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	<title>Samuel Hamen &#8211; tell</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
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	<title>Samuel Hamen &#8211; tell</title>
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		<title>Angst erzählen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Samuel Hamen]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 May 2017 07:57:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Belletristik]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Angst]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
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					<description><![CDATA[In "Die fürchterlichen Tage des schrecklichen Grauens" schreibt Roman Ehrlich über Angst. Sein Roman zeigt, wie wichtig dieses Thema heute ist – und wie schwierig es sein kann, davon zu erzählen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">
<h5><strong>Weitere Beiträge zu Roman Ehrlichs <em>Die fürchterlichen Tage des schrecklichen Grauens</em>:</strong></h5>
<ul>
<li><a href="http://tell-review.de/page-99-test-roman-ehrlich/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Page-99-Test: Roman Ehrlich</a> (Sieglinde Geisel)</li>
<li>Page-99-Test: <a href="http://tell-review.de/ps-zu-roman-ehrlich/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">PS zu Roman Ehrlich</a> (Sieglinde Geisel)</li>
<li>Debatte: <a href="http://tell-review.de/der-weisse-elefant-der-literaturkritik/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Der weiße Elefant der Literaturkritik</a> (Jürgen Kiel, Louisa Chandra Esser)</div></div></li>
</ul>
<p><span class="dropcap">I</span>n seiner Schrift <em>Arbeit am Mythos</em> (1979) weist der Philosoph Hans Blumenberg dem Erzählen zwei Aufgaben zu. „Geschichten werden erzählt, um etwas zu vertreiben. Im harmlosesten, aber nicht unwichtigsten Fall: die Zeit. Sonst und schwerwiegender: die Furcht.“</p>
<p>Bei dem Diskursgeschnatter unserer angstbesessenen Zeit verwundert es nicht, dass sich auch die jüngste Literatur mit der Angst auseinandersetzt. In seinem Roman <em>Die fürchterlichen Tage des schrecklichen Grauens </em>wagt sich der Autor Roman Ehrlich an die große Frage unserer Zeit: Wie sollen wir mit der Angst leben? Und wie kann man davon erzählen?</p>
<h3>Die produktive Kraft der Angst</h3>
<p>Auf Einladung seines ehemaligen Studienfreundes Christoph beteiligt sich die Hauptfigur Moritz an dessen Filmprojekt „Das schreckliche Grauen“. Gleich zu Beginn verkündet Christoph, welches Anliegen er damit verfolgt:</p>
<blockquote><p>Ich erwarte nichts weniger, als dass wir dadurch gemeinsam die produktive Kraft der Angst für uns nutzbar machen und sie als das begreifen, was sie im besten Fall eben auch ist: die Schwelle zum Anderen als dem wirklich Neuen.</p></blockquote>
<p>Solche messianischen Reden wird Christoph immer wieder halten, um die Gruppe auf sich und das Horrorfilmprojekt einzuschwören. Er erinnert darin an den so begeisterungsfähigen wie gnadenlosen Christoph Schlingensief, dem man durchaus ein ähnliches Projekt hätte zutrauen können.</p>
<p>Für „Das schreckliche Grauen“ sind zwei Projektphasen vorgesehen: Zuerst werden im Café Porsche in Ulm sogenannte Angstsitzungen abgehalten, bei denen die Teilnehmer von ihren Krisen und Traumata erzählen. Auf der Bühne des Cafés ist die Rede von erzwungenen Blutsbruderschaften, überforderten Jungvätern und grässlichen Urlauben in der schwedischen Pampa. Von diesen Schreckenszeugnissen und von den zahlreichen Filmen, die sich die Gruppe zur weiteren Vorbereitung anschaut, fertigt Moritz ausufernde Protokolle an. Aufgrund eines frustrierenden Jobs bei einer Medienagentur und einer zerrütteten Liebesbeziehung ist er nur zu gern bereit, sich dem lebensreformerischen Kunstprojekt hinzugeben. Sein größter Wunsch?</p>
<blockquote><p>Einen aufwendig animierten, grausamen Tod zu sterben.</p></blockquote>
<p>Das vierte Prosawerk des 1983 geborenen Ehrlich ist weniger ein Roman über die Angst als ein Romantraktat darüber, wie wir Angst durch Erzählungen beschwören und bannen. Dem Autor schwant Großes: In mosaikartig arrangierten Mini- und Metaerzählungen will er sich der Angst als einem Wahrnehmungsfilter annähern, der unser gegenwärtiges Zusammenleben bestimmt. Die Angst erlegt uns auf, was wir wem wie erzählen – und ist dementsprechend auch für literarische Schreibverfahren von Bedeutung. Dabei liegt einem Stephen Kings Warnung in den Ohren: „Die Ursache schlecht geschriebener Texte ist meistens Angst, davon bin ich überzeugt.“</p>
<h3>Inszenierung und Wirklichkeit</h3>
<p>In der Kunstprojektgruppe, die sich um Christoph schart, finden sich lauter labile und manipulative Personen, die ihr Leben, ganz wie Moritz, von einer rettenden Veränderung erfasst sehen wollen. In der zweiten Phase sollen sie von Ulm nach Berlin wandern. Während der folgenden Wochen werden einzelne Szenen gedreht, ein Drehbuch zeichnet sich jedoch nicht ab. Scheunen werden niedergebrannt, Eingeweide in Briefkästen gestopft und Kübel voller Blut von Autobahnbrücken geschüttet, ohne dass Moritz sich dafür interessiert, ob es sich um künstliches, tierisches oder menschliches handelt. Als drei Crew-Mitglieder eine Frau, die sich tretend und schreiend wehrt, in einen Keller zerren, geht er nicht dazwischen. Wer weiß, er könnte ja durch sein Eingreifen eine Szene vermasseln. So verwischen sich mit der Zeit für den zunehmend verwirrten Moritz die Grenzen zwischen Inszenierung und Wirklichkeit:</p>
<blockquote><p>Ich stieg in einen Trog, der voll fauligem Wasser war, auf dem kleine Insekten lebten, und saß dort wie ein Irrer, der ein Bad nahm. Oder als ein Irrer, der ein Bad nahm.</p></blockquote>
<p>Roman Ehrlich hätte in <em>Die fürchterlichen Tage des schrecklichen Grauens</em> im erzählenden Dauervollzug Sitzung an Sitzung, Wandertag an Wandertag und Angststory an Angststory reihen können, bis ans Ende aller Seiten. Schließlich betreibt der Ich-Erzähler den ganzen Aufwand nur aus einem einzigen Grund: um jene wuchernde und gefährliche Stille zu verhindern, die nach dem Ende der Parabeln Einzug halten würde in seinen von Angst und Ahnung blankgescheuerten Kopf.</p>
<p>Der überraschende Schluss zeigt denn auch, was passiert, wenn unser erzählerisches Stabilitätsprogramm nicht mehr greift. Doch bis dahin gilt die Regel: lieber zu viele und zu brutale Worte wechseln als zu wenige. Eine Mikro-Erzählung über ein <a href="http://tell-review.de/ps-zu-roman-ehrlich/">Massaker in einer Pornovilla</a> auf Ibiza kann da nie ungelegen kommen. Wohl oder übel kleben wir also an den Lippen des lethargischen Ich-Erzählers, der noch auf Seite 557, als das Filmprojekt mehr und mehr aus dem Ruder läuft, die enervierende Muße hat, Belangloses festzustellen, etwa dass</p>
<blockquote><p>der Himmel ganz hell blau war und alle Menschen Sonnenbrillen trugen.</p></blockquote>
<h3>Verängstigte Sprache</h3>
<p>Aber das ist nun mal der Wortschaum, die Sprachsprühmasse, mit der der Protagonist sich und seine Umwelt (also auch seine Leserschaft) bedeckt, um weicher zu sehen, zu denken, zu fallen. Roman Ehrlich weiß durchaus, was er uns zumutet, er lässt Katja – eine schillernde Figur, in die sich Moritz verliebt – nach mehr als sechshundert Seiten sagen:</p>
<blockquote><p>Ich habe einfach keine Lust mehr auf die epischen Ängste.</p></blockquote>
<p>So leidet der Roman stolz an dem, was er zugleich als Leistung hervorbringt: Er stellt eine Erzähltheorie der Furcht auf, die nicht nur ein ängstliches Personal und angstbesetzte Szenerien entwirft, sondern darüber hinaus die Sprache selbst verängstigt. Sie wird plapperig:</p>
<blockquote><p>Ich war zu dieser Zeit auch deshalb sehr offen für jede Art Angebot von außen, was ich mit mir, meiner Zeit und meinem Leben anstellen könnte, weil ich erstens sehr unzufrieden war mit meiner Arbeit in einer noch jungen Agentur in Schwabing, die Postproduktion, Marketing, Coaching- und Managementaufgaben für die deutschen Dependancen multinationaler Musik und Filmlabels wie Universal, Sony oder Warner übernahm, und zweitens gerade erst aus einer Trennung hervorgegangen war, mit der unverbrüchlichen Gewissheit, ein unbrauchbarer Loser zu sein, dem vor einiger Zeit noch einiges Potential hätte bescheinigt werden können, von dem mittlerweile aber gesagt werden musste, dass es ihm vorne und hinten an allem fehlte, was ein Mensch brauchte, um sich selbst in der Welt zu verwirklichen.</p></blockquote>
<p>In einem Reigen an Zitaten und Paraphrasen listet <em>Die fürchterlichen Tage des schrecklichen Grauens</em> zugleich auf, wie andere Künstler in ihren Kunstwerken dasselbe Thema bearbeiten, etwa David Lynch in <em>Mulholland Drive</em> oder Wim Wenders in <em>Der Stand der Dinge</em>. Als konzeptueller Ansatz ist das kühn und zeitkritisch, in (über)langer Romanform aber nicht lesenswert.</p>
<p>Insbesondere im zweiten Kapitel wünschte ich mir, dass Moritz in eins der kaffigen Einfamilienhäuser eingekehrt wäre, die die Crew im Laufe ihrer Dreh- und Wandertage passiert. Nahtlos hätte ich dann diese ausufernden Tage des fürchterlichen Grauens einem Ende entgegengehen lassen können, um <em>Das kalte Jahr</em> erneut einzuläuten. Roman Ehrlichs Debüt von 2013 beschreibt verwegen, wie ein junger Mann sein Leben in der Stadt hinter sich lässt, um ins allegorisch eingeschneite Elternhaus zurückzukehren. Für die eisklare Sprache wurde <em>Das kalte Jahr </em>zu Recht gefeiert. Seinem neuen Roman hat der Autor diese Sprache verwehrt, zugunsten eines erzähltheoretischen Projekts, das an seinen Ambitionen scheitert.</p>
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">
Roman Ehrlich<br />
<strong>Die fürchterlichen Tage des schrecklichen Grauens</strong><br />
Roman<br />
Verlag S. Fischer 2017 · 640 Seiten · 24 Euro<br />
ISBN: 978-3100025319<br />
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</div></div>
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" data-attachment-id="9725" data-permalink="https://tell-review.de/page-99-test-roman-ehrlich/cover_roman-ehrlich/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/04/Cover_Roman-Ehrlich.jpg?fit=308%2C499&amp;ssl=1" data-orig-size="308,499" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover_Roman Ehrlich" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/04/Cover_Roman-Ehrlich.jpg?fit=308%2C499&amp;ssl=1" class="alignnone size-medium wp-image-9725" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/04/Cover_Roman-Ehrlich-185x300.jpg?resize=185%2C300" alt="" width="185" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/04/Cover_Roman-Ehrlich.jpg?resize=185%2C300&amp;ssl=1 185w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/04/Cover_Roman-Ehrlich.jpg?resize=49%2C80&amp;ssl=1 49w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/04/Cover_Roman-Ehrlich.jpg?resize=300%2C486&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/04/Cover_Roman-Ehrlich.jpg?w=308&amp;ssl=1 308w" sizes="(max-width: 185px) 100vw, 185px" /></div></div></div>
</div></div>
<p>&nbsp;</p>
<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis:</em><br />
<em> Beitragsbild: <a class="extiw" title="de:User:Reuschp" href="https://de.wikipedia.org/wiki/User:Reuschp">Reuschp</a> aus der <a class="extiw" title="de:" href="https://de.wikipedia.org/wiki/">deutschsprachigen Wikipedia</a> [<a href="http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html">GFDL</a> oder <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/">CC-BY-SA-3.0</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AGlass_Floor_of_the_CN_Tower.JPG">via Wikimedia Commons</a></em> (bearbeitet)</h6>
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		<title>Partout c’est la guerre</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Samuel Hamen]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Apr 2017 07:59:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Belletristik]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Neonazis]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Ich-Erzähler in Tijan Silas Debütroman "Tierchen unlimited" ist aus dem belagerten Sarajevo nach Heidelberg geflohen. Doch auch im Frieden ist der Alltag von Gewalt durchsetzt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dropcap">E</span>s ist nicht einfach, sich zu behaupten, weder in Sarajevo,</p>
<p>&nbsp;</p>
<blockquote><p>wo Menschen jeden Morgen mit dem Gedanken aufwachten: &#8218;Lieber Gott, lass mich heute nicht sterben. Ich bin zu jung. Ich habe Besseres verdient&#8216;,</p></blockquote>
<p>noch in Heidelberg, der „Stadt voller Flachzangen“, dem „Loch“, das „nicht einmal einen Fußballverein“ aufzuweisen hat. In Tijan Silas Roman <em>Tierchen unlimited</em> bilden die beiden Städte das Koordinatensystem, in dem der namenlose Ich-Erzähler konfus umherstrolcht.</p>
<h3>Umstülpung der Verhältnisse</h3>
<p>Tijan Sila erzählt auf gut 220 Seiten eine Migrationsbiografie: Als 14-Jähriger flieht der Protagonist im Sommer 1994 mit seinen Eltern aus Sarajevo nach Deutschland. Er wird seine Jugend im pfälzischen Haßloch verbringen und später in Heidelberg studieren. Wer sich nun auf eine handelsübliche Fluchtgeschichte aus der Hölle des Balkans hinein ins helldeutsche Paradies einstellt, erlebt gleich zu Beginn eine Überraschung:</p>
<blockquote><p>Ich floh nackt und blutend auf einem Rennrad. Das Blut floss aus Platzwunden, die ich auf den Lippen und Augenbrauen hatte, und aus meiner Nase, es sammelte sich in dunklen Zeilen auf meiner Brust.</p></blockquote>
<p>In einer klugen Umstülpung der Verhältnisse setzt der Roman mit einer entgegengesetzten Fluchtbewegung ein. Denn <em>Tierchen unlimited</em> möchte vor allem eins nicht sein: Migrationsliteratur mit den üblichen Verdächtigen.</p>
<h3>Überall Gewalt</h3>
<p>Nachdem der blutende junge Mann von Seite 1 vom Nazibruder seiner damaligen Freundin Leonie verprügelt wurde, pedaliert er angstdurchsetzt durch die deutsche Pampa, um dem „irren deutschen Zorn“ zu entkommen. „C’est la guerre“ – so wird der Protagonist später seine Kindheit resümieren, die der Leserschaft in Rückblenden erzählt wird und von Bombenhagel, dem Tauschen von Comics und Jungsfreundschaften in Sarajevo handelt. Der Spruch ließe sich nach dem Lesen von <em>Tierchen unlimited</em> leichthin erweitern: „Partout c’est la guerre.“ Auch wenn die deutsche Wirklichkeit oberflächlich glattgebügelt wirken mag, ahnt der Ich-Erzähler, dass „in Deutschland weit mehr Gewalt stattfand, als ich wahrnahm“. Das liegt vor allem an den Nazifiguren, die immerzu im Buch auftauchen, wie Gewitterwolken im August: Alle träumen sie von einem Rechtsruck, alle gehen sie letztlich erbärmlich zugrunde. Die Träume des Ich-Erzählers hingegen sind bescheiden: Er sehnt sich nach ein bisschen Frieden und beschaulichem Warenkapitalismus.</p>
<h3>Deutschland-Diagnosen</h3>
<p>Neben Leonie, Melanie und Grace gehört Sarah zu den Figuren, die sich um den Protagonisten tummeln. Sie ist dessen erste Schulfreundin, wird später Polizistin und ist ihm Bodyguard und Seelenverwandte zugleich. Alle vier Frauenfiguren haben wenig Kontur, sie werden fahrig herbeierzählt und verschwinden schnell wieder im Wust der Handlung. Die mangelnde Erzählstringenz mag der mäandernden und traumatisierten Biografie des Emigranten formal entsprechen, doch sie geht zu Lasten des Lesers. Flott liest man sich durch die Eskapaden hindurch, etwa wenn der Ich-Erzähler zusammen mit Grace in Heidelberger Beamtenwohnungen einbricht, Prügelfahrten zu linken Studenten unternimmt oder beinahe vom Verfassungsschutz verhaftet wird. Doch angesichts dieser und anderer bloß angeditschter Episoden bleibt der Leser unbefriedigt zurück.</p>
<p>Silas Debüt weiß auf anderem Wege zu überzeugen.</p>
<blockquote><p>Jedem Nazi wohnt ein Hermann Löns inne; sie sind verkümmert und untalentiert, haben aber zugleich das intensivste Verlangen nach Kitsch – und wenn dieser in der Natur zu finden sein soll, wird das hässliche Mountainbike aus der Garage gezerrt. Es sieht aus wie ein Panzer.</p></blockquote>
<p>Tijan Sila stellt jene geistreichen und spitzzüngigen Deutschland-Diagnosen, denen sich das deutsche Publikum in einer Mischung aus Schuld, Lust und Scham so gerne hingibt.</p>
<h3>Zerrüttete Gesellschaft</h3>
<p>Leider bleibt <em>Tierchen unlimited</em> darüber hinaus an vielen Stellen Ankündigungs- und Skizzenprosa, etwa wenn mit Floskeln wie „Das lief folgendermaßen“ die nächste Schilderung vorbereitet wird. Einmal gerät der Ich-Erzähler in eine krimiartig annoncierte Spitzelaffäre. Im Auftrag von Sarah soll er Melanie, eine seiner ehemaligen Freundinnen, in einer Germanistik-Vorlesung beschatten. Eigentlich ermittelt Melanie für den Verfassungsschutz in der Neonazi-Szene, wird aber verdächtigt, selbst zum rechtsterroristischen Untergrund übergelaufen zu sein. Auf einigen wenigen Seiten wird dieser Erzählstrang aufgenommen, zusammengeknüllt und abgewickelt. Dabei ist diese Episode besonders aufschlussreich: In der unverhohlen hanebüchenen Konstruktion zeigt sie, worum es in diesem Debüt eigentlich geht.</p>
<p>Denn wenn der schnoddrige, bisweilen heitere Tonfall auch darüber hinwegtäuschen mag: In seinem soziologischen Prosaeifer präsentiert uns Tijan Sila Kleinstgeschichten über zerrüttete Gesellschaften. Die Brutalität, die er dabei schildert, schwelt im kriegszerfetzten Sarajevo ebenso wie im vermeintlich heimeligen Heidelberg, sie sucht den Ich-Erzähler ebenso heim wie den prügelnden Neonazi von nebenan. Diese illusionslose Sicht bewahrt den Autor letztlich auch davor, die Figuren einem allzu einfachen Opfer- und Täterschema preiszugeben.</p>
<h3>Beobachtungswitz</h3>
<p>Tijan Silas Debüt beeindruckt nicht mit sprachlicher Brillanz oder stilistischem Eigensinn. Was den Roman lesenswert macht, sind die vielen Kommentare über Deutschland und seine Bewohner, über die „BASF-Rentner, die von einem Vereinstreffen heimkehrten,“<br />
die Vorstädte mit ihren „Rollläden, Doppelverglasung, Terrakotta, Maschendraht und Carports“ und die vielen Nazis, diese</p>
<blockquote><p>hässlichen, verkümmerten Hüftspeckmenschen, die in einer Wirtschaft randalieren und friedliche Akademiker verprügeln wollten, aber sich so ernstnahmen, als seien sie Kreuzritter.</p></blockquote>
<p>Derlei Beobachtungswitz befeuerte einst die Erfolge von Christian Krachts <em>Faserland</em> sowie Moritz von Uslars <em>Deutschboden</em> – und er wird voraussichtlich auch <em>Tierchen unlimited</em> zum Durchbruch verhelfen.</p>
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">
Tijan Sila<br />
<strong>Tierchen unlimited</strong><br />
Roman<br />
Kiepenheuer &amp; Witsch 2017 · 224 Seiten · 18 Euro<br />
ISBN: 978-3-462-05026-4<br />
Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="http://www.amazon.de/dp/3462050265/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow">Amazon</a>, <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="http://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=9783462050264" target="_blank">buecher.de</a><img decoding="async" class="peekcyyzudbmupatnkql zkrhugmplhgkblakjzfr" src="http://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM --> oder im lokalen Buchhandel<br />
</div></div>
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="9560" data-permalink="https://tell-review.de/partout-cest-la-guerre/tierchen_unlimited_cover/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/04/Tierchen_unlimited_Cover.jpg?fit=275%2C450&amp;ssl=1" data-orig-size="275,450" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Tierchen_unlimited_Cover" data-image-description="&lt;p&gt;Cover &amp;#8222;Tijan SIla: Tierchen Unlimited&lt;br /&gt;
Kiepenheuer &amp;#038; Witsch&lt;br /&gt;
http://www.kiwi-verlag.de/buch/tierchen-unlimited/978-3-462-05026-4/&lt;/p&gt;
" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/04/Tierchen_unlimited_Cover.jpg?fit=275%2C450&amp;ssl=1" class="aligncenter size-full wp-image-9560" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/04/Tierchen_unlimited_Cover.jpg?resize=275%2C450" alt="" width="275" height="450" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/04/Tierchen_unlimited_Cover.jpg?w=275&amp;ssl=1 275w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/04/Tierchen_unlimited_Cover.jpg?resize=49%2C80&amp;ssl=1 49w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/04/Tierchen_unlimited_Cover.jpg?resize=183%2C300&amp;ssl=1 183w" sizes="auto, (max-width: 275px) 100vw, 275px" /></div></div></div>
</div></div>
<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis</em><br />
<em> Beitragsbild: Von Metropolico.org, Lizenz <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/" target="_blank">CC-BY-SA 2.0</a><br />
Buchcover: <a href="http://www.kiwi-verlag.de/buch/tierchen-unlimited/978-3-462-05026-4/" target="_blank">Kiepenheuer &amp; Witsch</a></em></h6>
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		<title>Die neue Ego-Literatur</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Samuel Hamen]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Jan 2017 09:56:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst der Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Authentizität]]></category>
		<category><![CDATA[Fiktion]]></category>
		<category><![CDATA[Roman]]></category>
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					<description><![CDATA[In postfaktischen Zeiten gerät selbst die Fiktion in Verruf. „Radikale Ich-Texte“ wie die (Tage-)Bücher von Karl-Ove Knausgård haben Konjunktur. Auf der Strecke bleiben Weltentwürfe, die imaginieren, wie es hätte sein können. Eine Erwiderung auf einen Artikel von Peter Praschl in der „Welt“.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dropcap">E</span>s beginnt mit einer Enttäuschung. „Doch es gab mir nichts mehr.“ Peter Praschl mag keine Fiktionen mehr lesen. Er leide an einem „Fiktionalitäts-Ennui“, schrieb er vor wenigen Tagen in der <a href="https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article160960374/Warum-mich-Romane-heute-nur-noch-langweilen.html" target="_blank">Welt</a>. (Die neue Langeweile gegenüber Romanen teilt er übrigens mit <a href="https://www.ft.com/content/bcfc4554-9d87-11e0-9a70-00144feabdc0#axzz1QaqOE8NR">Philip Roth</a>.) Kafka, Flaubert, Joyce et al. finde er nicht mehr lesenswert, stattdessen habe er sich darauf verlegt, sich</p>
<blockquote><p>Texte reinzuziehen, in denen ein schreibendes Ich mir lesendem Ich erzählte, was los war in seinem Leben, das meistens meinem eigenen ähnlich war [&#8230;], und gleichzeitig total anders.</p></blockquote>
<p>Diese Abwendung vom Roman geht einher mit der Hinwendung zu Büchern von Autoren wie Thomas Melle, Benjamin von Stuckrad-Barre oder Karl-Ove Knausgård. Sie würden „radikale Ich-Texte“ schreiben, die „mutiger“ seien als Romane, so Praschl. Das ist zwar eine willkommene, letztlich aber willkürliche Aufteilung – werden doch sowohl Melles <a href="http://tell-review.de/wenn-nichts-mehr-stimmt/" target="_blank"><em>Die Welt im Rücken</em></a> wie auch Knausgårds <em>Min kamp</em>-Reihe auf den jeweiligen Verlagsseiten als Roman rubriziert. Und bei <em>Panikherz </em>habe man, so von Stuckrad-Barre auf seiner Lesereise im vergangenen Jahr, unter anderem deswegen auf den Gattungszusatz Roman verzichtet, weil es auf der Sachbuchliste einfacher sei, auf Platz 1 aufzusteigen, als in der Belletristik.</p>
<h3>Wahr oder erfunden?</h3>
<p>Was ist überhaupt ein „Ich-Text“? Viele Romane sind in der ersten Person Singular geschrieben, und es gibt wiederum autobiografische Schriften, die in der dritten Person Singular verfasst sind, weil ihre Autoren Distanz herstellen wollen zum Erlebten. Hinzu kommen literarische Memoirs, die Fiktionalität als Bestandteil ihres Erzählens anerkennen und thematisieren, etwa Katja Petrowskajas <em>Vielleicht Esther</em>. Der Gegensatz, den Praschl behauptet, lässt sich nicht halten.</p>
<p>Seine neue Ego-Literatur mag überwiegend autobiografisch durchdrungen sein, doch das ändert nichts daran, dass wir uns auch beim Lesen von <em>Panikherz </em>oder <em>Sterben </em>auf eine literarische Kommunikation einlassen, auf ein Zwiegespräch mit einem Gegenüber, bei dem wir uns nie sicher sein können, ob das, was wir lesen, wahr ist oder gelogen. Und ist das nicht der Trumpf der Literatur? Dass sie uns von der alltäglichen Mühe entbindet, ständig zwischen Wahrem und Erfundenem zu unterscheiden?</p>
<p>Praschl liest also nach wie vor Romane, nur mag er das Romanhafte an ihnen nicht mehr, und deshalb leugnet er, dass es Romane seien. Das Fiktionale ist ihm nicht mehr Trumpf, sondern Makel. Es erstaunt, dass Praschl als Literaturredakteur den Gründen dieser Abkehr nicht nachgeht. Stattdessen setzt er mit der gezierten Geste des Enttäuschten zu angeblich neuen Ufern über und schlägt sein Zelt inmitten der Ich-Texte auf, mit „ihrer Radikalität, ihrer Risikofreude, ihrer Verschlungenheit, ihrer Rohheit, ihrer Direktheit und ihrer emotionalen Wucht.“</p>
<h3>Gespenster ohne Substanz</h3>
<p>Auch dieser Unmut ist keineswegs neu. Recht grob führt Praschl die These von Maxim Biller weiter, die dieser bereits 2011 einigermaßen grob in der <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/unsere-literarische-epoche-ichzeit-11447220.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2" target="_blank">FAZ </a>formuliert hat:</p>
<blockquote><p>Die Literatur braucht wieder ein starkes, glaubhaftes, mitreißendes, suggestives Erzähler-Ich, das stärkste, das es je gab – sonst hört ihr uns, die tief empfindenden Dichter und Denker, im immer lauter werdenden Medienlärm nicht mehr.</p></blockquote>
<p>David Shields argumentiert in seinem Text <em>Saving my life</em> (2012) ganz ähnlich in Bezug auf Blogs:</p>
<blockquote><p>The blog form: immediacy, relative lack of scrim between writer and reader, promised delivery of unmediated reality, pseudoartlessness, nakedness, comedy, real feeling hidden ten fathoms deep.</p></blockquote>
<p>Bemerkenswert ist die poetologische Verschiebung, die sich in den letzten fünf Jahren vollzogen hat. 2011 schreibt Biller über den Autor von Gegenwartsliteratur:</p>
<blockquote><p>Ob er dafür eine gewisse Anna Karenina erfinden muss oder bis zur Kenntlichkeit sein eigenes Ich entblößt, ist egal.</p></blockquote>
<p>Heute, an einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des verrückten 21. Jahrhunderts, ist das nicht mehr egal.</p>
<blockquote><p>Ich war muffig, ungnädig, meine Güte, dachte ich, was soll das, jetzt lässt Flaubert wieder seine Kutsche durch die Gegend fahren, und ich soll Emma verachten, was für ein durchsichtiger Trick,</p></blockquote>
<p>schreibt Praschl.</p>
<p>Anna und Emma werden zum unerwünschten Personal. Sie sind Gespenster ohne Substanz, Humbug ohne Körper – und die Autoren hinter ihnen erscheinen als Aufschneider, die uns etwas vormachen wollen.</p>
<h3>Abwehrzauber gegen Fake News</h3>
<p>Plötzlich steht wieder der alte Verdacht im Raum: Fiktion ist Lüge! Jeder Erzählung ist mit Misstrauen zu begegnen, weil sie den Leser bezirzt, manipuliert, an der Nase herumführt. Die momentane „J’accuse“-Stimmung gegenüber der Fiktion ballt sich zum absurden Vorwurf, Romane seien postfaktisch. Der gegenwärtige Abgesang auf die Fiktion ist daher vor allem eins: ein so verwegener wie naiver Abwehrzauber gegen die sogenannten Fake News. Man möchte sich lieber mit Texten auseinandersetzen, die <a href="http://tell-review.de/gefaehrliche-leibschaften/" target="_blank">Realitätstreue </a>versprechen.</p>
<p>Auf der Strecke bleiben jene Weltentwürfe, die nicht behaupten zu sagen, wie es ist, sondern die imaginieren, wie es hätte sein können. Vor einigen Monaten stellte Lukas Bärfuss im Gespräch mit der <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/themen/lukas-baerfuss-peter-von-matt-und-sibylle-berg-14196834.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2">FAZ</a> die Diagnose:</p>
<blockquote><p>Die Zerstörung des positiven Zukunftsbegriffs ist eines der zentralen Probleme unserer Zeit.</p></blockquote>
<p>Knausgård &amp; Co sind keineswegs deshalb relevant, weil sie vorgeben, authentisches Leben zu schildern und sich hierfür mit dem zurzeit sehr gefragten Attribut „wahr“ schmücken dürfen. Der erzählerische Rückzug in das biografische Jetzt – sei es dasjenige eines Ex-Junkies, eines trunksüchtigen Vaters oder eines Menschen mit bipolarer Störung – ist ein Symptom: Wir wissen unsere Zukunft nicht mehr zu erzählen und fabrizieren stattdessen narzisstische „Ich-Texte“.</p>
<h6 style="text-align: right;"><em>Beitragsbild:</em><br />
<em> John William Waterhouse: Echo and Narcissus</em><br />
<em> Gemeinfrei, <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AJohn_William_Waterhouse_-_Echo_and_Narcissus_-_Google_Art_Project.jpg" target="_blank">via Wikimedia Commons</a></em></h6>
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		<title>Gefährliche Leibschaften</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Samuel Hamen]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Sep 2016 08:46:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst der Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Authentizität]]></category>
		<category><![CDATA[Fake]]></category>
		<category><![CDATA[Image]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
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					<description><![CDATA[In der Gegenwartsliteratur hat das wahre Leben Konjunktur. Es ist eine Wahrheit, die durch den Leib des Autors beglaubigt wird. Karl Ove Knausgård, Benjamin von Stuckrad-Barre, Clemens Meyer, Michel Houellebecq: der Körper als Garant für Authentizität.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3>I.</h3>
<p><span class="dropcap">D</span>er Fake ist überall – egal, ob <em>Fifty Cent </em><a href="http://petapixel.com/2016/03/12/broke-50-cent-tells-judge-takes-photos-fake-money-publicity/" target="_blank">mit falschen Dollarscheinen</a> posiert, ob eine politische Initiative eine Kampagne des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales <a href="http://deutschland-sagt-sorry.de/" target="_blank">imitiert</a> oder <a href="http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/7500917.stm" target="_blank">zu viele Trägerraketen</a> auf Bildern einer iranischen Militärübung zu sehen sind. Jan Böhmermanns klassisch gewordener <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Vx-1LQu6mAE" target="_blank">Varoufake</a> sei nur am Rande erwähnt. Wir leben in gefährlichen Zeiten. Wer als Mediennutzer nicht aufpasst, steht schnell einmal als tumber Naivling da. Nicht zufällig wird das Münchner Filmfestival<a href="https://www.dokfest-muenchen.de/" target="_blank"><em> DOK.fest </em></a>immer beliebter – Dokus sind so schön und echt. Wir haben einfach keine Lust mehr, belogen zu werden.</p>
<p>Die neue Behutsamkeit mit ihrem Faible für das Authentische bricht sich auch in der Gegenwartsliteratur Bahn. Vor einem Jahr wurde Karl Ove Knausgårds autobiografischer Prosa-Zyklus <em>Min kamp</em> durch die deutschen Feuilletons gereicht wie zuckrige Erdbeerbowle auf einer miefigen Firmenfeier. Nachdem die FAZ den ersten Band Sterben seinerzeit als &#8222;unerschrocken und souverän“ gefeiert hatte, bekannte Ijoma Mangold nun in der <a href="http://www.zeit.de/2014/28/karl-ove-knausgard-entschleunigung-min-kamp/komplettansicht" target="_blank"><em>Zeit</em></a>, „die Wucht seiner Bücher“ habe ihn förmlich erschlagen, und <a href="http://literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=16930" target="_blank">literaturkritik.de</a> ergötzte sich an einer „radikal-autobiografischen Stimme der eigenen Persönlichkeit.“ Frei nach Rilkes Mantra „Wer spricht von Siegen? Überstehen ist alles!“ heißt es in der <a href="https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article122268136/Er-zeigt-uns-wie-wir-lieben-kaempfen-sterben.html" target="_blank"><em>Welt</em></a> ehrfurchtsvoll: „Man konnte sich kaum vorstellen, wie er es überstanden hatte, das alles aufzuschreiben“. Nun, Karl Ove Knausgård hat es überstanden, und er hat sich und sein Schreiben dadurch zu einem Label gemacht.</p>
<blockquote><p>Geprägt von der skandinavischen Herkunft, ist die [&#8230;] Philosophie von einer liberalen und aufgeschlossenen Haltung bestimmt: &#8222;The Freedom to be Yourself&#8220;.</p></blockquote>
<p><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="4457" data-permalink="https://tell-review.de/gefaehrliche-leibschaften/mop_schalaktion-_v354791102_1/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/mop_schalaktion-_v354791102_1.jpg?fit=401%2C325&amp;ssl=1" data-orig-size="401,325" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="mop_schalaktion-_v354791102_1" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/mop_schalaktion-_v354791102_1.jpg?fit=401%2C325&amp;ssl=1" class="alignright wp-image-4457 size-full" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/mop_schalaktion-_v354791102_1.jpg?resize=401%2C325" alt="mop_schalaktion-_v354791102_1" width="401" height="325" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/mop_schalaktion-_v354791102_1.jpg?w=401&amp;ssl=1 401w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/mop_schalaktion-_v354791102_1.jpg?resize=80%2C65&amp;ssl=1 80w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/mop_schalaktion-_v354791102_1.jpg?resize=300%2C243&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 401px) 100vw, 401px" /></p>
<p>Nein, wir sind nicht auf der Homepage von Knausgårds Agentur oder seinem Verlag gelandet, sondern auf derjenigen von <a href="http://company.marc-o-polo.com/unternehmen/philosophie/?lang=de" target="_blank">„Marc O’Polo“</a>. Die unternehmensphilosophische Nähe zwischen Knausgård und der Kleidermarke ist bezeichnend. Knausgård verbürgt sein Schreiben durch seinen Körper; dadurch macht er sich zum Model seiner selbst. Er gerinnt zur autorschaftlichen Werbemaßnahme in eigener Sache.</p>
<p>Ein gutes Jahr später hat der deutsche Buchmarkt nachgezogen und seinen früheren Pop-Buben und heutigen Ex-Junkie-Helden Benjamin von Stuckrad-Barre ins Feld geschickt. Sein Roman <em>Panikherz</em> wird gelobt als „ehrlich, anrührend“ (<a href="http://www.bild.de/unterhaltung/leute/benjamin-von-stuckrad-barre/muss-ich-panikherz-von-stuckrad-barre-lesen-44907136.bild.html" target="_blank"><em>BILD</em></a>), als „klug, schnell, poetisch, komisch und [&#8230;] wahr“ (Ferdinand von Schirach), als „wahnsinnig und intensiv“ (<a href="http://www.fnp.de/nachrichten/kultur/bdquo-Panikherz-rdquo-Neues-von-Stuckrad-Barre;art46564,1899969" target="_blank">Frankfurter Neue Presse</a>). Es sei „die schönste autobiographische Literatur“ (<a href="http://www.bz-berlin.de/kultur/literatur/panikherz-die-lebensbeichte-eines-zaertlichen-berserkers" target="_blank">bz-berlin.de</a>) und warte mit „einer Wucht an Ehrlichkeit“ auf (<a href="http://derstandard.at/2000032736356/Benjamin-von-Stuckrad-Barre-Hier-geht-es-ums-Eingemachte" target="_blank">derstandard.at</a>). Eins hat Stuckrad-Barre seinem Kollegen Knausgård sogar voraus: 1999 hat er bereits für ein Bekleidungshaus gemodelt und auf diese Weise <a href="http://www.zeit.de/1999/37/199937.reden_stuckrad_k.xml" target="_blank">Arbeitsbereich und Wirkungsfeld des Autors</a> erweitert.</p>
<h4>Legendenbildung in eigener Sache</h4>
<p>Beiden Autoren ist gemein, dass sie ihre Lebensbeutelungen unverhohlen als biografische Narrative verwerten und dass sie behaupten, ihr Leben 1:1 in Literatur zu transportieren. Der russische Formalist Boris Toma­ševskij spricht diesbezüglich von den „›literarischen Funktionen‹ der Biographie“<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a> und von der „vom Autor selbst geschaffenen Legende seines Lebens, die allein ein literarisches Faktum darstellt“. Diese Legendenbildung hinzubekommen, das ist die selbstauferlegte Aufgabe dieser beiden Wahrheits(dar)steller. Hierfür werfen sie alles in die Waagschale: ihr Familienglück, ihr Renommee, ihr Schreibtalent und ihren schriftstellerischen Körper. Der Körper wird zur Fläche, auf der so etwas wie Authentizität überhaupt noch möglich und vor allem nachweisbar ist.</p>
<blockquote><p>Dann schon, nach wenigen Sekunden, zittert er wieder.</p></blockquote>
<p>Mit diesem Satz endet ein <a href="https://www.taz.de/%215287392/">taz-Artikel</a> über eine <em>Panikherz</em>-Lesung von Stuckrad-Barre. Erst dieses Zittern authentifiziert Stuckrad-Barres Sprechen über seine bombastisch destruktive Junkie-Zeit; erst der live einsehbare körperliche Verfallszustand garantiert die Echtheit des fiktional behaupteten Verfalls. Nur so lässt sich der Vorwurf des Fakes und der Junkie-Travestie von sich weisen, selbst wenn dieser Vorwurf für einen literarischen Entwurf noch so widersinnig erscheinen mag.</p>
<p>Und Knausgård?</p>
<div id="attachment_4460" style="width: 673px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-4460" data-attachment-id="4460" data-permalink="https://tell-review.de/gefaehrliche-leibschaften/knausgard-timeline/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/knausgard-timeline.png?fit=663%2C316&amp;ssl=1" data-orig-size="663,316" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="knausgard-timeline" data-image-description="" data-image-caption="&lt;p&gt;Google-Foto-Wall von Karl Ove Knausgård&lt;/p&gt;
" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/knausgard-timeline.png?fit=663%2C316&amp;ssl=1" class="size-full wp-image-4460" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/knausgard-timeline.png?resize=663%2C316" alt="Google-Foto-Wall von Karl Ove Knausgård" width="663" height="316" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/knausgard-timeline.png?w=663&amp;ssl=1 663w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/knausgard-timeline.png?resize=80%2C38&amp;ssl=1 80w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/knausgard-timeline.png?resize=300%2C143&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 663px) 100vw, 663px" /><p id="caption-attachment-4460" class="wp-caption-text">Google-Foto-Wall von Karl Ove Knausgård</p></div>
<p>Die Google-Foto-Wall gibt erste Aufschlüsse über Knausgårds Label<em>: </em>skandinavische Herbheit, ein von einem schreckdurchsetzten Leben gegerbtes Gesicht, eine fast schon machohaft starke Präsenz – und das alles in HD. In ihrem Gehalt sind Knausgårds Porträts imagologische Pendants zu seinem Schreiben. Auch dort wird unserem geistigen Auge mit gnadenlosem Stolz jede Pore, jede Geste, jeder Gemütszustand dargeboten.</p>
<h4>Schonungslose Nähe</h4>
<p>Und just deswegen muss diese ganze werbewirksame Volte irgendwann in sich zusammenstürzen. Von Knausgård, der für seine unprätentiöse Wahrheitsschau und seinen ehrlichkeitsdurchdrungenen Verzicht auf Erfindung gelobt wurde, gibt es fast keine Fotos, die nicht hergerichtet wären, um einen Effekt zu erzielen – nämlich denjenigen der Zoom-Authentizität und schonungslosen Nähe. Analog hierzu ist der <em>Min kamp</em>-Zyklus ein monumentaler Stilkniff, um den Eindruck des Authentischen auch im Schriftlichen herzustellen, ohne dass dies als handelsübliche Effekthascherei zu erkennen (und zu entlarven) wäre. Das ist das einzige, soghaft wirksame Axiom seiner Literatur.</p>
<p>Aber sieht die Google-Foto-Wall nicht bei jedem Autor so aus? Die Bilder variieren, je nach Alter, Geschlecht, Herkunft sowie Stellung innerhalb des Literaturbetriebs. Wahrscheinlich ließe sich anhand der Google-Foto-Wall sogar eine verknappte Geschichte der jüngeren Literatur schreiben.</p>
<p>Clemens Meyers Imagologie etwa unterscheidet sich beträchtlich von derjenigen Knausgårds:</p>
<div id="attachment_4461" style="width: 673px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-4461" data-attachment-id="4461" data-permalink="https://tell-review.de/gefaehrliche-leibschaften/meyer-timeline/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/meyer-timeline.png?fit=663%2C302&amp;ssl=1" data-orig-size="663,302" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="meyer-timeline" data-image-description="" data-image-caption="&lt;p&gt;Google-Foto-Wall von Clemens Meyer&lt;/p&gt;
" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/meyer-timeline.png?fit=663%2C302&amp;ssl=1" class="size-full wp-image-4461" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/meyer-timeline.png?resize=663%2C302" alt="Google-Foto-Wall von Clemens Meyer" width="663" height="302" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/meyer-timeline.png?w=663&amp;ssl=1 663w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/meyer-timeline.png?resize=80%2C36&amp;ssl=1 80w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/meyer-timeline.png?resize=300%2C137&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 663px) 100vw, 663px" /><p id="caption-attachment-4461" class="wp-caption-text">Google-Foto-Wall von Clemens Meyer</p></div>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&#038;;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
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		<title>Auf eigene Gefahr – Autoren-Selfies (3)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Samuel Hamen]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Jun 2016 07:00:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Schatztruhe]]></category>
		<category><![CDATA[Bachmann-Wettbewerb]]></category>
		<category><![CDATA[TDDL]]></category>
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					<description><![CDATA[„Und wollen wir uns nicht eigentlich in Literatur verlieren, wie in einem Labyrinth?“ – Teil 3 der „unverschämten Mutmaßungen“ von Samuel Hamen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3 id="zwicky">Dieter Zwicky: Dialektale Onkelhaftigkeit</h3>
<div id="attachment_3105" style="width: 568px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3105" data-attachment-id="3105" data-permalink="https://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-1/zwicky/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Zwicky.png?fit=558%2C313&amp;ssl=1" data-orig-size="558,313" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Zwicky" data-image-description="&lt;p&gt;Dieter Zwicky &amp;#8211; TDDL 2016 (Video-Still)&lt;/p&gt;
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<p>Was Personenkult angeht, kann letztlich nur <a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773168/" target="_blank">Dieter Zwicky</a> (geb. 1957) <a href="http://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-2/#sargnagel" target="_blank">Stefanie Sargnagel</a> das Wasser reichen. Sein Porträt beginnt mit einem nervösen Countdown-Zähler, gerade so, als spränge uns im nächsten Augenblick wasserstoffblond H. P. Baxxter entgegen. Stattdessen kriegen wir einen hübsch angegrauten Mann serviert, der bedruckte Papierschnipsel unter einen Wasserstrahl hält und sie abwäscht. Auch gut. Später sitzt Zwicky in seinem Atelier wie ein Grand-Seigneur-Maler vor den eigenen Gemälden und redet, gerahmt von Edelstahlnudelsieb und Tropfbildern, vor allem eins: wirres Zeug. „Und zwar stelle ich mir vor, dass das Chalet als zugespitzte, hölzerne Schweizer Behausungsform eigentlich ausgeschafft werden müsste, möglichst weit weg, und das ist mir im letzten Werk dann tatsächlich passiert, das Chalet wurde zur Blockhütte in den chilenischen Alpen und zur Drehscheibe für adrette Drogenschiebereien.“ Bei so einer dialektalen Onkelhaftigkeit kann man ihn eigentlich nur unterschätzen.</p>
<h4><span style="text-decoration: underline;">Mutmaßung </span></h4>
<p>Fokussierung auf das Sprachmaterial und Ausspielen des Schweizer Regio-Jokers. Dafür wird er viel Lob einheimsen („fabelhafte Artistik“ u. ä.), das letztlich aber wirkungslos sein wird. Für einen Bachmann-Preisträger ist er dann doch zu sehr Schweizer Dada-Onkel.</p>
<p style="text-align: center;">* * *</p>
<h3 id="wolf">Julia Wolf: Rätselhafte Zurückhaltung</h3>
<div id="attachment_3104" style="width: 573px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3104" data-attachment-id="3104" data-permalink="https://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-1/wolf/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Wolf.png?fit=563%2C311&amp;ssl=1" data-orig-size="563,311" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Wolf" data-image-description="&lt;p&gt;Julia Wolf &amp;#8211; TDDL 2016 (Video-Still)&lt;/p&gt;
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<p>Dass man nicht weiß, woran man ist – das ist der Clou bei <a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773167/" target="_blank">Julia Wolf</a> (geb. 1980). Ihr Porträt bleibt bis zum Ende rätselhaft. Alte Männer in Badehose liegen auf einer blau gekachelten Liegefläche und sprechen theatralisch Worte und Sätze nach. Die Autorin tritt erst ganz am Ende auf, wenn ihr Kopf wie eine PPP-Folie ins Bild gleitet. Was das soll? Keine Ahnung.</p>
<h4><span style="text-decoration: underline;">Mutmaßung</span></h4>
<p>Just diese rätselhafte Zurückhaltung wird auch für Wolfs Textarchitektur wichtig sein. Wenn ihr Beitrag seinen epischen Bau nicht allzu plump preisgibt, kann ihr Schreiben durchaus überzeugend wirken. Gefahr droht, wenn – und das wird bestimmt eine(r) aus der Jury anbringen – die Verrätselung als technische Masche offenbar wird.</p>
<p style="text-align: center;">* * *</p>
<h3 id="otoo">Sharon Dodua Otoo: Stimmdienstleisterin</h3>
<div id="attachment_3100" style="width: 562px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3100" data-attachment-id="3100" data-permalink="https://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-1/otoo/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Otoo.png?fit=552%2C313&amp;ssl=1" data-orig-size="552,313" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Otoo" data-image-description="&lt;p&gt;Sharon Dodua Otoo &amp;#8211; TDDL 2016 (Video-Still)&lt;/p&gt;
" data-image-caption="&lt;p&gt;&lt;span style=&quot;font-size: 75%;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773160/&quot;&gt;ORF&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
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<p>Der Clip von <a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773160/" target="_blank">Sharon Dodua Otoo</a> (geb. 1972) beginnt mit einem Gespräch zwischen der Autorin und einem jungen Mann, dem sie gerade die Haare macht, und endet mit einer Familien- und Freundesfeier, bei der alle gemeinsam singen. Hier, das wird schnell klar, ist jemand Stimmdienstleister für andere, die sonst nicht zu Wort kommen. Otoo kämmt Haare, hört zu, kocht, fragt nach. Das wird hervorragend ankommen, weil sie mit einem littérature-engagée-Hopser aus dem Sumpf der Selbstbezüglichkeit springt.</p>
<h4><span style="text-decoration: underline;">Mutmaßung</span></h4>
<p>Ein im besten Sinne humanistischer Text, dem es weniger um sich oder die Autorin geht, sondern um die Figuren und ihre Schicksale. In der Jury-Diskussion werden die französische Autorin Marie NDiaye und der nigerianisch-amerikanische Autor Teju Cole vorkommen. Auch das Schlagwort „afropolitisch“ darf nicht fehlen. Gefährlich wird es für die Juroren, wenn sie Otoo auf die hochriskante und grundbescheuerte Trias „schwarz, weiblich, jung“ reduzieren wollen.</p>
<p style="text-align: center;">* * *</p>
<h3 id="schneider">Bastian Schneider: Anlehnung ans Crowdfunding</h3>
<div id="attachment_3118" style="width: 559px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3118" data-attachment-id="3118" data-permalink="https://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-3/schneider/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Schneider.png?fit=549%2C312&amp;ssl=1" data-orig-size="549,312" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Schneider" data-image-description="&lt;p&gt;Bastian Schneider &amp;#8211; TDDL 2016 (Video-Still)&lt;/p&gt;
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<p><a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773164/" target="_blank">Bastian Schneider </a>(geb. 1981) bedient sich der Optik von Crowdfunding-Videos, um im Zeitraffer Fotos aneinanderzureihen, auf denen Schneider jeweils Plakate mit Worten vor sich hinhält. Das erinnert an das Video zu „Nur ein Wort“ von <em>Wir sind Helden, </em>leider ohne die Musik und die Lyrics, stattdessen ein wenig Rhetorik à la <em>Die Sendung mit der Maus</em>. Ständig schweift man beim Zuschauen ab und denkt sich: Ach, stimmt, das erinnert mich an etwas. Nur ist dieses Etwas meistens gelungener als Schneiders Anlehnung.</p>
<h4><span style="text-decoration: underline;">Mutmaßung</span><em><br />
</em></h4>
<p>Wenn sein Prosastück ähnlich gestaltet ist, wird man sich am Ende des Lesetages fragen, wer nochmal dieser Schneider war – und wieso dieser Typ so ein merkwürdiges Crowdfunding-Projekt vorstellen musste.</p>
<p>* * *</p>
<h3 id="sozio">Astrid Sozio: Aus dem Nähkästchen</h3>
<div id="attachment_3103" style="width: 567px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3103" data-attachment-id="3103" data-permalink="https://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-1/sozio/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Sozio.png?fit=557%2C313&amp;ssl=1" data-orig-size="557,313" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Sozio" data-image-description="&lt;p&gt;Astrid Sozio &amp;#8211; TDDL 2016 (Video-Still)&lt;/p&gt;
" data-image-caption="&lt;p&gt;&lt;span style=&quot;font-size: 75%;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773166/&quot;&gt;ORF&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
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<p>Auch <a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773166/" target="_blank">Astrid Sozio</a> (geb. 1979) zeigt sich fotoaffin. Sie tritt zusammen mit ihrem Zettelkasten auf, in dem sie allerlei Snapshots aufbewahrt. Ihr Porträt ist angenehm amateurhaft: Bei den Takes, in denen sie von sich erzählt, sitzt die Kamera schief, und die reincollagierten Shots von Nordlichtern, schmelzenden Eisbergen und Schwarzweiß-Aufnahmen zertrümmerter Städte ergeben nicht wirklich Sinn. Dennoch hören wir Sozio und ihrem nähkastenartigen Gerede gerne zu. Ihr Auftritt ist auf sympathische Weise nahbar und gut gelaunt. Ob eine ähnlich organisierte Textpassage der spitzzüngigen Jury gefallen wird, steht allerdings auf einem anderen Blatt.</p>
<h4><span style="text-decoration: underline;">Mutmaßung</span><em><br />
</em></h4>
<p>Gut möglich, dass sie laut Jury „nicht genug Biss“ besitzt, dass ihre Erzählung zwar „unverstellt zugänglich“ ist, „wir uns aber in ihrem Innern nicht verlieren können“. Und dann wird dieselbe Jurorin raunend hinzufügen: „Und wollen wir uns nicht eigentlich in Literatur verlieren, wie in einem Labyrinth?“</p>
<p><a href="http://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-1/" target="_blank"><em>Auf eigene Gefahr – Autoren-Selfies (1)</em></a></p>
<p><a href="http://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-2/" target="_blank"><em>Auf eigene Gefahr </em><em>– Autoren-Selfies (2)</em></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis:</em><br />
<em>Beitragsbild-Montage unter Verwendung von: </em><br />
<em>Blaue Kacheln: Vera Kratochvil, Public Domain via <a href="http://www.PublicDomainPictures.net" target="_blank">PublicDomainPictures.net</a></em><br />
<em>Selfie Icon von Claire Jones (http://thenounproject.com/term/selfie/28250/) [<a href="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0">CC BY 3.0</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ASelfie_icon.svg">via Wikimedia Commons</a></em></h6>
<h6 style="text-align: right;"><em>Video-Stills: <a href="http://bachmannpreis.orf.at/tags/autoren2016/" target="_blank">ORF</a></em></h6>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&#038;;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
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		<title>Auf eigene Gefahr – Autoren-Selfies (2)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Samuel Hamen]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Jun 2016 07:07:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Schatztruhe]]></category>
		<category><![CDATA[Bachmann-Wettbewerb]]></category>
		<category><![CDATA[TDDL]]></category>
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					<description><![CDATA[Was die TDDL-Autorenclips über die Prosa der Porträtierten verraten. Teil 2 der „unverschämten Mutmaßungen“ von Samuel Hamen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3 id="gardi">Tomer Gardi: Lachsfarbenes Leinenhemd floral</h3>
<div id="attachment_3138" style="width: 569px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3138" data-attachment-id="3138" data-permalink="https://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-2/gardi-2/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Gardi-1.png?fit=559%2C310&amp;ssl=1" data-orig-size="559,310" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Gardi" data-image-description="&lt;p&gt;Video-Still Tomer Gardi &amp;#8211; TDDL 2016&lt;/p&gt;
" data-image-caption="&lt;p&gt;&lt;span style=&quot;font-size: 75%;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773156/&quot;&gt;ORF&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
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<p>In ihrer <em>tristesse forestière </em>hätte sich die gestern vorgestellte <a href="http://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-1#dorian" target="_blank">Ada Dorian</a> auch an ihren israelischen Kollegen <a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773156/" target="_blank">Tomer Gardi</a> (geb. 1974) wenden können. Er hätte ihr gezeigt, wie man das mit den floralen Stoffen noch einmal anders macht. Sein gänzlich ton- und sprachloses Porträt besteht nämlich einzig und allein in der allmählichen Ablichtung seines gut gekleideten und stark behaarten Schriftstellerkörpers. Im Zentrum dieser dröhnend oberflächlichen Schau steht Gardis lachsfarbenes Leinenhemd mit Blumenmotiven sowie, unübersehbar, sein beeindruckend dichtes Brusthaar. Wenn wir schon bei <em>VOX </em>sind (siehe <a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773155/" target="_blank">Ada Dorian</a>): Guido Maria Kretschmer von <em>Shopping Queen </em>würde von einer „wirklich ganz tollen, tollen Kombination aus Zuhälter, Maxim Biller und Magnum“ schwärmen. Gardis Trick: wenig preisgeben und den Leuten als Erst-Eindruck nur das Image des schelmisch-derben jüdischen Dichters präsentieren. <em>More to follow. </em></p>
<h4><span style="text-decoration: underline;">Mutmaßung</span></h4>
<p>In der Jurydiskussion obligater Vergleich mit Maxim Biller sowie Verweis auf eine jüdische Erzähltradition, von der wenige tatsächlich Ahnung haben, die aber gerne herbeizitiert wird. Amos Oz und so.</p>
<p style="text-align: center;">* * *</p>
<h3 id="macht">Sascha Macht: Überrumpelnde Täuschung</h3>
<div id="attachment_3140" style="width: 566px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3140" data-attachment-id="3140" data-permalink="https://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-2/macht-2/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Macht-1.jpg?fit=556%2C308&amp;ssl=1" data-orig-size="556,308" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Macht" data-image-description="&lt;p&gt;Video-Still Sascha Macht &amp;#8211; TDDL 2016&lt;/p&gt;
" data-image-caption="&lt;p&gt;&lt;span style=&quot;font-size: 75%;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773158/&quot;&gt;ORF&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
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<p>Nach der Stille bei Gardi fällt das Porträt von <a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773158/" target="_blank">Sascha Macht</a> (geb. 1986) umso mehr auf. Gleich zu Beginn die Frage: Ist das die Stimme des Autors? Rascher Abgleich mit einer <a href="https://www.youtube.com/watch?v=vRlNXTCKsZY" target="_blank">Lesung</a>: leider nein. Das wird in Klagenfurt natürlich schwierig. Erst kriegen Jury und Publikum diese sonorig-geile Stimme zu hören, und dann kommt Macht mit einer gängigen „voice of Germany“ daher. Überhaupt scheint überrumpelnde Täuschung Machts Metier zu sein, was ja erstmal nicht schlecht ist für einen Schriftsteller. Das Video spielt zum Teil in Köln, fernab von den bösen Schreibschulen in <a href="http://literaturinstitut-hildesheim.de/" target="_blank">Hildesheim</a>, Berlin oder <a href="http://www.deutsches-literaturinstitut.de/" target="_blank">Leipzig</a>. Nun hat Macht aber am Leipziger Literaturinstitut studiert. Zudem collagiert der Clip verwackelte und farbübersättigte 70er-Jahre-Aufnahmen von verkleideten Kindern sowie fingierte Filmszenen und südamerikanische Posen. Bei Machts Beitrag erwartet uns das, worüber Frank Witzel und Philipp Felsch im Gesprächsband <a href="http://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/brd-noir.html" target="_blank"><em>BRD Noir</em> </a>so ausgiebig geredet haben: die ästhetische Historisierung der alten BRD, fernab von Idylle und Gewöhnlichkeit.</p>
<h4><span style="text-decoration: underline;">Mutmaßung</span></h4>
<p>Angereichert mit etwas magischem Narco-Realismus aus Südamerika, wird uns in Machts Prosa das Unheimliche und Abgründige einer BRD präsentiert werden, deren Passé-Sein wir dieser Tage erst allmählich zu spüren beginnen.</p>
<p style="text-align: center;">* * *</p>
<h3 id="lehn">Isabelle Lehn: Nah, menschlich, sympathisch</h3>
<div id="attachment_3139" style="width: 564px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3139" data-attachment-id="3139" data-permalink="https://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-2/lehn-2/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Lehn-1.png?fit=554%2C310&amp;ssl=1" data-orig-size="554,310" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Lehn" data-image-description="&lt;p&gt;Video-Still Isabelle Lehn &amp;#8211; TDDL 2016&lt;/p&gt;
" data-image-caption="&lt;p&gt;&lt;span style=&quot;font-size: 75%;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773157/&quot;&gt;ORF&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Lehn-1.png?fit=554%2C310&amp;ssl=1" class="size-full wp-image-3139" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Lehn-1.png?resize=554%2C310" alt="ORF" width="554" height="310" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Lehn-1.png?w=554&amp;ssl=1 554w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Lehn-1.png?resize=80%2C45&amp;ssl=1 80w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Lehn-1.png?resize=300%2C168&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 554px) 100vw, 554px" /><p id="caption-attachment-3139" class="wp-caption-text"><span style="font-size: 75%;"><a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773157/">ORF</a></span></p></div>
<p><a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773157/" target="_blank">Isabelle Lehn</a> (geb. 1979) kommt ebenfalls von der Leipziger Schreibschule, ihr Clip ist bodenständiger als der von Macht. Bei ihr gibt es weder ein großangelegtes Inszenierungsmanöver, noch werden wir mit suggestiven Überblendungen überschüttet. Stattdessen: idyllisches Menschentreiben in Leipzig. Sogar Sascha Macht streunt intertextuell durch den Clip, in seinem Cameo-Auftritt sitzt er mampfend auf dem Platz. Eine städtische Luftbrise hier, ein wenig Grünfläche dort, ein paar Graffiti, eine Bulldogge und türkische Kids, die Fußball spielen – was braucht das Autorenauge mehr? Als zufriedene Stadtplatzschreiberin hockt Lehn zwischen alledem und schreibt ihre Beobachtungen per Hand in ihr Heft.</p>
<h4><span style="text-decoration: underline;">Mutmaßung</span></h4>
<p>Nah, menschlich, sympathisch – so wird auch ihr Textbeitrag sein. Isabelle Lehn widmet sich, so das potentielle Lob der Jury, dem „Bravourösen im Alltäglichen“ und läuft damit womöglich Gefahr, in braver und einfühlsamer Kontemplation zu stagnieren.</p>
<p style="text-align: center;">* * *</p>
<h3 id="sargnagel">Stefanie Sargnagel: Elendsbiografie</h3>
<div id="attachment_3141" style="width: 564px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3141" data-attachment-id="3141" data-permalink="https://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-2/sargnagel-2/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Sargnagel-1.png?fit=554%2C310&amp;ssl=1" data-orig-size="554,310" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Sargnagel" data-image-description="&lt;p&gt;Video-Still Stefanie Sargnagel &amp;#8211; TDDL 2016&lt;/p&gt;
" data-image-caption="&lt;p&gt;&lt;span style=&quot;font-size: 75%;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773162/&quot;&gt;ORF&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Sargnagel-1.png?fit=554%2C310&amp;ssl=1" class="size-full wp-image-3141" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Sargnagel-1.png?resize=554%2C310" alt="ORF" width="554" height="310" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Sargnagel-1.png?w=554&amp;ssl=1 554w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Sargnagel-1.png?resize=80%2C45&amp;ssl=1 80w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Sargnagel-1.png?resize=300%2C168&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 554px) 100vw, 554px" /><p id="caption-attachment-3141" class="wp-caption-text"><span style="font-size: 75%;"><a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773162/">ORF</a></span></p></div>
<p>Sich des Braven und Vorhersehbaren zu erwehren, ist wiederum die selbstauferlegte Aufgabe von <a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773162/" target="_blank">Stefanie Sargnagel</a> (geb. 1986). Bisher hat die Österreicherin erfolgreich daran gearbeitet, sich als Marke zu etablieren. Der Name, die Mütze, die derb-aphoristischen <em>facebook</em>-Posts – alles Werbemaßnahmen für das Label „Sargnagel“<em>. </em>Ihr Videoporträt, in Windows-Paint-Optik gehalten, folgt derselben Logik. Oben links prangt eine mies gezeichnete traurige Sonne, der Rest ist einfallslos erzählte Elendsbiografie. Wir hören Sätze wie „Meine Lieblingsfarbe ist intensives Grau“ und ahnen: Mehr wird auch in ihrem Prosastück nicht kommen. Gerade darauf freuen wir uns. Keine ausgetüftelte Zeitstruktur in der Erzählung, keine adjektivisch hochgerüsteten Figuren, einfach bloß eine Portion Wiener Banlieu-Slang, den Sargnagel uns Hochkulturellen und Schreibschulmüden zugänglich macht. Danke!</p>
<h4><span style="text-decoration: underline;">Mutmaßung: </span></h4>
<p>Bei den <em>TDDL </em>wird ihr das von-Rönne-Problem begegnen. Dermaßen zugeschüttet mit Vorwegnahmen bezüglich ihrer Person wird von ihr nichts übrig bleiben als das Label<em>, </em>das sie eh schon hat: kultiviert grobschlächtig und verweigernd derb.</p>
<p><em>Fortsetzung folgt</em></p>
<p><a href="http://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-1/" target="_blank"><em>Erster Teil</em></a></p>
<p><a href="http://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-3/" target="_blank"><em>Dritter Teil</em></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis:</em><br />
<em>Beitragsbild-Montage unter Verwendung von: </em><br />
<em>Hofer-Supermarkt in Österreich, von High Contrast (Eigenes Werk) [<a href="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/deed.en">CC BY 3.0 de</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AHOFER_supermarket_in_Austria.jpg">via Wikimedia Commons</a></em><br />
<em>Selfie Icon von Claire Jones (http://thenounproject.com/term/selfie/28250/) [<a href="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0">CC BY 3.0</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ASelfie_icon.svg">via Wikimedia Commons</a></em></h6>
<h6 style="text-align: right;"><em>Video-Stills: <a href="http://bachmannpreis.orf.at/tags/autoren2016/" target="_blank">ORF</a></em></h6>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&#038;;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
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		<title>Auf eigene Gefahr – Autoren-Selfies (1)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Samuel Hamen]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Jun 2016 19:54:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Schatztruhe]]></category>
		<category><![CDATA[Bachmann-Wettbewerb]]></category>
		<category><![CDATA[TDDL]]></category>
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					<description><![CDATA[Was die TDDL-Autorenclips über die Prosa der Porträtierten verraten. Unverschämte Mutmaßungen von Samuel Hamen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dropcap">V</span>ierzehn Autorinnen und Autoren tragen ab Donnerstag bei den 40. <a href="http://bachmannpreis.orf.at/" target="_blank"><em>Tagen der deutschsprachigen Literatur</em></a> in Klagenfurt ihre Texte vor. Ihre Videoporträts sind bereits Wochen im Voraus im Netz zu sehen. Die zwei- bis dreiminütigen Clips, mit denen sich die Autorinnen und Autoren selbst vorstellen, lassen sich als Cover für die Texte betrachten, die ja noch kein Buch sind.</p>
<p>Sind diese Film-Selfies vielleicht sogar die bessere Methode des <em>Primings</em>? Sie stimmen das Publikum auf das Kommende ein, sie sind Lenkung und Ablenkung zugleich, sie informieren und disziplinieren Dabei lassen die Porträtclips eine gestalterische Haltung erkennen. Die künstlerische Geste, die man ihnen entnehmen kann, dürfte sich im darauffolgenden Prosatext anders und doch ähnlich manifestieren.</p>
<p>Warum also im Rahmen der kommenden <em>TDDL </em>kein Schau-Experiment anstellen? Sich die Videoporträts in unverschämter Unkenntnis der Texte anschauen und unangemessene Mutmaßungen über die Verfasstheit der Texte anstellen, ihre Stärken und Schwächen also dreist im Voraus benennen?</p>
<p>Nach einer ersten Durchschau der Clips fällt schnell ins Auge: Nicht nur im Sachbuch erfreut sich der Wald größter Beliebtheit. Gleich drei AutorInnen streunen durch zumeist regnerisches Forstgebiet. Woher diese Vorliebe? Denken Sie sich Wendungen wie „borkige Birkenrinden“ oder „kompostige Moospolster“ – das klingt so bestürzend poetisch, dass Autor und Wald ganz einfach zusammen gehören. Die auktorialen Spaziergänge können etwas Urig-Romantisches, Eremitenhaftes und, nicht zu unterschätzen, gefahrlos Deutsches vermitteln.</p>
<p style="text-align: center;">* * *</p>
<h3 id="dinic">Marko Dinić: Waldeinsamkeit</h3>
<div id="attachment_3095" style="width: 566px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3095" data-attachment-id="3095" data-permalink="https://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-1/dinic/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Dinic.png?fit=556%2C309&amp;ssl=1" data-orig-size="556,309" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Dinic" data-image-description="&lt;p&gt;Marco Dinic, TDDL 2016 – Still aus Autorenvideo&lt;/p&gt;
" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Dinic.png?fit=556%2C309&amp;ssl=1" class="wp-image-3095 size-full" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Dinic.png?resize=556%2C309" alt="Dinic" width="556" height="309" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Dinic.png?w=556&amp;ssl=1 556w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Dinic.png?resize=80%2C44&amp;ssl=1 80w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Dinic.png?resize=300%2C167&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 556px) 100vw, 556px" /><p id="caption-attachment-3095" class="wp-caption-text"><span style="font-size: 75%;"><a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773152/">ORF</a></span></p></div>
<p><a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773152/" target="_blank">Marko Dinić</a> (geb. 1988) steht etwas verwirrt zwischen Busch und Strauch und sieht aus, als versuche er angestrengt, sich als verdutzte Eiche zu tarnen. Das gelingt ihm kaum, und deswegen flieht er in die Stadt, um mit einem Festnetztelefon mit Schnur (!) zu telefonieren. Wo macht man so etwas heutzutage noch? Seine Wanderschaft hat einerseits etwas merkwürdig Vormodernes, als wolle er sich den letzten technologischen und zeitgeistigen Schüben verweigern. Andererseits ist seine Waldeinsamkeit aus der jüngsten Geschichte heraus motiviert. Sein Porträt beginnt mit einer Alarmsirene und Amateuraufnahmen von Bombardements in Serbien.</p>
<blockquote><p>Die Irrlichter sind Bomben oder winzige Schrapnellstücke, die wir als Kinder gesammelt haben.</p></blockquote>
<p>So lautet der erste gesprochene Satz. Wohin, wenn nicht in den Wald, soll ein Kind oder Autor unter derlei Umständen fliehen? Der gesamte Sprechtext im Clip kehrt Dinićs Bemühen hervor, sich von jenen Kollegen abzusetzen, die sich ihrem brachliegenden Selbst in öden Ironietexten widmen.</p>
<h4><span style="text-decoration: underline;">Mutmaßung</span></h4>
<p>Eine ernste, etwas kratzbürstig erzählte osteuropäische Kriegsjugend mit Folklore-Elementen. Perfekt für eine Jury, die dieses Jahr auf Internationalität und <em>otherness </em>setzt. Wertung der Jury: „Eine auf herbe Weise erfrischende Mischung aus Clemens J. Setz und Saša Stanišić.“</p>
<p style="text-align: center;">* * *</p>
<h3 id="özdogan">Selim Özdogan: Schwerer Seegang</h3>
<div id="attachment_3101" style="width: 567px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3101" data-attachment-id="3101" data-permalink="https://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-1/oezdogan/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/%C3%96zdogan.png?fit=557%2C310&amp;ssl=1" data-orig-size="557,310" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Özdogan" data-image-description="&lt;p&gt;Selim Özdogan &amp;#8211; TDDL 2016, Video-Still&lt;/p&gt;
" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/%C3%96zdogan.png?fit=557%2C310&amp;ssl=1" class="wp-image-3101 size-full" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/%C3%96zdogan.png?resize=557%2C310" alt="Özdogan" width="557" height="310" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/%C3%96zdogan.png?w=557&amp;ssl=1 557w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/%C3%96zdogan.png?resize=80%2C45&amp;ssl=1 80w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/%C3%96zdogan.png?resize=300%2C167&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 557px) 100vw, 557px" /><p id="caption-attachment-3101" class="wp-caption-text"><span style="font-size: 75%;"><a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773159/">ORF</a></span></p></div>
<p>Eine elementare Entgegnung hierauf findet sich im Porträt von <a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773159/" target="_blank">Selim Özdogan</a> (geb. 1971). Sein in maritimen Farben gehaltener Clip verwirft diese ganze Wurzel- und Knollenromantik. „Wenn wir versuchen, das Leben zu beschreiben, verwenden wir oft Metaphern. Gerne etwas mit Keimen, Wurzeln, Bäumen. Dinge, an denen man Halt sucht. Ich finde Wassermetaphern treffender.“ Also mehr Freddy Quinn, Nautik und Captain Nemo. Vor einer blauschattigen Wand fuchtelt tentakelartig ein Tänzer herum. Das Video bietet wenig mehr<em>, </em>Özdogan setzt darauf, die Meer-Allegorie auszubuchstabieren.</p>
<ul>
<li>„Keine Angst unterzugehen“ – check.</li>
<li>„Kielwasser“ – check.</li>
<li>„Schwerer Seegang, Sturm, Unwetter, Kentern“ – check.</li>
<li>„Ozean zuschütten“ – check.</li>
</ul>
<p>Selbst das Aufschreiben strengt an. Hoffentlich wird sein Prosatext variantenreicher.</p>
<ul>
<li>„Nach Inseln Ausschau halten“ – check.</li>
<li>„In Tinte schwimmen“ – check.</li>
</ul>
<h4><span style="text-decoration: underline;">Mutmaßung</span></h4>
<p>Özdogans Prosabeitrag enthält eine einzige, großzügig auslöffelbare Idee. Wenn die bei der Jury nicht gut ankommt, bleibt nichts übrig.</p>
<p style="text-align: center;">* * *</p>
<h3 id="schenk">Sylvie Schenk: Grenzüberschreitende Streifzüge</h3>
<div id="attachment_3119" style="width: 634px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3119" data-attachment-id="3119" data-permalink="https://tell-review.de/schenk-2/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Schenk-1.jpg?fit=624%2C300&amp;ssl=1" data-orig-size="624,300" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Schenk" data-image-description="&lt;p&gt;Sylvie Schenk &amp;#8211; TDDL 2016, Video-Still&lt;/p&gt;
" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Schenk-1.jpg?fit=624%2C300&amp;ssl=1" class="wp-image-3119 size-full" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Schenk-1.jpg?resize=624%2C300" width="624" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Schenk-1.jpg?w=624&amp;ssl=1 624w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Schenk-1.jpg?resize=80%2C38&amp;ssl=1 80w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Schenk-1.jpg?resize=300%2C144&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 624px) 100vw, 624px" /><p id="caption-attachment-3119" class="wp-caption-text"><span style="font-size: 75%;"><a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773163/">ORF</a></span></p></div>
<p>Die zweite Waldgängerin, <a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773163/" target="_blank">Sylvie Schenk</a> (geb. 1944), passt verdächtig gut in das internationale Programm der Jury. Der erste Take ihres Porträts zoomt auf ihre Wanderschuhe. Damit ist alles klar: Diese Frau ist Expertin für grenzüberschreitende Streifzüge. Ausgerüstet mit Jack-Wolfskin-Jacke, blütensamenverziertem Regenschirm und einem transnationalen Bewusstsein macht sie sich auf ihren Weg, der auch der unsere werden soll. Sie hat sogar zwei Wohnsitze (in Deutschland und in Frankreich), beide grenznah. Wenn dann noch der französische Akzent in ihrem Deutsch herauszuhören ist, spürt man zwar kein erotisches Zwicken wie ehedem bei der <em>Schöfferhofer</em>-Werbung, aber irgendwie fühlt man sich auf angenehm europäische Weise gewürdigt.</p>
<h4><span style="text-decoration: underline;">Mutmaßung</span></h4>
<p>Die Wertung der Jury könnte lauten: „Eine klare Erzählerin, die den langen Atem einer Sprachwandrerin besitzt.“ Schlimmstenfalls wird eine(r) aus der Jury raushauen: „Aufregend unaufregend.“</p>
<p style="text-align: center;">* * *</p>
<h3 id="dorian">Ada Dorian: Dekadenzeffekte</h3>
<div id="attachment_3096" style="width: 568px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3096" data-attachment-id="3096" data-permalink="https://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-1/dorian/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Dorian.png?fit=558%2C313&amp;ssl=1" data-orig-size="558,313" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Dorian" data-image-description="&lt;p&gt;AdaDorian &amp;#8211; TDDL 2016, Video-Still&lt;/p&gt;
" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Dorian.png?fit=558%2C313&amp;ssl=1" class="wp-image-3096 size-full" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Dorian.png?resize=558%2C313" alt="Dorian" width="558" height="313" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Dorian.png?w=558&amp;ssl=1 558w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Dorian.png?resize=80%2C45&amp;ssl=1 80w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Dorian.png?resize=300%2C168&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 558px) 100vw, 558px" /><p id="caption-attachment-3096" class="wp-caption-text"><span style="font-size: 75%;"><a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773155/">ORF</a></span></p></div>
<p><a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/2773155/" target="_blank">Ada Dorian</a> (geb. 1981) ist die dritte Forstliebhaberin. Nach dem unverzichtbaren Rumgestehe im Wald, bei dem sie wie eine ergraute Jungbirke aussieht, betritt sie eine Hausruine, mit blinden Fenstern, schiefen Türrahmen, Staub und Moder – das übliche, ästhetisch legitimierte Kaputte halt. Das einzig Blühende im Clip, ein wenig überkeck gezeigt, sind ihre mit Floralmuster verzierten Schuhe. Ein wenig erinnert ihr Waldhausbesuch an die Hoteltester aus der <em>VOX-</em>Serie <em>Mein himmlisches Hotel</em>. Auch Dorian streift prüfend mit dem Finger über das Mobiliar, als gelte es, Dreck zu finden – nur empört sich die Autorin nicht über abblätternden Lack und das verstaubte Klavier. Sie ist auf derlei Dekadenzeffekte angewiesen, um sich atmosphärisch zu inszenieren. Im Clip sind Waldsounds in Szenen einmontiert, in denen Dorian durchs Haus streunt. Ihr geht es um Effekte und gemachte Stimmung, um Aura und abgewracktes Glimmern.</p>
<h4><span style="text-decoration: underline;">Mutmaßung</span></h4>
<p>Ihr Beitrag wird einem Teil der Jury gefallen, weil er bei einer Live-Lesung sehr schön und effizient wirken kann. Bei genauerer Prüfung aber mag sich herausstellen, dass ihr Text zwar „wie eine gräuliche Sonne schimmert“, sie als Autorin aber „schlechterdings nichts Essenzielles zu erzählen hat“. So etwas könnte beispielsweise Hubert Winkels von sich geben.</p>
<p><em><a href="http://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-1/" target="_blank">Zweiter Teil</a><br />
</em></p>
<p><a href="http://tell-review.de/auf-eigene-gefahr-autoren-selfies-3/" target="_blank"><em>Dritter Teil</em></a></p>
<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis:</em><br />
<em>Beitragsbild-Montage unter Verwendung von: </em><br />
<em>Podlaskie &#8211; Czarna Białostocka &#8211; Puszcza Knyszyńska &#8211; Góry Czumażowskie &#8211; E &#8211; v-NW.JPG<br />
By Krzysztof Kundzicz (Own work) [<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0">CC BY-SA 3.0</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3APodlaskie_-_Czarna_Bia%C5%82ostocka_-_Puszcza_Knyszy%C5%84ska_-_G%C3%B3ry_Czuma%C5%BCowskie_-_E_-_v-NW.JPG">via Wikimedia Commons</a></em><br />
<em>Selfie Icon von Claire Jones (http://thenounproject.com/term/selfie/28250/) [<a href="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0">CC BY 3.0</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ASelfie_icon.svg">via Wikimedia Commons</a></em></h6>
<p><em>Video-Stills: <a href="http://bachmannpreis.orf.at/tags/autoren2016/" target="_blank">ORF</a></em></p>
<hr />
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