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	Kommentare zu: Der Erfinder Westdeutschlands	</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
	<lastBuildDate>Thu, 04 Nov 2021 21:24:49 +0000</lastBuildDate>
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		<title>
		Von: Jochen Schimmang		</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Schimmang]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Nov 2021 21:24:49 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Liebe Sieglinde Geisel und liebe(r) Laubeiter, in der Tat handelte es sich in den frühen Jahren der Bunzreplik wohl um das Gefühl des Davongekommenseins, was sich zum einen bei der Generation meiner Eltern in einer geradezu angestrengten und lärmenden Fröhlichkeit, zum anderen aber in einem Leben mit zusammengepressten Lippen ausdrückte. So habe ich es als Kind geahnt und wahrgenommen und später mir auch selbst erklärt, nachdem ich nach und nach erfahren hatte, dass ich die ersten elf Jahre meines Lebens in einer Stadt aufgewachsen bin, die dem Führer und seiner Bande schon 1930 vorauseilenden Gehorsam entgegengebracht hatte. Darüber gibt es eine hervorragende Studie eines amerikanischen Zeithistorikers aus dem Jahr 1965, erweitert 1984, die im Deutschen den euphemistischen Titel &quot;Das haben wir nicht gewollt&quot; trug. Im Original heißt sie sachlich &quot;The Nazi Seizure of Power. The Experience of a Single German Town 1922 - 1945.&quot; Die nachgetragene Liebe zu Westdeutschland in meinen Büchern resultiert aus dem Prozess der Westintegration und meiner Entdeckung Westeuropas als Jugendlicher, reisend und selbstverständlich lesend. Deshalb hatte und habe ich so große Schwierigkeiten mit der &quot;Wiedervereinigung&quot;, weil ich glaube, dass Länder wie Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen mental nicht zu Westeuropa gehören und das auch nicht wollen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Sieglinde Geisel und liebe(r) Laubeiter, in der Tat handelte es sich in den frühen Jahren der Bunzreplik wohl um das Gefühl des Davongekommenseins, was sich zum einen bei der Generation meiner Eltern in einer geradezu angestrengten und lärmenden Fröhlichkeit, zum anderen aber in einem Leben mit zusammengepressten Lippen ausdrückte. So habe ich es als Kind geahnt und wahrgenommen und später mir auch selbst erklärt, nachdem ich nach und nach erfahren hatte, dass ich die ersten elf Jahre meines Lebens in einer Stadt aufgewachsen bin, die dem Führer und seiner Bande schon 1930 vorauseilenden Gehorsam entgegengebracht hatte. Darüber gibt es eine hervorragende Studie eines amerikanischen Zeithistorikers aus dem Jahr 1965, erweitert 1984, die im Deutschen den euphemistischen Titel &#8222;Das haben wir nicht gewollt&#8220; trug. Im Original heißt sie sachlich &#8222;The Nazi Seizure of Power. The Experience of a Single German Town 1922 &#8211; 1945.&#8220; Die nachgetragene Liebe zu Westdeutschland in meinen Büchern resultiert aus dem Prozess der Westintegration und meiner Entdeckung Westeuropas als Jugendlicher, reisend und selbstverständlich lesend. Deshalb hatte und habe ich so große Schwierigkeiten mit der &#8222;Wiedervereinigung&#8220;, weil ich glaube, dass Länder wie Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen mental nicht zu Westeuropa gehören und das auch nicht wollen.</p>
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		<title>
		Von: Laubeiter		</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Laubeiter]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Nov 2021 09:14:09 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Ich finde diese Möglichkeit des Austausches hier, der schnell oder langsam sein kann, toll, denn es bietet auch mir die Möglichkeit, länger nachzudenken und mit Neuem erstmal ohne Form zu probieren. Die Idee, das Schriftsteller Gefühle erfinden, hatte wohl auch Jamieson mit seinem political unconscious. An der Idee, Schimmangs literarisches Werk könnte ein politisches Klima erfasst haben, gefällt mir viel. Wenn man gegen die Eltern schreibt und gegen einen Spiesser in sich, ist es unheroisch. Gegen das Fortbestehen des Nationalsozialismus wie vielleicht Böll zu schreiben, kann heroisch sein. Mich beschäftigt, dass Schimmang ja die zwei deutschen Staaten in den Blick nimmt als Bewohner einer Zeit, in der die beiden wieder in einen übergegangen sind. Mir scheint, dass in der DDR das Genre Heldenerzählung weiterbestand, es waren dann keine Wehrmachtmänner, sondern jene, die die Wehrmachtmänner überwunden hatten und die Diktatur des Proletariats durchsetzten. In der BRD war die Heldenerzählung schlechter angesehen, oder? Jene, die davongekommen waren, waren in der Regel nicht durch heldenhafte Flucht davongekommen, sondern durch Zufall und durch die Zugehörigkeit ihrer Eltern zu der Gruppe, die von der nationalsozialistischen Diktatur nicht zur Verfolgung, sondern zum Verfolgen designiert worden war.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich finde diese Möglichkeit des Austausches hier, der schnell oder langsam sein kann, toll, denn es bietet auch mir die Möglichkeit, länger nachzudenken und mit Neuem erstmal ohne Form zu probieren. Die Idee, das Schriftsteller Gefühle erfinden, hatte wohl auch Jamieson mit seinem political unconscious. An der Idee, Schimmangs literarisches Werk könnte ein politisches Klima erfasst haben, gefällt mir viel. Wenn man gegen die Eltern schreibt und gegen einen Spiesser in sich, ist es unheroisch. Gegen das Fortbestehen des Nationalsozialismus wie vielleicht Böll zu schreiben, kann heroisch sein. Mich beschäftigt, dass Schimmang ja die zwei deutschen Staaten in den Blick nimmt als Bewohner einer Zeit, in der die beiden wieder in einen übergegangen sind. Mir scheint, dass in der DDR das Genre Heldenerzählung weiterbestand, es waren dann keine Wehrmachtmänner, sondern jene, die die Wehrmachtmänner überwunden hatten und die Diktatur des Proletariats durchsetzten. In der BRD war die Heldenerzählung schlechter angesehen, oder? Jene, die davongekommen waren, waren in der Regel nicht durch heldenhafte Flucht davongekommen, sondern durch Zufall und durch die Zugehörigkeit ihrer Eltern zu der Gruppe, die von der nationalsozialistischen Diktatur nicht zur Verfolgung, sondern zum Verfolgen designiert worden war.</p>
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		<title>
		Von: Sieglinde Geisel		</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Oct 2021 08:48:15 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/der-erfinder-westdeutschlands/#comment-15885&quot;&gt;Laubeiter&lt;/a&gt;.

Ich habe jetzt noch einmal neu und lange darüber nachgedacht. Vielleicht ist es das Gefühl des Davongekommenseins. Dieses diffuse Bewusstsein der Nachkriegszeit, das Erspüren dessen, was die Elterngeneration sich nicht eingestehen wollte. Und daraus dann diese geordnete, etwas leidenschaftslose, immer vom Spießertum bedrohte Lebenshaltung einer geborgten Normalität?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/der-erfinder-westdeutschlands/#comment-15885">Laubeiter</a>.</p>
<p>Ich habe jetzt noch einmal neu und lange darüber nachgedacht. Vielleicht ist es das Gefühl des Davongekommenseins. Dieses diffuse Bewusstsein der Nachkriegszeit, das Erspüren dessen, was die Elterngeneration sich nicht eingestehen wollte. Und daraus dann diese geordnete, etwas leidenschaftslose, immer vom Spießertum bedrohte Lebenshaltung einer geborgten Normalität?</p>
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		<title>
		Von: Laubeiter		</title>
		<link>https://tell-review.de/der-erfinder-westdeutschlands/#comment-15885</link>

		<dc:creator><![CDATA[Laubeiter]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 Oct 2021 20:29:29 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Toller Text, Danke. Welches Gefuehl hat Schimmang erfunden? Ich finde den Schock ueber Bilder von Todesopfern nachvollziehbar. Schwer zu beschreiben, was Bilder ausloesen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Toller Text, Danke. Welches Gefuehl hat Schimmang erfunden? Ich finde den Schock ueber Bilder von Todesopfern nachvollziehbar. Schwer zu beschreiben, was Bilder ausloesen.</p>
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