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	<title>Tichys Einblick &#8211; tell</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
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		<title>Gegen den Gesinnungskrawall</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Jan 2017 13:22:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[alt.right]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Zivilgesellschaft nimmt den Kampf um die Diskurshoheit auf: Am 14. Januar 2017 ist das Schmalbart-Netzwerk mit einer Tagung gestartet, und Correctiv filtert Fake News auf Facebook. Doch wie führt man einen Dialog mit Leuten, die den Dialog verweigern?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dropcap">V</span>iele Menschen bundesweit haben ähnliche Gedanken wie wir“, sagte einer der Veranstalter zum Auftakt des Schmalbart-Camps, das am 14. Januar im betahaus Berlin stattgefunden hat. So beginnen politische Bewegungen, und vielleicht ist es endlich so weit. Denn dass die Rechte im Aufwind ist, liegt auch daran, dass es auf der anderen Seite ein Vakuum gibt. Ist das, was sich derzeit formiert, das neue 68? Nicht ganz. Die 68er waren eine Protestbewegung: gegen Vietnamkrieg, Atomkraft und Nazi-Väter. Heute sehen sich die Linken in der Rolle der Bewahrer: Es geht um die Rettung der pluralen Demokratie und die Verteidigung all dessen, was sich nach dem Zweiten Weltkrieg im Westen als politische Normalität etabliert hat.</p>
<p>Seit die Trump-Wahl gezeigt hat, welche Dynamik die alt.right-Medien entwickeln, drängt das Unbehagen in der digitalen Kultur zur Tat: <a href="https://www.schmalbart.de/" target="_blank">Schmalbart</a> ist ein Netzwerk, das der Digital Manager (und gelegentliche Autor von Artikeln) Christoph Kappes gegründet hat, um dem <a href="http://www.breitbart.com/" target="_blank">Breitbart News Network</a> etwas entgegenzusetzen, das nach Deutschland expandieren will. Doch die Bewegung, die hier entsteht, betritt ein völlig anderes Diskussionsfeld als seinerzeit die 68er. Mit Demonstrationen lässt sich gegen Fake News nicht viel ausrichten: Diskurshoheit wird durch Worte errungen und verloren, und das Schlachtfeld ist nicht die Straße, sondern das Netz.</p>
<h3>Der Umgang einer Gesellschaft mit sich selbst</h3>
<p>Wer im Netz gegen Fake News kämpft, ist von vornherein in der schwächeren Position: Man ist verdammt zum Reagieren und spielt damit das Spiel der anderen – ob man will oder nicht. Als Umkehrung von Breitbart verkörpert der Name Schmalbart geradezu die Defensive (dass der prominenteste Schmalbartträger aller Zeiten überdies Gratismunition für Pöbeleien liefert, ist schon fast eine vorauseilende Ironie der Geschichte). Alles ist schwierig in diesem Kampf. Es beginnt damit, dass diese neue Bewegung selbst keinen eigenen politischen Standpunkt vertritt, sondern sich über ihren Gegner definiert: „Wir sind ein Netzwerk von allem, was &#8218;Non alt.right&#8216; ist“, so Christoph Kappes in einer <a href="https://www.schmalbart.de/2017/01/breitbart-ueber-schmalbart-muster/">Entgegnung</a> auf den ersten <a href="http://www.breitbart.com/london/2017/01/15/cash-strapped-lefties-demand-money-anti-breitbart-site/">Breitbart-Artikel</a> gegen Schmalbart – ein kleiner Diskurs-Erfolg, der den Spieß umdreht: Nun ist Breitbart in der Rolle der Reaktion.</p>
<p>Die neue Bewegung, die sich in Initiativen wie Schmalbart zu Wort meldet, vertritt die Zivilgesellschaft. Ein politisches Programm gibt es nicht, dafür eine Haltung: Es geht darum, welchen Umgang eine Gesellschaft mit sich selbst pflegt.</p>
<blockquote><p>Uns geht es um Versachlichung und Klärung, um saubere Diskussion und Streit um Standpunkte. (…)  Volksverhetzung, Rassismus, Antisemitismus und jede andere Art von Menschenfeindlichkeit werden wir bekämpfen,</p></blockquote>
<p>heißt es auf der <a href="https://www.schmalbart.de/">Schmalbart-Website</a>.</p>
<h3>Dialog und Anti-Dialog</h3>
<p>Es geht also um Dialog. Dazu gehören Regeln, auf die sich beide Seiten einigen. Und hier liegt der springende Punkt: Der Gesinnungskrawall von rechts schert sich nicht um Anstandsregeln. Es hat keinen Sinn, mit Fakten zu argumentieren, wenn der Gegenseite Fakten und Argumente egal sind. „Es ist, wie wenn man mit Uhrmacherwerkzeug gegen einen Axtmörder antritt“, so ein Tagungsteilnehmer. Einen Eindruck von der Anti-Dialog-Technik kann man sich anlässlich <a href="http://www.tichyseinblick.de/feuilleton/medien/in-zehn-schritten-zur-verschwoerung-eine-anleitung-aus-dem-hause-wv/" target="_blank">dieses Interviews</a> auf der Website <a href="http://www.tichyseinblick.de/">http://www.tichyseinblick.de/</a> („Das liberal-konservative Meinungssystem“) verschaffen: Der Fachjournalist Frank Zimmer übt sich in Gelassenheit und verweigert wiederum seinerseits den Anti-Dialog – chapeau!</p>
<p>Die Debatte über Fake News zeigt, wie wenig wir die sozialen Mechanismen verstehen, die von dieser Technologie erzeugt werden. Ein Schmalbart-Teilnehmer erinnerte an die Proportionen in Internet-Kommentaren: 90 Prozent der Nutzer schauen schweigend zu, 9 Prozent melden sich gelegentlich mit Kommentaren zu Wort, und das restliche 1 Prozent beherrscht die Bühne. Jede Reaktion auf dieses eine Prozent bläst dessen Wirkung weiter auf: Indem man Haltung zeigt, füttert man die Blase, durch Schweigen wiederum trägt man dazu bei, den Diskurs nach rechts abgleiten zu lassen.</p>
<p>Ein Patentrezept, um aus dieser Zwickmühle herauszukommen, gibt es (bisher) auch auf Schmalbart nicht. Es bleibt Kreativität: die Waffen Humor und Verfremdung. So könnte man etwa eine App programmieren, die populistische Texte und Fake News an Lehrplan-Anforderungen für Texte der 9. Klasse misst. Man kann Verstärkung anfordern, wenn man in einem Thread von rechts gemobbt wird. Und, trotz allem, auf Regeln setzen: Sie sind ein Distanz-Instrument und ermöglichen immerhin einen begründeten Abbruch des gefaketen Dialogs. Die Königsdisziplin ist der Humor. Wenn es gelingt, das böse Spiel zu unterlaufen, stiehlt man dem einen Prozent die Show und hat immerhin nach Punkten gewonnen.</p>
<p>Die Zivilgesellschaft – sprich Menschen, die in der Welt der Fakten und Argumente leben – muss sich ins Zeug legen, wenn sie die Diskurshoheit zurückerobern will. Bei Schmalbart kann jede und jeder mitmachen. Und nicht nur das Schmalbart-Netzwerk hat den Fehde-Handschuh aufgenommen: Auf Facebook soll das Recherche-Organ Correctiv <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/facebook-correctiv-soll-fake-news-richtigstellen-a-1130014.html">Postings filtern</a>, bei denen es sich um Fake-News handelt. Doch die Rechten haben einen Vorsprung – und es steht viel auf dem Spiel.</p>
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