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	Kommentare zu: Der Verriss – eine Selbstreinigungsmaßnahme der Literaturkritik	</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
	<lastBuildDate>Sun, 20 Aug 2023 22:32:37 +0000</lastBuildDate>
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		Von: Sieglinde Geisel		</title>
		<link>https://tell-review.de/der-verriss-eine-selbstreinigungsmassnahme-der-literaturkritik/#comment-27424</link>

		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Aug 2023 22:32:37 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Wenn Literaturkritik nur noch aus Empfehlungen besteht, wird sie irrelevant. 
Nicht nur, weil die Literaturseiten dann unglaublich langweilig werden, sondern auch weil man im Verriss viel genauer die Kriterien benennen muss, an denen die Qualität von Literatur gemessen werden kann.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn Literaturkritik nur noch aus Empfehlungen besteht, wird sie irrelevant.<br />
Nicht nur, weil die Literaturseiten dann unglaublich langweilig werden, sondern auch weil man im Verriss viel genauer die Kriterien benennen muss, an denen die Qualität von Literatur gemessen werden kann.</p>
]]></content:encoded>
		
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		<title>
		Von: Sarah Mayer		</title>
		<link>https://tell-review.de/der-verriss-eine-selbstreinigungsmassnahme-der-literaturkritik/#comment-27393</link>

		<dc:creator><![CDATA[Sarah Mayer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 19 Aug 2023 01:35:49 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Bücher sollen von Empfehlungen leben. 
Der Jahrmarkt der Eitelkeiten - oder Literaturkritik genannt - kann sich getrost abschaffen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bücher sollen von Empfehlungen leben.<br />
Der Jahrmarkt der Eitelkeiten &#8211; oder Literaturkritik genannt &#8211; kann sich getrost abschaffen.</p>
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			</item>
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		<title>
		Von: Laubeiter		</title>
		<link>https://tell-review.de/der-verriss-eine-selbstreinigungsmassnahme-der-literaturkritik/#comment-9929</link>

		<dc:creator><![CDATA[Laubeiter]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Jul 2020 11:42:04 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Wenn es so wäre, dass zehn Prozent crap sind, was ist das deutsche Wort für crap? Mist? Schund? Spreu? Mir fällt es schwer zuzustimmen, dass neun von zehn Büchern es nicht wert wären, gelesen zu werden. Manche mögen Nachtzug nach Lissabon, andere nicht. Ein Verriss von Nachtzug nach Lissabon mag mir helfen, wenn ich zu denen gehöre, für die es crap wäre, wenn ich das Buch läse. Er mag mir eine Möglichkeit, mit dieser Sorte crap eine gute Zeit zu haben, verbauen, wenn mein Geschmack in Richtung crap ausgebildet ist. Oder Knausgard. Oder Bellow. Oder Littell. Ich habe Spass an einem Verriss, der in einem ernstgemeinten Buch crap findet, und ich habe Zweifel, ob Verrisse Bücher ernst genug nehmen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn es so wäre, dass zehn Prozent crap sind, was ist das deutsche Wort für crap? Mist? Schund? Spreu? Mir fällt es schwer zuzustimmen, dass neun von zehn Büchern es nicht wert wären, gelesen zu werden. Manche mögen Nachtzug nach Lissabon, andere nicht. Ein Verriss von Nachtzug nach Lissabon mag mir helfen, wenn ich zu denen gehöre, für die es crap wäre, wenn ich das Buch läse. Er mag mir eine Möglichkeit, mit dieser Sorte crap eine gute Zeit zu haben, verbauen, wenn mein Geschmack in Richtung crap ausgebildet ist. Oder Knausgard. Oder Bellow. Oder Littell. Ich habe Spass an einem Verriss, der in einem ernstgemeinten Buch crap findet, und ich habe Zweifel, ob Verrisse Bücher ernst genug nehmen.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
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		<title>
		Von: Jürgen Kiel		</title>
		<link>https://tell-review.de/der-verriss-eine-selbstreinigungsmassnahme-der-literaturkritik/#comment-9927</link>

		<dc:creator><![CDATA[Jürgen Kiel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Jul 2020 09:27:23 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Zum Thema passt die Untersuchung der Kultursoziologin Phillipa K. Chong zur Rezensionspraxis in der US-amerikanischen Literaturkritik. Das Buch wird in der SZ vorgestellt.

https://www.sueddeutsche.de/kultur/unter-bekannten-wo-die-milden-kerle-wohnen-1.4966606

Der Verriss wird zum Dodo der Literaturszene.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zum Thema passt die Untersuchung der Kultursoziologin Phillipa K. Chong zur Rezensionspraxis in der US-amerikanischen Literaturkritik. Das Buch wird in der SZ vorgestellt.</p>
<p><a href="https://www.sueddeutsche.de/kultur/unter-bekannten-wo-die-milden-kerle-wohnen-1.4966606" rel="nofollow ugc">https://www.sueddeutsche.de/kultur/unter-bekannten-wo-die-milden-kerle-wohnen-1.4966606</a></p>
<p>Der Verriss wird zum Dodo der Literaturszene.</p>
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		<item>
		<title>
		Von: ceeschow		</title>
		<link>https://tell-review.de/der-verriss-eine-selbstreinigungsmassnahme-der-literaturkritik/#comment-9918</link>

		<dc:creator><![CDATA[ceeschow]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Jul 2020 10:45:58 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Chapeau!
Das musste heute einmal gesagt werden! Die Autorin steht mit ihrer Ansicht nicht allein, was sie mit köstlichen Zitaten belegt.
Übrigens was Robert Schumann hinsichtlich der Musikkritik etwa derselben Meinung und wurde dafür sattsam angefeindet.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Chapeau!<br />
Das musste heute einmal gesagt werden! Die Autorin steht mit ihrer Ansicht nicht allein, was sie mit köstlichen Zitaten belegt.<br />
Übrigens was Robert Schumann hinsichtlich der Musikkritik etwa derselben Meinung und wurde dafür sattsam angefeindet.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Jürgen Kiel		</title>
		<link>https://tell-review.de/der-verriss-eine-selbstreinigungsmassnahme-der-literaturkritik/#comment-9917</link>

		<dc:creator><![CDATA[Jürgen Kiel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Jul 2020 09:28:54 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://tell-review.de/?p=98366#comment-9917</guid>

					<description><![CDATA[Kehlmann ist ein gutes Stichwort, weil er den üblichen Einwickelästheten überlegen ist, ohne gleich ein Elefant zu sein. Er hat ein hervorragendes Gespür für Qualität, sieht keinen dogmatischen Gegensatz zwischen Kunst und Unterhaltsamkeit und hat die Meister intensiv studiert, ohne nur einen nachzuahmen. Als Nabokov-Fan konnte ich erkennen, dass er einiges von dessen Erzähltechniken gelernt hat (was mir gefällt), ohne Nabokovs Abgründen zu nahe zu kommen. Kehlmann ist ein Musterschüler, der vermutlich keine Risiken eingehen könnte, selbst wenn er das wollte. Er macht alles mit dem Kopf und weiß das. Zu gebildet und phantasiereich, um lediglich ein Floh zu sein, ist er ein intelligenter, netter Bernhardiner, der erfolgreich in die Elefantenschule gegangen ist und sich einen Rüssel übergezogen hat.
Die deutsche Gegenwartsliteratur ist für einen Leser wie mich oft einfach zu nett, d. h. sie hat ein zu treuherziges Verhältnis zur Realität, ihr fehlt die „Unverständlichkeit“.
Ein aktuelles Beispiel ist für mich der neue Roman „Stern 111“ von Lutz Seiler, den ich gerade lese. Thematisch interessiert mich das überhaupt nicht, aber Seiler schreibt eine derart abwechslungsreiche, durchgearbeitete Prosa, dass ich bei der Stange geblieben bin und die hervorragenden Kritiken, die der Roman erhalten hat, gut nachvollziehen kann. Der Roman will nicht mehr sein als er ist, und das was er will, macht er gut.
Aber auch er ist zu nett, zu nett…]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kehlmann ist ein gutes Stichwort, weil er den üblichen Einwickelästheten überlegen ist, ohne gleich ein Elefant zu sein. Er hat ein hervorragendes Gespür für Qualität, sieht keinen dogmatischen Gegensatz zwischen Kunst und Unterhaltsamkeit und hat die Meister intensiv studiert, ohne nur einen nachzuahmen. Als Nabokov-Fan konnte ich erkennen, dass er einiges von dessen Erzähltechniken gelernt hat (was mir gefällt), ohne Nabokovs Abgründen zu nahe zu kommen. Kehlmann ist ein Musterschüler, der vermutlich keine Risiken eingehen könnte, selbst wenn er das wollte. Er macht alles mit dem Kopf und weiß das. Zu gebildet und phantasiereich, um lediglich ein Floh zu sein, ist er ein intelligenter, netter Bernhardiner, der erfolgreich in die Elefantenschule gegangen ist und sich einen Rüssel übergezogen hat.<br />
Die deutsche Gegenwartsliteratur ist für einen Leser wie mich oft einfach zu nett, d. h. sie hat ein zu treuherziges Verhältnis zur Realität, ihr fehlt die „Unverständlichkeit“.<br />
Ein aktuelles Beispiel ist für mich der neue Roman „Stern 111“ von Lutz Seiler, den ich gerade lese. Thematisch interessiert mich das überhaupt nicht, aber Seiler schreibt eine derart abwechslungsreiche, durchgearbeitete Prosa, dass ich bei der Stange geblieben bin und die hervorragenden Kritiken, die der Roman erhalten hat, gut nachvollziehen kann. Der Roman will nicht mehr sein als er ist, und das was er will, macht er gut.<br />
Aber auch er ist zu nett, zu nett…</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Sieglinde Geisel		</title>
		<link>https://tell-review.de/der-verriss-eine-selbstreinigungsmassnahme-der-literaturkritik/#comment-9914</link>

		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Jul 2020 08:24:25 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/der-verriss-eine-selbstreinigungsmassnahme-der-literaturkritik/#comment-9913&quot;&gt;Jürgen Kiel&lt;/a&gt;.

Wow, &quot;Zombie-Elefanten&quot; ist ein toller Begriff, danke! Mir fällt dazu etwa Daniel Kehlmann ein: Seine Essays und Interviews finde ich oft hervorragend, doch seine Romane halte ich für trivialisierte Hochliteratur, entsprechend leicht lassen sie sich verreißen (und ich wundere mich darüber, dass das kaum jemand tut), dazu passt auch, dass er seinen Roman &quot;Tyll&quot; pünktlich zum Jubiläum des Dreißigjährigen Kriegs veröffentlicht hat. Konfektionsware halt, ein Konsumprodukt mit dem entsprechenden Erfolg. 
Haben Sie weitere Beispiele dafür? Und auch für die Romane, die wichtig sind, jedoch künstlerisch belanglos? Ich denke dabei an Bücher, die für ihre eigene Epoche wichtig sind, als Diskussionsgrundlage und auch als eine Art Gebrauchsanleitung fürs Gegenwartsleben, die jedoch ihre eigene Zeit nicht überdauern. 
Das große Geheimnis ist ja immer die Frage, welche Romane das Zeug zum Klassiker haben. Meistens werden sie von ihrer eigenen Zeit nicht wahrgenommen, siehe Beckett, Kafka, Faulkner, Melville... Ein nachhaltig wichtiges Buch brauche zwanzig Jahre, bis es entdeckt werde, so Ezra Pound. Er beriet den Stahlerben James Laughlin bei dessen Verlagsgründung von New Directions: Während der ersten zwanzig Jahre machte der Verlag Verluste, hatte dafür dann eine Backlist, mit er er nachhaltig profitabel wurde (Brecht, Robert Walser, Kafka etc.). Heute ist es einer der letzten unabhängigen Verlage, die in Amerika überleben, nur ist es mit der Backlist schwierig geworden, da man im Internet alles antiquarisch für einen Cent bekommt... (aber das ist dann wieder ein anderes Thema,)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/der-verriss-eine-selbstreinigungsmassnahme-der-literaturkritik/#comment-9913">Jürgen Kiel</a>.</p>
<p>Wow, &#8222;Zombie-Elefanten&#8220; ist ein toller Begriff, danke! Mir fällt dazu etwa Daniel Kehlmann ein: Seine Essays und Interviews finde ich oft hervorragend, doch seine Romane halte ich für trivialisierte Hochliteratur, entsprechend leicht lassen sie sich verreißen (und ich wundere mich darüber, dass das kaum jemand tut), dazu passt auch, dass er seinen Roman &#8222;Tyll&#8220; pünktlich zum Jubiläum des Dreißigjährigen Kriegs veröffentlicht hat. Konfektionsware halt, ein Konsumprodukt mit dem entsprechenden Erfolg.<br />
Haben Sie weitere Beispiele dafür? Und auch für die Romane, die wichtig sind, jedoch künstlerisch belanglos? Ich denke dabei an Bücher, die für ihre eigene Epoche wichtig sind, als Diskussionsgrundlage und auch als eine Art Gebrauchsanleitung fürs Gegenwartsleben, die jedoch ihre eigene Zeit nicht überdauern.<br />
Das große Geheimnis ist ja immer die Frage, welche Romane das Zeug zum Klassiker haben. Meistens werden sie von ihrer eigenen Zeit nicht wahrgenommen, siehe Beckett, Kafka, Faulkner, Melville&#8230; Ein nachhaltig wichtiges Buch brauche zwanzig Jahre, bis es entdeckt werde, so Ezra Pound. Er beriet den Stahlerben James Laughlin bei dessen Verlagsgründung von New Directions: Während der ersten zwanzig Jahre machte der Verlag Verluste, hatte dafür dann eine Backlist, mit er er nachhaltig profitabel wurde (Brecht, Robert Walser, Kafka etc.). Heute ist es einer der letzten unabhängigen Verlage, die in Amerika überleben, nur ist es mit der Backlist schwierig geworden, da man im Internet alles antiquarisch für einen Cent bekommt&#8230; (aber das ist dann wieder ein anderes Thema,)</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Jürgen Kiel		</title>
		<link>https://tell-review.de/der-verriss-eine-selbstreinigungsmassnahme-der-literaturkritik/#comment-9913</link>

		<dc:creator><![CDATA[Jürgen Kiel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Jul 2020 08:13:48 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://tell-review.de/?p=98366#comment-9913</guid>

					<description><![CDATA[Nach meiner Beobachtung erscheinen negative Aussagen in Literaturrezensionen meistens als Teilkritik. Gesamtverrisse sind selten, doch wenn sie veröffentlicht werden, geht es vor allem um künstlerische Schwächen, oder, wie bei „Stella“ von Takis Würger, darum, dass ein Projekt bereits im Ansatz verfehlt ist. Verrisse zwingen Kritiker, ihr gesamtes intellektuelles Besteck zu zücken und ihr Urteil, z. B. durch gut gewählte Zitate, stichhaltig zu begründen.
Die kleinen Formen (vor allem die Lyrik, aber auch Kurzprosa und viele Erzählungen und manche Kurzromane) zwingen die Rezensenten, sich auf die künstlerischen Aspekte der Texte zu konzentrieren, d. h. auf das, was das Werk durch seine spezifische Komposition sagt.
Anders im Fall unzähliger Romane. Romane können Unterhaltung, Publizistik und Kunst sein. Wenn Rezensenten schreiben, ein Roman sei spannend, berührend, fulminant, entwickle einen Sog etc., dann geht es um seine Unterhaltungsseite. Wenn sie schreiben, er sei „mehr als Unterhaltung“, nämlich wichtig, relevant und anschlussfähig, geht es um seine publizistische Seite. Beides gut zu verknüpfen, gilt als besonders gut. Spricht die Kritik von einem „großen Roman“, ist häufig genau das gemeint.
Demnach kann ein Roman zu Recht gelobt werden, ohne dass künstlerische Aspekte im eigentlichen Sinne überhaupt zur Sprache kommen. Nicht weil die Rezensenten diese nicht bewerten könnten, sondern weil die Werke dafür zu wenig hergeben. Die Werke sind nicht deshalb künstlerisch uninteressant, weil sie sprachlich verunglückt, klischeehaft, schematisch geschrieben sind, sondern weil sie auf einer „Einwickelästhetik“ (Albrecht Fabri) beruhen. 
Es ist sinnlos und würde auch vom Lesepublikum nicht verstanden, wenn diese Romane deshalb durchgängig verrissen würden, denn es handelt sich häufig um hervorragende, „fehlerfreie“ Produkte, an denen kompetente Autoren manchmal jahrelang gearbeitet haben. Sie lassen sich problemlos und für alle nachvollziehbar rezensieren, aber sie sind nicht geschrieben worden, um ästhetische Reflexion zu provozieren. Einem Friedrich Schlegel würde dazu nichts einfallen, auch kein Verriss.
Besser geeignet für den Verriss sind Romane, die einen Kunstanspruch vor sich her tragen, den sie nicht einlösen können, die keine Flöhe sind, sondern Zombie-Elefanten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach meiner Beobachtung erscheinen negative Aussagen in Literaturrezensionen meistens als Teilkritik. Gesamtverrisse sind selten, doch wenn sie veröffentlicht werden, geht es vor allem um künstlerische Schwächen, oder, wie bei „Stella“ von Takis Würger, darum, dass ein Projekt bereits im Ansatz verfehlt ist. Verrisse zwingen Kritiker, ihr gesamtes intellektuelles Besteck zu zücken und ihr Urteil, z. B. durch gut gewählte Zitate, stichhaltig zu begründen.<br />
Die kleinen Formen (vor allem die Lyrik, aber auch Kurzprosa und viele Erzählungen und manche Kurzromane) zwingen die Rezensenten, sich auf die künstlerischen Aspekte der Texte zu konzentrieren, d. h. auf das, was das Werk durch seine spezifische Komposition sagt.<br />
Anders im Fall unzähliger Romane. Romane können Unterhaltung, Publizistik und Kunst sein. Wenn Rezensenten schreiben, ein Roman sei spannend, berührend, fulminant, entwickle einen Sog etc., dann geht es um seine Unterhaltungsseite. Wenn sie schreiben, er sei „mehr als Unterhaltung“, nämlich wichtig, relevant und anschlussfähig, geht es um seine publizistische Seite. Beides gut zu verknüpfen, gilt als besonders gut. Spricht die Kritik von einem „großen Roman“, ist häufig genau das gemeint.<br />
Demnach kann ein Roman zu Recht gelobt werden, ohne dass künstlerische Aspekte im eigentlichen Sinne überhaupt zur Sprache kommen. Nicht weil die Rezensenten diese nicht bewerten könnten, sondern weil die Werke dafür zu wenig hergeben. Die Werke sind nicht deshalb künstlerisch uninteressant, weil sie sprachlich verunglückt, klischeehaft, schematisch geschrieben sind, sondern weil sie auf einer „Einwickelästhetik“ (Albrecht Fabri) beruhen.<br />
Es ist sinnlos und würde auch vom Lesepublikum nicht verstanden, wenn diese Romane deshalb durchgängig verrissen würden, denn es handelt sich häufig um hervorragende, „fehlerfreie“ Produkte, an denen kompetente Autoren manchmal jahrelang gearbeitet haben. Sie lassen sich problemlos und für alle nachvollziehbar rezensieren, aber sie sind nicht geschrieben worden, um ästhetische Reflexion zu provozieren. Einem Friedrich Schlegel würde dazu nichts einfallen, auch kein Verriss.<br />
Besser geeignet für den Verriss sind Romane, die einen Kunstanspruch vor sich her tragen, den sie nicht einlösen können, die keine Flöhe sind, sondern Zombie-Elefanten.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Meinolf Reul		</title>
		<link>https://tell-review.de/der-verriss-eine-selbstreinigungsmassnahme-der-literaturkritik/#comment-9911</link>

		<dc:creator><![CDATA[Meinolf Reul]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Jul 2020 07:43:30 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://tell-review.de/?p=98366#comment-9911</guid>

					<description><![CDATA[Die Bloggerinnen und Prekariatskritiker bekommen die zu besprechenden (zu kritisierenden) Bücher ja nicht von einer Redaktion aufs Auge gedrückt, sondern fangen an zu schreiben, wenn sie das betreffende Buch, das sie sowieso gelesen hätten, zu einer weiter ausholenden Erklärung reizt. Darum finden sich Verrisse in der immer etwas schläfrigen Blogosphäre selten.
Da ich einen Schulaufsatz zu Bertolt Brecht einst mit dem Satz: &quot;Ich hasse Brecht&quot; begonnen habe, würde ich mir zugestehen, dass ich fähig wäre zu polemisieren. Aber es entspricht meinem Temperament mehr, die Kunst bei Büchern zu zeigen, von denen ein oberflächlicher User vielleicht sagen würde: Das kann ich auch, oder: Was soll das?
Sich mittels Inhaltsangaben um eine kritische Äußerung herumzumogeln ... das sind dann Rezensenten, keine Kritiker. Ein Blogger, der aufmerksam ein Buch lobend bespricht, kann dies durchaus als Kritiker tun, während ein lauer Kritiker eher auf der Seite des Rezensenten zu sehen wäre, der letztlich nichts anderes tut, als ein Buch kurz in die Kamera zu halten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Bloggerinnen und Prekariatskritiker bekommen die zu besprechenden (zu kritisierenden) Bücher ja nicht von einer Redaktion aufs Auge gedrückt, sondern fangen an zu schreiben, wenn sie das betreffende Buch, das sie sowieso gelesen hätten, zu einer weiter ausholenden Erklärung reizt. Darum finden sich Verrisse in der immer etwas schläfrigen Blogosphäre selten.<br />
Da ich einen Schulaufsatz zu Bertolt Brecht einst mit dem Satz: &#8222;Ich hasse Brecht&#8220; begonnen habe, würde ich mir zugestehen, dass ich fähig wäre zu polemisieren. Aber es entspricht meinem Temperament mehr, die Kunst bei Büchern zu zeigen, von denen ein oberflächlicher User vielleicht sagen würde: Das kann ich auch, oder: Was soll das?<br />
Sich mittels Inhaltsangaben um eine kritische Äußerung herumzumogeln &#8230; das sind dann Rezensenten, keine Kritiker. Ein Blogger, der aufmerksam ein Buch lobend bespricht, kann dies durchaus als Kritiker tun, während ein lauer Kritiker eher auf der Seite des Rezensenten zu sehen wäre, der letztlich nichts anderes tut, als ein Buch kurz in die Kamera zu halten.</p>
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