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	<title>Religion &#8211; tell</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
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		<title>Navid Kermani – Der Erzähler</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anselm Bühling]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Jan 2018 09:47:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Religion]]></category>
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					<description><![CDATA[Traditionen lassen sich nicht gegeneinander abschotten – der Islam und das Christentum etwa bereichern sich gegenseitig. Navid Kermani setzt dem Kulturkampf das Erzählen entgegen, wo sich das Verbindende ebenso offenbart wie das Trennende. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">Mit welchen Konservativen würden wir uns gern bei einem Glas Wein unterhalten? Das war die Ausgangsfrage für unsere kleine &#8222;Hall of Fame&#8220; des Konservatismus, mit der wir unsere Reihe zum <a href="http://tell-review.de/?s=Konservatismus&amp;category_name=&amp;submit=Suche" target="_blank" rel="noopener">Konservatismus</a> fortführen.<br />
Woran erkennt man „Konservative im besten Sinn des Worts“? Am dialektischen Denken: Sie erneuern, was sie bewahren wollen.</p>
<p>Weitere Beiträge:<br />
<a href="http://tell-review.de/gustav-stresemann-der-aufgeklaerte-konservative/" target="_blank" rel="noopener">Gustav Stresemann – Der aufgeklärte Konservative</a><br />
<a href="http://tell-review.de/norbert-lammert-der-gralshueter/" target="_blank" rel="noopener">Norbert Lammert – Der Gralshüter</a><br />
<a href="http://tell-review.de/theodor-w-adorno-der-heimatbewusste/" target="_blank" rel="noopener">Theodor W. Adorno – Der Heimatbewusste</a><br />
<a href="http://tell-review.de/hannah-arendt-die-linke-konservative/" target="_blank" rel="noopener">Hannah Arendt – Die linke Konservative</a><br />
<a href="http://tell-review.de/hans-aeppli-der-distinguierte/" target="_blank" rel="noopener">Hans Aeppli – Der Distinguierte</a><br />
</div></div>
<p><span class="dropcap">K</span>onservativ sein heißt, einen Sinn für Traditionen und Identitäten zu haben – bewahren zu wollen, was an ihnen bewahrenswert ist. In vielen seiner Bücher erkundet Navid Kermani den Reichtum religiöser und kultureller Traditionen. Er zeigt, wie stark wir durch sie geprägt sind und wie viel wir damit anfangen können, wenn wir uns ihnen öffnen. In <em><a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="http://www.amazon.de/dp/3406714692/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow noopener">Ungläubiges Staunen – über das Christentum</a></em> beschreibt er einen Moment, in dem er, der gläubige Muslim, von der Tradition der katholischen Kirche fast überwältigt wird. Gemeinsam mit einem katholischen Freund, der ebenfalls Autor ist, besichtigt er in einem Kloster in Rom ein frühchristliches Marienbildnis. Ihm fällt dabei ein Zitat von Papst Benedikt XVI ein, das der Freund seinem letzten Buch vorangestellt hat: „Große Dinge werden durch die Wiederholung nicht langweilig. Nur das Belanglose braucht die Abwechslung und muß schnell durch anderes ersetzt werden. Das Große wird größer, indem wir es wiederholen, und wir selbst werden reicher dabei und werden still und werden frei.“</p>
<blockquote><p>In Rom wurde ich ohnehin neidisch aufs Christentum, neidisch selbst auf einen Papst, der auch solche Sätze sagt, und wenn ich den Gedanken der Inkarnation in nur einem Menschen nicht für grundverkehrt hielte und speziell die katholische Vorstellungswelt mir nicht so heidnisch vorkäme, […] womöglich hätte ich mich seinen Praktiken nach und nach angeschlossen, […] vielleicht auch aus Faszination für die beispiellose Kontinuität einer Institution, die aus Gottes Angehörigen eine Gemeinschaft bildet. Nur ihr ist sie auf Dauer gelungen. Wer weiß, vielleicht wäre auch mir eines Tages das Wunder erschienen, das dieses prächtigste aller Himmelsgebäude hervorgebracht hat. So halte ich die Möglichkeit zwar weiterhin für falsch — aber erkenne, mehr noch: spüre, warum das Christentum eine Möglichkeit ist.</p></blockquote>
<p>Zugleich hat Kermani einen scharfen Blick dafür, wie lebendige Traditionen sich verändern, sich anpassen und auch das in sich aufnehmen, was ihnen zutiefst zu widersprechen scheint. In <em><a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="http://www.amazon.de/dp/3406685862/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow noopener">Wer ist Wir? Deutschland und seine Muslime</a></em> schreibt er:</p>
<blockquote><p>Man muß sich nur einmal in der Sixtinischen Kapelle umsehen, um staunend zu bewundern, welch scheinbar unchristliche Sinnenfreude und pralle Lüsternheit der Katholizismus nicht nur hinnimmt, sondern in sein eigenes Zentrum rückt. Genauso wie der Islam ist das Christentum immer auch das Gegenteil von dem, was diese oder jene Gelehrten als christlich definieren.</p></blockquote>
<p>Kermani macht deutlich, dass wir in Überlieferungszusammenhängen leben, denen wir uns nicht entziehen können. Aber er zeigt auch, dass diese Überlieferungen immer vielfältig und vieldeutig sind. Und er weiß, dass Menschen widersprüchlich und unvollkommen sind. Gerade dieses klassisch konservative Menschenbild schützt davor, Menschen nur noch über ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion oder Kultur wahrzunehmen. In <em>Wer ist Wir? </em>erläutert Kermani das am eigenen Beispiel:</p>
<blockquote><p>Ich bin Muslim. Der Satz ist wahr, und zugleich blende ich damit tausend andere Dinge aus, die ich auch bin und die meiner Religionszugehörigkeit widersprechen können — ich schreibe zum Beispiel freizügige Bücher über die körperliche Liebe oder bejahe die Freiheit zur Homosexualität. Das ist ein Widerspruch. Der Islam lehnt die Homosexualität ab, und Erzählungen über Sex legt der Koran auch nicht eben nahe. Wahrscheinlich ließe sich eine Interpretation konstruieren, welche die Homosexualität oder die Schilderung sexueller Handlungen islamisch legitimiert. Aber das beschäftigt mich nicht. Nicht alles, was ich tue, steht in bezug zu meiner Religion. Für mich selbst bin ich durch solche Handlungen und Bekenntnisse in meinem Muslimsein überhaupt nicht eingeschränkt. Das mag sich paradox anhören, aber mit dieser Religiosität bin ich aufgewachsen, mit all diesen Ambivalenzen, Brüchen, Widersprüchen.</p></blockquote>
<p>Weil der Mensch ein fehlbares Wesen ist, kann er nicht die Verkörperung einer reinen, gegen alles Fremde abgeschotteten Tradition sein. Er ist offen für verschiedene Einflüsse. Gerade dadurch entwickeln sich Überlieferungen weiter, durchdringen und bereichern einander.</p>
<p>Erzählung statt Kulturkampf – so könnte man die Haltung Kermanis zuspitzen. Im Erzählen wird Trennendes ebenso offenbar wie Verbindendes, und beides auf eine Weise, die neue Erfahrungen eröffnet. Der Weg zum gegenseitigen Verständnis führt über die Arbeit des Verstehens.</p>
<h6 style="text-align: right;"><em>Beitragsbild:</em><br />
<em> By Saam Schlamminger (Author) [<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0">CC BY-SA 4.0</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AKermani_in_Pristina.jpg">via Wikimedia Commons</a> (bearbeitet)</em></h6>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
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		<title>Hans Henny Jahnn – oder wie man eine Sekte gründet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Johannes Spengler]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 04 Mar 2017 09:07:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Die Hundertjährigen]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Schatztruhe]]></category>
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		<category><![CDATA[Sekte]]></category>
		<category><![CDATA[Ugrino]]></category>
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					<description><![CDATA[Investieren Sie jetzt in den krisenfesten Glaubensmarkt und werden Sie Erlösungsdienstleister! Wo Angst herrscht, sind Religionen nicht weit. Davon können auch Sie profitieren!]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">Was verraten uns Klassiker über die Gegenwart? Lohnt es sich, außerhalb des Mainstreams nach Büchern zu suchen? Mit der Reihe &#8222;<a href="http://tell-review.de/author/johannes-spengler/">Die Hundertjährigen</a>&#8220; widmen wir uns Autoren aus dem vergangenen Jahrhundert, die ins Abseits der Literaturgeschichte geraten sind.</div></div>
<h4>Einen neuen Gott erfinden</h4>
<div id="attachment_6850" style="width: 222px" class="wp-caption alignleft"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-6850" data-attachment-id="6850" data-permalink="https://tell-review.de/hans-henny-jahnn-oder-wie-man-eine-sekte-gruendet/jahnn-ugrino-tracht/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/02/Jahnn-Ugrino-Tracht.jpg?fit=212%2C300&amp;ssl=1" data-orig-size="212,300" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Jahnn Ugrino-Tracht" data-image-description="&lt;p&gt;Schriftsteller Hans Henny Jahnn, Ugrino, Tracht&lt;/p&gt;
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<p>Glückwunsch, Sie haben sich dazu entschieden, eine Religion zu gründen! Um sich erfolgreich auf dem Glaubensmarkt zu etablieren, brauchen Sie eine Marke mit hohem Wiedererkennungswert. Mit anderen Worten: einen Gott. Um Ihr Produkt von bereits existierenden Marken abzugrenzen, müssen Sie die Unique Selling Points deutlich hervorheben. Wie das Beispiel des Schriftstellers Hans Henny Jahnn zeigt, kann dies ein langer Prozess sein – doch es lohnt sich!</p>
<p>Hans Henny Jahnn, am 17. Dezember 1894 in Hamburg geboren, gründet bereits zu Schulzeiten eine Glaubensgemeinschaft. Doch das Start-up ist zum Scheitern verurteilt, zu eng ist das Produkt ans Christentum angelehnt. So versucht Jahnn etwa gegenüber seinen Eltern, Lehrern und Mitschülern, immer die Wahrheit zu sagen und niemals zu lügen. Viele Anhänger gewinnt er damit nicht. Stattdessen droht sein Vater mit einer Zwangseinweisung in die Irrenanstalt – Jahnn bricht das Experiment ab. Durch den Fehlschlag erkennt er, dass seine radikale Bibelauslegung potenzielle Anhänger verschreckt. Um sich neu zu orientieren, wendet er sich vom Christentum ab. Als Jugendlicher schreibt Jahnn:</p>
<blockquote><p>Jeder muss sich seine Religion selbst bauen, jeder muss sich mit seinem Gott aussöhnen. Doch nach dem Tode gibt es kein Glauben und Hoffen mehr, nur Leben. Das Menschlich <strong>[sic!]</strong> Leben liegt vor dir, es wird dich erziehen. Nur den Rat möchte ich dir geben, suche die Gottheit nicht in fernen Welten.<br />
(Aus: <em>Der Tod ist das ewige Leben</em>)</p></blockquote>
<h4>Schwächen in Stärken umwandeln</h4>
<p>Jahnns neue Strategie besteht aus der vollständigen Ablehnung des Christentums sowie der wilhelminischen Gesellschaftsmoral. Um sinnsuchende Altersgenossen anzusprechen, entwickelt er ab 1915 – Jahnn ist damals 21 Jahre alt – eine freigeistige Marke mit dem Namen Ugrino. Die Weltanschauung der Sekte wird in dem Romanfragment <em>Ugrino und Ingrabanien</em> ausführlich beschrieben. Programmatisch heißt es:</p>
<blockquote><p>»Im Anfang war das Wort –« Lüge, Lüge! – Im Anfang war der Leib, die Liebe, Gott, Brunft, Hochzeit, Bildhauer, Marmor, Bronze.</p></blockquote>
<p>Der Grundgedanke von Ugrino besteht darin, das christliche Prinzip der Trennung von Körper und Seele aufzuheben. Jahnns Kunstreligion feiert den Körper, das sinnliche Erleben und die sexuelle Freiheit. Jahnn will mit Ugrino eine liberale Gesellschaft erschaffen, die Außenseiter vorurteilslos begrüßt. Seine Motivation dafür ist verständlich: Aufgrund der lebenslangen Liebe zu seinem Schulkameraden Gottfried Harms – 1913 heiraten die beiden inoffiziell – wird Jahnn früh aus der bürgerlichen Gesellschaft ausgeschlossen. In seinem Tagebuch notiert er 1915 verzweifelt:</p>
<blockquote><p>Wie, und meint Ihr, es gibt nur Hochzeit zwischen Mann und Frau? [&#8230;] Warum habt Ihr Euch darauf gelegt, das Norm zu nennen, wenn ein Mann sein Glied in den Schoß einer Frau einführt? Die Norm gibt es nicht. Es sind Qual und Not und Lust und Liebe zu einem Strick zusammengeflochten, aber die Lösungen, die glutenden Erlösungen, [&#8230;] sie sind von Gott gefügt.</p></blockquote>
<p>Die ersten Mitglieder von Ugrino rekrutieren sich aus dem Freundeskreis von Jahnn und Harms. Hauptsächlich besteht die Gruppe aus jungen Männern wie dem Bildhauer Franz Buse oder dem Mäzen Lorenz Jürgensen. Zusammen verfolgen sie unterschiedliche Ziele: Jahnn will den Orgelbau reformieren, gleichzeitig gründet die Sekte einen Musikverlag, um vergessene Komponisten wie Dietrich Buxtehude zu kanonisieren. In der Öffentlichkeit gibt sich die Sekte unterdessen so freizügig und wild wie möglich – um die Scheinmoral ihrer Zeit zu entlarven.</p>
<p>Ob Sie mit Ihrer eigenen Sekte den Körper, die Seele, Bäume oder das Fliegende Spaghettimonster zu Gott erklären, steht Ihnen frei – Hauptsache es verkauft sich! Plausibilität spielt keine Rolle. Religion beruht auf einer engen Beziehung zum Nichtwissen, sie beantwortet Fragen, auf die es naturgemäß keine Antworten gibt. Scientologen etwa geben all ihr Geld für dieses Produkt aus:</p>
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