifismus: Krieg ist immer schlecht, und zwar jeder Krieg, auch der gegen Hitler. (Krieg weglächeln, Gewalt wegmeditieren – dieser herzensgut gemeinte Unfug ist keineswegs neuesten Ursprungs!)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klaus Manns Gegenargument:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Als gesitteter Mensch ist man natürlich Pazifist, was denn sonst. (…) [Aber] ein Krieg, der unvermeidlich geworden ist, lässt sich nicht mehr ‚ablehnen‘, sondern nur noch gewinnen.</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Das Recht auf Selbstverteidigung ist elementar, und welche Mittel der Angegriffene aufwendet, um einen rechtswidrigen Angriff auf sich abzuwehren, ist nicht vorgeschrieben. Wenn die Ukraine so agiert, wie sie es derzeit tut, ist das ihr gutes Recht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Moral posing</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das zweite Zitat stammt von Bertolt Brecht, und von hier an wird die Geschichte kompliziert:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Dabei wissen wir doch:<br>Auch der Haß gegen die Niedrigkeit<br>verzerrt die Züge.</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Genau das ist derzeit zu beobachten. Auf Social Media, in den etablierten Medien, auch auf einer Website wie „Zentrum liberale Moderne“. Den Verteidigungskrieg der Ukraine für legitim halten – was er trivialerweise ist –, ist das eine. Das andere: Jeder Krieg, auch der gerechte, verändert uns. Das <em>moral posing</em>, in dem sich nun viele als kleine Churchills gerieren, klingt mir wie die neueste Variante des nachgeholten Widerstands. Auf <a href="https://www.youtube.com/watch?v=gRptIoJ3cSE">„Bild-TV“</a> werden im Bewunderungsgestus Videos mit Angriffen auf russische Panzer gezeigt, in denen, so müssen wir annehmen, russische Soldaten sterben. Selbsternannte Generalstabsoffiziere geben detaillierte Tipps („nicht nur Stinger, sondern auch weitreichende Fla-Raketen“). Literarisch Gebildete spielen auf Ernst Jünger an. Wer auch nur um zwei Winkelminuten von der Linie abweicht, wer etwa nach dem rechtsextremen Asov-Regiment fragt oder nach der Rolle ukrainischer Oligarchen, muss sich als „Putin-Versteher“ anrempeln lassen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Vietnamisierung der Ukraine</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn wir die heutige Situation mit den dreißiger Jahren vergleichen, also mit Chamberlains Appeasement und Churchills Warnungen, dann müssen wir neben den Parallelen auch die Differenzen im Blick behalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den Parallelen hat mein <a href="https://tell-review.de/das-boese-in-der-politik/">Bruder</a> schon vieles gesagt. Putin (und seine Entourage, er agiert ja nicht allein) fühlt sich, wie die extreme Rechte der Weimarer Republik, zu kurz gekommen, und auch er lädt dieses Gefühl mit einer Ideologie auf, die den Kontakt zur Realität längst abgebrochen hat: Er identifiziert „Schuldige“ für die empfundenen Defizite und hält „Lösungen“ des gar nicht existierenden „Problems“ allein per Gewalt für möglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt aber auch Unterschiede. Der erste Unterschied ist der entscheidende: Hitler hatte keine Atombombe, punkt. Nazi-Deutschland war die Apotheose des Grauens, primus inter pares aller verluderten Politverbrecher, und verfügte leider über eine militärisch kompetente Armee. Aber Nazi-Deutschland war besiegbar. Die Atommacht Russland ist das nicht. Aus heutiger Sicht wissen wir: Es wäre 1938 besser gewesen, den Krieg zu riskieren. So unvorbereitet England und Frankreich waren – das militärische Potenzial Nazi-Deutschlands wurde massiv überschätzt; auch Deutschland war keineswegs kriegsbereit. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Es bleibt natürlich Spekulation, aber Einiges spricht dafür, dass Hitler 1938 in dem schwierigen sudetendeutschen Gelände sein Ukraine-Erlebnis gehabt hätte. Nur kann diese Erkenntnis nicht auf den Ukrainekrieg übertragen werden. Die Nato kann nicht direkt eingreifen – sie hat das ja auch sofort erklärt –, und Putin weiß das auch. Ist es eine gute Idee, die Ukraine sich weiter opfern zu lassen, wie es z.B. das <a href="https://libmod.de/gressel-stand-der-russischen-invasion-ukraine/">„Zentrum liberale Moderne</a>“, aber auch viele social media-Nutzer, unverhohlen fordern? Ist es eine gute Idee, den Krieg durch die Unterstützung der Ukraine zu einer jahrelangen tödlichen Gemengelage zu machen, die Ukraine gewissermaßen zu vietnamisieren?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kriegsvorbereitungen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der zweite Unterschied: Große Teile des deutschen Volks, will sagen, große Teile unserer Vorfahren, waren einfach vom Teufel geritten und machten fanatisch mit, bis zum Abwinken. Davon kann, soweit sich derzeit sagen lässt, in Russland so nicht die Rede sein. Es gibt Zustimmung für Putin, leider, aber sie ist nicht grenzenlos, es sind nicht die neunzig Prozent, die wir bei Hitler auf dem Höhepunkt seiner Popularität veranschlagen dürfen. Die Widerstandskräfte in Russland – wer denkt jetzt nicht an <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Marina_Wladimirowna_Owsjannikowa" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Marina Ovsiannikova</a> – gilt es zu stärken. Es gibt in Russland eine Mittelschicht, die Europa nicht angreifen, sondern als Touristen bereisen will.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Übrigens bewertet man die Appeasement-Politik Chamberlains inzwischen differenzierter. Die jahrzehntelang gepflegte Erzählung – der Trottel Chamberlain ließ sich von Hitler übern Tisch ziehen – dürfte in dieser Ausschließlichkeit nicht haltbar sein. England hatte sehr wohl begriffen, dass es um eine Auseinandersetzung mit Nazi-Deutschland nicht herum kommen würde und nutzte seine durch Appeasement gewonnene Zeit für umfangreiche Vorbereitungen. Chain Home (das englische Radarsystem, das der deutschen Luftwaffe 1940 eine Überraschung nach der anderen bereitete) wurde unter Chamberlain errichtet, nicht unter Churchill. Auch die Nato bereitet sich ja seit Jahren vor. Die derzeitige Wehklage, man sei so naiv und unvorbereitet gewesen, nehme ich angesichts der Nato-Manöver, die es seit Jahren an der Nato-Ostgrenze gibt, nicht ernst. Putin zu signalisieren, dass man massiv aufrüsten werde, ist als Geste wohl richtig, sollte aber nicht verbunden werden mit einer Kriegsrhetorik, die ihrerseits alle Brücken abbricht und jeden Friedensvorschlag als Defätismus denunziert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Krieg als das kleinere Übel?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Denn: Appeasement, also der Glaube an Verhandlung, Vermittlung, Ausgleich, ist gleichsam die Demokratie selbst. Entsprechend problematisch ist es, Verhandlung, Ausgleich, Vermittlung per se mit Schwäche zu assoziieren (der Glaube, ein Parlament sei eine „Quasselbude“, geht in die gleiche Richtung). Tatsächlich wird skrupellose Dreistigkeit immer zunächst billige Siege gegen Demokratie und Humanität einheimsen. Langfristig wird das Prinzip Gewalt – so viel Norbert-Elias-Optimismus bewahre ich mir – aber keine Chance haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was könnte man folgern?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der massive und von Putin so nicht erwartete ukrainische Widerstand war zunächst einmal offenkundig richtig (Klaus Mann). Sich in eine binäre Kriegslogik einzupanzern, ist ebenso offenkundig falsch (Brecht). In seinem Essay „Looking back on the Spanish War“ schreibt George Orwell (es ging ihm auch um die ständig wechselnden Haltungen der westlichen Linken in den Dreißigern – mal hieß es „war is hell“, dann in Spanien wiederum „war is glorious“):</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">We have become too civilized to grasp the obvious. For the truth is very simple. To survive you often have to fight, and to fight you have to dirty yourself. War is evil, and it is often the lesser evil. Those who take the sword perish by the sword, and those who don‘t take the sword will perish by smelly diseases.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wir sind zu zivilisiert geworden, um das Offenkundige zu sehen. Denn die Wahrheit ist sehr einfach. Um zu überleben, muss man häufig kämpfen, und wenn man kämpft, macht man sich schmutzig.&nbsp;Krieg ist böse, nur ist er häufig das kleinere Übel. Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen, und wer nicht zum Schwert greift, stirbt durch faule Kompromisse.</em></p>
</blockquote>



<h2 class="wp-block-heading">Widerstand bis zum Äußersten?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">“Häufig“ muss man kämpfen, aber nicht „immer“. Wenn das wahr ist, dann stellt sich die Frage, wie „wir“ die Ukraine unterstützen. Das ist keine prinzipielle, sondern eine pragmatische Frage. Waffen liefern? Auf eine Verhandlungslösung drängen, mit massivem Druck auf Putin? Die Frage sollte sein, was für die Ukraine das Beste ist, nicht, was unserem öffentlich inszenierten Gewissen moralisch am besten schmeckt (Sie lesen gerade einen Beitrag dazu!). Englands Durchhalten 1940 war richtig, Golo Mann bezeichnete dieses Durchhalten als „imposant, das einzig menschlich große Ereignis“ jener Jahre. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber erliegen einige hier nicht doch einer allzu undifferenzierten Parallelisierung?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich gebe <a href="https://vimeo.com/683720956#t=2h14m00s">Tanja Maljartschuk</a> und <a href="https://tell-review.de/wir-sind-keine-zuschauer/">Anselm Bühling</a> recht: Wir urbanen Großstadtintellektuellen haben das nicht zu entscheiden, auch moralisch nicht. Ob es aber die Militärs allein entscheiden sollten? „Der dritte Weltkrieg wird die Ukraine auch nicht retten“, zitiert Anselm Bühling Tatjana Maljartschuk, und auch das stimmt zweifellos. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht bin ich „zu weich“ aufgewachsen, im sicheren Schoß der alten Bundesrepublik, was immer das heißen mag. Aber ich habe nicht den Maulheldenmut, der Ukraine Widerstand bis zum Äußersten anzuraten.</p>



<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: Christine ten Winkel / photocase.de</h6>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<div class="wp-block-image"><p align="center"><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady"/></a></p></div>
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		<title>Das Böse in der Politik</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Mar 2022 07:44:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
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					<description><![CDATA[Was verbindet Putin mit Hitler? Beide Kriegsverbrecher deklarierten ihre Motive ganz offen, und beide wurden nicht ernst genommen. Müssen wir wieder lernen, mit dem Bösen zu rechnen? ]]></description>
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<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">



<p class="wp-block-paragraph">tell ist ein „Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft“. Als Zeitgenossen dürfen wir nicht schweigen, wenn die Zeit aus den Fugen gerät. </p>



<p class="wp-block-paragraph">In der vierten Woche von Putins Krieg gegen die Ukraine und die ganze Welt bringen wir persönliche Beiträge zum Krieg. </p>



<ul class="wp-block-list">
<li>21. März 2022: <a href="https://tell-review.de/wir-sind-keine-zuschauer/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wir sind keine Zuschauer</a> (Anselm Bühling)</li>



<li>24. März 2022: <a href="https://tell-review.de/krieg-oder-kein-krieg/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Krieg oder kein Krieg?</a> (Hartmut Finkeldey)</li>



<li>25. März 2022: <a href="https://tell-review.de/wird-schoenheit-die-welt-retten/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wird Schönheit die Welt retten?</a> (Agnese Franceschini)</li>



<li>26. März 2022: <a rel="noreferrer noopener" href="https://tell-review.de/angriff-auf-den-sinn/" target="_blank">Angriff auf den Sinn</a> (Sieglinde Geisel)</li>
</ul>


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<p class="has-drop-cap wp-block-paragraph">Der Vergleich Hitler-Putin ist in aller Munde. Er trifft – und trifft in manchen Punkten auch nicht, wie das bei Vergleichen komplexer historischer Situationen eben so ist. Die gescheiterte Appeasement-Politik ist sicherlich ein Punkt, wo der Vergleich zutrifft, ebenso der militärische Überfall und seine kruden völkischen Begründungen. Nicht zu passen scheint hingegen die militärische Reaktion der Ukraine. Doch der entscheidende Unterschied zwischen heute und 1939 ist die Bedrohungslage. Mit der A-Bombe im Hintergrund werden die Churchill-Träume mancher Hobbystrategen auf Facebook Makulatur.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ignoranz gegenüber Putin</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Wichtigste an dem Vergleich zwischen Putin und Hitler ist jedoch etwas anderes: Der Umstand, dass dieser Vergleich nicht mehr verboten ist. Wurden vormalige Vergleiche noch als unsensibel und nicht selten als unpassend abgewunken, hört man davon in der aktuellen Situation nichts mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wann war für westliche Nachrichtenkonsumenten und Social-Media-Besserwisser erkennbar, dass ein solcher Vergleich legitim ist? Erst am Morgen des 24. Februar 2022? Sind wirklich alle im Westen an diesem 24. Februar 2022 „in einer anderen Welt aufgewacht“? Daraus ergäbe sich der Vorwurf der jahrzehntelangen Ignoranz gegenüber Putin. Ein Vorwurf, für den einiges spricht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie konnte es geschehen, dass wir die Absichten Putins so lange ignoriert haben? Vielleicht waren wir abgelenkt von Themen, die man ebensowenig ignorieren durfte. Genannt seien der Bürgerkrieg in Syrien mit nachfolgender Flüchtlingskrise 2015/16, die Klimakrise, das Hochkommen neurechter Populisten und natürlich die Pandemie. Diese Themen verbrannten Aufmerksamkeit, also jenen Stoff, der als einziger in unserer Wohlstandswelt Mangelware ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man sich diese Themen allerdings genauer anschaut, merkt man irgendwann, dass sie netzartig zusammenhängen, und zwar in einem Netz, das in allen Aspekten starke Drähte nach Moskau spannt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Putins Kampf gegen den Westen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Putin nutzte die Energiekrise und die politische Naivität Westeuropas, namentlich Deutschlands, aus und profitiert nun von unserer Abhängigkeit. Er unterstützte alle neurechten Demagogen im Westen, sei es, wie im Fall Le Pen, direkt mit Wahlkampfunterstützung, sei es, wie bei Trump, in Form von Wahlkampfmanipulaton. Putin startete (oder ließ starten) eine Desinformationskampagne über Corona. Zudem griff er direkt in den syrischen Bürgerkrieg ein, bombardierte dort Krankenhäuser und Wohngebiete und forcierte damit noch einmal die Flüchtlingskrise. Zuletzt erpressten Putin und Lukaschenko den Westen mit Flüchtlingen an der polnisch-weissrussischen Grenze. Und ganz abgesehen davon hatte Putin bereits in Georgien und in Tschetschenien „territoriale Politik“ in Form von Raubzügen betrieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">All das hat einen ideologischen Überbau: Putins Kampf gegen den Westen und sein Versuch, die Niederlage der Sowjetunion zu revidieren. Schienen diese Zusammenhänge, die nun ein rundes Bild ergeben, vormals vielen zu fantastisch? Ich denke schon. Wenn man auf den Tatbestand der Wahlmanipulation durch Putin 2016 im amerikanischen Präsidentenwahlkampf hinwies, wurde man in den sozialen Medien durchaus schon einmal als Verschwörungstheoretiker geframed.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Mangelnde Vorstellungskraft</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist vielleicht die unheimlichste Gemeinsamkeit zwischen Putin und Hitler: Die Motive ihrer Politik sind dermaßen ins Groteske verzogen, dass man als vernünftiger Mensch zunächst geneigt ist, sie nicht ernst, ja sie noch nicht einmal zur Kenntnis zu nehmen. Und als man merkte, wie ernst die Sache wurde, war es zu spät für eine halbwegs glimpfliche Lösung. Was zunächst beinahe wie eine Verschwörungstheorie wirkte, entpuppte sich als der einzige realistische Blick.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Osteuropäische Intellektuelle wie Ivan Krastev hatten das schon seit Jahren gesehen. Sie erlebten ein ähnliches Phänomen wie die Emigranten aus Deutschland nach 1933. Zunächst wollte niemand ihren vermeintlichen Horrorszenarien Glauben schenken, dann stellten sich diese als glatte Verharmlosung heraus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was folgt daraus? Wie bekommt man die Problematik der falschen Wahrnehmung in den Griff?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Waren wir zu aufgeklärt, um das Böse zu erkennen? Konnten wir uns das Böse einfach nicht mehr vorstellen? Oder wenn doch, dann nur ironisch gebrochen und milde belächelt?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Wiederentdeckung des Bösen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Putin ist sicherlich vieles, aber Ironie ist bei ihm nicht im Spiel. Das Böse ist vielleicht nachgerade das Fehlen jeglicher Ironie, eben weil es so eindeutig ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur wäre dann zu fragen, ob eine durchironisierte Gesellschaft noch in der Lage ist, das Böse zu erkennen. „Irgendwo muß doch noch ein Haken sein“, denken wir, „irgendetwas kann doch hier nicht stimmen.“ So dekonstruieren wir uns das Böse und erkennen es nicht mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diktatoren wie Putin oder Hitler (oder Stalin) kommt man nicht mit ironischen Wendungen bei. Man muss immer die schlimmstmögliche Wendung annehmen. Sie sind klassische Bösewichte, wie man sie sonst nur auf der Theaterbühne sieht, beispielsweise in Shakespeares „Richard III“. Als Churchill 1945 der Welt den Tod von Adolf Hitler mitteilte, zitierte er Shakespeare: „The bloody dog is dead!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr war nicht zu sagen. Schon Thomas Mann fand ja für sich heraus, dass seine Zeit „das Böse wiederentdeckt“ hat. Das gilt nun auch für uns.</p>



<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: Christine ten Winkel / photocase.de</h6>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



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		<title>Wir sind keine Zuschauer</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anselm Bühling]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Mar 2022 09:02:20 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die Ukraine kämpft für das, was für uns Westeuropäer selbstverständlich ist: eine Gesellschaft, in der wir nach unseren Vorstellungen leben können. Welche Verantwortung haben wir in diesem Krieg?]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">tell ist ein „Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft“. Als Zeitgenossen dürfen wir nicht schweigen, wenn die Zeit aus den Fugen gerät. </p>



<p class="wp-block-paragraph">In der vierten Woche von Putins Krieg gegen die Ukraine und die ganze Welt bringen wir persönliche Beiträge zum Krieg. </p>



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<li>22. März 2022: <a href="https://tell-review.de/das-boese-in-der-politik/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Das Böse in der Politik</a> (Herwig Finkeldey)</li>



<li>24. März 2022: <a href="https://tell-review.de/krieg-oder-kein-krieg/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Krieg oder kein Krieg?</a> (Hartmut Finkeldey)</li>



<li>25. März 2022: <a href="https://tell-review.de/wird-schoenheit-die-welt-retten/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wird Schönheit die Welt retten?</a> (Agnese Franceschini)</li>



<li>26. März 2022: <a href="https://tell-review.de/angriff-auf-den-sinn/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Angriff auf den Sinn</a> (Sieglinde Geisel)</li>
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<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:16px"><em>In Erwägung, dass ihr uns dann eben<br>Mit Gewehren und Kanonen droht<br>Haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben<br>Mehr zu fürchten als den Tod</em></p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Bertolt Brecht, Resolution der Kommunarden</p>



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<p class="has-drop-cap wp-block-paragraph">Die Leute leben weiter ihr gewohntes Leben. Sie posten Katzenbilder auf Instagram. Und sie üben schießen.“ Das sagte eine Freundin, die beruflich enge Kontakte in die Ukraine hat, zwei Wochen vor dem russischen Überfall auf das Land.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bedrohung war da schon seit Monaten offensichtlich und zugleich merkwürdig ungreifbar. Etwas würde passieren, aber was? Die US-Regierung warnte immer wieder, ein Angriff auf die gesamte Ukraine stehe unmittelbar bevor. Wusste sie wirklich etwas oder war das ein verantwortungsloses Vabanquespiel?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Frieden schaffen ohne Waffen?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Gedanke, dass sich in der Ukraine nun ganz normale Menschen im Umgang mit Waffen üben, berührte mich unangenehm. Ich bin ein deutsches Nachkriegskind und habe Anfang der Achtziger den Wehrdienst verweigert. Waffen sind dazu da, Menschen zu töten. Ich kann mir bis heute nicht vorstellen, das zu tun. Aber ich musste es mir in meinem Leben auch nie wirklich vorstellen. Ich war gegen die Bundeswehr. Ich war gegen die NATO und allemal gegen Aufrüstung. Dass ich in einem geteilten Land lebte, und zwar in der Hälfte, in der ich gegen die Aufrüstung der eigenen Seite auf die Straße gehen konnte, das war für mich einfach eine Gegebenheit. Niemand würde mein Land überfallen – und selbst wenn, es würde irgendwie schon verteidigt werden, auch ohne mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Woche nach dem Gespräch mit unserer Freundin stand ich zusammen mit ein paar hundert Leuten am Brandenburger Tor, um Solidarität mit der Ukraine zu fordern. Mein Bekannter Lew, der mit seiner Familie aus Moskau nach Berlin emigriert ist, bestand darauf, dass Deutschland auch Waffen liefern müsse. Ich weiß nicht, sagte ich, es gibt doch auch andere Maßnahmen. Es müssen doch nicht alle das Gleiche tun, und gerade Deutschland… Weiter kam ich nicht. Genau das, fiel Lew mir erregt ins Wort, genau diese noble Haltung, sich nicht die Hände schmutzig machen zu wollen – das werde dazu beitragen, dass jetzt Ähnliches geschieht wie 1938 mit Hitlers Überfall auf die Tschechoslowakei.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Flucht oder Kampf</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Fünf Tage später fiel Putins Armee über die Ukraine her. Eine Freundin war gerade in Kyjiw. Ihr Vater war zwei Tage vor dem Angriff gestorben. Jetzt musste sie zusehen, dass sie ihre 85jährige Mutter so schnell wie möglich aus der Stadt und aus dem Land bringen konnte. Die Mutter war 1941 als kleines jüdisches Mädchen vor den Deutschen nach Russland geflohen und hatte so überlebt. Als alte Frau floh sie nun vor den Russen nach Deutschland.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fliehen, um am Leben zu bleiben. Ausharren und hoffen zu überleben. Oder kämpfen und sein Leben aufs Spiel setzen. Andere Optionen gibt es nicht für die Menschen in einem überfallenen Land.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch viele russische Freunde haben über Nacht ihre Heimat verlassen. Sie wurden nicht beschossen und bombardiert. Aber sie erlebten schon seit langem, dass die wenigen verbliebenen Freiräume nach und nach geschlossen wurden. „Es gibt keine Luft“, hieß es immer öfter. Jetzt ging alles rasend schnell. Plötzlich war es verboten, von „Krieg“ statt von „militärischer Spezialoperation“ zu sprechen. <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.youtube.com/watch?v=YnkTLKJt6K0" target="_blank">Die Propagandamaschine lief auf Hochtouren.</a> Dann gab es Gerüchte, bald werde das Kriegsrecht verhängt und niemand komme mehr aus dem Land. Tausende packten von einem Tag auf den anderen die Koffer. Andere bleiben, versuchen etwas zu tun und wissen nicht, was sie erwartet.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine lebenswerte Gesellschaft</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für uns ist es selbstverständlich, dass wir uns öffentlich äußern und unsere Gesellschaft mitgestalten können, auch wenn das nicht immer so leicht geht, wie es sich sagt. Es gibt Machtstrukturen, unterschiedliche Vorstellungen, manche Stimmen dringen nicht durch, andere finden sofort Gehör. Aber wir werden weder getötet noch eingesperrt, wenn wir für unsere Überzeugungen eintreten und so leben, wie es uns entspricht. Für viele, die hier leben, war das immer schon so; wir mussten nichts dafür tun und nehmen es kaum noch wahr. „Wir leben in einer Diktatur!“ rief letztes Jahr eine Kollegin bei einem Übersetzerstammtisch empört, weil sie mit den Coronamaßnahmen nicht einverstanden war. Wer so redet, hat den Unterschied nicht begriffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir hatten ein normales Leben. Wir konnten sagen, was wir wollten.“ Das habe ich in den letzten Tagen mehrfach von ukrainischen Flüchtlingen gehört. Dass es in ihrem Land Probleme gibt, ist ihnen völlig klar, und sie können sich genauso darüber ereifern wie wir. Selenskyjs Beliebtheit hatte vor dem Überfall einen Tiefstand erreicht. Aber jetzt steht für diese Menschen das auf dem Spiel, was sich für uns von selbst versteht: eine Gesellschaft, die ihnen nicht die Luft abschnürt, sondern Raum lässt, sich einzubringen und ihre Interessen öffentlich zu vertreten. Sie wussten von Anfang an, dass niemand anders diese Gesellschaft für sie verteidigen wird. Sie hatten nur die Wahl, aufzugeben oder einen scheinbar aussichtslosen Kampf aufzunehmen. Sie haben sich entschieden, ohne uns erst um Rat zu fragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selenskyjs Weigerung, sich in die USA ausfliegen zu lassen, hat nicht nur im eigenen Land die Kräfte mobilisiert, sondern auch dazu geführt, dass die westlichen Länder ihre Unterstützung erheblich ausgeweitet haben. Das ist gut so, denn wer vor Gewalt und Schrecken zurückweicht, sorgt dafür, dass sich Verhältnisse ausbreiten, in denen die Angst regiert. Pazifismus wird widersinnig, wo er demjenigen den Weg ebnet, der seine Waffen am skrupellosesten einsetzt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Energie-Embargo jetzt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Drei Wochen nach dem russischen Überfall sieht die Lage ganz anders aus, als es anfangs die meisten erwartet hätten: Der Angriff auf die Ukraine ist für Putin zum Desaster geworden. Die russische Invasion kommt allenfalls schleppend und unter großen Verlusten voran. Die ukrainische Regierung ist im Amt und in einer weit besseren Position, als es anfangs möglich schien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles was verantwortbar getan werden kann, um den Angreifer zurückzudrängen, muss getan werden. Die ukrainische Schriftstellerin Tanja Maljartschuk hat bei einer Diskussion im Literaturhaus Stuttgart zu Recht <a href="https://vimeo.com/683720956#t=2h14m00s" target="_blank" rel="noreferrer noopener">darauf hingewiesen</a>, dass über die Einrichtung von Flugverbotszonen nicht Schriftsteller und öffentliche Intellektuelle entscheiden sollten, sondern militärische und strategische Experten: „Der dritte Weltkrieg wird die Ukraine auch nicht retten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist ein guter Grund, nicht sofort auf alles einzugehen, was gefordert wird. Unsere eigene Befindlichkeit dagegen ist kein guter Grund. Wenn ein Embargo von russischem Gas und Öl dazu beitragen kann, die Finanzierung dieses Angriffskriegs früher zu stoppen, dann ist dieses Embargo nötig – und zwar jetzt und nicht irgendwann später. Wir täuschen uns, wenn wir uns einreden, wir seien nur Zuschauer. Wir spielen mit in diesem Stück. Es wird erst enden, wenn dem, der das alles ins Werk gesetzt hat, die Bühne entzogen worden ist.</p>



<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: Christine ten Winkel / photocase.de</h6>



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