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	Kommentare zu: Satz für Satz 10: Wahrhaftigkeit	</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
	<lastBuildDate>Wed, 04 Oct 2017 20:33:54 +0000</lastBuildDate>
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		<title>
		Von: einrechner		</title>
		<link>https://tell-review.de/satz-fuer-satz-10-wahrhaftigkeit/#comment-781</link>

		<dc:creator><![CDATA[einrechner]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Oct 2017 20:33:54 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die logische Vereinbarkeit von Aussagen mag ein wissenschaftlich brauchbares Kriterium sein, aber sicher kein literarisches. Es ist ja seltsam, der totgesagte Autor lebt nicht nur im Klimbim der Homestory, im kleinkarierten Abgleich von Geschriebenem und Palavertem, also im Interview zum Besten gegebenen, sondern immer auch dann, wenn sich ein Finger auf einen Buchstabenknopf senkt, um etwas zu schreiben, das eben keine Aussage, sondern ein fiktionaler Satz werden soll. Dann kommen veraltetet wirkende Kriterien wie die liebe Wahrhaftigkeit plötzlich wieder zum Vorschein. Und wenn man einmal gespürt hat, wie ein Satz wie &quot;Das hat nichts mit dir zu tun&quot;, der völlig unbegründet neben den eigenen Text gestellt wurde, einsticht wie das Messer von Michael Myers, der weiß, es gibt da einen Raum, der sich weder wissenschaftlich noch logisch noch nur prä-skriptiv, also vor dem Schreiben, durchdringen lässt. Das ist vielleicht genau der Mut, von dem Sieglinde Geisel schreibt. Dass man im Schreiben eine Erfahrung machen kann, die einen, wie jede Erfahrung, verändert.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die logische Vereinbarkeit von Aussagen mag ein wissenschaftlich brauchbares Kriterium sein, aber sicher kein literarisches. Es ist ja seltsam, der totgesagte Autor lebt nicht nur im Klimbim der Homestory, im kleinkarierten Abgleich von Geschriebenem und Palavertem, also im Interview zum Besten gegebenen, sondern immer auch dann, wenn sich ein Finger auf einen Buchstabenknopf senkt, um etwas zu schreiben, das eben keine Aussage, sondern ein fiktionaler Satz werden soll. Dann kommen veraltetet wirkende Kriterien wie die liebe Wahrhaftigkeit plötzlich wieder zum Vorschein. Und wenn man einmal gespürt hat, wie ein Satz wie &#8222;Das hat nichts mit dir zu tun&#8220;, der völlig unbegründet neben den eigenen Text gestellt wurde, einsticht wie das Messer von Michael Myers, der weiß, es gibt da einen Raum, der sich weder wissenschaftlich noch logisch noch nur prä-skriptiv, also vor dem Schreiben, durchdringen lässt. Das ist vielleicht genau der Mut, von dem Sieglinde Geisel schreibt. Dass man im Schreiben eine Erfahrung machen kann, die einen, wie jede Erfahrung, verändert.</p>
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		<title>
		Von: Reinhard Matern		</title>
		<link>https://tell-review.de/satz-fuer-satz-10-wahrhaftigkeit/#comment-730</link>

		<dc:creator><![CDATA[Reinhard Matern]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 May 2017 06:44:58 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/satz-fuer-satz-10-wahrhaftigkeit/#comment-729&quot;&gt;ziggev&lt;/a&gt;.

Im Unterschied zu &#039;Wahrhaftigkeit&#039; wäre eine logische Vereinbarkeit von Aussagen ein wissenschaftlich brauchbares Kriterium. Mich interessiert nicht das Innenleben von Schriftstellern, auch nicht das von Schopenhauer oder Nietzsche, sondern Sprache.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/satz-fuer-satz-10-wahrhaftigkeit/#comment-729">ziggev</a>.</p>
<p>Im Unterschied zu &#8218;Wahrhaftigkeit&#8216; wäre eine logische Vereinbarkeit von Aussagen ein wissenschaftlich brauchbares Kriterium. Mich interessiert nicht das Innenleben von Schriftstellern, auch nicht das von Schopenhauer oder Nietzsche, sondern Sprache.</p>
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		<title>
		Von: ziggev		</title>
		<link>https://tell-review.de/satz-fuer-satz-10-wahrhaftigkeit/#comment-729</link>

		<dc:creator><![CDATA[ziggev]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 May 2017 21:11:47 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Herr Reinhard Matern - ich glaube, Sie übersehen etwas. Wahrhaftigkeit hat in der Tat (sogar in der Kunst) etwas mit Moral zu tun; es ist nur überhaupt nicht klar, was sie dadurch altbacken machen würde. Wie ja an Frischs &lt;i&gt;Montauk&lt;/i&gt; klar wurde, handelt es sich um eine Haltung von Schriftstellern. Es ist nicht etwas, das Lesern - womöglich noch übern Stil - vermittelt werden soll oder kann; und erst recht nicht ein &quot;&lt;i&gt;sprachliches&lt;/i&gt; Altertum&quot;. Große Stilisten werden noch Jahrhunderte, Jahrtausende später wegen ihres Stils geschätzt. Guter Stil lässt sich nicht einfach so neu erfinden; man muss sich einfach nur um einen solchen bemühen.

Ein Tweed, z.B., kann hohen Stilkriterien genügen - oder nicht. Modernistisch könnten wir sagen: Das ist altbacken, weg mit den alten Zöpfen! Handelte es sich um eine schlichte Mitteilung, die womöglich wissenschaftlichen Kriterien genügen muss, dann wäre diese Forderung möglicherweise zu rechtfertigen. Nehmen wir aber den z.z. bekanntesten Twitterer, D. Trump, so stellen wir fest, dass wir ihn nicht für glaubwürdig halten: Er widerspricht sich selbst wie es gerade kommt. Weiter: Dieses Misstrauen wird jedoch verursacht, dass ihm niemand abnimmt, er würde - vernünftigerweise - an das zu glauben vermögen, was er selber twittert. Wahrhaftigkeit ist nun das, was wir in der moralischen Sphäre erwarten: Selber von dem überzeugt zu sein, was man als Argumente in den Diskurs wirft. Es handelt sich um eine Selbstverpflichtung, eben jener - berechtigten - Erwartung der Adressaten gerecht zu werden. In der Literatur bedeutet dagegen Wahrhaftigkeit: Sich selber von davon überzeugen zu können, &lt;i&gt;wie&lt;/i&gt; man etwas sagt. 

Und hier möchte ich Schopenhauer bemühen: “Daher nun ist die erste, ja schon für sich allein beinahe ausreichende Regel des guten Stils diese, dass man etwas zu sagen habe: O, damit kommt man weit!”

Es muss also zuerst das Was klar sein, damit über das Wie entschieden werden kann. Gewissermaßen ein &quot;objektives&quot; Kriterium. Ob nun wissenschaftlich oder nicht, es ist dies eine Frage, die sich immer gestellt hat und immer stellen wird. Das Was und das Wie können nun die unterschiedlichsten (dynamischen) Beziehungen zueinander eingehen, selbst wenn wir uns alle psychoanalytischen Aspekte wegdenken. Und dadurch können Leser sehr wohl etwas neues erfahren. Nietzsche war gar der Ansicht, dass den Stil zu verbessern die Gedanken zu verbessern heiße. Wie ich vermute, ganz im außermoralischen Sinne.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Herr Reinhard Matern &#8211; ich glaube, Sie übersehen etwas. Wahrhaftigkeit hat in der Tat (sogar in der Kunst) etwas mit Moral zu tun; es ist nur überhaupt nicht klar, was sie dadurch altbacken machen würde. Wie ja an Frischs <i>Montauk</i> klar wurde, handelt es sich um eine Haltung von Schriftstellern. Es ist nicht etwas, das Lesern &#8211; womöglich noch übern Stil &#8211; vermittelt werden soll oder kann; und erst recht nicht ein &#8222;<i>sprachliches</i> Altertum&#8220;. Große Stilisten werden noch Jahrhunderte, Jahrtausende später wegen ihres Stils geschätzt. Guter Stil lässt sich nicht einfach so neu erfinden; man muss sich einfach nur um einen solchen bemühen.</p>
<p>Ein Tweed, z.B., kann hohen Stilkriterien genügen &#8211; oder nicht. Modernistisch könnten wir sagen: Das ist altbacken, weg mit den alten Zöpfen! Handelte es sich um eine schlichte Mitteilung, die womöglich wissenschaftlichen Kriterien genügen muss, dann wäre diese Forderung möglicherweise zu rechtfertigen. Nehmen wir aber den z.z. bekanntesten Twitterer, D. Trump, so stellen wir fest, dass wir ihn nicht für glaubwürdig halten: Er widerspricht sich selbst wie es gerade kommt. Weiter: Dieses Misstrauen wird jedoch verursacht, dass ihm niemand abnimmt, er würde &#8211; vernünftigerweise &#8211; an das zu glauben vermögen, was er selber twittert. Wahrhaftigkeit ist nun das, was wir in der moralischen Sphäre erwarten: Selber von dem überzeugt zu sein, was man als Argumente in den Diskurs wirft. Es handelt sich um eine Selbstverpflichtung, eben jener &#8211; berechtigten &#8211; Erwartung der Adressaten gerecht zu werden. In der Literatur bedeutet dagegen Wahrhaftigkeit: Sich selber von davon überzeugen zu können, <i>wie</i> man etwas sagt. </p>
<p>Und hier möchte ich Schopenhauer bemühen: “Daher nun ist die erste, ja schon für sich allein beinahe ausreichende Regel des guten Stils diese, dass man etwas zu sagen habe: O, damit kommt man weit!”</p>
<p>Es muss also zuerst das Was klar sein, damit über das Wie entschieden werden kann. Gewissermaßen ein &#8222;objektives&#8220; Kriterium. Ob nun wissenschaftlich oder nicht, es ist dies eine Frage, die sich immer gestellt hat und immer stellen wird. Das Was und das Wie können nun die unterschiedlichsten (dynamischen) Beziehungen zueinander eingehen, selbst wenn wir uns alle psychoanalytischen Aspekte wegdenken. Und dadurch können Leser sehr wohl etwas neues erfahren. Nietzsche war gar der Ansicht, dass den Stil zu verbessern die Gedanken zu verbessern heiße. Wie ich vermute, ganz im außermoralischen Sinne.</p>
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		Von: Reinhard Matern		</title>
		<link>https://tell-review.de/satz-fuer-satz-10-wahrhaftigkeit/#comment-728</link>

		<dc:creator><![CDATA[Reinhard Matern]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 May 2017 14:56:02 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Sorry, ich halte von &#039;Wahrhaftigkeit&#039; nichts. Es ist reichlich hochtrabend, entstammt der Moral und vermag den zurechtweisenden Zug auch in der Zusammenstellung nicht abzuwerfen. Wer Interesse an sprachlicher Kunst hat, wird ohne solche sprachlichen Altertümer auskommen müssen, oder niemals Neues erfahren. Da hilft auch &#039;Stil&#039; nicht, ebenfalls ein altertümliches Wort, das lediglich ad hoc &#039;gebogen&#039; wird. Für mich ist dies alles lediglich ein Müll der Geschichte. 

Spannender fände ich eine sprachliche Exposition, die grundsätzlich weiter und moderner gefasst ist, sich vor allem in einen wissenschaftlichen Kontext einbinden ließe und lässt ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sorry, ich halte von &#8218;Wahrhaftigkeit&#8216; nichts. Es ist reichlich hochtrabend, entstammt der Moral und vermag den zurechtweisenden Zug auch in der Zusammenstellung nicht abzuwerfen. Wer Interesse an sprachlicher Kunst hat, wird ohne solche sprachlichen Altertümer auskommen müssen, oder niemals Neues erfahren. Da hilft auch &#8218;Stil&#8216; nicht, ebenfalls ein altertümliches Wort, das lediglich ad hoc &#8218;gebogen&#8216; wird. Für mich ist dies alles lediglich ein Müll der Geschichte. </p>
<p>Spannender fände ich eine sprachliche Exposition, die grundsätzlich weiter und moderner gefasst ist, sich vor allem in einen wissenschaftlichen Kontext einbinden ließe und lässt &#8230;</p>
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