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	<title>Putin &#8211; tell</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
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	<title>Putin &#8211; tell</title>
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		<title>Angriff auf den Sinn</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 26 Mar 2022 08:34:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Pazifismus]]></category>
		<category><![CDATA[Putin]]></category>
		<category><![CDATA[Ukraine-Krieg]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Krieg geht es, angesichts der umfassenden Zerstörung, zuerst einmal um das Weiterleben. Was diesem Weiterleben einen Sinn verleihen kann, ist die Kunst. Deshalb ist Kunst im Krieg unverzichtbar.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">



<p>tell ist ein „Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft“. Als Zeitgenossen dürfen wir nicht schweigen, wenn die Zeit aus den Fugen gerät. </p>



<p>In der vierten Woche von Putins Krieg gegen die Ukraine und die ganze Welt bringen wir persönliche Beiträge zum Krieg. </p>



<ul class="wp-block-list">
<li>21. März 2022: <a rel="noreferrer noopener" href="https://tell-review.de/wir-sind-keine-zuschauer/" target="_blank">Wir sind keine Zuschauer</a> (Anselm Bühling)</li>



<li>22. März 2022: <a rel="noreferrer noopener" href="https://tell-review.de/das-boese-in-der-politik/" target="_blank">Das Böse in der Politik</a> (Herwig Finkeldey)</li>



<li>24. März 2022: <a href="https://tell-review.de/krieg-oder-kein-krieg/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Krieg oder kein Krieg?</a> (Hartmut Finkeldey)</li>



<li>25. März 2022: <a rel="noreferrer noopener" href="https://tell-review.de/wird-schoenheit-die-welt-retten/" target="_blank">Wird Schönheit die Welt retten?</a> (Agnese Franceschini)</li>
</ul>


</div></div>
</div></div>



<p class="has-drop-cap">Sie solle unbedingt bei der Nachbarin vorbeigehen, so rät man Anna Politkowskaja im zerstörten Grosny: „Oma Sawnapi hat nichts, nur ihre Blumen. Aber die sind wunderschön.“ Von Oma Sawnapis Haus steht nur noch das Fundament, doch in diesen Ruinen hat sie einen Steingarten angelegt. „Nach der Erstürmung bin ich durch das leere Komsomolskoje gelaufen“, sagt sie der Reporterin. „Hole hier ein Blümchen aus der Asche, grabe dort ein Pflänzchen aus… und schon habe ich einen Garten… Ich liebe Schönheit.“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Widerstand gegen die Zerstörung</h2>



<p>Beim Lesen von Agnese Franceschinis <a rel="noreferrer noopener" href="https://tell-review.de/wird-schoenheit-die-welt-retten/" target="_blank">Text</a> über die Notwendigkeit der Kunst im Krieg musste ich an diese Passage aus Anna Politkowskajas Buch <em>Tschetschenien </em>(2003) denken. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“, heißt es im Matthäus-Evangelium, „sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.“ Dieses Jesuswort gilt umso mehr, wenn das Brot fehlt. Die Worte aus dem Mund Gottes, von denen hier die Rede ist, bezeichnen für mich alles Spirituelle – alles, was über die bloße Wirklichkeit hinausweist. </p>



<p>Oma Sawnapis Garten gehört dazu ebenso wie die Videos aus dem Kriegsgebiet, die mich auf den sozialen Medien erreichen. Die Pianistin, die in ihrer zerstörten Wohnung auf ihrem Flügel ein letztes Mal <a href="https://www.youtube.com/watch?v=DDUdK5SYa7w" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Chopin</a> spielt. Die Frau, die erschöpft an der polnischen Grenze ankommt und sich an ein Klavier setzt für <a href="https://www.facebook.com/watch/?v=368415241800473" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„We Are The Champions“</a> von Queen. Die Open Air Aufführung des Gefangenenchors von <a href="https://www.youtube.com/watch?v=bsUQ_3CNR6A&amp;t=2s" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Nabucco“</a> in Odessa. </p>



<p>Oder dieser Tweet:</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-rich is-provider-twitter wp-block-embed-twitter"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote hcb-fetch-image-from="https://twitter.com/EuromaidanPR/status/1507311330767822864?s=20&amp;t=RemhQWTxT6QmmKjqo_A2nQ" class="twitter-tweet" data-width="550" data-dnt="true"><p lang="en" dir="ltr">In <a href="https://twitter.com/hashtag/Kharkiv?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Kharkiv</a>, the guitarist masterfully performs the song &quot;My Dear Mother&quot; right on the ruins of the destroyed building.<a href="https://twitter.com/hashtag/Ukraine?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Ukraine</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/RussiaUkraineWar?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#RussiaUkraineWar</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/UkraineRussianWar?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#UkraineRussianWar</a> <a href="https://t.co/3bPzhimWXm">pic.twitter.com/3bPzhimWXm</a></p>&mdash; Ukraine Front Lines (@EuromaidanPR) <a href="https://twitter.com/EuromaidanPR/status/1507311330767822864?ref_src=twsrc%5Etfw">March 25, 2022</a></blockquote><script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>
</div></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Die Vorstellungskraft in Gang halten</h2>



<p>In meinem Gesprächsband <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.sieglindegeisel.ch/buecher-aufsaetze/alberto-manguel-ein-getraeumtes-leben/" target="_blank"><em>Ein geträumtes Leben</em></a> (2021) erzählt Alberto Manguel von der jüdisch-französischen Philosophin Simone Weil. Während dem Zweiten Weltkrieg war sie zusammen mit ihren Eltern in einem Flüchtlingslager in der Nähe von Casablanca interniert. Sie hatte sich einen der wenigen Stühle gesichert, und auf diesem Stuhl saß sie den ganzen Tag, um zu schreiben. Wenn sie einmal nicht auf diesem Stuhl saß, besetzten ihn ihre Eltern, damit ihre Tochter den Platz nicht verlor, den sie zum Denken und Schreiben brauchte. </p>



<p>Die Vorstellungskraft in Gang zu halten, im Vertrauen auf den eigenen Intellekt – das sei das Einzige, was einen in den schlimmsten Momenten retten könne, so Manguel: „Damit rettet man sich nicht physisch, aber man rettet seine Menschlichkeit.“</p>



<p>Musik im Kriegsgebiet ist ein Akt des Widerstands gegen die Zerstörung alles Menschlichen. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Sinn des Weiterlebens</h2>



<p>Peter von Matt schreibt in seinem Essay „Kultur und Geschwindigkeit“ (in: <em>Die verdächtige Pracht</em>):</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Was immer Kultur sein will, muss den Gewinn von Sinn für irgend jemand ermöglichen, in welcher Form auch immer, und sei es nur durch eine glückliche Sekunde angesichts einer schönen Sache.</p>
</blockquote>



<p>Er denkt in diesem Essay über zwei Arten der Erkenntnis nach: Die eine Erkenntnis beseitigt Unwissenheit durch Information und ermöglicht im Extremfall mein Überleben, die andere Erkenntnis besteht in einer Erfahrung, einer Transformation.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Es ist der Unterschied zwischen dem, was mir das Weiterleben sichert und dem, was mir den Sinn dieses Weiterlebens offenbart.</p>
</blockquote>



<p>Das Wort „Sinn“ bedeutete ursprünglich Weg. Das bedeutet, dass Sinn auf Zukunft ausgerichtet ist. </p>



<p>Im Mittelalter habe die Musik als „consolatrix“ gegolten, als Trösterin, sagt der Komponist Gerd Zacher in einem <a href="https://www.nzz.ch/articleCIVDM-ld.338903">Interview</a>: „In einer ausweglosen Situation kann die Musik Hoffnung geben, denn sie sagt in jedem Moment: Es könnte alles auch ganz anders sein. Jetzt klingt es so, und du denkst, es geht so weiter – aber es geht anders weiter. Es wird eine Zukunft entworfen.“</p>



<p>Die Kunst hat die utopische Kraft, in der Mauer der Hoffnungslosigkeit einen Spalt zu öffnen. Vielleicht meinte Dostojewski dies, als er seinen Fürsten Myschkin sagen ließ, dass die Schönheit die Welt retten werde.</p>



<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: Christine ten Winkel / photocase.de</h6>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<div class="wp-block-image"><p align="center"><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady"/></a></p></div>
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		<title>Wird Schönheit die Welt retten?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Agnese Franceschini]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Mar 2022 07:58:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Putin]]></category>
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					<description><![CDATA[Es gehört zu den Mechanismen des Kriegs, dass er unser Denken besetzt. Doch wenn wir nur noch über den Krieg schreiben, sind auch wir seine Opfer. Eine Erzählung von Siegfried Lenz liefert ein Beispiel dafür, wie man sich durch Kunst dem Krieg entziehen kann.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">



<p>tell ist ein „Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft“. Als Zeitgenossen dürfen wir nicht schweigen, wenn die Zeit aus den Fugen gerät. </p>



<p>In der vierten Woche von Putins Krieg gegen die Ukraine und die ganze Welt bringen wir persönliche Beiträge zum Krieg. </p>



<ul class="wp-block-list">
<li>21. März 2022: <a rel="noreferrer noopener" href="https://tell-review.de/wir-sind-keine-zuschauer/" target="_blank">Wir sind keine Zuschauer</a> (Anselm Bühling)</li>



<li>22. März 2022: <a rel="noreferrer noopener" href="https://tell-review.de/das-boese-in-der-politik/" target="_blank">Das Böse in der Politik</a> (Herwig Finkeldey)</li>



<li>24. März 2022: <a href="https://tell-review.de/krieg-oder-kein-krieg/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Krieg oder kein Krieg?</a> (Hartmut Finkeldey)</li>



<li>26. März 2022: <a rel="noreferrer noopener" href="https://tell-review.de/angriff-auf-den-sinn/" target="_blank">Angriff auf den Sinn</a> (Sieglinde Geisel)</li>
</ul>


</div></div>
</div></div>



<h4 class="wp-block-heading">Vorbemerkung</h4>



<p>Mein Beitrag geht auf eine tell-interne Diskussion zurück. Wir hatten überlegt, in welcher Weise wir die im letzten Jahr erschienenen drei Bände <em>Sämtliche Essays und Reden</em> von Christa Wolf auf tell rezensieren können.</p>



<p>Doch dann kam der Krieg, und Herwig Finkeldey schrieb auf Slack: „Also liebe Freunde, ich gebe es klar zu: In meinem Kopf hat Christa Wolf aktuell wenig Platz; zumindest müssten wir alles neu ausrichten. Über <em>Kassandra </em>(Krieg!) und <em>Störfall </em>(Tschernobyl) schreiben.“</p>



<p>Diese Aufforderung hat mich zum Nachdenken gebracht. Nur noch über den Krieg und die Ukraine schreiben? Das würde heißen, dass wir Literatur nur in ihrem Beitrag zur aktuellen Situation betrachten. Dieser Text ist meine Stellungnahme.&nbsp;</p>



<p class="has-text-align-center">***</p>



<p class="has-drop-cap">Über den Krieg zu schreiben, finde ich nicht so einfach. Nur an den Krieg zu denken und nur über den Krieg zu reflektieren, ist auch keine Lösung. Es ist im Gegenteil ein Teil des Problems. Möchten wir wirklich den Krieg bekämpfen, indem wir nur noch über den Krieg schreiben?</p>



<p>Wir sollten in der Lage sein, über diesen Krieg nachzudenken und über ihn zu schreiben, ohne uns den Kriegsmechanismen zu unterwerfen. Mit Kriegsmechanismen meine ich nicht nur Kriegspropaganda, sondern auch den subtileren und schwieriger zu erkennenden Mechanismus, der uns dazu bringt, uns ausschließlich mit dem Thema Krieg zu befassen. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Frieden um jeden Preis?</h2>



<p>Es gehört zu den Mechanismen des Krieges, nichts anderem Raum zu geben. Gerade deswegen ist der Rückgriff auf Literatur und ganz allgemein auf Kultur unverzichtbar.</p>



<p>Sind wir für einen Frieden um jeden Preis? Was bedeutet das? Sich dem Angreifer zu ergeben, ohne zu kämpfen? Ist der ukrainische Präsident mitverantwortlich für die Ermordung von Zivilisten, weil er beschlossen hat, sein Land bis zum Ende zu verteidigen? </p>



<p>Und welche Bedeutung hat die ukrainische Fahne bei den Demonstrationen? Auf der einen Seite ist eine Flagge das Symbol einer Nation mit all ihren Widersprüchen. Wenn wir die ukrainische Flagge jedoch auf der anderen Seite in ein Symbol des Friedens verwandeln, laufen wir Gefahr, von diesem Symbol instrumentalisiert zu werden.</p>



<p>Natürlich müssen Putins Lügen eingedämmt werden, aber wenn wir dies tun, indem wir Russia Today und andere Medien verbieten, stellen wir dann nicht einen für die westliche Gesellschaft grundlegenden Wert in Frage, nämlich die Pressefreiheit?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Krieg in unserer Nähe</h2>



<p>Wir brauchen andere Gedanken, um den Krieg – nicht nur diesen Krieg &#8211; und seine Ursachen zu bekämpfen. Wir sind still geblieben auf tell, als Aleppo zerstört wurde. Wir haben nichts gesagt, als die Frauen in Afghanistan zurück in ihre Häuser getrieben wurden. Erst, als der Krieg in unsere Nähe kam, wurde er zum Skandal. Was empfinden wir als empörend: den Krieg, oder nur die Tatsache, dass der Krieg jetzt ganz nah ist? Wir sind still geblieben, als die Bomben von Saudi-Arabien mit der Hilfe der USA die wunderschöne antike Stadt Sanaa halb zerstört haben. Ist der Jemen zu weit weg für unser Mitgefühl?</p>



<p>Ich stelle mir diese Fragen, und auch deshalb fällt es mir schwer, über diesen Krieg zu schreiben.</p>



<p>Wenn wir nur über den Krieg reden, sind auch wir seine Opfer: Wenn wir nur noch über den Krieg reden, hat der Krieg gewonnen, dann hat er uns seinen Code und sein Referenzsystem aufgezwungen, und wir verlieren die Vielfalt des menschlichen Gefühls, des Lebens. Ich glaube, dass die Kultur uns Werkzeuge an die Hand geben kann, um uns dem Krieg zu widersetzen. Sie gibt uns die Möglichkeit, eine andere Sprache zu sprechen, uns nicht auf den Täter-Opfer-Dualismus zu reduzieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Krieg und das Lesen</h2>



<p>Ein Beispiel dafür, wie man sich den Kriegsmechanismen verweigern kann und dafür, wie die Schönheit die Welt retten kann (um Dostojewski zu zitieren), findet sich in Siegfried Lenz’ Erzählung “Der Leseteufel” im Band <em>So zärtlich war Suleyken</em>.</p>



<p>Der Ich-Erzähler berichtet von der späten Leidenschaft seines Großvaters Hamilkar Schaß für das Lesen. Die Leseleidenschaft lässt den Großvater nicht nur alles vergessen, was um ihn herum passiert, sondern auch – und vor allem – den Angreifer General Wawrila, „der unter Sengen, Plündern und ähnlichen Dreibastigkeiten aus den Rokitno-Sümpfen aufbrach und nach Masuren, genauer nach Suleyken, seine Hand ausstreckte“. Mit seiner Weigerung, sich beim Lesen unterbrechen zu lassen, gelingt es dem Großvater, den Gegner zu entwaffnen.</p>



<p>Auf General Wawrilas Drohungen hin bittet Schaß nur darum, das Buch zu Ende lesen zu dürfen:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Wawrila wurde wütend und zog meinem Großvater eine über, und dann fühlte er sich bemüßigt, so zu sprechen: »Ich werde dich jetzt, du alte Eidechse, halbieren. Aber ganz langsam.« <br>»Eine Seite nur noch«, sagte Hamilkar Schaß. »Es sind, bei Gottchen, nicht mehr als fünfunddreißig Zeilen. Dann ist das Kapitelchen zu Ende.«<br>Wawrila, bestürzt, beinahe nüchtern geworden, lieh sich von einem hinkenden Menschen aus seiner Begleitung eine Flinte, drückte den Lauf auf den Hals des Hamilkar Schaß und sagte: »Ich werde dich, du stinkende Dotterblume, mit gehacktem Blei wegpusten. Schau her, die Flinte ist gespannt.« <br>»Gleich«, sagte Hamilkar Schaß. »Nur noch zehn Zeilen, dann wird alles geregelt werden, wie es sein soll.«<br>Da packte, wie jeder Kundige verstehen wird, Wawrila und seine Bagage ein solch unheimliches Entsetzen, daß sie, ihre Flinten zurücklassend, dahin flohen, woher sie gekommen waren – dahin: damit sind gemeint die besonders trostlosen Sümpfe Rokitnos.<br>Adolf Abromeit, der die Flucht staunend beobachtet hatte, schlich sich zurück, trat, mit seiner Flinte in der Hand, neben den Lesenden und wartete stumm. Und nachdem auch die letzte Zeile gelesen war, hob Hamilkar Schaß den Kopf, lächelte selig und sagte: »Du hast, Adolf Abromeit, scheint mir, etwas gesagt?«</p>
</blockquote>



<p>Auf paradoxe und ironische Weise stehen sich in dieser Geschichte zwei ungleiche Kräfte gegenüber: der Krieg und das Lesen. Das Lesen gewinnt, weil es die einzige Kraft ist, die über den Krieg hinausführt. Wawrila wird von dem Bewusstsein besiegt, dass man die Welt, die Menschheit, den Reichtum des Geistes niemals im Käfig des Krieges einsperren kann.</p>



<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: Christine ten Winkel / photocase.de</h6>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<div class="wp-block-image"><p align="center"><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady"/></a></p></div>
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		<title>Krieg oder kein Krieg?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hartmut Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Mar 2022 07:57:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Ukrainekrieg]]></category>
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					<description><![CDATA[Lässt sich angesichts von Putins Angriffskrieg noch pazifistisch argumentieren? Soll man der Ukraine zum Widerstand bis zum Äußersten raten? Was man aus dem Vergleich mit den dreißiger Jahren lernen kann.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">



<p>tell ist ein „Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft“. Als Zeitgenossen dürfen wir nicht schweigen, wenn die Zeit aus den Fugen gerät. </p>



<p>In der vierten Woche von Putins Krieg gegen die Ukraine und die ganze Welt bringen wir persönliche Beiträge zum Krieg. </p>



<ul class="wp-block-list">
<li>21. März 2022: <a rel="noreferrer noopener" href="https://tell-review.de/wir-sind-keine-zuschauer/" target="_blank">Wir sind keine Zuschauer</a> (Anselm Bühling)</li>



<li>22. März 2022: <a href="https://tell-review.de/das-boese-in-der-politik/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Das Böse in der Politik</a> (Herwig Finkeldey)</li>



<li>25. März 2022: <a href="https://tell-review.de/wird-schoenheit-die-welt-retten/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wird Schönheit die Welt retten?</a> (Agnese Franceschini)</li>



<li>26. März 2022: <a rel="noreferrer noopener" href="https://tell-review.de/angriff-auf-den-sinn/" target="_blank">Angriff auf den Sinn</a> (Sieglinde Geisel)</li>
</ul>


</div></div>
</div></div>



<p class="has-drop-cap">Der russische Angriff auf die Ukraine hat mich entsetzt. Ich fand es ehrlich von Habeck, zuzugeben, dass er damit lange Zeit nicht gerechnet habe. Mir ging es genauso. Als die Nachricht kam, war ich einfach nur fassungslos: Selbst aus Putins Sicht, gerade aus seinen Machtinteressen heraus, so glaubte ich bis fast zum Schluss, wäre das doch Wahnsinn. Und ist es ja auch, wie sich jetzt zeigt.</p>



<p>Putins völkerrechtswidriger Angriffskrieg hat einen naheliegenden Vergleich herausgefordert, nämlich den mit den dreißiger Jahren. Ich war immer <a href="https://tell-review.de/prachtvoller-hass-versus-gutmenschenscheiss/">gegen Vergleichsverbote</a>, denn vergleichen heißt ja nicht in eins setzen, sondern parallelisieren – und schauen, wie weit man damit kommt. </p>



<p>Und so nähere auch ich mich diesem Krieg mit drei Zitaten aus den dreißiger bzw. vierziger Jahren: zwei bekannten Zitaten emigrierter deutscher Schriftsteller – Klaus Mann und Bertolt Brecht –, und einem in Deutschland vielleicht weniger bekannten Zitat von George Orwell.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Radikaler Pazifismus</h2>



<p>In seiner Autobiographie <em>Der Wendepunkt</em> berichtet Klaus Mann, wie er im Sommer 1940 kurz nach Hitlers Sieg im Westen mit seinem alten Freund Christopher Isherwood aneinandergeriet. Die beiden kannten sich schon aus Berlin. Isherwood gehörte mit W. H. Auden und Klaus Mann u.a. zur den frühen Protagonisten der Schwulenbewegung. Dass Isherwood als Schwuler und als Weltbürger kein Nazi-Sympathisant war, steht außer Diskussion. Seit Ende der dreißiger Jahre näherte sich Isherwood ostasiatischen Weisheitslehren an (oder dem, was er dafür hielt). In diesem Rahmen entwickelte er einen Radikal-Pazifismus: Krieg ist immer schlecht, und zwar jeder Krieg, auch der gegen Hitler. (Krieg weglächeln, Gewalt wegmeditieren – dieser herzensgut gemeinte Unfug ist keineswegs neuesten Ursprungs!)</p>



<p>Klaus Manns Gegenargument:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Als gesitteter Mensch ist man natürlich Pazifist, was denn sonst. (…) [Aber] ein Krieg, der unvermeidlich geworden ist, lässt sich nicht mehr ‚ablehnen‘, sondern nur noch gewinnen.</p>
</blockquote>



<p>Das Recht auf Selbstverteidigung ist elementar, und welche Mittel der Angegriffene aufwendet, um einen rechtswidrigen Angriff auf sich abzuwehren, ist nicht vorgeschrieben. Wenn die Ukraine so agiert, wie sie es derzeit tut, ist das ihr gutes Recht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Moral posing</h2>



<p>Das zweite Zitat stammt von Bertolt Brecht, und von hier an wird die Geschichte kompliziert:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Dabei wissen wir doch:<br>Auch der Haß gegen die Niedrigkeit<br>verzerrt die Züge.</p>
</blockquote>



<p>Genau das ist derzeit zu beobachten. Auf Social Media, in den etablierten Medien, auch auf einer Website wie „Zentrum liberale Moderne“. Den Verteidigungskrieg der Ukraine für legitim halten – was er trivialerweise ist –, ist das eine. Das andere: Jeder Krieg, auch der gerechte, verändert uns. Das <em>moral posing</em>, in dem sich nun viele als kleine Churchills gerieren, klingt mir wie die neueste Variante des nachgeholten Widerstands. Auf <a href="https://www.youtube.com/watch?v=gRptIoJ3cSE">„Bild-TV“</a> werden im Bewunderungsgestus Videos mit Angriffen auf russische Panzer gezeigt, in denen, so müssen wir annehmen, russische Soldaten sterben. Selbsternannte Generalstabsoffiziere geben detaillierte Tipps („nicht nur Stinger, sondern auch weitreichende Fla-Raketen“). Literarisch Gebildete spielen auf Ernst Jünger an. Wer auch nur um zwei Winkelminuten von der Linie abweicht, wer etwa nach dem rechtsextremen Asov-Regiment fragt oder nach der Rolle ukrainischer Oligarchen, muss sich als „Putin-Versteher“ anrempeln lassen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Vietnamisierung der Ukraine</h2>



<p>Wenn wir die heutige Situation mit den dreißiger Jahren vergleichen, also mit Chamberlains Appeasement und Churchills Warnungen, dann müssen wir neben den Parallelen auch die Differenzen im Blick behalten.</p>



<p>Zu den Parallelen hat mein <a href="https://tell-review.de/das-boese-in-der-politik/">Bruder</a> schon vieles gesagt. Putin (und seine Entourage, er agiert ja nicht allein) fühlt sich, wie die extreme Rechte der Weimarer Republik, zu kurz gekommen, und auch er lädt dieses Gefühl mit einer Ideologie auf, die den Kontakt zur Realität längst abgebrochen hat: Er identifiziert „Schuldige“ für die empfundenen Defizite und hält „Lösungen“ des gar nicht existierenden „Problems“ allein per Gewalt für möglich.</p>



<p>Es gibt aber auch Unterschiede. Der erste Unterschied ist der entscheidende: Hitler hatte keine Atombombe, punkt. Nazi-Deutschland war die Apotheose des Grauens, primus inter pares aller verluderten Politverbrecher, und verfügte leider über eine militärisch kompetente Armee. Aber Nazi-Deutschland war besiegbar. Die Atommacht Russland ist das nicht. Aus heutiger Sicht wissen wir: Es wäre 1938 besser gewesen, den Krieg zu riskieren. So unvorbereitet England und Frankreich waren – das militärische Potenzial Nazi-Deutschlands wurde massiv überschätzt; auch Deutschland war keineswegs kriegsbereit. </p>



<p>Es bleibt natürlich Spekulation, aber Einiges spricht dafür, dass Hitler 1938 in dem schwierigen sudetendeutschen Gelände sein Ukraine-Erlebnis gehabt hätte. Nur kann diese Erkenntnis nicht auf den Ukrainekrieg übertragen werden. Die Nato kann nicht direkt eingreifen – sie hat das ja auch sofort erklärt –, und Putin weiß das auch. Ist es eine gute Idee, die Ukraine sich weiter opfern zu lassen, wie es z.B. das <a href="https://libmod.de/gressel-stand-der-russischen-invasion-ukraine/">„Zentrum liberale Moderne</a>“, aber auch viele social media-Nutzer, unverhohlen fordern? Ist es eine gute Idee, den Krieg durch die Unterstützung der Ukraine zu einer jahrelangen tödlichen Gemengelage zu machen, die Ukraine gewissermaßen zu vietnamisieren?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kriegsvorbereitungen</h2>



<p>Der zweite Unterschied: Große Teile des deutschen Volks, will sagen, große Teile unserer Vorfahren, waren einfach vom Teufel geritten und machten fanatisch mit, bis zum Abwinken. Davon kann, soweit sich derzeit sagen lässt, in Russland so nicht die Rede sein. Es gibt Zustimmung für Putin, leider, aber sie ist nicht grenzenlos, es sind nicht die neunzig Prozent, die wir bei Hitler auf dem Höhepunkt seiner Popularität veranschlagen dürfen. Die Widerstandskräfte in Russland – wer denkt jetzt nicht an <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Marina_Wladimirowna_Owsjannikowa" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Marina Ovsiannikova</a> – gilt es zu stärken. Es gibt in Russland eine Mittelschicht, die Europa nicht angreifen, sondern als Touristen bereisen will.</p>



<p>Übrigens bewertet man die Appeasement-Politik Chamberlains inzwischen differenzierter. Die jahrzehntelang gepflegte Erzählung – der Trottel Chamberlain ließ sich von Hitler übern Tisch ziehen – dürfte in dieser Ausschließlichkeit nicht haltbar sein. England hatte sehr wohl begriffen, dass es um eine Auseinandersetzung mit Nazi-Deutschland nicht herum kommen würde und nutzte seine durch Appeasement gewonnene Zeit für umfangreiche Vorbereitungen. Chain Home (das englische Radarsystem, das der deutschen Luftwaffe 1940 eine Überraschung nach der anderen bereitete) wurde unter Chamberlain errichtet, nicht unter Churchill. Auch die Nato bereitet sich ja seit Jahren vor. Die derzeitige Wehklage, man sei so naiv und unvorbereitet gewesen, nehme ich angesichts der Nato-Manöver, die es seit Jahren an der Nato-Ostgrenze gibt, nicht ernst. Putin zu signalisieren, dass man massiv aufrüsten werde, ist als Geste wohl richtig, sollte aber nicht verbunden werden mit einer Kriegsrhetorik, die ihrerseits alle Brücken abbricht und jeden Friedensvorschlag als Defätismus denunziert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Krieg als das kleinere Übel?</h2>



<p>Denn: Appeasement, also der Glaube an Verhandlung, Vermittlung, Ausgleich, ist gleichsam die Demokratie selbst. Entsprechend problematisch ist es, Verhandlung, Ausgleich, Vermittlung per se mit Schwäche zu assoziieren (der Glaube, ein Parlament sei eine „Quasselbude“, geht in die gleiche Richtung). Tatsächlich wird skrupellose Dreistigkeit immer zunächst billige Siege gegen Demokratie und Humanität einheimsen. Langfristig wird das Prinzip Gewalt – so viel Norbert-Elias-Optimismus bewahre ich mir – aber keine Chance haben.</p>



<p>Was könnte man folgern?</p>



<p>Der massive und von Putin so nicht erwartete ukrainische Widerstand war zunächst einmal offenkundig richtig (Klaus Mann). Sich in eine binäre Kriegslogik einzupanzern, ist ebenso offenkundig falsch (Brecht). In seinem Essay „Looking back on the Spanish War“ schreibt George Orwell (es ging ihm auch um die ständig wechselnden Haltungen der westlichen Linken in den Dreißigern – mal hieß es „war is hell“, dann in Spanien wiederum „war is glorious“):</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>We have become too civilized to grasp the obvious. For the truth is very simple. To survive you often have to fight, and to fight you have to dirty yourself. War is evil, and it is often the lesser evil. Those who take the sword perish by the sword, and those who don‘t take the sword will perish by smelly diseases.</p>



<p><em>Wir sind zu zivilisiert geworden, um das Offenkundige zu sehen. Denn die Wahrheit ist sehr einfach. Um zu überleben, muss man häufig kämpfen, und wenn man kämpft, macht man sich schmutzig.&nbsp;Krieg ist böse, nur ist er häufig das kleinere Übel. Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen, und wer nicht zum Schwert greift, stirbt durch faule Kompromisse.</em></p>
</blockquote>



<h2 class="wp-block-heading">Widerstand bis zum Äußersten?</h2>



<p>“Häufig“ muss man kämpfen, aber nicht „immer“. Wenn das wahr ist, dann stellt sich die Frage, wie „wir“ die Ukraine unterstützen. Das ist keine prinzipielle, sondern eine pragmatische Frage. Waffen liefern? Auf eine Verhandlungslösung drängen, mit massivem Druck auf Putin? Die Frage sollte sein, was für die Ukraine das Beste ist, nicht, was unserem öffentlich inszenierten Gewissen moralisch am besten schmeckt (Sie lesen gerade einen Beitrag dazu!). Englands Durchhalten 1940 war richtig, Golo Mann bezeichnete dieses Durchhalten als „imposant, das einzig menschlich große Ereignis“ jener Jahre. </p>



<p>Aber erliegen einige hier nicht doch einer allzu undifferenzierten Parallelisierung?</p>



<p>Ich gebe <a href="https://vimeo.com/683720956#t=2h14m00s">Tanja Maljartschuk</a> und <a href="https://tell-review.de/wir-sind-keine-zuschauer/">Anselm Bühling</a> recht: Wir urbanen Großstadtintellektuellen haben das nicht zu entscheiden, auch moralisch nicht. Ob es aber die Militärs allein entscheiden sollten? „Der dritte Weltkrieg wird die Ukraine auch nicht retten“, zitiert Anselm Bühling Tatjana Maljartschuk, und auch das stimmt zweifellos. </p>



<p>Vielleicht bin ich „zu weich“ aufgewachsen, im sicheren Schoß der alten Bundesrepublik, was immer das heißen mag. Aber ich habe nicht den Maulheldenmut, der Ukraine Widerstand bis zum Äußersten anzuraten.</p>



<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: Christine ten Winkel / photocase.de</h6>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



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		<title>Das Böse in der Politik</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Mar 2022 07:44:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Pazifismus]]></category>
		<category><![CDATA[Putin]]></category>
		<category><![CDATA[Ukraine-Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Ukrainekrieg]]></category>
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					<description><![CDATA[Was verbindet Putin mit Hitler? Beide Kriegsverbrecher deklarierten ihre Motive ganz offen, und beide wurden nicht ernst genommen. Müssen wir wieder lernen, mit dem Bösen zu rechnen? ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">



<p>tell ist ein „Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft“. Als Zeitgenossen dürfen wir nicht schweigen, wenn die Zeit aus den Fugen gerät. </p>



<p>In der vierten Woche von Putins Krieg gegen die Ukraine und die ganze Welt bringen wir persönliche Beiträge zum Krieg. </p>



<ul class="wp-block-list">
<li>21. März 2022: <a href="https://tell-review.de/wir-sind-keine-zuschauer/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wir sind keine Zuschauer</a> (Anselm Bühling)</li>



<li>24. März 2022: <a href="https://tell-review.de/krieg-oder-kein-krieg/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Krieg oder kein Krieg?</a> (Hartmut Finkeldey)</li>



<li>25. März 2022: <a href="https://tell-review.de/wird-schoenheit-die-welt-retten/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wird Schönheit die Welt retten?</a> (Agnese Franceschini)</li>



<li>26. März 2022: <a rel="noreferrer noopener" href="https://tell-review.de/angriff-auf-den-sinn/" target="_blank">Angriff auf den Sinn</a> (Sieglinde Geisel)</li>
</ul>


</div></div>
</div></div>



<p class="has-drop-cap">Der Vergleich Hitler-Putin ist in aller Munde. Er trifft – und trifft in manchen Punkten auch nicht, wie das bei Vergleichen komplexer historischer Situationen eben so ist. Die gescheiterte Appeasement-Politik ist sicherlich ein Punkt, wo der Vergleich zutrifft, ebenso der militärische Überfall und seine kruden völkischen Begründungen. Nicht zu passen scheint hingegen die militärische Reaktion der Ukraine. Doch der entscheidende Unterschied zwischen heute und 1939 ist die Bedrohungslage. Mit der A-Bombe im Hintergrund werden die Churchill-Träume mancher Hobbystrategen auf Facebook Makulatur.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ignoranz gegenüber Putin</h2>



<p>Das Wichtigste an dem Vergleich zwischen Putin und Hitler ist jedoch etwas anderes: Der Umstand, dass dieser Vergleich nicht mehr verboten ist. Wurden vormalige Vergleiche noch als unsensibel und nicht selten als unpassend abgewunken, hört man davon in der aktuellen Situation nichts mehr.</p>



<p>Wann war für westliche Nachrichtenkonsumenten und Social-Media-Besserwisser erkennbar, dass ein solcher Vergleich legitim ist? Erst am Morgen des 24. Februar 2022? Sind wirklich alle im Westen an diesem 24. Februar 2022 „in einer anderen Welt aufgewacht“? Daraus ergäbe sich der Vorwurf der jahrzehntelangen Ignoranz gegenüber Putin. Ein Vorwurf, für den einiges spricht.</p>



<p>Wie konnte es geschehen, dass wir die Absichten Putins so lange ignoriert haben? Vielleicht waren wir abgelenkt von Themen, die man ebensowenig ignorieren durfte. Genannt seien der Bürgerkrieg in Syrien mit nachfolgender Flüchtlingskrise 2015/16, die Klimakrise, das Hochkommen neurechter Populisten und natürlich die Pandemie. Diese Themen verbrannten Aufmerksamkeit, also jenen Stoff, der als einziger in unserer Wohlstandswelt Mangelware ist.</p>



<p>Wenn man sich diese Themen allerdings genauer anschaut, merkt man irgendwann, dass sie netzartig zusammenhängen, und zwar in einem Netz, das in allen Aspekten starke Drähte nach Moskau spannt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Putins Kampf gegen den Westen</h2>



<p>Putin nutzte die Energiekrise und die politische Naivität Westeuropas, namentlich Deutschlands, aus und profitiert nun von unserer Abhängigkeit. Er unterstützte alle neurechten Demagogen im Westen, sei es, wie im Fall Le Pen, direkt mit Wahlkampfunterstützung, sei es, wie bei Trump, in Form von Wahlkampfmanipulaton. Putin startete (oder ließ starten) eine Desinformationskampagne über Corona. Zudem griff er direkt in den syrischen Bürgerkrieg ein, bombardierte dort Krankenhäuser und Wohngebiete und forcierte damit noch einmal die Flüchtlingskrise. Zuletzt erpressten Putin und Lukaschenko den Westen mit Flüchtlingen an der polnisch-weissrussischen Grenze. Und ganz abgesehen davon hatte Putin bereits in Georgien und in Tschetschenien „territoriale Politik“ in Form von Raubzügen betrieben.</p>



<p>All das hat einen ideologischen Überbau: Putins Kampf gegen den Westen und sein Versuch, die Niederlage der Sowjetunion zu revidieren. Schienen diese Zusammenhänge, die nun ein rundes Bild ergeben, vormals vielen zu fantastisch? Ich denke schon. Wenn man auf den Tatbestand der Wahlmanipulation durch Putin 2016 im amerikanischen Präsidentenwahlkampf hinwies, wurde man in den sozialen Medien durchaus schon einmal als Verschwörungstheoretiker geframed.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Mangelnde Vorstellungskraft</h2>



<p>Das ist vielleicht die unheimlichste Gemeinsamkeit zwischen Putin und Hitler: Die Motive ihrer Politik sind dermaßen ins Groteske verzogen, dass man als vernünftiger Mensch zunächst geneigt ist, sie nicht ernst, ja sie noch nicht einmal zur Kenntnis zu nehmen. Und als man merkte, wie ernst die Sache wurde, war es zu spät für eine halbwegs glimpfliche Lösung. Was zunächst beinahe wie eine Verschwörungstheorie wirkte, entpuppte sich als der einzige realistische Blick.</p>



<p>Osteuropäische Intellektuelle wie Ivan Krastev hatten das schon seit Jahren gesehen. Sie erlebten ein ähnliches Phänomen wie die Emigranten aus Deutschland nach 1933. Zunächst wollte niemand ihren vermeintlichen Horrorszenarien Glauben schenken, dann stellten sich diese als glatte Verharmlosung heraus.</p>



<p>Was folgt daraus? Wie bekommt man die Problematik der falschen Wahrnehmung in den Griff?</p>



<p>Waren wir zu aufgeklärt, um das Böse zu erkennen? Konnten wir uns das Böse einfach nicht mehr vorstellen? Oder wenn doch, dann nur ironisch gebrochen und milde belächelt?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Wiederentdeckung des Bösen</h2>



<p>Putin ist sicherlich vieles, aber Ironie ist bei ihm nicht im Spiel. Das Böse ist vielleicht nachgerade das Fehlen jeglicher Ironie, eben weil es so eindeutig ist.</p>



<p>Nur wäre dann zu fragen, ob eine durchironisierte Gesellschaft noch in der Lage ist, das Böse zu erkennen. „Irgendwo muß doch noch ein Haken sein“, denken wir, „irgendetwas kann doch hier nicht stimmen.“ So dekonstruieren wir uns das Böse und erkennen es nicht mehr.</p>



<p>Diktatoren wie Putin oder Hitler (oder Stalin) kommt man nicht mit ironischen Wendungen bei. Man muss immer die schlimmstmögliche Wendung annehmen. Sie sind klassische Bösewichte, wie man sie sonst nur auf der Theaterbühne sieht, beispielsweise in Shakespeares „Richard III“. Als Churchill 1945 der Welt den Tod von Adolf Hitler mitteilte, zitierte er Shakespeare: „The bloody dog is dead!“</p>



<p>Mehr war nicht zu sagen. Schon Thomas Mann fand ja für sich heraus, dass seine Zeit „das Böse wiederentdeckt“ hat. Das gilt nun auch für uns.</p>



<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: Christine ten Winkel / photocase.de</h6>



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		<title>Wir sind keine Zuschauer</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anselm Bühling]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Mar 2022 09:02:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Putin]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Ukraine kämpft für das, was für uns Westeuropäer selbstverständlich ist: eine Gesellschaft, in der wir nach unseren Vorstellungen leben können. Welche Verantwortung haben wir in diesem Krieg?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">



<p>tell ist ein „Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft“. Als Zeitgenossen dürfen wir nicht schweigen, wenn die Zeit aus den Fugen gerät. </p>



<p>In der vierten Woche von Putins Krieg gegen die Ukraine und die ganze Welt bringen wir persönliche Beiträge zum Krieg. </p>



<ul class="wp-block-list">
<li>22. März 2022: <a href="https://tell-review.de/das-boese-in-der-politik/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Das Böse in der Politik</a> (Herwig Finkeldey)</li>



<li>24. März 2022: <a href="https://tell-review.de/krieg-oder-kein-krieg/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Krieg oder kein Krieg?</a> (Hartmut Finkeldey)</li>



<li>25. März 2022: <a href="https://tell-review.de/wird-schoenheit-die-welt-retten/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wird Schönheit die Welt retten?</a> (Agnese Franceschini)</li>



<li>26. März 2022: <a href="https://tell-review.de/angriff-auf-den-sinn/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Angriff auf den Sinn</a> (Sieglinde Geisel)</li>
</ul>


</div></div>
</div></div>



<div style="height:43px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p style="font-size:16px"><em>In Erwägung, dass ihr uns dann eben<br>Mit Gewehren und Kanonen droht<br>Haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben<br>Mehr zu fürchten als den Tod</em></p>



<p class="has-small-font-size">Bertolt Brecht, Resolution der Kommunarden</p>



<div style="height:31px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-drop-cap">Die Leute leben weiter ihr gewohntes Leben. Sie posten Katzenbilder auf Instagram. Und sie üben schießen.“ Das sagte eine Freundin, die beruflich enge Kontakte in die Ukraine hat, zwei Wochen vor dem russischen Überfall auf das Land.</p>



<p>Die Bedrohung war da schon seit Monaten offensichtlich und zugleich merkwürdig ungreifbar. Etwas würde passieren, aber was? Die US-Regierung warnte immer wieder, ein Angriff auf die gesamte Ukraine stehe unmittelbar bevor. Wusste sie wirklich etwas oder war das ein verantwortungsloses Vabanquespiel?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Frieden schaffen ohne Waffen?</h2>



<p>Der Gedanke, dass sich in der Ukraine nun ganz normale Menschen im Umgang mit Waffen üben, berührte mich unangenehm. Ich bin ein deutsches Nachkriegskind und habe Anfang der Achtziger den Wehrdienst verweigert. Waffen sind dazu da, Menschen zu töten. Ich kann mir bis heute nicht vorstellen, das zu tun. Aber ich musste es mir in meinem Leben auch nie wirklich vorstellen. Ich war gegen die Bundeswehr. Ich war gegen die NATO und allemal gegen Aufrüstung. Dass ich in einem geteilten Land lebte, und zwar in der Hälfte, in der ich gegen die Aufrüstung der eigenen Seite auf die Straße gehen konnte, das war für mich einfach eine Gegebenheit. Niemand würde mein Land überfallen – und selbst wenn, es würde irgendwie schon verteidigt werden, auch ohne mich.</p>



<p>Eine Woche nach dem Gespräch mit unserer Freundin stand ich zusammen mit ein paar hundert Leuten am Brandenburger Tor, um Solidarität mit der Ukraine zu fordern. Mein Bekannter Lew, der mit seiner Familie aus Moskau nach Berlin emigriert ist, bestand darauf, dass Deutschland auch Waffen liefern müsse. Ich weiß nicht, sagte ich, es gibt doch auch andere Maßnahmen. Es müssen doch nicht alle das Gleiche tun, und gerade Deutschland… Weiter kam ich nicht. Genau das, fiel Lew mir erregt ins Wort, genau diese noble Haltung, sich nicht die Hände schmutzig machen zu wollen – das werde dazu beitragen, dass jetzt Ähnliches geschieht wie 1938 mit Hitlers Überfall auf die Tschechoslowakei.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Flucht oder Kampf</h2>



<p>Fünf Tage später fiel Putins Armee über die Ukraine her. Eine Freundin war gerade in Kyjiw. Ihr Vater war zwei Tage vor dem Angriff gestorben. Jetzt musste sie zusehen, dass sie ihre 85jährige Mutter so schnell wie möglich aus der Stadt und aus dem Land bringen konnte. Die Mutter war 1941 als kleines jüdisches Mädchen vor den Deutschen nach Russland geflohen und hatte so überlebt. Als alte Frau floh sie nun vor den Russen nach Deutschland.</p>



<p>Fliehen, um am Leben zu bleiben. Ausharren und hoffen zu überleben. Oder kämpfen und sein Leben aufs Spiel setzen. Andere Optionen gibt es nicht für die Menschen in einem überfallenen Land.</p>



<p>Auch viele russische Freunde haben über Nacht ihre Heimat verlassen. Sie wurden nicht beschossen und bombardiert. Aber sie erlebten schon seit langem, dass die wenigen verbliebenen Freiräume nach und nach geschlossen wurden. „Es gibt keine Luft“, hieß es immer öfter. Jetzt ging alles rasend schnell. Plötzlich war es verboten, von „Krieg“ statt von „militärischer Spezialoperation“ zu sprechen. <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.youtube.com/watch?v=YnkTLKJt6K0" target="_blank">Die Propagandamaschine lief auf Hochtouren.</a> Dann gab es Gerüchte, bald werde das Kriegsrecht verhängt und niemand komme mehr aus dem Land. Tausende packten von einem Tag auf den anderen die Koffer. Andere bleiben, versuchen etwas zu tun und wissen nicht, was sie erwartet.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine lebenswerte Gesellschaft</h2>



<p>Für uns ist es selbstverständlich, dass wir uns öffentlich äußern und unsere Gesellschaft mitgestalten können, auch wenn das nicht immer so leicht geht, wie es sich sagt. Es gibt Machtstrukturen, unterschiedliche Vorstellungen, manche Stimmen dringen nicht durch, andere finden sofort Gehör. Aber wir werden weder getötet noch eingesperrt, wenn wir für unsere Überzeugungen eintreten und so leben, wie es uns entspricht. Für viele, die hier leben, war das immer schon so; wir mussten nichts dafür tun und nehmen es kaum noch wahr. „Wir leben in einer Diktatur!“ rief letztes Jahr eine Kollegin bei einem Übersetzerstammtisch empört, weil sie mit den Coronamaßnahmen nicht einverstanden war. Wer so redet, hat den Unterschied nicht begriffen.</p>



<p>„Wir hatten ein normales Leben. Wir konnten sagen, was wir wollten.“ Das habe ich in den letzten Tagen mehrfach von ukrainischen Flüchtlingen gehört. Dass es in ihrem Land Probleme gibt, ist ihnen völlig klar, und sie können sich genauso darüber ereifern wie wir. Selenskyjs Beliebtheit hatte vor dem Überfall einen Tiefstand erreicht. Aber jetzt steht für diese Menschen das auf dem Spiel, was sich für uns von selbst versteht: eine Gesellschaft, die ihnen nicht die Luft abschnürt, sondern Raum lässt, sich einzubringen und ihre Interessen öffentlich zu vertreten. Sie wussten von Anfang an, dass niemand anders diese Gesellschaft für sie verteidigen wird. Sie hatten nur die Wahl, aufzugeben oder einen scheinbar aussichtslosen Kampf aufzunehmen. Sie haben sich entschieden, ohne uns erst um Rat zu fragen.</p>



<p>Selenskyjs Weigerung, sich in die USA ausfliegen zu lassen, hat nicht nur im eigenen Land die Kräfte mobilisiert, sondern auch dazu geführt, dass die westlichen Länder ihre Unterstützung erheblich ausgeweitet haben. Das ist gut so, denn wer vor Gewalt und Schrecken zurückweicht, sorgt dafür, dass sich Verhältnisse ausbreiten, in denen die Angst regiert. Pazifismus wird widersinnig, wo er demjenigen den Weg ebnet, der seine Waffen am skrupellosesten einsetzt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Energie-Embargo jetzt</h2>



<p>Drei Wochen nach dem russischen Überfall sieht die Lage ganz anders aus, als es anfangs die meisten erwartet hätten: Der Angriff auf die Ukraine ist für Putin zum Desaster geworden. Die russische Invasion kommt allenfalls schleppend und unter großen Verlusten voran. Die ukrainische Regierung ist im Amt und in einer weit besseren Position, als es anfangs möglich schien.</p>



<p>Alles was verantwortbar getan werden kann, um den Angreifer zurückzudrängen, muss getan werden. Die ukrainische Schriftstellerin Tanja Maljartschuk hat bei einer Diskussion im Literaturhaus Stuttgart zu Recht <a href="https://vimeo.com/683720956#t=2h14m00s" target="_blank" rel="noreferrer noopener">darauf hingewiesen</a>, dass über die Einrichtung von Flugverbotszonen nicht Schriftsteller und öffentliche Intellektuelle entscheiden sollten, sondern militärische und strategische Experten: „Der dritte Weltkrieg wird die Ukraine auch nicht retten.“</p>



<p>Das ist ein guter Grund, nicht sofort auf alles einzugehen, was gefordert wird. Unsere eigene Befindlichkeit dagegen ist kein guter Grund. Wenn ein Embargo von russischem Gas und Öl dazu beitragen kann, die Finanzierung dieses Angriffskriegs früher zu stoppen, dann ist dieses Embargo nötig – und zwar jetzt und nicht irgendwann später. Wir täuschen uns, wenn wir uns einreden, wir seien nur Zuschauer. Wir spielen mit in diesem Stück. Es wird erst enden, wenn dem, der das alles ins Werk gesetzt hat, die Bühne entzogen worden ist.</p>



<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: Christine ten Winkel / photocase.de</h6>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<div class="wp-block-image"><p align="center"><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady"/></a></p></div>
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		<title>Es geht auch ohne sie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Tomas Bächli]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Mar 2022 07:06:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Moral]]></category>
		<category><![CDATA[Putin]]></category>
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					<description><![CDATA[Soll man Musiker für ihre politische Haltung haftbar machen? In der Diskussion über Anna Netrebko und Valery Gergiev geht es weniger um Moral als um Ästhetik: Will man sie sich noch anhören?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-drop-cap">Die Diskussionen über Macht und Moral, über Politik und Kunst, die jetzt anlässlich von Anna Netrebkos und Valery Gergievs Nähe zu Putin aufkommen, kennt man bereits aus der Nachkriegszeit. Damals ging es um die Verstrickungen des Dirigenten Wilhelm Furtwängler oder der Pianistin Elly Ney mit der nationalsozialistischen Propagandamaschinerie.</p>



<p>Beschädigt das politische Versagen eines Musikers seine künstlerische Leistung, oder sollte man die beiden Bereiche so gut wie möglich auseinanderhalten?</p>



<p>Diese Frage lässt sich nicht trennen von der Rolle der ausführenden Musiker im musikalischen Prozess. Mir ist die deutsche Bezeichnung „Interpret“ suspekt, der angelsächsische Ausdruck „Performer“ liegt mir näher. Ich will die Bedeutung der ausführenden Musiker:innen keineswegs kleinreden, ich bin sogar der Meinung, dass sie eine Partitur im Voraus interpretieren, also verstehen müssen. Aber im Moment der Aufführung sind Musiker Performer und keine Hohepriester.</p>



<p>Darum sträubt sich auch etwas in mir, wenn ausführende Musiker als Künstler bezeichnet werden. Die Performer sind keineswegs so unersetzlich, wie uns der kommerzielle Musikbetrieb weismachen will. Bei Komponist:innen ist das anders. Wer sich mit der Musik des neunzehnten Jahrhunderts beschäftigt, kommt an Richard Wagner nicht vorbei, trotz seiner antisemitischen Pamphlete, und das musikalische zwanzigste Jahrhundert wiederum ist undenkbar ohne Anton Webern, auch wenn er in der Zeit der Naziherrschaft ein politischer Geisterfahrer war.</p>



<p>Das gilt für die Performer viel weniger. Klar gibt es auch bei Geigern und Pianistinnen Ausnahmeerscheinungen. Aber selbst für die größten Überflieger gilt, dass sie zwar sehr viel können – aber andere können eben auch viel. Wenn ein Musikliebhaber behauptet, er könne sich Mozart nur mit einem bestimmten Sänger oder einer bestimmten Pianistin anhören, dann hat das für mich einen leichten Geschmack von Bildungsspießertum.</p>



<p>Was heißt das nun für Netrebko und Gergiev? Sie sind gut. Aber es geht auch ohne sie. Ist das unfair gegenüber Musikern, die niemals in politisch heikle Situationen geraten sind? Natürlich ist das unfair, aber es gibt nun einmal kein Recht auf eine störungsfreie Karriere.</p>



<p>Im westlichen Musikbetrieb wird eifrig diskutiert, ob es rechtens sei, angesichts der russischen Invasion die Putinunterstützer zu canceln. Für mich stellt sich eine andere Frage: Will ich mir diese Musiker:innen noch anhören? Gerade bei Performern ist es schwierig, künstlerischen Ausdruck und politische Haltung zu trennen. Das hat mehr mit Ästhetik zu tun als mit Moral. Anna Netrebko kann als Opernsängerin Emotionen auslösen – das führt automatisch zur Frage, welche Emotionen mitspielten, als sie in den Separatistengebieten den imperialen Geist Neurusslands beschwor. Da wurde aus dem Spiel mit den Gefühlen Ernst. Wenn der Dirigent Gergiev seine Musiker durch die standardisierten Hits der Symphonik peitscht, fällt es mir schwer, nicht an seinen Präsidentenfreund zu denken, der mit denselben Führungsqualitäten in der Ukraine Geburtskliniken, Holocaustgedenkstätten und Atomkraftwerke bombardiert.</p>



<p>Wahrscheinlich hat es damit zu tun, dass die ausführenden Musiker physisch präsent sind, dank Youtube kann man ihnen bei der Arbeit zuschauen. Vielleicht wird auch die Zeit etwas ändern. Die alten Aufnahmen des Pianisten Alfred Cortot höre ich mir gerne an, trotz seiner fatalen Rolle im Vichy-Regime.</p>



<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: 18percentgrey via iStock (bearbeitet)</h6>



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		<title>Die Macht der Verweigerung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 26 Feb 2022 12:14:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[paradoxe Intervention]]></category>
		<category><![CDATA[Putin]]></category>
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					<description><![CDATA[Was hilft gegen einen atomar bewaffneten Psychopathen? Druck von außen und von innen. Ein überraschender Vorschlag für die Entmachtung des Tyrannen stammt aus dem 16. Jahrhundert.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-drop-cap">Am Donnerstag, den 24. Februar 2022, hat eine jener Epochen begonnen, in denen ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist. Über allem, worüber wir reden und über allem, was wir tun, hängt ein „eigentlich“: Angesichts der Katastrophe in der Ukraine scheint auf einmal alles müßig.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Ernstfall</h2>



<p>Der Ausnahmezustand erreicht unser Bewusstsein, auch wenn wir nicht dazu verurteilt sind, ihn zu leben. Den meisten von uns dürfte dieser Zustand nicht ganz unvertraut sein, sei es wegen der Pandemie oder, viel grundlegender und schon viel länger, angesichts der Erderwärmung. Apokalyptisch anmutende Waldbrände in den USA, Sibirien, Griechenland, Überschwemmungen und Dürre, der Verlust von Grönland-Eis und Regenwald – es verstört nicht nur mich, dass all das bisher nicht genügt hat, um den Ernstfall auszurufen.</p>



<p>Seit diesem verfluchten Donnerstag, den 24. Februar 2022, sitzt uns der Ernstfall in den Knochen. Es war ein Ernstfall, mit dem wir nicht rechnen wollten, trotz der furchtbar präzisen Vorhersagen der Geheimdienste. Dass eine Atommacht einen Krieg vom Zaun brechen könnte gegen ein Land, von dem keinerlei militärische Bedrohung ausgeht, überforderte unsere Vorstellungskraft. Nun sind wir aus dem &#8222;Nie-wieder-Krieg-Dornröschenschlaf&#8220; erwacht, wie es meine Freundin Stephanie Jaeckel auf ihrem <a rel="noreferrer noopener" href="https://klunkerdesalltags.blog/2022/02/26/1352-km-bis-zum-krieg/" target="_blank">Blog</a> ausdrückt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Niemand kann sich Macht nehmen</h2>



<p>„Putin is small and pale, so cold as to be almost reptilian”, notierte sich Madeleine Albright nach ihrer ersten Begegnung im Jahr 2000. Wie kann es sein, dass so ein kleiner Mann, emotional verkrüppelt und paranoid, das Schicksal Europas in der Hand hat? Niemand kann sich Macht nehmen. Sie wird ihm gegeben, und behalten kann er sie nur solange, wie andere tun, was er sagt. Jede Rakete, die in Kiew einschlägt, wurde von jemandem bedient, der tut, was man ihm sagt. Den atomaren Sarkophag von Tschernobyl hat nicht Putin „erobert“, sondern seine Handlanger. Es sind Handlanger, die wissen, was sie damit möglich machen (noch etwas, was wir uns lieber nicht vorstellen wollen).</p>



<p>Was tun? Man müsste Putin das Handwerk legen – das schreibt sich so leicht hin und scheint doch so unmöglich. Erstaunlicherweise gibt es einen Text, der dafür eine Anleitung liefert. Er stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde von dem damals wohl kaum 18-jährigen Étienne de la Boétie verfasst: <em>Abhandlung über die freiwillige Knechtschaft</em>. Michel de Montaigne war vier Jahre mit Étienne de la Boétie befreundet, bevor dieser mit 32 Jahren starb, wahrscheinlich an der Ruhr. Mit seinem Essay „Von der Freundschaft“ setzte Montaigne dem Freund ein Denkmal und rettete ihn damit für die Nachwelt, für uns. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Den Tyrannen verdorren lassen</h2>



<p>In den Trump-Jahren wurde de la Boéties Anleitung zur Subversion wieder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.republik.ch/2019/01/16/shakespeares-tyrannen-sind-wieder-im-amt" target="_blank">ausgegraben</a>: Angesichts von Trumps Präsidentschaft drängte sich die Frage auf, warum Wählerinnen und Wähler ihre Stimme einem Herrscher geben, der gegen ihre eigenen Interessen arbeitet und ihre Werte zerstört. (Stoßseufzer: Immerhin ist Trump nicht mehr der mächtigste Mann der Welt, sonst würde er nun den zweitmächtigsten bei seinem Krieg anfeuern und unterstützen.)</p>



<p>Über die Tyrannen schreibt de la Boétie:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>je mehr sie zerstören und plündern, je mehr man ihnen gibt und je mehr man ihnen dient, desto stärker und kraftvoller, alles zu zernichten und zu zerstören, werden sie; aber sobald man ihnen nichts mehr gibt, sobald man ihnen nicht mehr gehorcht, stehen sie, ohne dass es weiterer Gewalttätigkeit bedarf, nackt und kraftlos da und sind nichts mehr und dörren ab, gleich der Pflanze, welcher man die Feuchtigkeit und Nahrung entzogen hat.</p></blockquote>



<h2 class="wp-block-heading">Druck von außen und von innen</h2>



<p>Es wäre suizidal, einen mutmaßlichen Psychopathen, der über Atomwaffen verfügt, militärisch von außen zu bekämpfen. Umso wichtiger ist es, den nicht-militärischen Druck von außen maximal zu erhöhen und auch vor Sanktionen nicht zurückzuschrecken, deren Folgen wir selbst zu spüren bekommen: die Abhängigkeit von russischer Energie beenden (auch abrupt), Russland aus dem SWIFT-System werfen, russische Konten in der Schweiz sperren. </p>



<p>Druck von außen wird Putin nur dann weh tun, wenn er auch uns selbst wehtut. Und er wird allein nicht genügen. Um Putin die Macht zu nehmen, braucht es nicht zuletzt die, die sie ihm bisher gegeben haben: die eigenen Untertanen, seine Soldaten, Köche, Ärzte, Geheimdienstler, sein eigenes Land. Nur sie können seine Energiequellen trockenlegen und ihn verdorren lassen.</p>



<p>Auch wenn wir uns in einer komfortablen Position befinden, sind wir durchaus nicht nur Zuschauer: Es geht um die Freiheit in der Ukraine, in Russland, und letztlich auch bei uns. Wir können nur gemeinsam dafür kämpfen, und wie beim Klimawandel gilt auch hier: Je länger wir den Kampf aufschieben, desto höher der Preis.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Verweigerung</h2>



<p>Es erfordert immensen Mut, sich von innen gegen dieses Regime zu stellen, das immer noch von so vielen loyalen Handlangern getragen wird. Doch die Proteste in den russischen Städten, die offenen Briefe von <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.dailymail.co.uk/news/article-10548079/Putins-goddaughter-leads-fury-against-invasion-Ukraine.html" target="_blank">Celebrities</a> und <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/offener-brief-russische-wissenschaftler-wenden-sich-gegen-putin-17833982.html" target="_blank">Wissenschaftlern</a> richten sich auch ans Ausland: Der Druck nach innen steigt, wenn sie von der Welt zurück gespiegelt werden. Die Verbreitung dieser Botschaften gehört erst noch zu den Maßnahmen, die nichts kosten.</p>



<p>Man muss den Tyrannen gar nicht töten, es reicht, ihm nichts mehr zu geben, das ist die gute Nachricht aus dem Text von de la Boétie. Sie könne es vor ihrem Gewissen nicht verantworten, von einem solchen Staat weiterhin ein Gehalt zu beziehen – mit dieser Begründung ist Elena Kovalskaya als Direktorin des Meyerhold-Theaters zurückgetreten. Sie liefert damit ein Vorbild für den gewaltfreien Widerstand. Er könnte eine Macht entfalten, der mit Gewalt nicht beizukommen ist.</p>



<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: © Jan Buchholz</h6>
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		<title>Feindbild Europa</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Agnese Franceschini]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Mar 2017 13:04:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Abu Musab al-Suri]]></category>
		<category><![CDATA[Alexander Dugin]]></category>
		<category><![CDATA[Anders Breivik]]></category>
		<category><![CDATA[Dschihadisten]]></category>
		<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Identitäre]]></category>
		<category><![CDATA[Putin]]></category>
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					<description><![CDATA[In seinem Essay „Anti-Europäer“ vergleicht Claus Leggewie die Ideologie von Dschihadisten, Identitären und Eurasiern. Er findet überraschende Gemeinsamkeiten – auch mit der Mainstream-Kultur. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dropcap">W</span>as haben der Terrorist Anders Breivik, der „Eurasien“-Verfechter Alexander Dugin und der Dschihadist Abu Musab al-Suri miteinander gemein? Den Hass auf Europa und seine Werte, antwortet Claus Leggewie in seinem Essay <em>Anti-Europäer.</em></p>
<p>Der Begriff „Gegnerforschung“ kommt aus der nationalsozialistischen Propaganda und wurde vom Soziologen Wolf Lepenies neu interpretiert (vgl. seine <a href="http://www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/sixcms/media.php/1290/2006%20Friedenspreis%20Reden.pdf" target="_blank">Dankesrede</a> anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels). Leggewie wendet die Methode der Gegnerforschung nun in seiner Lektüre der Texte von Breivik, Dugin und al-Suri an. Er stellt eine erstaunliche geistige Nähe dieser Extremisten zueinander fest, sowie zum Mainstream in unserer Kultur:</p>
<blockquote><p>Den „Breivik ohne Utoya“ geben viele. Populisten und Islamverächter distanzieren sich von Breiviks Tat, aber sie sprechen seinen Text.</p></blockquote>
<h4>Das Abendland als Stammesgemeinschaft</h4>
<p>Als erstes analysiert Leggewie Anders Breiviks Manifest <em>2083 – Eine europäische Unabhängigkeitserklärung</em>. Die Zahl 2083 bezieht sich auf das vierhundertjährige Jubiläum der Schlacht am Kahlenberg bei Wien, wo eine christliche Allianz am 12. September 1683 die zweite Belagerung der Stadt durch die Türken beendete. Die Lektüre der 1500 Seiten sei „eine wahre Qual“, so Leggewie, doch helfe sie, die Quellen von Breiviks Weltanschauung aufzuspüren. Breiviks Ideen gehen auf antiislamische Autoren wie Richard Spencer und Gisèle Littman zurück. In dem dreiteiligen „Konvolut“ Breiviks geht es im Weiteren um „ethnische Reinheit“, um das „Abendland als Stammes- und Religionsgemeinschaft“, um Europa als monokulturelles Gebiet. Hiermit gehört Breivik zu den sogenannten Identitären, deren Abschottungsdiskurs und Identitätspolitik „längst in die Mitte der europäischen Gesellschaft vorgedrungen&#8220; seien.</p>
<p>Der erste Teil von Breiviks <em>Unabhängigkeitserklärung</em> zum Beispiel widmet sich dem ständigen Nachgeben „gegenüber europäischen Multikulturalisten“, sprich Humanisten, Feministinnen und „Kulturmarxisten“. Im Grund sei Breiviks Manifest der Aufruf zu einer Konservativen Revolution:</p>
<blockquote><p>Breiviks Welt, die spätesten 2083 wieder heil sein soll, ist das auf der patriarchalen Kleinfamilie beruhende, aus christlichen Nationen gebildete Abendland, das sich von Muslimen vollständig gesäubert hat.</p></blockquote>
<p>Die Tatsache, dass Breivik bei seinen Anschlägen keine Muslime ermordet hat, sondern junge Norweger, zeigt nach Leggewie, wer seine wahren Feinde sind: Linksliberale, Schwule, Feministinnen und Befürworter der kulturellen Vielfalt, also Menschen, die an eine demokratische, solidarische Gesellschaft glauben.</p>
<h4>Die Eurasische Autokratie</h4>
<p>Dies sind auch die Feinde von Alexander Dugin, der von einer Eurasischen Autokratie träumt, einem Europa unter der Führung von Putins postsowjetischem Russland. Die Vision von der plebiszitären und gelenkten Demokratie hat auch in Westeuropa ihre Anhänger.</p>
<blockquote><p>Einige Denkfabriken der Neuen Rechten haben das Vordringen russischer Soldaten und Freischärler auf das Gebiet der Ukraine gutgeheißen, noch weit mehr Europäer können einem ‚Dugin ohne Neurussland’ etwas abgewinnen.</p></blockquote>
<p>Auch Dugin, so stellt Leggewie anhand von dessen Texten fest (etwa <em>Die Vierte Politische Theorie</em>), steht für die Konservative Revolution – ein Oxymoron, das schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur Benennung einer rechtsorientierten Strömung verwendet wurde. Dieses Denken findet Leggewie bereits in Carl Schmitts <em>Legalität und Legitimität </em>von 1932:</p>
<blockquote><p>Das Volk kann nur Ja und Nein sagen; es kann nicht beraten, deliberieren oder diskutieren; es kann nicht regieren und nicht verwalten; es kann auch nicht normieren, sondern nur einen ihm vorgelegten Normierungsentwurf durch sein Ja sanktionieren. Es kann vor allem auch keine Frage stellen, sondern nur auf eine ihm vorgelegte Frage mit Ja oder Nein antworten.</p></blockquote>
<p>Auch die „Scheidung von Freund und Feind“, laut Leggewie derzeit der „Kern alles Politischen“, geht auf Carl Schmitt zurück. In <em>Politische Theologie </em>(1922) heißt es:</p>
<blockquote><p>Der politische Feind braucht nicht moralisch böse, er braucht nicht ästhetisch hässlich zu sein, er muss nicht als wirtschaftlicher Konkurrent auftreten, und es kann vielleicht sogar vorteilhaft und rentabel scheinen, mit ihm Geschäfte zu machen. Er bleibt aber <em>ein Anderer, ein Fremder.</em></p></blockquote>
<h4>Der Dschihad als religiöse Revolution</h4>
<p>In der Aussage von den Fremden als Feinden stößt man auf eine wesentliche Gemeinsamkeit von Identitären, Neo-Eurasiern und Dschihadisten. In seinem „Aufruf zum weltweiten islamischen Widerstand“ hat Abu Musab al-Suri die Grundidee für die Anschläge in Paris, Brüssel und Berlin vorgegeben: Er ist der Erfinder der Taktik kleiner, selbständig agierender Terrorzellen, die im Herzen westlicher Großstädte die Besucher von Stadien, Theatern und Weihnachtsmärken ins Visier nehmen. Leggewie zieht Parallelen zu den Extremisten Europas und Russlands:</p>
<blockquote><p>Mutatis mutandis kommt er hier zu ähnlichen Schlüssen wie Dugin über die Multipolarität der Weltpolitik, und mit Breivik postuliert er die Notwendigkeit der Wiederkehr religiöser Überzeugungen.</p></blockquote>
<p>Statt einer konservativen haben wir beim Dschihadisten al-Suri eine religiöse Revolution, das Ziel jedoch ist das gleiche:</p>
<blockquote><p>Die Protagonisten kommen aus unterschiedlichen Traditionen und führen nicht denselben Kampf. Gemeinsam ist ihnen jedoch das Feindbild: Europa in seiner dreifachen Gestalt als Wertegemeinschaft, gemeinsamer Markt und politische Union – und die Zielsetzung: die Auflösung der Grauzonen, die Stärkung des „Eigenen“ gegen das „Fremde“, die Politisierung des Raums und die religiöse „Verschärfung“ des Politischen.</p></blockquote>
<p>Claus Leggewie hat nicht nur die Gemeinsamkeiten dieser drei Strömungen herausgearbeitet, sondern er zeigt auch die Berührungspunkte dieser Extremisten mit politischen Bewegungen, die in Europa und in den USA auf dem Vormarsch sind.</p>
<p>Noch regieren die Faschisten in Europa nicht, aber es gibt zu denken, dass der Anstoß zu Leggewies Buch ein Satz aus Stefan Zweigs Abschiedsbrief war. Er scheide aus dem Leben, schreibt Zweig am 22<strong>. </strong>Februar 1942 im Exil in Rio de Janeiro,</p>
<blockquote><p>da die Welt meiner eigenen Sprache für mich untergegangen ist und meine geistige Heimat Europa sich selber vernichtet.</p></blockquote>
<hr />
<p><div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"><br />
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><br />
Claus Leggewie<br />
<strong>Anti-Europäer</strong><br />
Breivik, Dugin, al Suri &amp;Co.<br />
Suhrkamp Verlag 2016 • 176 Seiten • 15 Euro<br />
ISBN: 978-3-518-07145-8<br />
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</div></div><br />
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><a href="http://www.amazon.de/dp/3518071459/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" data-attachment-id="7011" data-permalink="https://tell-review.de/feindbild-europa/leggewie_anti-europaeer/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/03/Leggewie_Anti-Europ%C3%A4er.jpg?fit=1417%2C2362&amp;ssl=1" data-orig-size="1417,2362" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Leggewie_Anti-Europäer" data-image-description="&lt;p&gt;http://www.suhrkamp.de/buecher/anti-europaeer-claus_leggewie_7145.html&lt;/p&gt;
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</div></div></p>
<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis:</em><br />
<em> Beitragsbild: Fred G Hellwig: Europa auf dem Stier</em><br />
<em> von Ikess (Eigenes Werk) [<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0">CC BY-SA 4.0</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AEuropa_auf_dem_Stier_Fred_G_Hellwig.jpg">via Wikimedia Commons</a> (bearbeitet)</em></h6>
<h6 style="text-align: right;"><em>Buchcover: <a href="http://www.suhrkamp.de/buecher/anti-europaeer-claus_leggewie_7145.html" target="_blank">Suhrkamp Verlag</a></em></h6>
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