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	<title>Konservative &#8211; tell</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
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	<title>Konservative &#8211; tell</title>
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		<title>Navid Kermani – Der Erzähler</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anselm Bühling]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Jan 2018 09:47:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Christentum]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Konservative]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
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					<description><![CDATA[Traditionen lassen sich nicht gegeneinander abschotten – der Islam und das Christentum etwa bereichern sich gegenseitig. Navid Kermani setzt dem Kulturkampf das Erzählen entgegen, wo sich das Verbindende ebenso offenbart wie das Trennende. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">Mit welchen Konservativen würden wir uns gern bei einem Glas Wein unterhalten? Das war die Ausgangsfrage für unsere kleine &#8222;Hall of Fame&#8220; des Konservatismus, mit der wir unsere Reihe zum <a href="http://tell-review.de/?s=Konservatismus&amp;category_name=&amp;submit=Suche" target="_blank" rel="noopener">Konservatismus</a> fortführen.<br />
Woran erkennt man „Konservative im besten Sinn des Worts“? Am dialektischen Denken: Sie erneuern, was sie bewahren wollen.</p>
<p>Weitere Beiträge:<br />
<a href="http://tell-review.de/gustav-stresemann-der-aufgeklaerte-konservative/" target="_blank" rel="noopener">Gustav Stresemann – Der aufgeklärte Konservative</a><br />
<a href="http://tell-review.de/norbert-lammert-der-gralshueter/" target="_blank" rel="noopener">Norbert Lammert – Der Gralshüter</a><br />
<a href="http://tell-review.de/theodor-w-adorno-der-heimatbewusste/" target="_blank" rel="noopener">Theodor W. Adorno – Der Heimatbewusste</a><br />
<a href="http://tell-review.de/hannah-arendt-die-linke-konservative/" target="_blank" rel="noopener">Hannah Arendt – Die linke Konservative</a><br />
<a href="http://tell-review.de/hans-aeppli-der-distinguierte/" target="_blank" rel="noopener">Hans Aeppli – Der Distinguierte</a><br />
</div></div>
<p><span class="dropcap">K</span>onservativ sein heißt, einen Sinn für Traditionen und Identitäten zu haben – bewahren zu wollen, was an ihnen bewahrenswert ist. In vielen seiner Bücher erkundet Navid Kermani den Reichtum religiöser und kultureller Traditionen. Er zeigt, wie stark wir durch sie geprägt sind und wie viel wir damit anfangen können, wenn wir uns ihnen öffnen. In <em><a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="http://www.amazon.de/dp/3406714692/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow noopener">Ungläubiges Staunen – über das Christentum</a></em> beschreibt er einen Moment, in dem er, der gläubige Muslim, von der Tradition der katholischen Kirche fast überwältigt wird. Gemeinsam mit einem katholischen Freund, der ebenfalls Autor ist, besichtigt er in einem Kloster in Rom ein frühchristliches Marienbildnis. Ihm fällt dabei ein Zitat von Papst Benedikt XVI ein, das der Freund seinem letzten Buch vorangestellt hat: „Große Dinge werden durch die Wiederholung nicht langweilig. Nur das Belanglose braucht die Abwechslung und muß schnell durch anderes ersetzt werden. Das Große wird größer, indem wir es wiederholen, und wir selbst werden reicher dabei und werden still und werden frei.“</p>
<blockquote><p>In Rom wurde ich ohnehin neidisch aufs Christentum, neidisch selbst auf einen Papst, der auch solche Sätze sagt, und wenn ich den Gedanken der Inkarnation in nur einem Menschen nicht für grundverkehrt hielte und speziell die katholische Vorstellungswelt mir nicht so heidnisch vorkäme, […] womöglich hätte ich mich seinen Praktiken nach und nach angeschlossen, […] vielleicht auch aus Faszination für die beispiellose Kontinuität einer Institution, die aus Gottes Angehörigen eine Gemeinschaft bildet. Nur ihr ist sie auf Dauer gelungen. Wer weiß, vielleicht wäre auch mir eines Tages das Wunder erschienen, das dieses prächtigste aller Himmelsgebäude hervorgebracht hat. So halte ich die Möglichkeit zwar weiterhin für falsch — aber erkenne, mehr noch: spüre, warum das Christentum eine Möglichkeit ist.</p></blockquote>
<p>Zugleich hat Kermani einen scharfen Blick dafür, wie lebendige Traditionen sich verändern, sich anpassen und auch das in sich aufnehmen, was ihnen zutiefst zu widersprechen scheint. In <em><a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="http://www.amazon.de/dp/3406685862/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow noopener">Wer ist Wir? Deutschland und seine Muslime</a></em> schreibt er:</p>
<blockquote><p>Man muß sich nur einmal in der Sixtinischen Kapelle umsehen, um staunend zu bewundern, welch scheinbar unchristliche Sinnenfreude und pralle Lüsternheit der Katholizismus nicht nur hinnimmt, sondern in sein eigenes Zentrum rückt. Genauso wie der Islam ist das Christentum immer auch das Gegenteil von dem, was diese oder jene Gelehrten als christlich definieren.</p></blockquote>
<p>Kermani macht deutlich, dass wir in Überlieferungszusammenhängen leben, denen wir uns nicht entziehen können. Aber er zeigt auch, dass diese Überlieferungen immer vielfältig und vieldeutig sind. Und er weiß, dass Menschen widersprüchlich und unvollkommen sind. Gerade dieses klassisch konservative Menschenbild schützt davor, Menschen nur noch über ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion oder Kultur wahrzunehmen. In <em>Wer ist Wir? </em>erläutert Kermani das am eigenen Beispiel:</p>
<blockquote><p>Ich bin Muslim. Der Satz ist wahr, und zugleich blende ich damit tausend andere Dinge aus, die ich auch bin und die meiner Religionszugehörigkeit widersprechen können — ich schreibe zum Beispiel freizügige Bücher über die körperliche Liebe oder bejahe die Freiheit zur Homosexualität. Das ist ein Widerspruch. Der Islam lehnt die Homosexualität ab, und Erzählungen über Sex legt der Koran auch nicht eben nahe. Wahrscheinlich ließe sich eine Interpretation konstruieren, welche die Homosexualität oder die Schilderung sexueller Handlungen islamisch legitimiert. Aber das beschäftigt mich nicht. Nicht alles, was ich tue, steht in bezug zu meiner Religion. Für mich selbst bin ich durch solche Handlungen und Bekenntnisse in meinem Muslimsein überhaupt nicht eingeschränkt. Das mag sich paradox anhören, aber mit dieser Religiosität bin ich aufgewachsen, mit all diesen Ambivalenzen, Brüchen, Widersprüchen.</p></blockquote>
<p>Weil der Mensch ein fehlbares Wesen ist, kann er nicht die Verkörperung einer reinen, gegen alles Fremde abgeschotteten Tradition sein. Er ist offen für verschiedene Einflüsse. Gerade dadurch entwickeln sich Überlieferungen weiter, durchdringen und bereichern einander.</p>
<p>Erzählung statt Kulturkampf – so könnte man die Haltung Kermanis zuspitzen. Im Erzählen wird Trennendes ebenso offenbar wie Verbindendes, und beides auf eine Weise, die neue Erfahrungen eröffnet. Der Weg zum gegenseitigen Verständnis führt über die Arbeit des Verstehens.</p>
<h6 style="text-align: right;"><em>Beitragsbild:</em><br />
<em> By Saam Schlamminger (Author) [<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0">CC BY-SA 4.0</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AKermani_in_Pristina.jpg">via Wikimedia Commons</a> (bearbeitet)</em></h6>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
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		<title>Hannah Arendt – Die linke Konservative</title>
		<link>https://tell-review.de/hannah-arendt-die-linke-konservative/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Hartmut Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jan 2018 10:06:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Konservatismus]]></category>
		<category><![CDATA[Konservative]]></category>
		<category><![CDATA[Linke]]></category>
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					<description><![CDATA[In ihren Positionen war Hannah Arendt links, in ihrer Grundhaltung jedoch konservativ. Das lässt sich an grundlegenden linken Theoremen zeigen wie etwa der Behandlung des Privaten oder der Unterscheidung von Gewalt und Macht, an der sie festhielt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">Mit welchen Konservativen würden wir uns gern bei einem Glas Wein unterhalten? Das war die Ausgangsfrage für unsere kleine &#8222;Hall of Fame&#8220; des Konservatismus, mit der wir unsere Reihe zum <a href="http://tell-review.de/?s=Konservatismus&amp;category_name=&amp;submit=Suche" target="_blank" rel="noopener">Konservatismus</a> fortführen.<br />
Woran erkennt man „Konservative im besten Sinn des Worts“? Am dialektischen Denken: Sie erneuern, was sie bewahren wollen.</p>
<p>Weitere Beiträge:<br />
<a href="http://tell-review.de/gustav-stresemann-der-aufgeklaerte-konservative/" target="_blank" rel="noopener">Gustav Stresemann – Der aufgeklärte Konservative</a><br />
<a href="http://tell-review.de/norbert-lammert-der-gralshueter/" target="_blank" rel="noopener">Norbert Lammert – Der Gralshüter</a><br />
<a href="http://tell-review.de/theodor-w-adorno-der-heimatbewusste/" target="_blank" rel="noopener">Theodor W. Adorno – Der Heimatbewusste</a><br />
<a href="http://tell-review.de/navid-kermani-der-erzaehler/" target="_blank" rel="noopener">Navid Kermani – Der Erzähler</a><br />
<a href="http://tell-review.de/hans-aeppli-der-distinguierte/" target="_blank" rel="noopener">Hans Aeppli – Der Distinguierte</a><br />
</div></div>
<p><span class="dropcap">Z</span>u Lebzeiten wurde Hannah Arendt kaum je als Konservative wahrgenommen, denn ihre konkreten Inhalte waren häufig links bzw. wirkten auf den ersten Blick doch so.</p>
<h3></h3>
<h5><strong>Hannah Arendt war gegen:</strong></h5>
<ul>
<li>das restaurative Deutschland Adenauers und dessen Persilscheine für die Täter</li>
<li>die rassistischen Gesetze in den Südstaaten der USA</li>
<li>Richard Nixon</li>
<li>den Vietnamkrieg</li>
<li>Menachem Begin</li>
</ul>
<h5><strong>Sie hatte Sympathien für:</strong></h5>
<ul>
<li>Rosa Luxemburg und räterepublikanische Ansätze</li>
<li>zivilen Ungehorsam</li>
<li>die 68er (nun ja: für deren gemäßigten Teil)</li>
</ul>
<p>Als Daniel Cohn-Bendit, der Sohn enger Freunde, 1968 in Frankreich in Schwierigkeiten zu geraten schien – ihm drohte Ausweisung oder Schlimmeres –, bot Hannah Arendt ihm Geld an. Auch zu einigen Schriftstellern der Gruppe 47 – Hans Magnus Enzensberger, Uwe Johnson – hatte sie ein herzliches, zugleich kritisches Verhältnis.</p>
<p>Das alles ist richtig und wir müssen es im Hinterkopf behalten. Das Faszinierende an Hannah Arendt ist aber, dass sie all diese Positionen aus einer konservativen Grundhaltung heraus entwickelt hat.</p>
<p>Das lässt sich an ihren Antworten auf drei Theoreme zeigen, die für die Linke im 20. Jahrhundert zentral waren.</p>
<h4>1. „Das Private ist politisch und das Politische privat.“</h4>
<p>Unfug!, so Hannah Arendt. Nichts ist in ihren Augen problematischer als diese Gleichsetzung. Das Private, das Intime, die Ausschließlichkeit, das alles hat privat zu bleiben. Mit Politik, mit dem Raum für Freiheit, mit dem Beginn von etwas Neuem haben private Vorlieben nicht das Geringste zu tun, und sie dürfen damit auch nichts zu tun haben. Es sei „ein Verhängnis“, die Liebe an den politischen Verhandlungstisch zu holen, so Arendt im Gespräch mit Günter Gaus.</p>
<a href="https://tell-review.de/hannah-arendt-die-linke-konservative/"><img decoding="async" alt="YouTube Video" consent-original-src-_="https://tell-review.de/wp-content/plugins/wp-youtube-lyte/lyteCache.php?origThumbUrl=https%3A%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2FJ9SyTEUi6Kw%2Fhqdefault.jpg" consent-required="104322" consent-by="services" consent-id="104323"></a><br /><br /></p>
<p id="lrback">Weder im Bereich des Privaten noch im Bereich des Gesellschaftlichen darf man Antidiskriminierung gesetzlich erzwingen. Gleichheit gibt es allein im Bereich des Politischen, dort allerdings ist sie zentral. Um diesen Aspekt, den Hannah Arendt vor allem in ihrem Aufsatz <a href="#lr">„Little Rock“</a> erläutert, macht die heutige Arendt-Rezeption einen großen Bogen. Arendt gesteht Rassisten und Antisemiten das Recht auf ihre private Meinung anstandslos zu, das liest man heute mit Befremden. Aber sie gesteht es ihnen eben nur als private Meinung zu.</p>
<h4>2. „Die Macht kommt aus den Gewehrläufen.“</h4>
<p id="mgback">Falsch, auf fatale Weise falsch!, so Arendt. Die Gewalt kommt aus den Gewehrläufen, aber nicht die Macht. Macht und Gewalt sind kategorial getrennt. Macht setze eine Gegenseitigkeit voraus, also Kommunikation, Gewalt werde einseitig ausgeübt. Macht beruht auf Zustimmung, und diese Zustimmung „ist niemals bedingungslos“ (<a href="#mg">MG</a>).</p>
<h4>3. „Gesellschaft ist der Grundbegriff, an dem sich alle politische Aktion auszurichten hat. Es  geht um kritische Gesellschaftsanalyse und um Gesellschaftsveränderung!“</h4>
<p id="vaback">Nein!, so Arendt. Natürlich bestreitet sie den massiven Einfluss nicht, den die Gesellschaft, gerade die Massengesellschaft, auf den Einzelnen ausübt. Die überbordende Macht der diffusen „Gesellschaftlichkeit“ deutet sie in der Tat sogar als wesentliches Moment der Moderne, in der alle traditionellen Zusammenhänge zerrissen sind. Gesellschaftliche Strömungen jedoch 1:1 als Kompass zu verwenden, heiße, dem Konformismus – „ein typisches Merkmal jeder Gesellschaft“ (<a href="#va">VA</a>) – Tür und Tor zu öffnen. Dies habe 1933 zu jener Gleichschaltung geführt, die ja überwiegend eine Selbstgleichschaltung gewesen sei: „Diese Gleichschaltung war keine von der Angst genährte Heuchelei, sondern der sehr früh an den Tag gelegte Eifer, ja nicht den Zug der Geschichte zu verpassen.“ (<a href="#pv">PV</a>) Menschliche Freiheit, hier steht Arendt gegen alle progressiven Gesellschaftstheorien des 20. Jahrhunderts, vollziehe sich nicht im gesellschaftlichen Raum, sondern allein in der Sphäre der Politik. Im Politischen, und nur dort, fänden sich Menschen als Gleiche zusammen, um etwas Neues zu beginnen.</p>
<h3>Der Verlust des Ariadnefadens</h3>
<p id="dfback">Hannah Arendt, und das macht sie als Konservative für die Postmoderne so anschlussfähig, hat übrigens mitnichten empfohlen, einfach irgendetwas ‚Gewachsenes‘ künstlich zu revitalisieren (sozusagen die ‚alte Zucht und Ordnung‘ als Korsettstange zu verwenden, wie es so viele Konservative tun, neulich <a href="http://tell-review.de/unheilige-allianzen/" target="_blank" rel="noopener">Ulrich Greiner</a>). Sie wusste, dass wer die Moderne vollzogen hat, „wirklich allein ist“. Orientierung kann einem, wenn man „ohne Geländer denkt“ (<a href="#df">DF</a>), tatsächlich nur noch ein Beharren auf grundsätzlichen moralischen Standards geben.</p>
<p>Denn Arendt weiß natürlich, dass wir (in Rilkes Worten) in der Moderne „nicht sehr verlässlich zu Haus sind in der gedeuteten Welt“. Auch sie betrauert den zerrissenen Ariadnefaden. Aber sie weiß, dass dieser Verlust endgültig ist. Und sie weiß, dass wir in Teufels Küche kommen, wenn wir auf die Moderne mit Konzepten reagieren, die die alte Wohlgeordnetheit künstlich wiederherstellen möchten, etwa per Volksgemeinschaft.</p>
<h3>Urteilsschärfe</h3>
<p>Sie war immun gegen allen völkischen Tinnef, nicht nur wegen ihrer Erfahrung als Jüdin in einer antisemitischen Gesellschaft, ihrer Erfahrung als „Paria“ (bekanntlich Arendts eigenes Wort), sondern vor allem wegen ihrer Urteilsschärfe. So schrieb sie 1947 (!) an Karl Jaspers:</p>
<blockquote>
<p id="kjback">„Woran mir liegen würde (…) wäre eine solche Änderung der Zustände, daß jeder frei wählen kann, wo er seine politische Verantwortlichkeit auszuüben gedenkt und in welchen kulturellen Zusammenhängen er sich am wohlsten fühlt. Damit endlich die Ahnenforschung hüben und drüben ein Ende hat. (&#8230;) Wenn ein Deutscher sagt, er möchte lieber Italiener sein oder vice versa und danach handelt, warum denn nicht?“</p>
</blockquote>
<h6 style="text-align: right;"><a href="#kj">KJ</a>, Arendt im Brief an Jaspers, 2. Juni 1947</h6>
<p>Mit dieser Einsicht hat sie allen konservativen Ansätzen eine Absage erteilt, Sinn in irgendeiner Form ‚organisch‘ (rassisch, ethnisch, kulturell) zu begründen. Und so verstanden war sie dann doch links: eine linke Konservative.</p>
<hr />
<h5><strong>Zitierte Schriften von Hannah Arendt:</strong></h5>
<ul>
<li id="va">Vita Activa oder Vom tätigen Leben. München 1982 ( VA) <a href="#vaback">↑</a></li>
<li id="lr">Little Rock, in: Hannah Arendt, In der Gegenwart, Übungen im politischen Denken II. München 2000 (LR) <a href="#lrback">↑</a></li>
<li id="pv">Persönliche Verantwortung in der Diktatur, in: Hannah Arendt, Israel, Palästina und der Antisemitismus. Aufsätze, herausgegeben von Eike Geisel und Klaus Bittermann. Berlin 1991 (PV) <a href="#vaback">↑</a></li>
<li id="mg">Macht und Gewalt, in: Hannah Arendt, In der Gegenwart (s.o.) (MG) <a href="#mgback">↑</a></li>
<li id="df">Diskussion mit Freunden und Kollegen in Toronto, in: Hannah Arendt, Ich will verstehen – Selbstauskünfte zu Leben und Werk. München 1996 (DF) <a href="#dfback">↑</a></li>
<li id="kj">Briefwechsel mit Karl Jaspers, München 1991  (KJ) <a href="#kjback">↑</a></li>
</ul>
<h6 style="text-align: right;"><em>Beitragsbild:</em><br />
<em> Ausschnitt aus </em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=J9SyTEUi6Kw" target="_blank" rel="noopener">Günter Gaus im Gespräch mit Hannah Arendt</a></h6>
<hr />
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		<title>Theodor W. Adorno – Der Heimatbewusste</title>
		<link>https://tell-review.de/theodor-w-adorno-der-heimatbewusste/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Lars Hartmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Dec 2017 10:13:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Konservative]]></category>
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					<description><![CDATA[Konservatismus kann auch mit der Erfahrung von Verlust zu tun haben. Für den Emigranten Adorno ist Heimat eine utopisch gefärbte Sehnsucht nach dem, was nicht mehr ist.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">Mit welchen Konservativen würden wir uns gern bei einem Glas Wein unterhalten? Das war die Ausgangsfrage für unsere kleine &#8222;Hall of Fame&#8220; des Konservatismus, mit der wir unsere Reihe zum Konservatismus fortführen.<br />
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<p>Weitere Beiträge:<br />
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<a href="http://tell-review.de/hans-aeppli-der-distinguierte/" target="_blank" rel="noopener">Hans Aeppli – Der Distinguierte</a><br />
</div></div>
<p><span class="dropcap">K</span>onservativ ist ein Begriff ohne feste Kontur, nicht ganz klar zu definieren. Ein Begriff zudem, der nicht nur rechtes Denken bezeichnet, sondern genausoweit ins linke Spektrum reicht. Den Namen Adorno zu nennen, löst bei manchen im ersten Reflex Unverständnis aus, und im Vergleich mit der politischen Ausrichtung von Autoren wie Gehlen, Schelsky oder Heidegger war Adorno nicht konservativ. Politisch stand er links. Adorno warb nicht fürs Alte, er wollte keine restaurative BRD, und Auschwitz sowie der NS-Staat galten ihm nicht als bloße Ausrutscher, der von der ansonsten überwältigenden Kulturleistung der Deutschen gedeckelt wurde. Und auch Kunst war ihm nicht nur ein Medium, das die Tücken von Ökonomie und Leben kompensieren solle, um dem beschädigten Leben den Hauch von Schönheit zu verschaffen.</p>
<p>Konservativ ist für manche ein Denken, das den Begriff der Heimat ernst nimmt. Adorno tat dies, allerdings nicht in dem Sinne, dass er die Nation beschwor. Insbesondere während seines Exils in den USA vermisste er den Ort seiner Herkunft – den Odenwald, Frankfurt am Main, den Zoo dort und den nahen Taunus:</p>
<blockquote><p>In der Erinnerung der Emigration schmeckt jeder deutsche Rehbraten, als wäre er vom Freischütz erlegt worden. (<em>Minima Moralia)</em></p></blockquote>
<p>Auch in seiner Skizze <em>Amorbach</em> finden wir jenen Bezug zur Heimat, die bei Adorno mit dem Glück der Kindheit verbunden ist. Darin beschreibt er die Urlaube im Odenwald während seiner Kindheit. Konservatismus hat nicht nur etwas mit Tradition zu tun, mit dem Wissen davon, woher einer kommt, sondern auch mit der Erfahrung von Verlust. Etwas, das nicht mehr ist und im Lauf des Lebens verlorenging. Eine utopisch gefärbte Sehnsucht nach dem, was nicht mehr ist – und was andererseits doch nie ganz war. In einem Brief vom 5. April 1957 schreibt Adorno an Max Horkheimer:</p>
<blockquote><p>… in allen Bewegungen, welche die Welt verändern möchten, ist immer etwas Altertümliches, Zurückgebliebenes, Anachronistisches. Das Maß dessen, was ersehnt wird, ist immer bis zu einem gewissen Grade Glück, das durch den Fortschritt der Geschichte verloren gegangen ist. Wer sich ganz auf der Höhe der Zeit befindet, ist immer auch ganz angepaßt, und will es darum nicht anders haben. Durch dies anachronistische Element ist aber zugleich auch der Versuch der Veränderung selber, eben weil er hinter den Verhältnissen eben so viel zurück wie ihnen voraus ist, immer auch aufs Schwerste gefährdet, und setzt sich bei denen, die es am wenigsten nötig haben, dem Vorwurf aus, reaktionär zu sein.</p></blockquote>
<p>Das Zusammenspiel von Fortschritt und dem Schritt zurück bringt Adorno hier in ein schillerndes Bild. Beide Aspekte sind aufeinander bezogen und voneinander nicht zu trennen. Nur so ist ein Fortschritt möglich, der mehr ist als blindes Vorwärtsstürmen.</p>
<h6 style="text-align: right;"><em>Beitragsbild:</em><br />
<em> By Jeremy J. Shapiro [<a href="http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html">GFDL</a> or <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/">CC-BY-SA-3.0</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AAdorno.jpg">via Wikimedia Commons</a> (bearbeitet)</em></h6>
<hr />
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]]></content:encoded>
					
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		<item>
		<title>Norbert Lammert – Der Gralshüter</title>
		<link>https://tell-review.de/norbert-lammert-der-gralshueter/</link>
					<comments>https://tell-review.de/norbert-lammert-der-gralshueter/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Agnese Franceschini]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Dec 2017 09:42:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Konservative]]></category>
		<category><![CDATA[Norbert Lammert]]></category>
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					<description><![CDATA[Der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert will nicht die bestehende Ordnung bewahren, sondern eine als wertvoll und bedroht angesehene Sache: Die Rolle des Parlaments als Kontrollorgan der Regierung.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">Mit welchen Konservativen würden wir uns gern bei einem Glas Wein unterhalten? Das war die Ausgangsfrage für unsere kleine &#8222;Hall of Fame&#8220; des Konservatismus, mit der wir unsere Reihe zum Konservatismus fortführen.<br />
Woran erkennt man „Konservative im besten Sinn des Worts“? Am dialektischen Denken: Sie erneuern, was sie bewahren wollen.</p>
<p>Weitere Beiträge:<br />
<a href="http://tell-review.de/gustav-stresemann-der-aufgeklaerte-konservative/" target="_blank" rel="noopener">Gustav Stresemann – Der aufgeklärte Konservative</a><br />
<a href="http://tell-review.de/theodor-w-adorno-der-heimatbewusste/" target="_blank" rel="noopener">Theodor W. Adorno – Der Heimatbewusste</a><br />
<a href="http://tell-review.de/hannah-arendt-die-linke-konservative/" target="_blank" rel="noopener">Hannah Arendt – Die linke Konservative</a><br />
<a href="http://tell-review.de/navid-kermani-der-erzaehler/" target="_blank" rel="noopener">Navid Kermani – Der Erzähler</a><br />
<a href="http://tell-review.de/hans-aeppli-der-distinguierte/" target="_blank" rel="noopener">Hans Aeppli – Der Distinguierte</a><br />
</div></div>
<p><span class="dropcap">W</span>er ist ein Konservativer im besten Sinne des Worts? „Jemand, der über den Fortbestand einer als wertvoll und bedroht angesehenen Sache wacht.“ Diese Lexikon-Definition des Gralshüters passt zu den Anhängern des Konservatismus. Es ist kein Zufall, wenn man von „Gralshütern der Verfassung“ spricht. Was der Bundestagspräsident und CDU-Politiker Norbert Lammert bewahren will, ist nicht die bestehende Ordnung, sondern eine als wertvoll und bedroht angesehene Sache, beispielsweise die Rolle des Parlaments:</p>
<blockquote><p>Nicht die Regierung hält sich ein Parlament, sondern das Parlament bestimmt und kontrolliert die Regierung.</p>
<p style="text-align: right;"><span style="font-size: 70%;"><a href="https://www.bundestag.de/parlament/praesidium/reden/2009/009/247952" target="_blank" rel="noopener"><em>Rede vor dem Bundestag, Oktober 2009</em></a></span></p>
</blockquote>
<p>In einer Demokratie sei die Frage wichtig, „wer die Verantwortung für Entscheidungen trägt“. Lammert hat sich buchstäblich als Gralshüter der parlamentarischen und repräsentativen Demokratie profiliert, auch gegen den Populismus:</p>
<blockquote><p>Bei Plebisziten finden Sie später nie einen Verantwortlichen. Die schlagen sich alle in die Büsche, wenn&#8217;s schiefläuft.</p>
<p style="text-align: right;"><span style="font-size: 70%;"><a href="http://www.spiegel.de/spiegel/a-777864-3.html" target="_blank" rel="noopener"><em>„Der Spiegel“, Ausgabe 31/2011</em></a></span></p>
</blockquote>
<p>Über Migration wird heute oft diskutiert, als ob der gegenwärtige Zustand von Ewigkeit zu Ewigkeit gälte und als ob Europa vor einer völlig neuen und beispiellosen Herausforderung stehe.</p>
<blockquote><p>Das ist schlicht falsch. Die gesamte europäische Geschichte ist eine Migrationsgeschichte und man würde nur wenig übertreiben, wenn man sie als eine Abfolge von Migrationen beschriebe. Wenn uns die jüngere Geschichte etwas beigebracht hat, dann will ich sehr hoffen, dass es eben diese Erkenntnis ist: Dass dem Freiheitswillen von Menschen auf Dauer auch Mauer und Stacheldrahtzäune nicht im Wege stehen können. (&#8230;)</p>
<p>Deswegen bin ich geradezu fassungslos über eine europäische Debatte, die glauben machen will, das Problem der Migration sei dadurch zu lösen, dass wir in Europa wieder Zäune errichten. Es liegt die Zusatzfrage auf der Hand: mit Schießbefehl oder ohne?</p>
<p style="text-align: right;"><span style="font-size: 70%;"><a href="http://www.norbert-lammert.de/01-lammert/texte2.php?id=150" target="_blank" rel="noopener"><em>Paris, 17. Juni 2016</em></a></span></p>
</blockquote>
<p>An die Migrationsfrage knüpft sich oft die Frage nach der Leitkultur an. Auch in diesem Punkt distanziert sich Lammert vom Populismus:</p>
<blockquote><p>Der virtuelle Kanon von gemeinsamen Erfahrungen, Überzeugungen, Orientierungen, Traditionen einer Gesellschaft ist nicht ein für alle Mal fixiert, er wird ständig fortgeschrieben. Daran mitzuwirken sind alle eingeladen, die hier leben und bleiben wollen. Das, was man für die Leitkultur in Deutschland halten könnte, unterscheidet sich erkennbar von dem, was vor fünfzig Jahren, schon gar in der wechselhaften ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dafür gehalten wurde – und wird in weiteren fünfzig Jahren wieder etwas anders aussehen als heute.</p>
<p style="text-align: right;"><span style="font-size: 70%;"><a href="https://blog.klassik-stiftung.de/norbert-lammert-leitkultur/" target="_blank" rel="noopener"><em>Weimar, Juni 2016</em></a></span></p>
</blockquote>
<p>Gerade als Konservativer bewahrt Norbert Lammert unsere Gesellschaft vor dem Stillstand: Er wacht über die Entwicklung unsere Kultur. Eine wertvolle Sache, die man als bedroht ansehen muss.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis:</em><br />
<em>By Heinrich-Böll-Stiftung (Flickr: Norbert Lammert) [<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0">CC BY-SA 2.0</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ANorbert_Lammert_(2).jpg">via Wikimedia Commons</a> (bearbeitet)</em></h6>
<hr />
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		<title>Gustav Stresemann &#8211; Der aufgeklärte Konservative</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Dec 2017 08:38:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
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		<category><![CDATA[Gustav Stresemann]]></category>
		<category><![CDATA[Konservative]]></category>
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					<description><![CDATA[Gustav Stresemann näherte sich dem Neuen aus konservativer Weltsicht an. In den 1920er Jahren machte er sich die Demokratie zu eigen – und wurde dafür von den Reaktionären gehasst wie kaum jemand sonst.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">Mit welchen Konservativen würden wir uns gern bei einem Glas Wein unterhalten? Das war die Ausgangsfrage für die kleine &#8222;Hall of Fame&#8220;, mit der wir unsere Reihe zum <a href="http://tell-review.de/?s=Konservatismus&amp;category_name=&amp;submit=Suche" target="_blank" rel="noopener">Konservatismus</a> fortführen.<br />
Woran erkennt man „Konservative im besten Sinn des Worts“? Am dialektischen Denken: Sie erneuern, was sie bewahren wollen. Jedes Redaktionsmitglied hat sich eine(n) Konservative(n) ausgesucht. Immer Montags veröffentlichen wir ein Porträt.</p>
<p>Weitere Beiträge:<br />
<a href="http://tell-review.de/norbert-lammert-der-gralshueter/" target="_blank" rel="noopener">Norbert Lammert – Der Gralshüter</a><br />
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<a href="http://tell-review.de/hannah-arendt-die-linke-konservative/" target="_blank" rel="noopener">Hannah Arendt – Die linke Konservative</a><br />
<a href="http://tell-review.de/navid-kermani-der-erzaehler/" target="_blank" rel="noopener">Navid Kermani – Der Erzähler</a><br />
<a href="http://tell-review.de/hans-aeppli-der-distinguierte/" target="_blank" rel="noopener">Hans Aeppli – Der Distinguierte</a><br />
</div></div>
<p><span class="dropcap">D</span>er Wille, Bewährtes zu bewahren, macht das Wesen des und der Konservativen aus. Doch wer bewahren will, muss offen für das Neue sein. Sonst geht das Neue über das Alte hinweg. Genau das unterscheidet den aufgeklärten Konservativen vom Reaktionär, der auf das Neue immer nur mit der Sehnsucht nach dem Alten reagiert. &#8222;I want my country back!&#8220; Nicht zufällig wurde der Schlachtruf der Tea-Party-Bewegung zur weltweiten Parole der Neuen Rechten. Aus der Sicht der Rechten hat ihnen das Neue ihr Land gestohlen, das Neue ist nichts, womit sich eine Auseinandersetzung lohnt.</p>
<p>Dieses Grundmuster findet man übrigens nicht erst bei der Neuen Rechten. In den 20er Jahren wollten die Reaktionäre ebenfalls Deutschlands Größe „zurückhaben“, eine Größe, die ihnen vorgeblich die verhasste Demokratie und das „Friedensdiktat von Versaille“ geraubt hatte, also „der Westen“. Dass das Kaiserreich an seiner eigenen Hybris zugrunde ging, spielt dabei keine Rolle.</p>
<p>In Krisenzeiten haben solche rückwärtsgewandten Rattenfänger Konjunktur. Auf einmal werden bisher zurückhaltende Konservative anfällig für reaktionäre „Land-Zurück-Parolen“. Genau das geschah in der Weimarer Republik. Die Republik als Staatsform lag so weit jenseits der damaligen konservativen Koordinaten, dass noch die plumpsten Revoluzzerparolen von rechts außen im konservativen Milieu verfingen.</p>
<p>Umso größer ragte in der Weimarer Republik ein konservativer Politiker heraus, der ursprünglich ebenfalls Deutschlands Größe festigen wollte und der dann akzeptieren musste, dass es Deutschland und seine Größe nur in der Kooperation mit anderen Ländern gibt. Gustav Stresemann ist für mich der Konservative des Jahrhunderts. Denn aus konservativer Weltsicht näherte er sich dem Neuen an, der ihm ursprünglich verdächtigen Demokratie, und machte sie sich zu eigen. Dafür wurde er von den Reaktionären gehasst wie kaum jemand sonst. &#8222;Stresemann / verwese man!&#8220;, tönte es an den Stammtischen. Und der Jubel von rechts bei seinem Tod im Jahr 1929 war unverhohlen.</p>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
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