<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Zeitgenossenschaft &#8211; tell</title>
	<atom:link href="https://tell-review.de/tag/zeitgenossenschaft/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://tell-review.de</link>
	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
	<lastBuildDate>Tue, 16 Nov 2021 08:58:24 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	

<image>
	<url>https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/02/cropped-favicon_tell-1.png?fit=32%2C32&#038;ssl=1</url>
	<title>Zeitgenossenschaft &#8211; tell</title>
	<link>https://tell-review.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
<site xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">108311450</site>	<item>
		<title>Die konservative Freakshow</title>
		<link>https://tell-review.de/die-konservative-freakshow/</link>
					<comments>https://tell-review.de/die-konservative-freakshow/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Nov 2021 08:58:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Konservatismus]]></category>
		<category><![CDATA[Populismus]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://tell-review.de/?p=104062</guid>

					<description><![CDATA[Wenn die Gesellschaft nichts mehr hat, was in den Augen der Konservativen bewahrenswert wäre, entdecken einige von ihnen ihre Affinität zum Populismus. Was als Farce beginnt, kann in der Tragödie enden. Ein Essay mit Blick auf Natascha Strobls Buch „Radikalisierter Konservatismus“.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-drop-cap">Über den Erfolg des neurechten Populismus und die Rolle, die völkisches Denken, Autoritätsgläubigkeit und Verschwörungstheorien dabei spielen, ist schon viel Kluges geschrieben worden. In Zeiten der zunehmenden Unsicherheit – es seien die Finanzkrise 2008, die Flüchtlingskrise 2015/16, die Klimakrise und Corona genannt – justiert sich eine zuvor leidlich zufriedene, fast schon lethargische Gesellschaft neu. </p>



<p>Krisen führen keineswegs zu einer automatischen Zunahme der Solidarität. Vor allem, wenn sie sich verstetigen, tritt die zunächst allseitig beschworene Solidarität in den Hintergrund, und die Nutznießer der Angst, die Rattenfänger, betreten das Spielfeld.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Treibstoff des Populismus</h2>



<p>Das Hochkommen neurechter Bewegungen verlief in der Geschichte noch jedes Mal nach diesem Fahrplan. Hervorstechendes Merkmal ist das Adressieren von Ängsten: „Der da ist schuld an deiner Angst!“ Diese einfachen Antworten erscheinen vielen immer einleuchtender, je länger die Krise andauert. Ständige Angst ist das Benzin des Populismus. Das heißt natürlich im Umkehrschluss, dass Populisten an einer Lösung der Probleme nicht interessiert sind. Man kann diese Bewegungen, die neben radikalen politischen Kräften auch obskure Charaktere magnetisch anziehen, als eine politische Freakshow verstehen. Darin sind sich viele Beobachter einig.</p>



<p>Die Rolle der Konservativen in dieser gesellschaftlichen und kulturellen Neujustierung wird hingegen wenig beleuchtet. Dabei liefert die Geschichte deutliche Hinweise auf die zentrale Rolle der Konservativen in historischen Umbruchsituationen. Im zwanzigsten Jahrhundert gilt das vor allem für ihr Verhältnis zu den von der Gegenwart frustrierten rechten Aufwieglern. In der ersten großen Krise der Demokratien ab 1930 waren es die Konservativen, die sich in großer Zahl von den republikfeindlichen populistischen Rattenfängern verführen ließen. Sie konnten damals im demokratischen System genauso wenig eine politische Heimat finden wie die völkischen Nationalisten. </p>



<p>Sicher: Es gab später auch entschiedene Hitlergegner aus dem Geist des Konservativismus heraus, hier wirkte vor allem die Kirchenfeindlichkeit des Nationalsozialismus. Und doch müssen sich die Konservativen den Vorwurf gefallen lassen, dass Hitler nie Kanzler geworden wäre ohne ihr weitgehendes Versagen in den entscheidenden Jahren vor 1933. Unter Fachhistorikern wird diese unrühmliche Rolle der deutschen Konservativen diskutiert, eine gesamtgesellschaftliche Debatte hat es jedoch dazu nie gegeben, obwohl die Dimension des Themas danach ruft.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Anziehungen und Abstoßungen</h2>



<p>Vielleicht ist das Fehlen einer solchen Debatte eine Ursache für die neuerliche Verführbarkeit der Konservativen. Eine weitere Ursache mag darin liegen, dass es bei allen deutlichen Unterschieden auch inhaltliche Affinitäten gibt. Es scheint so zu sein, dass der verführbare Teil der Konservativen immer dann bereit ist, den Populisten zuzulaufen, wenn die Gesellschaft nichts mehr hat, was in ihren Augen bewahrenswert wäre. Die Konservativen machen sich dann gemein mit einer politischen Freakshow, die sie in ruhigeren Zeiten eher verachten würden.</p>



<p>Vor dem Hintergrund dieses historischen Spannungsverhältnisses zwischen Konservativismus und Rechtspopulismus mit wechselseitigen Anziehungen und Abstoßungen kommt mir die Gelassenheit vieler Zeitgenossen im Angesicht neuerlicher Verführbarkeit merkwürdig vor. Es droht zwar aktuell kein neuer 30.&nbsp;Januar. Aber ein Schulterschluss zwischen neurechten, teilweise völkischen Populisten und Konservativen ist in einigen Ländern bereits vollzogen.</p>



<p>Und noch etwas fällt auf. Der konservative Spin in Richtung Populismus funktioniert auch umgekehrt. Viele neurechte Populisten wollen als „konservativ“ wahrgenommen werden, teils aus taktischen Erwägungen, teils wohl auch aus echter Neigung. In Deutschland vergeht keine Wahl, nach der sich die AfD nicht selbst als konservativ bezeichnet. Zuletzt hat das nach der Bundestagswahl 2021 Alice Weidel getan.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Radikal und konservativ</h2>



<p>Ein neues und vieldiskutiertes Buch nimmt sich nun endlich dieses Themas an: Natascha Strobls <em>Radikalisierter Konservatismus</em>. Ausgangspunkt sind dabei die politischen Verhältnisse in Strobls Heimat Österreich sowie in den USA. Bei Sebastian Kurz und Donald Trump findet die Autorin genau diese Form des radikalisierten Konservativismus vor, der sich weder inhaltlich noch in den angewandten Methoden groß von den Rechtspopulisten abhebt. Einziger Unterschied: Die populistischen Sehnsüchte nach Teilhabe an einer politischen Freakshow haben in Österreich und den USA nicht zu einer Parteineugründung geführt, sondern sie finden ihren Ausdruck in der Radikalisierung einer traditionellen konservativen Partei. </p>



<p>Gerade die Amalgamierung dieser beiden widersprüchlichen Aspekte – radikal und konservativ – macht das Phänomen so schwer fassbar. Bewahren <em>und</em> Freakshow, das passt eigentlich nicht zusammen. Aber in Umbruchszeiten löst sich dieser Widerspruch auf. Es wird eine gefährliche Dynamik entfesselt, von der Kurz wie Trump profitiert haben.</p>



<p>Über das System Kurz schreibt Strobl summarisch:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Es ist die Strategie des Rechtspopulismus Haider’scher Prägung. Neu ist, dass die Strategie einer überpolitischen und übermenschlichen Führungsfigur nicht mehr nur von der extremen Rechten beschworen, sondern von konservativen Kräften vollzogen wird. Dabei entsteht das Paradoxon einer konservativen Partei, die sich als Kämpferin gegen das alte System geriert und doch auch die Glaubwürdigkeit ihrer jahrzehntelangen Rolle als staatstragender Partei ausnutzt.</p></blockquote>



<h2 class="wp-block-heading">Die enthemmten Konservativen</h2>



<p>Natürlich gab es sofort Kritik. Strobl würde nicht aufklären, sondern die Gegner des Konservativismus „munitionieren“, so Sara Rukaj in der <a href="https://www.zeit.de/2021/39/radikalisierter-kondervatismus-natascha-strobl-oesterreich-buch-rezension" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ZEIT</a>. Sie lasse den gemäßigten Konservativismus außer Acht.</p>



<p>Dass es gemäßigte Konservative gibt, stellt niemand in Abrede. Strobl geht es aber gerade um diejenigen, welche die bei Konservativen traditionell angezogene Handbremse der politischen Emotionen lösen. Man konnte dies am 6. Januar 2021 beim Erstürmen des Kapitols sehen. Nicht irgendein obskurer Netzaktivist hat zu diesem Sturm aufgerufen, sondern der scheidende US-Präsident Donald Trump – Repräsentant einer (ehemals?) konservativen Partei und zugleich Anführer der bizarrsten politischen Freakshow der letzten Jahrzehnte.</p>



<p>In Deutschland stehen – bei allen Unterschieden in Stil und Auftreten – die Personen Alexander Gauland, Albrecht Glaser und Hans Georg Maaßen exemplarisch für die Figur des enthemmten Konservativen, der letztlich auf einen Umsturz des Systems hinarbeitet.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Von der Farce zur Tragödie</h2>



<p>Dass sich Konservative von obskuren politischen Bewegungen verführen lassen oder von diesen profitieren wollen, sagt zunächst nichts über die Gefährlichkeit dieser Bewegungen aus. Die meisten politischen Freakshows – ob von rechts oder links – verschwinden im Orkus der Geschichte und sind bestenfalls Stoff für schlechte Filme. Werden sie aber wirkmächtig, kann das ganze Gesellschaften in den Abgrund reißen.</p>



<p>Extremstes Beispiel für das Wirken einer zunächst nur lächerlich wirkenden Freakshow ist der Hitlerputsch in München am 8./9.&nbsp;November 1923. Die Reihenfolge von Farce und Tragödie ist keineswegs so klar, wie Karl Marx es bei der Bewertung des napoleonischen Staatsstreiches formuliert hat: Die Tragödie wiederholt sich nicht immer als reine Farce, und eine Farce kann umgekehrt sehr wohl in einer Tragödie enden. </p>



<p>Dieses unbehagliche Thema und die ambivalente Affinität der Konservativen zum neurechten Populismus hat Natascha Strobl dankenswerterweise aufs Tapet gebracht. Mit ihrem Buch widerspricht sie der alten Behauptung, zwischen dem neurechten Populismus und dem radikalisierten Konservativismus gebe es eine klare Trennlinie. Die deutschen Konservativen, die beim traditionellen Konservatismus bleiben und nicht Maaßen, Gauland oder Glaser in deren Irrsinn folgen wollen, sollten diese Diskussion zum Anlass nehmen, endlich über die konservative Vergangenheit zu debattieren. Was war es, was vor neunzig Jahren so viele Konservative hat wackeln lassen? &nbsp;&nbsp;</p>



<p>Das sind Fragen, die nicht zuletzt bei der Neuausrichtung der deutschen Konservativen nach der verlorenen Bundestagswahl eine wichtige Rolle spielen werden. Die BILD-Zeitung fordert einen deutschen „Klartext-Kanzler Kurz“ – es bleibt zu hoffen, dass die CDU nicht den Weg der österreichischen Schwesterpartei ÖVP geht. Schwarz soll schwarz bleiben. Das Türkise überlassen wir gerne den Spinnern.</p>



<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild von Marco Verch:<br><a href="[URL zum Bild]" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Politischer Rosenmontag 2020: AFDP &#8211; Rechter Politiker Bernd Höcke als Hund läuft Hass und Hetze hinterher, mit Gauland &amp; Kemmerich auf dem Rücken</a>, via <a href="https://www.flickr.com/photos/160866001@N07/49583244381">flickr</a> (<a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a>)</h6>



<hr class="wp-block-separator"/>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"> <div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">



<p>Natascha Strobl<br><strong>Radikalisierter Konservatismus</strong><br>Eine Analyse<br>Suhrkamp 2021 · 192 Seiten · 16 Euro<br>ISBN: 978-3-518-12782-7 <span><a href="javascript:"><img decoding="async" identifier="978-3-518-12782-7" identifiertype="2" title="Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen" class="citavipicker" src="data:image/svg+xml;base64,PD94bWwgdmVyc2lvbj0iMS4wIiBlbmNvZGluZz0idXRmLTgiPz48IURPQ1RZUEUgc3ZnIFBVQkxJQyAiLS8vVzNDLy9EVEQgU1ZHIDEuMS8vRU4iICJodHRwOi8vd3d3LnczLm9yZy9HcmFwaGljcy9TVkcvMS4xL0RURC9zdmcxMS5kdGQiPjxzdmcgdmVyc2lvbj0iMS4xIiBpZD0iRWJlbmVfMSIgeG1sbnM9Imh0dHA6Ly93d3cudzMub3JnLzIwMDAvc3ZnIiB4bWxuczp4bGluaz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMTk5OS94bGluayIgeD0iMHB4IiB5PSIwcHgiIHdpZHRoPSIxNnB4IiBoZWlnaHQ9IjE2cHgiIHZpZXdCb3g9IjAgMCAxNiAxNiIgZW5hYmxlLWJhY2tncm91bmQ9Im5ldyAwIDAgMTYgMTYiIHhtbDpzcGFjZT0icHJlc2VydmUiPjxnPjxnPjxwYXRoIGZpbGw9IiNGRkZGRkYiIGQ9Ik04LjAwMSwxNS41QzMuODY0LDE1LjUsMC41LDEyLjEzNiwwLjUsOGMwLTQuMTM1LDMuMzY1LTcuNSw3LjUwMS03LjVTMTUuNSwzLjg2NCwxNS41LDhTMTIuMTM3LDE1LjUsOC4wMDEsMTUuNXoiLz48cGF0aCBmaWxsPSIjRDUyQjFFIiBkPSJNOC4wMDEsMUMxMS44NiwxLDE1LDQuMTQxLDE1LDhzLTMuMTM5LDctNi45OTksN0M0LjE0LDE1LDEsMTEuODU5LDEsOFM0LjE0LDEsOC4wMDEsMSBNOC4wMDEsMEMzLjU4MiwwLDAsMy41ODIsMCw4czMuNTgyLDgsOC4wMDEsOEMxMi40MTgsMTYsMTYsMTIuNDE4LDE2LDhTMTIuNDE4LDAsOC4wMDEsMEw4LjAwMSwweiIvPjwvZz48cGF0aCBmaWxsPSIjRDUyQjFFIiBkPSJNNi43NDUsMTIuNTg5Yy0wLjIyNywwLjEyMi0wLjQ5NywwLjI0Ny0wLjY4NCwwLjI0N2MtMC4zMTgsMC0wLjUwMS0wLjE2NC0wLjUwMS0wLjQ1MmMwLTAuMjA3LDAuMTQtMC4zNzUsMC41OTUtMC42MjJjMS41NDktMC45MDQsMi41OTQtMi4yNzIsMi41OTQtMy43MjFjMC0wLjgyNS0wLjIyNy0xLjExOS0wLjY4MS0xLjExOWMtMC4xMzUsMC0wLjMyLDAuMjE5LTAuNjM2LDAuMjE5SDcuMTU3QzYuMTAyLDcuMTQzLDUuMzMzLDYuMjY0LDUuMzMzLDUuMjNjMC0xLjE1MiwwLjk1OC0yLjAwNiwyLjI4LTIuMDA2YzEuNzc3LDAsMy4wNTMsMS4zNzMsMy4wNTMsMy40M0MxMC42NjYsOS4yMTUsOS4yMDMsMTEuMjcsNi43NDUsMTIuNTg5Ii8+PC9nPjwvc3ZnPg" style="border: 0px none!important;width: 16px!important;height: 16px!important;margin-left:1px !important;margin-right:1px !important;"></a></span><br></p>



Bei <a href="https://yourbook.shop/book/?isbn=9783518127827&amp;ref=tell" title="Mit Ihrer Bestellung bei mojoreads unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" target="_blank" rel="noopener noreferrer">YourBookShop</a> oder im lokalen Buchhandel


</div></div> <div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><a href="https://yourbook.shop/book/?isbn=9783518127827&amp;ref=tell" target="_blank" rel="noopener"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" data-attachment-id="104073" data-permalink="https://tell-review.de/die-konservative-freakshow/radikalisierter-konservatismus_9783518127827_cover/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/11/radikalisierter-konservatismus_9783518127827_cover-scaled.jpg?fit=1561%2C2560&amp;ssl=1" data-orig-size="1561,2560" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="radikalisierter-konservatismus_9783518127827_cover" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/11/radikalisierter-konservatismus_9783518127827_cover-scaled.jpg?fit=183%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/11/radikalisierter-konservatismus_9783518127827_cover-scaled.jpg?fit=628%2C1030&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/11/radikalisierter-konservatismus_9783518127827_cover.jpg?resize=179%2C295&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-104073" width="179" height="295" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/11/radikalisierter-konservatismus_9783518127827_cover-scaled.jpg?resize=628%2C1030&amp;ssl=1 628w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/11/radikalisierter-konservatismus_9783518127827_cover-scaled.jpg?resize=49%2C80&amp;ssl=1 49w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/11/radikalisierter-konservatismus_9783518127827_cover-scaled.jpg?resize=1249%2C2048&amp;ssl=1 1249w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/11/radikalisierter-konservatismus_9783518127827_cover-scaled.jpg?resize=300%2C492&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/11/radikalisierter-konservatismus_9783518127827_cover-scaled.jpg?w=1561&amp;ssl=1 1561w" sizes="(max-width: 179px) 100vw, 179px" /></a></figure>


</div></div></div> </div></div>
</div></div>



<hr class="wp-block-separator"/>



<div class="wp-block-image"><p align="center"><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady"/></a></p></div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://tell-review.de/die-konservative-freakshow/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">104062</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Identifikationslektüre für Zeitgenossen</title>
		<link>https://tell-review.de/identifikationslektuere-fuer-zeitgenossen/</link>
					<comments>https://tell-review.de/identifikationslektuere-fuer-zeitgenossen/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Apr 2018 09:03:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Flüchtlinge]]></category>
		<category><![CDATA[Populismus]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://tell-review.de/?p=12711</guid>

					<description><![CDATA[In Zeiten des "Wir/Sie"-Denkens möchte man sich beheimaten, entweder bei den einen oder bei den anderen. Dem entspricht im politischen Sachbuch ein Trend zum Erbaulichen, sowohl links wie rechts. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dropcap">W</span>arum lesen wir Sachbücher? Weil wir uns über einen Gegenstand informieren wollen, weil wir uns mit den Gedanken von anderen die Welt erschließen, und manchmal, weil wir einen historischen Resonanzraum brauchen. Doch manche Sachbücher, die in den letzten Jahren veröffentlicht wurden, sind anders, darunter:</p>
<ul>
<li>Herfried und Marina Münkler: <em>Die neuen Deutschen</em></li>
<li>Harald Welzer: <em>Wir sind die Mehrheit</em></li>
<li>Heribert Prantl <em>Gebrauchsanweisung für Populisten</em></li>
<li>Per Leo, Daniel-Pascal Zorn, Maximilian Steinbeis: <em>Mit Rechten reden</em></li>
<li>Erhard Eppler: <a href="http://www.deutschlandfunkkultur.de/erhard-eppler-trump-und-was-tun-wir-ueber-die-abschaffung.1270.de.html?dram:article_id=410944" target="_blank" rel="noopener"><em>Trump – und was tun wir?</em></a></li>
</ul>
<blockquote><p>Wir haben ein politisches Buch geschrieben, kein erbauliches.</p></blockquote>
<p>Herfried und Marina Münkler distanzieren sich in der Einleitung ihres Buchs vom Erbaulichen, gerade weil sie wissen, dass ihr Buch so gelesen werden kann, zumindest von denjenigen, die an eine offene Gesellschaft glauben.</p>
<p>Auch Ulrich Greiners Essay <a href="https://tell-review.de/unheilige-allianzen/" target="_blank" rel="noopener"><em>Heimatlos</em> </a>gehört in diese Kategorie, allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. Wer eine Heimat im Konservativen sucht, wird sich in diesem Büchlein geborgen fühlen. Und auch unter den Büchern des Antaios-Verlags findet sich Erbauungsliteratur – für rechts außen.</p>
<h3>Appell an die Gefühle</h3>
<p>Erbauungsliteratur ist Identifikationslektüre. Erbaulich wirkende Sachbücher sind symptomatisch für Zeiten der Verunsicherung und der Spaltung. Deutschland ist im Vergleich zu anderen westlichen Demokratien noch verhältnismäßig wenig gespalten: Immerhin haben nur knapp 13 Prozent AfD gewählt. Doch anderswo wurden Schicksalswahlen – wie Brexit, Trump oder die Schweizer Volksinitiative „Gegen Masseneinwanderung“ – äußerst knapp entschieden. Zeitgenosse sein heißt dazuzugehören, und in Zeiten der Spaltung heißt es: zu den einen zu gehören und nicht zu den anderen. Identifikationslektüre signalisiert ein Denken in den Kategorien von „Wir gegen sie“.</p>
<p>Kennzeichen der Erbauungsliteratur ist der Appell an Gefühle, auf beiden Seiten. Ulrich Greiner tut das in <em>Heimatlos</em> ganz offensiv: Bei seinem Konservativsein gehe es ihm um ein Lebensgefühl, nicht um eine politische Haltung, sagt er ausdrücklich. In <em>Wir sind die Mehrheit</em> stützt sich Harald Welzer zwar auf Argumente und Zahlen, doch letztlich appelliert auch er an unsere Gefühle. Im Gegensatz zu Greiner jammert Welzer nicht: Er haut mit der Faust auf den Tisch. Er ist empört über den Angriff auf die Demokratie von rechts, zugleich will er uns schon im Titel seiner Kampfschrift beruhigen: <em>Wir sind die Mehrheit</em>. Während die Rechten an die Angst appellieren, appellieren die Linken an die Zuversicht. Heribert Prantl schreibt am Ende seiner <em>Gebrauchsanweisung für Populisten</em> gar: &#8222;Es gibt eine Pflicht zur Zuversicht.&#8220;</p>
<h3>Linke Erbauungsliteratur</h3>
<p>Ich zähle mich in diesem Wir/Sie-Schema zu den Linken, und ich muss zugeben, dass mir der Appell an die Zuversicht guttut, ebenso die Passagen, in denen der deutsche Herbst des Jahres 2015 als Erfolgsgeschichte erzählt wird, wie bei Harald Welzer:</p>
<blockquote><p>Eine Gesellschaft gerät unter Stress, und die Bürgerinnen und Bürger überlegen nicht lange, sondern kommen spontan ihrer Verantwortung nach, organisieren praktische Hilfe, sammeln Kleider und Geld und machen darüber hinaus etwas ganz und gar Unglaubliches: Sie heißen die Ankommenden willkommen, demonstrativ, human, menschenfreundlich.</p></blockquote>
<p>Genau so habe ich es auch selbst erlebt, als im Dezember 2015 in der Turnhalle in meiner Straße im Prenzlauer Berg über Nacht 200 Flüchtlinge <a href="http://www.deutschlandfunkkultur.de/fluechtlinge-in-berlin-endlich-sind-sie-da.1005.de.html?dram:article_id=340400" target="_blank" rel="noopener">einquartiert</a> wurden. Trotzdem hatte ich fast vergessen, dass man es so sehen kann. Offenbar hat die Angst-Rhetorik von rechts außen auch mich erreicht.</p>
<p>Wie würde ich diese Bücher lesen, wenn ich auf der anderen Seite stünde? Diese Frage begleitet mich ständig, wenn ich „linke Erbauungsliteratur“ lese. Taugen diese Bücher zum Dialog zwischen dem Wir und dem Sie? Herfried und Marina Münkler haben mit <em>Die neuen Deutschen</em> ein politisch engagiertes Buch geschrieben, in ihrem Erzählen und Erklären bleiben sie jedoch betont sachlich. Auch Heribert Prantl verzichtet in seiner <em>Gebrauchsanweisung für Populisten</em> auf Freund-Feind-Rhetorik.</p>
<h3>Die Faust auf dem Stammtisch</h3>
<p>Harald Welzer geht in <em>Wir sind die Mehrheit</em> einen Schritt weiter. Er ist kein Elfenbeinturm-Wissenschaftler, sondern mischt sich ein. Mit seiner Stiftung <a href="https://futurzwei.org/" target="_blank" rel="noopener">„Futur Zwei“</a> und der <a href="https://www.die-offene-gesellschaft.de/" target="_blank" rel="noopener">„Initiative Offene Gesellschaft“</a> engagiert er sich für den politischen Wandel. Dies merkt man seiner Polemik an. Als rechte Leserin müsste ich mir die Anrede „Menschenfeind“ gefallen lassen und noch einiges mehr. „Ekelhaft, wirklich. Versagt in der ersten Prüfung. Sollte das Europa, das europäische Projekt sein?“, heißt es etwa über Europas Umgang mit den Flüchtlingen. Die Faust saust auf den Stammtisch, um den wir Leser so einig versammelt sitzen.</p>
<p>Genau darin besteht die Schwäche aller Erbauungsliteratur: Sie wendet sich an die Bekehrten. Ein politisches Buch dagegen will verändern, was es beschreibt, deshalb verwahren sich Herfried und Marina Münkler gegen das Erbauliche. Wenn ein Buch politisch wirken soll, muss es auch für Gegenseite lesbar sein. Womit noch lange nicht gesagt ist, ob die Gegenseite es überhaupt zur Kenntnis nehmen wird.</p>
<p>Harald Welzer bringt durchaus Argumente und Zahlen, mit denen sich die Gegenseite auseinandersetzen müsste. Er verweist etwa auf die Situation nach 1945 in der BRD: 8 Millionen Binnenflüchtlinge und 12 Millionen Flüchtlinge aus den verlorenen Ostgebieten, während in Europa bei der Flüchtlingskrise von 2015 auf 510 Millionen EU-Bürger nur 1 Million Flüchtlinge kommt. „Stellen Sie sich einen Saal vor, in dem 510 Menschen sind, und zwei oder drei kommen dazu.“ Welzer erinnert daran, dass „die Offene Gesellschaft“ (durchweg mit großem O geschrieben) „die zivilisierteste Form von Gesellschaft“ sei, die es in der Menschheitsgeschichte je gegeben habe.</p>
<blockquote><p>Ich und alle anderen meiner Generation, die das Glück hatten, im reichen Westen aufzuwachsen, haben ein halbes Jahrhundert lang auf das Prächtigste von all dem profitieren dürfen, was andere zuvor geschaffen haben.</p></blockquote>
<p>Das ist nicht neu, doch wir vergessen es jeden Tag aufs Neue. Es müsste die Rechten interessieren, dass sie den Dschihadisten ähnlich sind: Beide verachten Demokratie und Pluralismus, beide trennen die Menschen in Freund und Feind, sie operieren mit Angst, Manipulation und Ausgrenzung. Und sie brauchen einander.</p>
<blockquote><p>Sie bauen sich gegenseitig die Bühne, auf der sie sich dann als die Retter vor den jeweils anderen inszenieren können.</p></blockquote>
<h3>Dialog oder Herrschaft?</h3>
<p>In der Danksagung am Ende des Texts wendet sich Welzer an „unsere Offene-Gesellschaft-Gemeinde“. Die Formulierung ist verräterisch, sie passt zu gut zum predigenden Ton, als dass man sie als Unachtsamkeit durchgehen lassen dürfte. Geht es, bei allen Argumenten und Zahlen, also letztlich doch um Glaubenssätze? Um in sich geschlossene Weltbilder, die keinen Dialog zulassen? Er sei überzeugt, so Welzer, „dass man rechte Demokratiefeinde nicht mit Verständnis und Dialog bekämpfen kann, sondern nur mit Haltung, Konfliktbereitschaft, Eintreten für die Demokratie&#8220;. Geht es um Dialog oder um Herrschaft? Verständigen wir uns mit der Gegenseite über die Wirklichkeit, oder suchen wir nach Strategien, wie wir diese Gegenseite ausschalten? Erbauungsliteratur lebt vom Wir gegen Sie, und damit reproduziert sie die Spaltung, gegen die sie ankämpft. Auch wenn ich mich in diesem widerspruchsfreien Raum aufgehoben fühle und mich durch Zeilen nicke, es hat etwas von einer Notversorgung für die geschundene linke Seele. Wirkungsvoller jedoch ist eine politische Essayistik, die ihre Leserschaft auf produktive Weise verunsichert.</p>
<p><div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zu den Büchern</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"></div></div><br />
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><br />
Herfried und Marina Münkler<br />
<strong>Die neuen Deutschen</strong><br />
Ein Land vor seiner Zukunft<br />
Rowohlt 2016 · 336 Seiten · 19,95 Euro<br />
ISBN: 978-3-87134-167-0<br />
Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="https://www.amazon.de/dp/3871341673/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow noopener">Amazon</a>, <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="https://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=9783871341670" target="_blank" rel="noopener">buecher.de</a><img decoding="async" style="display: none !important;" hidden="" src="https://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM --> oder im lokalen Buchhandel<br />
</div></div><br />
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><a href="https://www.amazon.de/dp/3871341673/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="noopener"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" data-attachment-id="12723" data-permalink="https://tell-review.de/identifikationslektuere-fuer-zeitgenossen/u1_xxx-indd/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/muenkler_cover_978-3-87134-167-0.jpg?fit=1512%2C2469&amp;ssl=1" data-orig-size="1512,2469" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;U1_XXX.indd&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/muenkler_cover_978-3-87134-167-0.jpg?fit=184%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/muenkler_cover_978-3-87134-167-0.jpg?fit=631%2C1030&amp;ssl=1" class="aligncenter wp-image-12723 size-medium" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/muenkler_cover_978-3-87134-167-0.jpg?resize=184%2C300&#038;ssl=1" alt="" width="184" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/muenkler_cover_978-3-87134-167-0.jpg?resize=184%2C300&amp;ssl=1 184w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/muenkler_cover_978-3-87134-167-0.jpg?resize=49%2C80&amp;ssl=1 49w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/muenkler_cover_978-3-87134-167-0.jpg?resize=768%2C1254&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/muenkler_cover_978-3-87134-167-0.jpg?resize=631%2C1030&amp;ssl=1 631w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/muenkler_cover_978-3-87134-167-0.jpg?resize=1300%2C2123&amp;ssl=1 1300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/muenkler_cover_978-3-87134-167-0.jpg?resize=300%2C490&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/muenkler_cover_978-3-87134-167-0.jpg?w=1512&amp;ssl=1 1512w" sizes="(max-width: 184px) 100vw, 184px" /></a></div></div></div><br />
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><br />
Harald Welzer<br />
<strong>Wir sind die Mehrheit</strong><br />
Für eine Offene Gesellschaft<br />
S. Fischer 2017 · 128 Seiten · 8,00 Euro<br />
ISBN: 978-3-596-29915-7<br />
Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="https://www.amazon.de/dp/3596299152/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow noopener">Amazon</a>, <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="https://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=9783596299157" target="_blank" rel="noopener">buecher.de</a><img decoding="async" style="display: none !important;" hidden="" src="https://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM --> oder im lokalen Buchhandel<br />
</div></div><br />
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><a href="https://www.amazon.de/dp/3596299152/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="noopener"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="12720" data-permalink="https://tell-review.de/identifikationslektuere-fuer-zeitgenossen/welzer_cover_978-3-596-29915-7/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/welzer_cover_978-3-596-29915-7.jpg?fit=716%2C1181&amp;ssl=1" data-orig-size="716,1181" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/welzer_cover_978-3-596-29915-7.jpg?fit=182%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/welzer_cover_978-3-596-29915-7.jpg?fit=624%2C1030&amp;ssl=1" class="aligncenter wp-image-12720 size-medium" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/welzer_cover_978-3-596-29915-7.jpg?resize=182%2C300&#038;ssl=1" alt="" width="182" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/welzer_cover_978-3-596-29915-7.jpg?resize=182%2C300&amp;ssl=1 182w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/welzer_cover_978-3-596-29915-7.jpg?resize=49%2C80&amp;ssl=1 49w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/welzer_cover_978-3-596-29915-7.jpg?resize=624%2C1030&amp;ssl=1 624w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/welzer_cover_978-3-596-29915-7.jpg?resize=300%2C495&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/welzer_cover_978-3-596-29915-7.jpg?w=716&amp;ssl=1 716w" sizes="auto, (max-width: 182px) 100vw, 182px" /></a></div></div></div><br />
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><br />
Heribert Prantl<br />
<strong>Gebrauchsanweisung für Populisten</strong><br />
Ecowin 2017 · 64 Seiten · 14,00 Euro<br />
ISBN: 978-3-71100-130-6<br />
Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="https://www.amazon.de/dp/3711001300/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow noopener">Amazon</a>, <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="https://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=9783711001306" target="_blank" rel="noopener">buecher.de</a><img decoding="async" style="display: none !important;" hidden="" src="https://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM --> oder im lokalen Buchhandel<br />
</div></div><br />
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><a href="https://www.amazon.de/dp/3711001300/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="noopener"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="12721" data-permalink="https://tell-review.de/identifikationslektuere-fuer-zeitgenossen/gebrauchsanweisung_prantl_cover/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/gebrauchsanweisung_prantl_cover.jpg?fit=636%2C800&amp;ssl=1" data-orig-size="636,800" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/gebrauchsanweisung_prantl_cover.jpg?fit=239%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/gebrauchsanweisung_prantl_cover.jpg?fit=636%2C800&amp;ssl=1" class="aligncenter wp-image-12721 size-medium" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/gebrauchsanweisung_prantl_cover.jpg?resize=239%2C300&#038;ssl=1" alt="" width="239" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/gebrauchsanweisung_prantl_cover.jpg?resize=239%2C300&amp;ssl=1 239w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/gebrauchsanweisung_prantl_cover.jpg?resize=64%2C80&amp;ssl=1 64w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/gebrauchsanweisung_prantl_cover.jpg?resize=300%2C377&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/gebrauchsanweisung_prantl_cover.jpg?w=636&amp;ssl=1 636w" sizes="auto, (max-width: 239px) 100vw, 239px" /></a></div></div></div><br />
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><br />
Per Leo, Maximilian Steinbeis, Daniel-Pascal Zorn<br />
<strong>Mit Rechten reden</strong><br />
Ein Leitfaden<br />
Klett-Cotta 2017 · 183 Seiten · 14,00 Euro<br />
ISBN: 978-3-60896-181-2<br />
Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="https://www.amazon.de/dp/360896181X/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow noopener">Amazon</a>, <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="https://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=9783608961812" target="_blank" rel="noopener">buecher.de</a><img decoding="async" style="display: none !important;" hidden="" src="https://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM --> oder im lokalen Buchhandel<br />
</div></div><br />
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><a href="https://www.amazon.de/dp/360896181X/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="noopener"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="12722" data-permalink="https://tell-review.de/identifikationslektuere-fuer-zeitgenossen/mitrechtenreden_cover/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/MitRechtenReden_cover.jpg?fit=1800%2C2952&amp;ssl=1" data-orig-size="1800,2952" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="MitRechtenReden_cover" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/MitRechtenReden_cover.jpg?fit=183%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/MitRechtenReden_cover.jpg?fit=628%2C1030&amp;ssl=1" class="aligncenter wp-image-12722 size-medium" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/MitRechtenReden_cover.jpg?resize=183%2C300&#038;ssl=1" alt="" width="183" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/MitRechtenReden_cover.jpg?resize=183%2C300&amp;ssl=1 183w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/MitRechtenReden_cover.jpg?resize=49%2C80&amp;ssl=1 49w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/MitRechtenReden_cover.jpg?resize=768%2C1260&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/MitRechtenReden_cover.jpg?resize=628%2C1030&amp;ssl=1 628w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/MitRechtenReden_cover.jpg?resize=1300%2C2132&amp;ssl=1 1300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/MitRechtenReden_cover.jpg?resize=300%2C492&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/MitRechtenReden_cover.jpg?w=1800&amp;ssl=1 1800w" sizes="auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px" /></a></div></div></div><br />
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><br />
Ulrich Greiner<br />
<strong>Heimatlos. Bekenntnisse eines Konservativen</strong><br />
Rowohlt Verlag 2017 · 160 Seiten · 19,95 Euro<br />
ISBN: 978-3-49802-536-6<br />
Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="https://www.amazon.de/dp/3498025368/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow noopener">Amazon</a>, <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="https://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=9783498025366" target="_blank" rel="noopener">buecher.de</a><img loading="lazy" decoding="async" class="moqrhgtsdlyczpuzglrx xbikiwmqdmeicgtnpngf" style="display: none !important;" hidden="" src="https://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM --> oder im lokalen Buchhandel<br />
</div></div><br />
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><a href="https://www.amazon.de/dp/3498025368/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="11235" data-permalink="https://tell-review.de/unheilige-allianzen/u1_978-3-498-02536-6-indd/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/09/Greiner_Cover.jpg?fit=1506%2C2469&amp;ssl=1" data-orig-size="1506,2469" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;U1_978-3-498-02536-6.indd&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="U1_978-3-498-02536-6.indd" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/09/Greiner_Cover.jpg?fit=183%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/09/Greiner_Cover.jpg?fit=628%2C1030&amp;ssl=1" class="wp-image-11235 size-medium aligncenter" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/09/Greiner_Cover.jpg?resize=183%2C300&#038;ssl=1" alt="" width="183" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/09/Greiner_Cover.jpg?resize=183%2C300&amp;ssl=1 183w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/09/Greiner_Cover.jpg?resize=49%2C80&amp;ssl=1 49w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/09/Greiner_Cover.jpg?resize=768%2C1259&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/09/Greiner_Cover.jpg?resize=628%2C1030&amp;ssl=1 628w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/09/Greiner_Cover.jpg?resize=1300%2C2131&amp;ssl=1 1300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/09/Greiner_Cover.jpg?resize=300%2C492&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/09/Greiner_Cover.jpg?w=1506&amp;ssl=1 1506w" sizes="auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px" /></a></div></div></div><br />
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><br />
Erhard Eppler<br />
<strong>Trump &#8211; und was tun wir? Der Antipolitiker und die Würde des Politischen</strong><br />
Dietz Verlag 2018 · 128 Seiten · 12,90 Euro<br />
ISBN: 978-3801205294<br />
Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="https://www.amazon.de/dp/3801205290/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow noopener">Amazon</a>, <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="https://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=9783801205294" target="_blank" rel="noopener">buecher.de</a><img decoding="async" style="display: none !important;" hidden="" src="https://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM --> oder im lokalen Buchhandel<br />
</div></div><br />
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="12744" data-permalink="https://tell-review.de/identifikationslektuere-fuer-zeitgenossen/41na-teufbl-_sx327_bo1204203200_/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/41nA-teUfBL._SX327_BO1204203200_.jpg?fit=329%2C499&amp;ssl=1" data-orig-size="329,499" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="41nA-teUfBL._SX327_BO1,204,203,200_" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/41nA-teUfBL._SX327_BO1204203200_.jpg?fit=198%2C300&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/41nA-teUfBL._SX327_BO1204203200_.jpg?fit=329%2C499&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/41nA-teUfBL._SX327_BO1204203200_.jpg?resize=198%2C300&#038;ssl=1" alt="" width="198" height="300" class="alignleft size-medium wp-image-12744" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/41nA-teUfBL._SX327_BO1204203200_.jpg?resize=198%2C300&amp;ssl=1 198w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/41nA-teUfBL._SX327_BO1204203200_.jpg?resize=53%2C80&amp;ssl=1 53w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/41nA-teUfBL._SX327_BO1204203200_.jpg?resize=300%2C455&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/41nA-teUfBL._SX327_BO1204203200_.jpg?w=329&amp;ssl=1 329w" sizes="auto, (max-width: 198px) 100vw, 198px" /></div></div></div></p>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
<hr />
<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br />
Beitragsbild: William Henry Fox Talbot, "Die Lektüre", 1841<br />
(ImageZeno.org, ID number 20001905376) [Public domain], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Talbot,_William_Henry_Fox_-_%C2%BBDie_Lekt%C3%BCre%C2%AB_(Zeno_Fotografie).jpg">via Wikimedia Commons</a><br />
Buchcover: Verlage</h6>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://tell-review.de/identifikationslektuere-fuer-zeitgenossen/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">12711</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Der dunkle Spiegel</title>
		<link>https://tell-review.de/der-dunkle-spiegel/</link>
					<comments>https://tell-review.de/der-dunkle-spiegel/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Maria Benning]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 12 Nov 2016 09:34:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Jeppe Hein]]></category>
		<category><![CDATA[Spiegelbild]]></category>
		<category><![CDATA[Zentrum für Zeitgenössische Kunst]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=5636</guid>

					<description><![CDATA[Zeitgenossenschaft ist mehr als das bloße Zusammentreffen von Mensch und Zeit. Zum Zeitgenossen wird ein Mensch erst, wenn er oder sie sich der eigenen Zeit zuwendet. Ein Essay über das Kunstwerk „YOU ARE RIGHT HERE RIGHT NOW“ von Jeppe Hein.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dropcap">I</span>ch bin gleich geflasht. „YOU ARE RIGHT HERE RIGHT NOW“ sagt das Kunstwerk zu mir. Wo fühlt man sich sonst so? Es ist dieses Grundgefühl blindtapsiger Vertrautheit, frisch verliebt, eins mit dem Augenblick, am rechten Ort zur rechten Zeit. Wow! Alles stimmt. Endlich.</p>
<p>Die Installation von <a href="http://www.jeppehein.net" target="_blank">Jeppe Hein</a> besteht aus einem auf Hochglanz polierten, dunkel eingefärbten Spiegel. Die weiße Aufschrift &#8222;YOU ARE RIGHT HERE RIGHT NOW&#8220; legt sich über das Spiegelbild. Das Werk tritt durch den Spiegel in Kontakt mit dem Betrachter, die Botschaft „you are right here right now“ übt eine hypnotische Anziehungskraft aus.</p>
<p>Right here und right now stehe ich nun also im neu eröffneten <a href="http://www.kindl-berlin.de/hlin" target="_blank">Zentrum für Zeitgenössische Kunst</a> in der Kindl Brauerei in Berlin Neukölln. Ich mache erst einmal ein Foto von mir, genau hier, genau jetzt. Ich fühle mich instant verbunden, verheiratet mit der Botschaft. Dazu passen die Lettern, rein und weiß wie ein Brautkleid. Die Installation meint nicht irgendwen, sie meint mich.</p>
<p>Das Spiegelbild mit der Aufschrift wirkt wie eine Steigerung von Cartier-Bressons „entscheidendem Augenblick“. Immer hier, immer richtig, immer ich. Eine Glücksmaschine. Ich könnte jetzt sehr lange vor diesem Spiegel stehen, visuell andocken, mich festsaugen, mein Leben genau hier an den Nagel hängen, hier an diesen Nagel, an dem die Installation hängt. Right here vor dieser Installation möchte ich right now immer weiter stehen bleiben.</p>
<h4>Das Jetzt ist flüssig und fließt ab</h4>
<p>Aber &#8222;immer weiter&#8220; und &#8222;stehen bleiben&#8220;, das ist ein immanenter Widerspruch, wie der Pudding, der an die Wand genagelt werden soll. Denn so passend, so haargenau und so hochglanz-richtig in Übereinstimmung mit Raum und Zeit bin ich eben nur, solange ich genau vor dieser Installation stehe, die nicht einmal ein echtes Bild ist, sondern nur ein Spiegelbild.</p>
<p>So jung kommen wir nie mehr zusammen, mein Spiegelbild und ich, und wenn ich mich jetzt abwende, bin ich nicht mehr right here right now. Auf einmal ist dieses Kunstwerk, hier und jetzt, ein Memento mori.</p>
<p>Heidegger beschreibt das Verrinnen der Zeit als Abfließen von Jetztpunkten. Das Jetzt ist flüssig und fließt ab. Sobald der Betrachter das Kunstwerk nicht mehr betrachtet, fließen die Jetztpunkte ab. Stöpsel raus, Wanne leer, nass und nackt steht man da und wird kalt.</p>
<h4>How Long Is Now?</h4>
<p>Das Kunstwerk „YOU ARE RIGHT HERE RIGHT NOW“ zeigt, dass Zeitgenossenschaft – die aktive Teilhabe an einer gemeinsamen Zeit – offenbar mehr erfordert, als das bloße Zusammentreffen von Mensch und Zeit. Es gehört ein aktives Bewusstsein dazu, eine eigene Zeit zu haben und diese in den Blick zu nehmen. Auch die Idee einer synchronen Weltzeit schwingt mit und der Wille, sich mit dieser Weltzeit aktiv zu verbinden und darin zu handeln, also selbst Genosse seiner Zeit zu sein – und dies zu genießen.</p>
<p>&#8222;How Long Is Now?&#8220; heißt der Teil der Ausstellung, in dem die Installation „YOU ARE RIGHT HERE RIGHT NOW“ hängt. Die Frage &#8222;How Long Is Now?&#8220; verweist auf die Schwierigkeit, eine Zeit zu reflektieren, an der man teilhat.</p>
<p>YOU ARE RIGHT HERE RIGHT NOW. Ich gucke jetzt auf das Spiegelbild mit der Aufschrift und versuche, mich zu fokussieren. Ich kann mich anstrengen, wie ich will, das Bild wird nicht wirklich hell – es ist ein dunkler Spiegel. Unmittelbare Zeitgenossenschaft ist immer auch Dunkelheit, sagt die Installation. Das Foto von mir vor der Installation right here right now wird mir – wie oft bei gestellten Fotomomenten – später wie das echte Leben vorkommen.</p>
<h4>Augenblick ohne Entscheidung</h4>
<p>Es war der richtige Augenblick, aber jetzt ist er vorbei. Wer eine Weile vor der Installation steht, beginnt sich mit dem immer richtigen Moment, mit der andauernden Hochglanz-Perfektion zu langweilen. Es ist diese gepflegte Langeweile, die auch manche Upper-Class-Szenen auf Fotos von Cartier-Bresson ausstrahlen. Der viel beschworene entscheidende Augenblick entpuppt sich als ein Augenblick ohne Entscheidung. Ich bemerke, dass ich mich durch das Richtige festgenommen fühle, wenn es als ewige Wahrheit daher kommt – ohne Haftbefehl eingesperrt in eine Art Dauerhaft.</p>
<p>Ich denke an den Song „Right Here, Right Now“ von John Cole Peterson. Aktive Zeitzeugenschaft war auch das. Es ist ein repetitiver Song. Ewig hört man „right here, right now“. Nachdem der Song die Zeile endlos wiederholt, geht es plötzlich weiter mit: „Waking up to find your love&#8217;s not real.“ Und ich fühle mich d&#8217;accord mit diesem Menschen in diesem Song, der da feststellt, dass seine Liebe nicht wirklich ist, nicht wirklich da oder nicht wirklich das, was sich dieser Mensch wünschte, oder sonstwie nicht wirklich – eine verhinderte Liebe, wie so oft im Leben. Vielleicht gab es die Liebe auch nur im Traum und dieser Traum verstellte in seiner Vollkommenheit das &#8222;wirkliche&#8220; Leben.</p>
<p>Gelebte Zeitgenossenschaft lässt sich nicht konservieren.</p>
<blockquote><p><strong>flashen</strong> – schwaches Verb, 1.  begeistern, in Rausch versetzen</p></blockquote>
<h6 style="text-align: right;">Duden online</h6>
<p>Ich bin immer noch begeistert, aber nur noch schwach. Ich gehe weiter und freue mich, dass ich einmal richtig aktiv und richtig schön Zeitgenossin war.</p>
<h6 style="text-align: right;"></h6>
<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis:</em><br />
<em> &#8222;YOU ARE RIGHT HERE RIGHT NOW&#8220;</em><br />
<em> Installation von Jeppe Hein</em><br />
<em> Foto (c) Maria Benning</em></h6>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://tell-review.de/der-dunkle-spiegel/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">5636</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Wo beginnt der Zynismus?</title>
		<link>https://tell-review.de/wo-beginnt-der-zynismus/</link>
					<comments>https://tell-review.de/wo-beginnt-der-zynismus/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Jun 2016 10:27:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Flüchtlinge]]></category>
		<category><![CDATA[Zentrum für politische Schönheit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=3048</guid>

					<description><![CDATA[Das Zentrum für politische Schönheit will "die Gesellschaft mit sich selbst ins Gespräch bringen". Bei der Kunstaktion "Flüchtlinge fressen" wird jede Reaktion der Öffentlichkeit zum Teil der Inszenierung. Was und wer ist hier zynisch?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dropcap">W</span>arum kommen die Flüchtlinge eigentlich nicht mit dem Flugzeug?“ Am Geld kann’s nicht liegen.</p>
<p>Diese Kinderfrage weht über der Tiger-Arena vor dem Gorki-Theater. Sie ist uns abhanden gekommen, ohne dass wir es gemerkt haben. Daran, dass Flüchtlinge zu Fuß gehen, haben wir uns gewöhnt, irgendwie gehört das nun mal zu einer Flucht. Das Prinzip des Non-refoulement besagt, gemäß der Genfer Flüchtlingskonvention, dass Kriegsflüchtlinge nicht zurückgewiesen werden dürfen. Doch dazu müssen sie die EU erst einmal erreichen. Hand aufs Herz: Wem von uns war bewusst, dass es seit 15 Jahren ein Gesetz gibt, dessen Zweck darin besteht, dem Non-refoulement durch ein Beförderungsverbot zuvorzukommen?</p>
<p>Mit seiner Tiger-Agitprop-Show &#8222;Flüchtlinge fressen&#8220; ist es dem <a href="http://www.politicalbeauty.de/" target="_blank">Zentrum für politische Schönheit</a> (ZPS) gelungen, die <a href="http://www.flugbereitschaft.de/#modal-eu" target="_blank">Richtlinie 2001/51/EG</a> – in Deutschland Artikel 63 des Aufenthaltsgesetzes – ins öffentliche Bewusstsein zu holen. Nun reiben wir uns die Augen, nicht <span class="pull-left">Was ist hier zynisch: die Inszenierung oder die Wirklichkeit?</span> nur über das Gesetz, sondern auch darüber, dass wir es nicht kannten. So schlecht also wissen wir Bescheid über die Welt, in der wir leben. Heute, am 24. Juni 2016, stimmt der Bundestag auf Antrag der Linken über die Abschaffung des Beförderungsverbots ab. Wird das Gesetz abgeschafft, fliegen am 28. Juni einhundert syrische Flüchtlinge von Izmir nach Tegel, der <a href="http://www.flugbereitschaft.de" target="_blank">crowdfinanzierte Flug mit der &#8222;Joachim 1&#8220;</a> ist Teil der Aktion. Wird das Beförderungsverbot dagegen beibehalten, werden Flüchtlinge sich aus Protest den Tigern vor dem Gorki-Theater zum Fraß vorwerfen, so die erpresserische Spielanweisung der Aktion „Flüchtlinge fressen“.</p>
<p>„Unangemessen und zynisch“ sei die Aktion, befand das Innenministerium. Auf diesen Vorwurf hatten die Macher es abgesehen, denn er bereitet die Bühne für ihre Botschaft: Nicht die Inszenierung ist zynisch, sondern die Wirklichkeit, die uns in dieser Inszenierung vor Augen geführt wird. Im Facebook-Chat klingt das so:</p>
<blockquote><p>&#8222;Wie geistesgestört muss man eigentlich sein, um so etwas gut zu heißen?&#8220;</p>
<p>&#8222;Wie geistesgestört muss eine Gesellschaft sein, um Tausende von Menschen ertrinken zu lassen, statt in Flugzeuge steigen zu lassen?&#8220;</p></blockquote>
<p>Auch die unvermeidliche Tierschutz-Debatte, die seit Tagen auf Facebook ausgetragen wird, ist Teil des Spiels: Der Vorwurf, dass uns Tiere mehr am Herzen liegen als Menschen, gehört zu den Leitmotiven des ZPS.</p>
<p>Wenn etwas an der Aktion „Flüchtlinge fressen“ zynisch ist, dann dieses abgekartete Spiel mit der Empörung. Nach diesem Muster wird jede Reaktion Teil der Inszenierung, auch diesmal klappt es wie am Schnürchen. Man wundert sich, wie bereitwillig manche Leute dem ZPS auf den Leim gehen. Die Idee der Aktion ist natürlich hanebüchen – oder glaubt tatsächlich jemand, diese handzahmen Tiger aus dem Saarland würden jemals einen Menschen fressen dürfen? Sie wären danach für den Zirkus nicht mehr zu gebrauchen – ein zynischer Grund, aber einer, der gilt.</p>
<p>Bei den Kunstaktionen des ZPS kommt <span class="pull-right">Es geht nicht um Zustimmung, sondern um Aufmerksamkeit.</span>niemand heil heraus, das ist das Konzept. Auch wer meint, man könne sich auf die Fragen der Ästhetik beschränken, verhält sich zynisch. Diese Inszenierung lässt nicht zu, dass wir nach der Vorstellung zufrieden nach Hause gehen, weil uns die Präsentation ästhetisch so gut gefallen hat.</p>
<p>Die Aktionen des ZPS nutzen die Mechanismen der Werbung: Es geht nicht um Zustimmung, sondern um Aufmerksamkeit.</p>
<p>Dass im Mittelmeer Menschen ertrinken, liest man jeden Tag in der Zeitung. <a href="http://www.deutschlandradiokultur.de/reportage-auf-der-flucht.1270.de.html?dram:article_id=303964" target="_blank">Doch wer von uns begreift, dass das nicht nur in der Zeitung steht, sondern tatsächlich geschieht?</a> Das stumme Bild des ertrunkenen Aylan Kurdi am Strand hatte uns im letzten Herbst für einen Moment aufgeschreckt. Wir ahnten, dass hier ein Verbrechen geschehen ist, worin genau es auch immer bestehen mag. Die Kunst verweigert uns diesen Schrecken meistens: Im griechischen Drama findet die Schlacht abseits der Bühne statt, alles andere wäre geschmacklos, so wie der berüchtigte „Bärli-Song“ in Elfriede Jelineks <em>Die Schutzbefohlenen</em>, mit jenem Vers, der einem nicht mehr so schnell aus dem Kopf geht:</p>
<blockquote><p>wenn das Baby beim Ertrinken nach der Mama schreit&#8230;</p></blockquote>
<p>Ein Aylan Kurdi-Moment auf der Bühne, wo sich Wirklichkeit verdichtet und uns zum Hinschauen zwingt. Reflexhaft wehren wir uns mit einem angewiderten „wie zynisch!“. Die Aktion &#8222;Flüchtlinge fressen&#8220; setzt dem noch eins drauf: In der Vorstellung, jemand würde sich vor unseren Augen im Rahmen einer Kunstaktion von einem Tiger zerfetzen lassen, wird die theatralische Verdichtung ins Groteske übersteigert. Geschähe es tatsächlich, wäre es tatsächlich zynisch.</p>
<p>Niemand will zynisch sein, denn das bedeutet die Preisgabe des Menschlichen. Deshalb ist dieser Begriff so wirksam, wenn es darum geht, den Spiegel zurückzuweisen, den die Kunst uns vorhält. Wir wollen keins von beidem: Weder uns vorstellen, wie es ist, wenn ein Baby ertrinkt (ganz zu schweigen von der Vorstellung, es wäre unser Kind, ich bitte Sie!), noch wollen wir uns den kollektiven Zynismus eingestehen, der im Wegschauen besteht.</p>
<p>Dass Kinder ertrinken, wissen wir aus der Zeitung, aber wir wollen uns diesem Wissen nicht aussetzen. Wir wollen nicht bei denen sein, deren Sterben wir akzeptieren. <span class="pull-left">Wir haben Teil an fremder Not, ohne dass wir gefragt worden wären, und das empfinden wir als Zumutung.</span>Wir haben uns stillschweigend darauf geeinigt, dass es anders nicht geht. Wenn die einfach in ein Flugzeug steigen dürften, kämen Hunderttausende, und wo kämen wir da hin? Dafür sind wir nicht zuständig, schließlich können wir nicht das ganze Elend der Welt etc.</p>
<p>Und es stimmt, eine Lösung hat niemand. Wir sind hilflos, doch wer uns mit unserer Hilflosigkeit und unserem schlechten Gewissen konfrontiert, ist der Bote mit der schlechten Nachricht und wird geköpft.</p>
<p>Unser Abwehrzauber ändert nichts daran, dass wir die Welt mit den Gefährdeten teilen. Auf dem Mittelmeer wird dies offenbar. Kreuzfahrtschiffe fahren auf dem gleichen Meer wie die Schlauchboote der Flüchtlinge, ihre Leichen werden am gleichen Badestrand angeschwemmt, an dem Urlauber sich erholen, die mit Easyjet auf die griechischen Inseln geflogen sind. Damit wird das Mittelmeer zu einem metaphorischen Raum für das, was wir seelisch nicht bewältigen. Wir haben Teil an fremder Not, ohne dass wir gefragt worden wären, und das empfinden wir als Zumutung. Wir haben Angst – um uns, nicht um sie.</p>
<p><span class="pull-right">Was uns mit den Flüchtlingen verbindet, ist nicht Schuld, sondern Gegenseitigkeit.</span>Das einzige, was uns retten kann, ist Nachdenken. Der Zweck des pseudo-zynischen Budenzaubers des ZPS ist „das Gespräch der Gesellschaft mit sich selbst“ (Philipp Ruch). Was bedeutet es für Europa, dass es ein Gesetz wie das Beförderungsverbot gibt? Was bedeutet es, dass ein solches Gesetz im öffentlichen Bewusstsein nicht präsent ist, als hätte es jemand geheim gehalten? Es ist schwer, sich auf die Welt, in der wir leben, einen Reim zu machen, deshalb die verhängnisvolle Anziehungskraft der klaren Worte, der einfachen Weltbilder.</p>
<p>Was geht uns die Not fremder Menschen an? In den Podiumsdiskussionen, die die Aktion „Flüchtlinge fressen“ begleiten, kehren die Formeln wieder, mit denen wir unsere Welt zu deuten versuchen.</p>
<ul>
<li>Unser Wohlstand gründet auf der Ausbeutung der armen Länder.</li>
<li>Armut und Korruption sind eine Folge der Kolonialisierung.</li>
<li>Ein Land, das für die enormen Fluchtbewegungen des zweiten Weltkriegs verantwortlich ist, hat allen Grund, nun seinerseits Flüchtlinge aufzunehmen.</li>
</ul>
<p>Wären diese geborgten Sätze wahr, hieße das, dass wir einen besonderen Grund brauchen, um uns um die Flüchtlinge zu kümmern, eine Schuld, die wir damit ausgleichen. Haben dagegen weder wir noch unsere Vorfahren etwas mit den Ursachen der Flucht zu tun, könnten uns, dieser Logik zufolge, die Flüchtlinge egal sein.</p>
<p>Der Zufall ist uns gnädig: Wir leben auf der anderen Seite des Schicksals. Das könnte sich ändern. Was uns mit den Flüchtlingen verbindet, ist nicht Schuld, sondern Gegenseitigkeit. Letztlich gibt es nur einen Grund dafür, dass wir die Flüchtlinge in Flugzeuge steigen lassen müssen: Wir würden ebenfalls in ein Flugzeug steigen wollen, wenn wir in ihrer Situation wären. Zynismus, also Menschenverachtung, beginnt dort, wo wir anderen nicht zugestehen, was wir für uns selbst in Anspruch nehmen.</p>
<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis<br />
Beitragsbild: von Sieglinde Geisel</h6>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&#038;;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://tell-review.de/wo-beginnt-der-zynismus/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>3</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">3048</post-id>	</item>
	</channel>
</rss>
