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	Kommentare zu: Unheilige Allianzen	</title>
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	<link>https://tell-review.de/unheilige-allianzen/</link>
	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
	<lastBuildDate>Wed, 31 Jan 2018 12:22:44 +0000</lastBuildDate>
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	<item>
		<title>
		Von: Anselm Bühling		</title>
		<link>https://tell-review.de/unheilige-allianzen/#comment-817</link>

		<dc:creator><![CDATA[Anselm Bühling]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Oct 2017 18:36:24 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/unheilige-allianzen/#comment-798&quot;&gt;Lars Hartmann&lt;/a&gt;.

Die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen erweitert den Horizont und belebt auch den Sinn für die eigene Kultur. Das gilt für Hölderlin und die Griechen ebenso wie für die Liebe der Deutschen zur italienischen Küche – auch die hat, neben Dosenravioli und vielen anderen Auswirkungen, zur Folge gehabt, dass regionale Lebensmittel und kulinarische Traditionen in Deutschland neu wahrgenommen und geschätzt wurden.

Was mich an Argumentationen wie der von Greiner und an Begriffen wie „Leitkultur“ ärgert ist, dass sie systematisch versuchen, den Unterschied zwischen Gesellschaft und Gemeinschaft zu verwischen. Sie deuten die Gesellschaft in eine Kulturgemeinschaft um und dekretieren auf dieser Basis, wer dazugehört und wer nicht. Es gibt dann sozusagen Bürger erster und zweiter Klasse. Was dabei unterminiert wird, ist das Verständnis einer Gesellschaft, in der alle Bürger gleiche Rechte haben. Dabei ist dieses Gesellschaftsmodell meiner Meinung nach viel effektiver, wenn es darum geht, das Zusammenleben zwischen unterschiedlichen Menschen und Gemeinschaften zu regeln. Ich will auch nicht in einer Gesellschaft leben, in der mehrere Rechtssysteme nebeneinander bestehen oder in der eine Kultur- oder Religionsgemeinschaft allen ihre Lebensweise aufzwingt. Aber genau daraus folgt für mich, dass es eben keine Lösung ist, bestimmte Gemeinschaften herabzusetzen und zu marginalisieren oder Gesetze zu machen, die sich gezielt gegen sie richten. Man drängt Menschen dadurch in Zugehörigkeiten, und man legitimiert ein diskriminierendes „Recht des Stärkeren“ – das sich übrigens jederzeit auch gegen einen selbst wenden lässt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/unheilige-allianzen/#comment-798">Lars Hartmann</a>.</p>
<p>Die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen erweitert den Horizont und belebt auch den Sinn für die eigene Kultur. Das gilt für Hölderlin und die Griechen ebenso wie für die Liebe der Deutschen zur italienischen Küche – auch die hat, neben Dosenravioli und vielen anderen Auswirkungen, zur Folge gehabt, dass regionale Lebensmittel und kulinarische Traditionen in Deutschland neu wahrgenommen und geschätzt wurden.</p>
<p>Was mich an Argumentationen wie der von Greiner und an Begriffen wie „Leitkultur“ ärgert ist, dass sie systematisch versuchen, den Unterschied zwischen Gesellschaft und Gemeinschaft zu verwischen. Sie deuten die Gesellschaft in eine Kulturgemeinschaft um und dekretieren auf dieser Basis, wer dazugehört und wer nicht. Es gibt dann sozusagen Bürger erster und zweiter Klasse. Was dabei unterminiert wird, ist das Verständnis einer Gesellschaft, in der alle Bürger gleiche Rechte haben. Dabei ist dieses Gesellschaftsmodell meiner Meinung nach viel effektiver, wenn es darum geht, das Zusammenleben zwischen unterschiedlichen Menschen und Gemeinschaften zu regeln. Ich will auch nicht in einer Gesellschaft leben, in der mehrere Rechtssysteme nebeneinander bestehen oder in der eine Kultur- oder Religionsgemeinschaft allen ihre Lebensweise aufzwingt. Aber genau daraus folgt für mich, dass es eben keine Lösung ist, bestimmte Gemeinschaften herabzusetzen und zu marginalisieren oder Gesetze zu machen, die sich gezielt gegen sie richten. Man drängt Menschen dadurch in Zugehörigkeiten, und man legitimiert ein diskriminierendes „Recht des Stärkeren“ – das sich übrigens jederzeit auch gegen einen selbst wenden lässt.</p>
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		<item>
		<title>
		Von: Lars Hartmann		</title>
		<link>https://tell-review.de/unheilige-allianzen/#comment-816</link>

		<dc:creator><![CDATA[Lars Hartmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Oct 2017 10:08:54 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/unheilige-allianzen/#comment-812&quot;&gt;Anselm Bühling&lt;/a&gt;.

Natürlich soll das Eigene einer Kultur &lt;i&gt;auch&lt;/i&gt; vor anderen Ausprägungen geschützt werden. Nicht in allen Aspekten, aber in bestimmten Hinsichten zumindest. Kultur ist ein Spiel von Offenem und Geschlossenem. Die katholische Kirche etwa hat gute Gründe, nicht für ökumenische Gottesdienste zu votieren, weil nämlich u.a. beim Abendmahl die Auffassungen zu unterschiedlich sind. Wer also die Ökumene möchte, will eine andere Art von Kirche, aber nicht mehr die klassisch katholische. Und den wenigsten dürfte es recht sein, wenn in Deutschland (oder im EU-Europa) das System einer Blutrache oder von Paralleljustiz sich verbreitete. Und genausowenig streben wir (oder zumindest viele derer, die in der BRD leben - das Kollektivsingular &#039;Wir&#039; ist in der Regel problematisch) nach einer Kultur, die sich am wahhabitischen oder konservativ-türkischen Islam ausrichtet, wenngleich in der BRD inzwischen einige Menschen im Land sind, die aus ähnlich strukturierten Kulturkreisen kommen und Probleme bereiten.  

Und an dieser Stelle fangen die Konflikte an. Kultur heißt eben auch Kollision und Kampf um Positionen. Kultur – zumindest in vielen Teilen Europas – heißt ebenfalls diese Divergenzen und Konflikte auszutragen und für bestimmte Positionen ggf. gesellschaftliche Mehrheiten zu finden. Das Thema Burka wäre ein solches. Gleichzeitig ist Kultur aber auch Durchdringung und Wandel. Vor 60 Jahren gab es noch keine Dosenravioli, doch mit dem Zuzug von Italienern haben jene Köstlichkeiten Einzug in die deutsche Küche gehalten. Nein, kleiner Scherz: Durch den Zuzug anderer Kulturen haben sich unsere Eßgewohnheiten verändert, verbessert, gesteigert und wir haben mit anderen Sitten und Gebräuchen Bekanntschaft gemacht. Das kann durchaus eine Bereicherung sein; so wie etwa die Leckereien fremder Küchen oder die Gastfreundschaft der Orientalen. Aber Bereicherung durch Differenz ist eben nicht alles.

Kultur heißt zudem zu fragen, wie wir leben wollen. (Was freilich bereits eine bestimmte Kulturform voraussetzt, nämlich die der Selbstbeobachtung bzw. einer Beobachtung zweiter Ordnung.) Solche (Lebens-)Entwürfe fallen naturgemäß unterschiedlich aus, und Öffentlichkeit bedeutet, darum zu ringen und zu streiten. Nicht jeder will so leben, wie am Kottbuser Tor oder wie in bestimmten Teilen des Weddings (ich zum Beispiel mag das nicht). Aber es muß eben, im Sinne von Pluralität möglich sein, auch in dieser Variante zu leben. In dieser Hinsicht kann man Greiner sicherlich ein wenig mehr Gelassenheit wünschen. 

Ich darf mit einem kleinen Zitat von Hölderlin schließen. Er schrieb in seinem Brief vom 4.12.1801 an Böhlendorf und fand darin die schöne Redewendung vom „freien Gebrauch des Eigenen“. Ich denke, das paßt ganz gut:

„Wir lernen nichts schwerer als das Nationelle frei gebrauchen (...) 

Es klingt paradox. Aber ich behaupte es noch einmal und stelle es Deiner Prüfung und Deinem Gebrauche frei: das eigentlich Nationelle wird im Fortschritt der Bildung immer der geringere Vorzug werden. Deswegen sind die Griechen des heiligen Pathos weniger Meister, weil es ihnen angeboren war, hingegen sind sie vorzüglich in Darstellungsgabe, von Homer an, weil dieser außerordentliche Mensch seelenvoll genug war, um die abendländische Junonische Nüchternheit für sein Apollonsreich zu erbeuten, und so wahrhaft das Fremde sich anzueignen. 

Bei uns ists umgekehrt. Deswegen ists auch so gefährlich, sich die Kunstregeln einzig und allein von griechischer Vortrefflichkeit zu abstrahieren. Ich habe lange daran laboriert und weiß nun, daß außer dem, was bei den Griechen und uns das Höchste sein muß, nämlich dem lebendigen Verhältnis und Geschick, wir nicht wohl etwas gleich mit ihnen haben dürfen. 

Aber das eigene muß so gut gelernt sein wie das Fremde. Deswegen sind uns die Griechen unentbehrlich. Nur werden wir ihnen gerade in unserm eigenen, Nationellen nicht nachkommen, weil, wie gesagt, der &lt;em&gt;freie &lt;/em&gt;Gebrauch des &lt;em&gt;Eigenen &lt;/em&gt;das Schwerste ist.“

Was Hölderlin hier in bezug auf die deutsche Kunst schreibt, gilt ebenfalls für die Kultur.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/unheilige-allianzen/#comment-812">Anselm Bühling</a>.</p>
<p>Natürlich soll das Eigene einer Kultur <i>auch</i> vor anderen Ausprägungen geschützt werden. Nicht in allen Aspekten, aber in bestimmten Hinsichten zumindest. Kultur ist ein Spiel von Offenem und Geschlossenem. Die katholische Kirche etwa hat gute Gründe, nicht für ökumenische Gottesdienste zu votieren, weil nämlich u.a. beim Abendmahl die Auffassungen zu unterschiedlich sind. Wer also die Ökumene möchte, will eine andere Art von Kirche, aber nicht mehr die klassisch katholische. Und den wenigsten dürfte es recht sein, wenn in Deutschland (oder im EU-Europa) das System einer Blutrache oder von Paralleljustiz sich verbreitete. Und genausowenig streben wir (oder zumindest viele derer, die in der BRD leben &#8211; das Kollektivsingular &#8218;Wir&#8216; ist in der Regel problematisch) nach einer Kultur, die sich am wahhabitischen oder konservativ-türkischen Islam ausrichtet, wenngleich in der BRD inzwischen einige Menschen im Land sind, die aus ähnlich strukturierten Kulturkreisen kommen und Probleme bereiten.  </p>
<p>Und an dieser Stelle fangen die Konflikte an. Kultur heißt eben auch Kollision und Kampf um Positionen. Kultur – zumindest in vielen Teilen Europas – heißt ebenfalls diese Divergenzen und Konflikte auszutragen und für bestimmte Positionen ggf. gesellschaftliche Mehrheiten zu finden. Das Thema Burka wäre ein solches. Gleichzeitig ist Kultur aber auch Durchdringung und Wandel. Vor 60 Jahren gab es noch keine Dosenravioli, doch mit dem Zuzug von Italienern haben jene Köstlichkeiten Einzug in die deutsche Küche gehalten. Nein, kleiner Scherz: Durch den Zuzug anderer Kulturen haben sich unsere Eßgewohnheiten verändert, verbessert, gesteigert und wir haben mit anderen Sitten und Gebräuchen Bekanntschaft gemacht. Das kann durchaus eine Bereicherung sein; so wie etwa die Leckereien fremder Küchen oder die Gastfreundschaft der Orientalen. Aber Bereicherung durch Differenz ist eben nicht alles.</p>
<p>Kultur heißt zudem zu fragen, wie wir leben wollen. (Was freilich bereits eine bestimmte Kulturform voraussetzt, nämlich die der Selbstbeobachtung bzw. einer Beobachtung zweiter Ordnung.) Solche (Lebens-)Entwürfe fallen naturgemäß unterschiedlich aus, und Öffentlichkeit bedeutet, darum zu ringen und zu streiten. Nicht jeder will so leben, wie am Kottbuser Tor oder wie in bestimmten Teilen des Weddings (ich zum Beispiel mag das nicht). Aber es muß eben, im Sinne von Pluralität möglich sein, auch in dieser Variante zu leben. In dieser Hinsicht kann man Greiner sicherlich ein wenig mehr Gelassenheit wünschen. </p>
<p>Ich darf mit einem kleinen Zitat von Hölderlin schließen. Er schrieb in seinem Brief vom 4.12.1801 an Böhlendorf und fand darin die schöne Redewendung vom „freien Gebrauch des Eigenen“. Ich denke, das paßt ganz gut:</p>
<p>„Wir lernen nichts schwerer als das Nationelle frei gebrauchen (&#8230;) </p>
<p>Es klingt paradox. Aber ich behaupte es noch einmal und stelle es Deiner Prüfung und Deinem Gebrauche frei: das eigentlich Nationelle wird im Fortschritt der Bildung immer der geringere Vorzug werden. Deswegen sind die Griechen des heiligen Pathos weniger Meister, weil es ihnen angeboren war, hingegen sind sie vorzüglich in Darstellungsgabe, von Homer an, weil dieser außerordentliche Mensch seelenvoll genug war, um die abendländische Junonische Nüchternheit für sein Apollonsreich zu erbeuten, und so wahrhaft das Fremde sich anzueignen. </p>
<p>Bei uns ists umgekehrt. Deswegen ists auch so gefährlich, sich die Kunstregeln einzig und allein von griechischer Vortrefflichkeit zu abstrahieren. Ich habe lange daran laboriert und weiß nun, daß außer dem, was bei den Griechen und uns das Höchste sein muß, nämlich dem lebendigen Verhältnis und Geschick, wir nicht wohl etwas gleich mit ihnen haben dürfen. </p>
<p>Aber das eigene muß so gut gelernt sein wie das Fremde. Deswegen sind uns die Griechen unentbehrlich. Nur werden wir ihnen gerade in unserm eigenen, Nationellen nicht nachkommen, weil, wie gesagt, der <em>freie </em>Gebrauch des <em>Eigenen </em>das Schwerste ist.“</p>
<p>Was Hölderlin hier in bezug auf die deutsche Kunst schreibt, gilt ebenfalls für die Kultur.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Hartmut Finkeldey		</title>
		<link>https://tell-review.de/unheilige-allianzen/#comment-814</link>

		<dc:creator><![CDATA[Hartmut Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Oct 2017 17:57:40 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/unheilige-allianzen/#comment-805&quot;&gt;Henri Vogel&lt;/a&gt;.

Ich habe da keine Einwände. Und klar, von Storch greift hämisch genießend nach allem, was sich ihr bietet.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/unheilige-allianzen/#comment-805">Henri Vogel</a>.</p>
<p>Ich habe da keine Einwände. Und klar, von Storch greift hämisch genießend nach allem, was sich ihr bietet.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Anselm Bühling		</title>
		<link>https://tell-review.de/unheilige-allianzen/#comment-812</link>

		<dc:creator><![CDATA[Anselm Bühling]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Oct 2017 12:47:22 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/unheilige-allianzen/#comment-798&quot;&gt;Lars Hartmann&lt;/a&gt;.

Ich meine nicht, dass Greiner das Eigene geradewegs als ewig auffasst (so wie es Hitler tut). Mein Kommentar oben legt das allerdings nahe, insofern liegt die Schuld für das Missverständnis bei mir.

Eher ist es so, dass der Kommentar von Fritzlv (jedenfalls mich) zum Nachdenken darüber anregt, wie die Semantik des Begriffspaars „Eigenes/Fremdes“ im Zusammenhang mit Konservatismus eigentlich funktioniert. Das „Eigene“ ist nicht notwendig ewig, aber es ist doch das, was bewahrt und vor der Veränderung durch das „Fremde“ geschützt werden soll: „Das hier ist unsere Kultur – was sich hier verändert, und wer es verändert, bestimmen wir.“

Das ist ein wesentlicher Unterschied zu der Auffassung, dass die Kultur einer Gesellschaft von allen ihren Mitgliedern und Gruppen geprägt wird (was Vielfalt ebenso einschließt wie innere Konflikte). Denn in dieser Sicht „gehört“ die Kultur einem Teil der Gesellschaft, während andere sich danach zu richten haben. An diesem Punkt wird auch die Unterscheidung zwischen „vorschreiben/verpflichten“ und „leiten“ schal. Denn letztlich dient der Begriff „Leitkultur“ doch dazu, den „anderen“ etwas vorzuschreiben – immer mit der Implikation, dass sie nicht dazugehören, wenn sie sich nicht an „unsere“ Regeln halten und dann gefälligst gehen können oder gegangen werden. Die einen legen die Regeln fest und können sie nach Belieben umdefinieren, die anderen haben zu folgen. Da liegt die strukturelle Assymetrie.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/unheilige-allianzen/#comment-798">Lars Hartmann</a>.</p>
<p>Ich meine nicht, dass Greiner das Eigene geradewegs als ewig auffasst (so wie es Hitler tut). Mein Kommentar oben legt das allerdings nahe, insofern liegt die Schuld für das Missverständnis bei mir.</p>
<p>Eher ist es so, dass der Kommentar von Fritzlv (jedenfalls mich) zum Nachdenken darüber anregt, wie die Semantik des Begriffspaars „Eigenes/Fremdes“ im Zusammenhang mit Konservatismus eigentlich funktioniert. Das „Eigene“ ist nicht notwendig ewig, aber es ist doch das, was bewahrt und vor der Veränderung durch das „Fremde“ geschützt werden soll: „Das hier ist unsere Kultur – was sich hier verändert, und wer es verändert, bestimmen wir.“</p>
<p>Das ist ein wesentlicher Unterschied zu der Auffassung, dass die Kultur einer Gesellschaft von allen ihren Mitgliedern und Gruppen geprägt wird (was Vielfalt ebenso einschließt wie innere Konflikte). Denn in dieser Sicht „gehört“ die Kultur einem Teil der Gesellschaft, während andere sich danach zu richten haben. An diesem Punkt wird auch die Unterscheidung zwischen „vorschreiben/verpflichten“ und „leiten“ schal. Denn letztlich dient der Begriff „Leitkultur“ doch dazu, den „anderen“ etwas vorzuschreiben – immer mit der Implikation, dass sie nicht dazugehören, wenn sie sich nicht an „unsere“ Regeln halten und dann gefälligst gehen können oder gegangen werden. Die einen legen die Regeln fest und können sie nach Belieben umdefinieren, die anderen haben zu folgen. Da liegt die strukturelle Assymetrie.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Henri Vogel		</title>
		<link>https://tell-review.de/unheilige-allianzen/#comment-805</link>

		<dc:creator><![CDATA[Henri Vogel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Oct 2017 07:10:02 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Vielleicht etwas spät, aber gestern ergab sich noch ein zweiter Gedanke hinsichtlich der Erschaffung von Wirklichkeit durch Sprache: Es ist ja eine gute queere Tradition, Sprache und Begriffe zurückzuerobern. &quot;Queer&quot; ist ein Beispiel dafür, schwul und gay haben sich genauso etabliert. Bei der Verknüpfung von Gender und Gaga komme ich nicht umhin, Beatrix von Storch zu hören, aber im Grunde muss das gar nicht so sein.

Die Katyn-Geschichte finde ich schwieriger. Wie Hartmut Finkeldey argumentiert, stimme ich grundsätzlich zu. Man kann ein Verbrechen nicht mit einem anderen aufwiegen oder deshalb verschwiegen. Das gibt den Mahnwichteln und Extremen nur Futter. Andererseits ist es meine Erfahrung, dass man dann geistig und sprachlich topfit sein muss, weil man sonst leicht missverständlich rezipiert werden könnte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vielleicht etwas spät, aber gestern ergab sich noch ein zweiter Gedanke hinsichtlich der Erschaffung von Wirklichkeit durch Sprache: Es ist ja eine gute queere Tradition, Sprache und Begriffe zurückzuerobern. &#8222;Queer&#8220; ist ein Beispiel dafür, schwul und gay haben sich genauso etabliert. Bei der Verknüpfung von Gender und Gaga komme ich nicht umhin, Beatrix von Storch zu hören, aber im Grunde muss das gar nicht so sein.</p>
<p>Die Katyn-Geschichte finde ich schwieriger. Wie Hartmut Finkeldey argumentiert, stimme ich grundsätzlich zu. Man kann ein Verbrechen nicht mit einem anderen aufwiegen oder deshalb verschwiegen. Das gibt den Mahnwichteln und Extremen nur Futter. Andererseits ist es meine Erfahrung, dass man dann geistig und sprachlich topfit sein muss, weil man sonst leicht missverständlich rezipiert werden könnte.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Lars Hartmann		</title>
		<link>https://tell-review.de/unheilige-allianzen/#comment-800</link>

		<dc:creator><![CDATA[Lars Hartmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Oct 2017 06:33:37 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=11231#comment-800</guid>

					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/unheilige-allianzen/#comment-799&quot;&gt;Hartmut Finkeldey&lt;/a&gt;.

Auch hier, denke ich, hilft ein Zitat von Greiner und von de Mazière weiter. Es rückt die Gedanken de Mazières, die in manchen Medien entstellt wiedergegeben wurden, in ein differenzierteres Licht:

„Unabhängig jedoch davon, was die AfD unter «deutscher kultureller Identität» versteht, bin ich davon überzeugt, dass es diese Identität gibt. Ich finde die heftig kritisierte Initiative des Bundesinnenministers Thomas de Maizière zum Thema Leitkultur lobenswert. Er schrieb, der Begriff Leitkultur habe zwei Bestandteile: «Zunächst das Wort Kultur. Das zeigt, worum es geht, nämlich nicht um Rechtsregeln, sondern ungeschriebene Regeln unseres Zusammenlebens. Und das Wort ‹leiten› ist etwas anderes als vorschreiben oder verpflichten. Vielmehr geht es um das, was uns leitet, was uns wichtig ist, was Richtschnur ist.»“]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/unheilige-allianzen/#comment-799">Hartmut Finkeldey</a>.</p>
<p>Auch hier, denke ich, hilft ein Zitat von Greiner und von de Mazière weiter. Es rückt die Gedanken de Mazières, die in manchen Medien entstellt wiedergegeben wurden, in ein differenzierteres Licht:</p>
<p>„Unabhängig jedoch davon, was die AfD unter «deutscher kultureller Identität» versteht, bin ich davon überzeugt, dass es diese Identität gibt. Ich finde die heftig kritisierte Initiative des Bundesinnenministers Thomas de Maizière zum Thema Leitkultur lobenswert. Er schrieb, der Begriff Leitkultur habe zwei Bestandteile: «Zunächst das Wort Kultur. Das zeigt, worum es geht, nämlich nicht um Rechtsregeln, sondern ungeschriebene Regeln unseres Zusammenlebens. Und das Wort ‹leiten› ist etwas anderes als vorschreiben oder verpflichten. Vielmehr geht es um das, was uns leitet, was uns wichtig ist, was Richtschnur ist.»“</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Hartmut Finkeldey		</title>
		<link>https://tell-review.de/unheilige-allianzen/#comment-799</link>

		<dc:creator><![CDATA[Hartmut Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Oct 2017 19:59:55 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=11231#comment-799</guid>

					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/unheilige-allianzen/#comment-798&quot;&gt;Lars Hartmann&lt;/a&gt;.

In kapitel 3 passim äußert er sich schon recht deutlich wider den &quot;Multikulturalismus&quot; (auch hier leider wieder in viel zu großer Sprachnähe zu Gauland). Allerdings: er äußert sich als Europäer, nicht als strammer Doitscher. Er spricht sich explizit gegen ein &quot;deutsches Wesen&quot; aus, votiert aber eben pro Leitkultur - die es m.E. so eben nicht mehr geben kann und letztlich auch nie gab. Siehe seine Jessen-Kritik Kapitel 3 (ich hab das Buch in meiner Kindle-amazon-Cloud als EBook, sinnigerweise zeigt mir mein Browser keine Seitenzahlen an. &quot;Position 521 von 1980&quot; ff, wenn das jemandem hilft)  Na klar muss man über Kulturkonflikte reden und nicht über sie hinwegpoetastern, aber um einen immer weiter zunehmenden Kulturaustausch, auch Kulturkonflikt werden wir nicht herum kommen. Auch ich war - eines von Greiners Beispielen als Argument kontra Multikulti - bestürzt darüber, wie viele Deutsch-Türken pro Erdogan waren...aber war das nicht vielleicht auch eine Trotzreaktioon von Menschen, die auch in dritter Generation hier noch als Fremde wahrgenommen werden? Verwechselt Greiner hier vielleicht Ursache und Wirkung? Greiner sagt nicht, nie nie niemals würden Fremde hier heimisch werden können, er verdinglich die Fremden explizit nicht...und tut es, so mein Texteindruck, versteckter weise dann eben doch. 

Anyway: Zumindest in der scharfen Kritik daran, Greiners Text mit einer Hitler-Rede zu kontrastieren, sind wir uns ja einig. Wenig hilfreich. Es verstellt m.E. auch den Blick auf die wirklichen Probleme, die diesem Text eignen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/unheilige-allianzen/#comment-798">Lars Hartmann</a>.</p>
<p>In kapitel 3 passim äußert er sich schon recht deutlich wider den &#8222;Multikulturalismus&#8220; (auch hier leider wieder in viel zu großer Sprachnähe zu Gauland). Allerdings: er äußert sich als Europäer, nicht als strammer Doitscher. Er spricht sich explizit gegen ein &#8222;deutsches Wesen&#8220; aus, votiert aber eben pro Leitkultur &#8211; die es m.E. so eben nicht mehr geben kann und letztlich auch nie gab. Siehe seine Jessen-Kritik Kapitel 3 (ich hab das Buch in meiner Kindle-amazon-Cloud als EBook, sinnigerweise zeigt mir mein Browser keine Seitenzahlen an. &#8222;Position 521 von 1980&#8220; ff, wenn das jemandem hilft)  Na klar muss man über Kulturkonflikte reden und nicht über sie hinwegpoetastern, aber um einen immer weiter zunehmenden Kulturaustausch, auch Kulturkonflikt werden wir nicht herum kommen. Auch ich war &#8211; eines von Greiners Beispielen als Argument kontra Multikulti &#8211; bestürzt darüber, wie viele Deutsch-Türken pro Erdogan waren&#8230;aber war das nicht vielleicht auch eine Trotzreaktioon von Menschen, die auch in dritter Generation hier noch als Fremde wahrgenommen werden? Verwechselt Greiner hier vielleicht Ursache und Wirkung? Greiner sagt nicht, nie nie niemals würden Fremde hier heimisch werden können, er verdinglich die Fremden explizit nicht&#8230;und tut es, so mein Texteindruck, versteckter weise dann eben doch. </p>
<p>Anyway: Zumindest in der scharfen Kritik daran, Greiners Text mit einer Hitler-Rede zu kontrastieren, sind wir uns ja einig. Wenig hilfreich. Es verstellt m.E. auch den Blick auf die wirklichen Probleme, die diesem Text eignen.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Lars Hartmann		</title>
		<link>https://tell-review.de/unheilige-allianzen/#comment-798</link>

		<dc:creator><![CDATA[Lars Hartmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Oct 2017 17:23:44 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=11231#comment-798</guid>

					<description><![CDATA[Wenn man Sätze von Hitler und Greiner vergleichen will – welche Absicht auch immer dahinter stecken mag –, dann wollen doch bitte jene, die vergleichen, die entsprechenden Passagen im wörtlichen Zitat gegeneinanderstellen. Damit der Leser sich selbst ein Bild machen kann, statt daß bloß Assoziationsräume eröffnet werden und man sich in Andeutungen ergeht. 

„Es geht um die Analyse der Redefigur vom Eigenen und Fremden, mit der interessanten Ergänzung, dass das „Eigene“ als eigentlich unwandelbar und bedroht durch das „fremde“, verändernde Element hingestellt wird.“

Wo tut Greiner das? Gibt es dafür konkrete Textbelege bei Greiner, wo er das Eigene als eigentlich unwandelbar darstellt?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man Sätze von Hitler und Greiner vergleichen will – welche Absicht auch immer dahinter stecken mag –, dann wollen doch bitte jene, die vergleichen, die entsprechenden Passagen im wörtlichen Zitat gegeneinanderstellen. Damit der Leser sich selbst ein Bild machen kann, statt daß bloß Assoziationsräume eröffnet werden und man sich in Andeutungen ergeht. </p>
<p>„Es geht um die Analyse der Redefigur vom Eigenen und Fremden, mit der interessanten Ergänzung, dass das „Eigene“ als eigentlich unwandelbar und bedroht durch das „fremde“, verändernde Element hingestellt wird.“</p>
<p>Wo tut Greiner das? Gibt es dafür konkrete Textbelege bei Greiner, wo er das Eigene als eigentlich unwandelbar darstellt?</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Hartmut Finkeldey		</title>
		<link>https://tell-review.de/unheilige-allianzen/#comment-797</link>

		<dc:creator><![CDATA[Hartmut Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Oct 2017 17:01:40 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=11231#comment-797</guid>

					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/unheilige-allianzen/#comment-796&quot;&gt;Anselm Bühling&lt;/a&gt;.

sicher doch, sicher...Das &quot;Gesunde&quot; gegen das &quot;Kranke&quot; wäre zu ergänzen..keine originäre NS-Ästhetik übrigens, sondern , ich trag mal Eulen nach Athen, ihr wisst das natürlich, die damaligen (und groteskerweise manches Mal auch noch heutigen) Ressentiments des konservativen Bürgertums/Kleinbürgers gegen die künstlerische Moderne (&quot;da erkennt man ja gar nichts drauf&quot;), die ja nur Ressentiment und Ängste in der Moderne überhaupt widerspiegeln. Böse gesagt: Das las man bei Emil Staiger auch nicht anders. 

Gerade hier sollte man aber schon sagen: Von s o l c h e n Ressentiments ist der ausgewiesene Literaturkenner und -liebhaber Greiner nun wirklich frei. Den syrischen Lyriker nimmt er mit Kusshand, wenn ichs mal so sagen darf.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/unheilige-allianzen/#comment-796">Anselm Bühling</a>.</p>
<p>sicher doch, sicher&#8230;Das &#8222;Gesunde&#8220; gegen das &#8222;Kranke&#8220; wäre zu ergänzen..keine originäre NS-Ästhetik übrigens, sondern , ich trag mal Eulen nach Athen, ihr wisst das natürlich, die damaligen (und groteskerweise manches Mal auch noch heutigen) Ressentiments des konservativen Bürgertums/Kleinbürgers gegen die künstlerische Moderne (&#8222;da erkennt man ja gar nichts drauf&#8220;), die ja nur Ressentiment und Ängste in der Moderne überhaupt widerspiegeln. Böse gesagt: Das las man bei Emil Staiger auch nicht anders. </p>
<p>Gerade hier sollte man aber schon sagen: Von s o l c h e n Ressentiments ist der ausgewiesene Literaturkenner und -liebhaber Greiner nun wirklich frei. Den syrischen Lyriker nimmt er mit Kusshand, wenn ichs mal so sagen darf.</p>
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		<title>
		Von: Anselm Bühling		</title>
		<link>https://tell-review.de/unheilige-allianzen/#comment-796</link>

		<dc:creator><![CDATA[Anselm Bühling]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Oct 2017 12:36:59 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=11231#comment-796</guid>

					<description><![CDATA[Ich finde den Verweis von Fritzlv auf die Hitler-Rede durchaus aufschlussreich. Es geht dabei ja gerade nicht darum, nach einer pro-forma-Distanzierung dann doch einen Nazivergleich zu ziehen. Es geht um die Analyse der Redefigur vom Eigenen und Fremden, mit der interessanten Ergänzung, dass das &quot;Eigene&quot; als eigentlich unwandelbar und bedroht durch das &quot;fremde&quot;, verändernde Element hingestellt wird. Diese Redefigur ist nicht deshalb heikel, weil sie per se nationalsozialistisch wäre – aber es ist eben auch kein Zufall, dass sie sich in einer Hitler-Rede findet.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich finde den Verweis von Fritzlv auf die Hitler-Rede durchaus aufschlussreich. Es geht dabei ja gerade nicht darum, nach einer pro-forma-Distanzierung dann doch einen Nazivergleich zu ziehen. Es geht um die Analyse der Redefigur vom Eigenen und Fremden, mit der interessanten Ergänzung, dass das &#8222;Eigene&#8220; als eigentlich unwandelbar und bedroht durch das &#8222;fremde&#8220;, verändernde Element hingestellt wird. Diese Redefigur ist nicht deshalb heikel, weil sie per se nationalsozialistisch wäre – aber es ist eben auch kein Zufall, dass sie sich in einer Hitler-Rede findet.</p>
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