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	Kommentare zu: Montauk revisited	</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
	<lastBuildDate>Sat, 15 Sep 2018 15:22:07 +0000</lastBuildDate>
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		<title>
		Von: Marc Djizmedjian		</title>
		<link>https://tell-review.de/montauk-revisited/#comment-1529</link>

		<dc:creator><![CDATA[Marc Djizmedjian]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Sep 2018 15:22:07 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[&quot;Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser - und was verschweigt es und warum?&quot; Wohl ein Kernsatz aus &quot;Montauk&quot;. Wer so fragt, weiss oder empfindet, was er verschweigt. Aber warum verschweigt er es? Weil es für das Leben, für Gefühle und Empfindungen keine gesicherten Worte gibt. Es geht im Buch weniger darum, ob Frisch an seine Gefühle herankommt oder nicht, ob er ein Mann seiner Zeit ist oder nicht. Es geht darum, etwas zu verstehen. So gut es eben geht. Das gelingt immer nur in Annäherungen. Nie können wir wissen, ob wir einen anderen verstehen, ob er uns versteht. Da ist eine Leerstelle, ein Nichtwissen, und um dieses Nichtwissen kreist eben auch &quot;Montauk&quot;. Immer wieder wird neu daran angesetzt, mit jedem Abschnitt. Der Autor kann beschreiben, nachdenken, versuchen, sich zu erinnern, mehr nicht. Das ist das so genannt Authentische am Buch – gerade auch da, wo es dem Autor nicht gelingt, wo es künstlich klingt –, darin hat es etwas Wahres, sagt es etwas über uns aus. Was sich aber &quot;wirklich&quot; ereignet hat, was &quot;wahr&quot; oder eben &quot;authentisch&quot; ist: geschenkt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8222;Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser &#8211; und was verschweigt es und warum?&#8220; Wohl ein Kernsatz aus &#8222;Montauk&#8220;. Wer so fragt, weiss oder empfindet, was er verschweigt. Aber warum verschweigt er es? Weil es für das Leben, für Gefühle und Empfindungen keine gesicherten Worte gibt. Es geht im Buch weniger darum, ob Frisch an seine Gefühle herankommt oder nicht, ob er ein Mann seiner Zeit ist oder nicht. Es geht darum, etwas zu verstehen. So gut es eben geht. Das gelingt immer nur in Annäherungen. Nie können wir wissen, ob wir einen anderen verstehen, ob er uns versteht. Da ist eine Leerstelle, ein Nichtwissen, und um dieses Nichtwissen kreist eben auch &#8222;Montauk&#8220;. Immer wieder wird neu daran angesetzt, mit jedem Abschnitt. Der Autor kann beschreiben, nachdenken, versuchen, sich zu erinnern, mehr nicht. Das ist das so genannt Authentische am Buch – gerade auch da, wo es dem Autor nicht gelingt, wo es künstlich klingt –, darin hat es etwas Wahres, sagt es etwas über uns aus. Was sich aber &#8222;wirklich&#8220; ereignet hat, was &#8222;wahr&#8220; oder eben &#8222;authentisch&#8220; ist: geschenkt.</p>
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		<title>
		Von: Jochen Schimmang		</title>
		<link>https://tell-review.de/montauk-revisited/#comment-721</link>

		<dc:creator><![CDATA[Jochen Schimmang]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 27 May 2017 08:05:05 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Kleiner Lesetipp: Christian Linder, Die Krankheit der Phantasie. Über Max Frisch. Zuerst in Linder, &quot;Die Träume der Wunschmaschine&quot;, Rowohlt das neue buch, Reinbek 1981. Später in: Linder, &quot;Noten an den Rand des Lebens&quot;, Matthes &#038; Seitz, Berlin 2011, darin S. 147 - 199.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kleiner Lesetipp: Christian Linder, Die Krankheit der Phantasie. Über Max Frisch. Zuerst in Linder, &#8222;Die Träume der Wunschmaschine&#8220;, Rowohlt das neue buch, Reinbek 1981. Später in: Linder, &#8222;Noten an den Rand des Lebens&#8220;, Matthes &amp; Seitz, Berlin 2011, darin S. 147 &#8211; 199.</p>
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		<title>
		Von: Sieglinde Geisel		</title>
		<link>https://tell-review.de/montauk-revisited/#comment-708</link>

		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 May 2017 08:01:58 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/montauk-revisited/#comment-707&quot;&gt;Herwig Finkeldey&lt;/a&gt;.

Literatur will eine Geschichte GUT erzählen, sie will Wirklichkeit nicht wiedergeben, sondern gestalten, deuten. Ob die Deutung dann &quot;wahr&quot; etc. ist, entscheidet der Betrachter. Das ungefiltert Authentische ist künstlerisch einfach uninteressant.
Kunst ist mehr als Leben. Um noch einmal Max Frisch zu zitieren: &quot;Kunst als solche ist transzendent.&quot;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/montauk-revisited/#comment-707">Herwig Finkeldey</a>.</p>
<p>Literatur will eine Geschichte GUT erzählen, sie will Wirklichkeit nicht wiedergeben, sondern gestalten, deuten. Ob die Deutung dann &#8222;wahr&#8220; etc. ist, entscheidet der Betrachter. Das ungefiltert Authentische ist künstlerisch einfach uninteressant.<br />
Kunst ist mehr als Leben. Um noch einmal Max Frisch zu zitieren: &#8222;Kunst als solche ist transzendent.&#8220;</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Herwig Finkeldey		</title>
		<link>https://tell-review.de/montauk-revisited/#comment-707</link>

		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 May 2017 07:21:50 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/montauk-revisited/#comment-706&quot;&gt;Sieglinde Geisel&lt;/a&gt;.

Kann die von Reinhard Matern herausgearbeitete, moralische Kategorie, die für betroffen und aufrichtig gilt, auch für &quot;authentisch&quot; i.S. von echt unterstellt werden? In dem Sinn, dass der Authentische nicht lügt beispielsweise?

Gute Literatur hingegen lügt ja oft. Da wäre dann die Bruchkante zur Authentizität. Aber das ist von mir gänzlich improvisiert.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/montauk-revisited/#comment-706">Sieglinde Geisel</a>.</p>
<p>Kann die von Reinhard Matern herausgearbeitete, moralische Kategorie, die für betroffen und aufrichtig gilt, auch für &#8222;authentisch&#8220; i.S. von echt unterstellt werden? In dem Sinn, dass der Authentische nicht lügt beispielsweise?</p>
<p>Gute Literatur hingegen lügt ja oft. Da wäre dann die Bruchkante zur Authentizität. Aber das ist von mir gänzlich improvisiert.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Sieglinde Geisel		</title>
		<link>https://tell-review.de/montauk-revisited/#comment-706</link>

		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 May 2017 06:46:11 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Spannend finde ich Reinhard Materns Feststellung, dass &quot;aufrichtig&quot; eine moralische Bedeutung hat (das gilt ja auch für &quot;Betroffenheit&quot;: Wer betroffen ist, ist nicht kalt...). Damit fällt es als ästhetisches Kriterium erst einmal aus. Und doch gibt es in der aktuellen Literaturkritik eine Argumentationsschlaufe, die genau dies tut: Ein Werk, das &quot;schonungslos offen&quot; ist, gilt als gelungen oder zumindest relevant. Wir wollen wissen, wie es &quot;wirklich&quot; ist, über die Literatur Zugang zum &quot;wahren Leben&quot; erhalten - und nehmen dabei auch in Kauf, dass es vielleicht nicht so toll geschrieben ist, ja nicht einmal so toll geschrieben sein DARF, denn wer feilt, verfälscht das wahre, rohe, unmittelbare Leben. Kunst ist eben gerade nicht Leben..., sondern was? Etwas, das darüber hinausgeht, dem wahrenrohenunmittelbaren Leben etwas hinzufügt. Dieses mit Sinn versieht?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Spannend finde ich Reinhard Materns Feststellung, dass &#8222;aufrichtig&#8220; eine moralische Bedeutung hat (das gilt ja auch für &#8222;Betroffenheit&#8220;: Wer betroffen ist, ist nicht kalt&#8230;). Damit fällt es als ästhetisches Kriterium erst einmal aus. Und doch gibt es in der aktuellen Literaturkritik eine Argumentationsschlaufe, die genau dies tut: Ein Werk, das &#8222;schonungslos offen&#8220; ist, gilt als gelungen oder zumindest relevant. Wir wollen wissen, wie es &#8222;wirklich&#8220; ist, über die Literatur Zugang zum &#8222;wahren Leben&#8220; erhalten &#8211; und nehmen dabei auch in Kauf, dass es vielleicht nicht so toll geschrieben ist, ja nicht einmal so toll geschrieben sein DARF, denn wer feilt, verfälscht das wahre, rohe, unmittelbare Leben. Kunst ist eben gerade nicht Leben&#8230;, sondern was? Etwas, das darüber hinausgeht, dem wahrenrohenunmittelbaren Leben etwas hinzufügt. Dieses mit Sinn versieht?</p>
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		<title>
		Von: Herwig Finkeldey		</title>
		<link>https://tell-review.de/montauk-revisited/#comment-705</link>

		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 May 2017 06:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Frisch &quot;Montauk&quot; schrieb, war der Begriff Authentizität noch nicht so aufgeladen wie heute, spielte in der Literaturrezeption keine große Rolle. Heute wird ja gerade autobiographischem Schreiben in der ersten Singular häufig dieses Etikett gegeben. Und zwar lobend, positiv.
 
Das damalige Äquivalent war Betroffenheit und Frisch selbst hat Volker Hages Frage nach den Gründen für seinen Erfolg so beantwortet: &quot;Vielleicht so: Die meisten Sachen, die ich gemacht habe, sind verbunden mit einer eigenen Betroffenheit.&quot; (rowohlts monografie 321, p125) Würde er heute &quot;Authentizität&quot; setzen? Ist &quot;Montauk&quot; also Vorläufer dieser gegenwärtigen, autobiographischen, &quot;authentisch&quot; genannten Literatur? Und eine Frage noch zuletzt: Betroffenheit ist ja nun schon lange aus der Mode, die ursprüngliche positive Konnotation hat sich nachgerade in sein Gegenetil verkehrt. Wird &quot;Authentizität&quot; ein ähnliches Schicksal erleiden?

Das waren so Fragen, die die Redaktion umtrieb und die zu einer fruchtbaren, internen Diskussion führte. Die interessanten Einwände/Ergänzungen unser Leser Reinhard Matern und Victor Rancour spiegeln diese Diskussion ja wider. Und sie zeigen, dass es für diese Diskussion offenkundig Bedarf gibt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Frisch &#8222;Montauk&#8220; schrieb, war der Begriff Authentizität noch nicht so aufgeladen wie heute, spielte in der Literaturrezeption keine große Rolle. Heute wird ja gerade autobiographischem Schreiben in der ersten Singular häufig dieses Etikett gegeben. Und zwar lobend, positiv.</p>
<p>Das damalige Äquivalent war Betroffenheit und Frisch selbst hat Volker Hages Frage nach den Gründen für seinen Erfolg so beantwortet: &#8222;Vielleicht so: Die meisten Sachen, die ich gemacht habe, sind verbunden mit einer eigenen Betroffenheit.&#8220; (rowohlts monografie 321, p125) Würde er heute &#8222;Authentizität&#8220; setzen? Ist &#8222;Montauk&#8220; also Vorläufer dieser gegenwärtigen, autobiographischen, &#8222;authentisch&#8220; genannten Literatur? Und eine Frage noch zuletzt: Betroffenheit ist ja nun schon lange aus der Mode, die ursprüngliche positive Konnotation hat sich nachgerade in sein Gegenetil verkehrt. Wird &#8222;Authentizität&#8220; ein ähnliches Schicksal erleiden?</p>
<p>Das waren so Fragen, die die Redaktion umtrieb und die zu einer fruchtbaren, internen Diskussion führte. Die interessanten Einwände/Ergänzungen unser Leser Reinhard Matern und Victor Rancour spiegeln diese Diskussion ja wider. Und sie zeigen, dass es für diese Diskussion offenkundig Bedarf gibt.</p>
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		<title>
		Von: Lars Hartmann		</title>
		<link>https://tell-review.de/montauk-revisited/#comment-704</link>

		<dc:creator><![CDATA[Lars Hartmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 May 2017 13:14:49 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Ich stimme einerseits Victor Rancour zu. Andererseits geht es in diesem &lt;em&gt;tell&lt;/em&gt;-Text weniger um die Verteidigung dieses Begriffes, sondern um dessen Sichtung. Zudem bezieht sich dieser Beitrag (implizit) auf andere Debatten, wo der Begriff des Authentischen in der Sicht aufs Werk eine Rolle spielt – unabhängig davon, ob dieser Begriff für die Ästhetik nun brauchbar ist oder nicht. Stichworte seien hier die Texte von Knausgard und letztes Jahr das Buch von Thomas Melle. Im Herbst 2016 bezog sich Richard Kämmerlings in der „Welt“ mit seinem Artikel „&lt;a href=&quot;https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article158350626/In-welche-Richtung-will-die-Gegenwartsliteratur.html&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;nofollow&quot;&gt;In welche Richtung will die Gegenwartsliteratur&lt;/a&gt;?“ auf diese Form des authentischen bzw. autobiographischen Schreibens. Ebenso Anfang des Jahres Peter Praschls Plädoyer fürs Autobiographische: „Warum mich Romane heute nur noch langweilen“. In der FAZ antwortete darauf Jan Wiele, wie auch auf &lt;i&gt;tell&lt;/i&gt; Samuel Hamen. (http://tell-review.de/die-neue-ego-literatur/) 

Auch ich halte den Begriff „authentisch“ für unglücklich, wie man meinem Statement entnehmen kann. An diesem Begriff ist nicht viel zu retten. Allenfalls kann man ihn übersetzen oder anders buchstabieren. Wenn man es mit Habermas‘ Ausdifferenzierung der Geltungssphären machen möchte, kann man von ästhetischer Wahrhaftigkeit bzw. von ästhetischer Expressivität sprechen. D.h. einem Kunstwerk inhäriert zum einen Ausdrucksqualität, zum anderen sollte ein gelungenes Kunstwerk ästhetisch stimmig sein. Auch dies freilich sind Allgemeinbegriffe und da befinden wir uns schon wieder in der Aporie, wie wir es beim Authentischen bereits hatten: Die moderne Kunst setzt keine Normen mehr voraus, es ist die Gattungs- oder Regelpoetik obsolet geworden. Insofern können sich Begriffe der Kunsttheorie wie auch der Kunstkritik nur aus der immanenten Sichtung und Analyse des Werkes jeweils ergeben und nicht ex cathedra ans Werk herangetragen werden. Insofern sind im Grunde alle Begriffe, die außen ans Werk gebracht werden, unbrauchbar oder zumindest problematisch, weil sie eine Norm als verbindlich indizieren, die es lange nicht mehr ist. Eine für die Ästhetik eigentlich schwierige Situation. Wenn Adorno vom Nominalismus der Kunst der Moderne sprach, so müssen wir nolens volens auch von einem Nominalismus der Kritik sprechen. Ich formuliere es mal als Frage – ohne Fragezeichen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich stimme einerseits Victor Rancour zu. Andererseits geht es in diesem <em>tell</em>-Text weniger um die Verteidigung dieses Begriffes, sondern um dessen Sichtung. Zudem bezieht sich dieser Beitrag (implizit) auf andere Debatten, wo der Begriff des Authentischen in der Sicht aufs Werk eine Rolle spielt – unabhängig davon, ob dieser Begriff für die Ästhetik nun brauchbar ist oder nicht. Stichworte seien hier die Texte von Knausgard und letztes Jahr das Buch von Thomas Melle. Im Herbst 2016 bezog sich Richard Kämmerlings in der „Welt“ mit seinem Artikel „<a href="https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article158350626/In-welche-Richtung-will-die-Gegenwartsliteratur.html" target="_blank" rel="nofollow">In welche Richtung will die Gegenwartsliteratur</a>?“ auf diese Form des authentischen bzw. autobiographischen Schreibens. Ebenso Anfang des Jahres Peter Praschls Plädoyer fürs Autobiographische: „Warum mich Romane heute nur noch langweilen“. In der FAZ antwortete darauf Jan Wiele, wie auch auf <i>tell</i> Samuel Hamen. (<a href="http://tell-review.de/die-neue-ego-literatur/" rel="ugc">http://tell-review.de/die-neue-ego-literatur/</a>) </p>
<p>Auch ich halte den Begriff „authentisch“ für unglücklich, wie man meinem Statement entnehmen kann. An diesem Begriff ist nicht viel zu retten. Allenfalls kann man ihn übersetzen oder anders buchstabieren. Wenn man es mit Habermas‘ Ausdifferenzierung der Geltungssphären machen möchte, kann man von ästhetischer Wahrhaftigkeit bzw. von ästhetischer Expressivität sprechen. D.h. einem Kunstwerk inhäriert zum einen Ausdrucksqualität, zum anderen sollte ein gelungenes Kunstwerk ästhetisch stimmig sein. Auch dies freilich sind Allgemeinbegriffe und da befinden wir uns schon wieder in der Aporie, wie wir es beim Authentischen bereits hatten: Die moderne Kunst setzt keine Normen mehr voraus, es ist die Gattungs- oder Regelpoetik obsolet geworden. Insofern können sich Begriffe der Kunsttheorie wie auch der Kunstkritik nur aus der immanenten Sichtung und Analyse des Werkes jeweils ergeben und nicht ex cathedra ans Werk herangetragen werden. Insofern sind im Grunde alle Begriffe, die außen ans Werk gebracht werden, unbrauchbar oder zumindest problematisch, weil sie eine Norm als verbindlich indizieren, die es lange nicht mehr ist. Eine für die Ästhetik eigentlich schwierige Situation. Wenn Adorno vom Nominalismus der Kunst der Moderne sprach, so müssen wir nolens volens auch von einem Nominalismus der Kritik sprechen. Ich formuliere es mal als Frage – ohne Fragezeichen.</p>
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		<item>
		<title>
		Von: Victor Rancour		</title>
		<link>https://tell-review.de/montauk-revisited/#comment-703</link>

		<dc:creator><![CDATA[Victor Rancour]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 May 2017 09:42:45 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Dass &quot;Authentizität&quot; überhaupt als Schlagwort gilt und als Kriterium an ein Kunstwerk angelegt wird, ist bereits eine Unsitte an sich. Einerseits ist das Werk eines Schriftstellers, Bildhauers oder Malers immer ein Akt der Verfremdung, der Überzeichnung und des Schliffs, welcher im Idealfall den Ansprüchen des Künstlers an sein Werk gerecht wird. Der Begriff der &quot;Authentizität&quot; suggeriert eine Objektivität, die einem zeitgemäßen Kunstverständnis, in dem Produktion und Rezeption des Werkes inhärent subjektive Erfahrungen darstellen, zuwider läuft. Es ist ein Schlagwort, aber doch weich wie ein Schwamm, der sich mit unterschiedlichen Inhalten vollsaugen kann - je nachdem, wer ihn gerade in der Hand hält und in welche Flüssigkeit er getunkt wird. Ist Authentizität nun durch die möglichst detailgetreue Schilderung realer Ereignisse gewährleistet, auch wenn die geschilderte Realität von Rezipienten als unglaubwürdig wahrgenommen wird? Oder ist es möglich, dass ein frei erfundenes Stück authentisch ist, weil es sich für eine Mehrzahl der Leser/Betrachter als konsistent, nachvollziehbar und aufrichtig darstellt.

tl;dr: Authentizität ist als Bewertungskriterium von Kunst vollends unbrauchbar.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dass &#8222;Authentizität&#8220; überhaupt als Schlagwort gilt und als Kriterium an ein Kunstwerk angelegt wird, ist bereits eine Unsitte an sich. Einerseits ist das Werk eines Schriftstellers, Bildhauers oder Malers immer ein Akt der Verfremdung, der Überzeichnung und des Schliffs, welcher im Idealfall den Ansprüchen des Künstlers an sein Werk gerecht wird. Der Begriff der &#8222;Authentizität&#8220; suggeriert eine Objektivität, die einem zeitgemäßen Kunstverständnis, in dem Produktion und Rezeption des Werkes inhärent subjektive Erfahrungen darstellen, zuwider läuft. Es ist ein Schlagwort, aber doch weich wie ein Schwamm, der sich mit unterschiedlichen Inhalten vollsaugen kann &#8211; je nachdem, wer ihn gerade in der Hand hält und in welche Flüssigkeit er getunkt wird. Ist Authentizität nun durch die möglichst detailgetreue Schilderung realer Ereignisse gewährleistet, auch wenn die geschilderte Realität von Rezipienten als unglaubwürdig wahrgenommen wird? Oder ist es möglich, dass ein frei erfundenes Stück authentisch ist, weil es sich für eine Mehrzahl der Leser/Betrachter als konsistent, nachvollziehbar und aufrichtig darstellt.</p>
<p>tl;dr: Authentizität ist als Bewertungskriterium von Kunst vollends unbrauchbar.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Reinhard Matern		</title>
		<link>https://tell-review.de/montauk-revisited/#comment-702</link>

		<dc:creator><![CDATA[Reinhard Matern]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 May 2017 15:01:26 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=10008#comment-702</guid>

					<description><![CDATA[Ich verstehe die Diskussion nicht. Die von Frisch durch Montaigne (Zitat) in Anspruch genommene Aufrichtigkeit, vorsichtig übertragen zu: &#039;nicht zu lügen&#039;, hat doch mit Authentizität nichts zu tun, die eventuell mit &#039;Echtheit&#039; Kontur gewinnen könnte. Es handelt sich um völlig verschiedene Fälle! Aufrichtigkeit ließe Spielräume zu, Echtheit ließe fragen, ob ein Nachbar dies und jenes tatsächlich gesagt hat ... &#039;Aufrichtig&#039; ist ein moralisches Wort, das in Bezug auf Literatur ebenso verfehlt wäre, wie &#039;authentisch&#039;, das eventuell in Bezug auf journalistische Darstellungen von Ereignissen nutzbar sein könnte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich verstehe die Diskussion nicht. Die von Frisch durch Montaigne (Zitat) in Anspruch genommene Aufrichtigkeit, vorsichtig übertragen zu: &#8217;nicht zu lügen&#8216;, hat doch mit Authentizität nichts zu tun, die eventuell mit &#8218;Echtheit&#8216; Kontur gewinnen könnte. Es handelt sich um völlig verschiedene Fälle! Aufrichtigkeit ließe Spielräume zu, Echtheit ließe fragen, ob ein Nachbar dies und jenes tatsächlich gesagt hat &#8230; &#8218;Aufrichtig&#8216; ist ein moralisches Wort, das in Bezug auf Literatur ebenso verfehlt wäre, wie &#8218;authentisch&#8216;, das eventuell in Bezug auf journalistische Darstellungen von Ereignissen nutzbar sein könnte.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
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