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	Kommentare zu: Page-99-Test: William Gaddis	</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
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		<title>
		Von: ziggev		</title>
		<link>https://tell-review.de/page-99-test-william-gaddis/#comment-236</link>

		<dc:creator><![CDATA[ziggev]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Jun 2016 14:34:20 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Da Ingenay/Modick hier etwas schlecht wegkommen sind, möchte ich mich für sie ein wenig ins Zeug legen. Die Selbstsicherheit Stellas verdankt sich ja der krankenschwesterlichen Anmut, mit der sie sich &quot;up corrodors&quot; &lt;i&gt;bewegt&lt;/i&gt;, nicht bloß der Sicherheit einer Krankenschwester, die sich irgendwo drinnen befindet. Das &lt;i&gt;indoors&lt;/i&gt; im Englischen evoziert noch einmal das Bild der repetetiven Aufeinanderfolge von Krankenzimmertüren an den Seiten eines Krankenhausflures. Zwei Faktoren, die das Bild – zumindest in meiner Imagination – des Korridors umso konkreter machen. &quot;Durch &lt;i&gt;diese&lt;/i&gt; Steppe&quot; – wo das Demonstrativpronomen mit dem Pronomen in &quot;Stella &lt;i&gt;selbst&lt;/i&gt;&quot; korrespondiert – bildet dann den Kontrast zum (unsichtbaren) Stationsflur. Und es ist natürlich der Selbstsicherheit Stellas geschuldet, dass sie es ist, die den Stationsflur &quot;kurzerhand nach draußen verlegt&quot; – gerade weil das absurd ist, bleibt es rein figurativ. Ingenay/Modick fassen das Bild insgesamt um Vieles konkreter, ja. Wir müssen die Passage desh. aber nicht buchstäblich lesen. In Ingenay/Modicks Stella/Krankenschwester jedenfalls habe ich mich auf der Stelle verliebt …

Das englische &quot;horticultural&quot; (fünfsilbiges &quot;Fremdwort&quot;!) schlägt nun mal das deutsche &quot;gärtnerisch&quot; um Längen. Und wir kommen einfach nicht ohne die Gruppe in &quot;Laookon-Gruppe&quot; aus, d.h., nicht ohne den Verweis darauf, dass es sich um eine (hergestellte) Skulptur handelt. Diese nun als &quot;gärtnerisch&quot; näher zu bestimmen, würde uns direkt in Schrebergärten versetzen oder zwischen zurechtgestutze Baumskulpturen. Daher vermutlich das rätselhafte &quot;multi-vegetative Durcheinander&quot;, wobei das redundante &quot;multi&quot; zusammen mit dem Abstraktum &quot;Durcheinander&quot; inmitten aufgezählter Gewächse nur noch mehr Verwirrung stiftet: Wir befinden uns in einem Labyrinth!

In meinem Wörterbuch (www.dict.cc) findet sich tatsächlich &quot;to espalier sth.&quot; als Verb: &quot;etw. am Spalier ziehen&quot; – hier &quot;ziehen&quot; offenbar im gartenbaulichen Sinne. Gaddis´ Zierapfel-Gewächs zieht, in diesem Sinne, sich, die &quot;Glieder&quot;, also selbst! Ingenay/Modicks Version &quot;Versuch … so etwas wie ein Spalier zu bilden&quot; lässt ihnen hier die Initiative. Das Verb &quot;quälen&quot; fordert ein Akkusativobjekt, wäre ohne solches jedenfalls unschön; ich setze mich für das imho passendere &quot;entsetzlich&quot; ein, und nehme mir die Freiheit, nicht zu erklären, weshalb ich ganz zufrieden damit bin, nicht &quot;unbeschnittene Glieder&quot; zu lesen …

Auch würde ich &quot;Taxus&quot; gegen &quot;(Deutsche) Eibe&quot; verteidigen – wir hätten wieder einen gärtnerischen Fachausdruck (&quot;horticultural&quot;), der mich nicht an ein Taxi denken lässt, sondern durch den Gegensatz des höheren Registers uns daran erinnert, dass wir uns in einer verwildeten Gartenlandschaft befinden.

Es ist m.E. nur sehr schwer zu bewerkstelligen, Gaddis´ &quot;verschlungenen&quot; Satz, dessen Charakters des Labyrinthischen sich aus seiner lyrischen Dichte, wie man sie so eben nur im Englischen haben kann, ergibt, zu übersetzen und dabei beide Merkmale zu erhalten. Ingenay/Modick haben sich dafür entschieden, das gaddis´sche Labyrinth nachemfindbar zu machen, indem seine Bilder &quot;erweitert&quot;, &quot;aus- oder weiterbuchstabiert&quot; werden, jedenfalls in einer freundlichen Lesart. Es ist, als hätten sie ihrerseits sich bei der Tätigkeit des Übersetzens des Satzes, der einem beim Lesen zu entgleiten zu suchen scheint, hinforttragen lassen. Sie haben die &lt;i&gt;Wirkung&lt;/i&gt; der Ursprungssprache gewissermaßen in ihrer Übersetzung abgebildet. Es lässt sich sicher diskutieren, inwiefern das zulässig ist; in Grenzen würde ich aber sagen: ja. Ich glaube nicht, dass Gaddis der Satz entglitten ist.

Schwierigkeiten hatte ich allderdings ebenfalls mit den einleitenden Worten. Wie würde denn die englische Originalenstprechung lauten? (imho in der Tat ein großes Fragezeichen!) Handelt es sich um einen Verweis auf den Beginn von Joyce´s Anfang von Ulysses …? 

Ähnlich wie in den Dialogen in wörtlicher Rede, weil sie nicht bestimmten Sprechern zugeordnet werden und lediglich die banale Alltagssprache wiedergeben wird, das (jeweils) sprechende &lt;i&gt;Wer&lt;/i&gt; zu verschwinden scheint, gewissermaßen eine Vorwegnahme des Gebrabbels &quot;auf allen Kanälen&quot; heutiger Zeit, sodass sich im Kopf des Lesers etwas wie der Sound gleichstimmigen Summens wie in einem Bienenkorb einstellt, scheint Gaddis´&quot;verschlungene&quot; Prosa im diskutierten Satz, wo es heißt: &quot;this way…?&quot;, es darauf angelegt zu haben, die Frage nach diesem &lt;i&gt;Wer&lt;/i&gt; obsolet zu machen. Der Satz funktioniert auch ohne eine Antwort auf diese Frage, weil sie sich kaum noch stellt. Es ist nicht mehr unbedingt erforderlich, das Subjekt, den Sprecher oder die Sprecherin auszumachen. Oder handelt es sich um die Stimme des Erzählers? Diesen &quot;Effekt&quot; haben nun aber die Übersetzer in meiner Lektüre in nicht unrühmlicherweise erzeugt. Und, wir kennen doch bereits diesen &quot;Effekt&quot;, bei Joyce und der unvergleichlichen V. Woolf, oder nicht?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da Ingenay/Modick hier etwas schlecht wegkommen sind, möchte ich mich für sie ein wenig ins Zeug legen. Die Selbstsicherheit Stellas verdankt sich ja der krankenschwesterlichen Anmut, mit der sie sich &#8222;up corrodors&#8220; <i>bewegt</i>, nicht bloß der Sicherheit einer Krankenschwester, die sich irgendwo drinnen befindet. Das <i>indoors</i> im Englischen evoziert noch einmal das Bild der repetetiven Aufeinanderfolge von Krankenzimmertüren an den Seiten eines Krankenhausflures. Zwei Faktoren, die das Bild – zumindest in meiner Imagination – des Korridors umso konkreter machen. &#8222;Durch <i>diese</i> Steppe&#8220; – wo das Demonstrativpronomen mit dem Pronomen in &#8222;Stella <i>selbst</i>&#8220; korrespondiert – bildet dann den Kontrast zum (unsichtbaren) Stationsflur. Und es ist natürlich der Selbstsicherheit Stellas geschuldet, dass sie es ist, die den Stationsflur &#8222;kurzerhand nach draußen verlegt&#8220; – gerade weil das absurd ist, bleibt es rein figurativ. Ingenay/Modick fassen das Bild insgesamt um Vieles konkreter, ja. Wir müssen die Passage desh. aber nicht buchstäblich lesen. In Ingenay/Modicks Stella/Krankenschwester jedenfalls habe ich mich auf der Stelle verliebt …</p>
<p>Das englische &#8222;horticultural&#8220; (fünfsilbiges &#8222;Fremdwort&#8220;!) schlägt nun mal das deutsche &#8222;gärtnerisch&#8220; um Längen. Und wir kommen einfach nicht ohne die Gruppe in &#8222;Laookon-Gruppe&#8220; aus, d.h., nicht ohne den Verweis darauf, dass es sich um eine (hergestellte) Skulptur handelt. Diese nun als &#8222;gärtnerisch&#8220; näher zu bestimmen, würde uns direkt in Schrebergärten versetzen oder zwischen zurechtgestutze Baumskulpturen. Daher vermutlich das rätselhafte &#8222;multi-vegetative Durcheinander&#8220;, wobei das redundante &#8222;multi&#8220; zusammen mit dem Abstraktum &#8222;Durcheinander&#8220; inmitten aufgezählter Gewächse nur noch mehr Verwirrung stiftet: Wir befinden uns in einem Labyrinth!</p>
<p>In meinem Wörterbuch (www.dict.cc) findet sich tatsächlich &#8222;to espalier sth.&#8220; als Verb: &#8222;etw. am Spalier ziehen&#8220; – hier &#8222;ziehen&#8220; offenbar im gartenbaulichen Sinne. Gaddis´ Zierapfel-Gewächs zieht, in diesem Sinne, sich, die &#8222;Glieder&#8220;, also selbst! Ingenay/Modicks Version &#8222;Versuch … so etwas wie ein Spalier zu bilden&#8220; lässt ihnen hier die Initiative. Das Verb &#8222;quälen&#8220; fordert ein Akkusativobjekt, wäre ohne solches jedenfalls unschön; ich setze mich für das imho passendere &#8222;entsetzlich&#8220; ein, und nehme mir die Freiheit, nicht zu erklären, weshalb ich ganz zufrieden damit bin, nicht &#8222;unbeschnittene Glieder&#8220; zu lesen …</p>
<p>Auch würde ich &#8222;Taxus&#8220; gegen &#8222;(Deutsche) Eibe&#8220; verteidigen – wir hätten wieder einen gärtnerischen Fachausdruck (&#8222;horticultural&#8220;), der mich nicht an ein Taxi denken lässt, sondern durch den Gegensatz des höheren Registers uns daran erinnert, dass wir uns in einer verwildeten Gartenlandschaft befinden.</p>
<p>Es ist m.E. nur sehr schwer zu bewerkstelligen, Gaddis´ &#8222;verschlungenen&#8220; Satz, dessen Charakters des Labyrinthischen sich aus seiner lyrischen Dichte, wie man sie so eben nur im Englischen haben kann, ergibt, zu übersetzen und dabei beide Merkmale zu erhalten. Ingenay/Modick haben sich dafür entschieden, das gaddis´sche Labyrinth nachemfindbar zu machen, indem seine Bilder &#8222;erweitert&#8220;, &#8222;aus- oder weiterbuchstabiert&#8220; werden, jedenfalls in einer freundlichen Lesart. Es ist, als hätten sie ihrerseits sich bei der Tätigkeit des Übersetzens des Satzes, der einem beim Lesen zu entgleiten zu suchen scheint, hinforttragen lassen. Sie haben die <i>Wirkung</i> der Ursprungssprache gewissermaßen in ihrer Übersetzung abgebildet. Es lässt sich sicher diskutieren, inwiefern das zulässig ist; in Grenzen würde ich aber sagen: ja. Ich glaube nicht, dass Gaddis der Satz entglitten ist.</p>
<p>Schwierigkeiten hatte ich allderdings ebenfalls mit den einleitenden Worten. Wie würde denn die englische Originalenstprechung lauten? (imho in der Tat ein großes Fragezeichen!) Handelt es sich um einen Verweis auf den Beginn von Joyce´s Anfang von Ulysses …? </p>
<p>Ähnlich wie in den Dialogen in wörtlicher Rede, weil sie nicht bestimmten Sprechern zugeordnet werden und lediglich die banale Alltagssprache wiedergeben wird, das (jeweils) sprechende <i>Wer</i> zu verschwinden scheint, gewissermaßen eine Vorwegnahme des Gebrabbels &#8222;auf allen Kanälen&#8220; heutiger Zeit, sodass sich im Kopf des Lesers etwas wie der Sound gleichstimmigen Summens wie in einem Bienenkorb einstellt, scheint Gaddis´&#8220;verschlungene&#8220; Prosa im diskutierten Satz, wo es heißt: &#8222;this way…?&#8220;, es darauf angelegt zu haben, die Frage nach diesem <i>Wer</i> obsolet zu machen. Der Satz funktioniert auch ohne eine Antwort auf diese Frage, weil sie sich kaum noch stellt. Es ist nicht mehr unbedingt erforderlich, das Subjekt, den Sprecher oder die Sprecherin auszumachen. Oder handelt es sich um die Stimme des Erzählers? Diesen &#8222;Effekt&#8220; haben nun aber die Übersetzer in meiner Lektüre in nicht unrühmlicherweise erzeugt. Und, wir kennen doch bereits diesen &#8222;Effekt&#8220;, bei Joyce und der unvergleichlichen V. Woolf, oder nicht?</p>
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		<title>
		Von: Anselm Bühling		</title>
		<link>https://tell-review.de/page-99-test-william-gaddis/#comment-231</link>

		<dc:creator><![CDATA[Anselm Bühling]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 May 2016 10:03:29 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/page-99-test-william-gaddis/#comment-228&quot;&gt;Schröersche&lt;/a&gt;.

Dem &quot;While&quot; fehlt ein Bezug im Satz. Es wird nicht klar, &lt;em&gt;was noch passiert&lt;/em&gt;, während „„… he’d got the door closed … and set off“. Möglicherweise steht das im vorhergehenden Satz, das müsste man überprüfen. Und bei „and then lead on“ ist grammatisch tatsächlich nicht eindeutig, wer hier führt – der namenlose männliche Protagonist oder Stella. Für Stella spricht, dass sie schon vorher vorn war. „Ohne die Augen von ihren schwingenden Hüften lassen zu können, ging er voran“ (Ingendaay/Modick) – das klingt auch nach einer ziemlich akrobatischen Übung. 
Denkbar wäre übrigens auch, dass sich „returning his eyes to her sawing haunches“ auf Stella bezieht – dass sie es ist, die seinen Blick nach der Unterbrechung am Holzapfelbaum im Weitergehen wieder auf ihre schwingenden Hüften lenkt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/page-99-test-william-gaddis/#comment-228">Schröersche</a>.</p>
<p>Dem &#8222;While&#8220; fehlt ein Bezug im Satz. Es wird nicht klar, <em>was noch passiert</em>, während „„… he’d got the door closed … and set off“. Möglicherweise steht das im vorhergehenden Satz, das müsste man überprüfen. Und bei „and then lead on“ ist grammatisch tatsächlich nicht eindeutig, wer hier führt – der namenlose männliche Protagonist oder Stella. Für Stella spricht, dass sie schon vorher vorn war. „Ohne die Augen von ihren schwingenden Hüften lassen zu können, ging er voran“ (Ingendaay/Modick) – das klingt auch nach einer ziemlich akrobatischen Übung.<br />
Denkbar wäre übrigens auch, dass sich „returning his eyes to her sawing haunches“ auf Stella bezieht – dass sie es ist, die seinen Blick nach der Unterbrechung am Holzapfelbaum im Weitergehen wieder auf ihre schwingenden Hüften lenkt.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Sieglinde Geisel		</title>
		<link>https://tell-review.de/page-99-test-william-gaddis/#comment-230</link>

		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 May 2016 07:56:43 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/page-99-test-william-gaddis/#comment-229&quot;&gt;write2gether (@write2gether)&lt;/a&gt;.

Großartige Lektüre, vielen Dank! Die Fleischlichkeit und die Unsterblichkeit, Innen und Ausßen, Die Symmetrie von tenderloin und hunches - das alles steht da, man muss es nur entdecken. Ob der Autor davon etwas wusste, wie viel davon bewusst gesetzt war und wie viel dabei aufs Konto von Unter- oder Überbewusstsein (supraconsciousness) geht? 
Ach, was für ein Jammer, dass Gaddis diesen Austausch über seine Worte nicht erlebt. Ich lese gerade in seinen &lt;a href=&quot;https://www.amazon.de/Letters-William-American-Literature-Archive/dp/1564788040/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1464335764&amp;sr=8-1&amp;keywords=Gaddis+Letters&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;nofollow&quot;&gt;Briefen&lt;/a&gt; (nur auf Englisch erschienen, in Dalkey Archives), und die sind voll von Desillusionierung über den Literaturbetrieb. Nicht Verbitterung, darüber war Gaddis dann doch erhaben, aber ein Gefühl der Vergeblichkeit. Er hat es kaum je erlebt, dass er auf dem Niveau gelesen wurde, auf dem er schrieb, und wie diese kurze Passage zeigt, gilt das auch für die Übersetzung.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/page-99-test-william-gaddis/#comment-229">write2gether (@write2gether)</a>.</p>
<p>Großartige Lektüre, vielen Dank! Die Fleischlichkeit und die Unsterblichkeit, Innen und Ausßen, Die Symmetrie von tenderloin und hunches &#8211; das alles steht da, man muss es nur entdecken. Ob der Autor davon etwas wusste, wie viel davon bewusst gesetzt war und wie viel dabei aufs Konto von Unter- oder Überbewusstsein (supraconsciousness) geht?<br />
Ach, was für ein Jammer, dass Gaddis diesen Austausch über seine Worte nicht erlebt. Ich lese gerade in seinen <a href="https://www.amazon.de/Letters-William-American-Literature-Archive/dp/1564788040/ref=sr_1_1?ie=UTF8&#038;qid=1464335764&#038;sr=8-1&#038;keywords=Gaddis+Letters" target="_blank" rel="nofollow">Briefen</a> (nur auf Englisch erschienen, in Dalkey Archives), und die sind voll von Desillusionierung über den Literaturbetrieb. Nicht Verbitterung, darüber war Gaddis dann doch erhaben, aber ein Gefühl der Vergeblichkeit. Er hat es kaum je erlebt, dass er auf dem Niveau gelesen wurde, auf dem er schrieb, und wie diese kurze Passage zeigt, gilt das auch für die Übersetzung.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: write2gether (@write2gether)		</title>
		<link>https://tell-review.de/page-99-test-william-gaddis/#comment-229</link>

		<dc:creator><![CDATA[write2gether (@write2gether)]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 May 2016 18:27:03 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=2622#comment-229</guid>

					<description><![CDATA[Was für ein Fundstück zur Illustration der Schwierigkeiten, Verlockungen und Gefahren des Übersetzens. 
Was da am Anfang des Satzes Gaddis oder seinem Setzer unterlaufen ist, scheint mir vermutungsweise klar: &quot;While being contested&quot; wollte Gaddid verstärken und änderte den Satz um in &quot;With the effort of being contested ...&quot;, vergass dann aber das &quot;while&quot; zu streichen. Oder umgekehrt: Er hat das &quot;while&quot; nachträglich davorgesetzt, dann aber &quot;with the effort&quot; nicht getilgt. Insgesamt scheint die Passage nicht fertig redigiert zu sein, das zweimalige &quot;from&quot; am Anfang ist wohl ein unerledigter Stolperer.
Verwunderlich, dass die Übersetzer das dicke Hinweisschild &quot;Emanation&quot; einkassieren, statt es für die deutschen Leser zu erhallten. Das heißt doch, die Sache als &quot;Stilistik&quot; misszuverstehen, das heißt als ein Auftrumpfen mit Wörtern? Dann kann man das natürlich im Deutschen &quot;nachdichten&quot;. 
Aber liegt hier nicht mehr als Wörtergeklingel vor? Da schieben sich doch die Bildebenen - wie mir scheint -  sehr überlegt ineinander, treffen sich im &quot;horticultural Laocoon&quot; in der Mitte - einerseits das &quot;Fleischthema&quot; (Sterblichkeit, wenn man so will), dann das Bild eines &quot;unsterblichen&quot;, lebendigen Gartens und als Drittes die umgestülpte Raumbeziehung (der eine wird nach außen geworfen, Stella betritt draußen das Innere). Viertens, wenn man so will, die &quot;Handlung&quot;: Der Mann kann sich kaum von dem verlockend köchelnden und duftenden Filet trennen, tritt trotzdem hinter ihr (er schließt ja die Tür) quasi hinaus - ins Garteninnere hinein, den &quot;Keulen&quot; Stellas folgend. Stella fühlt sich da Zuhause, führt ihn sozusagen durch die Außenwohnung, während er immer noch mehr zum Fleische drängt ... (ziemlich symmetrische Stellung von tenderloin und hunches als Rahmen der Passage).]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was für ein Fundstück zur Illustration der Schwierigkeiten, Verlockungen und Gefahren des Übersetzens.<br />
Was da am Anfang des Satzes Gaddis oder seinem Setzer unterlaufen ist, scheint mir vermutungsweise klar: &#8222;While being contested&#8220; wollte Gaddid verstärken und änderte den Satz um in &#8222;With the effort of being contested &#8230;&#8220;, vergass dann aber das &#8222;while&#8220; zu streichen. Oder umgekehrt: Er hat das &#8222;while&#8220; nachträglich davorgesetzt, dann aber &#8222;with the effort&#8220; nicht getilgt. Insgesamt scheint die Passage nicht fertig redigiert zu sein, das zweimalige &#8222;from&#8220; am Anfang ist wohl ein unerledigter Stolperer.<br />
Verwunderlich, dass die Übersetzer das dicke Hinweisschild &#8222;Emanation&#8220; einkassieren, statt es für die deutschen Leser zu erhallten. Das heißt doch, die Sache als &#8222;Stilistik&#8220; misszuverstehen, das heißt als ein Auftrumpfen mit Wörtern? Dann kann man das natürlich im Deutschen &#8222;nachdichten&#8220;.<br />
Aber liegt hier nicht mehr als Wörtergeklingel vor? Da schieben sich doch die Bildebenen &#8211; wie mir scheint &#8211;  sehr überlegt ineinander, treffen sich im &#8222;horticultural Laocoon&#8220; in der Mitte &#8211; einerseits das &#8222;Fleischthema&#8220; (Sterblichkeit, wenn man so will), dann das Bild eines &#8222;unsterblichen&#8220;, lebendigen Gartens und als Drittes die umgestülpte Raumbeziehung (der eine wird nach außen geworfen, Stella betritt draußen das Innere). Viertens, wenn man so will, die &#8222;Handlung&#8220;: Der Mann kann sich kaum von dem verlockend köchelnden und duftenden Filet trennen, tritt trotzdem hinter ihr (er schließt ja die Tür) quasi hinaus &#8211; ins Garteninnere hinein, den &#8222;Keulen&#8220; Stellas folgend. Stella fühlt sich da Zuhause, führt ihn sozusagen durch die Außenwohnung, während er immer noch mehr zum Fleische drängt &#8230; (ziemlich symmetrische Stellung von tenderloin und hunches als Rahmen der Passage).</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Schröersche		</title>
		<link>https://tell-review.de/page-99-test-william-gaddis/#comment-228</link>

		<dc:creator><![CDATA[Schröersche]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 May 2016 07:46:25 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[&quot;Ein Vergleich mit dem Original zeigt, dass auch der Satz von William Gaddis sich kaum entschlüsseln lässt.&quot; - aber es klappt und geht auf am Ende &quot;... he&#039;d got the door closed ... and set off ... and then lead on.... .&quot; ist der Kern und alles andere Ausschmückung und Vertiefung. Der Satz im Original ist großartig komponiert und macht mir Lust, Gaddis endlich mal zu lesen - aber doch lieber im Original.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8222;Ein Vergleich mit dem Original zeigt, dass auch der Satz von William Gaddis sich kaum entschlüsseln lässt.&#8220; &#8211; aber es klappt und geht auf am Ende &#8222;&#8230; he&#8217;d got the door closed &#8230; and set off &#8230; and then lead on&#8230;. .&#8220; ist der Kern und alles andere Ausschmückung und Vertiefung. Der Satz im Original ist großartig komponiert und macht mir Lust, Gaddis endlich mal zu lesen &#8211; aber doch lieber im Original.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Herwig Finkeldey		</title>
		<link>https://tell-review.de/page-99-test-william-gaddis/#comment-227</link>

		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 May 2016 09:51:11 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Dank für den link. Ein höchst interessantes Interview. 

&quot;Heute ist die Fixierung auf die Person zu einem Fluch geworden. Man interessiert sich nicht mehr für das geschriebene Wort, sondern für die Selbstdarstellung des Autors. Das alles ist nur noch Publicity und Werbung und hat mit dem Werk selbst nichts mehr zu tun.&quot;
 
Tja, da wird man zustimmen müssen. Und nicht nur da.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dank für den link. Ein höchst interessantes Interview. </p>
<p>&#8222;Heute ist die Fixierung auf die Person zu einem Fluch geworden. Man interessiert sich nicht mehr für das geschriebene Wort, sondern für die Selbstdarstellung des Autors. Das alles ist nur noch Publicity und Werbung und hat mit dem Werk selbst nichts mehr zu tun.&#8220;</p>
<p>Tja, da wird man zustimmen müssen. Und nicht nur da.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Reinhard Matern		</title>
		<link>https://tell-review.de/page-99-test-william-gaddis/#comment-226</link>

		<dc:creator><![CDATA[Reinhard Matern]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 May 2016 07:57:25 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=2622#comment-226</guid>

					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/page-99-test-william-gaddis/#comment-225&quot;&gt;Reinhard Matern&lt;/a&gt;.

Eine im Kontext interessante Passage aus einem Spiegeinterview:

 SPIEGEL: &quot;J R&quot; ist auch ein Roman über den Zusammenbruch der Kommunikation. Aber Lärm und Sprachchaos haben in Ihrem Buch fast eine musikalische Struktur. Glauben Sie nicht an den Verfall?
Gaddis: Doch. Ich sehe den Verfall, die Entropie, den Zusammenbruch. Eine musikalische Struktur? Vielleicht bin ich ja im tiefsten Herzen ein Musiker. 

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9102837.html]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/page-99-test-william-gaddis/#comment-225">Reinhard Matern</a>.</p>
<p>Eine im Kontext interessante Passage aus einem Spiegeinterview:</p>
<p> SPIEGEL: &#8222;J R&#8220; ist auch ein Roman über den Zusammenbruch der Kommunikation. Aber Lärm und Sprachchaos haben in Ihrem Buch fast eine musikalische Struktur. Glauben Sie nicht an den Verfall?<br />
Gaddis: Doch. Ich sehe den Verfall, die Entropie, den Zusammenbruch. Eine musikalische Struktur? Vielleicht bin ich ja im tiefsten Herzen ein Musiker. </p>
<p><a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9102837.html" rel="nofollow ugc">http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9102837.html</a></p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Reinhard Matern		</title>
		<link>https://tell-review.de/page-99-test-william-gaddis/#comment-225</link>

		<dc:creator><![CDATA[Reinhard Matern]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 May 2016 07:43:08 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=2622#comment-225</guid>

					<description><![CDATA[Die Semantik wird im Vergleich zur Musik stets vorgebracht, doch auch Semantiken müssen z.B. in Dichtungen oder in dichterischen Prosa-Passagen nicht eindeutig sein. Auch Auslassungen können eine Funktion haben, über die man nachdenken könnte. Meine Frage wäre, ob es bei Gaddis weitere &#039;unklare&#039; Beispiele gibt, oder ob es sich um einen isolierten Fall handelt ... Improvisationspassagen können sich dadurch auszeichnen, dass die vertraute Tonart oder Skala verlassen wird, so etwas wäre in der Sprache auch semantisch möglich ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Semantik wird im Vergleich zur Musik stets vorgebracht, doch auch Semantiken müssen z.B. in Dichtungen oder in dichterischen Prosa-Passagen nicht eindeutig sein. Auch Auslassungen können eine Funktion haben, über die man nachdenken könnte. Meine Frage wäre, ob es bei Gaddis weitere &#8218;unklare&#8216; Beispiele gibt, oder ob es sich um einen isolierten Fall handelt &#8230; Improvisationspassagen können sich dadurch auszeichnen, dass die vertraute Tonart oder Skala verlassen wird, so etwas wäre in der Sprache auch semantisch möglich &#8230;</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Sieglinde Geisel		</title>
		<link>https://tell-review.de/page-99-test-william-gaddis/#comment-224</link>

		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 May 2016 07:11:03 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/page-99-test-william-gaddis/#comment-222&quot;&gt;Reinhard Materrn&lt;/a&gt;.

Das hat damit zu tun, dass Literatur &quot;unheilbar semantisch&quot; ist (weiß nicht mehr, wer das gesagt hat). Das bewusste Entgleitenlassen ist nicht sehr produktiv, führt in eine Sackgasse - oder macht aus Sprache Musik (z.B. Dada: Schwitters &quot;Sonate in Urlauten&quot;). Ein Satz, der so ambitioniert ist wie dieser hier bei Gaddis, möchte vollständig sein, und hier fehlt mindestens ein Verb (das &quot;while&quot;, mit dem der Satz ansetzt, verlangt ein solches). Dass einem Könner wie Gaddis ein Satz entgleitet, ist aber kein bloßer Mangel: Er hat sich von den sprachlichen Ideen wegtragen lassen, diese haben seine Aufmerksamkeit gefesselt, so dass ihm der Satz als Ganzes nicht mehr vor Augen stand. So jedenfalls stelle ich es mir vor. Wie schade, dass wir ihn nicht mehr fragen können.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/page-99-test-william-gaddis/#comment-222">Reinhard Materrn</a>.</p>
<p>Das hat damit zu tun, dass Literatur &#8222;unheilbar semantisch&#8220; ist (weiß nicht mehr, wer das gesagt hat). Das bewusste Entgleitenlassen ist nicht sehr produktiv, führt in eine Sackgasse &#8211; oder macht aus Sprache Musik (z.B. Dada: Schwitters &#8222;Sonate in Urlauten&#8220;). Ein Satz, der so ambitioniert ist wie dieser hier bei Gaddis, möchte vollständig sein, und hier fehlt mindestens ein Verb (das &#8222;while&#8220;, mit dem der Satz ansetzt, verlangt ein solches). Dass einem Könner wie Gaddis ein Satz entgleitet, ist aber kein bloßer Mangel: Er hat sich von den sprachlichen Ideen wegtragen lassen, diese haben seine Aufmerksamkeit gefesselt, so dass ihm der Satz als Ganzes nicht mehr vor Augen stand. So jedenfalls stelle ich es mir vor. Wie schade, dass wir ihn nicht mehr fragen können.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Reinhard Materrn		</title>
		<link>https://tell-review.de/page-99-test-william-gaddis/#comment-222</link>

		<dc:creator><![CDATA[Reinhard Materrn]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 May 2016 17:01:47 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=2622#comment-222</guid>

					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/page-99-test-william-gaddis/#comment-221&quot;&gt;Reinhard Matern&lt;/a&gt;.

Ein &#039;Entgleiten-Lassen&#039; wäre in der Musik z.B. durch eine Improvisation möglich, oder durch eine Instant Composition, ebenso durch Zufallsoperationen, die in einer Partitur eingefordertert werden. In der Literatur sind Kunstformen des Entgleiten-Lassens leider so gut wie unbekannt, als wäre Literatur lediglich ein deduktives Konstrukt ;-)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/page-99-test-william-gaddis/#comment-221">Reinhard Matern</a>.</p>
<p>Ein &#8218;Entgleiten-Lassen&#8216; wäre in der Musik z.B. durch eine Improvisation möglich, oder durch eine Instant Composition, ebenso durch Zufallsoperationen, die in einer Partitur eingefordertert werden. In der Literatur sind Kunstformen des Entgleiten-Lassens leider so gut wie unbekannt, als wäre Literatur lediglich ein deduktives Konstrukt ;-)</p>
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