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	<title>Science fiction &#8211; tell</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
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	<title>Science fiction &#8211; tell</title>
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		<title>Kurd Laßwitz und die Geschichte der Science Fiction in Deutschland</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Sep 2016 09:40:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Science fiction]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine Diskussion zum Essay von Johannes Spengler mit Beiträgen von Hania Siebenpfeiffer]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">Manche Kommentare sprengen das Kommentar-Format. Sie führen einen Beitrag weiter, sei es als Disput oder als Vertiefung. Um dem Dialog auf tell zusätzlich Raum zu geben, haben wir für diese Texte die Rubrik „Debatte“ geschaffen – ein Experiment.</p>
<p>Den Anstoß für diese Debatte zwischen Hania Siebenpfeiffer und Johannes Spengler zur Geschichte der Science Fiction in Deutschland gab Johannes Spenglers Essay:</div></div>
<blockquote hcb-fetch-image-from="http://tell-review.de/die-erfindung-des-nerds-kurd-lasswitz-und-die-deutsche-science-fiction/" class="wp-embedded-content" data-secret="fVG2rZCYaJ"><p><a href="http://tell-review.de/die-erfindung-des-nerds-kurd-lasswitz-und-die-deutsche-science-fiction/">Die Erfindung des Nerds – Kurd Laßwitz und die deutsche Science-Fiction</a></p></blockquote>
<p><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  src="http://tell-review.de/die-erfindung-des-nerds-kurd-lasswitz-und-die-deutsche-science-fiction/embed/#?secret=fVG2rZCYaJ" data-secret="fVG2rZCYaJ" width="600" height="338" title="&#8222;Die Erfindung des Nerds – Kurd Laßwitz und die deutsche Science-Fiction&#8220; &#8212; tell" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe></p>
<h4><strong>Laßwitz &#8211; doch kein Erfinder?</strong></h4>
<h5>Hania Siebenpfeiffer – Kommentar vom <a href="http://tell-review.de/die-erfindung-des-nerds-kurd-lasswitz-und-die-deutsche-science-fiction/#comment-372" target="_blank">29.08. 2016</a></h5>
<p>Das Handzeichen von Spock hat Laßwitz nicht erfunden, sondern umgedeutet. Es handelt sich um einen jüdischen Segensgruss, der auf dem hebräischen Zeichen „Shin“ beruht. Der Clou bei Laßwitz liegt darin, dass er die humanistischen Marsianer mit diesem Zeichen identifiziert, ein versteckter Kommentar gegen den grassierenden Antisemitismus des Wilhelminischen Kaiserreichs.</p>
<p>Mehrere der im Artikel als Erfindungen von Laßwitz herausgehobenen technischen Neuerungen (Fertiggerichte, Wasserschuhe etc.) stammen ebenfalls nicht von Laßwitz, sondern wurden aus Romanen des 18. Jahrhunderts adaptiert und an die technischen Bedingungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts angepasst. Auch hier liegt die Leistung weniger in der Antizipation als in der Aktualisierung und Popularisierung. Die wirklich beeindruckende naturwissenschaftliche Erfindung von Laßwitz ist das abarische Feld, dessen Existenz und Nutzen Laßwitz auf Grundlage von Einsteins Spezieller Relativitätstheorie vorweggenommen hat (die physikalische Realität abarischer Felder bzw. abarischer Punkte wurde erst in den 1920er Jahren von Heisenberg berechnet).</p>
<p>In Bezug auf die Gattung der deutschsprachigen Science-Fiction ist Laßwitz weder Pionier noch Erfinder. Dieses Verdienst gebührt einem Thüringer Astronom namens Eberhard Christian Kindermann, der 1744 mit <em>Die Geschwinde Reise auf dem Lufft-Schiff nach der obern Welt …</em> die erste deutschsprachige SF-Erzählung veröffentlichte, die keine fremdsprachliche Vorlage adaptierte. Und wenn man wirklich zu den Anfängen der Gattung zurückgeht, stößt man auf Johannes Keplers 1593 entworfene und postum 1634 veröffentlichte Erzählung <em>Somnium sive astronomia lunaris</em>.</p>
<p>Erzähltechnisch ist bei Laßwitz überaus bemerkenswert, wie er das Problem des Erstkontakts löst. Die Tatsache, dass sich die Marsianer in <em>Auf zwei Planeten</em> bereits auf der Erde befinden, der Erstkontakt damit nicht von der Menschheit ausgeht und im Weltraum oder auf einem anderen Planeten stattfindet, ist tatsächlich originell, denn so kann die dafür notwendige Technik des Weltraumflugs als marsianische Technologie imaginiert werden, die für die fiktive marsianische Kultur plausibel sein muss, nicht aber für die irdische. Laßwitz hat sich dadurch sehr elegant aus der erzähltechnischen und für die SF konstitutiven Notwendigkeit befreit, einen nach irdischen Maßstäben des späten 19. Jahrhunderts plausiblen Weltraumflug der Menschheit zum Mars zu entwerfen. Seine irdischen Entdecker müssen es nur bis zum Nordpol schaffen, dessen tatsächliche Entdeckung Ende des 19. Jahrhunderts unmittelbar bevorstand. Und dass sie dazu mit einem Heißluftballon unterwegs sind, ist im Jahre 1897 ein alter Hut.</p>
<p>Schließlich überwiegen die Unterschiede zwischen Wells und Laßwitz die wenigen motivische Gemeinsamkeit wie die marsianische Invasion (die übrigens ebenfalls weder von Wells noch von Laßwitz erfunden wurde, sondern von Maupassant). Die Unterschiede zwischen Wells und Laßwitz fallen besonders auf, wenn man nicht nur die Inhalte der beiden Romane, sondern die Art des Erzählens und miteinander vergleicht. Im Gegensatz zu Wells, der eine Parabel auf das kolonialistische Großbriannien geschrieben hat, versucht Laßwitz mit allen zur Verfügung stehenden erzählerischen Mitteln seine fiktiven sozialen und technischen Neuerungen plausibel zu machen, indem er sie aus dem Wissen des späten 19. Jahrhunderts heraus entwickelt. Deswegen dienen die teilweise ausufernden Dialoge zwischen Marsianern und Menschen auch dazu, alle Erfindungen genau zu erklären und ihre Glaubwürdigkeit zu begründen. Bei Wells hingegen werden die SF-typischen Neuerungen wie die marsianischen Raumschiffe, Waffen, Kommunikationsformen etc. überhaupt nicht erklärt, sondern sind einfach gesetzt. Der Fiktionalitätsgrad in Wells <em>War of the Worlds</em> ist damit deutlich höher als in <em>Auf zwei Planeten</em>; die literarische Glaubwürdigkeit bei Wells entsprechend deutlich geringer.</p>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&#038;;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
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		<title>Die Erfindung des Nerds – Kurd Laßwitz und die deutsche Science-Fiction</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Johannes Spengler]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 27 Aug 2016 08:07:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Die Hundertjährigen]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Schatztruhe]]></category>
		<category><![CDATA[Science fiction]]></category>
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					<description><![CDATA[Vor über hundert Jahren ist Kurd Laßwitz‘ utopischer Roman "Auf zwei Planeten" erschienen. Er hat Generationen von Wissenschaftlern und Schriftstellern fasziniert. Wir erinnern an den einflussreichsten Unbekannten der Science-Fiction-Literatur.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">Was verraten uns Klassiker über die Gegenwart? Lohnt es sich, außerhalb des Mainstreams nach Büchern zu suchen? Mit der Reihe &#8222;Die Hundertjährigen&#8220; widmen wir uns Autoren aus dem vergangenen Jahrhundert, die ins Abseits der Literaturgeschichte geraten sind.</div></div>
<p><span class="dropcap">M</span>itte des 19. Jahrhunderts stand der Nerd noch in den Sternen. Dass irgendwann coole Sportstudenten T-Shirts mit Marvel-Superhelden-Aufdruck tragen würden, konnte damals niemand ahnen. Inzwischen haben Nerds nach der Macht gegriffen – und nach dem Plastik-Laserschwert von Toys &#8222;R&#8220; Us. <em>The Big Bang Theory</em>, Mark Zuckerberg und Hornbrillen – all das wäre undenkbar ohne Kurd Laßwitz, den Stammvater der deutschen Science-Fiction.</p>
<h4><strong>Sternzeit: 1848 bis 1871 – Die Schule der Zukunft</strong></h4>
<div id="attachment_3857" style="width: 219px" class="wp-caption alignleft"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3857" data-attachment-id="3857" data-permalink="https://tell-review.de/die-erfindung-des-nerds-kurd-lasswitz-und-die-deutsche-science-fiction/fb-gotha-chart-b-2203-10_007/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/08/FB-Gotha-Chart-B-2203-10_007.jpg?fit=1329%2C1905&amp;ssl=1" data-orig-size="1329,1905" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;1996-98 AccuSoft Inc., All right&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="FB Gotha Chart-B-2203-10_007" data-image-description="&lt;p&gt;Der Science-Fiction-Autor Kurd Laßwitz&lt;/p&gt;
" data-image-caption="&lt;p&gt;Mit dem Roman &amp;#8222;Auf zwei Planeten&amp;#8220; revolutioniert Kurd Laßwitz das Science-Fiction-Genre.&lt;/p&gt;
" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/08/FB-Gotha-Chart-B-2203-10_007.jpg?fit=719%2C1030&amp;ssl=1" class="wp-image-3857 size-medium" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/08/FB-Gotha-Chart-B-2203-10_007-209x300.jpg?resize=209%2C300" alt="Der Science-Fiction-Autor Kurd Laßwitz" width="209" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/08/FB-Gotha-Chart-B-2203-10_007.jpg?resize=209%2C300&amp;ssl=1 209w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/08/FB-Gotha-Chart-B-2203-10_007.jpg?resize=56%2C80&amp;ssl=1 56w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/08/FB-Gotha-Chart-B-2203-10_007.jpg?resize=768%2C1101&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/08/FB-Gotha-Chart-B-2203-10_007.jpg?resize=719%2C1030&amp;ssl=1 719w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/08/FB-Gotha-Chart-B-2203-10_007.jpg?resize=1200%2C1720&amp;ssl=1 1200w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/08/FB-Gotha-Chart-B-2203-10_007.jpg?resize=1300%2C1863&amp;ssl=1 1300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/08/FB-Gotha-Chart-B-2203-10_007.jpg?resize=300%2C430&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/08/FB-Gotha-Chart-B-2203-10_007.jpg?w=1329&amp;ssl=1 1329w" sizes="(max-width: 209px) 100vw, 209px" /><p id="caption-attachment-3857" class="wp-caption-text">Mit dem Roman &#8222;Auf zwei Planeten&#8220; revolutioniert Kurd Laßwitz die Science-Fiction-Literatur.</p></div>
<p>Über die Kindheit von Kurd Laßwitz ist nur wenig bekannt. Sein Breslauer Jugendfreund Max Kalbeck erinnert sich später, dass der 1848 geborene Laßwitz ein echter Rabauke gewesen sei, Himbeer- und Nussblätter in der Pfeife geraucht sowie Birnen aus fremden Gärten geklaut habe (in <em>Über Kurd Laßwitz</em>). Ein durchschaubarer Versuch der Ehrenrettung. Denn bleiche, mathematisch begabte Jünglinge wie Laßwitz, die obendrein eine eigene Sternwarte besitzen, haben auf dem Schulhof in der Regel nichts zu lachen. Streber dürften damals genauso beliebt gewesen sein wie heute.</p>
<p>Knapp zwei Jahrzehnte später wird Laßwitz seine Vision einer perfekten Schule beschreiben, die an Huxleys <em>Schöne neue Welt</em> oder <em>Matrix</em> erinnert. Lehrer, Klassenkameraden oder Noten sind in dieser Utopie abgeschafft, Wissen wird stattdessen direkt ins Gehirn heruntergeladen. In seiner Erzählung <em>Gegen das Weltgesetz</em>, die im Jahr 3877 spielt, heißt es:</p>
<blockquote><p>Wie einfach ist die Sache jetzt! Hier ein Zug am Großhirnlappen, ein dauernder Strom durch den Fuß des Hirnschenkels, eine kräftigende Behandlung des Linsenkerns – und nach zwei Jahren ist der fünfjährige Mensch bereit, unbehindert seiner Körperentwicklung in die großen Probleme der Wissenschaft und des Daseins eingeführt zu werden.</p></blockquote>
<p>Laßwitz selbst dürfte noch ganz andere Unterrichtsmethoden kennengelernt haben: Stockschläge und Daumenschrauben. Wahrscheinlich atmet er auf, als er sich im Jahr 1866 für ein Mathematikstudium an der Universität Breslau (später auch in Berlin) einschreibt. Zu seinen Nebenfächern gehören außerdem Physik und Philosophie. Laßwitz beschäftigt sich mit der Kapillarität nach Laplace und Gauß und schreibt seine Abschlussarbeit über <em>Tropfen, welche an festen Körpern hängen und der Schwerkraft unterworfen sind</em>. Die Promotion besteht er mit <em>Magna cum laude</em>.</p>
<h4><strong>Sternzeit: 1871 – Die Zukunft als Zerrbild der Gegenwart</strong></h4>
<p>Als Schriftsteller kann Kurd Laßwitz später auf einen reichen Wissensschatz bauen. Seine physikalischen und philosophischen Beobachtungen nutzt er geschickt, um die Technologie der Zukunft zu imaginieren. Dem jungen Studenten fehlt allerdings noch die Lebenserfahrung. Während des Deutsch-Französischen Krieges lässt er sich vom Patriotismus anstecken und meldet sich 1871 freiwillig zum Militärdienst. Eine ernüchternde Erfahrung. Sein späteres Werk widmet Laßwitz dem Protest gegen Militarismus, Imperialismus und Kadavergehorsam – kurz: die Grundwerte Bismarck-Deutschlands.</p>
<div id="attachment_3865" style="width: 810px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3865" data-attachment-id="3865" data-permalink="https://tell-review.de/die-erfindung-des-nerds-kurd-lasswitz-und-die-deutsche-science-fiction/wasserspaziergang-damals/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/08/Wasserspaziergang-Kurd-La%C3%9Fwitz.jpg?fit=800%2C505&amp;ssl=1" data-orig-size="800,505" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;Sammlung Peter Weiss/Hildebrand&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;Eisenbahn, Fahrr\u00e4der, Luftschiffe, Automobile und Fesselballons - all das gab es schon. W\u00fcrde der Mensch bald auch \u00fcber das Wasser gehen k\u00f6nnen? Vielleicht auf Korkschuhen und von einem Gasballon gehalten? Immer neue Fortbewegungsmittel und immer neue Geschwindigkeitsrekorde werden am Ende des 19. Jahrhunderts bekannt. Was kommt noch?&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;Sammlung Peter Weiss/Hildebrand&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;Wasserspaziergang damals&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Wasserschuhe" data-image-description="&lt;p&gt;Postkarte, Kurd Laßwitz, Science Fiction, Literatur, Wasserschuhe&lt;/p&gt;
" data-image-caption="&lt;p&gt;Postkarte aus dem Jahre 1900: Um die Jahrhundertwende lagen der berühmten Hildebrand-Schokolade Postkarten bei, deren Motive auf Geschichten von Kurd Laßwitz anspielen. In diesem Fall: Die Wasserschuhe aus der Erzählung &amp;#8222;Apoikis&amp;#8220;.&lt;/p&gt;
" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/08/Wasserspaziergang-Kurd-La%C3%9Fwitz.jpg?fit=800%2C505&amp;ssl=1" class="wp-image-3865 size-full" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/08/Wasserspaziergang-Kurd-La%C3%9Fwitz.jpg?resize=800%2C505" alt="Postkarte mit Motiven aus Science-Ficiton-Erzählungen von Kurd Laßwitzmotiven" width="800" height="505" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/08/Wasserspaziergang-Kurd-La%C3%9Fwitz.jpg?w=800&amp;ssl=1 800w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/08/Wasserspaziergang-Kurd-La%C3%9Fwitz.jpg?resize=80%2C51&amp;ssl=1 80w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/08/Wasserspaziergang-Kurd-La%C3%9Fwitz.jpg?resize=300%2C189&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/08/Wasserspaziergang-Kurd-La%C3%9Fwitz.jpg?resize=768%2C485&amp;ssl=1 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><p id="caption-attachment-3865" class="wp-caption-text">Postkarte aus dem Jahre 1900: Um die Jahrhundertwende lagen der berühmten Hildebrand-Schokolade Postkarten bei, deren Motive auf Geschichten von Kurd Laßwitz anspielen. In diesem Fall: Die Wasserschuhe aus der Erzählung &#8222;Apoikis&#8220;.</p></div>
<p>Pazifistische Ideen prägen das gesamte Werk von Kurd Laßwitz. In seinem Opus Magnum, dem utopischen Roman <em>Auf zwei Planeten</em>, findet er ein satirisches Bild, um den waffenstarrenden Stolz des Deutschen Reichs ins Lächerliche zu ziehen. Die Geschichte handelt vom ersten Kontakt zwischen Marsianern und Menschen. Als schließlich ein interplanetarer Konflikt zwischen den Rassen ausbricht, entwaffnen die überlegenen Aliens das Deutsche Heer ruckzuck mit einem Magneten:</p>
<blockquote>
<p style="text-align: left;" align="CENTER">Vergeblich umklammerten die Soldaten mit beiden Händen ihre Gewehre, eine unwiderstehliche Kraft zerrte sie in die Höhe und mancher, der nicht nachgeben wollte, wurde ein Stück in die Luft geschleudert, um dann schwer zu Boden zu stürzen. In wenigen Minuten war das 1. Garderegiment entwaffnet. [&#8230;] Binnen kurzem musste so selbst die stärkste Armee kampfunfähig gemacht sein. Auch die Geschütze der Artillerie wurden fortgerissen.</p>
</blockquote>
<p style="text-align: left;" align="CENTER">Der Humor ist durchaus gewollt. Laßwitz ist ein Erfinder und Träumer, gleichzeitig aber auch ein genauer Beobachter der Gegenwart. Bereits in seinem Debüt, der Zukunftsnovelle <em>Bis zum Nullpunkt des Seins</em>, entwirft er eine Utopie, die weniger Zukunftsvision als ironisches Zerrbild der Gegenwart ist. Er entfaltet ein Gesellschaftspanorama des Jahres 2371, indem er die Sitten des 19. Jahrhunderts satirisch überspitzt und mit Einfällen wie dem Geruchsklavier oder einem Flugfahrrad vermischt.</p>
<p style="text-align: left;" align="CENTER">Bereits das Frühwerk offenbart allerdings auch jene Schwächen, an denen Laßwitz später scheitern wird. Als Denker ist er genial und originell  – als Schriftsteller leider nur ein mittelmäßiger Stilist. Die Form ist streng, sogar penibel, der Ton belehrend und der nerdtypsiche Witz überstrapaziert, wie in den Mathematik-Gedichten, die Laßwitz schon als Student für die <em>Mathematische Gesellschaft Breslau</em> schreibt. Im Rhythmus zeitgenössischer Schlagermelodien behandeln diese Gedichte kniffelige Rechenaufgaben wie den Kegelschnitt:</p>
<blockquote><p>Es waren einmal zwei Kegel,<br />
die liebten sich brüderlich,<br />
sie saßen auf gleicher Achse<br />
und küssten am Scheitel sich.<br />
Da kam eine Ebne geflogen,<br />
so glatt wie Ebenen sind;<br />
es zog sie in seine Seite<br />
der eine Kegel geschwind.</p></blockquote>
<p style="text-align: left;" align="CENTER">Wer das ganze Gedicht lesen will, <a href="http://gutenberg.spiegel.de/buch/kurd-lasswitz-gedichte-3127/1">findet es hier</a>. Einen guten Eindruck davon, wie die Mathematik-Gedichte klingen, wenn man sie vertont, vermittelt dieses Video:</p>
<a href="https://tell-review.de/die-erfindung-des-nerds-kurd-lasswitz-und-die-deutsche-science-fiction/"><img decoding="async" alt="YouTube Video" consent-original-src-_="https://tell-review.de/wp-content/plugins/wp-youtube-lyte/lyteCache.php?origThumbUrl=https%3A%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2FtRblwTsX6hQ%2Fhqdefault.jpg" consent-required="104322" consent-by="services" consent-id="104323"></a><br /><br /></p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Zukunft zwischen Rausch und Wirklichkeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Claus Heck]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Apr 2016 06:41:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Belletristik]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Philip K. Dick]]></category>
		<category><![CDATA[Science fiction]]></category>
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					<description><![CDATA[Philip K Dick ist vor allem als Lieferant für Hollywood bekannt. Ob "Blade Runner", "Total Recall" oder "Matrix": die Vorlagen stammen aus seiner Feder. Wie lesen sich seine Texte heute?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">Dies ist der erste Text einer Reihe über Science-Fiction Literatur. Da ich selbst einen Zukunftsroman schreibe, will ich mir anschauen, wie man das macht: wie man es gut macht, wie man es besser macht und wie man es am besten nicht macht. Neben Philip K. Dick werden Klassiker dabei sein, aber auch moderne Annäherungen. Was ist das Besondere dieses Genres? </div></div>
<p><span class="dropcap">P</span>hilip K. Dick gehört zu den einflussreichsten Autoren des Science-Fiction Genres, und mit mehr als drei Dutzend Romanen und über hundert Kurzgeschichten ist er außerordentlich produktiv. Viel von unserem heutigen Empfinden für oder über Zukunft geht auf seine Geschichten zurück: <em>Blade Runner</em> (1982), <em>Total Recall</em> (1990), <em>Matrix</em> (1999) und <em>Minority Report</em> (2002). Die Filme sind berühmter geworden als die Texte. <em>Die drei Stigmata des Palmer Eldritch</em> (1965) hat Dick als sein wichtigstes Werk – „the most vital of them all“ – bezeichnet.</p>
<div id="attachment_1775" style="width: 468px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1775" data-attachment-id="1775" data-permalink="https://tell-review.de/zukunft-zwischen-rausch-und-wirklichkeit/philip-k-dick-android-2/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Philip-K.Dick-Android-1.jpg?fit=2048%2C1364&amp;ssl=1" data-orig-size="2048,1364" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Philip K.Dick Android" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Philip-K.Dick-Android-1.jpg?fit=900%2C599&amp;ssl=1" class="wp-image-1775" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Philip-K.Dick-Android-1-300x200.jpg?resize=458%2C305" alt="Philip K.Dick Android" width="458" height="305" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Philip-K.Dick-Android-1.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Philip-K.Dick-Android-1.jpg?resize=80%2C53&amp;ssl=1 80w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Philip-K.Dick-Android-1.jpg?resize=768%2C512&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Philip-K.Dick-Android-1.jpg?resize=1030%2C686&amp;ssl=1 1030w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Philip-K.Dick-Android-1.jpg?resize=1200%2C799&amp;ssl=1 1200w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Philip-K.Dick-Android-1.jpg?resize=375%2C250&amp;ssl=1 375w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Philip-K.Dick-Android-1.jpg?resize=1300%2C866&amp;ssl=1 1300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Philip-K.Dick-Android-1.jpg?w=2048&amp;ssl=1 2048w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Philip-K.Dick-Android-1.jpg?w=1800&amp;ssl=1 1800w" sizes="auto, (max-width: 458px) 100vw, 458px" /><p id="caption-attachment-1775" class="wp-caption-text">Philip K. Dick als Android-Roboter</p></div>
<p>Die Figuren dieses Romans sind allesamt keine Helden. Barney Meyerson ist ein „Präkog“. Einer, der ahnt, was sich in der Zukunft ereignen könnte. Er arbeitet bei Leo Bulero, einem gewichtigen Industriellen, dessen Firma „Layouts“ herstellt, eine Art Puppenstuben, mit je einer männlichen und einer weiblichen Figur. Diese miniaturisierte Welt belebt sich allerdings erst – und das ist der zweite <span class="pull-left">Anders als der klassische Roman kann sich der moderne Roman nicht mehr darin erschöpfen, die erfundene Welt als reale darzustellen, sie nur noch zu repräsentieren.</span>Geschäftszweig Buleros – unter dem Einfluss der Droge Can-D. Der Konsument identifiziert sich nicht nur mit einer der beiden Figuren, er <em>wird</em> zu dieser Figur. Und die Puppenstube wird zu seiner Welt.</p>
<p>Palmer Eldritch ist der große Unbekannte im Roman. Nach zehnjähriger Abwesenheit kehrt er aus dem Proxsystem ins heimische Solarsystem zurück. Im Gepäck befindet sich das möglicherweise bessere Gegenprodukt zu Can-D: Chew Z. Bald, so ahnen die Präkogs, steht wahrscheinlich in der Zeitung, dass Bulero Eldritch getötet haben wird. Bulero möchte die Konkurrenz auf dem Drogenmarkt ausschalten, bezweifelt allerdings, dass er zu einem Mord fähig ist. Doch unter Einfluss der neuen Droge tötet Bulero Eldritch. Möglicherweise. Das wird von Dick nicht präzise formuliert: Denn Zukunft ist nur eine von möglichen Zukünften. Sie tritt nie ein. Was eintritt, ist Gegenwart.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="1956" data-permalink="https://tell-review.de/zukunft-zwischen-rausch-und-wirklichkeit/psychedelisch/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Psychedelisch.jpg?fit=720%2C720&amp;ssl=1" data-orig-size="720,720" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Psychedelisch" data-image-description="&lt;p&gt;By Pete Linforth, https://pixabay.com/en/users/PeteLinforth-202249/&lt;br /&gt;
Pixabay&lt;br /&gt;
License: CC0 Public Domain &lt;/p&gt;
" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Psychedelisch.jpg?fit=720%2C720&amp;ssl=1" class="size-medium wp-image-1956 alignright" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Psychedelisch-300x300.jpg?resize=300%2C300" alt="Psychedelisch" width="300" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Psychedelisch.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Psychedelisch.jpg?resize=80%2C80&amp;ssl=1 80w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Psychedelisch.jpg?resize=65%2C65&amp;ssl=1 65w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Psychedelisch.jpg?resize=50%2C50&amp;ssl=1 50w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Psychedelisch.jpg?w=720&amp;ssl=1 720w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<p>Nahezu sämtliche Entwicklungen im Roman zeigen das Verhältnis von Wirklichkeit und Illusion. Mehrfach wird als Realität vorgeführt, was sich später als Illusion herausstellt, als anders gelagerte Realität oder als Wirkung der neuen Droge. Kann die Wirkung einer Substanz so intensiv sein, dass das, was „nur“ im Delirium geschieht, also in der rauschhaften Wahrnehmung, „wirklich“ geschehen ist?</p>
<p>Anders als der klassische Roman, die alte Droge, kann sich der moderne Roman, die neue Droge, nicht mehr darin erschöpfen, die erfundene Welt als reale darzustellen, sie nur nochzu repräsentieren, wie eine Puppenstube oder ein Layout. Die neue Droge imitiert die Realität nicht. Sie erschafft eine andere Realität, indem sie die alte zerstört. Wenn gilt, was Hans Blumenberg dem modernen Roman attestiert, dass ihn nicht der Fortgang der Ereignisse charakterisiert, sondern „die Konkurrenz der imaginären Kontextrealität mit dem Wirklichkeitscharakter“, dann handelt es sich bei <em>Drei Stigmata</em> tatsächlich um einen modernen Roman.</p>
<p>Dick hat brillante Ideen, etwa die Miniaturisierung lebender Menschen in Form von Puppen. So machen das Kinder. In der Zukunft Dicks sind es Erwachsene, die solch infantile Züge zeigen. Auch die Idee einer künstlich beschleunigten Evolution, die in speziellen Kliniken vorgenommen wird, ist brillant. Tatsächlich handelt es sich um eine Devolution: Die Patienten werden außerordentlich intelligent, was allerdings nie hilfreich ist. Der Preis dieser beschleunigten psychischen Entwicklung ist der einer physischen Degeneration: ihnen wächst ein Chitinpanzer.</p>
<p>Stilistisch ist <em>Drei Stigmata</em> mitunter ermüdend. Wenn hier zwei Menschen aufeinandertreffen, dann „gesellen“ sie sich zueinander, ein Verb eher für Schreibanfänger. <span class="pull-right">Sprache ist bei Philip K. Dick ein Mittel zum Zweck, kein Medium, in dem sich darüber hinaus noch etwas zeigt.</span>Weibliche Brustwarzen „wie rosa Erbsen“ und Beine als „erstklassige Fahrgestelle“: der typisch männliche Blick auf den weiblichen Körper. Wir lesen ein am Mündlichen orientiertes Allerweltsamerikanisch. Allerdings scheint sich diese Sprache für Verfilmungen zu eignen, denn sie hat lediglich die Aufgabe der Darstellung. Sprache ist bei Dick ein Mittel zum Zweck, kein Medium, in dem sich darüber hinaus noch etwas zeigt.</p>
<p>Auch erzählerisch ist <em>Drei Stigmata</em> keine Herausforderung. Wir haben einen allwissenden Erzähler, der die erzählte Welt von oben herab beobachtet und sie scheinbar objektiv darstellt. Von der morgigen Welt wird mit gestrigen Mitteln berichtet – also doch kein moderner Roman. Dennoch ist das Buch spannend. In immer neuen, kaum zu erwartenden Wendungen verändert der Autor das Verhältnis von Wirklichkeit und Illusion. In vielem, etwa dem Geschlechterverhältnis, ist der Roman von gestern. Zum Glück schreibt Dick nicht moralisch. Das muss er als Autor auch nicht. Moral ist die Aufgabe des Lesers, damit hat ein Autor nichts zu tun, im Gegenteil. Als Schöpfer einer Welt muss er frei von moralischen Hemmungen gegenüber seinen Figuren sein. Das war Gott, als er uns erschaffen hat, wahrscheinlich auch.</p>
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">
Philip K. Dick<br />
<strong>Die drei Stigmata des Palmer Eldritch</strong><br />
Roman.<br />
Aus dem Englischen von Thomas Mohr.<br />
Fischer Taschenbuch 2014 · 256 Seiten · 9,99 Euro<br />
<b>ISBN-13:</b> 978-3596905683<br />
Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="http://www.amazon.de/dp/3596905680/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow noopener">Amazon</a> oder <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="http://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=9783596905683" target="_blank" rel="noopener">buecher.de</a><img loading="lazy" decoding="async" style="display: none !important;" src="http://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM --></div></div>
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="4372" data-permalink="https://tell-review.de/zukunft-zwischen-rausch-und-wirklichkeit/philip_k_dick_stigmata/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/philip_k_dick_stigmata.jpg?fit=180%2C273&amp;ssl=1" data-orig-size="180,273" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="philip_k_dick_stigmata" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/philip_k_dick_stigmata.jpg?fit=180%2C273&amp;ssl=1" class="aligncenter size-full wp-image-4372" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/philip_k_dick_stigmata.jpg?resize=180%2C273" alt="philip_k_dick_stigmata" width="180" height="273" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/philip_k_dick_stigmata.jpg?w=180&amp;ssl=1 180w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/philip_k_dick_stigmata.jpg?resize=53%2C80&amp;ssl=1 53w" sizes="auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px" /></div></div></div>
</div></div>
<h6 style="text-align: right;"><em><strong>Bilder</strong>:<br />
<a href="https://www.flickr.com/photos/rlerdorf/6867549790" target="_blank" rel="noopener">Philip K. Dick Android</a>, by <a href="https://www.flickr.com/photos/rlerdorf/" target="_blank" rel="noopener">Rasmus Lerdorf</a> (<a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank" rel="noopener">Licence CC BY 2.0</a>)<br />
Psychedelisches Muster, by <a href="https://pixabay.com/en/users/PeteLinforth-202249/">PeteLinforth</a>, via Pixabay (gemeinfrei)</em></h6>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
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