<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	
	>
<channel>
	<title>
	Kommentare zu: Vers für Vers 1: Vom Meckern und Schweigen der Weltgeschichte	</title>
	<atom:link href="https://tell-review.de/vom-meckern-und-schweigen-der-weltgeschichte/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://tell-review.de/vom-meckern-und-schweigen-der-weltgeschichte/</link>
	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
	<lastBuildDate>Fri, 02 Feb 2018 00:26:58 +0000</lastBuildDate>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	
	<item>
		<title>
		Von: holio		</title>
		<link>https://tell-review.de/vom-meckern-und-schweigen-der-weltgeschichte/#comment-282</link>

		<dc:creator><![CDATA[holio]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Jun 2016 14:17:19 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=2949#comment-282</guid>

					<description><![CDATA[1:1]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>1:1</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: holio		</title>
		<link>https://tell-review.de/vom-meckern-und-schweigen-der-weltgeschichte/#comment-281</link>

		<dc:creator><![CDATA[holio]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Jun 2016 14:11:10 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=2949#comment-281</guid>

					<description><![CDATA[0:1 immer noch, Herwig! Dem Gastgeber droht ein Debakel.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>0:1 immer noch, Herwig! Dem Gastgeber droht ein Debakel.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Herwig Finkeldey		</title>
		<link>https://tell-review.de/vom-meckern-und-schweigen-der-weltgeschichte/#comment-280</link>

		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Jun 2016 13:52:09 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=2949#comment-280</guid>

					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/vom-meckern-und-schweigen-der-weltgeschichte/#comment-279&quot;&gt;holio&lt;/a&gt;.

&quot;Unaufmerksam geschrieben, da Fußball.&quot; Wie sympathisch....(Wie steht es denn gerade?)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/vom-meckern-und-schweigen-der-weltgeschichte/#comment-279">holio</a>.</p>
<p>&#8222;Unaufmerksam geschrieben, da Fußball.&#8220; Wie sympathisch&#8230;.(Wie steht es denn gerade?)</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: holio		</title>
		<link>https://tell-review.de/vom-meckern-und-schweigen-der-weltgeschichte/#comment-279</link>

		<dc:creator><![CDATA[holio]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Jun 2016 13:47:10 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=2949#comment-279</guid>

					<description><![CDATA[Danke für den Tipp auf dieses Gedicht, Hartmut! 

Dank Google Books können wir lesen, wie Jon Eugene von Kowallis es interpretiert in: The Lyrical Lu Xun. A Study of His Classical-Style Verse, pp. 126-130. Kowallis versteht anders als Baqué/Theobaldy als Subjekt der ersten Zeile 脱帽怀铅出 Jean-Jacques, nicht Lu selbst. Auf deutsch könnte man sein Verständnis vielleicht so wiedergeben:

Gegen die Konvention ließest du deinem Herzen literarisch freien Lauf,
Mister, und gerietest in ärgste Not hinein.
Was dein Kopf dachte, reiste um die halbe Welt,
Aber nun bedauerst du, deinen Émile geschrieben zu haben.

Lus Muster, nach dem er das Gedicht formte, stammt von Wang Shizhen (1634-1711):
横刀长揖出，将军盖代穷。头颅行万里，失计杀田丰。
Lus Poem weicht nur wenig ab:
脱帽怀铅出，先生盖代穷。头颅行万里，失计造儿童。
Statt des antiken Generals Yuan Shao (154-202) spricht er den &quot;Herrn&quot; Rousseau an. Angesichts der Parallelie macht Kowallis&#039; Subjekt Sinn, wenn auch verführerischer klingt: &quot;Ich ziehe meinen Hut vor dir, Jean-Jaques&quot;. Also hat nach Kowallis Rousseau seinen Hut genommen seiner Zeit und er den Stift geschwungen und nicht Lu Xun 1928.

Erst am Ende weicht Lu wieder ab: Statt: Dumm war,  杀田丰 &quot;Tian Feng zu töten&quot;, der wertvoller Ratgeber war, schreibt Lu: 造儿童 &quot;Kinder zu erschaffen&quot;. 造 zào kann beiderseits erziehen bedeuten wie ein Werk erschaffen, also den Émile. Lu ziele hier darauf ab, so Kowallis, dass sein publizistischer Gegner damals, Liang Shiqiu (1903-1987), an westlichen Universitäten ausgebildet worden sei, auf die die neuen Erziehungsstandards von Rousseau Einfluss gehabt hätten, aber zurück in China nun den verweichlichten Rousseau angriff und ihn als schädlichen Einfluss auf linke Intellektuellen wie Lu Xun disste. Lu nennt Rousseau arm, weil er Liang als Zielscheibe dient, um dahinter seine meinungsbildenden Kontrahenten zu treffen. 1949 musste Liang, der die nationalistische 国民党 unterstützte, die gegen Mao verlor, ihr auf die Insel Taiwan folgen. Shakespeare übersetzte er dort, weiß Wikipedia. 

Unaufmerksam geschrieben, da Fußball. Täusche ich mich, korrigiert bitte!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Danke für den Tipp auf dieses Gedicht, Hartmut! </p>
<p>Dank Google Books können wir lesen, wie Jon Eugene von Kowallis es interpretiert in: The Lyrical Lu Xun. A Study of His Classical-Style Verse, pp. 126-130. Kowallis versteht anders als Baqué/Theobaldy als Subjekt der ersten Zeile 脱帽怀铅出 Jean-Jacques, nicht Lu selbst. Auf deutsch könnte man sein Verständnis vielleicht so wiedergeben:</p>
<p>Gegen die Konvention ließest du deinem Herzen literarisch freien Lauf,<br />
Mister, und gerietest in ärgste Not hinein.<br />
Was dein Kopf dachte, reiste um die halbe Welt,<br />
Aber nun bedauerst du, deinen Émile geschrieben zu haben.</p>
<p>Lus Muster, nach dem er das Gedicht formte, stammt von Wang Shizhen (1634-1711):<br />
横刀长揖出，将军盖代穷。头颅行万里，失计杀田丰。<br />
Lus Poem weicht nur wenig ab:<br />
脱帽怀铅出，先生盖代穷。头颅行万里，失计造儿童。<br />
Statt des antiken Generals Yuan Shao (154-202) spricht er den &#8222;Herrn&#8220; Rousseau an. Angesichts der Parallelie macht Kowallis&#8216; Subjekt Sinn, wenn auch verführerischer klingt: &#8222;Ich ziehe meinen Hut vor dir, Jean-Jaques&#8220;. Also hat nach Kowallis Rousseau seinen Hut genommen seiner Zeit und er den Stift geschwungen und nicht Lu Xun 1928.</p>
<p>Erst am Ende weicht Lu wieder ab: Statt: Dumm war,  杀田丰 &#8222;Tian Feng zu töten&#8220;, der wertvoller Ratgeber war, schreibt Lu: 造儿童 &#8222;Kinder zu erschaffen&#8220;. 造 zào kann beiderseits erziehen bedeuten wie ein Werk erschaffen, also den Émile. Lu ziele hier darauf ab, so Kowallis, dass sein publizistischer Gegner damals, Liang Shiqiu (1903-1987), an westlichen Universitäten ausgebildet worden sei, auf die die neuen Erziehungsstandards von Rousseau Einfluss gehabt hätten, aber zurück in China nun den verweichlichten Rousseau angriff und ihn als schädlichen Einfluss auf linke Intellektuellen wie Lu Xun disste. Lu nennt Rousseau arm, weil er Liang als Zielscheibe dient, um dahinter seine meinungsbildenden Kontrahenten zu treffen. 1949 musste Liang, der die nationalistische 国民党 unterstützte, die gegen Mao verlor, ihr auf die Insel Taiwan folgen. Shakespeare übersetzte er dort, weiß Wikipedia. </p>
<p>Unaufmerksam geschrieben, da Fußball. Täusche ich mich, korrigiert bitte!</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: holio		</title>
		<link>https://tell-review.de/vom-meckern-und-schweigen-der-weltgeschichte/#comment-276</link>

		<dc:creator><![CDATA[holio]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Jun 2016 15:06:18 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=2949#comment-276</guid>

					<description><![CDATA[Hab den Band hier, ja. Auf der Folgeseite &quot;Für Feng Huixi&quot; und auf der vorigen &quot;Für die Bohnenstengel ein Unrecht anklagen&quot;.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hab den Band hier, ja. Auf der Folgeseite &#8222;Für Feng Huixi&#8220; und auf der vorigen &#8222;Für die Bohnenstengel ein Unrecht anklagen&#8220;.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Hartmut Finkeldey		</title>
		<link>https://tell-review.de/vom-meckern-und-schweigen-der-weltgeschichte/#comment-274</link>

		<dc:creator><![CDATA[Hartmut Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Jun 2016 12:48:41 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=2949#comment-274</guid>

					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/vom-meckern-und-schweigen-der-weltgeschichte/#comment-273&quot;&gt;holio&lt;/a&gt;.

Danke für Ihre Antwort. Alle Assoziationen, die sich bei einem Gedicht einstellen, sind, als Assoziationen, zunächst einmal ‘richtig’.

Nun, ich kenne Lu Xun ein wenig, immerhin drei Bücher, sogar gelesen zT, befinden sich in meinem Besitz. Die von Ihnen zitierte längere Erzählung findet sich auch in: Lu Xun, In tiefer Nacht geschrieben, Auswahl, Leipzig 1986 (Übersetzung von Yang Enlin und Konrad Herrmann, Geleitwort von Ruth Fischer, Nachwort von Yang Enlin)

Aus Lu Xuns Gedichten ein thematisch vielleicht ebenfalls passender Text:

Rousseau

Den Bleistift zücke ich und zieh den Hut,
Mein Herr, der Sie ihr Leben arm verbrachten.
Ihr Denken reiste tausend Meilen weit.
Und doch bleibt es vergeblich, was Sie dachten.
1928

(aus: Lu Xun, kein Ort zum Schreiben, Gesammelte Gedichte, aus dem Chinesischen übertragen von Egbert Braqué  und Jürgen Theobaldy, Reinbek bei Hamburg, 1983, p. 35)

Herzliche Grüße

Hartmut Finkeldey]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/vom-meckern-und-schweigen-der-weltgeschichte/#comment-273">holio</a>.</p>
<p>Danke für Ihre Antwort. Alle Assoziationen, die sich bei einem Gedicht einstellen, sind, als Assoziationen, zunächst einmal ‘richtig’.</p>
<p>Nun, ich kenne Lu Xun ein wenig, immerhin drei Bücher, sogar gelesen zT, befinden sich in meinem Besitz. Die von Ihnen zitierte längere Erzählung findet sich auch in: Lu Xun, In tiefer Nacht geschrieben, Auswahl, Leipzig 1986 (Übersetzung von Yang Enlin und Konrad Herrmann, Geleitwort von Ruth Fischer, Nachwort von Yang Enlin)</p>
<p>Aus Lu Xuns Gedichten ein thematisch vielleicht ebenfalls passender Text:</p>
<p>Rousseau</p>
<p>Den Bleistift zücke ich und zieh den Hut,<br />
Mein Herr, der Sie ihr Leben arm verbrachten.<br />
Ihr Denken reiste tausend Meilen weit.<br />
Und doch bleibt es vergeblich, was Sie dachten.<br />
1928</p>
<p>(aus: Lu Xun, kein Ort zum Schreiben, Gesammelte Gedichte, aus dem Chinesischen übertragen von Egbert Braqué  und Jürgen Theobaldy, Reinbek bei Hamburg, 1983, p. 35)</p>
<p>Herzliche Grüße</p>
<p>Hartmut Finkeldey</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: holio		</title>
		<link>https://tell-review.de/vom-meckern-und-schweigen-der-weltgeschichte/#comment-273</link>

		<dc:creator><![CDATA[holio]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Jun 2016 12:02:42 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=2949#comment-273</guid>

					<description><![CDATA[Beim Lesen von Heyms Gedicht Erinnerung an einen anderen Text, die Erzählung &quot;Die wahre Geschichte des Ah Q&quot; (阿Ｑ正传) des hierzulande zu wenig bekannten Lu Xun (1881 - 1936). Die Szenen &quot;Man hört der Kinder frohes Lachen gellen, / Die ihre Mütter aus der Menge hoben.&quot; und &quot;Man harrt des Schreis. Doch hört man keinen Laut.&quot; lösten das aus. Denn am Ende der Erzählung wird auch Ah Q zur Hinrichtung befördert. Als abschreckendes Beispiel wird er auf einem &quot;offenen Karren&quot;, so die anonyme Übersetzung im Verlag für fremdsprachige Literatur, Beijing (ISBN 7-119-02973-8), durch die Straßen der Stadt gefahren, was sich gar reimt auf Heyms Sparren.

Im Gegensatz zum mächtigen Robespierre ist Ah Q Taugenichts und Tagelöhner auf dem Dorfe. Den seltsamen Namen begründet Lu im ersten, einleitenden Kapitel. 阿Quei hätten die Einheimischen ihn nur genannt, gibt Lu seinen Vornamen in lateinischen Buchstaben wieder. Das sei die gängige englische Umschrift (英国流行的拼法) des Gehörten, behauptet er 1921 zur Zeit der Niederschrift und gibt als Schriftzeichen, die für den Vornamen in Frage kommen, zwei mit heutiger Pinyin-Umschrift guì im fallenden Ton (桂 &quot;Zimtbaum&quot; und 贵 &quot;kostbar&quot;), die er aber verwirft, weil zuwenig sicher. In Wade-Giles war gui kuei, aber nicht quei. Den Nachnamen konnte er gar nicht ermitteln, da keine Akten über ihn oder ein Grabstein aufzufinden waren, so sein Erzähler. Das 阿 Ah ist nur eine Art Anhub, so wie der kleine Lu seine Amme A Chang (阿长) genannt hat. Als Ah Q einmal etwas respektvoller als 老Ｑ &quot;alter Q&quot; angesprochen wird, reagiert er gar nicht drauf, er kann es nicht auf sich beziehen. Die Dorfhonoratioren müssen ihn trotz umgewälzter Zeiten althergebracht als 阿Ｑ anreden, damit er aufmerkt. Das aufgeschnappte Quei also, für das Lus Erzähler das zugrunde liegende Schriftzeichen nicht ermitteln konnte, liegt dem abgekürzten Q zugrunde, das diesen Text nun vom Anbeginn bis zum Ende durchblubbert als Fremdkörper im Meer der chinesischen Zeichen. Ein Affront in literarischem Text. Im bei der New World Press (ISBN 7-80005-563-9) vorangestellten Text &quot;The Birth of Ah Q&quot; (阿Q诞生) deutet Chen Shuyu (陈漱渝， * 1941, Direktor des Lu-Xun-Museums in Peking) die Gestalt des Buchstabens Q als Bild vom Zopf am Kopf des Tagelöhners. Der vorgeschriebene Zopf, über den Lu oft schrieb, stand für die Demütigung der eingeborenen Han-Chinesen unter der Jahrhunderte währenden Fremdherrschaft der Mandschus bis 1911. 

Lachende Kinder kommen zwar nicht vor, aber in der gaffenden Menge sieht Ah Q seine Duplessis, die Wu Ma heißt und Magd im Dorf war, bevor sie auf Arbeitssuche in die Stadt migrierte. Er sucht ihren Blick, aber sie hat nur Augen für die blitzenden ausländischen Gewehre seiner Bewacher. Diese sind Besitzstand der revolutionären Partei, die nun an der Macht ist und Ah Q als Sündenbock hinrichten lässt, weil Plünderungen überhand nehmen. Einst hat Ah Q selbst der Enthauptung eines Revolutionärs beigewohnt, daher weiß er, was ihm blüht. Zur Enttäuschung des Publikums wird er aber nur erschossen. 

Ah Q ist im Gegensatz zu Maximilien noch im Vollbesitz seiner Kräfte, wenn auch seine Hände hinter den Rücken gefesselt sind, und möchte die letzte Gelegenheit nutzen, etwas Gesicht zu gewinnen. Angesichts der räuberischen Augen der Menge sucht er nach Zeilen aus Operetten lokaler Tradition, die sein Leben schon je überhöhten. &quot;Die Witwe am Grab ihres Gatten&quot; sei zu romantisch. &quot;Ich werde dich züchtigen mit meiner Stahlpeitsche&quot; will er singen aus &quot;Der Kampf zwischen Tiger und Drachen&quot;. Aber ohne die Hände zu erheben, geht das nicht und die sind hinterrücks verschnürt. So kommt es, dass er gar nichts singt, was das Publikum sehr enttäuscht. Es scheint trotzige Kriminelle gewohnt zu sein und zu lieben, die dem Tode unerschrocken ins Auge blicken. Fast hätte Ah Q kurz vor Ende &quot; Hilfe!&quot; ausgestoßen, als die verschlingenden Augen des Straßenpublikums ihn an ein Erlebnis mit einem Wolf in den Bergen erinnerten, aber ihm verging vorher Hören und Sehen. 

So äußert er gar nichts auf seinem letzten Weg, nur &quot;过了二十年又是一个…… In zwanzig Jahren kehre ich zurück ...&quot; rutscht ihm einmal raus, was das spektakelgierige Publikum mit röhrendem &quot;好！！！ Good!&quot; belohnt, das der Verlag für fremdsprachige Literatur, Beijing mit italienischem &quot;Bravo!&quot; übersetzt. 无师自通 sei ihm das eingefallen - ohne es gelernt zu haben -, was interessant ist, weil es den von sich selbst überzeugten Eigenbrötler mit anderen kurzschließt. Denn eine Fußnote bei der New World Press informiert, dass das ein gängiger Hohnspruch verurteilter Verbrecher gewesen sei, die damit drohten, dass sie nach zwanzig Jahren als junger Held wiederkehren würden (wg. Wiedergeburt) und sich so über ihre Todesstrafe lustig machten.

Die Hinrichtung geschieht in der revolutionierten Stadt, aber ins Dorf gelangt sei die Revolution &quot;am vierzehnten Tag des neunten Monats im dritten Jahr der Herrschaft des Kaisers Xuantong&quot;, heißt es im siebenten der neun Kapitel. So gibt Lu das Datum nach vorrevolutionärer Methode an mit Kaiserära (Xuantong ist Bertoluccis letzter Kaiser) und nach dem Mondkalender. Wie Robespierres 10. Thermidor müssen heute Lesende es erst in den Gregorianischen Kalender umrechnen, um den 4. November 1911 zu erkennen im Zuge der Xinhai-Revolution.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Beim Lesen von Heyms Gedicht Erinnerung an einen anderen Text, die Erzählung &#8222;Die wahre Geschichte des Ah Q&#8220; (阿Ｑ正传) des hierzulande zu wenig bekannten Lu Xun (1881 &#8211; 1936). Die Szenen &#8222;Man hört der Kinder frohes Lachen gellen, / Die ihre Mütter aus der Menge hoben.&#8220; und &#8222;Man harrt des Schreis. Doch hört man keinen Laut.&#8220; lösten das aus. Denn am Ende der Erzählung wird auch Ah Q zur Hinrichtung befördert. Als abschreckendes Beispiel wird er auf einem &#8222;offenen Karren&#8220;, so die anonyme Übersetzung im Verlag für fremdsprachige Literatur, Beijing (ISBN 7-119-02973-8), durch die Straßen der Stadt gefahren, was sich gar reimt auf Heyms Sparren.</p>
<p>Im Gegensatz zum mächtigen Robespierre ist Ah Q Taugenichts und Tagelöhner auf dem Dorfe. Den seltsamen Namen begründet Lu im ersten, einleitenden Kapitel. 阿Quei hätten die Einheimischen ihn nur genannt, gibt Lu seinen Vornamen in lateinischen Buchstaben wieder. Das sei die gängige englische Umschrift (英国流行的拼法) des Gehörten, behauptet er 1921 zur Zeit der Niederschrift und gibt als Schriftzeichen, die für den Vornamen in Frage kommen, zwei mit heutiger Pinyin-Umschrift guì im fallenden Ton (桂 &#8222;Zimtbaum&#8220; und 贵 &#8222;kostbar&#8220;), die er aber verwirft, weil zuwenig sicher. In Wade-Giles war gui kuei, aber nicht quei. Den Nachnamen konnte er gar nicht ermitteln, da keine Akten über ihn oder ein Grabstein aufzufinden waren, so sein Erzähler. Das 阿 Ah ist nur eine Art Anhub, so wie der kleine Lu seine Amme A Chang (阿长) genannt hat. Als Ah Q einmal etwas respektvoller als 老Ｑ &#8222;alter Q&#8220; angesprochen wird, reagiert er gar nicht drauf, er kann es nicht auf sich beziehen. Die Dorfhonoratioren müssen ihn trotz umgewälzter Zeiten althergebracht als 阿Ｑ anreden, damit er aufmerkt. Das aufgeschnappte Quei also, für das Lus Erzähler das zugrunde liegende Schriftzeichen nicht ermitteln konnte, liegt dem abgekürzten Q zugrunde, das diesen Text nun vom Anbeginn bis zum Ende durchblubbert als Fremdkörper im Meer der chinesischen Zeichen. Ein Affront in literarischem Text. Im bei der New World Press (ISBN 7-80005-563-9) vorangestellten Text &#8222;The Birth of Ah Q&#8220; (阿Q诞生) deutet Chen Shuyu (陈漱渝， * 1941, Direktor des Lu-Xun-Museums in Peking) die Gestalt des Buchstabens Q als Bild vom Zopf am Kopf des Tagelöhners. Der vorgeschriebene Zopf, über den Lu oft schrieb, stand für die Demütigung der eingeborenen Han-Chinesen unter der Jahrhunderte währenden Fremdherrschaft der Mandschus bis 1911. </p>
<p>Lachende Kinder kommen zwar nicht vor, aber in der gaffenden Menge sieht Ah Q seine Duplessis, die Wu Ma heißt und Magd im Dorf war, bevor sie auf Arbeitssuche in die Stadt migrierte. Er sucht ihren Blick, aber sie hat nur Augen für die blitzenden ausländischen Gewehre seiner Bewacher. Diese sind Besitzstand der revolutionären Partei, die nun an der Macht ist und Ah Q als Sündenbock hinrichten lässt, weil Plünderungen überhand nehmen. Einst hat Ah Q selbst der Enthauptung eines Revolutionärs beigewohnt, daher weiß er, was ihm blüht. Zur Enttäuschung des Publikums wird er aber nur erschossen. </p>
<p>Ah Q ist im Gegensatz zu Maximilien noch im Vollbesitz seiner Kräfte, wenn auch seine Hände hinter den Rücken gefesselt sind, und möchte die letzte Gelegenheit nutzen, etwas Gesicht zu gewinnen. Angesichts der räuberischen Augen der Menge sucht er nach Zeilen aus Operetten lokaler Tradition, die sein Leben schon je überhöhten. &#8222;Die Witwe am Grab ihres Gatten&#8220; sei zu romantisch. &#8222;Ich werde dich züchtigen mit meiner Stahlpeitsche&#8220; will er singen aus &#8222;Der Kampf zwischen Tiger und Drachen&#8220;. Aber ohne die Hände zu erheben, geht das nicht und die sind hinterrücks verschnürt. So kommt es, dass er gar nichts singt, was das Publikum sehr enttäuscht. Es scheint trotzige Kriminelle gewohnt zu sein und zu lieben, die dem Tode unerschrocken ins Auge blicken. Fast hätte Ah Q kurz vor Ende &#8220; Hilfe!&#8220; ausgestoßen, als die verschlingenden Augen des Straßenpublikums ihn an ein Erlebnis mit einem Wolf in den Bergen erinnerten, aber ihm verging vorher Hören und Sehen. </p>
<p>So äußert er gar nichts auf seinem letzten Weg, nur &#8222;过了二十年又是一个…… In zwanzig Jahren kehre ich zurück &#8230;&#8220; rutscht ihm einmal raus, was das spektakelgierige Publikum mit röhrendem &#8222;好！！！ Good!&#8220; belohnt, das der Verlag für fremdsprachige Literatur, Beijing mit italienischem &#8222;Bravo!&#8220; übersetzt. 无师自通 sei ihm das eingefallen &#8211; ohne es gelernt zu haben -, was interessant ist, weil es den von sich selbst überzeugten Eigenbrötler mit anderen kurzschließt. Denn eine Fußnote bei der New World Press informiert, dass das ein gängiger Hohnspruch verurteilter Verbrecher gewesen sei, die damit drohten, dass sie nach zwanzig Jahren als junger Held wiederkehren würden (wg. Wiedergeburt) und sich so über ihre Todesstrafe lustig machten.</p>
<p>Die Hinrichtung geschieht in der revolutionierten Stadt, aber ins Dorf gelangt sei die Revolution &#8222;am vierzehnten Tag des neunten Monats im dritten Jahr der Herrschaft des Kaisers Xuantong&#8220;, heißt es im siebenten der neun Kapitel. So gibt Lu das Datum nach vorrevolutionärer Methode an mit Kaiserära (Xuantong ist Bertoluccis letzter Kaiser) und nach dem Mondkalender. Wie Robespierres 10. Thermidor müssen heute Lesende es erst in den Gregorianischen Kalender umrechnen, um den 4. November 1911 zu erkennen im Zuge der Xinhai-Revolution.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
	</channel>
</rss>
