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	Kommentare zu: Hundert Seiten Handke – ein P.S. zum Page-99-Test	</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
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	<item>
		<title>
		Von: joe		</title>
		<link>https://tell-review.de/hundert-seiten-handke-ein-p-s-zum-page-99-test/#comment-8513</link>

		<dc:creator><![CDATA[joe]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Mar 2020 12:39:54 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[porträt des schreibers als literarischer gigant. erzählerZautorZleser. alles einZ. diese andauernde girlanderei, die den erzählend fühlenden in die weltelite fiktiver und autofiktiver helden stellt. sowie den einfühlend lesenden. kalkül, selbstüberwältigung, ringkampf mit sprachZe. das abo-sondern/auflecken des poesiespeichels. was sind schon hänsels, gretels, hamlete, quichotten, bachfrauen und die gesämtheit aller lyrischen ichse neben, vor und hinter diesem hochwichswald meines kürwill. lost in zen. ein bemessen/erobern von situationen, momenten ob ihrer literarizität; schlachtengemälde potentiollen mackertums. kommentar eines irritierten: der schweinehund scheint alles gelesen zu haben, übersetzt alles, was vor die flinte kommt - warum dieser stil? ist das hochkomik? &quot;glotzt nicht so&quot; die kuh beim kack?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>porträt des schreibers als literarischer gigant. erzählerZautorZleser. alles einZ. diese andauernde girlanderei, die den erzählend fühlenden in die weltelite fiktiver und autofiktiver helden stellt. sowie den einfühlend lesenden. kalkül, selbstüberwältigung, ringkampf mit sprachZe. das abo-sondern/auflecken des poesiespeichels. was sind schon hänsels, gretels, hamlete, quichotten, bachfrauen und die gesämtheit aller lyrischen ichse neben, vor und hinter diesem hochwichswald meines kürwill. lost in zen. ein bemessen/erobern von situationen, momenten ob ihrer literarizität; schlachtengemälde potentiollen mackertums. kommentar eines irritierten: der schweinehund scheint alles gelesen zu haben, übersetzt alles, was vor die flinte kommt &#8211; warum dieser stil? ist das hochkomik? &#8222;glotzt nicht so&#8220; die kuh beim kack?</p>
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			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Sieglinde Geisel		</title>
		<link>https://tell-review.de/hundert-seiten-handke-ein-p-s-zum-page-99-test/#comment-6323</link>

		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 Nov 2019 12:33:39 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/hundert-seiten-handke-ein-p-s-zum-page-99-test/#comment-6314&quot;&gt;Alexandra Trencséni&lt;/a&gt;.

Liebe Alexandra Trencséni,
vielen Dank für die Fortführung Ihrer Bedenken. Vielleicht verstehe ich noch nicht ganz, was Sie mit „sensorischer“ Lektüre meinen. Ich stelle es mir so vor, dass die Wörter einen Nebel erzeugen, in dem ich mich sensorisch vorantaste, dass sie einen Duft, ein Lebensgefühl erzeugen – eben dieses „Schwebende“, von dem viele reden –, dem ich lesend nachgeben kann? Ich kenne diese Wirkung von Literatur durchaus, allerdings überzeugt mich die betreffende Literatur sehr viel mehr, wenn sie sprachlich genau ist. Ich misstraue dem absichtsvoll Ungefähren. Für mich ist Genauigkeit ein Kriterium für literarische Qualität.
Literatur ist aus Sprache gemacht, daher finde ich es nicht nur legitim, sondern für die Literaturkritik sogar geboten, die Sprache zu analysieren. Der Page-99-Test funktioniert ja immer in zwei Schritten: Zuerst schaue ich, was dasteht, und dann versuche ich herauszufinden, was ich davon halte. Der zweite Schritt ist natürlich viel schwieriger – und interessanter. Vor allem dann, wenn daraus solche Diskussionen entstehen, wie wir sie hier gerade führen. 
Offenbar kommt man bei diesem Text von Handke dem Lese-Eindruck, den Sie hatten, mit der Analyse nicht auf die Spur. Vielleicht ist es ein bisschen so, wie wenn man ein impressionistisches Gemälde unter die Lupe hält und dann nur noch Punkte sieht. Allerdings habe ich mir mit der Lektüre der ersten 100 Seiten dann doch einen größeren Ausschnitt des Gesamtwerks angeschaut, und mein Lese-Eindruck ist dabei nicht in eine andere Qualität umgeschlagen. Darüber kann man selbstverständlich geteilter Meinung sein. 
Sie bemerken völlig zu Recht, dass sich Handkes Literatur durch die Page-99-Test-Methode nicht zu Ende erschließen lässt. Das ist allerdings auch nicht die Absicht, und ein Buch, bei dem das gelänge, wäre wohl in seinen Mitteln sehr begrenzt. Es ist vielmehr umgekehrt: Für mich ist der Page-99-Test ein Anfang, ein erstes Hineinstechen. Dass das oft nicht so wahrgenommen wird, liegt wohl an meiner Neigung zu apodiktischen Formulierungen. Aber würde ich meine Einschätzungen mit allen durchaus gebotenen Vorbehalten versehen, würde sich vielleicht auch niemand zum Diskutieren herausgefordert sehen...
Eine Frage noch: Was ist denn Ihr Lieblingsbuch von Handke?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/hundert-seiten-handke-ein-p-s-zum-page-99-test/#comment-6314">Alexandra Trencséni</a>.</p>
<p>Liebe Alexandra Trencséni,<br />
vielen Dank für die Fortführung Ihrer Bedenken. Vielleicht verstehe ich noch nicht ganz, was Sie mit „sensorischer“ Lektüre meinen. Ich stelle es mir so vor, dass die Wörter einen Nebel erzeugen, in dem ich mich sensorisch vorantaste, dass sie einen Duft, ein Lebensgefühl erzeugen – eben dieses „Schwebende“, von dem viele reden –, dem ich lesend nachgeben kann? Ich kenne diese Wirkung von Literatur durchaus, allerdings überzeugt mich die betreffende Literatur sehr viel mehr, wenn sie sprachlich genau ist. Ich misstraue dem absichtsvoll Ungefähren. Für mich ist Genauigkeit ein Kriterium für literarische Qualität.<br />
Literatur ist aus Sprache gemacht, daher finde ich es nicht nur legitim, sondern für die Literaturkritik sogar geboten, die Sprache zu analysieren. Der Page-99-Test funktioniert ja immer in zwei Schritten: Zuerst schaue ich, was dasteht, und dann versuche ich herauszufinden, was ich davon halte. Der zweite Schritt ist natürlich viel schwieriger – und interessanter. Vor allem dann, wenn daraus solche Diskussionen entstehen, wie wir sie hier gerade führen.<br />
Offenbar kommt man bei diesem Text von Handke dem Lese-Eindruck, den Sie hatten, mit der Analyse nicht auf die Spur. Vielleicht ist es ein bisschen so, wie wenn man ein impressionistisches Gemälde unter die Lupe hält und dann nur noch Punkte sieht. Allerdings habe ich mir mit der Lektüre der ersten 100 Seiten dann doch einen größeren Ausschnitt des Gesamtwerks angeschaut, und mein Lese-Eindruck ist dabei nicht in eine andere Qualität umgeschlagen. Darüber kann man selbstverständlich geteilter Meinung sein.<br />
Sie bemerken völlig zu Recht, dass sich Handkes Literatur durch die Page-99-Test-Methode nicht zu Ende erschließen lässt. Das ist allerdings auch nicht die Absicht, und ein Buch, bei dem das gelänge, wäre wohl in seinen Mitteln sehr begrenzt. Es ist vielmehr umgekehrt: Für mich ist der Page-99-Test ein Anfang, ein erstes Hineinstechen. Dass das oft nicht so wahrgenommen wird, liegt wohl an meiner Neigung zu apodiktischen Formulierungen. Aber würde ich meine Einschätzungen mit allen durchaus gebotenen Vorbehalten versehen, würde sich vielleicht auch niemand zum Diskutieren herausgefordert sehen&#8230;<br />
Eine Frage noch: Was ist denn Ihr Lieblingsbuch von Handke?</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Alexandra Trencséni		</title>
		<link>https://tell-review.de/hundert-seiten-handke-ein-p-s-zum-page-99-test/#comment-6314</link>

		<dc:creator><![CDATA[Alexandra Trencséni]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 09 Nov 2019 13:53:23 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://tell-review.de/?p=96014#comment-6314</guid>

					<description><![CDATA[Liebe Siglinde Geisel, 
schade, dass Sie meinen Hinweis auf das sensorische Erfahrungsregister, für ein in Text finden, gleich mal ausrichten müssen als „nicht lesen (wollen/ können) was dasteht“. 
Wenn das tatsächlich Ihre einzige Möglichkeit ist, Literatur zu rezipieren, dann wäre das schon schade...
...Vermutlich ist aber auch auf meiner Seite die innere Protestantin nicht stark genug, um von Literatur direkte Sinnstiftung im Sinne von ‚da sein kann nur was auch explizit benannt wird‘ zu ertragen. Bzw. das zu Erzählende kann wohl nicht im Flimmern der vielen sensorischen Überlagerungen im Text als situative Atmosphäre auftauchen - so ging mir das im (durchaus konspirativ willigen;) Lesen der Satzbeispiele durchaus. 
Eigentlich ist Seite 99 ja ein Spiel wie Sie schreiben - aber es ist ein durchaus einseitiges, wenn der Text eben gerade nicht auch(!) mit dem konspirativen Aspekt gelesen wird, sondern eben zugerichtet aufs eigene Werturteil abgeklopft. Denn das war nun einmal in meinem Lesen Ihrer Kritik geworden...
Schön, dass dank Herrn Backes Beitrag die Konspirative wenigstens als fehlend bemerkt werden kann. :)  
S.99 ist ja mal angetreten im Gestus von „des Kaisers neue Kleider“ entlarvenden Verfahren und Spielen. (Angesichts von feuilletonistischen Glanznoten für alles und jedes). - Und ich muss nun doch sagen, dass es mich auch freut, dass es Literatur gibt, die in diesem Verfahren einfach nicht zuende erschlossen werden kann bzw. die Grenze des Textes eben gerade nicht erreicht wird.  (Einzelne gelungenere oder ungelungenere Sätze her oder hin.;). ...Also bliebe dann tatsächlich eine Notwendigkeit weiter zu lesen, gegen den eigenen Widerstand. (Ob nun Die Obstdiebin dafür wirklich das lohnendste Handkebuch wäre, wage ich auch zu bezweifeln.;) ....Aber es wäre interessant zu erfahren, was im Ende des Buches aus dem ungeduldigen, womöglich pedantischen  - kennen Sie wirklich nicht das Gefühl, so brüchig und schräg in der Welt unterwegs zu sein, oder in die Welt hinauszugehen, dass man manchmal zweimal abschließen möchte, oder es unvermittelt tut und es zugleich merkwürdig findet? -  überempfindlichen und doch nicht genug empfindlichen Kerl geworden ist ... Ob vielleicht sein Weltzugang noch derselbe ist, oder ob mehr menschliche Welt (Natur gewiss, aber auch die beschreibt Handke ja oft als von Menschenwerk versehrt) Teil hat bzw. umgekehrt.. (Ohne zur Erbauungsliteratur zu werden;))
Danke, dass Sie meinen Hinweis aufs Bahnhofs-Erleben hastiger Reisender als Basis der von Ihnen so kritisch diskutierten Zeilen trotz meines Unmuts bedenken wollen.:)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Siglinde Geisel,<br />
schade, dass Sie meinen Hinweis auf das sensorische Erfahrungsregister, für ein in Text finden, gleich mal ausrichten müssen als „nicht lesen (wollen/ können) was dasteht“.<br />
Wenn das tatsächlich Ihre einzige Möglichkeit ist, Literatur zu rezipieren, dann wäre das schon schade&#8230;<br />
&#8230;Vermutlich ist aber auch auf meiner Seite die innere Protestantin nicht stark genug, um von Literatur direkte Sinnstiftung im Sinne von ‚da sein kann nur was auch explizit benannt wird‘ zu ertragen. Bzw. das zu Erzählende kann wohl nicht im Flimmern der vielen sensorischen Überlagerungen im Text als situative Atmosphäre auftauchen &#8211; so ging mir das im (durchaus konspirativ willigen;) Lesen der Satzbeispiele durchaus.<br />
Eigentlich ist Seite 99 ja ein Spiel wie Sie schreiben &#8211; aber es ist ein durchaus einseitiges, wenn der Text eben gerade nicht auch(!) mit dem konspirativen Aspekt gelesen wird, sondern eben zugerichtet aufs eigene Werturteil abgeklopft. Denn das war nun einmal in meinem Lesen Ihrer Kritik geworden&#8230;<br />
Schön, dass dank Herrn Backes Beitrag die Konspirative wenigstens als fehlend bemerkt werden kann. :)<br />
S.99 ist ja mal angetreten im Gestus von „des Kaisers neue Kleider“ entlarvenden Verfahren und Spielen. (Angesichts von feuilletonistischen Glanznoten für alles und jedes). &#8211; Und ich muss nun doch sagen, dass es mich auch freut, dass es Literatur gibt, die in diesem Verfahren einfach nicht zuende erschlossen werden kann bzw. die Grenze des Textes eben gerade nicht erreicht wird.  (Einzelne gelungenere oder ungelungenere Sätze her oder hin.;). &#8230;Also bliebe dann tatsächlich eine Notwendigkeit weiter zu lesen, gegen den eigenen Widerstand. (Ob nun Die Obstdiebin dafür wirklich das lohnendste Handkebuch wäre, wage ich auch zu bezweifeln.;) &#8230;.Aber es wäre interessant zu erfahren, was im Ende des Buches aus dem ungeduldigen, womöglich pedantischen  &#8211; kennen Sie wirklich nicht das Gefühl, so brüchig und schräg in der Welt unterwegs zu sein, oder in die Welt hinauszugehen, dass man manchmal zweimal abschließen möchte, oder es unvermittelt tut und es zugleich merkwürdig findet? &#8211;  überempfindlichen und doch nicht genug empfindlichen Kerl geworden ist &#8230; Ob vielleicht sein Weltzugang noch derselbe ist, oder ob mehr menschliche Welt (Natur gewiss, aber auch die beschreibt Handke ja oft als von Menschenwerk versehrt) Teil hat bzw. umgekehrt.. (Ohne zur Erbauungsliteratur zu werden;))<br />
Danke, dass Sie meinen Hinweis aufs Bahnhofs-Erleben hastiger Reisender als Basis der von Ihnen so kritisch diskutierten Zeilen trotz meines Unmuts bedenken wollen.:)</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Alexandra Trencséni		</title>
		<link>https://tell-review.de/hundert-seiten-handke-ein-p-s-zum-page-99-test/#comment-6313</link>

		<dc:creator><![CDATA[Alexandra Trencséni]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 09 Nov 2019 13:32:41 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/hundert-seiten-handke-ein-p-s-zum-page-99-test/#comment-6307&quot;&gt;Christian Backes&lt;/a&gt;.

Lieber Christian Backes, allen Dank für Ihre feinen Lektüreerweiterungen! (Elemente mystischer Texte gibt es tatsächlich bei Handke - - gar nicht unreflektiert. Dafür gibt es aber derzeit selten ein Leseohr, und eher nicht hier.:/ Trotzdem oder grade schön, wenn soetwas auftaucht. 
Auch der Hinweis auf das historisch-politische Moment seiner Ichperspektiven ist wichtig.
(Persönlich kann ich einer scheinbar schlichten und direkten Prosa wie von Chantal Akerman (my mother laughs/ ma mere ride) genauso viel abgewinnen wie Prousts Ranken.:).
Vielleicht gibt es ( ohne nun Handke zum letzten wahren Literaten etc. heroisieren zu wollen) tatsächlich Arten von Prosa, bei denen man mit einer Seite 99 ihre Grenze eben gerade nicht erreichen kann, so verständlich so ein Anliegen im Feuilletonschaum sein mag...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/hundert-seiten-handke-ein-p-s-zum-page-99-test/#comment-6307">Christian Backes</a>.</p>
<p>Lieber Christian Backes, allen Dank für Ihre feinen Lektüreerweiterungen! (Elemente mystischer Texte gibt es tatsächlich bei Handke &#8211; &#8211; gar nicht unreflektiert. Dafür gibt es aber derzeit selten ein Leseohr, und eher nicht hier.:/ Trotzdem oder grade schön, wenn soetwas auftaucht.<br />
Auch der Hinweis auf das historisch-politische Moment seiner Ichperspektiven ist wichtig.<br />
(Persönlich kann ich einer scheinbar schlichten und direkten Prosa wie von Chantal Akerman (my mother laughs/ ma mere ride) genauso viel abgewinnen wie Prousts Ranken.:).<br />
Vielleicht gibt es ( ohne nun Handke zum letzten wahren Literaten etc. heroisieren zu wollen) tatsächlich Arten von Prosa, bei denen man mit einer Seite 99 ihre Grenze eben gerade nicht erreichen kann, so verständlich so ein Anliegen im Feuilletonschaum sein mag&#8230;</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Sieglinde Geisel		</title>
		<link>https://tell-review.de/hundert-seiten-handke-ein-p-s-zum-page-99-test/#comment-6311</link>

		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 09 Nov 2019 11:52:54 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://tell-review.de/?p=96014#comment-6311</guid>

					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/hundert-seiten-handke-ein-p-s-zum-page-99-test/#comment-6307&quot;&gt;Christian Backes&lt;/a&gt;.

Was für eine reichhaltige Antwort, vielen Dank!
Zu 1.) Sie haben wohl recht, dass ich mich bei Handke nicht zur Komplizin machen wollte, und es ist auch im Page-99-Modus tatsächlich eine Gefahr, dass man ins Lehrerhafte rutscht. Allerdings suche ich nicht nur Fehler, sondern auch das Gelungene. Es geht darum, Abweichungen vom bewährten Durchschnittsdeutschen festzustellen, d.h. zu ergründen, ob es sich um ein literarisches Sprechen handelt und wodurch dieses sich auszeichnet. Der nächste Schritt besteht dann in der Wertung: Ist es genial oder ist es bullshit (&quot;gemacht&quot;)? Allerdings glaube ich, dass es durchaus Gründe hat, warum ich mich mit dieser Altmännerstimme nicht gemein machen will. Sie widerstrebt mir tatsächlich, schon im Ton. (Mal sehen, wenn ich Zeit habe, lese ich die nächsten 100 Seiten der Obstdiebin gern im Komplizenmodus!)
Zu 2.) Spannend, was Sie bei Tolstoi als das Politische seines Schreibens erkennen! Genau darum geht es: Perspektiven darzustellen, den Stoff bzw. die Figuren ernstzunehmen, also: dem gerecht zu werden, worüber man schreibt. Angemessenheit der Mittel. Und die finde ich eben nicht gewahrt, wenn einer sich mit &quot;wildem Willen&quot; der größtmöglichen Banalität widmet. So entsteht Pathos. Und wenn die Ästhetik in die Ethik kippt, würde ich sogar sagen, dass das etwas Verlogenes haben kann. Die Autoren, auf die Handke sich beruft (u.a. Tolstoi), haben sich eben alle nicht mit sich selbst und der eigenen Wahrnehmung befasst. Thomas Harlan hat einmal gesagt: &quot;Kunst ist für andere.&quot; Das scheint mir ein produktives Kriterium. Und das widerspricht nicht unbedingt, in der Stimme eines Einzelnen zu schreiben. Das kann durchaus ein politischer Akt sein. 
Zu 3.) Was genau ich mit &quot;apolitisch&quot; meine, kann ich gar nicht eindeutig sagen. Ich bin da noch am Nachdenken. Es hat mit dem Ästhetik/Ethik-Komplex zu tun. Der senegalesische Autor Boris Boubacar Diop sagte in einer Schriftstellerkonferenz zu Ruanda einmal: &quot;You can&#039;t show off when you write about genocide.&quot; Es sei zynisch, bei diesem Stoff seine stilistische Versiertheit vorzuführen. Thomas Harlan spricht in &quot;Heldenfriedhof&quot; vom &quot;Verbrechen der Schönheitssucht&quot;, gemünzt auf Ernst Jüngers Ästhetisierung des Kriegs. Auf der anderen Seite gibt es wiederum den Triumph der Schönheit über das Verbrechen: Die Fähigkeit, den Schrecken zu bannen, es ausdrücken zu können.
Was mich an Handke stört, hat mit der Ästhetisierung zu tun, sowohl des Schrecklichen wie auch des Banalen.
Zu 4.)Am Fall Handke wird die Trennung von Autor und Werk derzeit wieder neu diskutiert, und auch da bin ich zwiespältig. Beschädigen politisch fragwürdige Äußerungen oder Haltungen das Werk? Wie sagt William H. Gass so schön: &quot;Bad men sometimes write good books.&quot; 
Es ist eine Tatsache, dass es in der Literaturgeschichte faschistische Autoren gibt, die nicht faschistische Werke geschrieben haben (Pound, Céline, Hamsun). Diese Spaltung spricht dafür, Werk und Autor zu trennen. (Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich zähle Handke nicht zu den faschistischen Autoren.)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/hundert-seiten-handke-ein-p-s-zum-page-99-test/#comment-6307">Christian Backes</a>.</p>
<p>Was für eine reichhaltige Antwort, vielen Dank!<br />
Zu 1.) Sie haben wohl recht, dass ich mich bei Handke nicht zur Komplizin machen wollte, und es ist auch im Page-99-Modus tatsächlich eine Gefahr, dass man ins Lehrerhafte rutscht. Allerdings suche ich nicht nur Fehler, sondern auch das Gelungene. Es geht darum, Abweichungen vom bewährten Durchschnittsdeutschen festzustellen, d.h. zu ergründen, ob es sich um ein literarisches Sprechen handelt und wodurch dieses sich auszeichnet. Der nächste Schritt besteht dann in der Wertung: Ist es genial oder ist es bullshit (&#8222;gemacht&#8220;)? Allerdings glaube ich, dass es durchaus Gründe hat, warum ich mich mit dieser Altmännerstimme nicht gemein machen will. Sie widerstrebt mir tatsächlich, schon im Ton. (Mal sehen, wenn ich Zeit habe, lese ich die nächsten 100 Seiten der Obstdiebin gern im Komplizenmodus!)<br />
Zu 2.) Spannend, was Sie bei Tolstoi als das Politische seines Schreibens erkennen! Genau darum geht es: Perspektiven darzustellen, den Stoff bzw. die Figuren ernstzunehmen, also: dem gerecht zu werden, worüber man schreibt. Angemessenheit der Mittel. Und die finde ich eben nicht gewahrt, wenn einer sich mit &#8222;wildem Willen&#8220; der größtmöglichen Banalität widmet. So entsteht Pathos. Und wenn die Ästhetik in die Ethik kippt, würde ich sogar sagen, dass das etwas Verlogenes haben kann. Die Autoren, auf die Handke sich beruft (u.a. Tolstoi), haben sich eben alle nicht mit sich selbst und der eigenen Wahrnehmung befasst. Thomas Harlan hat einmal gesagt: &#8222;Kunst ist für andere.&#8220; Das scheint mir ein produktives Kriterium. Und das widerspricht nicht unbedingt, in der Stimme eines Einzelnen zu schreiben. Das kann durchaus ein politischer Akt sein.<br />
Zu 3.) Was genau ich mit &#8222;apolitisch&#8220; meine, kann ich gar nicht eindeutig sagen. Ich bin da noch am Nachdenken. Es hat mit dem Ästhetik/Ethik-Komplex zu tun. Der senegalesische Autor Boris Boubacar Diop sagte in einer Schriftstellerkonferenz zu Ruanda einmal: &#8222;You can&#8217;t show off when you write about genocide.&#8220; Es sei zynisch, bei diesem Stoff seine stilistische Versiertheit vorzuführen. Thomas Harlan spricht in &#8222;Heldenfriedhof&#8220; vom &#8222;Verbrechen der Schönheitssucht&#8220;, gemünzt auf Ernst Jüngers Ästhetisierung des Kriegs. Auf der anderen Seite gibt es wiederum den Triumph der Schönheit über das Verbrechen: Die Fähigkeit, den Schrecken zu bannen, es ausdrücken zu können.<br />
Was mich an Handke stört, hat mit der Ästhetisierung zu tun, sowohl des Schrecklichen wie auch des Banalen.<br />
Zu 4.)Am Fall Handke wird die Trennung von Autor und Werk derzeit wieder neu diskutiert, und auch da bin ich zwiespältig. Beschädigen politisch fragwürdige Äußerungen oder Haltungen das Werk? Wie sagt William H. Gass so schön: &#8222;Bad men sometimes write good books.&#8220;<br />
Es ist eine Tatsache, dass es in der Literaturgeschichte faschistische Autoren gibt, die nicht faschistische Werke geschrieben haben (Pound, Céline, Hamsun). Diese Spaltung spricht dafür, Werk und Autor zu trennen. (Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich zähle Handke nicht zu den faschistischen Autoren.)</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
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		<title>
		Von: Christian Backes		</title>
		<link>https://tell-review.de/hundert-seiten-handke-ein-p-s-zum-page-99-test/#comment-6307</link>

		<dc:creator><![CDATA[Christian Backes]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 09 Nov 2019 02:15:15 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://tell-review.de/?p=96014#comment-6307</guid>

					<description><![CDATA[Vielen Dank für Ihre Erwiderung. Darauf möchte ich Folgendes sagen: 

1. Ihr Hinweis auf die beiden Lektüre-Modi ist konstruktiv. Frage: Haben Sie die 100 Seiten auch in Modus 1, also auch als Komplizin des Autors gelesen? Davon dringt in Ihrem Essay kaum etwas durch. Es könnte ja durchaus sein, dass Sie bei der Obstdiebin sogleich einen Widerwillen gegen solche Komplizenschaft empfunden haben. Und: Beruht ein gerechtes literaturkritisches Urteil nicht womöglich auf der Synthese beider Modi? 

2. Ich habe die ersten 21 Seiten der Obstdiebin gelesen, also das, was als Leseprobe verfügbar ist. Mir zeigt sich der Erzähler als alter Mann, der in seine eigene Vorstellungswelt ziemlich versponnen scheint, mir zeigt sich eine Grundkonstellation, die man aus früheren Werken Handkes nur zu gut kennt und wohl mittelalterlichen Epen nachgebildet ist: jemand zieht aus zu einer Âventiure. Für Handke ungewöhnlich entfalten diese Szenen eine gewisse verhaltene Komik oder Ironie - das, was Sie als Selbstparodie bezeichnen? Ich neige dazu, die Komik für freiwillig, wenn auch nicht für beabsichtigt zu halten. Vor allem: Ich höre eine Erzählstimme, einen Erzählton, der durchaus etwas Einnehmendes hat - was Sie als aufdringlich empfinden? Was mich zum Beispiel einnimmt: Man gerät gleich in ein anderes Zeitempfinden. Auch die Stille überträgt sich, wenngleich nicht so stark. Mein Hinweis auf mystische Prosa sollte auf die rhetorischen Mittel aufmerksam machen, die Verwendung von Paradoxien und Oxymera und auch Redundanzen. Ob sich das mystische Erleben überträgt, ist wiederum eine andere Frage - dies muss man aber miteinbeziehen, wenn man sich fragt, wovon der Kerl da überhaupt spricht. Die Manierismen stören mich merkwürdigerweise kaum, da sie zur Erzählstimme gehören, mir kommt es vor, als würde ich einen alten Mann beim Selbstgespräch belauschen. Kurzum: Ich würde mich zum Komplizen des Erzählers machen und weiterlesen. 

2. Zufällig lese ich aber gerade &quot;Krieg und Frieden&quot;. Was Sie zu Ethik und Ästhetik sagen, dem stimme ich weitgehend zu - so dass ich mich gefragt habe, wie macht sich das Ethische bei Tolstoi bemerkbar? M. E. darin, dass er seinen Figuren und den geschilderten Situationen gerecht zu werden versucht und deren Ambivalenzen zeigt und sich mit moralischen Wertungen gerade zurückhält. 

3. &quot;Apolitisch&quot;? Ihren Test ausprobierend, habe ich &quot;Immer noch Sturm&quot; aus meinem Regal gezogen und auf S. 99 aufgeschlagen. Leider gibt das nur eine halbe Seite, aber was steht da: &quot;Ja, gottgefällig zusammensitzen: das ist Tätigsein. Das ist Politik!&quot; Keine Ahnung, was das zu bedeuten hat. Ich gebe zu, ich verstehe nicht genau, was sie mit &quot;apolitisch&quot; meinen. Irgendwie scheint das mit Handkes Egozentrik, seiner Selbstbezüglichkeit, die sich auch in einer selbstbezüglichen Sprache niederschlägt, zu tun zu haben. Dazu könnte man viel sagen. Auch mit Blick darauf, dass moderne Kunst eben selbstreferentiell ist. Handkes Ich-Sagerei finde ich durchaus politisch, und zwar als Gegenpol zu den politischen Kollektivismen, wie sie das 20. Jhd. geprägt haben. Das rechne ich Handke eher hoch an, dass er auf seinem Recht, als Einzelner zu sprechen beharrt. (Natürlich passiert es ihm, dass er sich selber auf den Leim geht und sein Ich ihm den Blick verstellt.) Dann denke ich an Prousts Aussage, wonach Lesen heiße sich selber Lesen. (Übrigens kann man dem Erzähler Marcel denselben Vorwurf machen wie Sie Handke: dass er die &quot;Köstlichkeiten&quot; seiner Wahrnehmung manchmal allzu sehr ausstellt, und manchmal empfinde den Erzähler auch aufdringlich, nach Aufmerksamkeit heischend wie nach dem Gute Nacht-Kuss der Mutter - aber das macht doch nicht die &quot;Suche nach der verlorenen Zeit&quot; aus?) Und so ging es mir auch bei Handke. Im günstigsten Fall führt das zu Selbstreflexion. Darin kann ich nichts Verwerfliches finden, im Gegenteil. Ist Ethik ohne Selbstreflexion möglich? 

4. Ihre Kritik an Handke ist für mich durchaus nachvollziehbar: So kann man es sehen, muss es aber nicht. Hintergrund der Debatte ist ja der Literatur-Nobelpreis an Handke. Das wird skandalisiert mit Blick auf die Jugoslawien-Texte. Die Skandalisierung macht aus Handke quasi einen Unmenschen und impliziert, dass nur ein Blick auf ihn zulässig sei, nämlich der der Skandalisierung im Namen der Moral. Das halte ich für moralisch fragwürdig.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vielen Dank für Ihre Erwiderung. Darauf möchte ich Folgendes sagen: </p>
<p>1. Ihr Hinweis auf die beiden Lektüre-Modi ist konstruktiv. Frage: Haben Sie die 100 Seiten auch in Modus 1, also auch als Komplizin des Autors gelesen? Davon dringt in Ihrem Essay kaum etwas durch. Es könnte ja durchaus sein, dass Sie bei der Obstdiebin sogleich einen Widerwillen gegen solche Komplizenschaft empfunden haben. Und: Beruht ein gerechtes literaturkritisches Urteil nicht womöglich auf der Synthese beider Modi? </p>
<p>2. Ich habe die ersten 21 Seiten der Obstdiebin gelesen, also das, was als Leseprobe verfügbar ist. Mir zeigt sich der Erzähler als alter Mann, der in seine eigene Vorstellungswelt ziemlich versponnen scheint, mir zeigt sich eine Grundkonstellation, die man aus früheren Werken Handkes nur zu gut kennt und wohl mittelalterlichen Epen nachgebildet ist: jemand zieht aus zu einer Âventiure. Für Handke ungewöhnlich entfalten diese Szenen eine gewisse verhaltene Komik oder Ironie &#8211; das, was Sie als Selbstparodie bezeichnen? Ich neige dazu, die Komik für freiwillig, wenn auch nicht für beabsichtigt zu halten. Vor allem: Ich höre eine Erzählstimme, einen Erzählton, der durchaus etwas Einnehmendes hat &#8211; was Sie als aufdringlich empfinden? Was mich zum Beispiel einnimmt: Man gerät gleich in ein anderes Zeitempfinden. Auch die Stille überträgt sich, wenngleich nicht so stark. Mein Hinweis auf mystische Prosa sollte auf die rhetorischen Mittel aufmerksam machen, die Verwendung von Paradoxien und Oxymera und auch Redundanzen. Ob sich das mystische Erleben überträgt, ist wiederum eine andere Frage &#8211; dies muss man aber miteinbeziehen, wenn man sich fragt, wovon der Kerl da überhaupt spricht. Die Manierismen stören mich merkwürdigerweise kaum, da sie zur Erzählstimme gehören, mir kommt es vor, als würde ich einen alten Mann beim Selbstgespräch belauschen. Kurzum: Ich würde mich zum Komplizen des Erzählers machen und weiterlesen. </p>
<p>2. Zufällig lese ich aber gerade &#8222;Krieg und Frieden&#8220;. Was Sie zu Ethik und Ästhetik sagen, dem stimme ich weitgehend zu &#8211; so dass ich mich gefragt habe, wie macht sich das Ethische bei Tolstoi bemerkbar? M. E. darin, dass er seinen Figuren und den geschilderten Situationen gerecht zu werden versucht und deren Ambivalenzen zeigt und sich mit moralischen Wertungen gerade zurückhält. </p>
<p>3. &#8222;Apolitisch&#8220;? Ihren Test ausprobierend, habe ich &#8222;Immer noch Sturm&#8220; aus meinem Regal gezogen und auf S. 99 aufgeschlagen. Leider gibt das nur eine halbe Seite, aber was steht da: &#8222;Ja, gottgefällig zusammensitzen: das ist Tätigsein. Das ist Politik!&#8220; Keine Ahnung, was das zu bedeuten hat. Ich gebe zu, ich verstehe nicht genau, was sie mit &#8222;apolitisch&#8220; meinen. Irgendwie scheint das mit Handkes Egozentrik, seiner Selbstbezüglichkeit, die sich auch in einer selbstbezüglichen Sprache niederschlägt, zu tun zu haben. Dazu könnte man viel sagen. Auch mit Blick darauf, dass moderne Kunst eben selbstreferentiell ist. Handkes Ich-Sagerei finde ich durchaus politisch, und zwar als Gegenpol zu den politischen Kollektivismen, wie sie das 20. Jhd. geprägt haben. Das rechne ich Handke eher hoch an, dass er auf seinem Recht, als Einzelner zu sprechen beharrt. (Natürlich passiert es ihm, dass er sich selber auf den Leim geht und sein Ich ihm den Blick verstellt.) Dann denke ich an Prousts Aussage, wonach Lesen heiße sich selber Lesen. (Übrigens kann man dem Erzähler Marcel denselben Vorwurf machen wie Sie Handke: dass er die &#8222;Köstlichkeiten&#8220; seiner Wahrnehmung manchmal allzu sehr ausstellt, und manchmal empfinde den Erzähler auch aufdringlich, nach Aufmerksamkeit heischend wie nach dem Gute Nacht-Kuss der Mutter &#8211; aber das macht doch nicht die &#8222;Suche nach der verlorenen Zeit&#8220; aus?) Und so ging es mir auch bei Handke. Im günstigsten Fall führt das zu Selbstreflexion. Darin kann ich nichts Verwerfliches finden, im Gegenteil. Ist Ethik ohne Selbstreflexion möglich? </p>
<p>4. Ihre Kritik an Handke ist für mich durchaus nachvollziehbar: So kann man es sehen, muss es aber nicht. Hintergrund der Debatte ist ja der Literatur-Nobelpreis an Handke. Das wird skandalisiert mit Blick auf die Jugoslawien-Texte. Die Skandalisierung macht aus Handke quasi einen Unmenschen und impliziert, dass nur ein Blick auf ihn zulässig sei, nämlich der der Skandalisierung im Namen der Moral. Das halte ich für moralisch fragwürdig.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Sieglinde Geisel		</title>
		<link>https://tell-review.de/hundert-seiten-handke-ein-p-s-zum-page-99-test/#comment-6306</link>

		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 Nov 2019 13:19:08 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://tell-review.de/?p=96014#comment-6306</guid>

					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/hundert-seiten-handke-ein-p-s-zum-page-99-test/#comment-6297&quot;&gt;Christian Backes&lt;/a&gt;.

Vielen Dank für Ihren Einspruch, der viele Türen öffnet. Interessant, dass Sie meine Lektüre als &quot;juristisch&quot; empfinden. In gewisser Weise trifft das zu, denn ich versuche, durch die Analyse der Sprache zu einem literaturkritischen Urteil zu kommen. 
Virginia Woolf beschreibt in ihrem Aufsatz &quot;Wie sollte man ein Buch lesen?&quot; (in: &quot;Der gewöhnliche Leser 2&quot;) zwei Modi des Lesens: Bei der ersten Lektüre begibt man sich in die Rolle des Komplizen des Autors und versucht, alles zu erfassen, was sein Text uns geben kann. Bei der zweiten Lektüre, &quot;nachdem der Staub des Lesens sich gelegt hat&quot;, übernimmt man die Rolle des Richters, der das Ganze in den Blick nimmt und zu entscheiden versucht, ob es sich bei dem Buch, bildlich gesprochen, um einen Schweinestall, ein Wohnhaus oder einen Palast handelt.
In meiner Gewebeprobe nehme ich nicht das Ganze in den Blick, sondern beschränke mich auf einen Ausschnitt, daher ist mein Urteil längst nicht so apodiktisch gemeint, wie es vielleicht wirkt. Allerdings werden in einzelnen Formulierungen manchmal Dinge sichtbar, die einem verborgen bleiben, wenn man das Ganze liest. Und ich staune immer wieder, wie oft sich der Befund in der Lektüre des Ganzen bestätigt (übrigens auch im Fall von Nora Bossong, bei er nur eine Facette ihrer Erzählweise sichtbar wurde, die jedoch ist Teil des Ganzen).
Das Verhältnis von Ethik und Ästhetik ist ein weites Feld. &quot;Ethik und Ästhetik sind eins&quot;, sagte Wittgenstein. &quot;Die Ästhetik ist die Mutter der Ethik&quot;, sagt Brodsky, der meint, dass die Unterscheidung zwischen schön und hässlich älter sei als die zwischen gut und böse. Wenn wir unethische Handlungen miterleben, empfinden wir ja oft nicht nur eine moralische Empörung (&quot;das ist falsch&quot;), sondern auch Ekel (&quot;das ist hässlich&quot;). 
Zum vorliegenden Fall: Sie haben Recht, ich hätte meine Schlussfolgerung genauer begründen sollen. Das Schlüsselwort ist &quot;apolitisch&quot;. Ich empfinde die 100 Seiten der Obstdiebin nicht als unpolitisch, sondern als apolitisch, d.h. es ist nicht so, dass der Autor sich entscheidet, einen unpolitischen Roman zu schreiben (z.B. über die Liebe, die Natur etc.), sondern er blendet das Politische vollständig aus. Und da stellt sich mir die Frage der Relevanz, gerade im Vergleich zu den Autoren, die er für sich als Ahnherren in Anspruch nimmt. 
In der Ästhetik eines Texts drückt sich m. E. eine moralische Haltung aus, die ein Text einnimmt(Frank Heiberts Begriff ist in dieser Diskussion unverzichtbar). &quot;Moralisch&quot; nicht im Sinn einer Konformität, indem man gewissen Regeln gehorcht, sondern im Sinn einer Übernahme von Verantwortung. Sage ich etwas? Und hat dieses Etwas nur mit mir selbst zu tun, oder weist es über mich hinaus? Bei Mandelstam heißt es sinngemäß irgendwo, der Dichter müsse sich erst die Erlaubnis verdienen, mit dem Leser ins Gespräch zu treten. Das berührt dieses Thema der Verantwortung des Künstlers.
Ich hatte beim Lesen nicht das Gefühl einer mystischen Erfahrung (was an mir liegen mag), sondern den Eindruck, jemand wolle mir sein in allen Schattierungen ausgemaltes Wahrnehmen von Dingen aufdrängen, die völlig austauschbar und banal sind. Mit einem &quot;wilden Willen&quot; eine &quot;andersgelbe&quot; Quitte sehen zu wollen, die es gar nicht gibt, macht aus einer Nicht-Tatsache ein pathetisch aufgeladenes Ereignis. Das ist eine Simulation von Literatur (man könnte es auch einfach heiße Luft nennen), die ich als anmaßend empfinde (abgesehen davon, dass es auch an Selbstparodie grenzt).
Und das wiederum spiegelt sich auch in den politischen Texten von Handke: Es kommt mir vor, als sei die Tatsache, dass in jenem auf bestialische Weise Menschen ermordet wurden, weniger wichtig, als die Wahrnehmung des Autors, der davon berichtet (oder auch gerade nicht davon berichtet, siehe den Beitrag &quot;Grundanders anfangen&quot; von Lars Hartmann). Formulierungen wie &quot;die Abgehausten&quot; für die Opfer von Srebrenica empfinde ich als geschmacklos, und zwar sowohl aus ästhetischen wie aus ethischen Gründen - hier kippt die Ästhetik in Ethik. Die vorgefundene Realität, egal ob Quitte oder Kriegsopfer, ist nur noch Vorwand für eine Sprache, die ihre Pirouetten dreht. 
Das gilt aber, um es noch einmal ausdrücklich zu sagen, nicht für alle Texte von Handke, das Frühwerk kennt eispielsweise andere Stilprinzipien.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/hundert-seiten-handke-ein-p-s-zum-page-99-test/#comment-6297">Christian Backes</a>.</p>
<p>Vielen Dank für Ihren Einspruch, der viele Türen öffnet. Interessant, dass Sie meine Lektüre als &#8222;juristisch&#8220; empfinden. In gewisser Weise trifft das zu, denn ich versuche, durch die Analyse der Sprache zu einem literaturkritischen Urteil zu kommen.<br />
Virginia Woolf beschreibt in ihrem Aufsatz &#8222;Wie sollte man ein Buch lesen?&#8220; (in: &#8222;Der gewöhnliche Leser 2&#8220;) zwei Modi des Lesens: Bei der ersten Lektüre begibt man sich in die Rolle des Komplizen des Autors und versucht, alles zu erfassen, was sein Text uns geben kann. Bei der zweiten Lektüre, &#8222;nachdem der Staub des Lesens sich gelegt hat&#8220;, übernimmt man die Rolle des Richters, der das Ganze in den Blick nimmt und zu entscheiden versucht, ob es sich bei dem Buch, bildlich gesprochen, um einen Schweinestall, ein Wohnhaus oder einen Palast handelt.<br />
In meiner Gewebeprobe nehme ich nicht das Ganze in den Blick, sondern beschränke mich auf einen Ausschnitt, daher ist mein Urteil längst nicht so apodiktisch gemeint, wie es vielleicht wirkt. Allerdings werden in einzelnen Formulierungen manchmal Dinge sichtbar, die einem verborgen bleiben, wenn man das Ganze liest. Und ich staune immer wieder, wie oft sich der Befund in der Lektüre des Ganzen bestätigt (übrigens auch im Fall von Nora Bossong, bei er nur eine Facette ihrer Erzählweise sichtbar wurde, die jedoch ist Teil des Ganzen).<br />
Das Verhältnis von Ethik und Ästhetik ist ein weites Feld. &#8222;Ethik und Ästhetik sind eins&#8220;, sagte Wittgenstein. &#8222;Die Ästhetik ist die Mutter der Ethik&#8220;, sagt Brodsky, der meint, dass die Unterscheidung zwischen schön und hässlich älter sei als die zwischen gut und böse. Wenn wir unethische Handlungen miterleben, empfinden wir ja oft nicht nur eine moralische Empörung (&#8222;das ist falsch&#8220;), sondern auch Ekel (&#8222;das ist hässlich&#8220;).<br />
Zum vorliegenden Fall: Sie haben Recht, ich hätte meine Schlussfolgerung genauer begründen sollen. Das Schlüsselwort ist &#8222;apolitisch&#8220;. Ich empfinde die 100 Seiten der Obstdiebin nicht als unpolitisch, sondern als apolitisch, d.h. es ist nicht so, dass der Autor sich entscheidet, einen unpolitischen Roman zu schreiben (z.B. über die Liebe, die Natur etc.), sondern er blendet das Politische vollständig aus. Und da stellt sich mir die Frage der Relevanz, gerade im Vergleich zu den Autoren, die er für sich als Ahnherren in Anspruch nimmt.<br />
In der Ästhetik eines Texts drückt sich m. E. eine moralische Haltung aus, die ein Text einnimmt(Frank Heiberts Begriff ist in dieser Diskussion unverzichtbar). &#8222;Moralisch&#8220; nicht im Sinn einer Konformität, indem man gewissen Regeln gehorcht, sondern im Sinn einer Übernahme von Verantwortung. Sage ich etwas? Und hat dieses Etwas nur mit mir selbst zu tun, oder weist es über mich hinaus? Bei Mandelstam heißt es sinngemäß irgendwo, der Dichter müsse sich erst die Erlaubnis verdienen, mit dem Leser ins Gespräch zu treten. Das berührt dieses Thema der Verantwortung des Künstlers.<br />
Ich hatte beim Lesen nicht das Gefühl einer mystischen Erfahrung (was an mir liegen mag), sondern den Eindruck, jemand wolle mir sein in allen Schattierungen ausgemaltes Wahrnehmen von Dingen aufdrängen, die völlig austauschbar und banal sind. Mit einem &#8222;wilden Willen&#8220; eine &#8222;andersgelbe&#8220; Quitte sehen zu wollen, die es gar nicht gibt, macht aus einer Nicht-Tatsache ein pathetisch aufgeladenes Ereignis. Das ist eine Simulation von Literatur (man könnte es auch einfach heiße Luft nennen), die ich als anmaßend empfinde (abgesehen davon, dass es auch an Selbstparodie grenzt).<br />
Und das wiederum spiegelt sich auch in den politischen Texten von Handke: Es kommt mir vor, als sei die Tatsache, dass in jenem auf bestialische Weise Menschen ermordet wurden, weniger wichtig, als die Wahrnehmung des Autors, der davon berichtet (oder auch gerade nicht davon berichtet, siehe den Beitrag &#8222;Grundanders anfangen&#8220; von Lars Hartmann). Formulierungen wie &#8222;die Abgehausten&#8220; für die Opfer von Srebrenica empfinde ich als geschmacklos, und zwar sowohl aus ästhetischen wie aus ethischen Gründen &#8211; hier kippt die Ästhetik in Ethik. Die vorgefundene Realität, egal ob Quitte oder Kriegsopfer, ist nur noch Vorwand für eine Sprache, die ihre Pirouetten dreht.<br />
Das gilt aber, um es noch einmal ausdrücklich zu sagen, nicht für alle Texte von Handke, das Frühwerk kennt eispielsweise andere Stilprinzipien.</p>
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		<title>
		Von: Christian Backes		</title>
		<link>https://tell-review.de/hundert-seiten-handke-ein-p-s-zum-page-99-test/#comment-6297</link>

		<dc:creator><![CDATA[Christian Backes]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 Nov 2019 00:06:47 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://tell-review.de/?p=96014#comment-6297</guid>

					<description><![CDATA[Einige der Sätze, die Sie anführen, erscheinen mir tatsächlich nicht geglückt, allerdings fehlt mir der Kontext, so dass ich mir kein abschließendes Urteil erlaube. 
Als Jurist bin ich irritiert, dass Sie die 100 Seiten nun ja wie ein Jurist gelesen haben, als ob es darum ginge, einen objektiven Sachverhalt herauszufiltern. Den &quot;Stille&quot;-Satz - ob der nun geglückt ist oder nicht, sei dahingestellt - lese ich als Ausdruck mystischen Erlebens. Auch enthält er typische stilistische Merkmale mystischer Prosa - wie Ihr Test wohl bei Meister Eckhart, Teresa von Avila oder Jakob Böhme ausfiele? Leere ist in einem mystischen Kontext ebenfalls positiv konnotiert, von daher fände ich das, was Sie als Bedeutungsentleerung (ich assoziiere dabei auch Barthes: Die Leere der Zeichen) bezeichnen, nicht unbedingt negativ, so es denn zutrifft.

Was für mich zählt, ist, dass Handke jedenfalls etwas riskiert und aufs Ganze geht - ich spreche jetzt von den Sachen, die ich von ihm kenne. Das würde ich bei Nora Bossong, die bei Ihrem Test aus mir unerfindlichen Gründen gut abschneidet, bezweifeln.

Und dann verstehe ich, ehrlich  
gesagt, Ihre Schlussfolgerungen, Frau Geisel, nicht. Auf Basis von 100 Seiten aus der &quot;Obstdiebin&quot; kommen Sie zu einem harschen Urteil über den Autor und den Menschen Handke. Sie schreiben: &quot;Soll man dieses monumentale Werk vor seinem Autor in Schutz nehmen? Das würde bedeuten, die Ästhetik von der Ethik zu trennen.&quot; Was haben Ihre Frage und Ihre Antwort mit den 100 Seiten aus der Obstdiebin zu tun? Nichts. Wieso stellt sich überhaupt diese Frage? Und wieso würde die Bejahung dieser Frage bedeuten, Ästhetik und Ethik zu trennen? Dafür liefern Sie kein einziges Argument. Und wieso sollen Ästhetik und Ethik nicht getrennt werden, obwohl Ethik und Ästhetik doch offenbar voneinander getrennte, weil unterschiedene Bereiche sind? Heisst das, eine Handlung, die gut ist, muss auch ästhetischen Kriterien genügen? Mir ist klar, dass Sie&#039;s anders meinen. Aber Ihre ethischen Normen/Werte legen Sie dabei gar nicht offen, als würden sich die von selbst verstehen? Kann man Literaturkritik und Ethik trennen? Ist Ihre Kritik ethisch? Ich lese Ihre Kritik als Plädoyer für ästhetische und ethische Konformität.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Einige der Sätze, die Sie anführen, erscheinen mir tatsächlich nicht geglückt, allerdings fehlt mir der Kontext, so dass ich mir kein abschließendes Urteil erlaube.<br />
Als Jurist bin ich irritiert, dass Sie die 100 Seiten nun ja wie ein Jurist gelesen haben, als ob es darum ginge, einen objektiven Sachverhalt herauszufiltern. Den &#8222;Stille&#8220;-Satz &#8211; ob der nun geglückt ist oder nicht, sei dahingestellt &#8211; lese ich als Ausdruck mystischen Erlebens. Auch enthält er typische stilistische Merkmale mystischer Prosa &#8211; wie Ihr Test wohl bei Meister Eckhart, Teresa von Avila oder Jakob Böhme ausfiele? Leere ist in einem mystischen Kontext ebenfalls positiv konnotiert, von daher fände ich das, was Sie als Bedeutungsentleerung (ich assoziiere dabei auch Barthes: Die Leere der Zeichen) bezeichnen, nicht unbedingt negativ, so es denn zutrifft.</p>
<p>Was für mich zählt, ist, dass Handke jedenfalls etwas riskiert und aufs Ganze geht &#8211; ich spreche jetzt von den Sachen, die ich von ihm kenne. Das würde ich bei Nora Bossong, die bei Ihrem Test aus mir unerfindlichen Gründen gut abschneidet, bezweifeln.</p>
<p>Und dann verstehe ich, ehrlich<br />
gesagt, Ihre Schlussfolgerungen, Frau Geisel, nicht. Auf Basis von 100 Seiten aus der &#8222;Obstdiebin&#8220; kommen Sie zu einem harschen Urteil über den Autor und den Menschen Handke. Sie schreiben: &#8222;Soll man dieses monumentale Werk vor seinem Autor in Schutz nehmen? Das würde bedeuten, die Ästhetik von der Ethik zu trennen.&#8220; Was haben Ihre Frage und Ihre Antwort mit den 100 Seiten aus der Obstdiebin zu tun? Nichts. Wieso stellt sich überhaupt diese Frage? Und wieso würde die Bejahung dieser Frage bedeuten, Ästhetik und Ethik zu trennen? Dafür liefern Sie kein einziges Argument. Und wieso sollen Ästhetik und Ethik nicht getrennt werden, obwohl Ethik und Ästhetik doch offenbar voneinander getrennte, weil unterschiedene Bereiche sind? Heisst das, eine Handlung, die gut ist, muss auch ästhetischen Kriterien genügen? Mir ist klar, dass Sie&#8217;s anders meinen. Aber Ihre ethischen Normen/Werte legen Sie dabei gar nicht offen, als würden sich die von selbst verstehen? Kann man Literaturkritik und Ethik trennen? Ist Ihre Kritik ethisch? Ich lese Ihre Kritik als Plädoyer für ästhetische und ethische Konformität.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Marc Djizmedjian		</title>
		<link>https://tell-review.de/hundert-seiten-handke-ein-p-s-zum-page-99-test/#comment-6227</link>

		<dc:creator><![CDATA[Marc Djizmedjian]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Oct 2019 19:59:04 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://tell-review.de/?p=96014#comment-6227</guid>

					<description><![CDATA[Danke für diese gelungene Analyse. Im Gegensatz zu Handkes Aufzeichnungen &quot;Am Felsfenster morgens&quot; (1998), wo er besondere, auch mystische Augenblicke in konzentrierter, sehr poetischer und nachvollziehbarer Form schildert, was mich als Leser durchaus beglückt hat, kommen mir die oben besprochenen Ausschnitte aus &quot;Die Obstdiebin&quot; seltsam undeutlich vor. Zwar höre ich den bekannten Handke-Sound dann und wann heraus, aber es fehlt für mein Empfinden an Konzentration. Beim Lesen dachte ich: &quot;Er schreibt aus der Rolle des &#039;bedeutenden Autors&#039;. Weil er es beschreibt, muss alles, noch das Unbedeutendste, Nebensächlichste, einfach wichtig sein.&quot; Das Bewusstsein der eigenen Wichtigkeit als Autor kritisierte Handke vor dreissig Jahren am Beispiel von Thomas Mann aber scharf: &quot;Da ist gleich der erste Satz so, daß man spürt, der das schreibt, ist sich dessen gewiß, eine Gemeinde zu haben, die auf seinen bestimmten Tonfall hört. Also er fängt nie wirklich an, sondern schreibt in dem Bewußtsein, daß er der Thomas Mann ist. Das ist doch verwerflich.&quot; (Interview mit André Müller, 1988) Doch in diesem Bewusstsein geschrieben kommen mir die Passagen aus &quot;Die Obstdiebin&quot; ein Stück weit vor.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Danke für diese gelungene Analyse. Im Gegensatz zu Handkes Aufzeichnungen &#8222;Am Felsfenster morgens&#8220; (1998), wo er besondere, auch mystische Augenblicke in konzentrierter, sehr poetischer und nachvollziehbarer Form schildert, was mich als Leser durchaus beglückt hat, kommen mir die oben besprochenen Ausschnitte aus &#8222;Die Obstdiebin&#8220; seltsam undeutlich vor. Zwar höre ich den bekannten Handke-Sound dann und wann heraus, aber es fehlt für mein Empfinden an Konzentration. Beim Lesen dachte ich: &#8222;Er schreibt aus der Rolle des &#8218;bedeutenden Autors&#8216;. Weil er es beschreibt, muss alles, noch das Unbedeutendste, Nebensächlichste, einfach wichtig sein.&#8220; Das Bewusstsein der eigenen Wichtigkeit als Autor kritisierte Handke vor dreissig Jahren am Beispiel von Thomas Mann aber scharf: &#8222;Da ist gleich der erste Satz so, daß man spürt, der das schreibt, ist sich dessen gewiß, eine Gemeinde zu haben, die auf seinen bestimmten Tonfall hört. Also er fängt nie wirklich an, sondern schreibt in dem Bewußtsein, daß er der Thomas Mann ist. Das ist doch verwerflich.&#8220; (Interview mit André Müller, 1988) Doch in diesem Bewusstsein geschrieben kommen mir die Passagen aus &#8222;Die Obstdiebin&#8220; ein Stück weit vor.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>
		Von: mikefromffm		</title>
		<link>https://tell-review.de/hundert-seiten-handke-ein-p-s-zum-page-99-test/#comment-6223</link>

		<dc:creator><![CDATA[mikefromffm]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Oct 2019 12:49:13 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://tell-review.de/?p=96014#comment-6223</guid>

					<description><![CDATA[So und nur so muss man den Handkeverstehern entgegentreten. Vielen Dank für die Analyse.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So und nur so muss man den Handkeverstehern entgegentreten. Vielen Dank für die Analyse.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
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