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	Kommentare zu: Das Böse in der Politik	</title>
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	<link>https://tell-review.de/das-boese-in-der-politik/</link>
	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
	<lastBuildDate>Fri, 14 Apr 2023 08:37:49 +0000</lastBuildDate>
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		<title>
		Von: Herwig Finkeldey		</title>
		<link>https://tell-review.de/das-boese-in-der-politik/#comment-25267</link>

		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Apr 2023 08:37:49 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/das-boese-in-der-politik/#comment-25035&quot;&gt;Laubeiter&lt;/a&gt;.

Aufgrund eines Krankenhausaufenthaltes komme ich erst heute zur Antwort. Sie fällt kurz aus. Alle genannten Beispiele zeigen Ironisierungen nach der Etablierung einer Diktatur. Mich interessiert das Vorfeld. Kann Ironie helfen, das Werden und Etablieren einer Diktatur zu erkennen oder gar zu verhindern? Eben das sehe ich nicht. Weil die Ironie sich nicht nur über die Radikalen erhebt, sonderen auch über deren Gegner. Die beispielsweise als &quot;Gutmenschen&quot; durch den Kakao der Ironie gezogen werden. Ästhetisch ja durchaus nicht ohne Berechtigung. Eifernde bleiben Eifernde, auch wenn sie gegen &quot;das Böse&quot; eifern, sind selten ein eloquenter Anblick. Auch wenn sie moralisch recht behalten haben. 
Das aber führt mich zur Frage ob die ja immer mit einem Überlegenheitsanspruch einhergehende und zugleich äquidistanzierte, ironische Attitüde hier nicht versagt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/das-boese-in-der-politik/#comment-25035">Laubeiter</a>.</p>
<p>Aufgrund eines Krankenhausaufenthaltes komme ich erst heute zur Antwort. Sie fällt kurz aus. Alle genannten Beispiele zeigen Ironisierungen nach der Etablierung einer Diktatur. Mich interessiert das Vorfeld. Kann Ironie helfen, das Werden und Etablieren einer Diktatur zu erkennen oder gar zu verhindern? Eben das sehe ich nicht. Weil die Ironie sich nicht nur über die Radikalen erhebt, sonderen auch über deren Gegner. Die beispielsweise als &#8222;Gutmenschen&#8220; durch den Kakao der Ironie gezogen werden. Ästhetisch ja durchaus nicht ohne Berechtigung. Eifernde bleiben Eifernde, auch wenn sie gegen &#8222;das Böse&#8220; eifern, sind selten ein eloquenter Anblick. Auch wenn sie moralisch recht behalten haben.<br />
Das aber führt mich zur Frage ob die ja immer mit einem Überlegenheitsanspruch einhergehende und zugleich äquidistanzierte, ironische Attitüde hier nicht versagt.</p>
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		<title>
		Von: Laubeiter		</title>
		<link>https://tell-review.de/das-boese-in-der-politik/#comment-25035</link>

		<dc:creator><![CDATA[Laubeiter]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Mar 2023 10:19:39 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[vielen Dank für die Antwort, ich kann mit der Antwort etwas anfangen. Ist es also unreif, Diktatur albern zu präsentieren? Vielleicht ja, vielleicht habe ich Sein oder Nichtsein und Der große Diktator als Kind angefangen, lustig zu finden, bleibe bis heute bei einem kindlichen Unverständnis. Für mich sind die Bücher von Paul Goma über Diktatur bisher am nächsten am Entsetzen über Ohnmacht. Noch etwas zu Ironie: Ich lese gerade Überfordert von Bettina Stangneth - hier geht es um die Antwort der Deutschen darauf, dass die Siegermächte ihnen vor Augen führten, dass mit dem Ende der Diktatur ihre Taten nicht mehr länger Dienst an der Nation gewesen waren, sondern Morde, von hnen begangen. Stangneth setzt Ironie ein, nicht gegenüber der Diktatur, eher gegenüber uns heute, den Kindern von DiktaturbewohnerInnen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>vielen Dank für die Antwort, ich kann mit der Antwort etwas anfangen. Ist es also unreif, Diktatur albern zu präsentieren? Vielleicht ja, vielleicht habe ich Sein oder Nichtsein und Der große Diktator als Kind angefangen, lustig zu finden, bleibe bis heute bei einem kindlichen Unverständnis. Für mich sind die Bücher von Paul Goma über Diktatur bisher am nächsten am Entsetzen über Ohnmacht. Noch etwas zu Ironie: Ich lese gerade Überfordert von Bettina Stangneth &#8211; hier geht es um die Antwort der Deutschen darauf, dass die Siegermächte ihnen vor Augen führten, dass mit dem Ende der Diktatur ihre Taten nicht mehr länger Dienst an der Nation gewesen waren, sondern Morde, von hnen begangen. Stangneth setzt Ironie ein, nicht gegenüber der Diktatur, eher gegenüber uns heute, den Kindern von DiktaturbewohnerInnen.</p>
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		<title>
		Von: Herwig Finkeldey		</title>
		<link>https://tell-review.de/das-boese-in-der-politik/#comment-24945</link>

		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Mar 2023 05:26:36 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/das-boese-in-der-politik/#comment-24915&quot;&gt;Laubeiter&lt;/a&gt;.

Um zur Ironie gegen Diktatoren zu gelangen, muss man die Diktatoren und deren nicht-ironisch Böses ja erst einmal erkennen. Die These lautet: Dazu ist eine grundsätzlich ironische Grundhaltung möglicherweise nicht mehr in der Lage. Denn Diktatoren haben keine zweite Ebene nach der Macht. Sie bestehen nur aus Macht und sind folglich ohne Macht nicht mehr existent.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/das-boese-in-der-politik/#comment-24915">Laubeiter</a>.</p>
<p>Um zur Ironie gegen Diktatoren zu gelangen, muss man die Diktatoren und deren nicht-ironisch Böses ja erst einmal erkennen. Die These lautet: Dazu ist eine grundsätzlich ironische Grundhaltung möglicherweise nicht mehr in der Lage. Denn Diktatoren haben keine zweite Ebene nach der Macht. Sie bestehen nur aus Macht und sind folglich ohne Macht nicht mehr existent.</p>
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		<item>
		<title>
		Von: Laubeiter		</title>
		<link>https://tell-review.de/das-boese-in-der-politik/#comment-24915</link>

		<dc:creator><![CDATA[Laubeiter]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Mar 2023 12:59:16 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Eine Frage kam mir beim Lesen: Müssen Sie nicht lachen über Sein oder Nichtsein von Lubitsch und über Der große Diktator von Chaplin? Es wäre bekloppt zu behaupten, eine Witz-Offensive könne die russische Invasion der Ukraine zurückwerfen. Doch wenn diese Invasion die Ironie gegen Diktatoren füsiliert, dann wird mir was fehlen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Frage kam mir beim Lesen: Müssen Sie nicht lachen über Sein oder Nichtsein von Lubitsch und über Der große Diktator von Chaplin? Es wäre bekloppt zu behaupten, eine Witz-Offensive könne die russische Invasion der Ukraine zurückwerfen. Doch wenn diese Invasion die Ironie gegen Diktatoren füsiliert, dann wird mir was fehlen.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Herwig Finkeldey		</title>
		<link>https://tell-review.de/das-boese-in-der-politik/#comment-17782</link>

		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Mar 2022 04:15:37 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Ich sehe das Antiaufklärerische in meinem Text nicht. Er versucht vielmehr zu erklären, warum eine aufgeklärte oder - vielleicht besser - eine „aufgeklärte“ Welt das Böse in der Politik mehrheitlich nicht mehr erkennen konnte. Die Leugnung des Bösen bzw. das Erklären des Bösen als irreal weil rein mythologisch scheint mir dabei ein Teil des Problems zu sein

Auch mit Ihrer Wertung Putins als Kohlhaas bin ich nicht einverstanden. Putins ursprünglich gerechte Empörung wäre dann die Empörung über das Ende der Sowjetunion. Nun, deren Ende empfinde ich nicht als ungerecht. Sondern als verdient. Dass Putin aus genau diesem System kommt, sollte vielmehr allen zu denken geben.
Dass böse Taten sich aufschaukeln und immer furchtbarer werden, ist richtig und wird in meinem Text auch nicht bestritten. Dieses Dynamisieren des Bösen findet man auch im Nationalsozialismus wieder.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich sehe das Antiaufklärerische in meinem Text nicht. Er versucht vielmehr zu erklären, warum eine aufgeklärte oder &#8211; vielleicht besser &#8211; eine „aufgeklärte“ Welt das Böse in der Politik mehrheitlich nicht mehr erkennen konnte. Die Leugnung des Bösen bzw. das Erklären des Bösen als irreal weil rein mythologisch scheint mir dabei ein Teil des Problems zu sein</p>
<p>Auch mit Ihrer Wertung Putins als Kohlhaas bin ich nicht einverstanden. Putins ursprünglich gerechte Empörung wäre dann die Empörung über das Ende der Sowjetunion. Nun, deren Ende empfinde ich nicht als ungerecht. Sondern als verdient. Dass Putin aus genau diesem System kommt, sollte vielmehr allen zu denken geben.<br />
Dass böse Taten sich aufschaukeln und immer furchtbarer werden, ist richtig und wird in meinem Text auch nicht bestritten. Dieses Dynamisieren des Bösen findet man auch im Nationalsozialismus wieder.</p>
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			</item>
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		<title>
		Von: Fritz Iff		</title>
		<link>https://tell-review.de/das-boese-in-der-politik/#comment-17773</link>

		<dc:creator><![CDATA[Fritz Iff]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Mar 2022 14:23:21 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[&quot;Ob wir noch das Böse erkennen können&quot;? Ich weiß nicht. Putins Zielfixierung wurde sicherlich unterschätzt. Hartnäckige Menschen werden oft unterschätzt, weil die meisten diese Hartnäckigkeit nicht kennen. Der Mensch, wie er so lebt, ist unstet, selten eine(r), der 20 Jahre lang ein Ziel verfolgt, ein Detail erforscht, eine Ursache sucht.  
Die mythische Entität des Bösen in die politische Debatte zu werfen, finde ich aber zu einfach. Erklärt auch nichts. Die Populärkultur macht genug Antiaufklärung: Die simpelste Form des Antagonisten ist das reine, maldororhafte Böse. 
Die Justiz ist heute tiefgründiger. Die haben den Mythos des Bösen überwunden (Europa). In BILD, Gaming, Netflix usw. spukt das Ding noch herum. Das hilft aber nicht dem Guten, sondern den “Schurken”: der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, dem metzeln lassen, dem gewaltsprachlichen Storytelling, auch den Q-Anon Erzählungen, die von Fantasy-Dramaturgien inspiriert sind. Und natürlich den Verschwörungstheorien, die alles mit der These erklären, dass es in der Welt unvermischt böse Subjekte gebe, “Teufel in Menschengestalt”. Vielleicht kann man die These wagen: Rechts ist, wo der Mythos des Bösen lebt? Er hat Herkunftsbeziehungen in Alpträumen, die Alpträume in Ängsten, die Ängste ankern tief in der vorzivilisatorischen Menschheitsgeschichte? Jedenfalls sind die grundlos bösen Wesen in allen faschistischen Ideologien der zentrale Kniff. 
Auch außerhalb der Justiz gibt es inzwischen vernünftige Gegenpositionen. Rutger Bregmans “Im Grunde gut” scheint im dt.-sprachigen Raum sorgfältig nicht rezipiert worden zu sein. Das sollte man aber einbeziehen, wenn man über das Böse als politische Kraft diskutieren möchte. Für deutsche Intellektuelle war Bregman vermutlich nicht schwierig genug und vermutlich dem heimlichen Glauben ans Böse zu entgegengesetzt. Ich finde Bregman nicht völlig überzeugend, andererseits ist der zentrale Punkt nicht neu. Er rekurriert auf die viele Forschung zum Menschen als kollaborationsbedürftigem Wesen. Sogar Krieg nutzt die Orientierung auf das Gemeinsame (s. P. Turchin “Ultrasociality”, interessanterweise in viele Sprache übersetzt, nicht auf DE). 
Natürlich gibt es gewaltgestörte Personen. Staatsspitzen gehören nicht dazu. Sie töten per Befehlskette, maximal distanziert. Aber alle funktionieren widersprüchlich (die Grünen kriegen das gerade um die Ohren geknallt aus der idealistischen Ecke). Und dies ist dann der Punkt: Je mehr sie “status concerned” sind (Männer!), desto eher geraten sie in die Logik der bösen Tat (ohne &quot;Veränderungen an der Wahrheit&quot; kommt keiner durch). Dass Putin hochgradig ”status-concerned” ist, ähnlich wie Erdogan, weiß man. Leute, die ihn kennen, berichten von seiner Neigung, anderen Demut beizubringen bzw. Ereignisse als “demütigend”, also als Herabsetzung des Status, zu empfinden. 
Mich lässt Putin an Kohlhaas denken: Jemand, der eine tief empfundene Ungerechtigkeit wieder geraderücken will, “no matter what it takes”. Fest den Tunnelblick auf ein historisch obsoletes Ziel gerichtet: Wiederherstellung des verflossenen Weltmachtgefühls. Eventuell strebte er nur nach oben, weil ihm alle oben zu lasch waren beim Vertreten der russischen Interessen? 
Böse Taten werden mit der Zeit immer böser: “Auf dünnem Eis muss man schnell weiterlaufen”. Überall zu beobachten. Ohne Vernunft ist Eskalation die Folge. Wer “ungute” Mittel einsetzt, muss verschweigen, beschönigen, verdecken. Erst wird ein Artikel entfernt, am Ende ein Journalist getötet. Eine Zeitung verboten, dann alle Zeitungen, TV, Internet, Telefone abgehört etc. Dieses Vorgehen bedarf selbst wieder der Verdeckung oder “Legitimierung”, also der Lüge. Das erzeugt Gegner. Die muss man kaputt machen, vertreiben, inhaftieren, töten. Etc etc. Hat man eine “status over-concerned person” als Schuldirektor, Abteilungsleiter, an der Vereinsspitze oder eben als Regierungschef, kann man der Eskalation ins Böse zugucken. Trump auch ein Beispiel dafür. Viele Krimis leben von der Zwangsläufigkeit der Verschlimmerung. 
Man könnte sagen: Putin ist nicht böse an sich, sitzt aber tief in der Falle der bösen Tat, entstanden aus abstruser Zielfixierung. Mit dem unendlich neurotischeren Hitler vergleichen? Bringt nichts. Aber: So kann’s enden. Du startest mit etwas, was du und ein paar andere für eine gute Absicht hielten. Und wirst zur Fratze des Bösen schlechthin.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8222;Ob wir noch das Böse erkennen können&#8220;? Ich weiß nicht. Putins Zielfixierung wurde sicherlich unterschätzt. Hartnäckige Menschen werden oft unterschätzt, weil die meisten diese Hartnäckigkeit nicht kennen. Der Mensch, wie er so lebt, ist unstet, selten eine(r), der 20 Jahre lang ein Ziel verfolgt, ein Detail erforscht, eine Ursache sucht.<br />
Die mythische Entität des Bösen in die politische Debatte zu werfen, finde ich aber zu einfach. Erklärt auch nichts. Die Populärkultur macht genug Antiaufklärung: Die simpelste Form des Antagonisten ist das reine, maldororhafte Böse.<br />
Die Justiz ist heute tiefgründiger. Die haben den Mythos des Bösen überwunden (Europa). In BILD, Gaming, Netflix usw. spukt das Ding noch herum. Das hilft aber nicht dem Guten, sondern den “Schurken”: der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, dem metzeln lassen, dem gewaltsprachlichen Storytelling, auch den Q-Anon Erzählungen, die von Fantasy-Dramaturgien inspiriert sind. Und natürlich den Verschwörungstheorien, die alles mit der These erklären, dass es in der Welt unvermischt böse Subjekte gebe, “Teufel in Menschengestalt”. Vielleicht kann man die These wagen: Rechts ist, wo der Mythos des Bösen lebt? Er hat Herkunftsbeziehungen in Alpträumen, die Alpträume in Ängsten, die Ängste ankern tief in der vorzivilisatorischen Menschheitsgeschichte? Jedenfalls sind die grundlos bösen Wesen in allen faschistischen Ideologien der zentrale Kniff.<br />
Auch außerhalb der Justiz gibt es inzwischen vernünftige Gegenpositionen. Rutger Bregmans “Im Grunde gut” scheint im dt.-sprachigen Raum sorgfältig nicht rezipiert worden zu sein. Das sollte man aber einbeziehen, wenn man über das Böse als politische Kraft diskutieren möchte. Für deutsche Intellektuelle war Bregman vermutlich nicht schwierig genug und vermutlich dem heimlichen Glauben ans Böse zu entgegengesetzt. Ich finde Bregman nicht völlig überzeugend, andererseits ist der zentrale Punkt nicht neu. Er rekurriert auf die viele Forschung zum Menschen als kollaborationsbedürftigem Wesen. Sogar Krieg nutzt die Orientierung auf das Gemeinsame (s. P. Turchin “Ultrasociality”, interessanterweise in viele Sprache übersetzt, nicht auf DE).<br />
Natürlich gibt es gewaltgestörte Personen. Staatsspitzen gehören nicht dazu. Sie töten per Befehlskette, maximal distanziert. Aber alle funktionieren widersprüchlich (die Grünen kriegen das gerade um die Ohren geknallt aus der idealistischen Ecke). Und dies ist dann der Punkt: Je mehr sie “status concerned” sind (Männer!), desto eher geraten sie in die Logik der bösen Tat (ohne &#8222;Veränderungen an der Wahrheit&#8220; kommt keiner durch). Dass Putin hochgradig ”status-concerned” ist, ähnlich wie Erdogan, weiß man. Leute, die ihn kennen, berichten von seiner Neigung, anderen Demut beizubringen bzw. Ereignisse als “demütigend”, also als Herabsetzung des Status, zu empfinden.<br />
Mich lässt Putin an Kohlhaas denken: Jemand, der eine tief empfundene Ungerechtigkeit wieder geraderücken will, “no matter what it takes”. Fest den Tunnelblick auf ein historisch obsoletes Ziel gerichtet: Wiederherstellung des verflossenen Weltmachtgefühls. Eventuell strebte er nur nach oben, weil ihm alle oben zu lasch waren beim Vertreten der russischen Interessen?<br />
Böse Taten werden mit der Zeit immer böser: “Auf dünnem Eis muss man schnell weiterlaufen”. Überall zu beobachten. Ohne Vernunft ist Eskalation die Folge. Wer “ungute” Mittel einsetzt, muss verschweigen, beschönigen, verdecken. Erst wird ein Artikel entfernt, am Ende ein Journalist getötet. Eine Zeitung verboten, dann alle Zeitungen, TV, Internet, Telefone abgehört etc. Dieses Vorgehen bedarf selbst wieder der Verdeckung oder “Legitimierung”, also der Lüge. Das erzeugt Gegner. Die muss man kaputt machen, vertreiben, inhaftieren, töten. Etc etc. Hat man eine “status over-concerned person” als Schuldirektor, Abteilungsleiter, an der Vereinsspitze oder eben als Regierungschef, kann man der Eskalation ins Böse zugucken. Trump auch ein Beispiel dafür. Viele Krimis leben von der Zwangsläufigkeit der Verschlimmerung.<br />
Man könnte sagen: Putin ist nicht böse an sich, sitzt aber tief in der Falle der bösen Tat, entstanden aus abstruser Zielfixierung. Mit dem unendlich neurotischeren Hitler vergleichen? Bringt nichts. Aber: So kann’s enden. Du startest mit etwas, was du und ein paar andere für eine gute Absicht hielten. Und wirst zur Fratze des Bösen schlechthin.</p>
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