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	<title>Politik &#8211; tell</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
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	<title>Politik &#8211; tell</title>
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		<title>Safety first</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Mar 2020 08:26:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Coronavirus]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[Zur Eindämmung des Coronavirus werden weltweit drastische Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Politiker müssen aus der Situation heraus handeln. Eine Geschichte von Bertolt Brecht zeigt, welche Risiken das birgt und weshalb sie nicht zu vermeiden sind.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[


<p>Der tell-Mitarbeiter <a href="https://tell-review.de/author/herwig-finkeldey/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Herwig Finkeldey</a> ist Arzt und Literat. Für tell schreibt er regelmäßig über die Corona-Pandemie.</p>



<ul class="wp-block-list"><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://tell-review.de/warum-man-es-in-der-intensivmedizin-immer-mit-dem-einzelfall-zu-tun-hat/" target="_blank">Warum man es in der Medizin immer mit dem Einzelfall zu tun hat </a>(14. April 2020)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://tell-review.de/warum-es-beim-coronavirus-keine-einfachen-antworten-gibt/" target="_blank">Warum es beim Coronavirus keine einfachen Antworten gibt </a>(1. Mai 2020)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://tell-review.de/das-neue-chamaeleon-der-medizin/" target="_blank">Das neue Chamäleon der Medizin</a> (22. Juli 2020)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://tell-review.de/warum-argumente-es-bei-corona-so-schwer-haben/" target="_blank">Warum Argumente es bei Corona so schwer haben</a> (17. September 2020)</li><li><a href="https://tell-review.de/die-angst-in-der-pandemie/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Angst in der Pandemie</a> (28. Januar 2021)</li></ul>





<p class="has-drop-cap">Nun schließt Deutschland – Stand 15.03.2020, 18:00 – die Grenzen zu vier Nachbarstaaten. Die Grenze zu Polen und zu Tschechien haben die jeweiligen Länder ja selbst schon geschlossen. Damit ist Deutschland de facto ein abgeriegelter Nationalstaat. Das ist, zusammen mit der Schließung von Schulen, Sport- und Gaststätten auf kommunaler Ebene, der vorläufige Höhepunkt sich überstürzender staatlicher Maßnahmen, die die Pandemie durch das SARS-Cov-2 eindämmen sollen.</p>



<p>Was ist von solch drastischen Maßnahmen zu halten? Ist das durch epidemiologisch-infektiologische Erkenntnisse abgedeckt, oder liegt das jenseits einer rationalen Gesundheitspolitik? Dient dies mehr der Beruhigung der Bevölkerung als der Lösung des Problems? Es scheint zumindest so, dass die öffentliche Stimmung eher in die Richtung drastischer Maßnahmen geht als in deren Abwehr. Dies beeiflusst die Politiker, die solche Entscheidungen treffen müssen, durchaus, es gibt ein Getriebensein im schwierigen Prozess der Entscheidungsfindung. Jedenfalls beklagt dies die Medizinerin Ursula Nonnemacher, Gesundheitsministerin des Landes Brandenburg, in einer Rundfunkdiskussion des <a rel="noreferrer noopener" aria-label="Inforadio rbb (opens in a new tab)" href="https://www.inforadio.de/programm/schema/sendungen/forum/202003/15/419069.html" target="_blank">Inforadio rbb</a> vom 15. März 2020.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Zwischen Panik und falscher Beschwichtigung</h3>



<p>Seuchen waren immer Auslöser von Angst und Schuldzuweisungen. In Zeiten, in denen man noch keinerlei Wissen über deren Ursachen hatte, während der Pestepidemie des Mittelalters etwa, ohnehin, doch mit dem Aufkommen der naturwissenschaftlichen Erklärungen wurde die Sicht auf die Infektionskrankheiten keineswegs rationaler. Zwar wissen nun alle, dass Viren oder Bakterien die Auslöser sind. Dennoch sieht man vielerorts als Ursache das Eindringen des Fremden in die eigene Bevölkerung. </p>



<p>Demnach überträgt sich das Coronavirus in unserer globalen Welt nicht von Mensch zu Mensch: Zu Anfang hieß es, es „kommt aus China“, und Präsident Trump erklärt es schlicht als „foreign“. Aus anderen Ecken trudeln Verschwörungstheorien ein. George Soros soll hinter dem Virus stecken, sogar von einem vorsätzlich freigesetzten biologischen Kampfstoff ist die Rede.</p>



<p>In einer solchen Situation, die beständig zwischen Panik und falscher Beschwichtigung pendelt, müssen Politiker nun handeln. Da kann man nur verlieren. Wer Angehörige hat, die zu den Risikogruppen gehören, macht sich berechtigte Sorgen – diesen Menschen tut man mit Hysterievorwürfen Unrecht.</p>



<p>Egal, was man tut, immer wird es nach dem Ende der Seuche wohlfeile Urteile ex post geben – vor allem von denjenigen, die keine Verantwortung übernehmen mussten.</p>



<p>Aber man kann diese Situation auch als existenzielle Herausforderung sehen und sie annehmen. Alle wissen, dass Nichtstun fatal wäre. Die gespenstische Situation in Norditalien spricht für sich.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Populisten warten</h3>



<p>Doch Handeln trägt immer auch die Möglichkeit des Irrtums, des Scheiterns in sich. Egal, wie gut die Politiker von den Virologen jetzt beraten werden – niemand kann den Verlauf der Pandemie abschätzen. Jede Entscheidung kann falsch sein. Das lehrt Bertolt Brechts Erzählung „Safety first“, die in der DDR unter dem Titel „Die Rache des Kapitän Mitchell“ verfilmt wurde. Mitchell ist Kapitän des Kreuzfahrtschiffs Astoria, das nach einer Kollision mit einem Fischkutter kurz vor Schottland leck schlägt. Im Navigationsraum kommt man, nach Begutachtung des Schadens, zum Schluss, dass das Schiff binnen einer Stunde sinken werde. Mitchell entscheidet sich für den Notruf SOS. Zwei Schiffe eilen herbei und nehmen die Passagiere auf. Mitchell bleibt mit der Mannschaft an Bord, doch wider Erwarten lässt sich das Schiff in den nächsten Hafen steuern. Dass es nicht gesunken ist, erweist sich für Mitchell als fatal: Weil er unnötigerweise SOS gerufen und damit hohe Kosten verursacht habe, wird er von seiner Reederei entlassen.</p>



<p>Genau so könnte es Politikern gehen, wenn die Pandemie überstanden ist und die Rechnung für das Saftey first-Denken präsentiert wird. Derzeit schweigen die Populisten. Gut möglich, dass sie auf diesen Moment warten, um dann mit Verspätung doch noch politisches Kapital aus der Katastrophe zu schlagen.</p>



<p>Trotzdem sind wir zum Handeln verdammt.</p>



<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild: Michel Serre: Die Pest in Marseille 1720. <br>Public Domain, <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Chevalier_Roze_%C3%A0_la_Tourette_-_1720.PNG" target="_blank" rel="noopener noreferrer">via Wikimedia Commons</a></h6>



<hr class="wp-block-separator"/>





<p>Bertolt Brecht<br><strong>Die unwürdige Greisin und andere </strong>Geschichten<br>Zusammengestellt und mit Anmerkungen versehen von Wolfgang Jeske <br>Suhrkamp 2008 · 220 Seiten · 9 Euro<br>ISBN: 978-3-518-38246-2 </p>



<p>Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei mojoreads unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="https://mojoreads.de/book/?isbn=9783518382462&amp;ref=tell" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Mojoreads</a> oder im lokalen Buchhandel</p>





<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><a href="https://mojoreads.de/book/?isbn=9783518382462&amp;ref=tell" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><img fetchpriority="high" decoding="async" data-attachment-id="97353" data-permalink="https://tell-review.de/safety-first/attachment/38246/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2020/03/38246.jpg?fit=1274%2C2092&amp;ssl=1" data-orig-size="1274,2092" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="38246" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2020/03/38246.jpg?fit=183%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2020/03/38246.jpg?fit=627%2C1030&amp;ssl=1" src="https://i2.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2020/03/38246.jpg?fit=627%2C1030&amp;ssl=1" alt="" class="wp-image-97353" width="274" height="449" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2020/03/38246.jpg?w=1274&amp;ssl=1 1274w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2020/03/38246.jpg?resize=183%2C300&amp;ssl=1 183w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2020/03/38246.jpg?resize=627%2C1030&amp;ssl=1 627w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2020/03/38246.jpg?resize=49%2C80&amp;ssl=1 49w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2020/03/38246.jpg?resize=768%2C1261&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2020/03/38246.jpg?resize=935%2C1536&amp;ssl=1 935w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2020/03/38246.jpg?resize=1247%2C2048&amp;ssl=1 1247w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2020/03/38246.jpg?resize=300%2C493&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 274px) 100vw, 274px" /></a></figure>





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		<title>Eine Übung in Langsamkeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Lars Hartmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Sep 2018 09:06:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Fotografie]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[„Das Sehen war anders“, sagt Teju Cole, nachdem er vorübergehend erblindet war. Sein Foto-Text-Band „Blinder Fleck“ ist das Ergebnis dieser Erfahrung.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dropcap">D</span>er „blinde Fleck“ ist die Stelle des Auges, an welcher der Sehnerv austritt. Er ermöglicht das Sehen, doch zugleich nimmt das Auge genau an diesem Punkt nichts wahr. Die Sicht entsteht also aus einer partiellen Blindheit. Normalerweise bleibt dieser Ausfall des Gesichtsfeldes unbemerkt, denn das Gehirn ergänzt die fehlenden Bildteile. Bei Teju Cole steht der Buchtitel <em>Blinder Fleck</em> zugleich für eine partielle Erblindung, die den Autor und Fotografen 2011 ereilte – glücklicherweise nur vorübergehend. Aus dieser Situation heraus entstand das Buch.</p>
<p>Das Wort Phantasie kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet „Erscheinung“, aber auch „Einbildung“ und „Vor-Augen-Stellen“. Eine Fotografie zeigt uns etwas, sie bringt etwas zum Erscheinen, aber erst die Interpreten des Betrachters und, in Coles Fall, die des Erzählers vermag es, sie mit einer besonderen Bedeutung aufzuladen.</p>
<p>158 Texte stehen neben 158 Fotografien. Eine Bemerkung auf der Impressum-Seite weist darauf hin, dass es sich um ein nicht-fiktionales Werk handelt – anders als Coles Erstlingswerk <em>Jeder Tag gehört dem Dieb</em>, in dem sich ebenfalls Fotos finden. Dort versteht sich das dokumentarische Erzählen bewusst als Fiktion. Erlebnisse und der Alltag in Lagos werden ins Erzählen eingekleidet.</p>
<h3>Reisender mit Kamera</h3>
<p>Das ist in <em>Blinder Fleck</em> nicht der Fall, allein schon durch die Parallelführung von Bild und Text. Die Fotos schaffen einen Bezug zur Wirklichkeit, aber es gibt keine kontinuierliche Geschichte. Die Bilder stammen aus unterschiedlichsten Gegenden aus allen fünf Kontinenten, über den Texten jeweils steht der Name der betreffenden Stadt oder der Region. Cole ist ein Reisender, und er hält mit der Kamera fest, was er an den verschiedenen Orten sieht. Meist sind es unscheinbare Details, Straßenszenen, Häuserwände, Hotelzimmer, Landschaften im Panorama wie das Wadi Qadischa im Libanon: Der Vordergrund zeigt einen Rohbau mit einem schmalen Betonklotz und zwei Ölfässern, weiter entfernt stehen die Häuser des Ortes, in der Ferne breitet sich die grüne Hügellandschaft aus. Im Zusammenspiel von Fotografie und Text geht es nicht zuletzt auch um das, was – metaphorisch gedacht – im blinden Fleck der Fotografie nicht gesehen wird und was insofern die Phantasie des Dichters als Prosa ergänzt. Zum Foto von Wadi Qadischa schreibt er:</p>
<blockquote><p>„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ ist ein Kategorienfehler. Es würde auch niemand behaupten, ein Lied sage mehr als tausend Tänze. Bestimmte Lieder können ohne weiteres für sich stehen, andere ebenso gute, gewinnen, wenn ein Tänzer sich auf sie zubewegt.</p></blockquote>
<p>Coles Bildlektüren leben von diesen Bezügen – Assoziationen aus der Kindheit, wie etwa bei einem Foto aus Lagos, wo der Autor sich daran erinnert, wie seine Mutter ihn zwang, ein Blatt Papier fehlerfrei vollzuschreiben, nachdem er immer wieder Wörter falsch geschrieben und dann durchgestrichen hatte. Dann wieder verbindet Cole Alltagsszenen mit aktueller Politik. Seine Phantasie entzündet sich an zunächst unscheinbaren und vermeintlich harmlosen Details. Über das Foto einer weißen Wand, auf der über einer Blechtür die schwarze Silhouette eines laufenden Cowboys aufgesprüht ist, heißt es:</p>
<blockquote><p>Mit der Schweiz verbinde ich behagliche Ruhe. Es gab zwar mal Krieg, aber das war in der Söldnerzeit, das ist lange her. Heute ist die Schweiz neutral, gesetzt, sicher. Aber ich musste an die neuen schweizerischen Waffen denken und die vielen Orte und Körper, die dem millionenschweren jährlichen Schweizer Waffenabsatz zum Opfer fallen.</p></blockquote>
<p><div id="attachment_13841" style="width: 910px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-13841" data-attachment-id="13841" data-permalink="https://tell-review.de/eine-uebung-in-langsamkeit/zurich-july-2015_resampled/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Zurich-July-2015_resampled.jpg?fit=4818%2C3214&amp;ssl=1" data-orig-size="4818,3214" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;Perfection V800/V850&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1452697326&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Zurich July 2015_resampled" data-image-description="&lt;p&gt;Aus: Teju Cole, Blinder Fleck, Hanser Berlin 2018, 352 Seiten, 38,00 EUR, ISBN 9783446258501&lt;br /&gt;
Foto: Teju Cole&lt;br /&gt;
Nur im Zusammenhang mit dem Buch verwenden!&lt;/p&gt;
" data-image-caption="&lt;p&gt;Zürich, Juli 2015&lt;/p&gt;
" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Zurich-July-2015_resampled.jpg?fit=300%2C200&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Zurich-July-2015_resampled.jpg?fit=900%2C600&amp;ssl=1" class="wp-image-13841 size-large" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Zurich-July-2015_resampled.jpg?resize=900%2C600&#038;ssl=1" alt="" width="900" height="600" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Zurich-July-2015_resampled.jpg?resize=1030%2C687&amp;ssl=1 1030w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Zurich-July-2015_resampled.jpg?resize=80%2C53&amp;ssl=1 80w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Zurich-July-2015_resampled.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Zurich-July-2015_resampled.jpg?resize=768%2C512&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Zurich-July-2015_resampled.jpg?resize=2000%2C1334&amp;ssl=1 2000w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Zurich-July-2015_resampled.jpg?resize=450%2C300&amp;ssl=1 450w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Zurich-July-2015_resampled.jpg?resize=1300%2C867&amp;ssl=1 1300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Zurich-July-2015_resampled.jpg?w=1800&amp;ssl=1 1800w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Zurich-July-2015_resampled.jpg?w=2700&amp;ssl=1 2700w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /><p id="caption-attachment-13841" class="wp-caption-text">Zürich, Juli 2015. Foto: © Teju Cole, aus dem besprochenen Band.</p></div></p>
<h3>Sorgen um das Augenlicht</h3>
<p>Die Prosastücke sind meist kurz, nicht einmal eine Seite, vom Stil her fallen sie unterschiedlich aus: Wir lesen von Alltäglichem wie etwa einem Frühlingstag in den USA in dem kleinen Örtchen Tivoli, die zarte Knospen eines Strauchs erinnern Cole an Japan:</p>
<blockquote><p>Selbst in Amerika ist das Frühjahr japanisch. Es sind nicht nur die Blätter, die wachsen. Die Schatten wachsen auch. Alles wächst. Was im Licht liegt und was das Licht malt. Die Welt mehrt sich, alles wuchert wie Nervenfortsätze.</p></blockquote>
<p>Tagebuchnotizen mit lyrischem Einschlag, Beobachtungen, die Unverbundenes verbinden. Wir lesen von Verweisen auf die Kunstgeschichte, dann wieder über Coles Sorgen um sein Augenlicht:</p>
<blockquote><p>Im Frühjahr 2011, kurz vor meinem sechsunddreißigsten Geburtstag, wurde bei mir nach einer vorübergehenden Erblindung eine papilläre Vaskulitis diagnostiziert, und ich musste mich einem Eingriff unterziehen, bei dem einige beschädigte Blutgefäße mit dem Laser verätzt wurden. Danach war das Fotografieren anders. Das Sehen war anders.</p></blockquote>
<p>Häufig klingen politische Themen an, griechische Mythen wie die Geschichte vom (geblendeten) Ödipus sowie christliche Motive. Ein klaffender Riss in einer Kunststofffolie vor dem Fenster einer Wohnung beim Berliner Wannsee führt zu den Wundmalen Jesu und dem ungläubigen Thomas und von dort weiter zu einem Gemälde von Caravaggio im Schloss Sanssouci – das wiederum diese Thomas-Szene zeigt.</p>
<blockquote><p>Aristoteles hat gesagt, die Seele denke nie ohne Bilder. Und Giordano Bruno sprach im Rückgriff auf ihn vom Denken als spekulativem Umgang mit von der Seele entworfenen Bildern.</p></blockquote>
<h3>Subkutane Bedeutung</h3>
<p>Genauso aber finden sich lyrische Reflexionen in den Texten oder einfach nur Komisches. Neben dem Bild unter der Überschrift „Wannsee“ heißt es:</p>
<blockquote><p>Ich schrieb ihr. „Das Haus ist angenehm, aber wenige hundert Meter weiter hat Kleist sich erschossen.“ Sie schrieb zurück: „Überall hat sich wenige Meter weiter jemand erschossen.“</p></blockquote>
<p>Das Sarkastisch-Komische weist auf eine tiefere Schicht in diesem Buch, nämlich das Thema der Gewalt, das diese Foto-Essays immer wieder umkreisen: der IS in Syrien, Massaker in Indonesien, Rassismus in den USA, Waffenhandel. In diesem Sinne ist Coles Buch politisch, ohne Handlungsanweisungen zu liefern. Wir sehen eine Fotografie mit weißen Motorjachten auf dem tiefblauen Mittelmeer: Cole assoziiert dazu die blutige <em>Ilias</em> Homers und denkt dabei an ein Meer des Todes – ein Meer, in dem Menschen ertrinken. Solche Deutung ist einerseits pathetisch, andererseits zeigt sie, wie sich in einer Fotografie Schichten von Bedeutung ineinanderschieben. Das Sichtbare in der Fotografie, das also, was wir für ‚objektiv‘ halten, wird erweitert durch eine zunächst unsichtbare, subkutane Schicht von Sinn, die erst durch den Interpreten hinzutritt. Fotos sind mehr, als was sie unmittelbar zu zeigen scheinen. Zugleich erkennt Cole das Defizit des Fotos im Feld des Politischen:</p>
<blockquote><p>Fotografie taugt nicht zur Darstellung politischer Details oder politischer Tragweite. Die Politik ist eine Frage des Diskurses, und des diskursiven Kompromisses. Die Fotografie kann Gewalt und ihre Folgen zeigen, sie kann lächelnde Gesichter zeigen oder romantische Gefühle. Die Fotografie taugt ganz gut zur Metapher und zur Evokation. Politik aber ist anderswo, schwer in einen Rahmen zu pressen. Allenfalls kann ein fotojournalistisches Motiv etwas vom politischen Theater zeigen. Dabei wird möglicherweise unterschlagen, was an der Politik politisch ist. Leider fasst die Öffentlichkeit solche Bilder oft als politisches Faktum auf.</p></blockquote>
<p><div id="attachment_13825" style="width: 910px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-13825" data-attachment-id="13825" data-permalink="https://tell-review.de/eine-uebung-in-langsamkeit/capri-june-2015/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Capri-June-2015.jpg?fit=3330%2C2263&amp;ssl=1" data-orig-size="3330,2263" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1467036722&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Capri June 2015" data-image-description="&lt;p&gt;Aus: Teju Cole, Blinder Fleck, Hanser Berlin 2018, 352 Seiten, 38,00 EUR, ISBN 9783446258501&lt;br /&gt;
Foto: Teju Cole&lt;br /&gt;
Nur im Zusammenhang mit dem Buch verwenden!&lt;/p&gt;
" data-image-caption="&lt;p&gt;Capri, Juni 2015&lt;/p&gt;
" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Capri-June-2015.jpg?fit=300%2C204&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Capri-June-2015.jpg?fit=900%2C612&amp;ssl=1" class="size-large wp-image-13825" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Capri-June-2015.jpg?resize=900%2C612&#038;ssl=1" alt="" width="900" height="612" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Capri-June-2015.jpg?resize=1030%2C700&amp;ssl=1 1030w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Capri-June-2015.jpg?resize=80%2C54&amp;ssl=1 80w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Capri-June-2015.jpg?resize=300%2C204&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Capri-June-2015.jpg?resize=768%2C522&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Capri-June-2015.jpg?resize=2000%2C1359&amp;ssl=1 2000w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Capri-June-2015.jpg?resize=235%2C160&amp;ssl=1 235w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Capri-June-2015.jpg?resize=1300%2C883&amp;ssl=1 1300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Capri-June-2015.jpg?w=1800&amp;ssl=1 1800w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Capri-June-2015.jpg?w=2700&amp;ssl=1 2700w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /><p id="caption-attachment-13825" class="wp-caption-text">Capri, Juni 2015. Foto: © Teju Cole, aus dem besprochenen Band.</p></div></p>
<h3>Die Schönheit des Hässlichen</h3>
<p>Coles Texte sind Denk-Bilder. Meist gelingt ihm diese Faltung von Fotografie und Gedanke, aber nicht immer. Manche Bezüge bleiben beliebig. Wenn auf einer Fotografie ein VW-Bus vor der Pfarrkirche St. Sebald in Nürnberg parkt, und an der Mauer daneben ragt ein in Stein gemeißelter Jesus am Kreuz in die Höhe, so mag diese Szene vielfältige Bezüge eröffnen, eine zufällige und in gewissem Sinne auch surreale Anordnung. Im Text verkoppelt Cole diese beiden Szenen, doch das liest sich in seiner Interpretation bedeutungsschwerer als es ist: das Auto als unser ständiger Begleiter – mehrfach spielen Autos in den Fotos eine Rolle –, das Kreuz als Sterbebegleiter, der VW als Kraft-durch-Freude-Auto. Doch ist nicht ersichtlich, wie und weshalb das alles zusammengehört. Auch der Abgasskandal und der daraus resultierende Wertverlust von VW-Aktien werden von Cole im Text erwähnt – was sie mit einer Kreuzigungsszene zu tun haben sollen, erschließt sich ebenso wenig.</p>
<p>Aber solche Passagen, in denen die Anordnung brüchig wirkt, sind selten. Cole ist ein hervorragender Fotograf, mit seiner analogen Kamera schafft er kleine Meisterwerke. Die Bilder sind auskomponiert, und obwohl sie oft hässliche oder banale Dinge zeigen, sind sie schön. Auf keiner der Fotografien ist der Autor zu sehen, es gibt kein „Selfie“, und es gibt keine aufdringlichen Foto-Botschaften. Der Betrachter kann sich ein eigenes Bild machen. Als Leser wiederum schaut und wartet man gespannt, wie Cole seine Fotografie interpretiert. Man liest dieses Buch langsam, vertieft sich erst ins Bild, liest dann den Text und lässt schließlich beides im Zusammenspiel auf sich wirken. Vielleicht ist Teju Coles <em>Blinder Fleck </em>gar ein Stundenbuch – der oft christliche Kontext zumindest legt es nahe. Eine Übung in Langsamkeit in unserer hektischen Epoche, man kann die Sinne schulen und dabei die Gedanken schweifen lassen.</p>
<hr />
<p><div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"><br />
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><br />
Teju Cole<br />
<strong>Blinder Fleck</strong><br />
Aus dem Englischen von Uda Strätling<br />
Hanser Berlin 2018 · 352 Seiten · 38,00 Euro<br />
ISBN: 978-3-446258501<br />
Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="https://www.amazon.de/dp/3446258507/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow noopener">Amazon</a>, <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="https://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=9783446258501" target="_blank" rel="noopener">buecher.de</a><img loading="lazy" decoding="async" style="display: none !important;" hidden="" src="https://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM --> oder im lokalen Buchhandel<br />
</div></div><br />
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><a href="https://www.amazon.de/dp/3446258507/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="noopener"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="13826" data-permalink="https://tell-review.de/eine-uebung-in-langsamkeit/cover_cole_blinder_fleck/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Cover_Cole_Blinder_Fleck.jpg?fit=278%2C391&amp;ssl=1" data-orig-size="278,391" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover_Cole_Blinder_Fleck" data-image-description="&lt;p&gt;Teju Cole, Blinder Fleck, Hanser Berlin 2018, 352 Seiten, 38,00 EUR, ISBN 9783446258501&lt;br /&gt;
Buchcover&lt;/p&gt;
" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Cover_Cole_Blinder_Fleck.jpg?fit=213%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Cover_Cole_Blinder_Fleck.jpg?fit=278%2C391&amp;ssl=1" class="aligncenter wp-image-13826 size-medium" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Cover_Cole_Blinder_Fleck.jpg?resize=213%2C300&#038;ssl=1" alt="" width="213" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Cover_Cole_Blinder_Fleck.jpg?resize=213%2C300&amp;ssl=1 213w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Cover_Cole_Blinder_Fleck.jpg?resize=57%2C80&amp;ssl=1 57w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/09/Cover_Cole_Blinder_Fleck.jpg?w=278&amp;ssl=1 278w" sizes="auto, (max-width: 213px) 100vw, 213px" /></a></div></div></div><br />
</div></div></p>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
<hr />
<h6 style="text-align: right;">Beitragsbild und Bilder im Text:<br />
©Teju Cole, aus dem besprochenen Band<br />
Buchcover: Hanser Berlin</h6>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Polit-Sekte und Facebook-Partei</title>
		<link>https://tell-review.de/polit-sekte-und-facebook-partei/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Aug 2018 07:19:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<category><![CDATA[AfD]]></category>
		<category><![CDATA[Parteien]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtspopulismus]]></category>
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					<description><![CDATA[In ihrem Buch „Inside AfD“ berichtet die Aussteigerin Franziska Schreiber, wie mit Angstlust die politische Landschaft der Bundesrepublik umgepflügt wird.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dropcap">F</span>ranziska Schreibers Buch <em>Inside AfD</em> beschäftigt mittlerweile mehrere Gerichte. Unmittelbar nach der Veröffentlichung kamen Klagen aus dem rechten Milieu. Erika Steinbach und Götz Kubitschek etwa sehen sich verunglimpft. Die erste gerichtliche Runde hat Kubitschek bereits verloren. Weitere Gerichtstermine werden folgen, denn solche Leute geben nicht auf.</p>
<p>Ein Buch, gegen das juristisch dermaßen massiv vorgegangen wird, ist ein Aufreger in aufgeregter Zeit, manche reden von Sprengstoff.</p>
<p>Die Dresdnerin Franziska Schreiber ist ehemaliges AfD-Mitglied und Vorsitzende der Jungen Alternative Sachsens, sie berichtet also aus der Innensicht vom Aufstieg der AfD und den dabei angewandten Methoden, von der inneren Verfasstheit des Personals, das mit Hilfe der sozialen Medien den Aufstieg der AfD eingeleitet hat.</p>
<p>Schreiber nennt die AfD eine „Facebook-Partei“ und macht damit klar, dass die AfD in eine Lücke stieß: Denn das Potential der sozialen Medien wurde von den etablierten Parteien nicht annähernd ausgeschöpft. Allein das Erkennen und Nutzen moderner Medien und die daraus resultierende Überlegenheit gegenüber den traditionellen Parteien lässt an Goebbels denken, der bekanntlich den Rundfunk für politische Propaganda benutzte wie niemand vor ihm.</p>
<h3>Energiequelle Angst</h3>
<p>Weiterhin beschreibt die Autorin Manipulationen, mit denen in den sozialen Medien Stimmung gemacht wurde. Im Zentrum steht die Monothematik der AfD, die sich zunächst gegen den Euro wendete. Im Verlauf der Transformation der AfD hin zu einer fremdenfeindlichen, völkischen Partei wurde dann nicht mehr gegen den Euro agitiert, sondern gegen Muslime. Beide Themen nutzen die Energiequelle, aus der die Partei ihre Antriebskraft schöpft: die Angst. Es geht um die Angst vor Verlust, vor Veränderung, vor etwas Unbekanntem. Um diese Angstlust anzuregen, wurden Statistiken des Statistischen Bundesamtes „interpretiert“, d.h. es wurden Informationen zurückgehalten, die eine andere Sicht auf die Kriminalität zeigen.</p>
<p>Ihre eigene Rolle bei dem Erstellen von manipulierten Facebook-Postings schildert Franziska Schreiber so:</p>
<blockquote>
<p style="text-align: left;">Der AfD-Anhänger lebt in einer Blase der Angst. Die Partei hat nichts davon, diese Blase platzen zu lassen. Also gaben wir ihnen, was sie haben wollten.</p>
<p style="text-align: left;">[&#8230;]</p>
<p style="text-align: left;">Die Angst wachzuhalten, auch wenn Fakten sie nicht zu begründen vermögen, ist das Lebenselixier der AfD.</p>
</blockquote>
<p>Sie reflektiert dabei auch ihre eigene Verstricktheit in die Lüge:</p>
<blockquote><p>Kein Jahr zuvor wäre ich niemals auf die Idee gekommen, so unredlich zu handeln, etwas durch Weglassen absichtlich zu verfälschen. Manchmal fiel ich aber auch selbst auf unsere Propaganda herein. Ich habe mich bei vorurteilsbehaftetem Denken erwischt. Fragte mich, ob ich noch an der Asylunterkunft ganz in der Nähe meiner Wohnung vorbeigehen könnte. Die Ängste waren in meinen Alltag eingezogen.</p></blockquote>
<h3>Eine Partei als Weltuntergangssekte</h3>
<p>Breiten Raum nimmt die Transformation der AfD von der eurokritischen Lucke-Partei zur fremdenfeindlichen Gauland-Truppe ein. Franziska Schreiber erzählt, wie sich 2015 zunächst ihr damaliges Idol, Frauke Petry, gegen Lucke durchsetzte und Vorsitzende wurde – wieder mit Hilfe manipulierter Facebook-Postings –, und wie dann auf ähnlichem Weg zwei Jahre später Gauland Petry ablöste.</p>
<p>Bei so vielen Turbulenzen und Inkonsistenzen in der politischen Ausrichtung und bei einem derart sprunghaft wechselnden Personal haben sich schon damals viele gefragt, wieso die Umfragewerte trotz der erbärmlichen Auftritte ständig steigen. Schon 2014 kam der Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel (Bündnis90 / Die Grünen) zum <a href="http://www.matthias-gastel.de/afd/" target="_blank" rel="noopener">Schluss</a>, dass es sich nicht um eine normale politische Partei handeln könne, sondern um eine Polit-Sekte, die unpolitische Bedürfnisse befriedigt und Ängste anspricht.</p>
<p>Dieser Befund wird von Franziska Schreiber nun umfassend bestätigt. Auch sie nennt die AfD eine Sekte, folgerichtig ist im Untertitel des Buches vom „Ausstieg“ die Rede.</p>
<blockquote><p>Die Partei ersetzt [&#8230;] die Familie. Das bedeutet: Wer auf Dauer dazugehören will, darf nicht widersprechen. Das System aus Gehorsam und Abhängigkeit in der AfD ist vergleichbar mit dem einer Sekte.</p></blockquote>
<p>Einer Sekte, die sich den Gehorsam ihrer Mitglieder sichert, indem sie deren Angstlust kitzelt und die Sehnsucht nach identitätsstiftendem Opferdasein bedient.</p>
<blockquote><p>&#8230;jede Bestätigung dieses Eindrucks [<em>einer katastrophalen Lage, HF</em>] vergrößert die Angst und beglaubigt den Status als Opfer. Es ist wie eine Sucht, und so sind die Funktionäre [<em>der AfD, HF</em>] dazu verdammt, dieses Verlangen zu bedienen.</p>
<p>Am effektivsten bedient Björn Höcke diese Sucht nach dem Untergang.</p></blockquote>
<p>Die AfD als Weltuntergangssekte. Das ist das präziseste Bild dieser fast schon apolitisch zu nennenden Partei, wenn man Politik als die demokratische Suche nach einem Interessenausgleich versteht. Denn daran ist die AfD nicht interessiert, sondern an dem Bedienen von Ressentiments, während ihr Führungspersonal die Rolle der Retter der Wahrheit im Meer der Lüge übernimmt.</p>
<h3>Wahrheitsbehaupter und Sinnstifter</h3>
<p>Franziska Schreiber benennt dieses <em>wir gegen die</em>-Muster klar als das wesentliche Selbstverständnis vieler AfD-Mitglieder. Wobei <em>die</em> alles Mögliche meinen kann: Merkel, „Lügenpresse“, „Staatsfunk“. Für mich zeigt sich hier deutlich, wie gefährlich es ist, den Begriff der Wahrheit in den demokratischen Prozess einzubringen, anstatt sich auf den Interessenausgleich zu konzentrieren und die Wahrheit den Philosophen zu überlassen. Deswegen hat Franziska Schreiber recht, wenn sie von einer Sekte spricht. Denn Sekten sind genau das: Wahrheitsbehaupter und Sinnstifter in einem. Dass diese Partei darüber hinaus völkischen Inhalt transportiert und gar nicht so heimlich von einer „Machtergreifung“ spricht, macht sie wiederum politisch so gefährlich. Auch die NSDAP kann man im gewissen Sinn als eine Sekte mit tausendjährigem Anspruch verstehen.</p>
<p>Wie verführerisch Sekten sein können, erkennt Franziska Schreiber an sich selbst:</p>
<blockquote><p>Auch ich spürte damals starke Angst vor dem Islam, was vermutlich daran lag, dass ich keinen Muslim kannte.</p></blockquote>
<h3>Das Phänomen der Entwertung</h3>
<p>Franziska Schreiber ist aufgewacht, und sie reflektiert, wie es zu ihrem Engagement kommen konnte. Dabei kommt sie auf etwas zu sprechen, das den Sektencharakter der AfD untermauert und gleichzeitig erklärt, warum es auf dem Gebiet der ehemaligen DDR doppelt so viele AfD-Wähler gibt wie im Westen. Schreiber fokussiert auf das Phänomen der Entwertung. Wenn Menschen entwertet werden, sind sie anfällig für Angebote von Sekten. Eine solche Entwertung hat im Osten Deutschlands massiv stattgefunden, und Ostdeutsche unterstehen nicht dem Schutz der Political Correctness:</p>
<blockquote><p>Bis heute fühlen viele Ostdeutsche sich missverstanden, wenn nicht gar verachtet. […] Über Ostdeutsche, so sehen sie es, darf jedermann Witze erzählen, während bei solchen über Blondinen oder Menschen mit dunkler Hautfarbe die sogenannte Political Correctness greift. […]</p>
<p>Derartige gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit erzeugt ein Gefühl der Minderwertigkeit, aber auch der Rachegelüste, die meist an den Schwächsten der Gesellschaft, in diesem Fall an den Flüchtlingen, ausgelebt werden.</p></blockquote>
<p>Diese fehlende innere Einheit Deutschlands, diese Verachtung der „Ossis“ durch den Westen, sei einer der Gründe für den Erfolg der Polit-Sekte AfD, zunächst im Osten und dann bundesweit. Denn natürlich gibt es auch im Westen Menschen, die sich entwertet fühlen.</p>
<p>Eine provokante These. Die Diskussion ist eröffnet.</p>
<p><div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"><br />
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><br />
Franziska Schreiber<br />
<strong>Inside AfD</strong><br />
Der Bericht einer Aussteigerin<br />
Europa Verlag 2018 · 224 Seiten · 18 Euro<br />
ISBN: 978-3-95890-203-9<br />
Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="https://www.amazon.de/dp/3958902030/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow noopener">Amazon</a>, <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="https://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=9783958902039" target="_blank" rel="noopener">buecher.de</a><img loading="lazy" decoding="async" style="display: none !important;" hidden="" src="https://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM --> oder im lokalen Buchhandel<br />
</div></div><br />
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><a href="https://www.amazon.de/dp/3958902030/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="noopener"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="13671" data-permalink="https://tell-review.de/polit-sekte-und-facebook-partei/9783958902039_schreiber_insideafd_72/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/08/9783958902039_schreiber_insideafd_72.png?fit=395%2C626&amp;ssl=1" data-orig-size="395,626" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="9783958902039_schreiber_insideafd_72" data-image-description="&lt;p&gt;Franziska Schreiber&lt;br /&gt;
Inside AfD&lt;br /&gt;
Europa Verlag 2018&lt;br /&gt;
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</div></div></p>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
<hr />
<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br />
Beitragsbild: AfD-Wahlparty in Erfurt zur Bundestagswahl 2017<br />
Von Vincent Eisfeld [<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0">CC BY-SA 4.0 </a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:AfD-Wahlparty_in_Erfurt_zur_Bundestagswahl_2017_-_2.jpg">via Wikimedia Commons</a><br />
Buchcover: <a href="https://www.europa-verlag.com/Buecher/6502/InsideAfD.html" target="_blank" rel="noopener">Europa Verlag</a></h6>
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