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	<title>Paul Hohn &#8211; tell</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
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	<title>Paul Hohn &#8211; tell</title>
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		<title>&#8222;Ich träume nur noch von Rechtecken&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Paul Hohn]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Feb 2017 11:48:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Träume]]></category>
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					<description><![CDATA[Wohnungen ohne Wände, Verbannung ans Ende der Welt, Flirts mit dem Führer. Zwischen 1933 und 1939 dokumentierte Charlotte Beradt hunderte Träume deutscher Bürger. Nicht einmal im Schlaf konnte man sich dem totalitären Terror des Nationalsozialismus entziehen. "Das Dritte Reich des Traums" (1966) ist nun in einer Neuausgabe erschienen. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dropcap">H</span>err S., Fabrikbesitzer und Sozialdemokrat, hat kurz nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 diesen Traum:</p>
<blockquote><p>Goebbels kommt in meine Fabrik. Er läßt die Belegschaft in zwei Reihen, rechts und links, antreten. Dazwischen muß ich stehen und den Arm zum Hitlergruß heben. Es kostet mich eine halbe Stunde, den Arm, millimeterweise, hochzubekommen. Goebbels sieht meinen Anstrengungen wie einem Schauspiel zu, ohne Beifalls-, ohne Mißfallensäußerung. Aber als ich den Arm endlich oben habe, sagt er fünf Worte: &#8222;Ich wünsche Ihren Gruß nicht&#8220;, dreht sich um und geht zur Tür.</p></blockquote>
<p>Einige Wochen später erzählt Herr S. diesen Traum der jüdischen Journalistin Charlotte Beradt. Fasziniert von seiner eindringlichen Schilderung, beschließt sie, Träume von deutschen Bürgern zu sammeln – in der Hoffnung, die Aufzeichnungen könnten dereinst nützlich sein, „wenn dem Regime als Zeitphänomen einmal der Prozeß gemacht würde“. Die Recherche ist risikoreich und schwierig, sowohl die Journalistin als auch die befragten Menschen müssen mit Repressionen rechnen. Die protokollierten Träume codiert Beradt behelfsmäßig, indem sie die Namen und Worte in den Träumen übersetzt: „Familie für Partei; Onkel Hans, Gustav, Gerhard für Hitler, Göring, Goebbels; Grippe für Verhaftung“. Sie versteckt die Dokumente in Bücherrücken und versendet sie ins Ausland. Ihre Sammeltätigkeit endet mit ihrer Flucht aus Deutschland im Jahr 1939.</p>
<p>Als Buch wurde <em>Das Dritte Reich des Traums</em> 1966 veröffentlicht. Nun hat der Suhrkamp-Verlag das Werk neu herausgegeben. Das Zeitdokument gewährt faszinierende und erschütternde Einblicke in die Lebenswelt der Menschen im nationalsozialistischen Deutschland.</p>
<h4>Träume als politische Fabeln</h4>
<p>Charlotte Beradt grenzt sich bei der Aufbereitung der Traumprotokolle bewusst von der psychologischen Traumforschung ab, denn die Träume „haben ihre Wurzeln direkt im Boden der die Träumer umgebenden politischen Gegenwart“. Beradt möchte ihr Buch als Sammlung „politischer Fabeln“ verstanden wissen: Der Verzicht auf die Ermittlung latenter Trauminhalte im Sinne Freuds gibt den Blick auf das Spezifische dieser „von der Diktatur diktierte[n] Träume“ frei.</p>
<p><em>Das Dritte Reich des Traums</em> enthüllt, wie sich totalitäre Herrschaft auf die Psyche auswirkt. Der äußere Anpassungsdruck führt dazu, dass sich die Menschen sogar im Traum zensieren. Das zeigt das Traumprotokoll einer Putzmacherin aus dem Jahr 1933:</p>
<blockquote><p>Ich träume, daß ich im Traum vorsichtshalber Russisch spreche […],<em> damit ich mich selbst nicht verstehe</em> und damit mich niemand versteht, falls ich etwas vom Staat sage, denn das ist doch verboten und muß gemeldet werden.</p></blockquote>
<p>Wenn sie träumen, schwanken die Bürger des Dritten Reichs häufig zwischen Selbstschutz und Selbstbehauptung. Die Protokolle geben präzisen Aufschluss darüber, wie die Träumenden sich selbst fremd werden. So träumt die Tochter einer jüdischen Mutter und eines christlichen, bereits verstorbenen Vaters im Winter 1936/37:</p>
<blockquote><p>Ich fahre mit Mutter ins Gebirge. &#8222;Bald werden wir alle im Gebirge wohnen müssen&#8220;, sagte die Mutter. &#8222;Du ja&#8220;, antworte ich, &#8222;aber ich nicht&#8220; – hasse sie und verachte mich.</p></blockquote>
<h4>Zeitgenossenschaft im Traum</h4>
<p>Die ambivalenten Gefühle der Träumenden ziehen sich als wiederkehrendes Motiv durch die Aufzeichnungen. Viele schwanken zwischen der Ablehnung des Regimes und dem Wunsch nach Anerkennung durch Teilhabe.</p>
<blockquote><p>Göring selbst inspiziert mein Büro und nickt mir zufrieden zu, was mich leider hoch erfreut, obwohl ich bei mir denke, das fette Schwein.</p></blockquote>
<p>Beradt stößt in den Trauminhalten auf „Selbstentfremdung, Entwurzelung, Isolierung, Identitätsverlust und Brechung der Lebenskontinuität“. Sie betont immer wieder, dass Hannah Arendt diese Merkmale erst viele Jahre später in <em>Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft</em> als Herstellungsmechanismen der Psychologie des totalen Untertanen bestimmt hat<em>. </em>Auch auf die Nähe der Träume zur Literatur Kafkas oder Becketts weist Beradt hin. Zwanzig Jahre vor Becketts <em>Endspiel</em> träumt ein jüdischer Rechtsanwalt:</p>
<blockquote><p>Zwei Bänke stehen im Tiergarten, eine normal grün, eine gelb, und zwischen beiden ein Papierkorb. Ich setze mich auf den Papierkorb und befestige selbst ein Schild an meinem Hals, wie es blinde Bettler zuweilen tragen, wie es aber auch Rassenschändern behördlicherseits umgehängt wurde: <em>Wenn nötig, mache ich dem Papier Platz.</em></p></blockquote>
<p>Dem ersten Kapitel des Buchs ist eine Aussage des NS-Reichsorganisationsleiters Robert Ley als Motto vorangestellt:</p>
<blockquote><p>Der einzige Mensch, der in Deutschland noch ein Privatleben führt, ist jemand, der schläft.</p></blockquote>
<p>Nicht einmal an der Schwelle zum Unbewussten macht die politische Vereinnahmung des Privaten Halt. Und doch bahnt sich in diesen Träumen eine subtile, zerrissene Form von individueller Zeitgenossenschaft ihren Weg.</p>
<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis:</em><br />
<em> Beitragsbild: Luftansicht Auschwitz 1944<br />
<a href="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/56/Auschwitz_aerial_view_RAF.jpg" target="_blank">via Wikimedia Commons</a></em><br />
<em> Cover &#8222;Das Dritte Reich des Traums&#8220;: <a href="http://www.suhrkamp.de/buecher/das_dritte_reich_des_traums-charlotte_beradt_22496.html" target="_blank">Suhrkamp Verlag</a></em></h6>
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">
Charlotte Beradt<br />
<strong>Das Dritte Reich des Traums</strong><br />
Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Barbara Hahn<br />
Suhrkamp Verlag 2016 • 173 Seiten • 22,00 Euro<br />
ISBN: 978-3518224960<br />
Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="http://www.amazon.de/dp/3518224964/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow">Amazon</a> oder <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="http://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=9783518224960" target="_blank">buecher.de</a><img decoding="async" class="zkgyustbrtwdnwizjmos ckgvhvytnmaiacxpheet" style="display: none !important;" src="http://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM --><br />
</div></div>
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><a href="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/02/Beradt.jpg"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" data-attachment-id="6717" data-permalink="https://tell-review.de/ich-traeume-nur-noch-von-rechtecken/beradt/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/02/Beradt.jpg?fit=403%2C640&amp;ssl=1" data-orig-size="403,640" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Beradt" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/02/Beradt.jpg?fit=403%2C640&amp;ssl=1" class="alignnone size-medium wp-image-6717" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/02/Beradt-189x300.jpg?resize=189%2C300" alt="" width="189" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/02/Beradt.jpg?resize=189%2C300&amp;ssl=1 189w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/02/Beradt.jpg?resize=50%2C80&amp;ssl=1 50w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/02/Beradt.jpg?resize=300%2C476&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/02/Beradt.jpg?w=403&amp;ssl=1 403w" sizes="(max-width: 189px) 100vw, 189px" /></a></div></div></div>
</div></div>
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		<title>Nicht nach Dinkelsbühl</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Paul Hohn]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Jan 2017 11:10:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Belletristik]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Heimat]]></category>
		<category><![CDATA[Lokalpatriotismus]]></category>
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					<description><![CDATA[In Freiburg feiert die deutsche Dummheit Triumphe, Paris ist abscheulich. Im Sammelband „Städtebeschimpfungen“ trifft Thomas Bernhards Lust am Schimpfen auf den leicht entflammbaren Lokalpatriotismus der Städtebewohner.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dropcap">D</span>ie polemischen Ausfälle Thomas Bernhards gegen österreichische, deutsche und andere europäische Städte sind legendär. Nun sind sie gesammelt in dem Band <em>Städtebeschimpfungen</em> erschienen. „Auf eine Unterscheidung zwischen Figurenrede (im literarischen Werk) und Stellungnahmen des Autors Thomas Bernhard wurde verzichtet, da der Autor sich bekanntermaßen genauso äußert wie seine Protagonisten“, schreibt der Herausgeber Raimund Fellinger im Nachwort.  Dementsprechend finden sich unter den Texten von A wie Altaussee bis Z wie Zell am See neben Ausschnitten aus Bernhards Dramen und seiner Prosa auch Auszüge aus Interviews und Briefen.</p>
<p>Im Stück <em>Die Macht der Gewohnheit</em> aus dem Jahr 1974 stellt die Hauptfigur Caribaldi aufgrund ihres Rheuma-Leidens die Frage:</p>
<blockquote><p>Gibt es denn in Augsburg<br />
überhaupt einen Arzt<br />
einen Rheumaspezialisten<br />
in diesem muffigen verabscheuungswürdigen Nest<br />
In dieser Lechkloake</p></blockquote>
<p>Das Stück war seinerzeit Auslöser eines Skandals. Dem Auszug ist ein Briefwechsel zwischen Bernhards Verleger Siegfried Unseld und dem damaligen Augsburger Bürgermeister Hans Breuer beigefügt. Breuer wendet sich an den Verleger, &#8222;um Interessen der Stadt Augsburg und Belange der Bürger zu wahren&#8220;. Denn Bernhards Worte erscheinen ihm „selbst für eine Komödie doch allzu bitterböse“. Er bittet Unseld, seine Einladung an Thomas Bernhard weiterzuleiten, drei Tage lang Augsburgs Gast zu sein, um ihn davon zu überzeugen, dass Augsburg „eine schmucke und muntere Großstadt mit quellreinem Trinkwasser und mit sauberen Bürgern“ sei und dass „es hier gar nicht so übel riecht.“ Unseld versucht daraufhin, den Bürgermeister zu beschwichtigen, er lädt ihn zur letzten Aufführung des Stücks in Salzburg ein und bittet ihn, den Autor nicht für die Äußerungen seiner Figuren zur Rechenschaft zu ziehen. Doch der Bürgermeister hält an seinem Unverständnis fest: „Leider kann ich Ihre Aufspaltung von Autor und Figur nicht nachvollziehen.“ Thomas Bernhard selbst gibt ihm Recht, wenn er dazu in der FAZ vom 12. August 1974 schreibt:</p>
<blockquote><p>Von Lissabon aus empfinde ich Augsburg noch elementarer scheußlich als in meinem neuen Theaterstück. Mein Mitgefühl mit den Augsburgern und allen in Europa, die sich als Augsburger verstehen, ist ungeheuer grenzenlos und absolut.</p></blockquote>
<h4>Es geht ums Schimpfen</h4>
<p>Die abfälligen Äußerungen Bernhards und seiner Figuren über Goldegg-Weng sorgten ebenso für Aufregung. Bernhard hat es nicht nur auf die Städte abgesehen, sondern auch auf ihre Bewohner. Wie könne man Thomas Bernhard den Österreichischen Staatspreis verleihen, obwohl er „sozusagen den höchsten Souverän, das Volk selbst“ brüskiere, fragt Oberschulrat Hans Müller angesichts der „Beleidigungen unseres Bergvolkes“ in <em>Frost</em>. In dem Roman hatte Bernhard die Bewohner Wengs so beschrieben:</p>
<blockquote><p>Nicht größer als ein Meter vierzig im Durchschnitt, torkeln sie zwischen Mauerritzen und Gängen, im Rausch erzeugt. Sie scheinen typisch zu sein für das Tal.</p></blockquote>
<p>Je mehr die Beleidigten sich wehren, um so mehr bestätigen sie Bernhard. Ihm zufolge ist nahezu jede Stadt unerträglich. Doch die Lektüre des Sammelbands macht klar, dass es nicht um die beschimpften Orte geht, sondern ums Schimpfen. Das Buch führt zurück in die 60er und 70er Jahre. Damals war es leichter, das Bürgertum zu provozieren, als in der Epoche des „anything goes“.</p>
<p>Und doch wirkt <em>Städtebeschimpfungen</em> nicht antiquiert. Denn aus heutiger Sicht lesen sich die damaligen Skandale wie Gesellschaftssatire. Durch ihren leicht entflammbaren Lokalpatriotismus und ihren naiven Umgang mit einer beim Wort genommenen Literatur avancieren Figuren wie der Bürgermeister, der Oberschulrat oder der Augsburger Albert Rohrer zu unfreiwilligen Komikern. Letzterer schreibt in einem offenen Brief an Bernhard:</p>
<blockquote><p>Sie stoßen sich auch an den Essgewohnheiten unserer Bürger, Rettich widerstrebt Ihrem Geruchssinn. Er gehört nun mal zur urbayrischen Brotzeit, und Sie müssten ihn einmal zusammen mit bayrischem Käse und unserem Bier kosten! Ihre Entscheidung, die wir Ihnen nahelegen, kann nur die Rücknahme Ihres Stücks sein.</p></blockquote>
<h4>Provinzhasser und Landei</h4>
<p>Thomas Bernhards Lust an der Provokation ist kein Selbstzweck. Durchgehend wird die heimatliche Gemütlichkeit als Gefängnisatmosphäre entlarvt. Vorangestellt ist der Sammlung das Motto: „Die Welt ist insgesamt schon gänzlich Provinz geworden.“</p>
<p>Die Keimzellen des Provinzvirus bilden Kleinstädte wie Dinkelsbühl:</p>
<blockquote><p>Weißt du wie klein Dinkelsbühl ist<br />
Man merkt daß ich dreißig Jahre<br />
in Dinkelsbühl gelebt habe […]
So sieht ein Mensch aus<br />
der dreißig Jahre in Dinkelsbühl gelebt hat<br />
existiert hat<br />
Diese alte Hose<br />
dieser alte Rock<br />
diese alten Schuhe<br />
<em>dem Mädchen ins Gesicht</em><br />
Nicht nach Dinkelsbühl gehen<br />
nicht nach Dinkelsbühl</p></blockquote>
<p>Doch auch Großstädte wie die „Genievernichtungsmaschine“ Wien, Bernhards Geburtsort, sind längst Provinz geworden:</p>
<blockquote><p>Eine wie alte und leblose Stadt, ein wie großer, von ganz Europa und von der ganzen Welt allein- und liegengelassener Friedhof ist Wien […], was für ein riesiger Friedhof zerbröckelnder und vermodernder Kuriositäten!</p></blockquote>
<p>Für ihn sei es wichtig, während der Arbeit in einem Land zu sein, in dem er die Sprache nicht verstehe, sagt Thomas Bernhard im <a href="https://www.youtube.com/watch?v=sEV-QX5obTM&amp;list=PL45F6058B5A1C1566" target="_blank">Interview <em>Monologe auf Mallorca</em></a>.</p>
<blockquote><p>Weil man ununterbrochen das Gefühl hat, die Leute sagen nur angenehme Dinge und reden eigentlich nur wichtige, philosophische Sachen. Und wenn man bei uns die Sprache versteht, hat man das Gefühl, sie reden nur lauter Schmarren. Und so wird der Schmarren in Spanien für mich philosophisch.</p></blockquote>
<p>Trotzdem lebte Thomas Bernhard ab 1965 auf einem Landgut in Österreich. Er brauchte den Furor gegen seine Umgebung als Treibstoff seiner Schreib-Maschine und nutzte ihn weidlich: Wie er in seinen Städtebeschimpfungen den ganzen Schmarren zerlegt, ist grandios.</p>
<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis:</em><br />
<em> Beitragsbild: Segringer Straße Dinkelsbühl</em><br />
<em> via <a href="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/47/Segringer_Strasse_Dinkelsbuehl.JPG">Wikimedia Commons</a></em><br />
<em> Cover &#8222;Städtebeschimpfungen&#8220;: <a href="http://www.suhrkamp.de/buecher/staedtebeschimpfungen-thomas_bernhard_46074.html" target="_blank">Suhrkamp Verlag</a></em></h6>
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">
Thomas Bernhard<br />
<strong>Städtebeschimpfungen</strong><br />
Herausgegeben von Raimund Fellinger<br />
Suhrkamp Verlag 2016 · 179 Seiten · 9 Euro<br />
ISBN: 978-3518460740<br />
Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="http://www.amazon.de/dp/3518460749/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow">Amazon</a> oder <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="http://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=9783518460740" target="_blank">buecher.de</a><img decoding="async" style="display: none !important;" src="http://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM --><br />
</div></div>
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><a href="http://www.amazon.de/dp/3518460749/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="6466" data-permalink="https://tell-review.de/nicht-nach-dinkelsbuehl/bernhard_staedtebeschimpfungen/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/01/Bernhard_St%C3%A4dtebeschimpfungen.jpg?fit=397%2C639&amp;ssl=1" data-orig-size="397,639" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Bernhard_Städtebeschimpfungen" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/01/Bernhard_St%C3%A4dtebeschimpfungen.jpg?fit=397%2C639&amp;ssl=1" class="alignnone size-medium wp-image-6466" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/01/Bernhard_St%C3%A4dtebeschimpfungen-186x300.jpg?resize=186%2C300" alt="" width="186" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/01/Bernhard_St%C3%A4dtebeschimpfungen.jpg?resize=186%2C300&amp;ssl=1 186w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/01/Bernhard_St%C3%A4dtebeschimpfungen.jpg?resize=50%2C80&amp;ssl=1 50w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/01/Bernhard_St%C3%A4dtebeschimpfungen.jpg?resize=300%2C483&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/01/Bernhard_St%C3%A4dtebeschimpfungen.jpg?w=397&amp;ssl=1 397w" sizes="auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px" /></a></div></div></div>
</div></div>
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		<title>Phantastischer Ort, phantastisches Leben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Paul Hohn]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Dec 2016 13:08:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Lektüretipps]]></category>
		<category><![CDATA[Rubriken]]></category>
		<category><![CDATA[90er]]></category>
		<category><![CDATA[Anarchie]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwartsliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Ukraine]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Frühzeit des Kapitalismus in der Ukraine: Drei Studenten arrangieren sich mit dem Chaos. Serhij Zhadans "Depeche Mode" handelt von Resignation, Rausch und der Suche nach einem Freund.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">In unseren Lektüretipps weisen wir auf Bücher hin, die uns begeistert, erschüttert, erheitert haben: Klassiker, Entdeckungen, Kuriositäten.</div></div>
<p><a href="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Zhadan_Depeche_Mode.jpg"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="6261" data-permalink="https://tell-review.de/phantastischer-ort-phantastisches-leben/zhadan_depeche_mode/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Zhadan_Depeche_Mode.jpg?fit=391%2C640&amp;ssl=1" data-orig-size="391,640" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Zhadan_Depeche_Mode" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Zhadan_Depeche_Mode.jpg?fit=391%2C640&amp;ssl=1" class="size-medium wp-image-6261 aligncenter" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Zhadan_Depeche_Mode-183x300.jpg?resize=183%2C300" alt="" width="183" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Zhadan_Depeche_Mode.jpg?resize=183%2C300&amp;ssl=1 183w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Zhadan_Depeche_Mode.jpg?resize=49%2C80&amp;ssl=1 49w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Zhadan_Depeche_Mode.jpg?resize=300%2C491&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Zhadan_Depeche_Mode.jpg?w=391&amp;ssl=1 391w" sizes="auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px" /></a></p>
<blockquote><p>Ich sehe mir gern alte Alben an, mit Fotos aus den Vierzigern oder Fünfzigern, wo diese Kerle fröhlich und mit kurzgeschorenen Haaren in die Kamera grinsen, in Militär- oder Studentenuniform, […] Kinder eines großen Volkes, Fahnenträger, verdammte Scheiße, wohin ist das alles verschwunden, die Sowje [<em>sic!</em>] hat alles Menschliche aus ihnen herausgepreßt und sie in Fast Food für Uncle Sam verwandelt, das ist es, was ich denke. Ich merke doch, mit wieviel Haß und Abscheu sie ihre eigenen Kinder betrachten, sie jagen sie, fangen sie in den tauben Korridoren unseres grenzenlosen Landes. So ist das.</p></blockquote>
<p><span class="dropcap">C</span>harkiw, Juni 1993: Während die postsowjetische Ukraine sich zugunsten des hereinbrechenden Kapitalismus vom Sozialismus verabschiedet, versuchen die drei Studenten Dog Pawlow, Wasja Kommunist und Serhij Zhadan, ein Leben im Einklang mit der gesellschaftlichen Unordnung zu führen. In ungeniertem Tonfall erzählt dieser Zhadan vom anarchischen Dasein der Protagonisten.</p>
<p>Der Jude Dog Pawlow zieht in der Kommune ein, und er besorgt reichlich Rauschmittel:</p>
<blockquote><p>Dann gehen wir für ein paar Tage überhaupt nicht aus dem Zimmer, höchstens um zu pissen oder zu kotzen, aber kotzen kann man im Zimmer. Pissen im Prinzip auch. Ich mag Dog Pawlow, trotz seines Antisemitismus, juckt mich ja nicht. Dog arbeitet aus Prinzip nicht, findet Arbeit Scheiße, sagt, &#8222;ich finde es beschissen, für die auch noch zu arbeiten&#8220;, überhaupt findet er, daß in unserer Republik ein Umsturz stattgefunden hat und Juden an die Macht gekommen sind, Saujuden – sagt er überall Saujuden; ich finde eigentlich, daß er so nicht reden sollte, aber arbeiten will ich auch nicht.</p></blockquote>
<p>In seinem Debütroman <em>Depeche Mode</em> (dt. 2007) erzählt Serhij Zhadan in einer anschaulichen rhythmischen Sprache von der Weltsicht und dem Verhalten der jungen Männer, ohne ihren jugendlichen Trotz zu kaschieren. Die Handlung wechselt abrupt: Auf die Schilderung des Platzsturms während eines Fußballspiels folgt ein Dialog über Erektionen und die Predigt eines amerikanischen Erweckungspriesters:</p>
<blockquote><p>„Damit ihr versteht, daß die göttliche Offenbarung Meeresfrüchten gleicht […] – das Wichtigste ist nicht, sie zu fangen, sondern sie richtig zuzubereiten.“</p></blockquote>
<p>Ebenso wie der ans Mündliche angelehnte Stil zeugt diese Sprunghaftigkeit von Zhadans Anfängen als Lyriker. Die Sprache ist wild und überschreitet Grenzen. An Tiraden diskriminierender Beleidigungen wie „Downie“ oder „schwule Sau“ schließen sich Funktionärssprache und wissenschaftlicher Duktus an. Der Schmuggel von zwei Kisten Wodka über die russische Grenze wird in einem Tonfall geschildert, der die romantische Lyrik parodiert.</p>
<p>Doch gerade dadurch schmiegt die Sprache sich an das Erzählte an, als spiegle sie den Systemwechsel und die instabilen Verhältnisse. Das faszinierende Chaos im Charkiw der Neunzigerjahre wird greifbar.</p>
<blockquote><p>sie durchleiden, genau wie wir, diesen nassen verregneten Sommer in der leeren, mit Gras zugewachsenen und mit Reklame zugeklebten Charkiwer Vorstadt, phantastischer Ort, phantastische Nutten, phantastisches Leben. Homosexualität praktizieren wir nicht, obwohl es darauf zuzulaufen scheint.</p></blockquote>
<h6 style="text-align: right;"></h6>
<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis:</em><br />
<em> Beitragsbild: Charkiw, Freiheitsplatz</em><br />
<em> via <a href="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/9c/Charkiw_(Charkow)_Freiheitsplatz_1941.jpg" target="_blank">Wikimedia Commons</a></em><br />
<em> Cover &#8222;Depeche Mode&#8220;: <a href="http://www.suhrkamp.de/buecher/depeche_mode-serhij_zhadan_12494.html" target="_blank">Suhrkamp Verlag</a></em></h6>
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">
Serhij Zhadan<br />
<strong>Depeche Mode</strong><br />
Roman<br />
Aus dem Ukrainischen von Juri Durchhat und Sabine Stöhr<br />
Suhrkamp Verlag 2007 · 245 Seiten · 12 Euro<br />
ISBN: 978-3518124949<br />
Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="http://www.amazon.de/dp/3518124943/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow">Amazon</a> oder <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="http://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=9783518124949" target="_blank">buecher.de</a><img loading="lazy" decoding="async" style="display: none !important;" src="http://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM --></div></div>
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		<title>Trostlose Weiten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Paul Hohn]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Dec 2016 11:33:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Belletristik]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Hedonismus]]></category>
		<category><![CDATA[Melancholie]]></category>
		<category><![CDATA[Reisen]]></category>
		<category><![CDATA[Russische Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[Wodka, Birken und ein Leichentransport mit der transsibirischen Eisenbahn. In „Der Alkohol und die Wehmut“ greift Mathias Énard fleißig auf Klischees der russischen Literatur zurück. Aber diese liest sich im Original besser.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Zu was für Blödsinn du mich treibst, Wladimir, ich stelle mir vor, wie Jeanne jetzt an Haken hängt wie Christus am Kreuz und Blut weint oder Heroin raucht, ich weiß nicht, was mir lieber wäre.</p></blockquote>
<p><span class="dropcap">E</span>ine junge Frau namens Jeanne bestellt ihren früheren Geliebten Mathias aus Paris zu sich nach Moskau. Er soll den Leichnam ihres toten Liebhabers Wladimir mit der transsibirischen Eisenbahn von Moskau in dessen Heimatdorf nahe Nowosibirsk bringen. Jeanne möchte lieber in Moskau bleiben und sich an drei durch die Rückenhaut gerammten Fleischerhaken in einem Keller aufhängen lassen: „so lässt sie ihren Schmerz körperlicher werden“. Vor drei Jahren verband die drei eine Dreiecksbeziehung. Zwölf Monate lang lebten sie zusammen, hauptsächlich in Moskau. In diesem Jahr sogen Jeanne, Mathias und Wladimir nicht nur die russische Literatur und Geschichte in sich auf, sie berauschten sich zudem an Alkohol, Opium und Heroin. Für Mathias beginnt eine Zugfahrt durch halb Russland. Begleitet vom Leichnam seines Freundes erinnert er sich in nostalgischen Monologen an die Vergangenheit, an seine eigene und an die russische.</p>
<p>Zunächst hatte Mathias Énard, der für <em>Kompass</em> mit dem Prix Goncourt 2015 ausgezeichnet wurde, den Roman als Hörspiel konzipiert. Es entstand während einer Fahrt mit der transsibirischen Eisenbahn. 2011 erschien die französische Prosafassung. Ende Oktober ist der kurze Roman <em>Der Alkohol und die Wehmut</em>, der in der Vorschau von Matthes &amp; Seitz noch prägnant als <em>Alkohol und Weltschmerz</em> beworben worden war, in deutscher Übersetzung erschienen.</p>
<h4>Melancholie und Selbstmitleid</h4>
<blockquote><p>Da können sie lange suchen, Sie werden nichts finden. Die berühmte russische Seele existiert nicht. Das einzig Greifbare daran ist der Alkohol, die Wehmut und die Leidenschaft für Pferderennen.</p></blockquote>
<p>Dieses Zitat von Anton Tschechow ist dem Roman als Motto vorangestellt. Es ist der erste von vielen Rückgriffen auf die alten Meister der russischen Literatur. Ausgerechnet in diesem seelenlosen Land eine lange Zugfahrt anzutreten, um einen Leichnam zu überführen, macht Mathias wehmütig – und durstig natürlich, denn der Titel ist Programm. Der tote Wladimir dient Mathias als imaginärer Gesprächspartner, als Adressat seines melancholischen Sinnierens, doch ist Wladimir „kein echter Bruder“, denn er trinkt nicht mit. Während Mathias sich einen Wodka nach dem anderen genehmigt, macht er Wladimir Vorwürfe: „du tust mir das an, bleibst stumm, völlig zu, vielleicht hast du dich aufgegeben, weil das Leben dich abgefüllt hat“. Gleich zu Beginn setzt er Wladimir die Vergeblichkeit der Zugfahrt auseinander, bei der es nur in zweiter Linie auf den Leichentransport anzukommen scheint: „Reisen hilft eben auch nicht. Alles sieht überall gleich aus.“</p>
<p>Das <a href="http://tell-review.de/satz-fuer-satz-5-reden-auf-papier/" target="_blank">Gespräch</a> zwischen Mathias und Jeanne vor der Abfahrt des Zuges liest sich so:</p>
<blockquote><p>„Wie geht’s, hat’s sehr lang gedauert?“<br />
„Mit dem Flugzeug dauert’s immer sehr lang. Ich habe mich auf dich gefreut“, log ich.<br />
„Ich auch.“<br />
„Wie geht’s?“<br />
„Nicht besonders, ich habe seit einer Woche nicht geschlafen. Ich denke die ganze Zeit an ihn.“<br />
„Mir auch nicht. Mir geht’s auch nicht gerade gut. Ich habe mehr Pillen als Klamotten im Koffer.“</p></blockquote>
<p>Alles verschwimmt zu einem Einheitsbrei. Das ist sonst ein <a href="http://tell-review.de/satz-fuer-satz-8-trivialliteratur-ii/" target="_blank">Kennzeichen trivialer Literatur</a>. Wo nichts ungesagt bleibt, kann nur eine oberflächliche Dramatik entstehen. Hastig wird der Leser über die Stimmungslage und das Verhältnis der Figuren zueinander informiert und der bevorstehende Drogenkonsum angekündigt. Das ist zwar nicht elegant, aber so kommt man voran.</p>
<h4>Wörtergerassel ohne Substanz</h4>
<p>Generell hat es der Autor eilig: Pausenlos rattert sein Protagonist im Takt des ruckelnden Zuges literarische Anspielungen, Exkurse in die Vergangenheit Russlands und die benebelte Beziehung der drei Gescheiterten herunter.</p>
<blockquote>[…] in uns lagern immer noch Bruchstücke der Revolution, Trümmer eines alten Traums eines nicht recht großgewordenen Jugendlichen, der nicht das Glück hatte, ein Gewehr in der Hand zu halten, um seine Träume zu verteidigen: Mir hat man eher eine Spritze in die Hand gedrückt als eine Knarre oder eine Bombe, auch ich hätte lieber auf kleinen Pferden die Steppe durchzogen und geschrien: ‚Kosaken, Kosaken, wollt ihr euch etwa eure Armee zerschlagen lassen?’, wie in Taras Bulba, dem gewaltigen Roman von Gogol […]</blockquote>
<p>Mathias’ Sehnsucht nach Gewalt und Revolution erinnert an die Kriegsbegeisterung zahlreicher Intellektueller vor dem Ersten Weltkrieg. Trümmer, Träume, Jugend, Glück – an großen Worten wird nicht gespart. Das Pathos des Erzählers speist sich einerseits aus dem Wunsch, in die Weltgeschichte einzugreifen, andererseits aus einem grenzenlosen Selbstmitleid angesichts der im Rausch verschwendeten Zeit.</p>
<blockquote><p>Als ich sie [Jeanne] in Paris kennenlernte, waren wir gerade achtzehn, ich war aus meiner Provinz aufgebrochen und hatte den Eindruck, ein Gefängnis verlassen zu haben, aus dem Gulag zurückgekehrt zu sein, aus Magadan oder sonstwoher, und eine Freiheit wiederzuerlangen, die ich in Wirklichkeit nie besessen hatte, außer in den Büchern, in den Büchern, die für einen Jugendlichen sehr viel gefährlicher sind als Waffen, denn sie hatten unmöglich zu befriedigende Wünsche in mich getrieben, Kerouac, Cendrars oder Conrad erfüllten mich mit dem Verlangen nach einem unendlichen Aufbruch, […] wir hatten keine Revolution mehr, uns blieben nur die Illusionen der Reise, des Schreibens und der Drogen.</p></blockquote>
<p>Das kauft man dem Protagonisten, der anscheinend alles erlebt hat, nicht ab. Klischee folgt auf Klischee, und die Bildung langer Sätze mit mehreren Nebensätzen simuliert den Eindruck von Erregtheit und Authentizität. Man ist versucht zu denken, die Montage von Großstadtsehnsucht und Entlassung aus dem GULag sei ironisch zu verstehen, zumal aus dem Munde eines Erzählers, der an anderer Stelle vorgibt, <a href="http://tell-review.de/arbeit-hunger-kaelte/" target="_blank">Schalamow</a>, den „Schaufelkünstler“, gelesen zu haben. Aber nach ironischen Anzeichen sucht man vergeblich.</p>
<h6 style="text-align: right;"></h6>
<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis:</em><br />
<em> Beitragsbild: Park Pobedy Moscow Metro</em><br />
<em> via <a href="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/5b/Parkpobedy-escalator.jpg" target="_blank">Wikimedia Commons</a></em><br />
<em> Cover &#8222;Der Alkohol und die Wehmut&#8220;: <a href="http://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/der-alkohol-und-die-wehmut.html?cover=1" target="_blank">Matthes &amp; Seitz Verlag</a></em></h6>
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">
Mathias Énard<br />
<strong>Der Alkohol und die Wehmut</strong><br />
Roman<br />
Aus dem Französischen von Claudia Hamm<br />
Matthes &amp; Seitz Verlag 2016 · 106 Seiten · 16 Euro<br />
ISBN: 978-3957573490<br />
Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="http://www.amazon.de/dp/3957573491/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow">Amazon</a> oder <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="http://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=9783957573490" target="_blank">buecher.de</a><img loading="lazy" decoding="async" style="display: none !important;" src="http://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM --><br />
</div></div>
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><a href="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Cover.jpg"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="6156" data-permalink="https://tell-review.de/trostlose-weiten/cover/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Cover.jpg?fit=867%2C1418&amp;ssl=1" data-orig-size="867,1418" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Cover.jpg?fit=630%2C1030&amp;ssl=1" class="alignnone size-medium wp-image-6156" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Cover-183x300.jpg?resize=183%2C300" alt="" width="183" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Cover.jpg?resize=183%2C300&amp;ssl=1 183w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Cover.jpg?resize=49%2C80&amp;ssl=1 49w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Cover.jpg?resize=768%2C1256&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Cover.jpg?resize=630%2C1030&amp;ssl=1 630w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Cover.jpg?resize=300%2C491&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Cover.jpg?w=867&amp;ssl=1 867w" sizes="auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px" /></a></div></div></div>
</div></div>
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		<title>Nichts als Menschlichkeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Paul Hohn]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Dec 2016 16:23:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Flüchtlingskrise]]></category>
		<category><![CDATA[Humanitarismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Boštjan Videmšek will mit „Auf der Flucht“ weg von der Politik. Seine Reportagen sollen der Flüchtlingskrise ein Gesicht geben. Sie zeigen, wie wichtig humanitäre Hilfe ist, um das Leid geflüchteter Menschen zu lindern. Eine politische Lösung der Flüchtlingskrise kann sie aber nicht ersetzen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Vielleicht kann dieses Buch mithelfen, europäische Solidarität auszubauen.</p></blockquote>
<p><span class="dropcap">I</span>m Grußwort der slowenischen Botschafterin ist die Rede von <em>Auf der Flucht</em>, einem Reportage-Band des slowenischen Kriegsreporters Boštjan Videmšek, der am Dienstagabend beim KLAK-Verlag in Kreuzberg vorgestellt wurde.</p>
<p>Das Buch handelt von der Geschichte der Migration nach Europa seit der Errichtung des ersten Grenzzauns 2005 in Melilla. „Ich wollte weg von der Politik, hin zu den Menschen“, sagt Videmšek. Die Begegnungen mit den Flüchtenden stehen im Vordergrund: „Ich weigere mich, von der Flüchtlingskrise als Phänomen zu sprechen.“</p>
<h4>Mitgefühl ohne Perspektive</h4>
<p>Sein Buch basiert auf über 2500 Interviews, die er mit Menschen an nahezu allen Hauptschauplätzen der Flüchtlingskrise geführt hat. „Dieses Buch verleiht dem Thema Menschlichkeit“, steht im Klappentext. Immer wieder betont Jörg Becken, der Moderator des Abends, dass <em>Auf der Flucht</em> uns vor allem etwas über „uns Europäer“ erzähle, von unserer Betroffenheit.</p>
<blockquote><p>Ich dachte an die afghanischen Kinder, abhängig vom Opium, das ihre Schmerzen lindert und den ausgemergelten Müttern wenigstens ein bisschen Schlaf bringt. Ich dachte an die gigantischen Mohnfelder und die Pakete mit Opiumpaste. Ich dachte an die tausend und abertausend verlorenen Seelen, Leben, Sehnsüchte, Hoffnungen. Ich dachte an meinen – und <em>unseren</em> – Komfort und unsere Privilegien.</p></blockquote>
<p>Die Wiederholungen, die großen Worte Leben, Sehnsucht, Hoffnung, der harte Kontrast zwischen dem Leid afghanischer Kinder und <em>uns</em> – die Passage soll uns betroffen machen. Hier möchte der Autor die Distanz zum Leid der Menschen abbauen. Aber was für Videmšek die Verarbeitung eigener, realer Erlebnisse sein mag, berührt mich nicht. Im Gegenteil, der pathetische, abgegriffene Stil schafft Distanz. Wer angesichts konkreten Leidens von „verlorenen Seelen“ spricht, erweckt Misstrauen. Was sind unsere Privilegien? Diejenigen der einheitlichen fünfhundert Millionen europäischen EU-Bürger? Mir scheint, hier soll vor allem Mitleid erregt und an ein mögliches schlechtes Gewissen appelliert werden.</p>
<p>An diesem Abend fällt zu oft das Wort „Menschlichkeit“. Es werden zu viele hochemotionale Tragödien verlesen, ohne dass darüber hinaus irgendeine Perspektive geboten würde:</p>
<blockquote><p>Die Frau flehte die türkischen Grenzpolizisten an, sie in das nur vier Kilometer entfernte Azaz zu lassen, in dessen Nähe erbittert gekämpft wurde. Die Stadt wurde von russischen und syrischen Flugzeugen der Regierung bombardiert. Im Gebiet zwischen Azaz und der türkischen Grenze saßen etwa 140.000 Flüchtlinge fest. ‚Ich muss sofort ins Krankenhaus. Mein Kind ist schwer krank’, versuchte die Frau die Polizisten zu überzeugen. Umsonst. […] Das Mädchen starb in den Armen seiner Mutter. Die Frau begann zu weinen. Leise. Würdevoll. Und einsam.</p></blockquote>
<h4>Solidarität kann Politik nicht ersetzen</h4>
<p>Das Urteil fällt eindeutig aus: „die Politik“ versage in jeglicher Hinsicht. Europa bekämpfe die Flüchtlinge mit kriegerischen Mitteln. Dagegen werden immer wieder Zivilcourage und Hilfsbereitschaft der Bürger beschworen und der „hellwache“ Humanismus ins Feld geführt. Ein Besucher stellt die Frage, was man unter Europa verstehen solle. Die EU? Die einzelnen nationalen Gesellschaften? Politische Verbände? Für ihn sei unklar, wie man sich angesichts der unübersichtlichen Situation zu verhalten habe. „Das kann ich auch nicht sagen“, erwidert Videmšek, „aber wenn ein Kind bei Rot über die Ampel geht und angefahren wird, helfen Sie dann, oder nicht?“</p>
<p>Die an diesem Abend von Boštjan Videmšek und Jörg Becken propagierte Haltung – ein vor der Politik resignierender Humanitarismus – hat der größten politischen Krise unserer Zeit nichts entgegenzusetzen als den Versuch, Mitleid und zutiefst menschliche Gefühle zu erregen, als ob man dadurch einem Problem von globalem Ausmaß beikommen könnte.</p>
<p>Die Betonung von Humanismus und Menschlichkeit spielt zudem der konservativ-reaktionären Taktik einer ideologisch instrumentalisierten Willkommenskultur in die Hände: Politische Aufgaben werden an ehrenamtliche Helfer delegiert, deren Unterstützung zwar dringend notwendig ist, aber kein Ersatz für staatliches und politisches Handeln sein kann. „Wir haben getan, was wir konnten, trotz einer scheiternden Politik“, heißt es dann. Und im Rausch der Nächstenliebe klopft man sich selbst auf die Schulter, bis auf das nächste München das nächste Köln folgt und die Stimmung in Gesellschaft und Medien wieder umschlägt.</p>
<h6 style="text-align: right;"></h6>
<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis:</em><br />
<em> Beitragsbild: The Raft of the Medusa</em><br />
<em> via <a href="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/12/Raft_of_the_Medusa.jpg" target="_blank">Wikimedia Commons</a></em><br />
<em> Cover &#8222;Auf der Flucht&#8220;: <a href="https://image.jimcdn.com/app/cms/image/transf/dimension=1820x1280:format=jpg/path/s891fc0f0bc8f5e20/image/i6eaade2f08de7d74/version/1472581735/image.jpg" target="_blank">KLAK Verlag</a></em></h6>
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">
Boštjan Videmšek<br />
<strong>Auf der Flucht. Moderner Exodus ins gelobte Land.</strong><br />
Reportagen<br />
Aus dem Slowenischen von Andrea Leksovec<br />
KLAK Verlag 2016 · 364 Seiten · 16,90 Euro<br />
ISBN: 978-3943767704<br />
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		<title>Arbeit, Hunger, Kälte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Paul Hohn]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Dec 2016 12:57:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Lektüretipps]]></category>
		<category><![CDATA[Rubriken]]></category>
		<category><![CDATA[GULag]]></category>
		<category><![CDATA[Russische Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[Warlam Schalamow war 17 Jahre lang Häftling im GULag. Seine Erzählungen gehen an die Grenze des Erträglichen. In dichter Sprache schildert Schalamow den Überlebenskampf in den Lagern.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">In unseren Lektüretipps weisen wir auf Bücher hin, die uns begeistert, erschüttert, erheitert haben: Klassiker, Entdeckungen, Kuriositäten.</div></div>
<p><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="5928" data-permalink="https://tell-review.de/arbeit-hunger-kaelte/durch-den-schnee-cover/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/11/Durch-den-Schnee-Cover.jpg?fit=160%2C261&amp;ssl=1" data-orig-size="160,261" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="durch-den-schnee-cover" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/11/Durch-den-Schnee-Cover.jpg?fit=160%2C261&amp;ssl=1" class="aligncenter size-full wp-image-5928" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/11/Durch-den-Schnee-Cover.jpg?resize=160%2C261" alt="durch-den-schnee-cover" width="160" height="261" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/11/Durch-den-Schnee-Cover.jpg?w=160&amp;ssl=1 160w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/11/Durch-den-Schnee-Cover.jpg?resize=49%2C80&amp;ssl=1 49w" sizes="auto, (max-width: 160px) 100vw, 160px" /></p>
<blockquote><p>Wie tritt man einen Weg in unberührten Schnee? Ein Mann geht voran, schwitzend und fluchend, setzt kaum einen Fuß vor den anderen und bleibt dauernd stecken im lockeren Tiefschnee.</p></blockquote>
<p><span class="dropcap">W</span>er sich mit Warlam Schalamow (1907-1982) in den GULag am eisigen Fluss Kolyma begibt, wird als Leser nicht geschont: &#8222;Das Lager ist eine Negativerfahrung, eine negative Schule, es wirkt zerstörerisch auf alle – auf Natschalniks und Häftlinge, auf Begleitposten und Zuschauer, auf Passanten und Leser von Belletristik.&#8220; So Schalamow in seinem Essay <em>Über Prosa</em>. Die Intensität der Erzählungen geht an die Grenze des Erträglichen: Schalamow zieht auch die Leser in den Vernichtungssog dieser negativen Schule.</p>
<blockquote><p>Golubew erinnerte sich an das große Krankenzimmer im Bergwerk, wo er vor einem Jahr gelegen hatte. Dort wickelten beinahe alle Kranken nachts ihre Verbände ab, streuten rettenden Schmutz hinein, echten Schmutz vom Fußboden, kratzen die Wunden auf, brachten sie zum Eitern.</p></blockquote>
<p>Mich berührt die dichte Sprache, in der Schalamow vom Überlebenskampf erzählt. Er konzentriert sich auf die Beschreibung des Körperlichen, des Sichtbaren, um eine Welt darzustellen, in der er siebzehn Jahre seines Lebens verbracht hat – manchmal dem Tod näher als dem Leben. Unerbittlich konfrontiert Schalamow den Leser mit Arbeit, Hunger, Kälte. Unter diesen lebensfeindlichen Bedingungen bleibt nur Raum für Handlungen, die zum Überleben notwendig sind. Immer wieder markiert die Nahrungsaufnahme den Höhepunkt einer Erzählung und erscheint in einem ungewohnten Licht, wie zum Beispiel in der (vom Autor erdachten) Beschreibung der letzten Mahlzeit des sterbenden Ossip Mandelstam, der schon zu schwach zum Kauen ist.</p>
<blockquote><p>Das Stück Brot war zergangen, verschwunden, und das war ein Wunder – eines der vielen hiesigen Wunder. Nein, jetzt regte er sich nicht auf. Doch als man ihm seine Tagesration in die Hände legte, umfaßte er sie mit den blutleeren Fingern und preßte das Brot an den Mund. Er biß das Brot mit den Skorbutzähnen, das Fleisch blutete, die Zähne wackelten, doch er spürte keinen Schmerz. Mit aller Kraft preßte er das Brot an den Mund, stopfte es sich in den Mund, lutschte es, riß und nagte…</p></blockquote>
<p>An der Schwelle zum Tod erscheint die Fähigkeit, ein Stück Brot zu essen, als Wunder. Nüchtern nimmt Schalamow den Brotverzehr unter die Lupe. Ganz nah werden wir herangeholt an die Anstrengung des sterbenden Dichters, das Brot mit <em>blutleeren</em> Fingern an den Mund zu <em>pressen</em>. Der Schmerz beim Versuch, das Brot mit wackelnden Zähnen und blutendem Zahnfleisch zu kauen, wird fühlbar. Und dann erfahren wir, dass Mandelstam dem Tod schon so nahe ist, dass er keinen Schmerz mehr spürt. Mit unaufgeregter Genauigkeit nähert sich Schalamow dem beinahe schon vernichteten Leben eines Menschen an. Er beschreibt, wie der Sterbende am Brot <em>lutscht</em>, <em>reißt</em> und <em>nagt</em>. Gerade in der Nüchternheit der Erzählungen tritt die entmenschlichende Brutalität des Lagers prägnant hervor.</p>
<p>Es handele sich „um eine Prosa, die durchlitten ist, wie ein Dokument“, schreibt Schalamow in <em>Über Prosa</em>. Er übt Kritik am Totalitarismus, jedoch ohne Sentimentalitäten oder humanistische Belehrungen, wie man sie etwa bei Solschenizyn findet. Schalamow setzt auf die Eindringlichkeit der Bilder, auf die Wirkung der anschaulich gemachten Erfahrung, und darin liegt seine literarische Leistung. Seine Kritik an den Lagern beansprucht Gültigkeit über die Grenzen des GULag hinweg.</p>
<p>Das wird deutlich an Erzählungen wie „Das Kreuz“, deren Handlung sich außerhalb des Lagers in einer Stadt abspielt. Wir werden Zeugen einer Szene aus dem Leben der Eltern eines Häftlings. Ein blinder Geistlicher und seine Frau leiden an Armut und Hunger. Sie müssen das Gold vom Christuskreuz hacken, um sich Lebensmittel zu kaufen.</p>
<blockquote><p>Das Kreuz lag mit dem Figürchen nach unten. Der blinde Geistliche ertastete das Kreuz und holte mit dem Beil aus. Er tat einen Schlag, und das Kreuz sprang ab und klirrte leise auf dem Boden – der blinde Geistliche hatte danebengeschlagen. Der Geistliche ertastete das Kreuz und legte es wieder auf denselben Platz, wieder hob er das Beil. Diesmal verbog sich das Kreuz, und ein Stück davon ließ sich mit den Fingern abbrechen Eisen ist härter als Gold – das Kreuz zu zerhacken erwies sich als gar nicht schwer.</p></blockquote>
<h6 style="text-align: right;"></h6>
<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis:</em><br />
<em> Beitragsbild: Warlam Schalamow 1929</em><br />
<em> Via <a href="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/02/1929-ShalamovV.jpg" target="_blank">WikimediaCommons</a><br />
<em> Cover &#8222;Durch den Schnee. Erzählungen aus Kolyma 1&#8220;: <a href="http://www.matthes-seitz-berlin.de/cache/buch/covers/978-3-88221-600-4-x160xx400x-1471339114.jpg" target="_blank">Matthes &amp; Seitz Berlin</a></em><br />
<em> Cover &#8222;Über Prosa&#8220;: <a href="http://www.matthes-seitz-berlin.de/cache/buch/covers/978-3-88221-642-4-x160xx400x-1449570641.jpg" target="_blank">Matthes &amp; Seitz Berlin</a></em></em></h6>
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">
Warlam Schalamow<br />
<strong>Erzählungen aus Kolyma</strong><br />
Herausgegeben von Franziska Thun-Hohenstein<br />
Aus dem Russischen von Gabriele Leupold<br />
Matthes &amp; Seitz Berlin<br />
<a href="https://www.amazon.de/Durch-den-Schnee-Erzählungen-Kolyma/dp/388221600X/ref=sr_1_1?s=books&amp;ie=UTF8&amp;qid=1480282059&amp;sr=1-1&amp;keywords=schalamow+durch+den+schnee" target="_blank">Band 1 (2007)</a>, <a href="https://www.amazon.de/Linkes-Ufer-Erzählungen-aus-Kolyma/dp/3882216018/ref=pd_bxgy_14_2?_encoding=UTF8&amp;psc=1&amp;refRID=R5V34MYKFQZFFQQWYK3W" target="_blank">Band 2 (2009)</a>, <a href="https://www.amazon.de/Künstler-Schaufel-Erzählungen-aus-Kolyma/dp/3882216026/ref=pd_bxgy_14_2?_encoding=UTF8&amp;psc=1&amp;refRID=VG1XPNC03BM5CN2Y5XP8" target="_blank">Band 3 (2010)</a>, <a href="https://www.amazon.de/Die-Auferweckung-Lärche-Erzählungen-Kolyma/dp/388221502X/ref=pd_bxgy_14_3?_encoding=UTF8&amp;psc=1&amp;refRID=8W6EEXX7R1T41BEQ1BJ4" target="_blank">Band 4 (2011)</a><br />
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Warlam Schalamow<br />
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">
<strong>Über Prosa</strong><br />
Herausgegeben von Franziska Thun-Hohenstein<br />
Aus dem Russischen von Gabriele Leupold<br />
Matthes &amp; Seitz Berlin · 144 Seiten · 12,80 Euro<br />
ISBN: 3882216425<br />
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		<title>„wer sitzt, weiß, wo die antwort ist“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Paul Hohn]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Nov 2016 10:28:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Übersetzen]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Chinesische Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Lesung]]></category>
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					<description><![CDATA[Zeitgenössische chinesische Lyrik ist in Deutschland weitgehend unbekannt. Mit dem Sammelband „Chinabox“ soll sich das ändern. Die Buchvorstellung im Haus für Poesie in Berlin war ein Ausflug in fremdes Gelände.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Zwischen Paul Celan und Thomas Tranströmer gibt es einen Li Shangyin;<br />
Wir sollten den Stein aufbohren und mit der Vogelscheiße eines Jahrtausends<br />
ganz langsam ein Brot aus seinem Schatten backen.</p></blockquote>
<p><span class="dropcap">W</span>ie backt man Brot aus dem Schatten eines Steins? Oder ist es der Schatten des Jahrtausends – oder der Schatten von <a href="http://tell-review.de/tag/li-shangyin-vier-gedichte-ohne-namen/" target="_blank">Li Shangyin</a>? Symbolisieren Vögel in der chinesischen Lyrik die Dichter? Und sind ihre Gedichte die jahrtausendealte Scheiße, von der hier die Rede ist?</p>
<p>Im Gedicht „Gesellschaft für Flugversuche“ von Zang Di (<a href="http://www.lyrikline.org/de/gedichte/11755#.WDbXlXeX-Rs" target="_blank">hier können Sie sich das Gedicht bei Lyrikline auf Chinesisch anhören</a>) geht es darum, Dichter herauszuholen – aus Bäumen, Löchern, grünen Hügeln. Mehr Namen fallen: Ted Hughes, Jiang Kui, Du Fu. Ich verliere den Faden bei der Lesung im <a href="http://hausfuerpoesie.de/de/literaturwerkstatt-berlin/home/" target="_blank">Haus für Poesie</a> in Berlin. Wahrscheinlich wurde dieses Gedicht gerade wegen dieser Namen für den Einstieg ausgewählt. Der Verweis auf Celan und Hughes suggeriert Nähe, die kennt man schließlich. Aber mir hilft das nicht weiter, das Gedicht bleibt rätselhaft.</p>
<p>Die Anthologie <em>Chinabox</em>, die an diesem Abend vorgestellt wird, versammelt zeitgenössische chinesische Gedichte von zwölf Autoren und Autorinnen. Die Texte sind in Deutschland bisher unbekannt. Die Buchpräsentation führt mich auf fremdes Terrain.</p>
<h4>Zwischen Banalität und Nicht-Verstehen</h4>
<p>Abwechselnd tragen die Herausgeberin Lea Schneider und der Künstler Yan Jun auf Deutsch und Chinesisch vor, manche Gedichte in beiden Sprachen, andere nur in einer. Yan Jun liest das Gedicht „Straße der Roten Armee“ von Han Bo (<a href="http://www.lyrikline.org/de/gedichte/12031#.WDbYKXeX-Rs" target="_blank">hier können Sie sich das Gedicht bei Lyrikline auf Chinesisch anhören</a>). Ich verstehe kein Chinesisch und kann mich voll auf den Klang konzentrieren. In Yans Vortrag treten Wiederholungen und Wiederaufnahmen zutage, doch ihr ästhetischer Gehalt bleibt mir verborgen. Auch in der deutschen Übersetzung bleibt das Gedicht für mich opak:</p>
<blockquote><p>harbin: ein menschenstrom brodelt, kocht den tag hart.<br />
mit dem zug kommt ein russland, das längst von seinen studenten<br />
vertilgt worden ist. überschüssige nacht, elektrisiert, hand in hand<br />
wird das studentische russland von neon und stalin gefälscht.</p></blockquote>
<p>Der Abstraktionsgrad dieser Metaphorik zwischen Kochtopf und Labor scheint hoch, aber zumindest verstehe ich etwas. Harbin ist eine Stadt nahe der russischen Grenze. Nur: Auf welchen Studentenaufstand wird hier abgezielt? Wieso verfälschen Kapitalismus („Neon“) und Totalitarismus („Stalin“) das studentische Russland? Und was ist das überhaupt? Was ist ein hartgekochter Tag? Vielleicht ein Ei? Aber vertilgt wird dann doch Russland und nicht der Tag. Die Strophe überfordert mich, und mit der zweiten wird alles noch kryptischer. Den Anfang habe ich längst wieder vergessen, haltlos rauschen die Verse vorbei.</p>
<blockquote><p>kann sich der dichter den tag nicht leisten, isst das warten zumindest umsonst,<br />
ist das warten ein wrap, gerollt von einer mageren mutter vom lande<br />
aus einem vater unbekannter herkunft, der über die zutaten schimpft,<br />
ein hartgekochtes warten, von neon und stalin gefälscht.</p></blockquote>
<p>Der Dichter ist arm, das Warten hingegen isst umsonst, obwohl es selber ein Wrap ist, hartgekocht wie der Tag und mit schlechten Zutaten. Geht es um Regimekritik? Die Menschen hungern und warten umsonst auf bessere Zeiten, und die Schuld daran tragen natürlich der Kapitalismus und Stalin. Ich bin unsicher: Ist die Pointe des Gedichts tatsächlich so banal, oder ist mein Verständnis zu beschränkt?</p>
<h4>Lost in Translation?</h4>
<p>Die Brüche, die den Zugang zur neuen chinesischen Lyrik erschweren, werden auch in der Diskussion thematisiert. „Warum ist die zeitgenössische chinesische Lyrik in Deutschland so unbekannt?“, will der Moderator Asmus Trautsch von Lea Schneider wissen. Das Chinesische sei eine schwer erlernbare Sprache, und nur wenige chinesische Texte würden ins Deutsche übersetzt, so Schneider. In die umgekehrte Richtung sei das anders. Das Chinesische erlaube viel mehr Ambiguität, denn es verfügt weder über Deklination und Konjugation noch über Artikel. Das alles stehe der peniblen Grammatik der deutschen Sprache diametral entgegen.</p>
<p>Die Übersetzung der Gedichte von <em>Chinabox</em>, so Schneider, sei „ein wahnsinniges Unterfangen“ gewesen: „Wie kann ich auf Deutsch ein Gedicht schreiben, das die gleiche Wirkung hat wie das chinesische Original?“ Angesichts der Vieldeutigkeit des Chinesischen, das auch semantisch mehrere Ebenen auf einmal abruft, sei man als Übersetzer immer zu Entscheidungen gezwungen: „Übersetze ich Klang, Bild oder Sprache?“</p>
<p>Die Wanderarbeiterin Zheng Xiaoqiong gibt in „Erzählung von den Konsumgütern“ ihre Erfahrungen mit dem rastlosen Leben zwischen den Fabriken wieder:</p>
<blockquote>[…] teil sechs sind schrauben, bleiche kinderarme, lohnrückstand, strafgelder, der zerstörte takt deiner menstruation, die krankengeschichte der erkältungen, vertrocknete mimik und einsamkeit, wie ein ozean das statische rauschen der deckenleuchten, dein gehaltscheck, der auf dem fluss einer weit entfernten stadt treibt, teil sieben sind maschinen die schlafsäle des dialekts, des dialekts aus hunan, der sich über dem sichuan-dialekt ausstreckt und träumt, des dialekts aus hubei, der neben dem aus anhui einzieht, während die maschine des gansu-dialekts dem jiangxi-dialekt den halben finger abbeißt, und die nachtschicht des guangxi-dialekts, die dunkelheit des guizho-dialekts, vollgesogen mit regen, der yunnan-dialekt, der sich in den schlaf murmelt, und der aus henan, der ein enges seidenkleid trägt. teil acht sind […]</blockquote>
<p>Die lyrische Liste ist konkret, die Worte klingen vertraut. Aber gelesen wirkt das Gedicht monoton und wenig kunstvoll. Es erscheint mir als Abbild der Erfahrung eines Menschen, der von den Maschinen bedient wird und nicht umgekehrt. Die Bilder ziehen vorbei wie an einem Fließband. Ich entdecke nichts, was über die trostlose Monotonie hinausginge, aber das mag auch daran liegen, dass diese chinesische Wirklichkeit von mir so weit entfernt ist.</p>
<p>China sei das „developing paradise of capitalism“, so Yan Jun, der sich als <a href="http://www.berliner-kuenstlerprogramm.de/en/gast.php?id=1298" target="_blank">DAAD-Stipendiat </a>zur Zeit in Berlin aufhält. Viele Menschen wollten mit der Sprache die Realität reparieren, er jedoch wolle das Unfertige. Der Kapitalismus mache alles austauschbar: „I try to keep something, which is not to be exchanged“. Es gebe Dichter, die schrieben, um verstanden zu werden – zu diesen gehöre er nicht. <div id="attachment_5856" style="width: 310px" class="wp-caption alignright"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-5856" data-attachment-id="5856" data-permalink="https://tell-review.de/wer-sitzt-weiss-wo-die-antwort-ist/20161122_yan-jun2/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/11/20161122_Yan-Jun2.jpg?fit=4032%2C3024&amp;ssl=1" data-orig-size="4032,3024" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;1.7&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;SM-G930F&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1479847432&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.2&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;160&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.03030303030303&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="20161122_yan-jun2" data-image-description="" data-image-caption="&lt;p&gt;Yan Jun performt Hypnotic Noise&lt;/p&gt;
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<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis:</em><br />
<em> Beitragsbild: Alpha Factory Sewing </em><br />
<em> Via <a href="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/71/Alpha_Factory-Sewing_Floor_80-90.jpg" target="_blank">WikimediaCommons</a><br />
Bild Yan Jun: Sieglinde Geisel</em><br />
<em> Cover &#8222;Chinabox. Neue Lyrik aus der Volksrepublik&#8220;: <a href="http://verlagshaus-berlin.de/wp-content/uploads/importedProductImages/chinabox-cover.jpg" target="_blank">Verlagshaus Berlin</a></em></h6>
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">
<strong>Chinabox. Neue Lyrik aus der Volksrepublik.</strong><br />
Hrsg. v. Lea Schneider<br />
Sammelband<br />
Verlagshaus Berlin 2016 · 300 Seiten · 24,90 Euro<br />
ISBN: 3945832209<br />
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<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="5841" data-permalink="https://tell-review.de/wer-sitzt-weiss-wo-die-antwort-ist/chinabox-cover/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/11/chinabox-cover.jpg?fit=394%2C599&amp;ssl=1" data-orig-size="394,599" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="chinabox-cover" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/11/chinabox-cover.jpg?fit=394%2C599&amp;ssl=1" class="alignnone size-medium wp-image-5841" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/11/chinabox-cover-197x300.jpg?resize=197%2C300" alt="chinabox-cover" width="197" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/11/chinabox-cover.jpg?resize=197%2C300&amp;ssl=1 197w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/11/chinabox-cover.jpg?resize=53%2C80&amp;ssl=1 53w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/11/chinabox-cover.jpg?resize=300%2C456&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/11/chinabox-cover.jpg?w=394&amp;ssl=1 394w" sizes="auto, (max-width: 197px) 100vw, 197px" /></div></div></div>
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