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	<title>Reisen &#8211; tell</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
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	<title>Reisen &#8211; tell</title>
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		<title>Trostlose Weiten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Paul Hohn]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Dec 2016 11:33:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Belletristik]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Hedonismus]]></category>
		<category><![CDATA[Melancholie]]></category>
		<category><![CDATA[Reisen]]></category>
		<category><![CDATA[Russische Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[Wodka, Birken und ein Leichentransport mit der transsibirischen Eisenbahn. In „Der Alkohol und die Wehmut“ greift Mathias Énard fleißig auf Klischees der russischen Literatur zurück. Aber diese liest sich im Original besser.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Zu was für Blödsinn du mich treibst, Wladimir, ich stelle mir vor, wie Jeanne jetzt an Haken hängt wie Christus am Kreuz und Blut weint oder Heroin raucht, ich weiß nicht, was mir lieber wäre.</p></blockquote>
<p><span class="dropcap">E</span>ine junge Frau namens Jeanne bestellt ihren früheren Geliebten Mathias aus Paris zu sich nach Moskau. Er soll den Leichnam ihres toten Liebhabers Wladimir mit der transsibirischen Eisenbahn von Moskau in dessen Heimatdorf nahe Nowosibirsk bringen. Jeanne möchte lieber in Moskau bleiben und sich an drei durch die Rückenhaut gerammten Fleischerhaken in einem Keller aufhängen lassen: „so lässt sie ihren Schmerz körperlicher werden“. Vor drei Jahren verband die drei eine Dreiecksbeziehung. Zwölf Monate lang lebten sie zusammen, hauptsächlich in Moskau. In diesem Jahr sogen Jeanne, Mathias und Wladimir nicht nur die russische Literatur und Geschichte in sich auf, sie berauschten sich zudem an Alkohol, Opium und Heroin. Für Mathias beginnt eine Zugfahrt durch halb Russland. Begleitet vom Leichnam seines Freundes erinnert er sich in nostalgischen Monologen an die Vergangenheit, an seine eigene und an die russische.</p>
<p>Zunächst hatte Mathias Énard, der für <em>Kompass</em> mit dem Prix Goncourt 2015 ausgezeichnet wurde, den Roman als Hörspiel konzipiert. Es entstand während einer Fahrt mit der transsibirischen Eisenbahn. 2011 erschien die französische Prosafassung. Ende Oktober ist der kurze Roman <em>Der Alkohol und die Wehmut</em>, der in der Vorschau von Matthes &amp; Seitz noch prägnant als <em>Alkohol und Weltschmerz</em> beworben worden war, in deutscher Übersetzung erschienen.</p>
<h4>Melancholie und Selbstmitleid</h4>
<blockquote><p>Da können sie lange suchen, Sie werden nichts finden. Die berühmte russische Seele existiert nicht. Das einzig Greifbare daran ist der Alkohol, die Wehmut und die Leidenschaft für Pferderennen.</p></blockquote>
<p>Dieses Zitat von Anton Tschechow ist dem Roman als Motto vorangestellt. Es ist der erste von vielen Rückgriffen auf die alten Meister der russischen Literatur. Ausgerechnet in diesem seelenlosen Land eine lange Zugfahrt anzutreten, um einen Leichnam zu überführen, macht Mathias wehmütig – und durstig natürlich, denn der Titel ist Programm. Der tote Wladimir dient Mathias als imaginärer Gesprächspartner, als Adressat seines melancholischen Sinnierens, doch ist Wladimir „kein echter Bruder“, denn er trinkt nicht mit. Während Mathias sich einen Wodka nach dem anderen genehmigt, macht er Wladimir Vorwürfe: „du tust mir das an, bleibst stumm, völlig zu, vielleicht hast du dich aufgegeben, weil das Leben dich abgefüllt hat“. Gleich zu Beginn setzt er Wladimir die Vergeblichkeit der Zugfahrt auseinander, bei der es nur in zweiter Linie auf den Leichentransport anzukommen scheint: „Reisen hilft eben auch nicht. Alles sieht überall gleich aus.“</p>
<p>Das <a href="http://tell-review.de/satz-fuer-satz-5-reden-auf-papier/" target="_blank">Gespräch</a> zwischen Mathias und Jeanne vor der Abfahrt des Zuges liest sich so:</p>
<blockquote><p>„Wie geht’s, hat’s sehr lang gedauert?“<br />
„Mit dem Flugzeug dauert’s immer sehr lang. Ich habe mich auf dich gefreut“, log ich.<br />
„Ich auch.“<br />
„Wie geht’s?“<br />
„Nicht besonders, ich habe seit einer Woche nicht geschlafen. Ich denke die ganze Zeit an ihn.“<br />
„Mir auch nicht. Mir geht’s auch nicht gerade gut. Ich habe mehr Pillen als Klamotten im Koffer.“</p></blockquote>
<p>Alles verschwimmt zu einem Einheitsbrei. Das ist sonst ein <a href="http://tell-review.de/satz-fuer-satz-8-trivialliteratur-ii/" target="_blank">Kennzeichen trivialer Literatur</a>. Wo nichts ungesagt bleibt, kann nur eine oberflächliche Dramatik entstehen. Hastig wird der Leser über die Stimmungslage und das Verhältnis der Figuren zueinander informiert und der bevorstehende Drogenkonsum angekündigt. Das ist zwar nicht elegant, aber so kommt man voran.</p>
<h4>Wörtergerassel ohne Substanz</h4>
<p>Generell hat es der Autor eilig: Pausenlos rattert sein Protagonist im Takt des ruckelnden Zuges literarische Anspielungen, Exkurse in die Vergangenheit Russlands und die benebelte Beziehung der drei Gescheiterten herunter.</p>
<blockquote>[…] in uns lagern immer noch Bruchstücke der Revolution, Trümmer eines alten Traums eines nicht recht großgewordenen Jugendlichen, der nicht das Glück hatte, ein Gewehr in der Hand zu halten, um seine Träume zu verteidigen: Mir hat man eher eine Spritze in die Hand gedrückt als eine Knarre oder eine Bombe, auch ich hätte lieber auf kleinen Pferden die Steppe durchzogen und geschrien: ‚Kosaken, Kosaken, wollt ihr euch etwa eure Armee zerschlagen lassen?’, wie in Taras Bulba, dem gewaltigen Roman von Gogol […]</blockquote>
<p>Mathias’ Sehnsucht nach Gewalt und Revolution erinnert an die Kriegsbegeisterung zahlreicher Intellektueller vor dem Ersten Weltkrieg. Trümmer, Träume, Jugend, Glück – an großen Worten wird nicht gespart. Das Pathos des Erzählers speist sich einerseits aus dem Wunsch, in die Weltgeschichte einzugreifen, andererseits aus einem grenzenlosen Selbstmitleid angesichts der im Rausch verschwendeten Zeit.</p>
<blockquote><p>Als ich sie [Jeanne] in Paris kennenlernte, waren wir gerade achtzehn, ich war aus meiner Provinz aufgebrochen und hatte den Eindruck, ein Gefängnis verlassen zu haben, aus dem Gulag zurückgekehrt zu sein, aus Magadan oder sonstwoher, und eine Freiheit wiederzuerlangen, die ich in Wirklichkeit nie besessen hatte, außer in den Büchern, in den Büchern, die für einen Jugendlichen sehr viel gefährlicher sind als Waffen, denn sie hatten unmöglich zu befriedigende Wünsche in mich getrieben, Kerouac, Cendrars oder Conrad erfüllten mich mit dem Verlangen nach einem unendlichen Aufbruch, […] wir hatten keine Revolution mehr, uns blieben nur die Illusionen der Reise, des Schreibens und der Drogen.</p></blockquote>
<p>Das kauft man dem Protagonisten, der anscheinend alles erlebt hat, nicht ab. Klischee folgt auf Klischee, und die Bildung langer Sätze mit mehreren Nebensätzen simuliert den Eindruck von Erregtheit und Authentizität. Man ist versucht zu denken, die Montage von Großstadtsehnsucht und Entlassung aus dem GULag sei ironisch zu verstehen, zumal aus dem Munde eines Erzählers, der an anderer Stelle vorgibt, <a href="http://tell-review.de/arbeit-hunger-kaelte/" target="_blank">Schalamow</a>, den „Schaufelkünstler“, gelesen zu haben. Aber nach ironischen Anzeichen sucht man vergeblich.</p>
<h6 style="text-align: right;"></h6>
<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis:</em><br />
<em> Beitragsbild: Park Pobedy Moscow Metro</em><br />
<em> via <a href="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/5b/Parkpobedy-escalator.jpg" target="_blank">Wikimedia Commons</a></em><br />
<em> Cover &#8222;Der Alkohol und die Wehmut&#8220;: <a href="http://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/der-alkohol-und-die-wehmut.html?cover=1" target="_blank">Matthes &amp; Seitz Verlag</a></em></h6>
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">
Mathias Énard<br />
<strong>Der Alkohol und die Wehmut</strong><br />
Roman<br />
Aus dem Französischen von Claudia Hamm<br />
Matthes &amp; Seitz Verlag 2016 · 106 Seiten · 16 Euro<br />
ISBN: 978-3957573490<br />
Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="http://www.amazon.de/dp/3957573491/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow">Amazon</a> oder <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="http://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=9783957573490" target="_blank">buecher.de</a><img decoding="async" style="display: none !important;" src="http://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM --><br />
</div></div>
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><a href="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Cover.jpg"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" data-attachment-id="6156" data-permalink="https://tell-review.de/trostlose-weiten/cover/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Cover.jpg?fit=867%2C1418&amp;ssl=1" data-orig-size="867,1418" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Cover.jpg?fit=630%2C1030&amp;ssl=1" class="alignnone size-medium wp-image-6156" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Cover-183x300.jpg?resize=183%2C300" alt="" width="183" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Cover.jpg?resize=183%2C300&amp;ssl=1 183w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Cover.jpg?resize=49%2C80&amp;ssl=1 49w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Cover.jpg?resize=768%2C1256&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Cover.jpg?resize=630%2C1030&amp;ssl=1 630w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Cover.jpg?resize=300%2C491&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Cover.jpg?w=867&amp;ssl=1 867w" sizes="(max-width: 183px) 100vw, 183px" /></a></div></div></div>
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		<title>Autonauten auf der Kosmobahn</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Lars Hartmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Oct 2016 08:09:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Lektüretipps]]></category>
		<category><![CDATA[Autobahn]]></category>
		<category><![CDATA[Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[Reiseliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Reisen]]></category>
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					<description><![CDATA[Julio Cortázar und Carol Dunlop fahren in einem alten VW-Bus von Paris nach Marseille und legen sich dabei strenge Regeln auf. Dabei entsteht ein Buch, das reich an Witz ist und mit einem Hauch Melancholie endet.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">In unseren Lektüretipps weisen wir auf Bücher hin, die uns begeistert, erschüttert, erheitert haben: Klassiker, Entdeckungen, Kuriositäten.</div></div>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" data-attachment-id="5060" data-permalink="https://tell-review.de/autonauten-auf-der-kosmobahn/cocer/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/10/Cocer.jpg?fit=403%2C640&amp;ssl=1" data-orig-size="403,640" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="cocer" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/10/Cocer.jpg?fit=403%2C640&amp;ssl=1" class="aligncenter size-full wp-image-5060" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/10/Cocer.jpg?resize=403%2C640" alt="cocer" width="403" height="640" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/10/Cocer.jpg?w=403&amp;ssl=1 403w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/10/Cocer.jpg?resize=50%2C80&amp;ssl=1 50w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/10/Cocer.jpg?resize=189%2C300&amp;ssl=1 189w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/10/Cocer.jpg?resize=300%2C476&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 403px) 100vw, 403px" /></p>
<p>Es ist ein Buch, das ich jedes Jahr aufs Neue lesen möchte – so reich an Witz. Und es ist mit großer Liebe geschrieben. Dabei handelt es sich bloß um eine Autobahnfahrt von Paris nach Marseille. Allerdings in einem alten VW-Bus. Ein ethnologisch-surreales Experiment, das sich als wissenschaftliche Beobachtung tarnt. Diese Reise unterliegt Regeln, und die gehen so:</p>
<blockquote><p>1. Die Strecke Paris–Marseille zurücklegen, ohne ein einziges Mal die Autobahn zu verlassen.</p>
<p>2. Alle Rastplätze erforschen, und zwar jeweils zwei pro Tag, wobei auf dem zweiten immer und ohne Ausnahme die Nacht zu verbringen ist.</p>
<p>3. Auf jedem Rastplatz wissenschaftliche Erhebungen durchführen und die entsprechenden Beobachtungen aufzeichnen.</p>
<p>4. In Anlehnung an die Reiseberichte der großen Forscher der Vergangenheit ein Buch über die Expedition schreiben.</p></blockquote>
<p>Das klingt langweilig, und das ist es auch. Aber aus der vermeintlichen Öde schlägt der Reisebericht Funken, denn die protokollarische Exaktheit ist absurd:</p>
<blockquote><p>7.30 h. Schöner Morgen, 19 °C.<br />
Frühstück: Orangensaft, Madeleines, Kaffee.<br />
8.59 h. Sabotage? Der Rastplatz von FLEURY ist geschlossen. Gezwungen bis zum nächsten weiterzufahren.</p></blockquote>
<p><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="5061" data-permalink="https://tell-review.de/autonauten-auf-der-kosmobahn/p1140080/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/10/P1140080.jpg?fit=1639%2C1096&amp;ssl=1" data-orig-size="1639,1096" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;2.1&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;DMC-LX7&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1476022187&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;13.7&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;400&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.0125&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="p1140080" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/10/P1140080.jpg?fit=900%2C602&amp;ssl=1" class="aligncenter size-full wp-image-5061" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/10/P1140080.jpg?resize=900%2C602" alt="p1140080" width="900" height="602" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/10/P1140080.jpg?w=1639&amp;ssl=1 1639w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/10/P1140080.jpg?resize=80%2C53&amp;ssl=1 80w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/10/P1140080.jpg?resize=300%2C201&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/10/P1140080.jpg?resize=768%2C514&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/10/P1140080.jpg?resize=1030%2C689&amp;ssl=1 1030w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/10/P1140080.jpg?resize=1200%2C802&amp;ssl=1 1200w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/10/P1140080.jpg?resize=450%2C300&amp;ssl=1 450w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/10/P1140080.jpg?resize=1300%2C869&amp;ssl=1 1300w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /></p>
<p>Unterbrochen werden die Tagesprotokolle von ethnologischen Berichten:</p>
<blockquote><p>… die fortschreitende Veränderung des gewohnten Begriffs der Autobahn, die Ablösung ihrer faden und fast abstrakten Funktionalität durch ein Erscheinungsbild voller Leben und Reichtum: die Leute, die Haltepausen, die Episoden auf ihren mehr oder minder bewaldeten Bühnen, aufeinanderfolgende Akte eines Theaterstücks, das uns in seinen Bann zieht und dessen einzige Zuschauer wir sind.</p></blockquote>
<p>Diese literarische Reise von Julio Cortázar und seiner Lebensgefährtin Carol Dunlop zeigt, wie man unseren Alltagsmythen mit Phantasie zu Leibe rückt. Aber wie alle schönen Dinge im Leben, die mit Liebe getan werden, verfliegt die Zeit viel zu schnell:</p>
<blockquote><p>Wie könnte ich Bärchens Satz vergessen: „Oh, Julio, wie kurz war doch die Reise …“ Wie könnte ich vergessen, daß uns in dem Augenblick, als wir das Schild lasen, auf dem das Ende der Autobahn angekündigt wurde, eine Beklommenheit erfüllte, deren wir nur durch beharrliches Schweigen Herr werden konnten, bis wir in den Lärm von Marseille eintauchten.</p></blockquote>
<p>Allerdings endet dieser Bericht nicht nur deshalb mit einem Hauch Melancholie, weil jede Reise sich einmal ihrem Ende neigt, sondern Carol Dunlop starb, kurz bevor das Buch fertig wurde. Es ist eine Liebeserklärung ans Leben und an einen geliebten Menschen.</p>
<blockquote><p>… daß ich dieses Buch allein zu Ende bringe. Ich weiß wohl Bärchen, daß du dasselbe getan hättest, wenn ich vor Dir hätte gehen müssen, und daß deine Hand zusammen mit meiner diese letzten Worte schreibt, in denen der Schmerz nicht stärker ist, noch jemals sein wird als das Leben, das du mich gelehrt hast, wie wir es vielleicht bei diesem Abenteuer zeigen konnten, das hier sein Ende findet, aber dennoch weitergeht, in unserem Drachen weitergeht, für immer auf unserer Autobahn weitergeht.</p></blockquote>
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">
Julio Cortázar, Carol Dunlop<br />
<strong>Die Autonauten auf der Kosmobahn</strong><br />
Eine zeitlose Reise Paris – Marseille<br />
Aus dem Spanischen übersetzt von Wilfried Böhringer<br />
Suhrkamp Verlag 2014 · 358 Seiten · 22,95 Euro<br />
ISBN: 978-3-518-22481-6<br />
Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="http://www.amazon.de/dp/3518224816/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow">Amazon</a> oder <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="http://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=9783518224816" target="_blank">buecher.de</a><img loading="lazy" decoding="async" class="ydstxaqwndxglngiyint nzeaycwuhwogwrjohhjn" src="http://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM --></div></div>
<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis:</em><br />
<em> Beitragsbild © Lars Hartmann<br />
Buchcover: <a href="http://www.suhrkamp.de/buecher/die_autonauten_auf_der_kosmobahn-julio_cortazar_22481.html" target="_blank">Suhrkamp</a><br />
</em></h6>
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		<title>Die Reise, die niemals endet – Malcolm Lowry und 10 Tipps für unterwegs</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Johannes Spengler]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 Sep 2016 09:54:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Die Hundertjährigen]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Schatztruhe]]></category>
		<category><![CDATA[Malcolm Lowry]]></category>
		<category><![CDATA[Reiseliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Reisen]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Schriftsteller Malcolm Lowry war Matrose, Weltenbummler, Trinker und Autor des modernen Klassikers "Unter dem Vulkan". Das Reisen und die Fremde - darum drehte sich Malcom Lowrys Leben und seine Literatur. Ein Trip in zehn Etappen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">Was verraten uns Klassiker über die Gegenwart? Lohnt es sich, außerhalb des Mainstreams nach Büchern zu suchen? Mit der Reihe &#8222;Die Hundertjährigen&#8220; widmen wir uns Autoren aus dem vergangenen Jahrhundert, die ins Abseits der Literaturgeschichte geraten sind.</div></div>
<p><span class="dropcap">M</span>alcolm Lowry ist der Backpacker der Weltliteratur. Den Großteil seines Lebens verbringt der gebürtige Engländer im Ausland, nur zum Sterben kommt er in die Heimat zurück. Geblieben sind Lowrys Romane und Briefe, voll mit praktischen Tipps fürs Ausland, die nicht im <em>Lonely Planet</em> stehen.</p>
<h4 id="unterwegs"><strong>1. [Unterwegs]: </strong>Hör auf anzukommen!</h4>
<blockquote><p>Und so sehe ich mich zuweilen als einen großen Forscher, der ein außerordentliches Land entdeckt hat, aus dem er niemals zurückkehren kann, um der Welt davon zu berichten; aber der Name dieses Landes ist Hölle.<br />
(Aus: <em>Unter dem Vulkan</em>)</p></blockquote>
<div id="attachment_4821" style="width: 252px" class="wp-caption alignleft"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-4821" data-attachment-id="4821" data-permalink="https://tell-review.de/die-reise-die-niemals-endet-malcolm-lowry-und-10-tipps-fuer-unterwegs/20151121170713821_0002/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/20151121170713821_0002.jpg?fit=813%2C1009&amp;ssl=1" data-orig-size="813,1009" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="Malcolm und Margerie Lowry" data-image-description="&lt;p&gt;Malcolm Lowry und Margerie Lowry bei Vancouver, Kanada.&lt;/p&gt;
" data-image-caption="&lt;p&gt;Malcolm Lowry mit seiner Ehefrau Margerie in der Nähe von Vancouver, Kanada.&lt;/p&gt;
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<p>Reisen ist eine gefährliche Angelegenheit – hat dich einmal das Fernweh gepackt, gibt es kein Zurück. Malcolm Lowry macht diese Erfahrung bereits in der Jugend. Am 28. Juli 1909 wird der Dauertourist als Kind reicher <strong>[→<a href="#geld">Geld]</a></strong>, aber engstirniger Eltern in der Nähe von Liverpool geboren. Um dem Elternhaus zu entfliehen, heuert er im Alter von 17 Jahren als Schiffsjunge auf der <em>Pyrrhus</em> an. Für sein Studium wird er noch einmal nach England zurückkehren. Da hat ihn das Fernweh jedoch bereits gepackt. Kaum hat er den Abschluss in der Tasche, kann die Odyssee beginnen.</p>
<p>Mit kurzen Unterbrechungen ist Lowry lebenslang unterwegs. Er verbringt elternfinanzierte Auslandssemester in Frankreich, Italien und Mexiko, bereist exotische Orte wie Shanghai, Bonn oder den siebten Höllenkreis <strong>[→<a href="#alkohol">Alkohol</a>]</strong> und wandert schließlich nach Kanada aus. Knapp 14 Jahre lang wohnt der Aussteiger in einer ärmlichen Fischerhütte in der Nähe von Vancouver. Nach England kehrt er erst im Jahr 1955 zurück – zwei Jahre später stirbt er.</p>
<h4 id="gepäck"><strong>2. [Gepäck]: </strong>Vergiss dein Gepäck!</h4>
<blockquote><p>Ich bin mir darüber kein bisschen im Klaren, aber in einem mexikanischen Gefängnis muss man manchmal aus einem Pisspott trinken. (Besonders, wenn man keinen Ausweis hat.)<br />
(Aus: <em>Briefe</em>)</p></blockquote>
<p>Unerfahrene Backpacker erkennst du am großen Rucksack. Echte Profis reisen nur mit wenig oder ganz ohne Gepäck. Lowry stellt das bereits an Bord der <em>Pyrrhus</em> fest, wo er komplett ausgeraubt wird. Danach reist er so leicht wie möglich: Als er im Jahr 1933 seinen <strong>→<a href="#partner">Partner</a> </strong>Conrad Aiken in den USA besucht, hat er nur das Manuskript seines ersten Romans <em>Ultramarin</em> sowie ein paar Socken und seine Ukulele dabei.</p>
<p>Ganz ohne einen gültigen Pass oder Kleidung zum Wechseln zu reisen, ist allerdings nicht gerade einfach. Ständig sind pingelige Grenzbeamte und <strong>→<a href="#locals">Locals</a></strong> hinter Lowry her. Doch sobald der Weltenbummler aus einem Land hinausgeworfen wird, zieht es ihn ins nächste. Pragmatisch gesinnt, macht Lowry das Beste aus dem Wenigen, das er hat, benutzt seinen Schlips als Gürtel und staubt die letzte Hose ab, bevor er sie für <strong>→<a href="#alkohol">Alkohol</a> </strong>verpfändet.</p>
<h4 id="alkohol"><strong>3. [Alkohol]: </strong>Trink so viel du kannst!</h4>
<blockquote><p>Dann sagte Fernando etwas so Schönes, mit einem so traurigen Akzent&#8230;: «Ich bin ein Trinker.»<br />
(Aus: <em>Dunkel wie die Gruft, in der mein Freund begraben liegt</em>)</p></blockquote>
<div id="attachment_4824" style="width: 247px" class="wp-caption alignright"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-4824" data-attachment-id="4824" data-permalink="https://tell-review.de/die-reise-die-niemals-endet-malcolm-lowry-und-10-tipps-fuer-unterwegs/20151121170753351_0002/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/20151121170753351_0002.jpg?fit=1289%2C1953&amp;ssl=1" data-orig-size="1289,1953" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="Malcolm Lowry mit Gin" data-image-description="&lt;p&gt;Malcolm Lowry bei der Arbeit mit einer Flasche Gin.&lt;/p&gt;
" data-image-caption="&lt;p&gt;Malcolm Lowry bei der Arbeit mit einer Flasche Gin.&lt;/p&gt;
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<p>Im Ausland wirst du zuerst eine unangenehme Erfahrung machen, die man als Kulturschock bezeichnet. Plötzlich versagt dir die Sprache, der Alltag, die Sitten, sogar das Essen ist anders. Zum Glück kennt Lowry ein Heilmittel: Alkohol! Du wirst sehen, Alkohol ist die Lösung aller Probleme – lallend überwindest du jede Sprachbarriere und gewinnst schnell neue Freunde, um dich im fremden Land zurecht zu finden. Dank der alkoholbedingten Impotenz bleibt dir außerdem die Peinlichkeit erspart, bei exotischen Frauen abzublitzen <strong>[→</strong><a href="#sex"><strong>Sex</strong></a><strong>]</strong>.</p>
<p>Leider kann Alkohol auch Komplikationen verursachen. Der Quartalssäufer Lowry schlägt im Vollsuff ein Pferd k.o., streichelt einen Hasen zu Tode <strong>[→<a href="#lügen">Lügen</a>]</strong> und landet laut eigener Darstellung in jedem Gefängnis, jedem Krankenhaus und jeder Psychiatrie auf seinem Weg. Doch am nächsten Morgen ist alles vergessen. Noch mehr klassische Lowry-Momente kannst du dir hier anschauen:</p>
<a href="https://tell-review.de/die-reise-die-niemals-endet-malcolm-lowry-und-10-tipps-fuer-unterwegs/"><img decoding="async" alt="YouTube Video" consent-original-src-_="https://tell-review.de/wp-content/plugins/wp-youtube-lyte/lyteCache.php?origThumbUrl=%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2F4E7jRLLWJ9Q%2Fhqdefault.jpg" consent-required="104322" consent-by="services" consent-id="104323"></a><br /><br /></p>
<p>Alkohol ist für den Dipsomanen Lowry mehr als ein Ausweg, er ist eine Inspiration. Während Lowry sich immer tiefer in den Abgrund säuft, sammelt er Berge von Notizen, im Delirium tremens locker auf Speisekarten, Fahrplänen und Servietten gekritzelt, um seinen Untergang zu dokumentieren. Nach jahrelanger <strong>→ <a href="#arbeit">Arbeit</a></strong> entsteht daraus der Roman <em>Unter dem Vulkan,</em> ein Meisterwerk, das zum Zeitpunkt der Veröffentlichung mit <em>Ulysses</em> von James Joyce verglichen wird.</p>
<h4 id="lügen"><strong>4. [Lügen]: </strong>Du sollst lügen!</h4>
<blockquote><p>Aber zu jener Zeit war der arme Konsul kaum noch imstande, die Wahrheit zu sagen, und was er von seinem Leben erzählte, hörte sich wie ein überspannter Roman an.<br />
(Aus: <em>Unter dem Vulkan</em>)</p></blockquote>
<p>Im Ausland musst du dir angewöhnen, die Wahrheit strategisch zu nutzen. Erzähl´ deinen Eltern niemals, dass du gerade durch Rom turnst und dich regelmäßig betrinkst. Merke dir deshalb folgenden Satz: &#8222;Ich bin total damit beschäftigt, die Kultur von [Name des Landes] kennenzulernen.&#8220; Sonst sitzt du schnell auf dem Trockenen. Nimm dir ein Beispiel an Lowry! Seine Briefe sind gespickt mit großen und kleinen Lügen, um vom Verleger mehr Zeit zum Schreiben zu ertricksen und vom Vater mehr <strong>→<a href="#geld">Geld</a></strong>.</p>
<p>Keine Angst vor Skrupeln: Lügen ist einfach – du musst bloß selbst daran glauben. Ein guter Lügner wie Lowry kann irgendwann nicht mehr zwischen Wahrheit und Fiktion unterscheiden. Stimmt es etwa, dass Lowry von einer Babysitterin misshandelt wurde? Ist er als Kind wirklich für vier Jahre erblindet? Stammt die gezackte Narbe am Knie von einer Schusswunde oder von einem Fahrradunfall? Und wie war das mit dem Hasen? <strong>[→<a href="#alkohol">Alkohol</a>]</strong></p>
<p>Aus heutiger Sicht lassen sich Mythos und Wahrheit nur schwer voneinander trennen. Da Lowrys Romane radikal autobiografisch sind, gehört die Legendenbildung auch zu seiner schriftstellerischen <strong>→<a href="#arbeit">Arbeit</a></strong>. Geradezu planmäßig schmückt er die eigene Vergangenheit aus, um seine Figuren – allesamt kaum verhohlene Alter Egos – mit einer Geschichte auszustaffieren. Welche Anekdoten Lowry erfunden hat, um sie später als Material für seine Romane zu benutzen, ist deshalb nur schwer zu überprüfen.</p>
<h4 id="geld"><strong>5. [Geld]: </strong>Schnorr´ so viel du kannst!</h4>
<blockquote><p>Ich kann mir nicht vorstellen, wie Du mir helfen könntest; oder irgendein anderer, außer man schickt mir Geld, das unvermeidlich schlecht angewandt werden wird.<br />
(Aus: <em>Briefe</em>)</p></blockquote>
<div id="attachment_4823" style="width: 258px" class="wp-caption alignleft"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-4823" data-attachment-id="4823" data-permalink="https://tell-review.de/die-reise-die-niemals-endet-malcolm-lowry-und-10-tipps-fuer-unterwegs/20151121170713821_0001/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/20151121170713821_0001.jpg?fit=1285%2C1553&amp;ssl=1" data-orig-size="1285,1553" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="Fischerhütte" data-image-description="&lt;p&gt;Die Fischerhütte von Malcolm Lowry in Dollarton, Kanada.&lt;/p&gt;
" data-image-caption="&lt;p&gt;    Die Fischerhütte in Dollarton, Kanada. Nachdem die erste Hütte abbrennt, baut Malcolm Lowry die zweite Hütte mit eigenen Händen wieder auf.&lt;/p&gt;
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<p>Im Ausland bist du von spendablen Geldgebern abhängig (Erasmus-Amt, Eltern, Oma). Dafür musst du dich nicht schämen. Auch Lowry finanziert seine Reisen <strong>[→<a href="#unterwegs">Unterwegs</a>]</strong> mit dem Geld seiner Eltern, rund 100 Dollar bekommt er im Monat. Erst, als 1947 <em>Unter dem Vulkan</em> veröffentlicht wird – da ist Lowry bereits 38 Jahre alt – hat er ein eigenes Einkommen.</p>
<p>Trotzdem bleibt Lowrys finanzielle Situation desaströs. Ständig wird er von Halsabschneidern und korrupten Beamten abgezockt. Im Scheidungsprozess von seiner ersten Frau Jan Gabrial erklärt das Gericht ihn wegen seiner <strong>→<a href="#alkohol">Alkohol</a></strong>-Sucht sogar für unzurechnungsfähig. Seitdem verwaltet Margerie Bonner, seine zweite Frau und lebenslange <strong>→<a href="#partner">Partnerin</a></strong>, das Lowry´sche Vermögen. Er selbst bekommt keinen Cent.</p>
<h4 id="sex"><strong>6. [Sex]: </strong>Keine Angst vor Geschlechtskrankheiten!</h4>
<blockquote><p>«Auf der vorletzten Fahrt, in Moji war´s, hab ich mir´s eingefangen, den schönsten Tripper, den du je gesehen hast; vorletzte Fahrt, auf der Maharajah – sie liegt jetzt hier im Hafen&#8230;»<br />
(Aus: <em>Ultramarin</em>)</p></blockquote>
<p>Im Jahr 2014 verkündet die EU-Bildungskommissarin: Erasmusstudenten haben europaweit eine <a href="http://www.migazin.de/2014/09/24/eine-million-erasmus-babys/">Millionen Babys gezeugt</a>. Reisen ist sexy! Unbekannt ist allerdings, wie viele der Studenten sich mit einer Geschlechtskrankheit angesteckt haben. Natürlich schützt ein Kondom vor Tripper, Aids und Syphilis. Sicherer ist jedoch, du verzichtest ganz auf Sex – schau einfach im anatomischen Museum vorbei. Als Lowry fünf Jahre alt ist, wird er von seinem Vater als Abschreckungsmaßnahme dazu gezwungen, syphilitisch deformierte Geschlechtsteile im anatomischen Museum von Liverpool zu betrachten. Danach ist Lowry vom Sex geheilt. Anfangs mag es dir schwerfallen, auf Sex zu verzichten. Doch zum Glück gibt es ja <strong>→<a href="#alkohol">Alkohol</a></strong>!</p>
<h4 id="arbeit"><strong>7. [Arbeit]: </strong>Probier dich aus!</h4>
<blockquote><p>Ich bin jetzt so weit, dass ich jede Nacht fünf Romane im Kopf schreibe, mich auch vollkommen daran erinnere (was auch immer das heißen mag), aber unfähig bin, auch nur ein Wort zu schreiben.<br />
(Aus: <em>Briefe</em>)</p></blockquote>
<p>Niemand erwartet von dir, dass du im Ausland<strong> →<a href="#geld">Geld</a></strong> verdienst. Wenn du zwischendurch nüchtern bist, solltest du deshalb eigene unprofitable Projekte anstoßen. Lowry ist ein echter Meister im Ausprobieren. Ständig schreibt er um, arrangiert neu und begreift keines seiner Werke als fertig – nicht einmal die abgeschlossenen. Insgesamt kommen auf jede veröffentlichte Romanseite rund 200 unveröffentlichte Seiten Manuskript. Die Novelle <em>Die letzte Adresse</em> fordert er vom Verleger zurück, obwohl sie bereits angenommen ist.</p>
<p>Deine Projekte sollten außerdem von vornherein zum Scheitern verurteilt sein. Lowry zum Beispiel plant, sein gesamtes Werk durch Querverweise in einem Romanzyklus zusammenzufassen. Arbeitstitel: <em>Die Reise, die niemals endet</em>. Der Zyklus ist an Dantes <em>Göttliche Komödie</em> angelehnt und soll den Aufstieg von der Hölle zum Himmel beschreiben. Ein gewaltiges Projekt, für das Lowry auch <em>Unter dem Vulkan</em> überarbeiten will. Der Roman soll das Inferno <strong>[→<a href="#alkohol">Alkohol</a>]</strong> darstellen. Als Paradiso ist das 2000 Seiten starke Manuskript von <em>In Ballast to the White Sea</em> vorgesehen, das 1944 vollständig verbrennt. Das <strong>→<a href="#schicksal">Schicksal</a></strong> hält keinen Himmel für Lowry bereit.</p>
<h4 id="partner"><strong>8. [Partner]: </strong>Reise niemals alleine!</h4>
<blockquote><p>Nichtsdestotrotz müssen meine Pläne für die Zukunft Margerie mit einschließen, wie Du wohl verstehen kannst; denn unsere Zuneigung zueinander ist das einzige, was mich am Leben und bei Gesundheit hält.<br />
(Aus: <em>Briefe</em>)</p></blockquote>
<p>Reisen ist mit allerlei lästigen Aufgaben und Pflichten verbunden. Du brauchst deshalb einen Reisepartner, der dein <strong>→<a href="#gepäck">Gepäck</a></strong> schleppt und dich aus dem Gefängnis freikauft. Lowry wurde vor allem von zwei Menschen begleitet: dem Schriftsteller Conrad Aiken und seiner zweiten Frau Margerie Bonner.</p>
<p>Die erste Begegnung zwischen Lowry und Aiken verläuft unglücklich: Als die beiden um einen Toilettensitz ringen, zertrümmert Lowry seinem späteren Ziehvater den Schädel <strong>[→<a href="#alkohol">Alkohol</a>]</strong>. Es ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Seitdem fungiert Aiken als literarisches Vorbild, Vormund <em>in loco parentis</em> und Reisekumpan für Lowry. Erst, als abzusehen ist, dass sein genialer Pflegesohn die Trunksucht nicht überleben wird, kündigt Aiken ihm die Freundschaft.</p>
<p>Während Aiken die Rolle des Lehrers und Ersatzvaters einnimmt, gelingt es allein Margerie, Lowry so lange nüchtern zu halten, dass er schreiben kann <strong>[→<a href="#arbeit">Arbeit</a>]</strong>. Darüber hinaus ist Margerie kreativ in den Schaffensprozess eingebunden. Während der zehnjährigen Entstehungszeit von <em>Unter dem Vulkan</em> korrigiert sie Manuskripte, verfasst Landschaftsbeschreibungen, gibt dem Plot neue Wendungen und hält die Zigarette für ihren delirierenden Mann. Ohne sie hätte Lowry den Roman niemals vollendet.</p>
<h4 id="locals"><strong>9. [Locals]: </strong>Ignoriere die Einheimischen!</h4>
<blockquote><p>«Diesmal hatten wir´ne Fahrt nach Südamerika – Santos und Paraguay, San Francisco, Florianopolis – Port Allegre. Wir sind um die ganze Welt geschippert. Ach! Aber es ist überall das gleiche – Prosit.»<br />
(Aus: <em>Ultramarin</em>)</p></blockquote>
<p>Als echter Reiseprofi solltest du eine wohlwollende Ignoranz gegenüber der lokalen Kultur und den Einheimischen entwickeln. Wirklich sehenswert sind ohnehin nur die Kneipen. Hier erfährst du alles Wissenswerte über das Land. Hör auf Lowry! Egal, wie viele Kilometer er hinter sich bringt, für ihn steht fest: Auch auf der weitesten Reise werden keine geografischen, sondern seelische Grenzen überwunden <strong>[→<a href="#alkohol">Alkohol</a>]</strong>.</p>
<div id="attachment_4825" style="width: 257px" class="wp-caption alignleft"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-4825" data-attachment-id="4825" data-permalink="https://tell-review.de/die-reise-die-niemals-endet-malcolm-lowry-und-10-tipps-fuer-unterwegs/20151121170753351_0001/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/20151121170753351_0001.jpg?fit=996%2C1208&amp;ssl=1" data-orig-size="996,1208" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="Malcolm Lowry unterwegs" data-image-description="&lt;p&gt;Malcolm Lowry auf der Karibik-Insel Curaçao im Jahr 1947.&lt;/p&gt;
" data-image-caption="&lt;p&gt; Malcolm Lowry auf der Karibik-Insel Curaçao im Jahr 1947.&lt;/p&gt;
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<p>Diese Einstellung könnte allerdings als Respektlosigkeit gegenüber der einheimischen Kultur interpretiert werden. Aufgrund seines unangepassten Lebensstils wird Lowry von Polizisten verfolgt, spanische Kinder hänseln <em>el borracho inglés</em> und der Bürgermeister von Vancouver droht ihm mit einer Zwangsräumung der Fischerhütte. Doch anstatt solchen Scherereien aus dem Weg zu gehen, nutzt Lowry die Konflikte als Material für seine Romane. Das unveröffentlichte Fragment <em>La Mordida</em> etwa handelt von der Korruption in Mexiko, in <em>Oktoberfähre nach Gabriola</em> wird die Vertreibung aus dem eigenen Haus thematisiert. Gelöst werden die Probleme dadurch natürlich nicht. Dafür baut Lowry auf seine weltoffenen <strong>→<a href="#partner">Partner</a></strong>, die ihm regelmäßig aus der Patsche helfen.</p>
<h4 id="schicksal"><strong>10. [Schicksal]: </strong>Sei paranoid!</h4>
<blockquote><p>Ich werde auf Schritt und Tritt verfolgt, und sogar jetzt, während ich schreibe, beobachten mich nicht weniger als fünf Polizisten. Es ist die vollkommene Kafka-Situation; aber du wirst mir verzeihen, dass ich das nicht mehr komisch finde.<br />
(Aus: <em>Briefe</em>)</p></blockquote>
<p>Touristen sind leichte Opfer. Sei auf der Hut vor Taschendieben und Abzockern! Auf Lowrys Reisen geht allerhand <strong>→<a href="#gepäck">Gepäck</a></strong> verloren: 1932 wird das Manuskript von <em>Ultramarin</em> aus dem Auto des Lektors gestohlen (Freunde finden eine Durchschrift), der amerikanische Konsul in Acapulco klaut eine frühe Fassung von <em>Unter dem Vulkan</em> (ein Bekannter klaut es zurück) und bei dem Feuer der Fischerhütte im Jahr 1944 verbrennt das Manuskript von <em>In Ballast to the White Sea</em> komplett. Ohne Lowrys Wissen bewahrt seine erste Frau eine frühe Fassung auf, <a href="http://www.theguardian.com/books/2014/oct/27/malcolm-lowry-novel-published-in-ballast-to-the-white-sea-under-the-volcano">die erst im Jahr 2014 publiziert wird</a><a>.</a></p>
<p>Um Gefahr vorzubeugen, hilft eine vorausschauende Paranoia. Doch Vorsicht, Angst verselbstständigt sich schnell! Nicht lange und du glaubst, deine Gedanken könnten Feuer entfachen. Ist der Typ an der Ecke ein mexikanischer Nazi-Spion? Lowry behauptet schließlich sogar, Margerie habe es nur auf sein <strong>→<a href="#geld">Geld</a></strong> abgesehen und versucht mehrmals im Rausch, sie zu erwürgen. Diese Unannehmlichkeit solltest du jedoch in Kauf nehmen, um sicher zu reisen. Übrigens: Wenn es dir schwerfällt, den Verstand zu verlieren, kann ein bisschen <strong>→<a href="#alkohol">Alkohol</a></strong> sicher nicht schaden.</p>
<p>Am 27. Juni 1957 stirbt Malcolm Lowry unter bis heute ungeklärten Umständen an einer Überdosis Schlaftabletten. Zu Lebzeiten hat er lediglich den Jugendroman <em>Ultramarin</em>, wenige Erzählungen und Gedichte sowie das Meisterwerk <em>Unter dem Vulkan</em> veröffentlicht. Erst posthum erscheinen die Romanfragmente <em>Dunkel wie die Gruft, in der mein Freund begraben liegt</em> und <em>Oktoberfähre nach Gabriola</em>, die Kurzgeschichtensammlung <em>Hör uns, o Herr, der Du im Himmel wohnst</em>, die Novelle <em>Die letzte Adresse</em> sowie Gedichte und Briefe. In diesen autobiografischen Geschichten lebt Lowry bis heute fort. Die Reise endet niemals <strong>[→<a href="#unterwegs">Unterwegs</a>]</strong>!</p>
<hr />
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<hr />
<h6 style="text-align: right;">Beitragsbilder:<br />
Quelle: Douglas Day &#8222;Malcolm Lowry &#8211; A Biogaphy&#8220;</h6>
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