<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Drogen &#8211; tell</title>
	<atom:link href="https://tell-review.de/tag/drogen/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://tell-review.de</link>
	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
	<lastBuildDate>Wed, 29 Aug 2018 07:32:52 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	

<image>
	<url>https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/02/cropped-favicon_tell-1.png?fit=32%2C32&#038;ssl=1</url>
	<title>Drogen &#8211; tell</title>
	<link>https://tell-review.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
<site xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">108311450</site>	<item>
		<title>Die Wunden eines Psychonauten</title>
		<link>https://tell-review.de/die-wunden-eines-psychonauten/</link>
					<comments>https://tell-review.de/die-wunden-eines-psychonauten/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johannes Spengler]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 May 2017 09:28:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Die Hundertjährigen]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Drittes Reich]]></category>
		<category><![CDATA[Drogen]]></category>
		<category><![CDATA[Erster Weltkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Kriegsliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=9896</guid>

					<description><![CDATA[Was passiert, wenn eine Erinnerung zur Qual wird? Ernst Jünger stand in zwei Weltkriegen an der Front: Er legt literarisch Zeugnis ab von den Folgen traumatischer Erlebnisse. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">Was verraten uns Klassiker über die Gegenwart? Lohnt es sich, außerhalb des Mainstreams nach Büchern zu suchen? Mit der Reihe &#8222;<a href="http://tell-review.de/author/johannes-spengler/">Die Hundertjährigen</a>&#8220; widmen wir uns Autoren aus dem vergangenen Jahrhundert, die ins Abseits der Literaturgeschichte geraten sind.</div></div>
<hr />
<blockquote><p>Der Staat, der uns die Verantwortung abnimmt, kann uns nicht von der Trauer befreien; wir müssen sie austragen. Sie reicht tief in die Träume hinab.</p>
<h6 style="text-align: right;">(Aus: <em>In Stahlgewittern</em>)</h6>
</blockquote>
<h3>Anamnese:<br />
Risikofaktoren in Jugend und Familie</h3>
<div id="attachment_9934" style="width: 185px" class="wp-caption alignleft"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9934" data-attachment-id="9934" data-permalink="https://tell-review.de/die-wunden-eines-psychonauten/ernst_juenger_ww1/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/05/Ernst_J%C3%BCnger_WW1.jpg?fit=189%2C324&amp;ssl=1" data-orig-size="189,324" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Ernst Jünger im Ersten Weltkrieg" data-image-description="" data-image-caption="&lt;p&gt;Der Schriftsteller Ernst Jünger im Ersten Weltkrieg&lt;/p&gt;
" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/05/Ernst_J%C3%BCnger_WW1.jpg?fit=189%2C324&amp;ssl=1" class="size-medium wp-image-9934" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/05/Ernst_J%C3%BCnger_WW1-175x300.jpg?resize=175%2C300" alt="Ernst Jünger im Ersten Weltkrieg" width="175" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/05/Ernst_J%C3%BCnger_WW1.jpg?resize=175%2C300&amp;ssl=1 175w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/05/Ernst_J%C3%BCnger_WW1.jpg?resize=47%2C80&amp;ssl=1 47w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/05/Ernst_J%C3%BCnger_WW1.jpg?w=189&amp;ssl=1 189w" sizes="(max-width: 175px) 100vw, 175px" /><p id="caption-attachment-9934" class="wp-caption-text">Der Schriftsteller Ernst Jünger im Ersten Weltkrieg</p></div>
<p><span class="dropcap">F</span>ür knapp 3.300 Deutsche herrscht auch im Jahr 2017 Krieg. Als Bundeswehrsoldaten riskieren diese Männer und Frauen im Ausland nicht nur ihr Leben, sondern auch ihre seelische Unversehrtheit. Allein im Jahr 2015 sind <a href="https://www.angriff-auf-die-seele.de/cms/informationen/aktuelles/420-einsatzbedingte-psychische-erkrankungen-in-der-bundeswehr-im-jahr-2015-ptbs.html">235 Angehörige der Bundeswehr</a> an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) neu erkrankt. Die Dunkelziffer ist hoch, nur 20 Prozent aller Fälle werden erkannt und behandelt. Zu den Symptomen der PTBS gehören unter anderem Panikattacken, Flashbacks, unkontrollierte Wutausbrüche und der Verlust des Glaubens an die Menschlichkeit – die Krankheit macht ein normales Leben unmöglich.</p>
<p>Ob jemand an einer PTBS erkrankt, hängt maßgeblich vom persönlichen Hintergrund ab. Das individuelle Risiko wird durch Faktoren wie Armut oder mangelnde Bildung erhöht. Ernst Jünger, geboren am 29. März 1895, zeigt bereits in der Jugend Merkmale, die ein späteres Trauma begünstigen können. Der Apothekersohn wird früh entwurzelt, die Familie zieht vier Mal um, bevor sie bei Hannover eine Villa beziehen. Auch die schulischen Leistungen Jüngers lassen zu wünschen übrig. Über die Schulzeit schreibt er später:</p>
<blockquote><p>So war ich bereits dazu übergegangen, mich am Unterricht nicht mehr zu beteiligen und mich statt dessen in afrikanische Reisebeschreibungen zu vertiefen, die ich unter dem Pult durchblätterte. [&#8230;] Ich war im Grunde nur als Stellvertreter eines fernen Reisenden anwesend.</p>
<h6 style="text-align: right;">(Aus: <em>Afrikanische Spiele</em>)</h6>
</blockquote>
<p>Die Sehnsucht nimmt bedenkliche Formen an: Mehr als zehn Mal muss Jünger die Schule wechseln. Statt mit Freunden zu spielen, sammelt er Käfer, träumt, liest und trinkt viel. Im Winter 1913 schließlich bricht er mit seinem Umfeld: Der 18-Jährige reißt von Zuhause aus und meldet sich zur Fremdenlegion, wo er auf der Stelle gemustert und nach Algerien verschifft wird. Dort will er desertieren und ein freies Leben führen. Nach zwei Monaten endet das Abenteuer – in Deutschland hat sein Vater die Entlassung verfügt.</p>
<p>Die letzten Wochen vor Beginn des Ersten Weltkrieges verbringt Jünger im alten Schultrott. Der Jugendliche wird später als distanziert und kühl, sogar empathielos beschrieben. Zeit seines Lebens sucht er das gesellschaftliche Abseits. Ausgerechnet im Krieg blüht Jünger auf. Endlich gilt es, sich zu beweisen und Abenteuer zu bestehen. Dass er so denkt, überrascht nicht – Zeitgenossen wie Thomas Mann, Hermann Hesse oder Franz Kafka haben sich den Krieg ungefähr so vorgestellt:</p>
<a href="https://tell-review.de/die-wunden-eines-psychonauten/"><img decoding="async" alt="YouTube Video" consent-original-src-_="https://tell-review.de/wp-content/plugins/wp-youtube-lyte/lyteCache.php?origThumbUrl=https%3A%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2FIWAf3dQxAfQ%2Fhqdefault.jpg" consent-required="104322" consent-by="services" consent-id="104323"></a><br /><br /></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Trauma:<br />
Kriegszittern an der Westfront</h3>
<blockquote><p>Die Straße war von großen Blutlachen gerötet; durchlöcherte Helme und Koppeln lagen umher. [&#8230;] Ich fühlte meine Augen wie durch einen Magneten an diesen Anblick geheftet; gleichzeitig ging eine tiefe Veränderung in mir vor.</p>
<h6 style="text-align: right;">(Aus: <em>In Stahlgewittern</em>)</h6>
</blockquote>
<p>Im Sommer 1914 wird der „Kriegsmutwillige“, wie Jünger sich nennt, an die Westfront verlegt. Bis zur Kapitulation im Jahr 1918 wird er 14 Mal verwundet und daraufhin mit dem höchsten Orden des Deutschen Kaiserreichs dekoriert. Für den einfachen Frontsoldaten ist der Krieg ein Karriereschub, Jünger bringt es bis zum Kompanieführer. Trotzdem zweifelt auch er am Sinn des Schlachtens. In seinem Kriegstagebuch heißt es:</p>
<blockquote><p>Lange schon bin ich im Krieg, schon manchen sah ich fallen, der wert war zu leben. Was soll das Morden und immer wieder Morden?</p></blockquote>
<p>Erstmals zeigt sich der Krieg in seiner totalen Form. In vier Jahren sterben 10 Millionen Soldaten, weitere 20 Millionen <a href="http://www.science-at-home.de/wiki/index.php/Die_Opfer_des_1._Weltkriegs">werden verletzt oder verkrüppelt</a>. Und die moderne Psychiatrie wird mit einem neuen Phänomen konfrontiert: der Kriegsneurose. Immer mehr Soldaten kehren seelisch gebrochen von der Front zurück. Weil die Belastungsstörung bei einigen Betroffenen auch zu körperlichen Symptomen führt – einem krampfanfallartigen Schütteln –, nennt man sie Kriegszitterer:</p>
<a href="https://tell-review.de/die-wunden-eines-psychonauten/"><img decoding="async" alt="YouTube Video" consent-original-src-_="https://tell-review.de/wp-content/plugins/wp-youtube-lyte/lyteCache.php?origThumbUrl=https%3A%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2FfE-CLofucRI%2Fhqdefault.jpg" consent-required="104322" consent-by="services" consent-id="104323"></a><br /><br /></p>
<p>Die Behandlung der Kriegsneurotiker ist ein besonders düsteres Kapitel in der Geschichte der Psychiatrie. Sigmund Freud, der sich von den Methoden seiner Kollegen distanziert, berichtet von Elektroschocks, mit denen die Betroffenen gequält werden, um, so wörtlich, &#8222;das Kranksein noch unleidlicher als den Dienst [zu machen]&#8220;. Wer die Behandlung überlebt, darf zurück an die Front. (Aus: <em>Sigmund Freud, Gutachten über die elektrische Behandlung der Kriegsneurotiker</em>)</p>
<p>Ob auch Ernst Jünger im Krieg traumatisiert wurde, kann heute nicht abschließend geklärt werden. Manche seiner Biografen entdecken deutliche Hinweise für eine seelische Verwundung im Leben des Schriftstellers. Er selbst hat sich nicht öffentlich dazu geäußert. In seinem Werk findet Jünger jedoch eindringliche Bilder für die Todesangst, der ein Soldat ausgeliefert ist:</p>
<blockquote><p>Man stelle sich vor, ganz fest an einen Pfahl gebunden und dabei von einem Kerl, der einen schweren Hammer schwingt, ständig bedroht zu sein. Bald ist der Hammer zum Schwung zurückgezogen, bald saust er vor, dass er fast den Schädel berührt, dann wieder trifft er den Pfahl, dass die Splitter fliegen – genau dieser Lage entspricht das, was man deckungslos inmitten einer schweren Beschießung erlebt.</p>
<h6 style="text-align: right;">(Aus: <em>In Stahlgewittern</em>)</h6>
</blockquote>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://tell-review.de/die-wunden-eines-psychonauten/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">9896</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Aufbruch in den Nachkrieg</title>
		<link>https://tell-review.de/aufbruch-in-den-nachkrieg/</link>
					<comments>https://tell-review.de/aufbruch-in-den-nachkrieg/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anselm Bühling]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 17 Dec 2016 10:33:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Lektüretipps]]></category>
		<category><![CDATA[Rubriken]]></category>
		<category><![CDATA[1968]]></category>
		<category><![CDATA[Drogen]]></category>
		<category><![CDATA[Gudrun Ensslin]]></category>
		<category><![CDATA[Nachkriegszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Psychiatrie]]></category>
		<category><![CDATA[RAF]]></category>
		<category><![CDATA[Westdeutschland]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=6080</guid>

					<description><![CDATA[Bernward Vespers Buch „Die Reise“ sollte ursprünglich „Der Trip“ heißen. Vesper hat den Romanessay unter LSD-Einfluss geschrieben und erkundet rauschhaft das eigene Bewusstsein. Dabei entsteht auch ein hellsichtiges Porträt der bis zum Bersten gespannten westdeutschen Gesellschaft in den sechziger Jahren.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">In unseren Lektüretipps weisen wir auf Bücher hin, die uns begeistert, erschüttert, erheitert haben: Klassiker, Entdeckungen, Kuriositäten.</div></div>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" data-attachment-id="6082" data-permalink="https://tell-review.de/aufbruch-in-den-nachkrieg/978-3-499-15097-5/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/978-3-499-15097-5.jpg?fit=416%2C690&amp;ssl=1" data-orig-size="416,690" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="978-3-499-15097-5" data-image-description="&lt;p&gt;Rowohlt Verlag&lt;br /&gt;
http://www.rowohlt.de/taschenbuch/bernward-vesper-die-reise.html&lt;/p&gt;
" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/978-3-499-15097-5.jpg?fit=416%2C690&amp;ssl=1" class="aligncenter size-medium wp-image-6082" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/978-3-499-15097-5-181x300.jpg?resize=181%2C300" alt="" width="181" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/978-3-499-15097-5.jpg?resize=181%2C300&amp;ssl=1 181w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/978-3-499-15097-5.jpg?resize=48%2C80&amp;ssl=1 48w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/978-3-499-15097-5.jpg?resize=300%2C498&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/978-3-499-15097-5.jpg?w=416&amp;ssl=1 416w" sizes="(max-width: 181px) 100vw, 181px" /></p>
<blockquote><p>Es klingelte ununterbrochen, zwei Uhr nachts, als ich öffnete, stand Petra im Schnee. ‚Ich kann nicht mit Dir in einer Stadt wohnen‘, sagte sie. ‚Bist Du verrückt geworden? Das Haus schläft.‘ ‚Früher bist Du nie so früh schlafen gegangen‘, sagte sie. ‚Bitte tu mir den Gefallen, geh jetzt‘, sagte ich und öffnete die Tür. Der Eiswind fegte über meine nackten Füße. Da ging sie.</p></blockquote>
<p><span class="dropcap">D</span>er hier nach der verlorenen Zeit sucht ist Bernward Vesper, geboren 1938 als Sohn des nationalsozialistischen Dichters Will Vesper. Seine Freundin Gudrun Ensslin hat ihn für Andreas Baader verlassen und sitzt als Kaufhausbrandstifterin im Gefängnis. Vesper hat einen Sohn mit ihr. Während er fieberhaft tippt, spielt das Kind im Zimmer und versucht, die Aufmerksamkeit des Vaters zu erregen.</p>
<p>Der Romanessay, der so entsteht, soll <em>Der Trip</em> heißen. Oder <em>Hass</em>. Beide Arbeitstitel verweisen auf das, was ihn vorantreibt. Vesper schreibt teilweise unter dem Einfluss von LSD. Alles, was ihm durch den Kopf geht, wird zu Text – von der unmittelbaren Umgebung über Erinnerungen bis zur Politik. Der Spiegel des Bewusstseins zerspringt.</p>
<p>In den Splittern zeigt sich das vielschichtige Bild eines Lebens, das sich nicht fügen kann. Nicht in das nationalsozialistische Elternhaus. Nicht in eine angepasste Existenz in der jungen Bundesrepublik. Und nicht in die revolutionäre Konsequenz der politischen Avantgarde.</p>
<p>Ich kenne kein Buch, das eindringlicher vermittelt, in welchem Zustand sich die Gesellschaft im Westdeutschland der sechziger Jahre befindet: Sie ist zum Bersten gespannt, und in ihrer sorgsam renovierten Fassade zeigen sich immer mehr Risse. Vesper verkörpert viele Widersprüche und Konflikte in sich selbst: Er streitet erbittert mit seinem Vater über die nationalsozialistischen Verbrechen – und er versucht, dessen Werke zu publizieren, um ihn als Dichter wieder gesellschaftsfähig zu machen. Er ist autoritär erzogen und hat einen unstillbaren Drang nach Befreiung. Er ist geprägt vom Einfluss der amerikanischen Popkultur und misstraut ihr doch. Er hat Sehnsucht nach der kleinen, intimen Idylle. Aber er teilt auch das Gefühl seiner Generation, mit allen Mitteln die Welt retten zu müssen. Indem er sich in den schärfsten Gegensatz zu seinem Vater stellt, ist er ihm zugleich am nächsten.</p>
<blockquote><p><em>1968 aufbruch in den haß</em></p>
[&#8230;]
<p>vielleicht kommt eine periode, wo wir cool genug sind, haß macht blind, wir machen fehler, aber wir sind kaputte [menschen] maschinen, die denjenigen treibstoff brauchen, der sie überhaupt noch in betrieb hält</p></blockquote>
<p>notiert er auf einer Karteikarte. Das Manuskript wird nie fertig. 1971 wird Vesper in die Psychiatrie eingeliefert, wo er sich wenige Monate später das Leben nimmt. Die Spannungen, an denen er zugrunde gegangen ist, wirken in Deutschland bis heute nach. In <em>Die Reise</em> kann man viel darüber erfahren.</p>
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">
Bernward Vesper<br />
<strong>Die Reise</strong><br />
Romanessay (Ausgabe letzter Hand)<br />
Rowohlt Taschenbuch Verlag · 720 Seiten · 12,99 Euro<br />
ISBN: 978-3499150975<br />
Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="http://www.amazon.de/dp/3499150972/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow">Amazon</a> oder <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="http://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=9783499150975" target="_blank">buecher.de</a><img decoding="async" class="nwvmsolbolsbcyjnaaig ihwphhikacryebcwcrua" src="http://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM --><br />
</div></div>
<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis:</em><br />
<em> Beitragsbild: Von Ali Limonadi (Eigenes Werk) [<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0">CC BY-SA 3.0</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ADas_Abonnement.jpg">via Wikimedia Commons</a> (Plakat zum Film „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Abonnement" target="_blank">Das Abonnement</a>“, hier bearbeitet)</em><br />
<em> Buchcover: <a href="http://www.rowohlt.de/taschenbuch/bernward-vesper-die-reise.html" target="_blank">Rowohlt Taschenbuch Verlag</a></em></h6>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://tell-review.de/aufbruch-in-den-nachkrieg/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">6080</post-id>	</item>
	</channel>
</rss>
