<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	
	>
<channel>
	<title>
	Kommentare zu: Lesen ohne Ansehen der Person	</title>
	<atom:link href="https://tell-review.de/lesen-ohne-ansehen-der-person/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://tell-review.de/lesen-ohne-ansehen-der-person/</link>
	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
	<lastBuildDate>Wed, 28 Aug 2024 07:58:07 +0000</lastBuildDate>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	
	<item>
		<title>
		Von: Sieglinde Geisel		</title>
		<link>https://tell-review.de/lesen-ohne-ansehen-der-person/#comment-35482</link>

		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Aug 2024 07:58:07 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://tell-review.de/?p=119197#comment-35482</guid>

					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/lesen-ohne-ansehen-der-person/#comment-35479&quot;&gt;Thorn Kray&lt;/a&gt;.

Danke für diese Überlegungen, die ich alle unterschreiben würde. Welche Bücher jeweils nach oben gespült werden, ist für mich oft ein Mysterium, sei es als Bestseller oder bei Literaturpreisen.
Der Artikel von Elle Griffin ist Gold wert, danke auch für diesen Hinweis. Hier noch der Link: https://www.elysian.press/p/no-one-buys-books]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/lesen-ohne-ansehen-der-person/#comment-35479">Thorn Kray</a>.</p>
<p>Danke für diese Überlegungen, die ich alle unterschreiben würde. Welche Bücher jeweils nach oben gespült werden, ist für mich oft ein Mysterium, sei es als Bestseller oder bei Literaturpreisen.<br />
Der Artikel von Elle Griffin ist Gold wert, danke auch für diesen Hinweis. Hier noch der Link: <a href="https://www.elysian.press/p/no-one-buys-books" rel="nofollow ugc">https://www.elysian.press/p/no-one-buys-books</a></p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Thorn Kray		</title>
		<link>https://tell-review.de/lesen-ohne-ansehen-der-person/#comment-35479</link>

		<dc:creator><![CDATA[Thorn Kray]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Aug 2024 07:03:56 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://tell-review.de/?p=119197#comment-35479</guid>

					<description><![CDATA[Wer hat, dem wird gegeben, heißt es in Matthäus 25:29. In der Sozialpsychologie nennt man es auch „social proof“ – wir vertrauen dem Urteil, das andere vor uns getroffen haben. Unsere Entscheidungen sind „pfadabhängig“, wie die kognitiven Neurowissenschaften sagen würden. Selbst die Juristerei spricht man von „Präzedenz“-Fällen. 
„When in doubt, follow the crowd“.
Von diesem uralten Prinzip scheint die Literatur genauso wenig frei zu sein, wie der Rest der Welt. Soll es da irgendwen wundern, wenn die Etablierten, bereits Ausgezeichneten die Shortlist besetzen? 
Einer Nebenbemerkung in Ihrem Essay, liebe Frau Geisel, schenken Sie – wie auch die anderen, ja schon arrivierten Kommentatoren –  m. E. zu wenig Beachtung: „Die Stunde der Nobodys“? Als jemand, der selbst dieser gigantisch großen Gruppe gehört, kann ich den blind lesenden Jurys des Landes nur zurufen: more power to you! Denn diese (Markt-)Macht, bedingt durch Aufmerksamkeit, ist dringend, ja Leben-und-Tod-dringend notwendig. 
Hier mein Argument: Erschaudern Sie, wie ich es getan habe, im Angesicht der Zahlen. 
In dem vor nicht allzu langer Zeit geführten Prozess, in dem das US Kartellamt die Fusion von Penguin Randomhouse (aka Bertelsmann) mit Simon&#038;Schuster verbot, wurden diese geheim gehaltenen Raritäten gerichtlich, d.h.  öffentlich dokumentiert. Die CEO von Penguin, Madeline Macintosh, sagte dort aus. 
Elle Griffin hat in ihrem absolut lesenswerten Artikel „No one buys books. Everything we learned about the publishing industry from Penguin vs. DOJ” eines der Ergebnisse so zusammengefasst: 
“The DOJ’s lawyer collected data on 58,000 titles published in a year and discovered that 90 percent of them sold fewer than 2,000 copies and 50 percent sold less than a dozen copies.”
28.000 rezenter Neuerscheinungen in den USA verkauften (Referenzjahr vergessen) weniger als ein Dutzend Exemplare! Weniger als 12, Himmel Herr Gott!
Ich weiß nicht, ob ich darüber weinen oder lachen soll. Fest steht jedenfalls: Wenn Preise nur an die Arrivierten, die  Etablierten vergeben werden, verstärkt das jene Todesspirale des Buchmarktes insgesamt, in dem die Winner-Take-All-Logik alles beherrscht. 
Also bitte: Anonymisieren Sie die Jurys! Dass es keine objektiven Kriterien gibt, bedeutet ja nicht, man sollte Persönlichkeit/sozio-demographischen Merkmale des Autors auch noch in den Pot werfen. Oder, wie uns ein unbekannter Philosoph zuruft: Nur weil ein OP niemals absolut keimfrei sein kann, müssen wir ihn ja nicht gleich auf eine Müllkippe verlegen.
Im Gegensatz zu Ihnen habe ich nie in einer Jury gesessen. Keines meiner Bücher ist in einem Verlag erschienen (was sich hoffentlich bald ändern wird). Damn, ich habe noch nicht mal ne Lit-Agentur (noch nicht)! Und wie mir geht es 97% aller Schreibenden. 
Nur recht und billig wäre es daher, uns, den Underdogs, den Ungelesenen, dem Lumpenproletariat des Literaturbetriebes, wenigstens diese kleine Chance einzuräumen und unsere Texte nicht durch die Tatsache zu belasten, dass uns kein Schwein kennt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer hat, dem wird gegeben, heißt es in Matthäus 25:29. In der Sozialpsychologie nennt man es auch „social proof“ – wir vertrauen dem Urteil, das andere vor uns getroffen haben. Unsere Entscheidungen sind „pfadabhängig“, wie die kognitiven Neurowissenschaften sagen würden. Selbst die Juristerei spricht man von „Präzedenz“-Fällen.<br />
„When in doubt, follow the crowd“.<br />
Von diesem uralten Prinzip scheint die Literatur genauso wenig frei zu sein, wie der Rest der Welt. Soll es da irgendwen wundern, wenn die Etablierten, bereits Ausgezeichneten die Shortlist besetzen?<br />
Einer Nebenbemerkung in Ihrem Essay, liebe Frau Geisel, schenken Sie – wie auch die anderen, ja schon arrivierten Kommentatoren –  m. E. zu wenig Beachtung: „Die Stunde der Nobodys“? Als jemand, der selbst dieser gigantisch großen Gruppe gehört, kann ich den blind lesenden Jurys des Landes nur zurufen: more power to you! Denn diese (Markt-)Macht, bedingt durch Aufmerksamkeit, ist dringend, ja Leben-und-Tod-dringend notwendig.<br />
Hier mein Argument: Erschaudern Sie, wie ich es getan habe, im Angesicht der Zahlen.<br />
In dem vor nicht allzu langer Zeit geführten Prozess, in dem das US Kartellamt die Fusion von Penguin Randomhouse (aka Bertelsmann) mit Simon&amp;Schuster verbot, wurden diese geheim gehaltenen Raritäten gerichtlich, d.h.  öffentlich dokumentiert. Die CEO von Penguin, Madeline Macintosh, sagte dort aus.<br />
Elle Griffin hat in ihrem absolut lesenswerten Artikel „No one buys books. Everything we learned about the publishing industry from Penguin vs. DOJ” eines der Ergebnisse so zusammengefasst:<br />
“The DOJ’s lawyer collected data on 58,000 titles published in a year and discovered that 90 percent of them sold fewer than 2,000 copies and 50 percent sold less than a dozen copies.”<br />
28.000 rezenter Neuerscheinungen in den USA verkauften (Referenzjahr vergessen) weniger als ein Dutzend Exemplare! Weniger als 12, Himmel Herr Gott!<br />
Ich weiß nicht, ob ich darüber weinen oder lachen soll. Fest steht jedenfalls: Wenn Preise nur an die Arrivierten, die  Etablierten vergeben werden, verstärkt das jene Todesspirale des Buchmarktes insgesamt, in dem die Winner-Take-All-Logik alles beherrscht.<br />
Also bitte: Anonymisieren Sie die Jurys! Dass es keine objektiven Kriterien gibt, bedeutet ja nicht, man sollte Persönlichkeit/sozio-demographischen Merkmale des Autors auch noch in den Pot werfen. Oder, wie uns ein unbekannter Philosoph zuruft: Nur weil ein OP niemals absolut keimfrei sein kann, müssen wir ihn ja nicht gleich auf eine Müllkippe verlegen.<br />
Im Gegensatz zu Ihnen habe ich nie in einer Jury gesessen. Keines meiner Bücher ist in einem Verlag erschienen (was sich hoffentlich bald ändern wird). Damn, ich habe noch nicht mal ne Lit-Agentur (noch nicht)! Und wie mir geht es 97% aller Schreibenden.<br />
Nur recht und billig wäre es daher, uns, den Underdogs, den Ungelesenen, dem Lumpenproletariat des Literaturbetriebes, wenigstens diese kleine Chance einzuräumen und unsere Texte nicht durch die Tatsache zu belasten, dass uns kein Schwein kennt.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Sieglinde Geisel		</title>
		<link>https://tell-review.de/lesen-ohne-ansehen-der-person/#comment-33599</link>

		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Jul 2024 15:53:00 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://tell-review.de/?p=119197#comment-33599</guid>

					<description><![CDATA[Der Preis des HKW ist nicht für außereuropäische Autor:innen reserviert, sondern für internationale Literatur. Und die Kritik von Othman und Liebert hatte damit nichts zu tun.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Preis des HKW ist nicht für außereuropäische Autor:innen reserviert, sondern für internationale Literatur. Und die Kritik von Othman und Liebert hatte damit nichts zu tun.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Noah T		</title>
		<link>https://tell-review.de/lesen-ohne-ansehen-der-person/#comment-33565</link>

		<dc:creator><![CDATA[Noah T]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Jul 2024 19:15:39 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://tell-review.de/?p=119197#comment-33565</guid>

					<description><![CDATA[ich finde, eine Jury soll aus einer Gruppe von Texten in einem kollektiven Urteilsfinden den suchen, der mehrheitsfaehig ist; wenn die besten Pommes gesucht sind, soll dann bei der gleichen Gelegenheit von der gleichen Jury ein Michelin-Stern vergeben werden? Der Preis des HKW geht an aussereuropaeische AutorInnen. Othman und Liebert scheinen vorzuschlagen, diese Tradition des HKW-Preises zu ignorieren, oder?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>ich finde, eine Jury soll aus einer Gruppe von Texten in einem kollektiven Urteilsfinden den suchen, der mehrheitsfaehig ist; wenn die besten Pommes gesucht sind, soll dann bei der gleichen Gelegenheit von der gleichen Jury ein Michelin-Stern vergeben werden? Der Preis des HKW geht an aussereuropaeische AutorInnen. Othman und Liebert scheinen vorzuschlagen, diese Tradition des HKW-Preises zu ignorieren, oder?</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Elke Heinemann		</title>
		<link>https://tell-review.de/lesen-ohne-ansehen-der-person/#comment-32575</link>

		<dc:creator><![CDATA[Elke Heinemann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 May 2024 20:31:09 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://tell-review.de/?p=119197#comment-32575</guid>

					<description><![CDATA[PS: Ich möchte hinzufügen, dass die Relevanz der meisten Preise für Werdegang und Wirkung der ausgezeichnten AutorInnen zeitlebens und posthum meist überschätzt wird. Unter den Wettbewerben ist der erste Preis in Klagenfurt eine der wenigen Auszeichnungen, wenn nicht sogar die einzige Auszeichnung, die den Start einer literarischen Karriere im deutschsprachigen Raum enorm begünstigen kann. Aber schon heute sind viele der ehemaligen PreisträgerInnen komplett vergessen. Die wenigen und immer weniger werdenden Würdigungspreise gehen an die, die es weiter gebracht haben. Ob von ihnen in 100, in 50, in 20 oder in 10 Jahren noch die Rede ist und ob zu Recht oder zu Unrecht - who knows.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>PS: Ich möchte hinzufügen, dass die Relevanz der meisten Preise für Werdegang und Wirkung der ausgezeichnten AutorInnen zeitlebens und posthum meist überschätzt wird. Unter den Wettbewerben ist der erste Preis in Klagenfurt eine der wenigen Auszeichnungen, wenn nicht sogar die einzige Auszeichnung, die den Start einer literarischen Karriere im deutschsprachigen Raum enorm begünstigen kann. Aber schon heute sind viele der ehemaligen PreisträgerInnen komplett vergessen. Die wenigen und immer weniger werdenden Würdigungspreise gehen an die, die es weiter gebracht haben. Ob von ihnen in 100, in 50, in 20 oder in 10 Jahren noch die Rede ist und ob zu Recht oder zu Unrecht &#8211; who knows.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Elke Heinemann		</title>
		<link>https://tell-review.de/lesen-ohne-ansehen-der-person/#comment-32569</link>

		<dc:creator><![CDATA[Elke Heinemann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 May 2024 16:10:16 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://tell-review.de/?p=119197#comment-32569</guid>

					<description><![CDATA[Liebe Sieglinde, 

ich habe den Beitrag in der Zeit auch gelesen und fand ihn wie du bemerkenswert. Am wichtigsten ist mir dabei folgender Aspekt: Natürlich unterliegt der Literaturmarkt - wie wir alle - modischen und moralischen Tendenzen. Und genau davon ist in dem Zeit-Aufsatz im Kern die Rede. Das hat in der Tat nicht unbedingt etwas mit der Qualität von Texten zu tun. Aber allein die Frage, was die Qualität eines Textes objektiv ausmacht, konnte meines Wissens bis heute nicht befriedigend beantwortet werden. Deshalb ist deine Haltung meiner Ansicht nach realitätsfern. Ein Text setzt sich selten aufgrund seiner Qualität durch. Was für dich qualitativ hochwertig ist, lehnen andere komplett ab. Bei der Entscheidung für oder gegen einen Text spielen in Jurys, Verlagen etc. immer auch andere Gründe mit - wie bewußt oder unbewußt das geschieht, sei dahingestellt. Jurymitglieder treffen Absprachen, denn ein einhelliges Urteil wird selten gefällt. Das ist meine persönliche Erfahrung, denn auch ich war an Jurys beteiligt, die entweder nicht öffentlich - also mit deinen Worten &quot;opak&quot; - oder aber  öffentlich tagten, so dass der Entscheidungsprozess gar nicht geheim bleiben konnte. Dass da die einen den anderen nachhaltig geschadet haben, glaube ich ehrlich gesagt nicht. Es gab meiner Erfahrung nach keinen &quot;Kuhhandel&quot;, aber man musste sich ja schlichtweg einigen. Wenn ich also in der Jury-Diskussion als Jurorin feststelle, dass meine Kandidatin eher Chancen auf Platz 2 hat als auf Platz 1, dann werde ich doch nicht den Entscheidungsprozess komplett blockieren, indem ich bockig auf der 1er-Qualität meiner Kandidatin beharre. Alles ist relativ. Daher: Was in 50 Jahren noch gelesen wird, werden wir beide nicht mehr erfahren. Auch nicht, was in 100 Jahren noch gelesen wird, nachdem es 50 Jahre zuvor ignoriert oder gefeiert wurde. So manche Texte von Qualität wären nie ohne wirkungsmächtige FürsprecherInnen Teil des literarischen Kanons geworden - Ulysses beispielsweise oder der größte Teil von Kafkas Schriften. So manche Texte, die gestern verworfen wurden, sind heute Teil des Kanons, obwohl ihre Qualität nach wir vor umstritten ist - Ezra Pounds Cantos beispielsweise. Fräuleinwunder hat es in der deutschsprachigen Literatur im Abstand von rund 50 Jahren zweimal im 20. Jahrhundert gegeben. Sind die Werke von Ingeborg Bachmann, von Judith Hermann deshalb von hoher Qualität oder eher schlecht? Warum wird Céline, der misogyne Faschist und Antisemit, nach wie vor hochgelobt? Wegen der Qualität seiner Texte? Oder gibt es dafür noch andere Gründe? Vielleicht gibt es Texte von ähnlicher Qualität wie Célines Texte, die gleichwohl nicht erfolgreich sind, nicht Teil des Kanons wurden, vielleicht sogar unveröffentlicht blieben. Und vielleicht könnte man, vielleicht sollte man sogar die außerliterarischen Komponenten von Literatur im Lichte solcher Beispiele nochmal überdenken. Ich danke dir für deinen Beitrag mit diesen Assoziationen, die vielleicht Denkanstöße sind, und grüße dich herzlich, Elke]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Sieglinde, </p>
<p>ich habe den Beitrag in der Zeit auch gelesen und fand ihn wie du bemerkenswert. Am wichtigsten ist mir dabei folgender Aspekt: Natürlich unterliegt der Literaturmarkt &#8211; wie wir alle &#8211; modischen und moralischen Tendenzen. Und genau davon ist in dem Zeit-Aufsatz im Kern die Rede. Das hat in der Tat nicht unbedingt etwas mit der Qualität von Texten zu tun. Aber allein die Frage, was die Qualität eines Textes objektiv ausmacht, konnte meines Wissens bis heute nicht befriedigend beantwortet werden. Deshalb ist deine Haltung meiner Ansicht nach realitätsfern. Ein Text setzt sich selten aufgrund seiner Qualität durch. Was für dich qualitativ hochwertig ist, lehnen andere komplett ab. Bei der Entscheidung für oder gegen einen Text spielen in Jurys, Verlagen etc. immer auch andere Gründe mit &#8211; wie bewußt oder unbewußt das geschieht, sei dahingestellt. Jurymitglieder treffen Absprachen, denn ein einhelliges Urteil wird selten gefällt. Das ist meine persönliche Erfahrung, denn auch ich war an Jurys beteiligt, die entweder nicht öffentlich &#8211; also mit deinen Worten &#8222;opak&#8220; &#8211; oder aber  öffentlich tagten, so dass der Entscheidungsprozess gar nicht geheim bleiben konnte. Dass da die einen den anderen nachhaltig geschadet haben, glaube ich ehrlich gesagt nicht. Es gab meiner Erfahrung nach keinen &#8222;Kuhhandel&#8220;, aber man musste sich ja schlichtweg einigen. Wenn ich also in der Jury-Diskussion als Jurorin feststelle, dass meine Kandidatin eher Chancen auf Platz 2 hat als auf Platz 1, dann werde ich doch nicht den Entscheidungsprozess komplett blockieren, indem ich bockig auf der 1er-Qualität meiner Kandidatin beharre. Alles ist relativ. Daher: Was in 50 Jahren noch gelesen wird, werden wir beide nicht mehr erfahren. Auch nicht, was in 100 Jahren noch gelesen wird, nachdem es 50 Jahre zuvor ignoriert oder gefeiert wurde. So manche Texte von Qualität wären nie ohne wirkungsmächtige FürsprecherInnen Teil des literarischen Kanons geworden &#8211; Ulysses beispielsweise oder der größte Teil von Kafkas Schriften. So manche Texte, die gestern verworfen wurden, sind heute Teil des Kanons, obwohl ihre Qualität nach wir vor umstritten ist &#8211; Ezra Pounds Cantos beispielsweise. Fräuleinwunder hat es in der deutschsprachigen Literatur im Abstand von rund 50 Jahren zweimal im 20. Jahrhundert gegeben. Sind die Werke von Ingeborg Bachmann, von Judith Hermann deshalb von hoher Qualität oder eher schlecht? Warum wird Céline, der misogyne Faschist und Antisemit, nach wie vor hochgelobt? Wegen der Qualität seiner Texte? Oder gibt es dafür noch andere Gründe? Vielleicht gibt es Texte von ähnlicher Qualität wie Célines Texte, die gleichwohl nicht erfolgreich sind, nicht Teil des Kanons wurden, vielleicht sogar unveröffentlicht blieben. Und vielleicht könnte man, vielleicht sollte man sogar die außerliterarischen Komponenten von Literatur im Lichte solcher Beispiele nochmal überdenken. Ich danke dir für deinen Beitrag mit diesen Assoziationen, die vielleicht Denkanstöße sind, und grüße dich herzlich, Elke</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Sieglinde Geisel		</title>
		<link>https://tell-review.de/lesen-ohne-ansehen-der-person/#comment-32567</link>

		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 May 2024 14:07:11 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://tell-review.de/?p=119197#comment-32567</guid>

					<description><![CDATA[Die Wahl von Jury-Mitgliedern ist natürlich der Ur-Akt der ganzen Sache. Wie Sie hoffe ich auch da auf den Zufall. Zumal es so gar nichts Zwangsläufiges gibt: Jede Jury würde anders entscheiden, da bin ich mir inzwischen sicher.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Wahl von Jury-Mitgliedern ist natürlich der Ur-Akt der ganzen Sache. Wie Sie hoffe ich auch da auf den Zufall. Zumal es so gar nichts Zwangsläufiges gibt: Jede Jury würde anders entscheiden, da bin ich mir inzwischen sicher.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Sieglinde Geisel		</title>
		<link>https://tell-review.de/lesen-ohne-ansehen-der-person/#comment-32566</link>

		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 May 2024 14:06:01 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://tell-review.de/?p=119197#comment-32566</guid>

					<description><![CDATA[Sie bringen einige blinde Flecken der Debatte auf den Punkt, vielen Dank Herr Schütte. Allerdings war ich bei meinen bisherigen Jury-Einsätzen offenbar mit besonders integren Jurymitgliedern gesegnet. Einen Kuhhandel &quot;ich stimme für deinen Kandidaten, wenn du für meinen stimmst&quot; habe ich bisher nie erlebt. Sehr wohl dagegen das manchmal schmerzhafte Ringen bei Dilemmata, auch die Frustration, bei der Abstimmung am Ende zu unterliegen (obwohl man doch soooooo recht hatte...!). 
Und was ich auch kenne, ist die Erschöpfung nach zu vielen Stunden des Diskutierens. Pausen machen und das Hirn auslüften ist mindestens so wichtig für eine gute Entscheidung, Stichwort decision fatigue.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sie bringen einige blinde Flecken der Debatte auf den Punkt, vielen Dank Herr Schütte. Allerdings war ich bei meinen bisherigen Jury-Einsätzen offenbar mit besonders integren Jurymitgliedern gesegnet. Einen Kuhhandel &#8222;ich stimme für deinen Kandidaten, wenn du für meinen stimmst&#8220; habe ich bisher nie erlebt. Sehr wohl dagegen das manchmal schmerzhafte Ringen bei Dilemmata, auch die Frustration, bei der Abstimmung am Ende zu unterliegen (obwohl man doch soooooo recht hatte&#8230;!).<br />
Und was ich auch kenne, ist die Erschöpfung nach zu vielen Stunden des Diskutierens. Pausen machen und das Hirn auslüften ist mindestens so wichtig für eine gute Entscheidung, Stichwort decision fatigue.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: wolfram schütte		</title>
		<link>https://tell-review.de/lesen-ohne-ansehen-der-person/#comment-32565</link>

		<dc:creator><![CDATA[wolfram schütte]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 May 2024 13:57:46 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://tell-review.de/?p=119197#comment-32565</guid>

					<description><![CDATA[lieber frau geisel, zur diskussion über jury-entscheidungen kann ich nur shakespeare zitieren: love´s labour´s lost.
bei allen derzeitigen überlegungen fehlt meines erachtens der alltägliche, gewöhnliche kuhhandel innerhalb der jurys (gibst du meiner option deine stimme, gebe ich auch deiner meine stimme) oder die sympathie-antipathie, bekanntschaft-feindschaft im persönlichen umgang der jury-mitglieder vor, während, nach der entscheidungsfindung. ganz zu schweigen von den erfahrungsvollen tricks einzelner kenner &#038; kennerinnen, die diskussion zu führen, bzw zu lenken, um ihr erwünschtes ziel zu erreichen. 
auch der aspekt, jurys nach gender/geschlechter-gesichtspunkten etc. zusammenzustellen, gleicht der quadratur des kreises. wo bleibt dabei die qualifikation der qualifizierenden jury-mitglieder, wenn sie doch nur oder primär aufgrund ihrer gruppenzugehörigkeit ausgewählt wurden, damit die jury personell möglichst &quot;bunt&quot; erscheint: als &quot;gerechte&quot; quotenversammung?
jurys, die über die vergabe von materiellen gütern entscheiden, sollten immer geheim bleiben.allenfalls kann öffentlich gemacht werden, mit welcher mehrheit die entscheidung gefallen ist. jeder jury-entscheidung ist eine momentane entscheidung, die fixiert wurde.
um dem deiistischen gründungsakt von jurys zu entgehen, sähe ich nur 2 möglichkeiten: in einem ersten schritt müsste (nach welchen kriterien?) ein pool möglicher jurymitglieder aus allen quotenbereichen gebildet werden. dann müssten in einem zweiten schritt die jurymitglieder nach dem zufallsprinzip (wie beim lotto) bestimmt werden. will das jemand? 
by the way: spricht auch mal jemand sowohl von dem eitelkeitsbonus, jurymitglied zu sein, als auch vom materiellen gewinn der ins kraut geschossenen  jurytätigkeiten, bei der der betrieb über die literatur wacht?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>lieber frau geisel, zur diskussion über jury-entscheidungen kann ich nur shakespeare zitieren: love´s labour´s lost.<br />
bei allen derzeitigen überlegungen fehlt meines erachtens der alltägliche, gewöhnliche kuhhandel innerhalb der jurys (gibst du meiner option deine stimme, gebe ich auch deiner meine stimme) oder die sympathie-antipathie, bekanntschaft-feindschaft im persönlichen umgang der jury-mitglieder vor, während, nach der entscheidungsfindung. ganz zu schweigen von den erfahrungsvollen tricks einzelner kenner &amp; kennerinnen, die diskussion zu führen, bzw zu lenken, um ihr erwünschtes ziel zu erreichen.<br />
auch der aspekt, jurys nach gender/geschlechter-gesichtspunkten etc. zusammenzustellen, gleicht der quadratur des kreises. wo bleibt dabei die qualifikation der qualifizierenden jury-mitglieder, wenn sie doch nur oder primär aufgrund ihrer gruppenzugehörigkeit ausgewählt wurden, damit die jury personell möglichst &#8222;bunt&#8220; erscheint: als &#8222;gerechte&#8220; quotenversammung?<br />
jurys, die über die vergabe von materiellen gütern entscheiden, sollten immer geheim bleiben.allenfalls kann öffentlich gemacht werden, mit welcher mehrheit die entscheidung gefallen ist. jeder jury-entscheidung ist eine momentane entscheidung, die fixiert wurde.<br />
um dem deiistischen gründungsakt von jurys zu entgehen, sähe ich nur 2 möglichkeiten: in einem ersten schritt müsste (nach welchen kriterien?) ein pool möglicher jurymitglieder aus allen quotenbereichen gebildet werden. dann müssten in einem zweiten schritt die jurymitglieder nach dem zufallsprinzip (wie beim lotto) bestimmt werden. will das jemand?<br />
by the way: spricht auch mal jemand sowohl von dem eitelkeitsbonus, jurymitglied zu sein, als auch vom materiellen gewinn der ins kraut geschossenen  jurytätigkeiten, bei der der betrieb über die literatur wacht?</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
	</channel>
</rss>
