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	<title>Paul McVeigh &#8211; tell</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
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	<title>Paul McVeigh &#8211; tell</title>
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		<title>Page-99-Test: Paul McVeigh</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Sep 2016 08:02:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Page-99-Test]]></category>
		<category><![CDATA[Rubriken]]></category>
		<category><![CDATA[Paul McVeigh]]></category>
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					<description><![CDATA[Hält die Seite 99 von Paul McVeighs "Guter Junge", was die Seite 1 verspricht? Der Text geht ab wie eine Rakete. Großes Kino!]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Seite 1 von Paul McVeighs Roman hat meinen Test <a href="http://tell-review.de/page-1-test-paul-mcveigh/" target="_blank">glänzend bestanden</a>. Doch das könnte trügen, denn<a href="http://tell-review.de/page-99-test-maxim-biller/" target="_blank"> Ford Madox Ford</a> schlägt mit gutem Grund die Seite 99 für die literarische Stichprobe vor. Auf der ersten Seite lasse man „den Mercedesstern glänzen“, so der Comedy- und Fantasy-Autor Matthias Sachau. Auf Seite 99 zeigt sich, ob der Autor durchhält. Hält Paul McVeighs Seite 99, was die Seite 1 verspricht?</p>
<blockquote><p>Ich räkel mich und gähne, aber ganz leise, weil ich, bevor alle aufwachen, noch mit Killer spielen möchte. Durch die Jalousien fällt gestreiftes Sonnenlicht ein. Ich schleichidi-schleiche aus meinem Stockbett und kletter die Mini-Metallleiter runter, ganz vorsichtig, um nicht mit den Socken abzurutschen. Marcel-Marceau-mäßig steige ich über die Klamotten von Unserm Paddy und nichts wie raus aus dem Schlafzimmer. Völlig lautlos. Zehn von zehn Punkten.</p></blockquote>
<p>Erst im letzten Satz erfahren wir, dass dieses lautlose Aufstehen für den Ich-Erzähler ein Spiel mit sich selbst ist. &#8222;Zehn von zehn Punkten&#8220;, so lautet das Ergebnis dieses Spiels, das uns nicht erklärt, sondern nur vorgeführt wird. Auf dem Weg dahin hat der Autor schon einige Überraschungen für uns platziert. „&#8230; mit Killer spielen“, die Kombination der Wörter &#8222;Killer&#8220; und &#8222;spielen&#8220; sendet einen kleinen Schauder durch die Wirbelsäule. Poetisch-verspielt lockt das „schleichidi-schleiche“, das in weiteren Assonanzen weiterschleicht, „Mini-Metallleiter“, „Marcel-Marceau-mäßig“. Das „M“ ist ein idealer Buchstabe für dieses Dahingleiten.</p>
<p>Auch der folgende Absatz hält sich im Modus des angespannten Schleichens. Ein sorgfältig inszeniertes Schleichidi-Schleichen, wie Kinder das so machen. Wer beim Lesen mitschleicht, hält den Atem an.</p>
<blockquote><p>Auf Zehenspitzen gehe ich die Treppe runter, drücke die Klinke der Wohnzimmertür und mache sie leise auf – <em>Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste</em>. Während sich mein Po durch den Türspalt rückwärts ins Wohnzimmer schiebt, behalte ich die Treppe im Auge. Behutsam schließe ich die Tür. Jawoll! Niemand aufgewacht! Ich springe auf und lege einen kleinen irischen Jig hin.</p></blockquote>
<p>Die Übersetzer Nina Frey und Hans-Christian Oeser sorgen dafür, dass der Text auch im Deutschen abgeht wie eine Rakete. Den altklugen Spruch von der Mutter der Porzellankiste muss der Junge irgendwo aufgeschnappt haben. Es folgt ein exquisites Manöver, mit dem Po voran rückwärts, wobei der Junge die Treppe im Auge behält, fast könnte man meinen, es gehe um Leben und Tod. Umso größer dann die Erleichterung. „Jawoll!“ –  ein Triumphschrei, und dann, eine weitere Überraschung, der Jig. Das ist klassisches „show don’t tell“: Der Autor sagt uns nicht, dass der Junge sich freut, er lässt ihn tanzen. Wir freuen uns mit unserem Ich-Erzähler und tanzen mit ihm. Und genau damit gehen wir seinem Autor auf den Leim.</p>
<blockquote><p>Und erstarre.</p></blockquote>
<p>Ein gekonnter Schreck, wie man ihn in der schönen Literatur selten erlebt.</p>
<blockquote><p>Ein Mann auf unserm Sofa. Ich mache mir in die Hose. Oder kippe aus den Latschen. Soll ich schreien? Ein Einbrecher kann’s nicht sein, weil’s die in Ardoyne nicht gibt, weil die IRA ihre Kniescheiben durchlöchert. Und warum sollte ein Einbrecher einbrechen, nur um ein Nickerchen zu halten? Vielleicht, wenn’s ein obdachloser Einbrecher ist. Mit seinem großen Bart und seinen langen Haaren sieht er obdachlos aus. Wenn Papa da wäre, wäre das einer von seinen Saufkumpanen. Vielleicht hat Paddy Saufkumpanen, jetzt wo er sich für wer weiß was hält.</p></blockquote>
<p>Was dem Jungen in dieser Schrecksekunde so alles durch den Kopf geht. Ein Einbrecher? Ein obdachloser Einbrecher? Ein Saufkumpane von Papa? Oder in Ermangelung von Papa einer von Paddy?</p>
<p>Dabei wissen wir bereits, dass es kein Einbrecher sein kann, &#8222;weil’s die in Ardoyne nicht gibt, weil die IRA ihre Kniescheiben durchlöchert.“ Was ist das größere Übel: die Einbrecher oder die IRA, die dafür sorgt, dass es keine mehr gibt? Die Selbstverständlichkeit, mit der sich diese Logik im Kopf des Kindes entfaltet, ist das Skandalon in diesem Absatz. Wir sind im Belfast der 1980er-Jahre (Klappentext), und es ist gut möglich, dass dieser Satz das eigentliche Thema des Romans offenbart: die Selbstverständlichkeit von Gewalt. Eine interessante Parallele übrigens zu <a href="http://tell-review.de/page-99-test-elena-ferrante/" target="_blank">Elena Ferrante</a>: Auch dort erfahren wir, wie sich eine Kindheit inmitten alltäglicher Gewalt anfühlt.</p>
<blockquote><p>„Alles klar, Kleiner?“, sagt eine tiefe verschlafene Stimme. „Ist deine Mami wach?“</p></blockquote>
<p>Der letzte Satz auf Seite 99, was für ein Jammer!</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Fazit</span>: Ganz großes Kino!<br />
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">
Paul McVeigh<br />
<strong>Guter Junge</strong><br />
Roman<br />
Aus dem Englischen von Nina Frey und Hans-Christian Oeser<br />
Wagenbach-Verlag 2016 · 256 Seiten · 22,00 Euro<br />
ISBN: 978-3803132796<br />
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</div></div>
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" data-attachment-id="4724" data-permalink="https://tell-review.de/page-1-test-paul-mcveigh/paul-mcveigh/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/Paul-McVeigh.jpg?fit=175%2C266&amp;ssl=1" data-orig-size="175,266" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="paul-mcveigh" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/Paul-McVeigh.jpg?fit=175%2C266&amp;ssl=1" class="alignnone size-full wp-image-4724" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/Paul-McVeigh.jpg?resize=175%2C266" alt="paul-mcveigh" width="175" height="266" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/Paul-McVeigh.jpg?w=175&amp;ssl=1 175w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/Paul-McVeigh.jpg?resize=53%2C80&amp;ssl=1 53w" sizes="(max-width: 175px) 100vw, 175px" /></div></div></div>
</div></div>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&#038;;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
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		<title>Page-1-Test: Paul McVeigh</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Sep 2016 07:56:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Page-99-Test]]></category>
		<category><![CDATA[Rubriken]]></category>
		<category><![CDATA[Paul McVeigh]]></category>
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					<description><![CDATA[Ausnahmsweise ein Page-99-Test mit der Seite 1. Erstaunlich, was der irische Autor Paul McVeigh in die erste Seite seines Romans "Guter Junge" alles reinpackt –  ohne dass man es den Sätzen ansieht. Chapeau!]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dropcap">D</span>er Roman <em>Guter Junge</em> von Paul McVeigh ist es wert, dass man über ihn spricht. Und das Buch ist (noch) kein Hype. Also das perfekte Gegengift zum <a href="http://tell-review.de/page-99-test-christian-kracht/" target="_blank">letzten Page-99-Test</a>!</p>
<p>Die Seite 99 muss jungfräulich betreten werden, so lautet eine der ungeschriebenen Spielregeln. Leider hatte ich aus Neugier die erste Seite bereits gelesen. Sie war so spektakulär, dass ich beschlossen habe, <a href="http://tell-review.de/page-7-test-sharon-dodua-otoo/" target="_blank">den Spielmodus zu ändern</a> und diesmal die Seite 1 unter die Lupe zu nehmen, die ich ja unbefangen gelesen hatte.</p>
<blockquote><p>Ich bin an dem Tag geboren, an dem die Unruhen begannen.<br />
„Bin ich doch, Mama, oder?“, sag ich.</p></blockquote>
<p>Ein zweistimmiger Auftakt mit einem doppelten Ich-Erzähler, irre! Im ersten Satz begegnet uns der Ich-Erzähler als Erwachsener, der aus der Erinnerung erzählt. Im zweiten Satz schlüpft er in seine eigene Erinnerung, und wir hören ihn als Kind seiner Mama eine Frage stellen, die sich aus dem ersten Satz ergibt. Als hätte das Kind gehört, was der Erwachsene, der es einmal werden wird, über sich und damit das Kind sagt. So einfach und so komplex!</p>
<blockquote><p>„Die hast du begonnen“, sagt sie, und wir alle lachen, nur Unser Paddy nicht.</p></blockquote>
<p>Niemand erklärt uns, wer Unser Paddy ist.</p>
<blockquote><p>Muss wohl wegen der Pickel sein und weil er überhaupt so hässlich ist. Mit so ’nem Gesicht wird man nicht so einfach froh. Fast tut er mir leid. An seinem Hals sehe ich einen dreckigen großen Knutschfleck, den bewahre ich im Gedächtnis als Munition zur Abwehr künftiger Angriffe.</p></blockquote>
<p>Der Knutschfleck als Munition – offenbar sind wir mitten in einen Geschwisterstreit geraten, samt dem eiskalten strategischen Denken, das Kinderköpfen eigen ist.</p>
<blockquote><p>Als Mama mit Blecheimer und Schrubber an mir vorbeigeht, steigen mir nach Blumen riechende Putzmittelschwaden in die Nase und mischen sich unter den süßen Geschmack der Frosties in meinem Mund.</p></blockquote>
<p>Registerwechsel: Vom plottenden Kindergehirn zum sinnlichen Wahrnehmungsorgan. Ein aufwändig geschilderter Geruch, in den sich auch noch ein Geschmack mischt, den wir vielleicht aus unserer eigenen Kindheit kennen. Wenn wir von diesen Worten etwas haben wollen, müssen wir uns die Empfindung vorstellen. Also langsam lesen, bis Nase und Mund hinterherkommen.</p>
<blockquote><p>Den Hof schrubbt Mama nur, wenn irgendwas passiert ist. Muss wohl Papa sein, wie immer.</p></blockquote>
<p>Registerwechsel: Wir sind wieder im Kinderkopf. Immer noch <em>medias in res</em>. In dem knappen Satz „Muss wohl Papa sein, wie immer“ steckt ein ganzes Familiendrama, ohne dass wir Näheres dazu erfahren. Der Autor weiß, wie man Spannung erzeugt.</p>
<blockquote><p>„Brauchst du Hilfe, Mama?“, sag ich.<br />
„Nein, Junge“, sagt sie und verschwindet durch die Hintertür. Nicht mal angeschaut hat sie mich. Nach der vergangenen Nacht mach ich mir Sorgen um sie.</p></blockquote>
<p>Wieder ein Satz mit Hallraum. Was mag in der vergangenen Nacht passiert sein? Ein Kind, das sich Sorgen um seine Mutter macht: Das ist entwicklungspsychologisch höchst bedenklich.</p>
<p>Doch der Autor lässt uns keine Zeit zum Nachdenken.</p>
<blockquote><p>„<em>Brauchste Hilfe, Mama?</em>“, sagt Unser Paddy mit einer Mädchenstimme. „Du kleiner Arschkriecher.“<br />
„Das sag ich Mama“, sag ich.<br />
„Das sag ich Mama…“, äfft Paddy mich nach.</p></blockquote>
<p>Registerwechsel: Wir sind nicht mehr im Kopf, sondern auf der Bühne. Gegeben wird ein Dramolett, rhythmisch akzentuiert durch das dreifache „sag ich“, gesprochen von drei verschiedenen Stimmen – eine virtuose Komposition.</p>
<p>Kameraschwenk:</p>
<blockquote><p>Ich guck zu Maggielein hinüber und werf ihr den <em>Stimmt’s, wir hassen ihn</em>-Blick zu. Sie wirft mir den <em>Klar tun wir das, dieses fette Riesenschwein</em>-Blick zu.</p></blockquote>
<p>Mit der Perspektive ändert sich die Tonlage. Dieser Satz ist auf subtile Weise zweistimmig: Wir befinden uns zwar in der Kindersphäre, doch Wendungen wie „<em>Stimmt’s, wir hassen ihn</em>-Blick“ und gleich darauf (Steigerung!) „<em>Klar tun wir das, dieses fette Riesenschwein</em>-Blick“ liegen außerhalb des Sprachvermögens eines Kindes. Hier spricht der gestaltende Ich-Erzähler, er hat die Kontrolle über den Text.</p>
<p>Und mit dem nächsten Satz landet er einen Coup:</p>
<blockquote><p>Diese Blicke hat mir auf dem Cave Hill ein Mönch beigebracht.</p></blockquote>
<p>Das Wort Mönch bricht mit allem, was wir bisher erlebt haben (und wir sind noch nicht einmal am Ende dieser ersten Seite angelangt!). &#8222;Mönch&#8220; setzt einen Kontrapunkt zu Worten wie „fettes Riesenschwein“, zu den niederen Absichten hinter diesen Worten (und den Blicken), zum schiefen Haussegen. Für eine Sekunde bricht die Transzendenz in die muffige Küche ein.</p>
<p>Das Kind nimmt diesen Faden auf, von dem es nichts weiß – es war ja sein Erzähler, der ihn das Wort &#8222;Mönch&#8220; hat denken lassen. Der Heilige Orden dieser Kinderwelt, der der Autor wohl aus seiner Erinnerung für uns neu erfindet, entstammt nicht dem Christentum.</p>
<blockquote><p>Ich hab trainiert wie ’n Jediritter, aber mein Lichtschwert war mein Gesicht. Jetzt bin ich <em>Guck Skywalker</em>.</p></blockquote>
<p>Schneller, als wir lesen können, beamt uns der Text vom Mönch auf dem Höhlenberg (Cave Hill) in die Weltraum-Saga von<em> Star Wars. </em>Die enge Küche mit dem Geschwister-Kleinkrieg und den Sorgen um die Mutter liegt Äonen hinter uns. Wie schon beim Satz über die Geruchsempfindung aus Putzmitteln und Frosties haben wir hier ein Päckchen auszupacken. Im englischen Original verwandelt sich das Kind in einen Jediritter namens <em>Look Skywalker</em>, eine geniale Assonanz, die im Deutschen mit <em>Guck Skywalker</em> klanglich zwar überzeugend wiedergegeben wird und auch komisch, doch die Komik des &#8222;Guck&#8220; geht auf Kosten der Würde, die der Junge sich mit diesem Namen selbst verleiht. Erhalten bleibt zum Glück der Sinn im Wortspiel: Der Junge benutzt sein Gesicht als Lichtschwert, indem er mit langen (und immer längeren) Blicken tötet.</p>
<p>Erstaunlich, wie viel Paul McVeigh in die Sätze hineinpackt, ohne dass man es ihnen ansieht.</p>
<blockquote><p>Meine Mission: die Jüngsten und Schwächsten in allen Familien gegen das Böse zu verteidigen, das sich großer Bruder nennt. Und jetzt ist Maggielein meine Schülerin.</p></blockquote>
<p>Die bewährte Helden-Mission, „die Jüngsten und Schwächsten&#8220; zu retten, hat eine Grandezza. Durch die Einschränkung „in allen Familien“ wird sie auf das Küchenformat zurückgestutzt. Das ist Erwachsenen-Humor, in untergründigem Kontrast zum leicht pathetischen Kinder-Ressentiment, das sich gegen „das Böse&#8220; richtet, &#8222;das sich großer Bruder nennt“.</p>
<p>Mit dem Satz „Und jetzt ist Maggielein meine Schülerin“ wird dieser weit gespannte Bogen abgeschlossen, allerdings geht es in der deutschen Übersetzung nicht ohne Verlust ab.</p>
<blockquote><p>Wee Maggie is now my disciple.</p></blockquote>
<p>&#8222;Disciple” ist enger an die <em>Star Wars</em>-Welt angebunden als das neutrale “Schülerin”, der unergründliche Charme von „Wee Maggie“ ist im Deutschen kaum wiederzugeben. Allerdings geht dabei auch der Motivcharakter des Wörtchens „wee“ verloren, ein nicht unerheblicher Kollateralschaden. Im Original beleidigt Paddy seinen kleinen Bruder in der Nach-Äff-Szene nämlich mit „you wee lick”.</p>
<p>Ein (im Test verbotener) Blick auf die nächste Seite bestätigt, dass solche Wiederholungen kein Zufall sind. Der Lichtschwert-Blick-Austausch mit Maggielein wird fortgeführt, mit einer weiteren Steigerung, wie es die musikalischen Regeln für eine Sequenz verlangen:</p>
<blockquote><p>Um ihre telephatische Schulung zu testen, funke ich ein <em>Mach dir über den keine Gedanken den fährt erst ’n Auto platt und dann rollt ihm noch ’n Laster übern Schädel dass ihm die Augen rauskullern</em>.</p></blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline;">Fazit</span>: Page-Turner. Nicht wegen der Handlung, sondern wegen der Action in der Sprache.</p>
<p><strong>Hält das Buch, was die erste Seite verspricht? Morgen geht es weiter mit dem <a href="http://tell-review.de/page-99-test-paul-mcveigh/" target="_blank">Test der Seite 99</a>!</strong><br />
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">
Paul McVeigh<br />
<strong>Guter Junge</strong><br />
Roman<br />
Aus dem Englischen von Nina Frey und Hans-Christian Oeser<br />
Wagenbach-Verlag 2016 · 256 Seiten · 22,00 Euro<br />
ISBN: 978-3803132796<br />
Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="http://www.amazon.de/dp/3803132797/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow">Amazon</a> oder <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="http://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=9783803132796" target="_blank">buecher.de</a><img decoding="async" src="http://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM --><br />
</div></div>
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="4724" data-permalink="https://tell-review.de/page-1-test-paul-mcveigh/paul-mcveigh/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/Paul-McVeigh.jpg?fit=175%2C266&amp;ssl=1" data-orig-size="175,266" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="paul-mcveigh" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/Paul-McVeigh.jpg?fit=175%2C266&amp;ssl=1" class="alignnone size-full wp-image-4724" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/Paul-McVeigh.jpg?resize=175%2C266" alt="paul-mcveigh" width="175" height="266" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/Paul-McVeigh.jpg?w=175&amp;ssl=1 175w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/Paul-McVeigh.jpg?resize=53%2C80&amp;ssl=1 53w" sizes="auto, (max-width: 175px) 100vw, 175px" /></div></div></div>
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<hr />
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