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	<title>Woody Allen &#8211; tell</title>
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		<title>Haftet der Künstler für den Privatmann?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Nov 2017 08:00:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
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		<category><![CDATA[Kunst und Moral]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Debatten um Kunst und Moral kennen wir vor allem aus der Literatur, dort geht es um Urheber. Mit Kevin Spacey ist nun ein Schauspieler durch sein Verhalten unter Druck geraten. Wie steht es um die Moral in Kunst und Showbusiness?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dropcap">D</span>ie Frage, ob das Kunstwerk beschädigt wird, wenn sein Urheber sich als Arschloch erweist, wurde bis vor kurzem nur bei Urhebern gestellt. „Böse Männer haben gute Bücher geschrieben“, konstatiert William H. Gass in einem Essay über den Widerspruch von Kunst und Moral, „Wagners Werke sind nicht böse, nur weil er es war“.</p>
<p>Außerhalb der Sphäre der Kunst ist uns die Spaltung vertraut: Wer tut schon, was er predigt? Den Pfarrern gelingt das nicht immer, und manche Ärzte leben ungesund, obwohl sie es besser wissen. Auch wenn wir es uns nicht gerne eingestehen: Die Einheit von Denken und Leben dürfte eher der Ausnahmefall sein als die Regel.</p>
<h3>Richtiges Schreiben im falschen Leben?</h3>
<p>Für die Kunst gilt dies erst recht. Die Frage der moralischen Integrität wird vor allem in der Literatur gestellt, denn dort lässt sich Moral leichter nachweisen. <span class="pull-left">Die Gesinnung ist ein Verbrechen des Intellekts, es spielt sich auf dem Feld der Sprache ab, wie die Literatur.</span>Gibt es ein richtiges Schreiben im falschen Leben? In den deutsch-deutschen Literaturstreitereien der 90er Jahre ging es um mangelnden Mut und Verrat: Christa Wolf und Heiner Müller wurden wegen ihrer Stasi-Kontakte angegriffen, Sascha Anderson und Rainer Schedlinski brachten mit ihren IM-Affären die ganze inoffizielle DDR-Literaturszene in Misskredit. Der eigentliche Sündenfall der Literatur war jedoch der Faschismus, denn hier ging es nicht um persönliches Fehlverhalten: Das Böse war die Gesinnung, nicht die Tat. Die Gesinnung jedoch ist ein Verbrechen des Intellekts, es spielt sich auf dem Feld der Sprache ab, wie die Literatur. Pound, Céline, Benn, Hamsun: Die Bücher dieser bösen Männer sind gut, weil sie sich von der Ideologie ihrer Verfasser lösten und ein Eigenleben gewannen.</p>
<p>Mit anderen Worten: Diese Kunst war nicht Propaganda. Nach dem Krieg gab es einen einzigen Künstler, der wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt war: Veit Harlan, der Starregisseur des NS-Kinos, hatte mit <em>Jud Süß</em> einen antisemitischen Film gedreht, der den Nationalsozialisten als „Mordwerkzeug“ gedient habe, so sein Sohn Thomas Harlan. Veit Harlan hatte in den Augen seines Sohnes seine Kunst verraten – Gottfried Benn dagegen sei ein großer Dichter gewesen, so Thomas Harlan, in diesem Fall sei die politische Verblendung Privatsache.</p>
<h3>Die Achillesferse des Filmstars</h3>
<p>Der Fall Kevin Spacey liegt jenseits der künstlerischen Moral. Bei Spacey ist nicht die Gesinnung das Problem, sondern das Tun, und er ist kein Urheber, sondern ein Darsteller. Dies verschiebt die Koordinaten: Seine stupende Fähigkeit, die vierte Wand zu durchbrechen, wird von seinen sexuellen Übergriffen nicht tangiert. Doch für viele Zuschauer sind seine Grapschereien auch auf der Leinwand präsent. <span class="pull-right">Über das Verhältnis von Kunst und Moral können wir aus der Debatte um Spacey nichts lernen.</span>Es erfordert sowohl die Fähigkeit als auch den Willen zur Abstraktion, hier zwischen der Privatperson Kevin Spacey und dem Künstler zu unterscheiden. Die Taten von Roman Polanski und Woody Allen sind mindestens so skandalös, doch als Regisseur können sie hinter der Kamera verschwinden. Die Sichtbarkeit ist die Achillesferse des Filmstars: Ohne Kevin Spacey kein Frank Underwood, wir sind als Zuschauer direkt mit der Person des Schauspielers konfrontiert.  Daher speist sich die Anziehungskraft von Frank Underwood aus der Anziehungskraft des Kevin Spacey.</p>
<p>Im Showbusiness nimmt das Geld Reißaus, wenn Illusionen verdampfen. Kevin Spacey hielt seine Homosexualität unter Verschluss, weil sie seinen Star-Appeal gefährdet hätte. Aus dem gleichen Grund wird er jetzt von jenen fallengelassen, die ihr Geld auf seinen Star-Appeal gesetzt haben. Über das Verhältnis von Kunst und Moral können wir aus der Debatte um Spacey daher nichts lernen. Sehr viel dagegen über die Amoralität des Geschäfts mit der Kunst.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h6 style="text-align: right;"><em>Beitragsbild:</em><br />
<em> Verwendete Bilder:</em><br />
<em> Spacey_Star.jpg: By Mark Crawley from Southampton, UK (Kevin Spacey&#8217;s star) [<a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.0">CC BY 2.0</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ASpacey_Star.jpg">via Wikimedia Commons<br />
</a>Spacey_Mural.jpg: Via <a href="https://www.flickr.com/photos/dullhunk/24642031392" target="_blank" rel="noopener">flickr</a>, Lizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank" rel="noopener">CC-BY 2.0<br />
</a>Bearbeitung: Anselm Bühling</em></h6>
<hr />
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