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	<title>Bachmann-Wettbewerb &#8211; tell</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
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	<title>Bachmann-Wettbewerb &#8211; tell</title>
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		<title>Page-7-Test: Sharon Dodua Otoo</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 Jul 2016 22:23:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kunst der Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Page-99-Test]]></category>
		<category><![CDATA[Rubriken]]></category>
		<category><![CDATA[Bachmann-Preis]]></category>
		<category><![CDATA[Bachmann-Wettbewerb]]></category>
		<category><![CDATA[Sharon Dodua Otoo]]></category>
		<category><![CDATA[Stilkritik]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Bachmann-Preis geht an einen Text, der von einem Ei erzählt wird. Hält der Text, was die Idee an Potenzial verspricht? Hat die Autorin eine stilistische Handschrift? Aufschluss erhoffen wir uns vom Page 7-Test. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dropcap">B</span>achmannpreis-Texte sind zu kurz für einen Page 99-Test. Mit dem Goldenen Schnitt als Zufallsgenerator lande ich auf Seite 7. Weder habe ich mir vorab die Jury-Diskussionen angeschaut, noch habe ich den vollständigen Text von Sharon Dodua Otoo gelesen. Ich halte die Seite 7 unter die Lupe und schaue, was passiert.</p>
<p>Das gibt mir Gelegenheit für einen Test des Page 99-Tests: In welche Bredouille liest man sich dabei? <em>Herr Gröttrup setzt sich hin</em> hat 11 Seiten. Es ist also kein Problem, in einer zweiten Runde den ganzen Text zu lesen und die isolierte Lektüre der Seite 7 dagegen zu halten.</p>
<p>Deshalb hat der heutige Page 99-Test drei Teile:</p>
<ul>
<li><a href="#1">Page 7-Test</a></li>
<li><a href="#2">Page 1-11-Test</a></li>
<li><a href="#3">Jury-Diskussion</a></li>
</ul>
<h3 id="1">Page 7-Test –  Rätselraten</h3>
<p>Die handelnden Figuren auf Seite 7 sind: eine Ich-Erzählerin, Irmi, Irmis Mann und ein Frühstücksei. Die Ich-Erzählerin will Irmis Mann „ein wenig provozieren“, daher beschließt sie, „nicht hart zu werden“.</p>
<p>Auf Seite 7 gibt es ein schwarzes Loch: „Irmis Mann“. Er bekommt keinen Namen, ist aber der Anlass für alles, was geschieht. Er hätte die Entscheidung der Ich-Erzählerin niemals nachvollziehen können,</p>
<blockquote><p>denn er hatte ja ausschließlich seine Art von Menschenkörper und ein sterbliches Leben bei der ersten großen Verteilung geschenkt bekommen.</p></blockquote>
<p>Ein Satz voller Rätsel.</p>
<ul>
<li><em>die erste große Verteilung</em><strong><br />
</strong>Ich stelle mir eine göttliche Instanz vor, die am Beginn der Zeit jedem das Seine und jeder das Ihre gab.<em><br />
</em></li>
<li><em>eine bestimmte Art von Menschenkörper</em><strong><br />
</strong>Welche Arten könnte es geben? Mann und Frau, behindert und heil, weiß und schwarz?</li>
<li><em>ein sterbliches Leben<br />
</em>Ist das Leben sterblich oder nur das Wesen, das lebt? Könnte man sagen: „Sein Leben starb“?</li>
</ul>
<p>Was mich zur Frage führt: Mit welcher Genauigkeit ist dieser Text geschrieben? Wieviel Genauigkeit verträgt die Lektüre?</p>
<p>Bei dieser ersten Verteilung erhalten offenbar alle einen Körper und ein Leben. So könnte man meinen, aber weit gefehlt. Denn die Ich-Erzählerin fügt in Klammern an:</p>
<blockquote><p>(das ist übrigens überhaupt nicht abfällig gemeint, ich habe ja nicht mal das geschafft)</p></blockquote>
<p>Wie soll man sich jemanden vorstellen, der bei der Verteilung von Körper und Leben leer ausgegangen ist oder zumindest defizitär? Vielleicht ist die Ich-Erzählerin kein Mensch (wie komme ich überhaupt darauf, dass sie weiblich ist?). Im ersten Satz heißt es nämlich:</p>
<blockquote><p>(ich wollte ja einfach im Kühlschrank chillen)</p></blockquote>
<p>Welches Wesen zieht sich zur Abkühlung in den Kühlschrank zurück?</p>
<p>Doch auch Irmis Mann ist bei der Verteilung offenbar nicht so gut weggekommen.</p>
<blockquote><p>Irmi schnitt damals etwas besser ab als ihr Mann.</p></blockquote>
<p>Besserer Menschenkörper? Besseres Leben? Der folgende Satz macht die Verwirrung perfekt:</p>
<blockquote><p>Somit war es ihr tatsächlich herzlich egal, ob das Ei sieben oder siebzehn Minuten lang kochte.</p></blockquote>
<p>Auftritt, endlich, das Ei! Besser gesagt: das Ei, wie Irmis Mann es haben möchte. Jetzt wird’s kompliziert:</p>
<blockquote><p>Es ging nicht einmal darum, dass ihr Mann das Ei irgendwie besonders haben wollte. So etwas Uneindeutiges wie „sehr festes Eiweiß und mittelweiches Eigelb“, wie Irmi das eigentlich mag, fand er schlicht unausstehlich. Das Frühstücksei sollte hart sein. Punkt.</p></blockquote>
<p>Wie bei fast jedem Streit geht es auch bei diesem nicht um das Ei (und auch nicht um die Wasserverschwendung oder „das unnötige In-die-Höhe-Treiben der Stromrechung“ durch zu langes Kochen). Nicht weil Irmi das gut findet, kriegt Irmis Mann sein Ei, wie er es will, sondern weil Irmi sonst Migräne bekommt.</p>
<h4>Stil</h4>
<p>Sharon Dodua Otoo gehört zu den nicht-muttersprachlichen Autorinnen der deutschsprachigen Literatur. Dass unter diesen Umständen ein Klischee wie „herzlich egal“ in den Text gefunden hat, wundert mich. Sind das ihre Worte? Insgesamt kommt ihr Text auf Seite 7 ohne jede Sprachkunst aus, es geht nur um den Transport von Inhalt. Umgangssprachliche Wendungen („im Kühlschrank chillen“, „so, wie Irmis Mann drauf war“) und die inzwischen modisch gewordene Aneinanderreihung von Wörtern mit Bindestrich („das unnötige In-die-Höhe-Treiben der Stromrechnung“) ergeben noch keine stilistische Handschrift.</p>
<h3 id="2">Seite 1 bis 11 – Lösung der Rätsel</h3>
<p>Die Autorin gibt uns Leseanweisungen: Die ersten 5 Seiten soll man mit dem rechten Auge lesen, die nächsten 5 mit dem linken, die letzte Seite offenbar mit beiden. Eine Art simulierter Perspektivwechsel? Was auch immer damit beabsichtigt sein mag, es hat<br />
keine Konsequenzen für die Lektüre.</p>
<p>Die Ich-Erzähler-Instanz ist in der Tat (noch) kein Mensch. Eine Idee mit Potenzial: Als Ungeborenes kann dieses Wesen sich jede mögliche Gestalt geben und nach Lust und Laune in der Welt der Lebenden mitmischen, als Lippenstift, Erdbeben, roter Teppich – oder eben als Ei, das gekocht wird. Nun verstehe ich auch den rätselhaften Entschluss, „nicht hart zu werden“.</p>
<p>Doch die meisten Rätsel von Seite 7 bleiben auch nach der Lektüre des ganzen Texts ein Rätsel, zum Beispiel die Frage, warum die Ausstattung mit einer Art von Menschenkörper und einem sterblichen Leben es Herrn Gröttrup unmöglich machen sollte, die Gründe dafür zu verstehen, dass sein Ei sich weigert, hart zu werden. Und warum kann es Irmi herzlich egal sein, wie lang das Ei kocht, nur weil sie bei der ersten Verteilung etwas besser weggekommen ist? Und warum könnte sie von Ada, der Putzfrau, eine &#8222;detaillierte Begründung&#8220; für die Entscheidung des Ungeborenen bekommen?</p>
<p>Es häufen sich die Stilblüten:</p>
<ul>
<li><em>Die Stille in der Küche war inzwischen messerscharf.<br />
</em>Kann Stille messerscharf sein?</li>
<li><em>Wie eine Kettensäge drang die Stimme seiner Frau in seine Rechnungen und Gleichungen ein.</em><br />
Das Bild ist in der Vermischung von Konkretem (Kettensäge) und Abstrakta (Rechnungen und Gleichungen) schon missraten. Wenn ich den Satz lese, den Irmi darauf sagt, glaube ich das mit der Kettensäge ohnehin nicht mehr:<br />
<em><em>Ich koche dir noch ein Ei, ja?</em></em></li>
<li><em>… und drückte gleichzeitig ihrem Mann eine Windel voll Kleinkind in die Arme.</em><br />
Das ist ein Flachwitz, unter dem Niveau, das dieser Text anstrebt.<em><br />
</em></li>
</ul>
<p>Der dramatische Höhepunkt:</p>
<blockquote id="Ei"><p>Das. Ei. War. Noch. Weich.</p></blockquote>
<p>Der Interpunktionszauber hat in etwa den Effekt einer Tischbombe beim Kindergeburtstag. Auch die Ersetzung von <em>jemand</em> durch <em>jemensch</em> auf Seite 2 ist bestenfalls ein Mini-Aufreger, der sogleich verpufft; da hilft es auch nichts, dass bei der dritten (!) Wiederholung ein Gedanke aufblitzt.</p>
<blockquote><p>Wenn jemensch ihn in seiner Gegenwart als Christ bezeichnet hätte, hätte er „mit Verlaub“ korrigiert: Er war überzeugter Protestant. Wenn jemensch ihn allerdings als „Cis-Mann“ bezeichnet hätte, hätte er vor lauter Irritation bestimmt die Augen zusammengekniffen. Und wenn jemensch ihn als „weiß“ bezeichnet hätte, hätte er dies entweder als Synonym für „deutsch“ aufgefasst oder sich gefragt ob dies als Beleidigung zu verstehen war. Oder beides.</p></blockquote>
<p>Mit Adjektiven und deren Verstärkern geht Sharon Dodua Otoo sorglos um:</p>
<ul>
<li><em>eine Tatsache, die ihn – gelinde gesagt – höchst unzufrieden machte.</em></li>
<li><em>hatte er bereits zweifelsfrei festgestellt.</em></li>
<li><em>während Irmi gnadenlos mit ihrem Mann schimpfte.</em></li>
</ul>
<p>Überflüssige Adjektive nehmen dem Text Energie. Störender finde ich Sätze, die nur mit Gewalt aufgehen wie ein verklemmter Marmeladenglas-Deckel.</p>
<ul>
<li><em>Die wochenendlichen Radtouren musste er bedauerlicherweise vor zwei Jahren sein lassen, weil er es mit dem Knie hatte. Inzwischen genoss er seinen neuen Status als regelmäßiger Sonntagsfahrer.<br />
</em></li>
<li><em>Seit seiner Pensionierung wurde Irmi von ihrem Mann nur noch Mutti genannt, obwohl sie keine Kinder hatten.</em><br />
Das Subjekt von „seine Pensionierung“ muss mit dem Prädikat („wurde Mutti genannt“) übereinstimmen. Ein möglicher Satz wäre: „Seit seiner Pensionierung nannte ihr Mann sie nur noch Mutti.&#8220;</li>
<li><em>Herr Gröttrup klang weniger selbstsicher, als er wollte</em>.</li>
</ul>
<p>Beim philosophischen Höhepunkt des Texts hapert es nicht nur mit der Syntax, sondern auch mit der Metaphorik.</p>
<blockquote><p>Deutlich schwieriger ist es für mich, auszuhalten, dass ihr Lebenden ausschließlich mittels dieses Gefängnisses namens Sprache kommuniziert.</p></blockquote>
<p>Kann man mittels eines Gefängnisses kommunizieren?</p>
<blockquote><p>Sprachen und ihre Kategorien, o!<br />
Menschen und ihre Kategorien!<br />
Sie sind nicht ganz dicht, o! Sie sind nicht ganz dicht.</p></blockquote>
<p>Was mag die Jury bewogen haben, diesen Text auszuzeichnen?</p>
<h3 id="3">Jury-Diskussion – Rätsel über Rätsel</h3>
<p>Sandra Kegel spricht von einem heiteren Ton – „das ist so unangestrengt erzählt“. Der Text sei nicht denunziatorisch, sondern arbeite „mit Humor und Ironie“. Der „Tonfall von vergnügter Heiterkeit“ bleibe im ganzen Text erhalten, so Hildegard Keller, während Klaus Kastberger ihm Swing, Drive und Zauberkraft bescheinigte.</p>
<p>Lauter Pauschal-Urteile, keines davon durch ein Zitat belegt. Ansonsten war die Diskussion <a href="http://tell-review.de/die-angst-des-kritikers-vor-dem-eigenen-urteil/" target="_blank">bar jeder Stilkritik</a>.</p>
<p>Die Juroren sind klüger als der Text. Ich staune, was man in diesem Text alles entdecken kann. Mehrfach ist von surrealer (Lehr-)Parabel die Rede. Juri Steiner versteht das Geschehen als Demenzgeschichte, „Sandkastenkrieg auf dem Frühstückstisch“. Klaus Kastberger gibt sein Wissen zum Genre der Tischszene zum Besten: „bei Tisch geht’s zur Sache“, Angriff auf das Bürgertum, der Wiener Aktionismus als „groteske Überschreitung der bürgerlichen Tischmanieren&#8220;, schließlich der Verweis auf Thomas Bernhards <em>Der deutsche Mittagstisch</em>. Diesen Ausführungen lauscht man mit Gewinn – nur haben sie mit der Tischszene in Sharon Dodua Otoos Text nichts zu tun.</p>
<p>Das wandelbare Ich gab Rätsel auf. Meike Fessmann sieht in der Verwandlung in ein Ei den Wunsch, unauffällig zu sein. Hildegard Keller vermutet eine Weltseele, denn dieses Ich reist durch Zeit und Raum; die Jurorin verweist auf den „post-human-approach“ und den (hoch interessanten) TED Talk <a href="https://www.ted.com/talks/jill_bolte_taylor_s_powerful_stroke_of_insight?language=de" target="_blank">„Stroke of Insight“</a>: Intentional handelnde Subjekte müssten nicht immer Menschen sein.</p>
<p>Die konfusen Dinge, die dieses Ich gegen Ende des Textes äußert, werden von der Jury allerdings geflissentlich ignoriert. Der Plan mit dem Ei-Sein sei nicht aufgegangen, erklärt uns dieses Ich, auch diesmal werde es mit dem Geborenwerden wohl nichts.</p>
<blockquote><p>Ich weiß es, weil es immer noch keine Bilder gibt.</p></blockquote>
<p>Das nämlich sei der Unterschied zwischen den Ungeborenen und den Verstorbenen.</p>
<blockquote><p>Tote haben Bilder. Die, die noch nicht gelebt haben, warten noch darauf.</p></blockquote>
<p>Dieses wandelbare Ich hat keine Tiefe. Es ist nur ein Trick, mit dem die Autorin eine ungewöhnliche Erzählperspektive aus dem Hut zaubert.</p>
<p>Entscheidend scheint für manche Juroren der Umstand gewesen zu sein, dass es sich bei Herrn Gröttrup nicht um eine fiktive Figur handelt, sondern um den NS-Raketentechniker Helmut Gröttrup, Assistent von Wernher von Braun. Nach dem Krieg forschte Gröttrup zunächst in Westdeutschland für die Sowjetunion, wurde dann samt Familie in die Sowjetunion deportiert, konnte jedoch 1953 nach Westdeutschland zurückkehren, wo ihm eine Karriere als Wissenschaftler beschieden war. Das alles habe ich in Wikipedia nachgelesen, nachdem Sandra Kegel in der Jury-Diskussion angemerkt hatte, Gröttrup sei der Erfinder des Chips auf unserer Bankkarte.</p>
<p>„Wie bin ich da hingekommen?“, fragte sich Hubert Winkels angesichts der mageren Szene im Text, die das Vorleben des Ehepaars Gröttrup beleuchtet (nach der „zweiten Verteilung“). Nach dem stotternden, „aus dem Kleinsten erzählten“ Anfang, der ihn gelangweilt habe, konstatiert Winkels hier eine extreme Beschleunigung. Man könnte auch sagen, die Szene falle aus der Erzählung heraus. Sie wirkt wie hineingeklebt, jedenfalls würde im Gang der Erzählung nichts fehlen, wenn man die Seite 8 entfernte.</p>
<p>Obwohl die NS-Vergangenheit des Herrn Gröttrup im Text kaum angedeutet wird, fand Sandra Kegel, die Sharon Dodua Otoo eingeladen hatte, es „unglaublich“, dass uns eine britische Autorin diesen Teil &#8222;vergessener deutscher Geschichte&#8220; erzählt. Stefan Gmünder sieht darin gar einen „genialen Griff“. Drittes Reich kann nie schaden!</p>
<h6 style="text-align: right;">Beitragsbild:<br />
Screenshot ORF</h6>
<hr />
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		<title>Auf eigene Gefahr – Autoren-Selfies (3)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Samuel Hamen]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Jun 2016 07:00:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Schatztruhe]]></category>
		<category><![CDATA[Bachmann-Wettbewerb]]></category>
		<category><![CDATA[TDDL]]></category>
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					<description><![CDATA[„Und wollen wir uns nicht eigentlich in Literatur verlieren, wie in einem Labyrinth?“ – Teil 3 der „unverschämten Mutmaßungen“ von Samuel Hamen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3 id="zwicky">Dieter Zwicky: Dialektale Onkelhaftigkeit</h3>
<div id="attachment_3105" style="width: 568px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3105" data-attachment-id="3105" data-permalink="https://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-1/zwicky/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Zwicky.png?fit=558%2C313&amp;ssl=1" data-orig-size="558,313" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Zwicky" data-image-description="&lt;p&gt;Dieter Zwicky &amp;#8211; TDDL 2016 (Video-Still)&lt;/p&gt;
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<p>Was Personenkult angeht, kann letztlich nur <a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773168/" target="_blank">Dieter Zwicky</a> (geb. 1957) <a href="http://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-2/#sargnagel" target="_blank">Stefanie Sargnagel</a> das Wasser reichen. Sein Porträt beginnt mit einem nervösen Countdown-Zähler, gerade so, als spränge uns im nächsten Augenblick wasserstoffblond H. P. Baxxter entgegen. Stattdessen kriegen wir einen hübsch angegrauten Mann serviert, der bedruckte Papierschnipsel unter einen Wasserstrahl hält und sie abwäscht. Auch gut. Später sitzt Zwicky in seinem Atelier wie ein Grand-Seigneur-Maler vor den eigenen Gemälden und redet, gerahmt von Edelstahlnudelsieb und Tropfbildern, vor allem eins: wirres Zeug. „Und zwar stelle ich mir vor, dass das Chalet als zugespitzte, hölzerne Schweizer Behausungsform eigentlich ausgeschafft werden müsste, möglichst weit weg, und das ist mir im letzten Werk dann tatsächlich passiert, das Chalet wurde zur Blockhütte in den chilenischen Alpen und zur Drehscheibe für adrette Drogenschiebereien.“ Bei so einer dialektalen Onkelhaftigkeit kann man ihn eigentlich nur unterschätzen.</p>
<h4><span style="text-decoration: underline;">Mutmaßung </span></h4>
<p>Fokussierung auf das Sprachmaterial und Ausspielen des Schweizer Regio-Jokers. Dafür wird er viel Lob einheimsen („fabelhafte Artistik“ u. ä.), das letztlich aber wirkungslos sein wird. Für einen Bachmann-Preisträger ist er dann doch zu sehr Schweizer Dada-Onkel.</p>
<p style="text-align: center;">* * *</p>
<h3 id="wolf">Julia Wolf: Rätselhafte Zurückhaltung</h3>
<div id="attachment_3104" style="width: 573px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3104" data-attachment-id="3104" data-permalink="https://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-1/wolf/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Wolf.png?fit=563%2C311&amp;ssl=1" data-orig-size="563,311" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Wolf" data-image-description="&lt;p&gt;Julia Wolf &amp;#8211; TDDL 2016 (Video-Still)&lt;/p&gt;
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" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Wolf.png?fit=563%2C311&amp;ssl=1" class="size-full wp-image-3104" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Wolf.png?resize=563%2C311" alt="ORF" width="563" height="311" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Wolf.png?w=563&amp;ssl=1 563w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Wolf.png?resize=80%2C44&amp;ssl=1 80w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Wolf.png?resize=300%2C166&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 563px) 100vw, 563px" /><p id="caption-attachment-3104" class="wp-caption-text"><span style="font-size: 75%;"><a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773167/">ORF</a></span></p></div>
<p>Dass man nicht weiß, woran man ist – das ist der Clou bei <a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773167/" target="_blank">Julia Wolf</a> (geb. 1980). Ihr Porträt bleibt bis zum Ende rätselhaft. Alte Männer in Badehose liegen auf einer blau gekachelten Liegefläche und sprechen theatralisch Worte und Sätze nach. Die Autorin tritt erst ganz am Ende auf, wenn ihr Kopf wie eine PPP-Folie ins Bild gleitet. Was das soll? Keine Ahnung.</p>
<h4><span style="text-decoration: underline;">Mutmaßung</span></h4>
<p>Just diese rätselhafte Zurückhaltung wird auch für Wolfs Textarchitektur wichtig sein. Wenn ihr Beitrag seinen epischen Bau nicht allzu plump preisgibt, kann ihr Schreiben durchaus überzeugend wirken. Gefahr droht, wenn – und das wird bestimmt eine(r) aus der Jury anbringen – die Verrätselung als technische Masche offenbar wird.</p>
<p style="text-align: center;">* * *</p>
<h3 id="otoo">Sharon Dodua Otoo: Stimmdienstleisterin</h3>
<div id="attachment_3100" style="width: 562px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3100" data-attachment-id="3100" data-permalink="https://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-1/otoo/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Otoo.png?fit=552%2C313&amp;ssl=1" data-orig-size="552,313" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Otoo" data-image-description="&lt;p&gt;Sharon Dodua Otoo &amp;#8211; TDDL 2016 (Video-Still)&lt;/p&gt;
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<p>Der Clip von <a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773160/" target="_blank">Sharon Dodua Otoo</a> (geb. 1972) beginnt mit einem Gespräch zwischen der Autorin und einem jungen Mann, dem sie gerade die Haare macht, und endet mit einer Familien- und Freundesfeier, bei der alle gemeinsam singen. Hier, das wird schnell klar, ist jemand Stimmdienstleister für andere, die sonst nicht zu Wort kommen. Otoo kämmt Haare, hört zu, kocht, fragt nach. Das wird hervorragend ankommen, weil sie mit einem littérature-engagée-Hopser aus dem Sumpf der Selbstbezüglichkeit springt.</p>
<h4><span style="text-decoration: underline;">Mutmaßung</span></h4>
<p>Ein im besten Sinne humanistischer Text, dem es weniger um sich oder die Autorin geht, sondern um die Figuren und ihre Schicksale. In der Jury-Diskussion werden die französische Autorin Marie NDiaye und der nigerianisch-amerikanische Autor Teju Cole vorkommen. Auch das Schlagwort „afropolitisch“ darf nicht fehlen. Gefährlich wird es für die Juroren, wenn sie Otoo auf die hochriskante und grundbescheuerte Trias „schwarz, weiblich, jung“ reduzieren wollen.</p>
<p style="text-align: center;">* * *</p>
<h3 id="schneider">Bastian Schneider: Anlehnung ans Crowdfunding</h3>
<div id="attachment_3118" style="width: 559px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3118" data-attachment-id="3118" data-permalink="https://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-3/schneider/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Schneider.png?fit=549%2C312&amp;ssl=1" data-orig-size="549,312" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Schneider" data-image-description="&lt;p&gt;Bastian Schneider &amp;#8211; TDDL 2016 (Video-Still)&lt;/p&gt;
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<p><a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773164/" target="_blank">Bastian Schneider </a>(geb. 1981) bedient sich der Optik von Crowdfunding-Videos, um im Zeitraffer Fotos aneinanderzureihen, auf denen Schneider jeweils Plakate mit Worten vor sich hinhält. Das erinnert an das Video zu „Nur ein Wort“ von <em>Wir sind Helden, </em>leider ohne die Musik und die Lyrics, stattdessen ein wenig Rhetorik à la <em>Die Sendung mit der Maus</em>. Ständig schweift man beim Zuschauen ab und denkt sich: Ach, stimmt, das erinnert mich an etwas. Nur ist dieses Etwas meistens gelungener als Schneiders Anlehnung.</p>
<h4><span style="text-decoration: underline;">Mutmaßung</span><em><br />
</em></h4>
<p>Wenn sein Prosastück ähnlich gestaltet ist, wird man sich am Ende des Lesetages fragen, wer nochmal dieser Schneider war – und wieso dieser Typ so ein merkwürdiges Crowdfunding-Projekt vorstellen musste.</p>
<p>* * *</p>
<h3 id="sozio">Astrid Sozio: Aus dem Nähkästchen</h3>
<div id="attachment_3103" style="width: 567px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3103" data-attachment-id="3103" data-permalink="https://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-1/sozio/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Sozio.png?fit=557%2C313&amp;ssl=1" data-orig-size="557,313" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Sozio" data-image-description="&lt;p&gt;Astrid Sozio &amp;#8211; TDDL 2016 (Video-Still)&lt;/p&gt;
" data-image-caption="&lt;p&gt;&lt;span style=&quot;font-size: 75%;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773166/&quot;&gt;ORF&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Sozio.png?fit=557%2C313&amp;ssl=1" class="size-full wp-image-3103" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Sozio.png?resize=557%2C313" alt="ORF" width="557" height="313" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Sozio.png?w=557&amp;ssl=1 557w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Sozio.png?resize=80%2C45&amp;ssl=1 80w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Sozio.png?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 557px) 100vw, 557px" /><p id="caption-attachment-3103" class="wp-caption-text"><span style="font-size: 75%;"><a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773166/">ORF</a></span></p></div>
<p>Auch <a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773166/" target="_blank">Astrid Sozio</a> (geb. 1979) zeigt sich fotoaffin. Sie tritt zusammen mit ihrem Zettelkasten auf, in dem sie allerlei Snapshots aufbewahrt. Ihr Porträt ist angenehm amateurhaft: Bei den Takes, in denen sie von sich erzählt, sitzt die Kamera schief, und die reincollagierten Shots von Nordlichtern, schmelzenden Eisbergen und Schwarzweiß-Aufnahmen zertrümmerter Städte ergeben nicht wirklich Sinn. Dennoch hören wir Sozio und ihrem nähkastenartigen Gerede gerne zu. Ihr Auftritt ist auf sympathische Weise nahbar und gut gelaunt. Ob eine ähnlich organisierte Textpassage der spitzzüngigen Jury gefallen wird, steht allerdings auf einem anderen Blatt.</p>
<h4><span style="text-decoration: underline;">Mutmaßung</span><em><br />
</em></h4>
<p>Gut möglich, dass sie laut Jury „nicht genug Biss“ besitzt, dass ihre Erzählung zwar „unverstellt zugänglich“ ist, „wir uns aber in ihrem Innern nicht verlieren können“. Und dann wird dieselbe Jurorin raunend hinzufügen: „Und wollen wir uns nicht eigentlich in Literatur verlieren, wie in einem Labyrinth?“</p>
<p><a href="http://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-1/" target="_blank"><em>Auf eigene Gefahr – Autoren-Selfies (1)</em></a></p>
<p><a href="http://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-2/" target="_blank"><em>Auf eigene Gefahr </em><em>– Autoren-Selfies (2)</em></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis:</em><br />
<em>Beitragsbild-Montage unter Verwendung von: </em><br />
<em>Blaue Kacheln: Vera Kratochvil, Public Domain via <a href="http://www.PublicDomainPictures.net" target="_blank">PublicDomainPictures.net</a></em><br />
<em>Selfie Icon von Claire Jones (http://thenounproject.com/term/selfie/28250/) [<a href="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0">CC BY 3.0</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ASelfie_icon.svg">via Wikimedia Commons</a></em></h6>
<h6 style="text-align: right;"><em>Video-Stills: <a href="http://bachmannpreis.orf.at/tags/autoren2016/" target="_blank">ORF</a></em></h6>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&#038;;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
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		<title>Auf eigene Gefahr – Autoren-Selfies (2)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Samuel Hamen]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Jun 2016 07:07:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Schatztruhe]]></category>
		<category><![CDATA[Bachmann-Wettbewerb]]></category>
		<category><![CDATA[TDDL]]></category>
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					<description><![CDATA[Was die TDDL-Autorenclips über die Prosa der Porträtierten verraten. Teil 2 der „unverschämten Mutmaßungen“ von Samuel Hamen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3 id="gardi">Tomer Gardi: Lachsfarbenes Leinenhemd floral</h3>
<div id="attachment_3138" style="width: 569px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3138" data-attachment-id="3138" data-permalink="https://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-2/gardi-2/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Gardi-1.png?fit=559%2C310&amp;ssl=1" data-orig-size="559,310" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Gardi" data-image-description="&lt;p&gt;Video-Still Tomer Gardi &amp;#8211; TDDL 2016&lt;/p&gt;
" data-image-caption="&lt;p&gt;&lt;span style=&quot;font-size: 75%;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773156/&quot;&gt;ORF&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Gardi-1.png?fit=559%2C310&amp;ssl=1" class="size-full wp-image-3138" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Gardi-1.png?resize=559%2C310" alt="ORF" width="559" height="310" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Gardi-1.png?w=559&amp;ssl=1 559w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Gardi-1.png?resize=80%2C44&amp;ssl=1 80w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Gardi-1.png?resize=300%2C166&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 559px) 100vw, 559px" /><p id="caption-attachment-3138" class="wp-caption-text"><span style="font-size: 75%;"><a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773156/">ORF</a></span></p></div>
<p>In ihrer <em>tristesse forestière </em>hätte sich die gestern vorgestellte <a href="http://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-1#dorian" target="_blank">Ada Dorian</a> auch an ihren israelischen Kollegen <a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773156/" target="_blank">Tomer Gardi</a> (geb. 1974) wenden können. Er hätte ihr gezeigt, wie man das mit den floralen Stoffen noch einmal anders macht. Sein gänzlich ton- und sprachloses Porträt besteht nämlich einzig und allein in der allmählichen Ablichtung seines gut gekleideten und stark behaarten Schriftstellerkörpers. Im Zentrum dieser dröhnend oberflächlichen Schau steht Gardis lachsfarbenes Leinenhemd mit Blumenmotiven sowie, unübersehbar, sein beeindruckend dichtes Brusthaar. Wenn wir schon bei <em>VOX </em>sind (siehe <a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773155/" target="_blank">Ada Dorian</a>): Guido Maria Kretschmer von <em>Shopping Queen </em>würde von einer „wirklich ganz tollen, tollen Kombination aus Zuhälter, Maxim Biller und Magnum“ schwärmen. Gardis Trick: wenig preisgeben und den Leuten als Erst-Eindruck nur das Image des schelmisch-derben jüdischen Dichters präsentieren. <em>More to follow. </em></p>
<h4><span style="text-decoration: underline;">Mutmaßung</span></h4>
<p>In der Jurydiskussion obligater Vergleich mit Maxim Biller sowie Verweis auf eine jüdische Erzähltradition, von der wenige tatsächlich Ahnung haben, die aber gerne herbeizitiert wird. Amos Oz und so.</p>
<p style="text-align: center;">* * *</p>
<h3 id="macht">Sascha Macht: Überrumpelnde Täuschung</h3>
<div id="attachment_3140" style="width: 566px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3140" data-attachment-id="3140" data-permalink="https://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-2/macht-2/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Macht-1.jpg?fit=556%2C308&amp;ssl=1" data-orig-size="556,308" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Macht" data-image-description="&lt;p&gt;Video-Still Sascha Macht &amp;#8211; TDDL 2016&lt;/p&gt;
" data-image-caption="&lt;p&gt;&lt;span style=&quot;font-size: 75%;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773158/&quot;&gt;ORF&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Macht-1.jpg?fit=556%2C308&amp;ssl=1" class="size-full wp-image-3140" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Macht-1.jpg?resize=556%2C308" alt="ORF" width="556" height="308" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Macht-1.jpg?w=556&amp;ssl=1 556w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Macht-1.jpg?resize=80%2C44&amp;ssl=1 80w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Macht-1.jpg?resize=300%2C166&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 556px) 100vw, 556px" /><p id="caption-attachment-3140" class="wp-caption-text"><span style="font-size: 75%;"><a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773158/">ORF</a></span></p></div>
<p>Nach der Stille bei Gardi fällt das Porträt von <a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773158/" target="_blank">Sascha Macht</a> (geb. 1986) umso mehr auf. Gleich zu Beginn die Frage: Ist das die Stimme des Autors? Rascher Abgleich mit einer <a href="https://www.youtube.com/watch?v=vRlNXTCKsZY" target="_blank">Lesung</a>: leider nein. Das wird in Klagenfurt natürlich schwierig. Erst kriegen Jury und Publikum diese sonorig-geile Stimme zu hören, und dann kommt Macht mit einer gängigen „voice of Germany“ daher. Überhaupt scheint überrumpelnde Täuschung Machts Metier zu sein, was ja erstmal nicht schlecht ist für einen Schriftsteller. Das Video spielt zum Teil in Köln, fernab von den bösen Schreibschulen in <a href="http://literaturinstitut-hildesheim.de/" target="_blank">Hildesheim</a>, Berlin oder <a href="http://www.deutsches-literaturinstitut.de/" target="_blank">Leipzig</a>. Nun hat Macht aber am Leipziger Literaturinstitut studiert. Zudem collagiert der Clip verwackelte und farbübersättigte 70er-Jahre-Aufnahmen von verkleideten Kindern sowie fingierte Filmszenen und südamerikanische Posen. Bei Machts Beitrag erwartet uns das, worüber Frank Witzel und Philipp Felsch im Gesprächsband <a href="http://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/brd-noir.html" target="_blank"><em>BRD Noir</em> </a>so ausgiebig geredet haben: die ästhetische Historisierung der alten BRD, fernab von Idylle und Gewöhnlichkeit.</p>
<h4><span style="text-decoration: underline;">Mutmaßung</span></h4>
<p>Angereichert mit etwas magischem Narco-Realismus aus Südamerika, wird uns in Machts Prosa das Unheimliche und Abgründige einer BRD präsentiert werden, deren Passé-Sein wir dieser Tage erst allmählich zu spüren beginnen.</p>
<p style="text-align: center;">* * *</p>
<h3 id="lehn">Isabelle Lehn: Nah, menschlich, sympathisch</h3>
<div id="attachment_3139" style="width: 564px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3139" data-attachment-id="3139" data-permalink="https://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-2/lehn-2/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Lehn-1.png?fit=554%2C310&amp;ssl=1" data-orig-size="554,310" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Lehn" data-image-description="&lt;p&gt;Video-Still Isabelle Lehn &amp;#8211; TDDL 2016&lt;/p&gt;
" data-image-caption="&lt;p&gt;&lt;span style=&quot;font-size: 75%;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773157/&quot;&gt;ORF&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Lehn-1.png?fit=554%2C310&amp;ssl=1" class="size-full wp-image-3139" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Lehn-1.png?resize=554%2C310" alt="ORF" width="554" height="310" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Lehn-1.png?w=554&amp;ssl=1 554w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Lehn-1.png?resize=80%2C45&amp;ssl=1 80w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Lehn-1.png?resize=300%2C168&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 554px) 100vw, 554px" /><p id="caption-attachment-3139" class="wp-caption-text"><span style="font-size: 75%;"><a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773157/">ORF</a></span></p></div>
<p><a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773157/" target="_blank">Isabelle Lehn</a> (geb. 1979) kommt ebenfalls von der Leipziger Schreibschule, ihr Clip ist bodenständiger als der von Macht. Bei ihr gibt es weder ein großangelegtes Inszenierungsmanöver, noch werden wir mit suggestiven Überblendungen überschüttet. Stattdessen: idyllisches Menschentreiben in Leipzig. Sogar Sascha Macht streunt intertextuell durch den Clip, in seinem Cameo-Auftritt sitzt er mampfend auf dem Platz. Eine städtische Luftbrise hier, ein wenig Grünfläche dort, ein paar Graffiti, eine Bulldogge und türkische Kids, die Fußball spielen – was braucht das Autorenauge mehr? Als zufriedene Stadtplatzschreiberin hockt Lehn zwischen alledem und schreibt ihre Beobachtungen per Hand in ihr Heft.</p>
<h4><span style="text-decoration: underline;">Mutmaßung</span></h4>
<p>Nah, menschlich, sympathisch – so wird auch ihr Textbeitrag sein. Isabelle Lehn widmet sich, so das potentielle Lob der Jury, dem „Bravourösen im Alltäglichen“ und läuft damit womöglich Gefahr, in braver und einfühlsamer Kontemplation zu stagnieren.</p>
<p style="text-align: center;">* * *</p>
<h3 id="sargnagel">Stefanie Sargnagel: Elendsbiografie</h3>
<div id="attachment_3141" style="width: 564px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3141" data-attachment-id="3141" data-permalink="https://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-2/sargnagel-2/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Sargnagel-1.png?fit=554%2C310&amp;ssl=1" data-orig-size="554,310" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Sargnagel" data-image-description="&lt;p&gt;Video-Still Stefanie Sargnagel &amp;#8211; TDDL 2016&lt;/p&gt;
" data-image-caption="&lt;p&gt;&lt;span style=&quot;font-size: 75%;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773162/&quot;&gt;ORF&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Sargnagel-1.png?fit=554%2C310&amp;ssl=1" class="size-full wp-image-3141" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Sargnagel-1.png?resize=554%2C310" alt="ORF" width="554" height="310" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Sargnagel-1.png?w=554&amp;ssl=1 554w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Sargnagel-1.png?resize=80%2C45&amp;ssl=1 80w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Sargnagel-1.png?resize=300%2C168&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 554px) 100vw, 554px" /><p id="caption-attachment-3141" class="wp-caption-text"><span style="font-size: 75%;"><a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773162/">ORF</a></span></p></div>
<p>Sich des Braven und Vorhersehbaren zu erwehren, ist wiederum die selbstauferlegte Aufgabe von <a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773162/" target="_blank">Stefanie Sargnagel</a> (geb. 1986). Bisher hat die Österreicherin erfolgreich daran gearbeitet, sich als Marke zu etablieren. Der Name, die Mütze, die derb-aphoristischen <em>facebook</em>-Posts – alles Werbemaßnahmen für das Label „Sargnagel“<em>. </em>Ihr Videoporträt, in Windows-Paint-Optik gehalten, folgt derselben Logik. Oben links prangt eine mies gezeichnete traurige Sonne, der Rest ist einfallslos erzählte Elendsbiografie. Wir hören Sätze wie „Meine Lieblingsfarbe ist intensives Grau“ und ahnen: Mehr wird auch in ihrem Prosastück nicht kommen. Gerade darauf freuen wir uns. Keine ausgetüftelte Zeitstruktur in der Erzählung, keine adjektivisch hochgerüsteten Figuren, einfach bloß eine Portion Wiener Banlieu-Slang, den Sargnagel uns Hochkulturellen und Schreibschulmüden zugänglich macht. Danke!</p>
<h4><span style="text-decoration: underline;">Mutmaßung: </span></h4>
<p>Bei den <em>TDDL </em>wird ihr das von-Rönne-Problem begegnen. Dermaßen zugeschüttet mit Vorwegnahmen bezüglich ihrer Person wird von ihr nichts übrig bleiben als das Label<em>, </em>das sie eh schon hat: kultiviert grobschlächtig und verweigernd derb.</p>
<p><em>Fortsetzung folgt</em></p>
<p><a href="http://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-1/" target="_blank"><em>Erster Teil</em></a></p>
<p><a href="http://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-3/" target="_blank"><em>Dritter Teil</em></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis:</em><br />
<em>Beitragsbild-Montage unter Verwendung von: </em><br />
<em>Hofer-Supermarkt in Österreich, von High Contrast (Eigenes Werk) [<a href="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/deed.en">CC BY 3.0 de</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AHOFER_supermarket_in_Austria.jpg">via Wikimedia Commons</a></em><br />
<em>Selfie Icon von Claire Jones (http://thenounproject.com/term/selfie/28250/) [<a href="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0">CC BY 3.0</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ASelfie_icon.svg">via Wikimedia Commons</a></em></h6>
<h6 style="text-align: right;"><em>Video-Stills: <a href="http://bachmannpreis.orf.at/tags/autoren2016/" target="_blank">ORF</a></em></h6>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&#038;;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
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		<title>Auf eigene Gefahr – Autoren-Selfies (1)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Samuel Hamen]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Jun 2016 19:54:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Schatztruhe]]></category>
		<category><![CDATA[Bachmann-Wettbewerb]]></category>
		<category><![CDATA[TDDL]]></category>
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					<description><![CDATA[Was die TDDL-Autorenclips über die Prosa der Porträtierten verraten. Unverschämte Mutmaßungen von Samuel Hamen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dropcap">V</span>ierzehn Autorinnen und Autoren tragen ab Donnerstag bei den 40. <a href="http://bachmannpreis.orf.at/" target="_blank"><em>Tagen der deutschsprachigen Literatur</em></a> in Klagenfurt ihre Texte vor. Ihre Videoporträts sind bereits Wochen im Voraus im Netz zu sehen. Die zwei- bis dreiminütigen Clips, mit denen sich die Autorinnen und Autoren selbst vorstellen, lassen sich als Cover für die Texte betrachten, die ja noch kein Buch sind.</p>
<p>Sind diese Film-Selfies vielleicht sogar die bessere Methode des <em>Primings</em>? Sie stimmen das Publikum auf das Kommende ein, sie sind Lenkung und Ablenkung zugleich, sie informieren und disziplinieren Dabei lassen die Porträtclips eine gestalterische Haltung erkennen. Die künstlerische Geste, die man ihnen entnehmen kann, dürfte sich im darauffolgenden Prosatext anders und doch ähnlich manifestieren.</p>
<p>Warum also im Rahmen der kommenden <em>TDDL </em>kein Schau-Experiment anstellen? Sich die Videoporträts in unverschämter Unkenntnis der Texte anschauen und unangemessene Mutmaßungen über die Verfasstheit der Texte anstellen, ihre Stärken und Schwächen also dreist im Voraus benennen?</p>
<p>Nach einer ersten Durchschau der Clips fällt schnell ins Auge: Nicht nur im Sachbuch erfreut sich der Wald größter Beliebtheit. Gleich drei AutorInnen streunen durch zumeist regnerisches Forstgebiet. Woher diese Vorliebe? Denken Sie sich Wendungen wie „borkige Birkenrinden“ oder „kompostige Moospolster“ – das klingt so bestürzend poetisch, dass Autor und Wald ganz einfach zusammen gehören. Die auktorialen Spaziergänge können etwas Urig-Romantisches, Eremitenhaftes und, nicht zu unterschätzen, gefahrlos Deutsches vermitteln.</p>
<p style="text-align: center;">* * *</p>
<h3 id="dinic">Marko Dinić: Waldeinsamkeit</h3>
<div id="attachment_3095" style="width: 566px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3095" data-attachment-id="3095" data-permalink="https://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-1/dinic/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Dinic.png?fit=556%2C309&amp;ssl=1" data-orig-size="556,309" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Dinic" data-image-description="&lt;p&gt;Marco Dinic, TDDL 2016 – Still aus Autorenvideo&lt;/p&gt;
" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Dinic.png?fit=556%2C309&amp;ssl=1" class="wp-image-3095 size-full" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Dinic.png?resize=556%2C309" alt="Dinic" width="556" height="309" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Dinic.png?w=556&amp;ssl=1 556w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Dinic.png?resize=80%2C44&amp;ssl=1 80w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Dinic.png?resize=300%2C167&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 556px) 100vw, 556px" /><p id="caption-attachment-3095" class="wp-caption-text"><span style="font-size: 75%;"><a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773152/">ORF</a></span></p></div>
<p><a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773152/" target="_blank">Marko Dinić</a> (geb. 1988) steht etwas verwirrt zwischen Busch und Strauch und sieht aus, als versuche er angestrengt, sich als verdutzte Eiche zu tarnen. Das gelingt ihm kaum, und deswegen flieht er in die Stadt, um mit einem Festnetztelefon mit Schnur (!) zu telefonieren. Wo macht man so etwas heutzutage noch? Seine Wanderschaft hat einerseits etwas merkwürdig Vormodernes, als wolle er sich den letzten technologischen und zeitgeistigen Schüben verweigern. Andererseits ist seine Waldeinsamkeit aus der jüngsten Geschichte heraus motiviert. Sein Porträt beginnt mit einer Alarmsirene und Amateuraufnahmen von Bombardements in Serbien.</p>
<blockquote><p>Die Irrlichter sind Bomben oder winzige Schrapnellstücke, die wir als Kinder gesammelt haben.</p></blockquote>
<p>So lautet der erste gesprochene Satz. Wohin, wenn nicht in den Wald, soll ein Kind oder Autor unter derlei Umständen fliehen? Der gesamte Sprechtext im Clip kehrt Dinićs Bemühen hervor, sich von jenen Kollegen abzusetzen, die sich ihrem brachliegenden Selbst in öden Ironietexten widmen.</p>
<h4><span style="text-decoration: underline;">Mutmaßung</span></h4>
<p>Eine ernste, etwas kratzbürstig erzählte osteuropäische Kriegsjugend mit Folklore-Elementen. Perfekt für eine Jury, die dieses Jahr auf Internationalität und <em>otherness </em>setzt. Wertung der Jury: „Eine auf herbe Weise erfrischende Mischung aus Clemens J. Setz und Saša Stanišić.“</p>
<p style="text-align: center;">* * *</p>
<h3 id="özdogan">Selim Özdogan: Schwerer Seegang</h3>
<div id="attachment_3101" style="width: 567px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3101" data-attachment-id="3101" data-permalink="https://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-1/oezdogan/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/%C3%96zdogan.png?fit=557%2C310&amp;ssl=1" data-orig-size="557,310" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Özdogan" data-image-description="&lt;p&gt;Selim Özdogan &amp;#8211; TDDL 2016, Video-Still&lt;/p&gt;
" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/%C3%96zdogan.png?fit=557%2C310&amp;ssl=1" class="wp-image-3101 size-full" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/%C3%96zdogan.png?resize=557%2C310" alt="Özdogan" width="557" height="310" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/%C3%96zdogan.png?w=557&amp;ssl=1 557w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/%C3%96zdogan.png?resize=80%2C45&amp;ssl=1 80w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/%C3%96zdogan.png?resize=300%2C167&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 557px) 100vw, 557px" /><p id="caption-attachment-3101" class="wp-caption-text"><span style="font-size: 75%;"><a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773159/">ORF</a></span></p></div>
<p>Eine elementare Entgegnung hierauf findet sich im Porträt von <a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773159/" target="_blank">Selim Özdogan</a> (geb. 1971). Sein in maritimen Farben gehaltener Clip verwirft diese ganze Wurzel- und Knollenromantik. „Wenn wir versuchen, das Leben zu beschreiben, verwenden wir oft Metaphern. Gerne etwas mit Keimen, Wurzeln, Bäumen. Dinge, an denen man Halt sucht. Ich finde Wassermetaphern treffender.“ Also mehr Freddy Quinn, Nautik und Captain Nemo. Vor einer blauschattigen Wand fuchtelt tentakelartig ein Tänzer herum. Das Video bietet wenig mehr<em>, </em>Özdogan setzt darauf, die Meer-Allegorie auszubuchstabieren.</p>
<ul>
<li>„Keine Angst unterzugehen“ – check.</li>
<li>„Kielwasser“ – check.</li>
<li>„Schwerer Seegang, Sturm, Unwetter, Kentern“ – check.</li>
<li>„Ozean zuschütten“ – check.</li>
</ul>
<p>Selbst das Aufschreiben strengt an. Hoffentlich wird sein Prosatext variantenreicher.</p>
<ul>
<li>„Nach Inseln Ausschau halten“ – check.</li>
<li>„In Tinte schwimmen“ – check.</li>
</ul>
<h4><span style="text-decoration: underline;">Mutmaßung</span></h4>
<p>Özdogans Prosabeitrag enthält eine einzige, großzügig auslöffelbare Idee. Wenn die bei der Jury nicht gut ankommt, bleibt nichts übrig.</p>
<p style="text-align: center;">* * *</p>
<h3 id="schenk">Sylvie Schenk: Grenzüberschreitende Streifzüge</h3>
<div id="attachment_3119" style="width: 634px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3119" data-attachment-id="3119" data-permalink="https://tell-review.de/schenk-2/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Schenk-1.jpg?fit=624%2C300&amp;ssl=1" data-orig-size="624,300" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Schenk" data-image-description="&lt;p&gt;Sylvie Schenk &amp;#8211; TDDL 2016, Video-Still&lt;/p&gt;
" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Schenk-1.jpg?fit=624%2C300&amp;ssl=1" class="wp-image-3119 size-full" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Schenk-1.jpg?resize=624%2C300" width="624" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Schenk-1.jpg?w=624&amp;ssl=1 624w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Schenk-1.jpg?resize=80%2C38&amp;ssl=1 80w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Schenk-1.jpg?resize=300%2C144&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 624px) 100vw, 624px" /><p id="caption-attachment-3119" class="wp-caption-text"><span style="font-size: 75%;"><a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773163/">ORF</a></span></p></div>
<p>Die zweite Waldgängerin, <a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773163/" target="_blank">Sylvie Schenk</a> (geb. 1944), passt verdächtig gut in das internationale Programm der Jury. Der erste Take ihres Porträts zoomt auf ihre Wanderschuhe. Damit ist alles klar: Diese Frau ist Expertin für grenzüberschreitende Streifzüge. Ausgerüstet mit Jack-Wolfskin-Jacke, blütensamenverziertem Regenschirm und einem transnationalen Bewusstsein macht sie sich auf ihren Weg, der auch der unsere werden soll. Sie hat sogar zwei Wohnsitze (in Deutschland und in Frankreich), beide grenznah. Wenn dann noch der französische Akzent in ihrem Deutsch herauszuhören ist, spürt man zwar kein erotisches Zwicken wie ehedem bei der <em>Schöfferhofer</em>-Werbung, aber irgendwie fühlt man sich auf angenehm europäische Weise gewürdigt.</p>
<h4><span style="text-decoration: underline;">Mutmaßung</span></h4>
<p>Die Wertung der Jury könnte lauten: „Eine klare Erzählerin, die den langen Atem einer Sprachwandrerin besitzt.“ Schlimmstenfalls wird eine(r) aus der Jury raushauen: „Aufregend unaufregend.“</p>
<p style="text-align: center;">* * *</p>
<h3 id="dorian">Ada Dorian: Dekadenzeffekte</h3>
<div id="attachment_3096" style="width: 568px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3096" data-attachment-id="3096" data-permalink="https://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-1/dorian/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Dorian.png?fit=558%2C313&amp;ssl=1" data-orig-size="558,313" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Dorian" data-image-description="&lt;p&gt;AdaDorian &amp;#8211; TDDL 2016, Video-Still&lt;/p&gt;
" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Dorian.png?fit=558%2C313&amp;ssl=1" class="wp-image-3096 size-full" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Dorian.png?resize=558%2C313" alt="Dorian" width="558" height="313" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Dorian.png?w=558&amp;ssl=1 558w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Dorian.png?resize=80%2C45&amp;ssl=1 80w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Dorian.png?resize=300%2C168&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 558px) 100vw, 558px" /><p id="caption-attachment-3096" class="wp-caption-text"><span style="font-size: 75%;"><a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773155/">ORF</a></span></p></div>
<p><a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773155/" target="_blank">Ada Dorian</a> (geb. 1981) ist die dritte Forstliebhaberin. Nach dem unverzichtbaren Rumgestehe im Wald, bei dem sie wie eine ergraute Jungbirke aussieht, betritt sie eine Hausruine, mit blinden Fenstern, schiefen Türrahmen, Staub und Moder – das übliche, ästhetisch legitimierte Kaputte halt. Das einzig Blühende im Clip, ein wenig überkeck gezeigt, sind ihre mit Floralmuster verzierten Schuhe. Ein wenig erinnert ihr Waldhausbesuch an die Hoteltester aus der <em>VOX-</em>Serie <em>Mein himmlisches Hotel</em>. Auch Dorian streift prüfend mit dem Finger über das Mobiliar, als gelte es, Dreck zu finden – nur empört sich die Autorin nicht über abblätternden Lack und das verstaubte Klavier. Sie ist auf derlei Dekadenzeffekte angewiesen, um sich atmosphärisch zu inszenieren. Im Clip sind Waldsounds in Szenen einmontiert, in denen Dorian durchs Haus streunt. Ihr geht es um Effekte und gemachte Stimmung, um Aura und abgewracktes Glimmern.</p>
<h4><span style="text-decoration: underline;">Mutmaßung</span></h4>
<p>Ihr Beitrag wird einem Teil der Jury gefallen, weil er bei einer Live-Lesung sehr schön und effizient wirken kann. Bei genauerer Prüfung aber mag sich herausstellen, dass ihr Text zwar „wie eine gräuliche Sonne schimmert“, sie als Autorin aber „schlechterdings nichts Essenzielles zu erzählen hat“. So etwas könnte beispielsweise Hubert Winkels von sich geben.</p>
<p><em><a href="http://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-1/" target="_blank">Zweiter Teil</a><br />
</em></p>
<p><a href="http://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-3/" target="_blank"><em>Dritter Teil</em></a></p>
<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis:</em><br />
<em>Beitragsbild-Montage unter Verwendung von: </em><br />
<em>Podlaskie &#8211; Czarna Białostocka &#8211; Puszcza Knyszyńska &#8211; Góry Czumażowskie &#8211; E &#8211; v-NW.JPG<br />
By Krzysztof Kundzicz (Own work) [<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0">CC BY-SA 3.0</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3APodlaskie_-_Czarna_Bia%C5%82ostocka_-_Puszcza_Knyszy%C5%84ska_-_G%C3%B3ry_Czuma%C5%BCowskie_-_E_-_v-NW.JPG">via Wikimedia Commons</a></em><br />
<em>Selfie Icon von Claire Jones (http://thenounproject.com/term/selfie/28250/) [<a href="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0">CC BY 3.0</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ASelfie_icon.svg">via Wikimedia Commons</a></em></h6>
<p><em>Video-Stills: <a href="http://bachmannpreis.orf.at/tags/autoren2016/" target="_blank">ORF</a></em></p>
<hr />
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