<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	
	>
<channel>
	<title>
	Kommentare zu: Wer bestimmt, was trivial ist?	</title>
	<atom:link href="https://tell-review.de/wer-bestimmt-was-trivial-ist/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://tell-review.de/wer-bestimmt-was-trivial-ist/</link>
	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
	<lastBuildDate>Tue, 14 Mar 2017 12:08:47 +0000</lastBuildDate>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	
	<item>
		<title>
		Von: Bertram Reinecke		</title>
		<link>https://tell-review.de/wer-bestimmt-was-trivial-ist/#comment-532</link>

		<dc:creator><![CDATA[Bertram Reinecke]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Nov 2016 18:25:17 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=5339#comment-532</guid>

					<description><![CDATA[Ja, ich vermute, dass jede mögliche einigermaßen adäquate Theorie des Trivialen, (oder der Scheidung von Kunst und Handwerk) so komplex ist, dass sie kaum leicht anwendbar wäre. Das hält meinen Ehrgeiz in Grenzen, an so etwas zu feilen.
An einer anderen Stelle käme es mir sinnvoller vor: Ein Künstler sollte ein Sensorium dafür haben, welche Effekte leicht zu erzielen sind und welche nicht so einfach herzustellen sind, um jederzeit etwas möglichst Interessantes zu machen und nicht einer unauthentischen Wiederholbarkeit zu verfallen. Er ist hier aber auf viel weniger angewiesen: Er brauch,t zugespitzt gesprochen, eine Theorie, die nur für den einen Kontext an dem er gerade arbeitet ein zutreffendes Ergebnis liefert. Die restliche Kunst mag seine Intuition noch so schief beschreiben. (Natürlich zugespitzt: eine solche Idee wird immer auch auf gewusste Muster zurückgreifen, und etwas daran richtig greifen müssen.) 

Ich versuche gerade, Ihren Gedanken zur Kochkunst zurückzuspinnen: Wenn das Drumherum wichtig ist: Kommt es dann nicht nur auf den Text an, sondern auch darauf, dass kluge Leute den Text schon mit dem Verbunden haben, was uns gemeinsam wichtig ist? Dass ein Diskurs existiert? Wäre es damit ein Unterschied, ob man als Tourist eine Schwarte aus dem Regal des Ferienzimmers zieht, oder ob man vom Germanistikseminar auf den großen französischen Klassiker des psychologischen Kriminalromans verwiesen wurde? Klar ist: man liest es dann anders … Klar sowieso: Man macht texte laufend für ihre Kontexte haftbar. (Lutherlektüren)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ja, ich vermute, dass jede mögliche einigermaßen adäquate Theorie des Trivialen, (oder der Scheidung von Kunst und Handwerk) so komplex ist, dass sie kaum leicht anwendbar wäre. Das hält meinen Ehrgeiz in Grenzen, an so etwas zu feilen.<br />
An einer anderen Stelle käme es mir sinnvoller vor: Ein Künstler sollte ein Sensorium dafür haben, welche Effekte leicht zu erzielen sind und welche nicht so einfach herzustellen sind, um jederzeit etwas möglichst Interessantes zu machen und nicht einer unauthentischen Wiederholbarkeit zu verfallen. Er ist hier aber auf viel weniger angewiesen: Er brauch,t zugespitzt gesprochen, eine Theorie, die nur für den einen Kontext an dem er gerade arbeitet ein zutreffendes Ergebnis liefert. Die restliche Kunst mag seine Intuition noch so schief beschreiben. (Natürlich zugespitzt: eine solche Idee wird immer auch auf gewusste Muster zurückgreifen, und etwas daran richtig greifen müssen.) </p>
<p>Ich versuche gerade, Ihren Gedanken zur Kochkunst zurückzuspinnen: Wenn das Drumherum wichtig ist: Kommt es dann nicht nur auf den Text an, sondern auch darauf, dass kluge Leute den Text schon mit dem Verbunden haben, was uns gemeinsam wichtig ist? Dass ein Diskurs existiert? Wäre es damit ein Unterschied, ob man als Tourist eine Schwarte aus dem Regal des Ferienzimmers zieht, oder ob man vom Germanistikseminar auf den großen französischen Klassiker des psychologischen Kriminalromans verwiesen wurde? Klar ist: man liest es dann anders … Klar sowieso: Man macht texte laufend für ihre Kontexte haftbar. (Lutherlektüren)</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: rcscherzy		</title>
		<link>https://tell-review.de/wer-bestimmt-was-trivial-ist/#comment-531</link>

		<dc:creator><![CDATA[rcscherzy]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Nov 2016 09:08:24 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=5339#comment-531</guid>

					<description><![CDATA[Ich finde die Unterscheidung zwischen Kunst und Kunsthandwerk recht zielführend. 

Ein Hufschmied ist ein Handwerker.
Ein Goldschmied ist ein Kunsthandwerker, aber noch kein Künstler. 
Die Schmiede der Tuareg stellen in erster Linie alle möglichen Gebrauchsgegenstände her. Haben sie dann freie Zeit, beschäftigen sie sich mit der Herstellung von traditionellem Silberschmuck,z.B. Kreuz von Agadez. Hier gibt es eine bestimmte Palette von Standardformen und -mustern, die verwendet werden. Es entsteht aber darüber hinaus nie etwas, das neue Ansichten, neue Perspektiven, neue Interpretationen erlaubt.

Kunst wäre, die traditionellen Formen und Methoden des Kunsthandwerks zu nutzen, um etwas Neuartiges herzustellen,z.B. das Porträt eines Menschen, das aus handgeschriebenen Kreuzen von Agadez besteht. Das bietet dann vielfältige neue Betrachtungsweise und Interpretationsmöglichkeiten.

Wir können uns auch die Fotografie als Beispiel nehmen. Sicher kann man Selfies verwenden, um Kunst herzustellen. Aber nicht jedes Selfie ist Kunst. 

Ein gelungenes Bild ist Handwerk, abhängig von Zweck oder Motiv vielleicht Kunsthandwerk (z.B. Landschaftsfoto als Zimmerschmuck). Fotografische Kunst aber sind z.B. die Collagen von Anett Stuth, die Einzelfotos handwerklich geschickt in einen neuen Kontext setzt.

Kochkunst ist m.E. nicht die Frage, ob Bratwurst oder Rehrücken, denn die Zubereitung ist hier wie da Handwerk. Kochkunst geht über die Zubereitung des Essens hinaus, umfasst die Komposition von Gerichten und Menüs nach geschmacklichen, optischen, vielleicht sogar olfaktorischen Aspekten. Ein Sternekoch hat mich mal überrascht, indem er gedünsteten Fisch mit einer Scheibe deftiger Blutwurst garnierte, dann noch das ganze Drumherum und der richtige Wein. Das ware eine außergewöhnlicher, neuer Geschmack, nach meinem Empfinden: Kochkunst.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich finde die Unterscheidung zwischen Kunst und Kunsthandwerk recht zielführend. </p>
<p>Ein Hufschmied ist ein Handwerker.<br />
Ein Goldschmied ist ein Kunsthandwerker, aber noch kein Künstler.<br />
Die Schmiede der Tuareg stellen in erster Linie alle möglichen Gebrauchsgegenstände her. Haben sie dann freie Zeit, beschäftigen sie sich mit der Herstellung von traditionellem Silberschmuck,z.B. Kreuz von Agadez. Hier gibt es eine bestimmte Palette von Standardformen und -mustern, die verwendet werden. Es entsteht aber darüber hinaus nie etwas, das neue Ansichten, neue Perspektiven, neue Interpretationen erlaubt.</p>
<p>Kunst wäre, die traditionellen Formen und Methoden des Kunsthandwerks zu nutzen, um etwas Neuartiges herzustellen,z.B. das Porträt eines Menschen, das aus handgeschriebenen Kreuzen von Agadez besteht. Das bietet dann vielfältige neue Betrachtungsweise und Interpretationsmöglichkeiten.</p>
<p>Wir können uns auch die Fotografie als Beispiel nehmen. Sicher kann man Selfies verwenden, um Kunst herzustellen. Aber nicht jedes Selfie ist Kunst. </p>
<p>Ein gelungenes Bild ist Handwerk, abhängig von Zweck oder Motiv vielleicht Kunsthandwerk (z.B. Landschaftsfoto als Zimmerschmuck). Fotografische Kunst aber sind z.B. die Collagen von Anett Stuth, die Einzelfotos handwerklich geschickt in einen neuen Kontext setzt.</p>
<p>Kochkunst ist m.E. nicht die Frage, ob Bratwurst oder Rehrücken, denn die Zubereitung ist hier wie da Handwerk. Kochkunst geht über die Zubereitung des Essens hinaus, umfasst die Komposition von Gerichten und Menüs nach geschmacklichen, optischen, vielleicht sogar olfaktorischen Aspekten. Ein Sternekoch hat mich mal überrascht, indem er gedünsteten Fisch mit einer Scheibe deftiger Blutwurst garnierte, dann noch das ganze Drumherum und der richtige Wein. Das ware eine außergewöhnlicher, neuer Geschmack, nach meinem Empfinden: Kochkunst.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Bertram Reinecke		</title>
		<link>https://tell-review.de/wer-bestimmt-was-trivial-ist/#comment-514</link>

		<dc:creator><![CDATA[Bertram Reinecke]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Oct 2016 11:11:13 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=5339#comment-514</guid>

					<description><![CDATA[@ Hartmann, (@ Hartmut Finkelday): Dass Sie Herr Hartmann sich Herrn Finkelday nahe fühlen, erleichtert mir das Argumentieren erheblich. Herr Finkelday hatte behauptet, dass das Problem des Kitsches mit der Theorie von Killy gelöst sei. Ich war von vornherein der Meinung, dass wir eine gute Theorie des Trivialen bisher nicht haben. Ich teile die Ansicht, dass das ein Mangel an Theoriebildung ist und feiere das nicht. 
Um seine These, dass das Problem des Trivialen (zusammen mit dem Streit Querelle des Anciens et des Modernes) gelöst sei zu belegen, hat Herr Finkelday einen Essay zum Thema Kriminalliteratur beigebracht.   
Die Argumentation Käppners (dieses Beleges) passt aber schlecht zu der Argumentation Killys: Während letzterer versucht, positive Regeln des Trivialen festzustellen (der lauterste Weg, einte Theorie des Trivialen zu bauen) beschreibt Käppner das Triviale hier eher als einen Abfall von den Regeln guter Kunst. (Er beteuert ja, dass der Krimi längst Kunst ist.) Man könnte natürlich versuchen nachzuweisen, dass alle die von den Krimiklassikern Doyle, Hammet, Simenon, Chandler abgewichen sind, dass in der von Killy beschriebenen Weise tun müssten. (Dazu müsste man vorher den Nachweis führen, dass jene Krimiklassiker nicht ebenfalls teils Killys Merkmale des Trivialen von Killy teils aufweisen.) Deshalb wies ich darauf hin, dass dies für etwa für Borges und Chesterton nicht gilt. Eine Theorie sollte nicht selbstwidersprüchlich sein. Die große Vereinigungstheorie aus Käppner und Killy ist es definitiv. Es ist keine Theorie, sondern ein artikuliertes Gefühl. In einen so krassen Widerspruch wie Hartmut Finkeldey (und offenbar auch sie ein bisschen) verstrickt man sich nur, wenn einem eine Wertbindung (hier das Gefühl, dass das Problem des Trivialen gelöst sein SOLLTE), die Sicht verstellt. (Der Literaturkritiker Gaston Bachelard untersucht in seinem Buch &quot;Die Bildung des wissenschaftlichen Geistes&quot; genau solche Übersprunge an den Theorien der frühen Naturwissenschaft, wir sind bei einer Theorie des Trivialen in derselben Lage wie diese Wissenschaftler: Bei den Prolegomena.) Nun ist es doch etwas unhöflich, dass Sie, bloß, weil ich darauf hinweise, dass Sie die Theorie, die Sie zu haben vorgeben, nicht haben, mich gleich geistiger Untugenden wie Postmoderner Beliebigkeit bezichtigen.
Sie tun noch etwas zweites und daraus erwächst Ihnen ein Hauch der Plausibilität: Sie geben Fallbeispiele des Trivialen. Sie explizieren damit aber nicht irgendeine Theorie, sondern erweisen ihre Bildung. Über so etwas verfüge ich auch: Ich weiß natürlich, dass der „Arzt von Stalingrad“ oder „So weit die Füße tragen“ usw. als triviale Bücher gelten. Da müsste ich in die beiden Bücher noch nicht einmal hineingeschaut haben. (Ich habe es immerhin aber zumindest getan und finde beide Bücher zumindest nicht sehr geschmackvoll.) Was als was für ein Buch gilt, ist aber großteils vor allem auch ein soziologisches Problem. Sie werden und wollen der Frage, was gute Kunst ist, ja gerade nicht mit der Soziologie beikommen wollen? ( Genau daran hatten Sie doch kein Interesse, auch Sie behaupteten doch, ästhetische Maßstäbe zu fordern.) Wenn ich hier in die Ecke dessen gedrängt werde, der das Triviale an sich verteidigt (bloß weil ich darauf verweise, wir hätten wenig gute Theorie darüber), werde ich natürlich hier und da mit meiner Belesenheit prunken. Sonst sähe es eben schnell so aus, als wäre MEIN Problem einfach eines mangelnder Bildung. Um Ihnen nicht immer Beispiele aus dem 18. Jahrhundert zu bringen, mal eines aus der Zeit, die Sie soziologisch bevorzugen: Der Fall George Forestier hat besonders drastisch gezeigt, dass man sich auf die vagen Einordnungen eines Buches in den Bildungskanon nicht verlassen kann.
Es ist also auf der Ebene der Textbeschreibung hier noch nicht angekommen, das räumen sie ja auch endlich ein (ein Kompliment auch von meiner Seite für die Bemühungen von Tell) , sondern bewegen sich im Raum der ansozialisierten Bildungsgüter und betonen sozusagen: Das kann doch nicht alles falsch sein. Alles nicht, vieles aber wahrscheinlich doch. Ich merke es ja oft, wenn ich von Lesern, die „verrufene“ oder unbekannte Bücher ernstlich lesen eines Besseren belehrt werde. So viel Loyalität für intelligente und belesene Mitmenschen muss bei aller Achtung vor Tradition drin sein.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>@ Hartmann, (@ Hartmut Finkelday): Dass Sie Herr Hartmann sich Herrn Finkelday nahe fühlen, erleichtert mir das Argumentieren erheblich. Herr Finkelday hatte behauptet, dass das Problem des Kitsches mit der Theorie von Killy gelöst sei. Ich war von vornherein der Meinung, dass wir eine gute Theorie des Trivialen bisher nicht haben. Ich teile die Ansicht, dass das ein Mangel an Theoriebildung ist und feiere das nicht.<br />
Um seine These, dass das Problem des Trivialen (zusammen mit dem Streit Querelle des Anciens et des Modernes) gelöst sei zu belegen, hat Herr Finkelday einen Essay zum Thema Kriminalliteratur beigebracht.<br />
Die Argumentation Käppners (dieses Beleges) passt aber schlecht zu der Argumentation Killys: Während letzterer versucht, positive Regeln des Trivialen festzustellen (der lauterste Weg, einte Theorie des Trivialen zu bauen) beschreibt Käppner das Triviale hier eher als einen Abfall von den Regeln guter Kunst. (Er beteuert ja, dass der Krimi längst Kunst ist.) Man könnte natürlich versuchen nachzuweisen, dass alle die von den Krimiklassikern Doyle, Hammet, Simenon, Chandler abgewichen sind, dass in der von Killy beschriebenen Weise tun müssten. (Dazu müsste man vorher den Nachweis führen, dass jene Krimiklassiker nicht ebenfalls teils Killys Merkmale des Trivialen von Killy teils aufweisen.) Deshalb wies ich darauf hin, dass dies für etwa für Borges und Chesterton nicht gilt. Eine Theorie sollte nicht selbstwidersprüchlich sein. Die große Vereinigungstheorie aus Käppner und Killy ist es definitiv. Es ist keine Theorie, sondern ein artikuliertes Gefühl. In einen so krassen Widerspruch wie Hartmut Finkeldey (und offenbar auch sie ein bisschen) verstrickt man sich nur, wenn einem eine Wertbindung (hier das Gefühl, dass das Problem des Trivialen gelöst sein SOLLTE), die Sicht verstellt. (Der Literaturkritiker Gaston Bachelard untersucht in seinem Buch &#8222;Die Bildung des wissenschaftlichen Geistes&#8220; genau solche Übersprunge an den Theorien der frühen Naturwissenschaft, wir sind bei einer Theorie des Trivialen in derselben Lage wie diese Wissenschaftler: Bei den Prolegomena.) Nun ist es doch etwas unhöflich, dass Sie, bloß, weil ich darauf hinweise, dass Sie die Theorie, die Sie zu haben vorgeben, nicht haben, mich gleich geistiger Untugenden wie Postmoderner Beliebigkeit bezichtigen.<br />
Sie tun noch etwas zweites und daraus erwächst Ihnen ein Hauch der Plausibilität: Sie geben Fallbeispiele des Trivialen. Sie explizieren damit aber nicht irgendeine Theorie, sondern erweisen ihre Bildung. Über so etwas verfüge ich auch: Ich weiß natürlich, dass der „Arzt von Stalingrad“ oder „So weit die Füße tragen“ usw. als triviale Bücher gelten. Da müsste ich in die beiden Bücher noch nicht einmal hineingeschaut haben. (Ich habe es immerhin aber zumindest getan und finde beide Bücher zumindest nicht sehr geschmackvoll.) Was als was für ein Buch gilt, ist aber großteils vor allem auch ein soziologisches Problem. Sie werden und wollen der Frage, was gute Kunst ist, ja gerade nicht mit der Soziologie beikommen wollen? ( Genau daran hatten Sie doch kein Interesse, auch Sie behaupteten doch, ästhetische Maßstäbe zu fordern.) Wenn ich hier in die Ecke dessen gedrängt werde, der das Triviale an sich verteidigt (bloß weil ich darauf verweise, wir hätten wenig gute Theorie darüber), werde ich natürlich hier und da mit meiner Belesenheit prunken. Sonst sähe es eben schnell so aus, als wäre MEIN Problem einfach eines mangelnder Bildung. Um Ihnen nicht immer Beispiele aus dem 18. Jahrhundert zu bringen, mal eines aus der Zeit, die Sie soziologisch bevorzugen: Der Fall George Forestier hat besonders drastisch gezeigt, dass man sich auf die vagen Einordnungen eines Buches in den Bildungskanon nicht verlassen kann.<br />
Es ist also auf der Ebene der Textbeschreibung hier noch nicht angekommen, das räumen sie ja auch endlich ein (ein Kompliment auch von meiner Seite für die Bemühungen von Tell) , sondern bewegen sich im Raum der ansozialisierten Bildungsgüter und betonen sozusagen: Das kann doch nicht alles falsch sein. Alles nicht, vieles aber wahrscheinlich doch. Ich merke es ja oft, wenn ich von Lesern, die „verrufene“ oder unbekannte Bücher ernstlich lesen eines Besseren belehrt werde. So viel Loyalität für intelligente und belesene Mitmenschen muss bei aller Achtung vor Tradition drin sein.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Lars Hartmann		</title>
		<link>https://tell-review.de/wer-bestimmt-was-trivial-ist/#comment-512</link>

		<dc:creator><![CDATA[Lars Hartmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Oct 2016 07:24:58 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=5339#comment-512</guid>

					<description><![CDATA[@ B. Reinicke: Es ging mir beim Verweis aufs Essen nicht um die Rezepte-Küche, die dann auf die Kunst übertragen wird: man müsse nach Rezepten schreiben. Sondern meine Aussage war, daß in allen möglichen Bereichen über die Qualität einer Sache geurteilt wird, nur bei der Kunst herrscht ein postmodernes Anything Goes, und der Slogan „Hauptsache mir gefällt’s!“ geht bereits als Qualitätskriterium durch. Bei mir nicht. Ich habe nichts gegen das Gefallen und auch nichts gegen das in meinen Ohren zwar etwas schräg klingende Wort „Kunstgenuß“, nur sollte man ein Rosenbeet nicht eine Distelwiese und eine Distelwiese nicht ein Rosenbeet nennen. Ich zwinge niemanden, den Unterschied zwischen „Der Arzt von Stalingrad“ und Günter Grassʼ „Die Blechtrommel“ wahrzunehmen. Wer aber mit dem Anspruch auftritt, beides gelte im Bezirk der Kunst doch gleichviel, dem widerspreche ich. Ich bin da gerne Snob und möchte Oskar Wilde ins Feld der Literatur erweitern: „Geben Sie Luxus, auf das Notwendigste kann ich verzichten!“

Ansonsten stimme ich Herwig Finkeldey mit seinem Beitrag vom 26. Oktober 2016 um 23:50 zu, der zeigt, daß wir seit der Kunst des 18. Jhds weit über die Horazschen oder Boileauschen Regelpoetiken hinaus sind. Die Querelle des Anciens et des Modernes dürften ausgefochten sein. Ebenso sind wir über krude Form/Inhalt-Debatten hinweg und auch der Expressionismus-Streit ist durch. Georg Lukács hielt das Ergebnis nach seiner Verhaftung durch die eigenen Genossen fest: „Kafka war doch Realist!“ 

Das, was wir hier allgemein und ins Blaue hinein schreiben, kann man freilich nur an konkreten Werken festmachen und nicht abstrakt. Dafür dient bei &lt;i&gt;tell&lt;/i&gt; z.B. als heuristisches Mittel der Page-99-Test. Er vermittelt einen ersten Blick, der sich dann in der Literaturkritik als berechtigt oder unberechtigt herausstellt. Diese Fragen lassen sich nur am Detail beantworten. Literaturkritik ist seit dem „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ im 18./19. Jahrhundert genau dieser Diskurs einer Leserschaft, der darüber debattiert, was ästhetisch mißlungen, was ganz ok ist und was zum Vorzüglichen gehört, und zwar nicht nur aus subjektiven Präferenzen und aus Daffke heraus. &lt;i&gt;tell&lt;/i&gt; will für solche Debatten eine Art Salon sein und an jene Tradition der literarischen Gespräche anknüpfen. Dabei wird es nicht ausbleiben Triviales vom Gelungenen, Kitsch von Kunst zu scheiden. Genauso wird es Werke geben, wo die Grenzen fließend sind.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>@ B. Reinicke: Es ging mir beim Verweis aufs Essen nicht um die Rezepte-Küche, die dann auf die Kunst übertragen wird: man müsse nach Rezepten schreiben. Sondern meine Aussage war, daß in allen möglichen Bereichen über die Qualität einer Sache geurteilt wird, nur bei der Kunst herrscht ein postmodernes Anything Goes, und der Slogan „Hauptsache mir gefällt’s!“ geht bereits als Qualitätskriterium durch. Bei mir nicht. Ich habe nichts gegen das Gefallen und auch nichts gegen das in meinen Ohren zwar etwas schräg klingende Wort „Kunstgenuß“, nur sollte man ein Rosenbeet nicht eine Distelwiese und eine Distelwiese nicht ein Rosenbeet nennen. Ich zwinge niemanden, den Unterschied zwischen „Der Arzt von Stalingrad“ und Günter Grassʼ „Die Blechtrommel“ wahrzunehmen. Wer aber mit dem Anspruch auftritt, beides gelte im Bezirk der Kunst doch gleichviel, dem widerspreche ich. Ich bin da gerne Snob und möchte Oskar Wilde ins Feld der Literatur erweitern: „Geben Sie Luxus, auf das Notwendigste kann ich verzichten!“</p>
<p>Ansonsten stimme ich Herwig Finkeldey mit seinem Beitrag vom 26. Oktober 2016 um 23:50 zu, der zeigt, daß wir seit der Kunst des 18. Jhds weit über die Horazschen oder Boileauschen Regelpoetiken hinaus sind. Die Querelle des Anciens et des Modernes dürften ausgefochten sein. Ebenso sind wir über krude Form/Inhalt-Debatten hinweg und auch der Expressionismus-Streit ist durch. Georg Lukács hielt das Ergebnis nach seiner Verhaftung durch die eigenen Genossen fest: „Kafka war doch Realist!“ </p>
<p>Das, was wir hier allgemein und ins Blaue hinein schreiben, kann man freilich nur an konkreten Werken festmachen und nicht abstrakt. Dafür dient bei <i>tell</i> z.B. als heuristisches Mittel der Page-99-Test. Er vermittelt einen ersten Blick, der sich dann in der Literaturkritik als berechtigt oder unberechtigt herausstellt. Diese Fragen lassen sich nur am Detail beantworten. Literaturkritik ist seit dem „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ im 18./19. Jahrhundert genau dieser Diskurs einer Leserschaft, der darüber debattiert, was ästhetisch mißlungen, was ganz ok ist und was zum Vorzüglichen gehört, und zwar nicht nur aus subjektiven Präferenzen und aus Daffke heraus. <i>tell</i> will für solche Debatten eine Art Salon sein und an jene Tradition der literarischen Gespräche anknüpfen. Dabei wird es nicht ausbleiben Triviales vom Gelungenen, Kitsch von Kunst zu scheiden. Genauso wird es Werke geben, wo die Grenzen fließend sind.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Herwig Finkeldey		</title>
		<link>https://tell-review.de/wer-bestimmt-was-trivial-ist/#comment-511</link>

		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Oct 2016 06:02:13 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=5339#comment-511</guid>

					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/wer-bestimmt-was-trivial-ist/#comment-510&quot;&gt;Bertram Reinecke&lt;/a&gt;.

Rehrücken und Bratwurst sind der Stoff oder besser noch das Genre, der/das über die Form der Zubereitung entweder gehoben oder zerstört werden kann. Bezichtigt habe ich in meinem launigen, nicht ganz ernst gemeinten Beitrag niemanden. Aber ich verstehe schon: Kunst ist ein Spiel, das ernst zu spielen ist. Wer da Spässe macht, ist schnell ein Spaßverderber. Na dann.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/wer-bestimmt-was-trivial-ist/#comment-510">Bertram Reinecke</a>.</p>
<p>Rehrücken und Bratwurst sind der Stoff oder besser noch das Genre, der/das über die Form der Zubereitung entweder gehoben oder zerstört werden kann. Bezichtigt habe ich in meinem launigen, nicht ganz ernst gemeinten Beitrag niemanden. Aber ich verstehe schon: Kunst ist ein Spiel, das ernst zu spielen ist. Wer da Spässe macht, ist schnell ein Spaßverderber. Na dann.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Bertram Reinecke		</title>
		<link>https://tell-review.de/wer-bestimmt-was-trivial-ist/#comment-510</link>

		<dc:creator><![CDATA[Bertram Reinecke]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Oct 2016 00:27:54 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=5339#comment-510</guid>

					<description><![CDATA[@Hartmut Finkeldey: Entschuldigung, Sie hatten Ihr eigenes Argument (nennen wir mal den Gemeinplatz, dass jeder lesen kann was er will) durch die Beibringung eines Artikels aus der Süddeutschen unterminiert, der mir nun in der Tat snobistisch vorkam. Dazu, dass meine Beobachtungen unrichtig seien, steht Ihr Argument noch aus. Ich weiß nicht, warum Sie mich hier so angehen.

@Herwig Finkeldey: Fällt Ihnen auf, dass Sie sich mit ihrem Argument in direkten Gegensatz zu Lars Hartmanns Post begeben. Der hatte das Sonett als Beispiel für die Form gegeben. Wenn das eine Form ist, wären es in seiner Argumentation vielleicht auch der Whodunit-Plotbau oder die Darbietung im inneren Monolog. Bei Ihnen ist es im gegenteil aber der Stoff.

Ihnen könnte an diesem Umstand auffallen, dass die Essenanalogie an diesem Punkt den Blick auf Phänomene der Literatur eher verstellt als verbessert (etwa wie Réaumur oder Descartes mit ihren Theorien der Löslichkeit scheiterten, weil sie sich Löslichkeit notorisch am Bild des Schwammes vorstellten). Beim Kochen ist der Witz, dass man die Rohstoffe vor der Verarbeitung einzeln zur Untersuchung zur Verfügung hat. Was aber wären die einzelnen Rohstoffe der Literatur? Plots z.B. eben bereits Stoff wie Form zugleich, dasgleiche gilt für Themen oder Motive,  weswegen Vonnegut un Heller ihre Antikriegsbücher eben anders aufbauten, ebenso wie etwa Wanda und Amis ihre Holocaustliteratur. Auch die Gefühle im Kopf und Schreibbegehren können es kaum sein. Erstens kommt man so schlecht da ran, zweitens könnten diese Innerungen sich leicht als vorversprachlicht erweisen.

Ich überlege noch, wen sie hier der Unlauterkeit bezichtigen, etwas zur Avantgarde umzulügen? Diejenigen die hier einerseits darauf pochen, dass jede unbedingt Kunst etwas neu machen muss (und auch genau wissen, was das ist) oder mich, der wie die anderen Diskutanten das Wort Avantgarde auch nicht positiv benutzte. (Ich halte es da mit Jürgen Kiel, der schrieb: &quot;auch dabei gilt es, allesvernichtenden Allgemeinbegriffen &#039;Avantgardismus&#039;, &#039;Experiment&#039; Widerstand zu leisten&quot; Den Vorwurf des Snobismus hatte ich Ihnen ja bereits oben geschenkt). Aber vielleicht meinten Sie ja doch meinen (wohlgemerkt kann-) Satz: &quot;Deswegen kann das kühne Wegschneiden dieser Übung auch ein Fortschritt sein und die Projektion der eigenen Leseerfahrung in die Figurenskizze erfordert dann kreative Leseleistung.&quot;?  Folgende Sicht jedenfalls hielte ich für schädlich für ein entdeckendes selbstüberschreitendes Lesen: Wenn man die Schulweisheit beibehielte, dass jeder große Künstler in jeder großen Kunst etwas neu machen muss, aber jede Neuerung, auf die man stößt oder hingewiesen wird, die einem nicht in den Kopf will, als Pseudoavantgardismus verunglimpfte. Wir sollten einfach öfter sagen: Wir wissen es nicht und abwarten oder zweimal hinschauen. Wir können uns das nicht ersparen, wenn wir den Anspruch haben, dass unser Lesen nicht im konservativen Stoff versande. Wir sind da, glaube ich, ohnehinedies schon heute und niemals klüger als, sagen wir, der schätzenswerte Nicolai, der eben Goethe ablehnte, aber dennoch ein versierter Leser war.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>@Hartmut Finkeldey: Entschuldigung, Sie hatten Ihr eigenes Argument (nennen wir mal den Gemeinplatz, dass jeder lesen kann was er will) durch die Beibringung eines Artikels aus der Süddeutschen unterminiert, der mir nun in der Tat snobistisch vorkam. Dazu, dass meine Beobachtungen unrichtig seien, steht Ihr Argument noch aus. Ich weiß nicht, warum Sie mich hier so angehen.</p>
<p>@Herwig Finkeldey: Fällt Ihnen auf, dass Sie sich mit ihrem Argument in direkten Gegensatz zu Lars Hartmanns Post begeben. Der hatte das Sonett als Beispiel für die Form gegeben. Wenn das eine Form ist, wären es in seiner Argumentation vielleicht auch der Whodunit-Plotbau oder die Darbietung im inneren Monolog. Bei Ihnen ist es im gegenteil aber der Stoff.</p>
<p>Ihnen könnte an diesem Umstand auffallen, dass die Essenanalogie an diesem Punkt den Blick auf Phänomene der Literatur eher verstellt als verbessert (etwa wie Réaumur oder Descartes mit ihren Theorien der Löslichkeit scheiterten, weil sie sich Löslichkeit notorisch am Bild des Schwammes vorstellten). Beim Kochen ist der Witz, dass man die Rohstoffe vor der Verarbeitung einzeln zur Untersuchung zur Verfügung hat. Was aber wären die einzelnen Rohstoffe der Literatur? Plots z.B. eben bereits Stoff wie Form zugleich, dasgleiche gilt für Themen oder Motive,  weswegen Vonnegut un Heller ihre Antikriegsbücher eben anders aufbauten, ebenso wie etwa Wanda und Amis ihre Holocaustliteratur. Auch die Gefühle im Kopf und Schreibbegehren können es kaum sein. Erstens kommt man so schlecht da ran, zweitens könnten diese Innerungen sich leicht als vorversprachlicht erweisen.</p>
<p>Ich überlege noch, wen sie hier der Unlauterkeit bezichtigen, etwas zur Avantgarde umzulügen? Diejenigen die hier einerseits darauf pochen, dass jede unbedingt Kunst etwas neu machen muss (und auch genau wissen, was das ist) oder mich, der wie die anderen Diskutanten das Wort Avantgarde auch nicht positiv benutzte. (Ich halte es da mit Jürgen Kiel, der schrieb: &#8222;auch dabei gilt es, allesvernichtenden Allgemeinbegriffen &#8218;Avantgardismus&#8216;, &#8218;Experiment&#8216; Widerstand zu leisten&#8220; Den Vorwurf des Snobismus hatte ich Ihnen ja bereits oben geschenkt). Aber vielleicht meinten Sie ja doch meinen (wohlgemerkt kann-) Satz: &#8222;Deswegen kann das kühne Wegschneiden dieser Übung auch ein Fortschritt sein und die Projektion der eigenen Leseerfahrung in die Figurenskizze erfordert dann kreative Leseleistung.&#8220;?  Folgende Sicht jedenfalls hielte ich für schädlich für ein entdeckendes selbstüberschreitendes Lesen: Wenn man die Schulweisheit beibehielte, dass jeder große Künstler in jeder großen Kunst etwas neu machen muss, aber jede Neuerung, auf die man stößt oder hingewiesen wird, die einem nicht in den Kopf will, als Pseudoavantgardismus verunglimpfte. Wir sollten einfach öfter sagen: Wir wissen es nicht und abwarten oder zweimal hinschauen. Wir können uns das nicht ersparen, wenn wir den Anspruch haben, dass unser Lesen nicht im konservativen Stoff versande. Wir sind da, glaube ich, ohnehinedies schon heute und niemals klüger als, sagen wir, der schätzenswerte Nicolai, der eben Goethe ablehnte, aber dennoch ein versierter Leser war.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Herwig Finkeldey		</title>
		<link>https://tell-review.de/wer-bestimmt-was-trivial-ist/#comment-509</link>

		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Oct 2016 21:50:52 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=5339#comment-509</guid>

					<description><![CDATA[Weil die Küche nun Thema ist: Es gibt Bratwurst und Rehrücken und beides kann der Koch verderben. Der ambitioniert veranschlagte Roman mit 27 inneren Monologen (der Rehrücken) kann also ebenso scheitern wie der im wahrsten Sinn des Wortes verballerte Krimi (die Bratwurst). Das Scheitern ist dasselbe, nicht aber der Anspruch oder das ästhetische Konzept.
Zurück in die Küche auf das Niveau des Küchentisches: Auch ich mag eine vernünftig zubereitete Bratwurst und ärgere mich, wenn sie mißlingt. Ich nenne sie aber nicht Rehrücken, ob sie mir nun schmeckt oder nicht. 
Vor allem aber nenne ich auch niemanden einen Snob, der eine Bratwurst Bratwurst nennt und einen Rehrücken eben Rehrücken. Was hindert einen daran, gut gemachtes Kunsthandwerk als eben solches anzuerkennen. Snobs nenne ich die, die das gut gemachte Kunsthandwerk (das meine Achtung  als solches immer hat) zur Avantgarde umlügen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Weil die Küche nun Thema ist: Es gibt Bratwurst und Rehrücken und beides kann der Koch verderben. Der ambitioniert veranschlagte Roman mit 27 inneren Monologen (der Rehrücken) kann also ebenso scheitern wie der im wahrsten Sinn des Wortes verballerte Krimi (die Bratwurst). Das Scheitern ist dasselbe, nicht aber der Anspruch oder das ästhetische Konzept.<br />
Zurück in die Küche auf das Niveau des Küchentisches: Auch ich mag eine vernünftig zubereitete Bratwurst und ärgere mich, wenn sie mißlingt. Ich nenne sie aber nicht Rehrücken, ob sie mir nun schmeckt oder nicht.<br />
Vor allem aber nenne ich auch niemanden einen Snob, der eine Bratwurst Bratwurst nennt und einen Rehrücken eben Rehrücken. Was hindert einen daran, gut gemachtes Kunsthandwerk als eben solches anzuerkennen. Snobs nenne ich die, die das gut gemachte Kunsthandwerk (das meine Achtung  als solches immer hat) zur Avantgarde umlügen.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Hartmut Finkeldey		</title>
		<link>https://tell-review.de/wer-bestimmt-was-trivial-ist/#comment-508</link>

		<dc:creator><![CDATA[Hartmut Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Oct 2016 18:56:56 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=5339#comment-508</guid>

					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/wer-bestimmt-was-trivial-ist/#comment-507&quot;&gt;Bertram Reinecke&lt;/a&gt;.

Hmm, also gegen das Argument des Snobismus ist eigentlich kein Anreden mehr. Deswegen finde ich die Unterstellung, es ginge nur darum, Distinktionsgewinne abzusichern und abzufeiern, so unproduktiv. Eigentlich habe ich dies Argument schon in meinem Beitrag widerlegt: Es wird nämlöich niemand daran gehindert, Goethe, Tolstoi, Kafka zu lesen. (Es wird auch niemand daran gehindert, Samuel und Simon Beckett zu lesen und hinterher einen essay zu schreiben, warum Simon denn nun soviel besser sei...) Die Klassiker gibt es auf www.zeno.org zB sogar für lau. Warum dennoch dieses verbissene Beharren darauf, literarisches Urteilen sei Snobismus?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/wer-bestimmt-was-trivial-ist/#comment-507">Bertram Reinecke</a>.</p>
<p>Hmm, also gegen das Argument des Snobismus ist eigentlich kein Anreden mehr. Deswegen finde ich die Unterstellung, es ginge nur darum, Distinktionsgewinne abzusichern und abzufeiern, so unproduktiv. Eigentlich habe ich dies Argument schon in meinem Beitrag widerlegt: Es wird nämlöich niemand daran gehindert, Goethe, Tolstoi, Kafka zu lesen. (Es wird auch niemand daran gehindert, Samuel und Simon Beckett zu lesen und hinterher einen essay zu schreiben, warum Simon denn nun soviel besser sei&#8230;) Die Klassiker gibt es auf <a href="http://www.zeno.org" rel="nofollow ugc">http://www.zeno.org</a> zB sogar für lau. Warum dennoch dieses verbissene Beharren darauf, literarisches Urteilen sei Snobismus?</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Bertram Reinecke		</title>
		<link>https://tell-review.de/wer-bestimmt-was-trivial-ist/#comment-507</link>

		<dc:creator><![CDATA[Bertram Reinecke]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Oct 2016 16:54:05 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=5339#comment-507</guid>

					<description><![CDATA[Nun, wenn sie die Küche anführen, was macht es Ihnen so schwer einzuräumen, dass Großes auch nach Rezept entstehen kann? Der Spitzenkoch kocht schließlich auch nach Karte.
Wenn wir uns über gutes Essen unterhalten, räumen wir in der Regel ein, dass nicht so erlesenes Essen ebenfalls wohltuen und sättigen kann. (Wir reden über guten Kaffee und freuen uns daran, weil wir oft auch schlechten trinken, nur insofern können wirs eigentlich.) Wir würden jeden als Snob verurteilen, der das nicht einräumt. Bei der Literatur scheinen ja einige zwischen das &quot;Gute&quot; und das &quot;Schlechte&quot; einerseits und zwischen sich und das Schlechte andererseits möglichst viel Abstand bringen zu wollen. (Wie kennt man dann das Gute noch?) Ich zumindest komme von dem Verdacht nicht los, allein darum wird der Unterschied oftmals für so bedeutsam erklärt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nun, wenn sie die Küche anführen, was macht es Ihnen so schwer einzuräumen, dass Großes auch nach Rezept entstehen kann? Der Spitzenkoch kocht schließlich auch nach Karte.<br />
Wenn wir uns über gutes Essen unterhalten, räumen wir in der Regel ein, dass nicht so erlesenes Essen ebenfalls wohltuen und sättigen kann. (Wir reden über guten Kaffee und freuen uns daran, weil wir oft auch schlechten trinken, nur insofern können wirs eigentlich.) Wir würden jeden als Snob verurteilen, der das nicht einräumt. Bei der Literatur scheinen ja einige zwischen das &#8222;Gute&#8220; und das &#8222;Schlechte&#8220; einerseits und zwischen sich und das Schlechte andererseits möglichst viel Abstand bringen zu wollen. (Wie kennt man dann das Gute noch?) Ich zumindest komme von dem Verdacht nicht los, allein darum wird der Unterschied oftmals für so bedeutsam erklärt.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Lars Hartmann		</title>
		<link>https://tell-review.de/wer-bestimmt-was-trivial-ist/#comment-506</link>

		<dc:creator><![CDATA[Lars Hartmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Oct 2016 11:53:54 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=5339#comment-506</guid>

					<description><![CDATA[@ rcscherzy
Die Register der Kunst sind nie fest. Ich kann nur vom Heute aus sprechen, und Kunstwerke sind an Zeit gebunden. Wie in 100 Jahren gedacht wird, wissen wir nicht. Es geht mir nicht darum, das Feld in Schafe und Böcke einzuteilen, sondern es geht um Differenzen, die sich innerhalb der Kunst und zwischen verschiedenen Werken auftun. Insofern dient eine solche Analyse in der Literaturkritik sowohl dem Werk wie auch den möglichen Lesern. Und da zeigt es sich, daß der eine Roman ein Kunstwerk ist und daß der Lore-Roman trivial, weil nach einem Schema gestrickt. Diese Mechanismen kann man in einer detaillierten Lektüre aufzeigen. Und es kann ebenso passieren, daß ein Autor, der zuvor Hervorragendes schrieb, plötzlich etwas macht, wo sich der Kritiker wundert. Bei Brecht ist nicht alles von gleichbleibender Qualität. Und es gibt Passagen bei Rilke, die mögen zwar nicht trivial sein, aber sie spielen ins Kunstgewerbe hinüber.

Zu Bach kann ich Ihnen nichts sagen, da ich kein Musikästhetiker bin. Um die Qualität dieser Stücke zu benennen, müßte ich das aber sein. Allerdings gibt es gewisse Techniken, die man in der Kunst beherrschen sollte und die zunächst Standard sind. Wer mit hohem Ernst im Ausdruck sagt, er schriebe Sonette und bekommt nicht in einem Gedicht die Sonettform hin, der hat ein Problem. Hingegen kann das Schimpfen auf die Sonettform und wie beschissen Sonette seien, zu einem ganz und gar köstlichen Sonett führen. Da hat einer Lyrik verstanden. Und bereits an dieser Stelle zeigt sich, daß es in einem zweiten Schritt um die Vermittlung von Inhalt und Form geht, anhand dessen sich Triviales vom Gelungenen scheidet. (Mal grob skizziert.)

Ich wundere mich immer, wie bei vielen Dingen Qualitätskriterien angesetzt werden, wo sie bei der Kunst als verpönt oder zumindest heikel gelten: Vom guten Menü ohne Billigfleisch, über Politiker, insbesondere bei Ärzten, bis hin zum Fußballspiel wird die Qualität der Sache gewürdigt. Sobald aber jemand das Wort „trivial“ im Zusammenhang mit Literatur in den Mund nimmt, kommen Reaktionen als hätte man den Rotwein übers Damasttischtuch gekippt. Ich stelle mal eine Gegenfrage: Wer würde es einem Kritiker durchgehen lassen, der behauptet, Konsaliks „Der Arzt von Stalingrad“ sei ein gut gemachter Roman, weil er flott geschrieben sei, und damit handele es sich um ein Kunstwerk? Eine ähnliche Debatte gab es im Feuilleton in den 80er Jahren über einen neuen Roman von Johannes Mario Simmel. Wie ich in diesem Falle urteilte, kann man ja mal erraten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>@ rcscherzy<br />
Die Register der Kunst sind nie fest. Ich kann nur vom Heute aus sprechen, und Kunstwerke sind an Zeit gebunden. Wie in 100 Jahren gedacht wird, wissen wir nicht. Es geht mir nicht darum, das Feld in Schafe und Böcke einzuteilen, sondern es geht um Differenzen, die sich innerhalb der Kunst und zwischen verschiedenen Werken auftun. Insofern dient eine solche Analyse in der Literaturkritik sowohl dem Werk wie auch den möglichen Lesern. Und da zeigt es sich, daß der eine Roman ein Kunstwerk ist und daß der Lore-Roman trivial, weil nach einem Schema gestrickt. Diese Mechanismen kann man in einer detaillierten Lektüre aufzeigen. Und es kann ebenso passieren, daß ein Autor, der zuvor Hervorragendes schrieb, plötzlich etwas macht, wo sich der Kritiker wundert. Bei Brecht ist nicht alles von gleichbleibender Qualität. Und es gibt Passagen bei Rilke, die mögen zwar nicht trivial sein, aber sie spielen ins Kunstgewerbe hinüber.</p>
<p>Zu Bach kann ich Ihnen nichts sagen, da ich kein Musikästhetiker bin. Um die Qualität dieser Stücke zu benennen, müßte ich das aber sein. Allerdings gibt es gewisse Techniken, die man in der Kunst beherrschen sollte und die zunächst Standard sind. Wer mit hohem Ernst im Ausdruck sagt, er schriebe Sonette und bekommt nicht in einem Gedicht die Sonettform hin, der hat ein Problem. Hingegen kann das Schimpfen auf die Sonettform und wie beschissen Sonette seien, zu einem ganz und gar köstlichen Sonett führen. Da hat einer Lyrik verstanden. Und bereits an dieser Stelle zeigt sich, daß es in einem zweiten Schritt um die Vermittlung von Inhalt und Form geht, anhand dessen sich Triviales vom Gelungenen scheidet. (Mal grob skizziert.)</p>
<p>Ich wundere mich immer, wie bei vielen Dingen Qualitätskriterien angesetzt werden, wo sie bei der Kunst als verpönt oder zumindest heikel gelten: Vom guten Menü ohne Billigfleisch, über Politiker, insbesondere bei Ärzten, bis hin zum Fußballspiel wird die Qualität der Sache gewürdigt. Sobald aber jemand das Wort „trivial“ im Zusammenhang mit Literatur in den Mund nimmt, kommen Reaktionen als hätte man den Rotwein übers Damasttischtuch gekippt. Ich stelle mal eine Gegenfrage: Wer würde es einem Kritiker durchgehen lassen, der behauptet, Konsaliks „Der Arzt von Stalingrad“ sei ein gut gemachter Roman, weil er flott geschrieben sei, und damit handele es sich um ein Kunstwerk? Eine ähnliche Debatte gab es im Feuilleton in den 80er Jahren über einen neuen Roman von Johannes Mario Simmel. Wie ich in diesem Falle urteilte, kann man ja mal erraten.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
	</channel>
</rss>
