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	<title>Christian Kracht &#8211; tell</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
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	<title>Christian Kracht &#8211; tell</title>
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		<title>Wo stößt der Page-99-Test an seine Grenzen?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Sep 2016 10:32:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst der Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Page-99-Test]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Kracht]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Autor muss alles dürfen, meint Frank Heibert. Die Frage sei vielmehr, ob er die beabsichtigte Wirkung auch erziele. Eine Auseinandersetzung zwischen Frank Heibert und Sieglinde Geisel über Geschmacksurteile – und über die Frage, was die Analyse einer einzelnen Seite im Hinblick auf das Ganze leisten kann. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">Manche Kommentare sprengen das Kommentar-Format. Sie führen einen Beitrag weiter, sei es als Disput oder als Vertiefung. In der Rubrik „Debatte“ geben wir diesen Texten Raum.</p>
<p>Den Anstoß für diese Debatte zwischen dem Übersetzer Frank Heibert und Sieglinde Geisel war der Page 99 Test zu Christian Krachts <em>Die Toten</em>:</div></div>
<blockquote hcb-fetch-image-from="http://tell-review.de/page-99-test-christian-kracht/" class="wp-embedded-content" data-secret="J6ZimPj38Z"><p><a href="https://tell-review.de/page-99-test-christian-kracht/">Page 99 Test: Christian Kracht</a></p></blockquote>
<p><iframe title="&#8222;Page 99 Test: Christian Kracht&#8220; &#8212; tell" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  src="https://tell-review.de/page-99-test-christian-kracht/embed/#?secret=J6ZimPj38Z" data-secret="J6ZimPj38Z" width="600" height="338" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe></p>
<h4><strong>Die Bewertungskriterien greifen zu kurz</strong></h4>
<h5><a href="http://www.frank-heibert.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Frank Heibert</a> – Kommentar vom <a href="http://tell-review.de/page-99-test-christian-kracht/#comment-391" target="_blank" rel="noopener noreferrer">12.9.2016</a></h5>
<p>Sieglinde Geisels Page-99-Test verlockt mich zu zwei Kommentaren, einmal bezogen auf den Page-99-Test an sich, einmal auf das Beispiel Kracht / <em>Die Toten</em>.</p>
<p>Den Page-99-Test finde ich faszinierend in seiner Verspieltheit, nützlich darin, dass er wegen seiner Fragmentiertheit dazu zwingt, auf die sprachlichen Elemente des Auszugs zu schauen, statt sich an Handlungs-, Kompositions- oder Themenfragen aufzureiben – und riskant darin, dass er dazu verführt, das Große und Ganze eines literarischen Werks, da man anhand einer Seite wenig darüber sagen kann, auch nur als Möglichkeit auszublenden, als eventuelle Relativierung der aus der Ein-Seiten-Analyse gewonnenen Erkenntnisse. In den Page-99-Tests der letzten Monate haben mich, gerade wenn ich zufällig auch das ganze Werk kannte, sowohl verblüffend schlagende Beobachtungen beeindruckt wie auch verblüffend danebengegriffene Beurteilungen, die vermutlich mit der konzeptionellen Scheuklappe des &#8222;Nur-eine-Seite-Anschauens&#8220; zu tun hatten (z. B. <a href="http://tell-review.de/page-99-test-shumona-sinha/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">bei Shumona Sinhas <em>Erschlagt die Armen</em></a>).</p>
<p>Nun zum Kracht-Test. Vorweg: Ich kenne den ganzen Roman nicht und bin kein besonderer Kracht-Freund. Es geht mir also nicht darum, dieses Buch gegen Sieglinde Geisels Urteil zu verteidigen. Ich finde aber, ihr Ansatz, die stilistischen Mittel quasi wortwörtlich abzuklopfen, macht sich grundsätzlich angreifbar. Kann sich ein ganzer Raum in einem an der Nase hängenden Tropfen spiegeln? Kann ein Niesen wie ein Taifun nach vorn blasen? – Ja, natürlich können sie das, wir haben es mit Literatur zu tun, die erst einmal alles kann und darf (und derlei Übertreibungen kommen auch beileibe nicht nur im Däumlingsmärchenkontext vor). Zwei andere, präzisere Fragen erscheinen mir interessanter: Welche literarische Wirkung entsteht durch diese stilistischen Merkmale – man merkt ja, auch auf einer einzigen Seite, sowohl, dass hier eine Wirkung entsteht, als auch, dass eine Wirkung entstehen <strong>soll</strong>, dass dahinter eine Haltung (des Autors oder Erzählers) steht, die sich ausdrücken und etwas bewirken will.</p>
<p>Kracht will hier von einem kulturellen Konflikt erzählen, in einer kleinen Situation verdichtet, die überzeichnet, zugespitzt beschrieben wird; das Peinliche, das sich auf der Handlungsebene abspielt, spiegelt sich, verstärkt, im stilistischen Aufwand. Der kleine Tropfen des Anstoßes wird zu einem großen Skandalon, so groß, dass sich darin der ganze Raum mit allen Beteiligten spiegelt. Übertreibung ist eines der gängigsten Mittel der Ironie, die manieristische Süffisanz, die aus dieser sprachlichen und weltbetrachtenden Haltung spricht, ist also keine zufällige oder individuelle Wirkung, sondern man kann annehmen, dass sie so gemeint ist.</p>
<p>Wir Leser sollen also sowohl die Peinlichkeit mitempfinden als auch den ironischen Blick des Autors/Erzählers auf die kulturelle Gemengelage, in der die Situation als peinlich gewertet wird. Die Frage wäre: Empfinden wir das beides mit – oder besteht die tatsächliche Wirkung dieser Passage darin zu merken, dass uns etwas vorgeführt wird, das wir so empfinden sollen? Der Satz, dass man verstimmt sei, wenn man die Absicht merkt (und eben nicht so empfindet, wie es die Absicht gern hätte), hat ja seine Berechtigung. Wenn man eine Kluft zwischen der beabsichtigten und der tatsächlichen Wirkung verspürt, konstatiert man Doppelbödigkeit, Unglaubwürdigkeit – von daher scheint mir die Reaktion zu kommen, die &#8222;Fake!&#8220; ruft. Wenn wir also annehmen, dass Kracht nicht die beabsichtigte Wirkung erzielt: Wie kommt es dazu?</p>
<p>Nun greift ja, wenn man sich danach fragt, wie gelungen man einen literarischen Text in seiner stilistischen Gestaltung findet, das simple Gesetz der Verhältnismäßigkeit von Aufwand und Ertrag. Bekomme ich als Leser einen Erkenntniszuwachs durch diese aufwändige Sprachgestaltung – oder, ersatzweise, ein ästhetisches oder spielerisches Vergnügen an ihr geschenkt? Mein Verdacht ist: Sofern ich nicht genau solche Aufwandübertreibung per se schätze, genieße, prickelnd finde: nein. (Ich kann nur von einem Verdacht sprechen, weil das ganze Buch darüber sicher mehr Aufschluss gäbe als nur eine Seite.)</p>
<p>Damit sind wir aber beim persönlichen Geschmack angelangt. Sieglinde Geisels Urteil eines Fakes kommt dagegen, basierend auf einem gewollt naiven oder altmodischen Stilbetrachtungsansatz (s.o. <strong>kann</strong> denn ein Niesen wie ein Taifun aus der Nase hervorblasen?), als aus der Sache heraus begründetes Urteil daher. Wer aus persönlichen Geschmacksgründen sprachlichen Manierismus genießt, wäre also stilistisch ahnungslos oder unkritisch? Mir läge es näher, mich als kritischer Leser zu decouvrieren (und angreifbar zu machen) und zu sagen: Mir bringt das keinen ästhetischen oder spielerischen Genuss und auch keinen Erkenntniszuwachs bezogen auf das Erzählte.</p>
<p>Und ich könnte, ebenso persönlich, hinzufügen, dass mir die Dauersüffisanz als Erzähl- und Weltbetrachtungshaltung unsympathisch ist, dass ich keine Lust verspüre, mich auf sie einzulassen und durch diese Augen die erzählte Welt zu betrachten. So geht es mir mit Kracht. Aber auch das kann man anders sehen und empfinden.</p>
<p>Kurz: Sieglinde Geisels Analyse, was da stilistisch passiert, ist wie immer scharf beobachtet und beschrieben. Ihre Bewertungskriterien greifen meines Erachtens aber zu kurz, weil sie dem Autor gar nicht erst zugestehen, seine Haltung und die daraus erwachsende Sprachgestaltung einnehmen zu dürfen. Er will diese Übertreibung. Das muss er dürfen. Wenn wir Leser das nichtssagend finden oder nicht mögen – da bin ich ganz einverstanden mit Sieglinde Geisel –, dürfen wir das ebenso. Moralisch angehauchte Bewertungen (&#8222;Fake&#8220; ist so eine, &#8222;Banause&#8220; in Bezug auf einen nicht überzeugten Leser wäre das Gegenstück dazu) führen vom Gegenstand der ernstgenommenen (statt zirzensischen) Literaturkritik weg. Wenn der stilistische Ansatz, den uns der Text ja sehr deutlich macht, nach seinen eigenen Regeln und erkennbaren Absichten hingegen nicht aufgeht, nicht überzeugt, auch wenn wir ihn durchaus ernstnehmen wollen, muss man anders argumentieren als damit, dass Metaphorik nicht überzogen sein dürfe. Das allerdings könnte sich im Rahmen eines Page-99-Tests als nicht machbar erweisen.</p>
<hr />
<h4><strong>Unglaubwürdige Metaphorik bei Kracht<br />
</strong></h4>
<h5>Sieglinde Geisel – Replik vom 12.9.2016</h5>
<p>Ein toller Kommentar von Frank Heibert, in mehrfacher Hinsicht: zum einen wegen der grundsätzlichen Überlegungen zum Format des Page-99-Tests, zum anderen wegen der Kritik am Kracht-Page-99-Test, die selbst wieder einen eigenen Page-99-Test ergibt. Woraus folgt, dass der Page-99-Test von mehreren Lesern bestritten werden sollte. Nur zu!</p>
<p>Das Format des Page-99-Tests ist quick &amp; dirty oder, wie Frank Heibert es so wundervoll ausdrückt, „zirzensisch“, und es soll keinesfalls eine Rezension des kompletten Buchs ersetzen. Als ich mit dem Page-99-Text anfing, war es ein Experiment. Ungeschriebene Regel: Wenn ich mich für ein Buch entschieden habe, muss ich die Seite 99 testen, auch wenn mir dazu nichts einfällt. Kneifen gilt nicht. Zu meinem Erstaunen (und meiner Erleichterung) habe ich bisher keine unergiebige Seite 99 gefunden. Vielleicht hat <a href="http://tell-review.de/page-99-test-maxim-biller#fordmadoxford" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ford Madox Ford</a> tatsächlich Recht.</p>
<p>Man kann natürlich kein ganzes Buch mit der Lupe lesen, doch das gelegentliche Hineinzoomen lohnt sich. Kommentare von Lesern, die das ganze Buch kennen, interessieren mich brennend, das wäre dann wiederum der Test des Page-99-Tests. Ich habe das bisher nur beim <a href="http://tell-review.de/page-7-test-sharon-dodua-otoo/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bachmannpreis</a> gemacht, wo es mir aufgrund der Kürze des Texts möglich war, das Ganze mit dem willkürlich herausgepickten Teil sogleich in Beziehung zu setzen – eine leicht abgründige Erfahrung. Natürlich wäre für mich die Einschätzung anderer Leser spannender, zum Beispiel der <a href="http://tell-review.de/page-99-test-shumona-sinha/#comment-395" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kommentar </a>von Frank Heibert zu Shumona Sinha!</p>
<p>Frank Heibert hat Recht: Natürlich <strong>darf</strong> sich die Welt in einem Nasentropfen spiegeln, und in einer erfundenen Welt <strong>kann</strong> sie das auch. Mein Einwand gegen die Formulierung mit dem Taifun bezog sich auf das Verb davor: Etwas, das sich geradezu passiv &#8222;aus ihren Zügen gelöst hat&#8220;, kann sich meiner Meinung nach nicht in einen Taifun verwandeln.</p>
<blockquote><p>Man lese nicht viel und nur das Beste, langsam, und befrage sich alle Schritte, warum glaube ich dieses?</p></blockquote>
<p>sagt Georg Christoph Lichtenberg, und genau das ist der Punkt. Folge ich <a href="#woolf">Virginia Woolfs</a> Rat, beim Lesen „den Geist so weit wie möglich [zu] öffnen&#8220;, dem Autor also zu vertrauen und mir jedes Wort vorzustellen, dann sehe ich, dass mit diesem Tropfen etwas nicht stimmt. Frank Heiberts Lesart hat mir zu der Erkenntnis verholfen, dass es sich um einen metaphorischen Tropfen handelt. Er transportiert demnach das Gefühl des Ausgesetztseins im Moment der Scham, wo alle Blicke sich missbilligend auf den Beschämten richten. Doch das leistet dieser Tropfen für mich nicht: Das Bild zerschellt an meiner Vorstellungskraft (oder umgekehrt). Um es mit Frank Heiberts Worten zu sagen: Der Autor erzielt die Wirkung nicht, die er beabsichtigt. Stattdessen fühle ich mich an der Nase herumgeführt. Das mag daran liegen, dass das Kriterium des Verhältnisses von Aufwand und Ertrag nicht stimmt, das Frank Heibert benennt.</p>
<p>Falls sich die Darstellung der Peinlichkeit in diesem einen Satz erschöpfen sollte – und das liegt nun jenseits des Page-99-Tests –, würde ich sogar sagen, der Autor verrate seine Figur, er mache sie zum Gespött seiner stilistischen Kapriolen. Dann wäre der Stil vollends Selbstzweck: Er würde nicht das zum Glänzen bringen, was die Worte sagen, sondern nur sich selbst.</p>
<p>Ein Wort zum Begriff des <a href="http://tell-review.de/satz-fuer-satz-1-mit-dem-koerper-lesen/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Geschmacksurteils</a>: Hier liegt der literaturkritische Hase im Pfeffer! Denn gibt es im Bereich der Ästhetik überhaupt andere Urteile als jene des persönlichen Geschmacks? Das Wort Ästhetik bedeutet Wahrnehmung, und diese setzt ein wahrnehmendes Subjekt voraus, einen anderen Zugang gibt es nun einmal nicht.</p>
<p>Um noch einmal Virginia Woolf zu zitieren:</p>
<blockquote><p>Und selbst wenn die Ergebnisse fürchterlich und unsere Urteile falsch sind, bleibt dennoch unser Geschmack, der sensorische Nerv, der elektrische Schläge durch uns hindurchsendet, unsere wichtigste Quelle der Erleuchtung; wir lernen durch Fühlen (…).</p></blockquote>
<p>Gerade weil wir in der Literaturkritik letztlich kaum am Geschmacksurteil vorbei kommen, finde ich den Leser-Dialog so wichtig.</p>
<p id="woolf">Der Aufsatz „Wie man ein Buch lesen sollte“ von Virginia Woolf findet sich in <em>Der gewöhnliche Leser</em>, Band 2:</p>
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">
Virginia Woolf<br />
<strong>Der gewöhnliche Leser, Band 2</strong><br />
Essays<br />
Fischer Taschenbuch · 336 Seiten · 9,45 Euro<br />
ISBN: 978-3596136490<br />
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<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" data-attachment-id="4279" data-permalink="https://tell-review.de/wo-stoesst-der-page-99-test-an-seine-grenzen/virginia-woolf-2/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/Virginia-Woolf.jpg?fit=314%2C499&amp;ssl=1" data-orig-size="314,499" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="virginia-woolf" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/Virginia-Woolf.jpg?fit=314%2C499&amp;ssl=1" class="alignnone size-medium wp-image-4279" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/Virginia-Woolf-189x300.jpg?resize=189%2C300" alt="virginia-woolf" width="189" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/Virginia-Woolf.jpg?resize=189%2C300&amp;ssl=1 189w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/Virginia-Woolf.jpg?resize=50%2C80&amp;ssl=1 50w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/Virginia-Woolf.jpg?resize=300%2C477&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/Virginia-Woolf.jpg?w=314&amp;ssl=1 314w" sizes="(max-width: 189px) 100vw, 189px" /></div></div></div>
</div></div>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
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		<title>Page 99 Test: Christian Kracht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Sep 2016 08:26:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Page-99-Test]]></category>
		<category><![CDATA[Rubriken]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Kracht]]></category>
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					<description><![CDATA[Können sich in einem an der Nase baumelnden Tropfen Wände, Lampen und Gesichter spiegeln? Anatomie eines Fakes.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><strong>Hier geht es zur Debatte: </strong><a href="http://tell-review.de/wo-stoesst-der-page-99-test-an-seine-grenzen/" target="_blank">Wo stößt der Page-99-Test an seine Grenzen?</a></div></div>
<blockquote><p>Ida, das junge deutsche Mädchen, das genauestens hingehört hatte, wollte bemerken, daß allein der <em>nanshin-ron</em> – der südliche Expansionsweg – Japan zum Erfolg führen werde, da riß sie plötzlich, als sei sie durch etwas geblendet worden, ihre Hände vor das Gesicht, zu spät, das Niesen hatte sich schon aus ihren Zügen gelöst, wie ein Taifun blies es nach vorne, ein langer, glitzernder Tropfen baumelte von ihrer Nase, und es spiegelten sich darin nicht nur die Reispapierwände des Séparées und die warmgelben Lampen an der Decke, sondern auch die völlig entsetzten Mienen der anwesenden Japaner.</p></blockquote>
<p><span class="dropcap">D</span>ieser Satz kommt gedrechselt und geschniegelt daher, und doch stimmt daran nichts. Man kann nichts &#8222;bemerken&#8220; wollen, sondern nur etwas sagen, und die Wendung &#8222;völlig entsetzt&#8220; ist <a href="http://tell-review.de/satz-fuer-satz-6-glanz-und-elend-des-adjektivs/" target="_blank">redundant</a>, denn wer nicht völlig entsetzt ist, ist nicht entsetzt. Doch im Vergleich zum Rest dieses Satzes sind das Schönheitsfehler.</p>
<p>&#8222;Da riß sie plötzlich, als sei sie durch etwas geblendet worden, ihre Hände vor das Gesicht, zu spät&#8220; – man denkt, jetzt komme ein Messer geflogen. Aber nein, die Katastrophe kommt von innen, und es geht auch nicht um Leben und Tod. Es geht um Peinlichkeit. Um das Entsetzen der Japaner zu verstehen, muss man wissen, dass in asiatischen Ländern die Nasensekrete so tabuisiert sind wie in den westlichen Gesellschaften die übrigen Körperflüssigkeiten.</p>
<p>Doch kann sich ein Niesen aus den Gesichtszügen einer Person „lösen“? Und kann etwas, das sich aus Gesichtszügen löst, &#8222;wie ein Taifun&#8220; nach vorn blasen?</p>
<p>Genüsslich beschreibt der Autor das <em>corpus delicti</em>: den langen, glitzernden Tropfen, der auch noch an der Nase baumelt. Sollen wir tatsächlich glauben, dass sich in einem Tropfen, und sei er noch so lang, die Wände, Lampen und Gesichter der Anwesenden spiegeln? Und wer sollte Zeuge dieser Spiegelung sein? Wie nah müsste er diesem baumelnden Tropfen kommen? Selbst wenn, nie und nimmer würde er in diesem Tropfen den ganzen Raum gespiegelt sehen können.</p>
<p>Es gibt solche unmöglichen Größenverhältnisse in der grotesken Volksliteratur, dort ist es ein Spiel. Ich erinnere mich an eine Zeile aus einem russischen Märchen: &#8222;Fingernagellang der Wicht, sieben Werst Schnurrbart im Gesicht.&#8220; Dieser Zwerg erschlägt dann mit einem Teelöffel einen Riesen. Doch das ist etwas anderes.</p>
<p>Jan Wiele spricht in seiner <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/rezension-zu-christian-krachts-roman-die-toten-14417841.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2" target="_blank">Rezension in der FAZ</a> von <a href="http://tell-review.de/krach-um-kracht/" target="_blank">&#8222;ridikülisiertem Dandy-Stil&#8220;</a>. Freundlich gesagt, ist diese Passage von Christian Kracht ein <em>fake</em>. Weniger freundlich gesagt, ist sie stilistisch verlogen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Fazit</span>: <del>Machwerk!</del> <em>Ich nehme das Wort &#8222;Machwerk&#8220; zurück, beziehungsweise ich modifiziere es. Ich hatte dabei an das Gemachte in der Literatur gedacht, das stilistisch Unehrliche. Wie Birgit Böllinger von <a href="https://saetzeundschaetze.com/" target="_blank">&#8222;Sätze und Schätze&#8220;</a> in ihrem <a href="http://tell-review.de/wo-stoesst-der-page-99-test-an-seine-grenzen/#comment-398" target="_blank">Kommentar </a>zur &#8222;Debatte&#8220; um diesen Page-99-Test anmerkt, werden  auch Werke von Leuten wie Hitler oder Sarrazin als &#8222;Machwerk&#8220; bezeichnet, weil sie aus ideologischen Gründen verwerflich sind. Um eine solche Aussage ging es mir keineswegs.</em><br />
<em> Wie gut, dass wir im Internet sind und es Kommentare gibt! </em><em>(Eingefügt am 14.9.2016</em>)</p>
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">
Christian Kracht<br />
<strong>Die Toten</strong><br />
Roman<br />
Verlag Kiepenheuer &amp; Witsch 2016· 220 Seiten · 20,00 Euro<br />
ISBN: 978-3462045543<br />
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