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	<title>Wissenschaftsgeschichte &#8211; tell</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
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	<title>Wissenschaftsgeschichte &#8211; tell</title>
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		<title>Das Gehirn und seine Metaphern</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Dec 2016 10:35:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Hirnfoschung]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftsgeschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[Empirie statt Spekulation, Chemiebaukasten statt Zirbeldrüse: Stetig wandeln sich die Methoden und Metaphern der Hirnforschung. Was bleibt, ist unsere Faszination für das Denkorgan. Eine Rezension von Matthias Eckoldts "Eine kurze Geschichte von Gehirn und Geist".]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dropcap">I</span>n seinem Buch <em>Eine kurze Geschichte von Gehirn und Geist</em> erzählt der Schriftsteller und Wissenschaftsjournalist Matthias Eckoldt die Geschichte der Hirnforschung als eine des fortlaufenden Irrtums. Er zeigt, dass die moderne Hirnforschung im Grunde direkt aus der Philosophie hervorgegangen ist. Denn seit der griechischen Antike waren die Philosophen über lange Zeit hinweg zugleich Wissenschaftler, die sich unter anderem für das menschliche Hirn interessierten. Ebenso wie die Philosophie ist die Hirnforschung darauf angewiesen, Metaphern für ihre Thesen und Erkenntnisse zu finden.</p>
<p>Die Vorstellungen vom Sitz der Gedanken und Gefühle, des <em>spiritus animalis,</em> sind dabei zunächst reine Spekulation. Einmal sitzt dieser Geist im Herz, dann in den Hirnventrikeln, manchmal orgelt er und entsteht durch einen Unterdruck im Ventrikelsystem. Zu den Gedanken und Gefühlen kommt die unsterbliche Seele hinzu, auch die will irgendwo im Körper verortet sein. René Descartes war einer der letzten Gelehrten, die ausschließlich spekulativ verfuhren – er wollte den Sitz der Seele intuitiv in der Zirbeldrüse erkannt haben.</p>
<h4>Die Hirnforschung – ein Abkömmling der Philosophie</h4>
<p>Die Herangehensweise und die Antworten dieser frühen Wissenschaftler mögen uns heute absonderlich vorkommen. Matthias Eckoldt zeigt jedoch, dass die Philosophie sich immer schon darauf verstanden hat, die richtigen Fragen zu stellen, ebenso wie ihr Abkömmling, die Hirnforschung. Er macht auch deutlich, dass die Antworten, welche die Forscher nach dem Stand ihrer Zeit gaben, so verkehrt nicht waren. Um etwa die Frage nach dem Wesen des Gedächtnisses zu beantworten, griff Descartes auf eine zeitgenössische Analogie aus der Mechanik zurück: die Lochmaske, mit der man damals Muster auf Stoffe druckte. Dieses Bild unterscheidet sich nur wenig von den heutigen Vorstellungen über die Speicherung des Gedächtnisinhaltes, wie Eckoldt unter Berufung auf den deutschen Hirnforscher Randolf Menzel feststellt.</p>
<p>Bereits im 12. Jahrhundert fragte sich der Gelehrte und Bischof Albertus Magnus, wie wir in der Lage seien, alle unsere Sinneseindrücke als eine Einheit wahrzunehmen und zu integrieren, obwohl sie doch von unterschiedlicher Qualität sind. Er postulierte einen sogenannten <em>sensus communis, </em>wie Eckoldt darlegt:</p>
<blockquote><p>Die Neurowissenschaftler suchen bis heute nach dem <em>sensus communis</em>. Das Wunder der Einheit der Wahrnehmung ist in der gegenwärtigen Hirnforschung unter der Bezeichnung &#8222;Bindungsproblem&#8220; bekannt.</p></blockquote>
<h4>Das Gehirn als Telegrafenstation</h4>
<p>Das Problem, das Albertus Magnus erkannt hatte, ist bis heute nicht gelöst. Mit dem Beginn der Neuzeit kam der große Sprung hin zur Empirie: Der flämische Renaissance-Anatom Andreas Vesal war der Vorreiter, das Zeitalter der Aufklärung mit seinem Fokus auf das Experiment klärte die Fronten endgültig. Man erkannte die tierische, belebte Elektrizität und bald schon die Nerven als Sitz und Produzent schwacher Ströme. Seither ist die spekulative Hirnforschung nur noch in der Esoterik zu finden.</p>
<p>Doch trotz aller Empirie kann die Hirnforschung bis heute nicht auf eine metaphorische Darstellung verzichten. Die zeitgleich mit dem Beginn der Elektrophysiologie etablierten ersten Telegrafenleitungen führten zum Bild des Gehirns als großer Telegrafen-Station. Auch die Kartografie erlebte Mitte des 19. Jahrhunderts ihre Blüte und wurde bald schon auf das Gebiet der Hirnforschung übertragen: Gehirnlandkarten wurden erstellt, der Sitz der Funktionen postuliert. Im 20. Jahrhundert dann war das Gehirn nach Entdeckung des ersten Neurotransmitters Acetylcholin ein Chemiebaukasten, dem man pharmakologisch zu Leibe rücken konnte, im wahrsten Sinn des Wortes. Später wurde das Gehirn unter dem Einfluss der Kybernetik als ein Computer beschrieben.</p>
<h4>Irrtümer der Forschung</h4>
<p>Matthias Eckoldt zeigt nicht nur, auf welche Bilder und Metaphern die Hirnforschung im Lauf ihrer Geschichte zurückgegriffen hat. Er geht ihrer Rolle im öffentlichen Diskurs nach: Die Hirnforschung war immer Wissenschaft und Partygerede zugleich.</p>
<p>Über den Hype um das EEG nach dessen Erstbeschreibung durch Hans Berger (1873-1941) schreibt Eckoldt:</p>
<blockquote><p>Der Zeitgeist steht auf technische Wundertaten, seit das Radio ab Mitte der 1920er Jahre die neuartige Erfahrung ermöglichte, Stimmen aus der Wand zu hören. In diesen geradezu mythischen Kontext wird das EEG eingepasst. Warum sich mühsam einarbeiten in die Schriften ([Bergers]…), wenn man das EEG mit Themen wie Gedankenlesen oder Telepathie verbinden und auflagensteigernde Angstlust beim Leser erzeugen kann?</p></blockquote>
<p>Auch in unserer Zeit kann man die Spannung zwischen faszinierenden Erkenntnissen und manchmal noch faszinierenderen Schlussfolgerungen seitens des Publikums beobachten, die zwar jeglicher Grundlage entbehren, doch nie der Phantasie. So wurde 1996 ein Bereich im Affenhirn mittels Magnetresonanztomografie sichtbar gemacht, der sowohl bei der Planung einer eigenen Handlung Aktivität zeigt als auch beim Betrachten derselben Handlung bei Anderen. Sofort feuerte auch der Boulevard seine Schlüsse, schneller als jedes Neuron: Mitgefühl entdeckt! Von „Dalai-Lama-Neuronen“ war die Rede. Auch hier lässt Matthias Eckoldt schnell die Luft ab:</p>
<blockquote><p>Nüchtern betrachtet verlieren die Spiegelneuronen rasch das Spektakuläre, das ihnen angedichtet wurde. Man braucht sich nur die Frage zu stellen, in welcher Weise Zellen etwas über die kulturbildende Empathie des Menschen aussagen können, die auch in Affenhirnen feuern.</p></blockquote>
<p>Allen, die allzu hurtig mit eindeutigen Erkenntnissen der Hirnforschung reüssieren wollen, sei dieses Buch empfohlen, prägnant und witzig wie es mit seinen Provokationen ist. Denn auch die Erkenntnisse der exakten Naturwissenschaften und insbesondere der Hirnforschung sind nur so lange gesichert, bis neue Erkenntnisse vorliegen – die ihrerseits wieder der Revision harren.</p>
<h6 style="text-align: right;"></h6>
<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis:</em><br />
<em> Beitragsbild: Robert Fludd. Geist und Bewusstsein, 17. Jahrhundert</em><br />
<em> Via <a href="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0c/RobertFuddBewusstsein17Jh.png" target="_blank">WikimediaCommons</a><br />
<em> Cover &#8222;Eine kurze Geschichte von Gehirn und Geist&#8220;: <a href="https://www.randomhouse.de/Paperback/Eine-kurze-Geschichte-von-Gehirn-und-Geist/Matthias-Eckoldt/Pantheon/e478244.rhd" target="_blank">Pantheon Verlag</a></em></em></h6>
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">
Matthias Eckoldt<br />
<strong>Eine kurze Geschichte von Gehirn und Geist</strong><br />
Sachbuch<br />
Pantheon Verlag 2016 · 256 Seiten · 14,99 Euro<br />
ISBN: 3570552772<br />
Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="http://www.amazon.de/dp/3570552772/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow">Amazon</a> oder <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="http://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=9783570552773" target="_blank">buecher.de</a><img decoding="async" style="display: none !important;" src="http://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM --><br />
</div></div>
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" data-attachment-id="5911" data-permalink="https://tell-review.de/das-gehirn-und-seine-metaphern/buchcover-3/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/11/Buchcover.jpg?fit=350%2C557&amp;ssl=1" data-orig-size="350,557" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="buchcover" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/11/Buchcover.jpg?fit=350%2C557&amp;ssl=1" class="alignnone size-medium wp-image-5911" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/11/Buchcover-189x300.jpg?resize=189%2C300" alt="buchcover" width="189" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/11/Buchcover.jpg?resize=189%2C300&amp;ssl=1 189w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/11/Buchcover.jpg?resize=50%2C80&amp;ssl=1 50w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/11/Buchcover.jpg?resize=300%2C477&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/11/Buchcover.jpg?w=350&amp;ssl=1 350w" sizes="(max-width: 189px) 100vw, 189px" /></div></div></div>
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		<title>Wie aus dem Himmel die Atmosphäre wurde</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Aug 2016 07:00:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Wetter]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftsgeschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[Peter Moores "Das Wetterexperiment" erzählt von einem Jahrhundertabenteuer: Wie bemächtigte sich die Wissenschaft des Himmels? Wer waren die Akteure? Und kann man die Zukunft vorhersagen?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dropcap">A</span>m Anfang war der Himmel. Bis gegen 1800, als längst weite Teile der Welt dem kritisch-naturwissenschaftlichen Blick ausgesetzt waren, schauten die Menschen immer noch ausschließlich mit Empfindung zu ihm hoch. Nie würden der Himmel, die Wolken oder der aus dem Nichts entstehende Wind seine Geheimnisse preisgeben, so schien es damals. Auch diese romantische Bastion musste fallen – aus dem erhabenen Himmel wurde die profane Atmosphäre. Wie das im 19. Jahrhundert geschah, davon erzählt Peter Moore in seinem wunderbaren Buch <em>Das Wetter-Experiment</em>.</p>
<h4><strong>Wissenschaftsstreit um Wirbelstürme</strong></h4>
<p>Anhand von biografischen Verknüpfungen der einzelnen Forscher schildert Moore, wie sich das Netz der Meteorologie ausbreitete und dabei immer dichter wurde. Wir begegnen Sir Francis Beaufort mit seiner heute noch gebräuchlichen Windskala, dem Ballonfahrer Glaisher, der erstmals das Phänomen beschrieb, das wir heute als Jetstream kennen, und natürlich Samuel Morse mit seinem elektrischer Telegrafen.</p>
<p>Auch ein veritabler Wissenschaftsstreit des 19 Jahrhunderts fehlt nicht: Sir William Ried und William Charles Redfield stritten mit James Pollard Espy um die Natur von Wirbelstürmen. Ried behauptete, dass es sich bei Stürmen um wechselnde Winde handle, die sich um ein Zentrum nach außen drehen. Er fand dies durch Feldforschung heraus, denn im Verlauf eines Tornados an der US-Westküste waren die Bäume in unterschiedliche Richtungen geknickt. Espy wiederum fokussierte auf das Zentrum des Sturms und behauptete, es gäbe einen Sog nach oben, gewissermaßen eine Schlotwirkung. Heute ist uns das Tragische an diesem Streit klar: Beide hatten recht, die scheinbare Unversöhnlichkeit der Anschauungen existierte nur in den Köpfen der Kontrahenten. Weiter erzählt Moore, wie Espy sich als Regenmacher unmöglich machte und deswegen den Streit „verlor“. Er wollte Wälder abbrennen, damit der entstehende Rauch als Regen über Wüsten niederginge, um diese zu bewässern. Schließlich gab man ihm die Gelegenheit dazu. Die von Moore zitierten höhnischen Zeitungsberichte nach dem Ausbleiben des Regens zeigen, dass das öffentliche Sprechen früher keineswegs sanfter war.</p>
<h4><strong>Künstler als Wetterforscher</strong></h4>
<p>Peter Moore belässt es nicht bei der Wissenschaftsgeschichte. Er zeigt vielmehr, dass die Kunst manchmal der Wissenschaft auf deren eigenem Pfad voran geht. So fertigte der vermeintlich subjektiv-romantische Maler John Constable im Jahr 1821 Wolkenstudien an, doch seine Blätter beschrieb er zugleich mit meteorologischen Daten, Windrichtung, Windstärke Niederschlag. Das war nichts anderes als meteorologische Feldforschung. Später schreibt Constable:</p>
<blockquote><p>Die Malerei ist eben auch eine Wissenschaft und sollte als Untersuchung der Naturgesetze betrieben werden.</p></blockquote>
<p>Auch in der Kunst veränderte sich damals also der Blick auf den Himmel.</p>
<h4><strong>Ist Wissenschaft eine Glaubensfrage?</strong></h4>
<p>Ein britischer Wetterforscher steht bei Moore im Mittelpunkt: der Marineoffizier und spätere Leiter des Meteorologischen Amts in London Robert FitzRoy. Auf ihn geht der Begriff Wettervorhersage zurück, „forecasting the weather“. Denn darum ging es FitzRoy: Stürme vorherzusagen, um daraus ein Sturmwarnsystem zu etablieren. Mit dem von Morse entwickelten Telegrafen und engmaschig aufgebauten Küstenstationen sollte dies möglich werden.</p>
<p>Beruflich hatte FitzRoy allen Grund, ein Sturmwarnsystem zu entwickeln. Als Kapitän der britischen Kriegsmarine hatte er alle Weltmeer bereist und die Gefahren des Wetters hinreichend kennen gelernt. Er ist uns heute vor allem als Kapitän der HMS „Beagle“ bekannt, an der auch ein junger Theologie- und Wissenschaftsstudent teilnahm, der Fitzroy auf der jahrelang avisierten Vermessungsfahrt eigentlich nur als intellektueller Stichwortgeber zugewiesen worden war: Charles Darwin.</p>
<p>Während Darwin die Vergangenheit neu erklären sollte, tat FitzRoy mit seiner Wetterprognose dasselbe für die Zukunft. Beide denken sich die Entwicklung ohne Gott. Moore erkennt:</p>
<blockquote><p>Prognose und Evolution waren wissenschaftliche Zwillinge.</p></blockquote>
<p>Weiter schreibt er:</p>
<blockquote><p>Die Leute mussten der Wissenschaft glauben.</p></blockquote>
<p>In dieser Formulierung bringt Moore zwei Begriffe zusammen, die einander in der Evolutionsdiskussion so unversöhnlich gegenüber standen: Glauben und Wissenschaft!</p>
<p>Können Zukunftsaussagen wissenschaftlich sein? Moore zitiert zunächst den Physiker Bridgman:</p>
<blockquote><p>Ich persönlich bin nicht der Auffassung, dass man davon reden sollte, Aussagen über die Zukunft zu machen. Für mich impliziert eine Aussage die Möglichkeit, ihre Wahrheit zu verifizieren, und die Wahrheit einer Aussage über die Zukunft lässt sich nicht verifizieren.</p></blockquote>
<p>Doch dann liefert Moore Gegenargumente. Sofern Wissen möglich sei, müssten auch Wahrscheinlichkeitsaussagen auf dem Zeitstrahl nach vorne möglich sein. Das habe das „Wetter-Experiment“ bewiesen, so Moore. Dass es einen menschengemachten Anteil bei der hohen CO2-Konzentration und damit eine Verantwortung für den Klimawandel gibt, könne nach der Datenlage nicht geleugnet werden. Auch wenn letzte Beweise für die Thesen der Klimakritiker fehlten, seien sie doch plausibler als alles andere.</p>
<p>Moore überzeugt durch seinen unangestrengten Ton, er beschwört keine Apokalypsis herauf. Stattdessen verweist er auf Joseph Conrads Erzählung <em>Taifun</em>. Der Kapitän MacWhirr ignoriert die Warnungen seines Barometers und steuert direkt in einen Taifun hinein. Nur knapp kommt er mit seinem Schiff davon.</p>
<blockquote><p>Wir können Vertrauen in die Wissenschaft setzen oder der Natur ihren Lauf lassen, wie es Kapitän MacWhirr in Joseph Conrads Taifun tat.</p></blockquote>
<p>So Moores süffisanter Kommentar.</p>
<p>Wer ein Buch liest, der geht in einen Dialog mit dem Autor. Über 500 Seiten habe ich mich mit Peter Moore über das Wetter, über das Klima und schließlich über den Klimawandel unterhalten – und mich dabei keine Seite gelangweilt.</p>
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">
Peter Moore<br />
<strong>Das Wetter-Experiment. Von Himmelsbeobachtern und den Pionieren der Meteorologie</strong><br />
Sachbuch. Aus dem Englischen von Michael Hein<br />
mare Verlag 2016 · 560 Seiten · 26,00 Euro<br />
ISBN: 123-4-5678-91-0<br />
</div></div>
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" data-attachment-id="3672" data-permalink="https://tell-review.de/wie-aus-dem-himmel-die-atmosphaere-wurde/das-wetter-experiment/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/08/Das-Wetter-Experiment.jpg?fit=317%2C499&amp;ssl=1" data-orig-size="317,499" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Das Wetter-Experiment" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/08/Das-Wetter-Experiment.jpg?fit=317%2C499&amp;ssl=1" class="alignnone size-medium wp-image-3672" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/08/Das-Wetter-Experiment-191x300.jpg?resize=191%2C300" alt="Das Wetter-Experiment" width="191" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/08/Das-Wetter-Experiment.jpg?resize=191%2C300&amp;ssl=1 191w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/08/Das-Wetter-Experiment.jpg?resize=51%2C80&amp;ssl=1 51w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/08/Das-Wetter-Experiment.jpg?resize=300%2C472&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/08/Das-Wetter-Experiment.jpg?w=317&amp;ssl=1 317w" sizes="(max-width: 191px) 100vw, 191px" /></div></div></div>
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<h6 style="text-align: right;">Beitragsbild:<br />
John Constable: Salisbury Cathedral from the Meadows (Skizze, vor 1831)</h6>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&#038;;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
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