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	<title>Populismus &#8211; tell</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
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	<title>Populismus &#8211; tell</title>
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		<title>Die konservative Freakshow</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Nov 2021 08:58:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Konservatismus]]></category>
		<category><![CDATA[Populismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn die Gesellschaft nichts mehr hat, was in den Augen der Konservativen bewahrenswert wäre, entdecken einige von ihnen ihre Affinität zum Populismus. Was als Farce beginnt, kann in der Tragödie enden. Ein Essay mit Blick auf Natascha Strobls Buch „Radikalisierter Konservatismus“.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-drop-cap wp-block-paragraph">Über den Erfolg des neurechten Populismus und die Rolle, die völkisches Denken, Autoritätsgläubigkeit und Verschwörungstheorien dabei spielen, ist schon viel Kluges geschrieben worden. In Zeiten der zunehmenden Unsicherheit – es seien die Finanzkrise 2008, die Flüchtlingskrise 2015/16, die Klimakrise und Corona genannt – justiert sich eine zuvor leidlich zufriedene, fast schon lethargische Gesellschaft neu. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Krisen führen keineswegs zu einer automatischen Zunahme der Solidarität. Vor allem, wenn sie sich verstetigen, tritt die zunächst allseitig beschworene Solidarität in den Hintergrund, und die Nutznießer der Angst, die Rattenfänger, betreten das Spielfeld.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Treibstoff des Populismus</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Hochkommen neurechter Bewegungen verlief in der Geschichte noch jedes Mal nach diesem Fahrplan. Hervorstechendes Merkmal ist das Adressieren von Ängsten: „Der da ist schuld an deiner Angst!“ Diese einfachen Antworten erscheinen vielen immer einleuchtender, je länger die Krise andauert. Ständige Angst ist das Benzin des Populismus. Das heißt natürlich im Umkehrschluss, dass Populisten an einer Lösung der Probleme nicht interessiert sind. Man kann diese Bewegungen, die neben radikalen politischen Kräften auch obskure Charaktere magnetisch anziehen, als eine politische Freakshow verstehen. Darin sind sich viele Beobachter einig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Rolle der Konservativen in dieser gesellschaftlichen und kulturellen Neujustierung wird hingegen wenig beleuchtet. Dabei liefert die Geschichte deutliche Hinweise auf die zentrale Rolle der Konservativen in historischen Umbruchsituationen. Im zwanzigsten Jahrhundert gilt das vor allem für ihr Verhältnis zu den von der Gegenwart frustrierten rechten Aufwieglern. In der ersten großen Krise der Demokratien ab 1930 waren es die Konservativen, die sich in großer Zahl von den republikfeindlichen populistischen Rattenfängern verführen ließen. Sie konnten damals im demokratischen System genauso wenig eine politische Heimat finden wie die völkischen Nationalisten. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Sicher: Es gab später auch entschiedene Hitlergegner aus dem Geist des Konservativismus heraus, hier wirkte vor allem die Kirchenfeindlichkeit des Nationalsozialismus. Und doch müssen sich die Konservativen den Vorwurf gefallen lassen, dass Hitler nie Kanzler geworden wäre ohne ihr weitgehendes Versagen in den entscheidenden Jahren vor 1933. Unter Fachhistorikern wird diese unrühmliche Rolle der deutschen Konservativen diskutiert, eine gesamtgesellschaftliche Debatte hat es jedoch dazu nie gegeben, obwohl die Dimension des Themas danach ruft.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Anziehungen und Abstoßungen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht ist das Fehlen einer solchen Debatte eine Ursache für die neuerliche Verführbarkeit der Konservativen. Eine weitere Ursache mag darin liegen, dass es bei allen deutlichen Unterschieden auch inhaltliche Affinitäten gibt. Es scheint so zu sein, dass der verführbare Teil der Konservativen immer dann bereit ist, den Populisten zuzulaufen, wenn die Gesellschaft nichts mehr hat, was in ihren Augen bewahrenswert wäre. Die Konservativen machen sich dann gemein mit einer politischen Freakshow, die sie in ruhigeren Zeiten eher verachten würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor dem Hintergrund dieses historischen Spannungsverhältnisses zwischen Konservativismus und Rechtspopulismus mit wechselseitigen Anziehungen und Abstoßungen kommt mir die Gelassenheit vieler Zeitgenossen im Angesicht neuerlicher Verführbarkeit merkwürdig vor. Es droht zwar aktuell kein neuer 30.&nbsp;Januar. Aber ein Schulterschluss zwischen neurechten, teilweise völkischen Populisten und Konservativen ist in einigen Ländern bereits vollzogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und noch etwas fällt auf. Der konservative Spin in Richtung Populismus funktioniert auch umgekehrt. Viele neurechte Populisten wollen als „konservativ“ wahrgenommen werden, teils aus taktischen Erwägungen, teils wohl auch aus echter Neigung. In Deutschland vergeht keine Wahl, nach der sich die AfD nicht selbst als konservativ bezeichnet. Zuletzt hat das nach der Bundestagswahl 2021 Alice Weidel getan.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Radikal und konservativ</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein neues und vieldiskutiertes Buch nimmt sich nun endlich dieses Themas an: Natascha Strobls <em>Radikalisierter Konservatismus</em>. Ausgangspunkt sind dabei die politischen Verhältnisse in Strobls Heimat Österreich sowie in den USA. Bei Sebastian Kurz und Donald Trump findet die Autorin genau diese Form des radikalisierten Konservativismus vor, der sich weder inhaltlich noch in den angewandten Methoden groß von den Rechtspopulisten abhebt. Einziger Unterschied: Die populistischen Sehnsüchte nach Teilhabe an einer politischen Freakshow haben in Österreich und den USA nicht zu einer Parteineugründung geführt, sondern sie finden ihren Ausdruck in der Radikalisierung einer traditionellen konservativen Partei. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade die Amalgamierung dieser beiden widersprüchlichen Aspekte – radikal und konservativ – macht das Phänomen so schwer fassbar. Bewahren <em>und</em> Freakshow, das passt eigentlich nicht zusammen. Aber in Umbruchszeiten löst sich dieser Widerspruch auf. Es wird eine gefährliche Dynamik entfesselt, von der Kurz wie Trump profitiert haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über das System Kurz schreibt Strobl summarisch:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Es ist die Strategie des Rechtspopulismus Haider’scher Prägung. Neu ist, dass die Strategie einer überpolitischen und übermenschlichen Führungsfigur nicht mehr nur von der extremen Rechten beschworen, sondern von konservativen Kräften vollzogen wird. Dabei entsteht das Paradoxon einer konservativen Partei, die sich als Kämpferin gegen das alte System geriert und doch auch die Glaubwürdigkeit ihrer jahrzehntelangen Rolle als staatstragender Partei ausnutzt.</p></blockquote>



<h2 class="wp-block-heading">Die enthemmten Konservativen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich gab es sofort Kritik. Strobl würde nicht aufklären, sondern die Gegner des Konservativismus „munitionieren“, so Sara Rukaj in der <a href="https://www.zeit.de/2021/39/radikalisierter-kondervatismus-natascha-strobl-oesterreich-buch-rezension" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ZEIT</a>. Sie lasse den gemäßigten Konservativismus außer Acht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass es gemäßigte Konservative gibt, stellt niemand in Abrede. Strobl geht es aber gerade um diejenigen, welche die bei Konservativen traditionell angezogene Handbremse der politischen Emotionen lösen. Man konnte dies am 6. Januar 2021 beim Erstürmen des Kapitols sehen. Nicht irgendein obskurer Netzaktivist hat zu diesem Sturm aufgerufen, sondern der scheidende US-Präsident Donald Trump – Repräsentant einer (ehemals?) konservativen Partei und zugleich Anführer der bizarrsten politischen Freakshow der letzten Jahrzehnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Deutschland stehen – bei allen Unterschieden in Stil und Auftreten – die Personen Alexander Gauland, Albrecht Glaser und Hans Georg Maaßen exemplarisch für die Figur des enthemmten Konservativen, der letztlich auf einen Umsturz des Systems hinarbeitet.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Von der Farce zur Tragödie</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dass sich Konservative von obskuren politischen Bewegungen verführen lassen oder von diesen profitieren wollen, sagt zunächst nichts über die Gefährlichkeit dieser Bewegungen aus. Die meisten politischen Freakshows – ob von rechts oder links – verschwinden im Orkus der Geschichte und sind bestenfalls Stoff für schlechte Filme. Werden sie aber wirkmächtig, kann das ganze Gesellschaften in den Abgrund reißen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Extremstes Beispiel für das Wirken einer zunächst nur lächerlich wirkenden Freakshow ist der Hitlerputsch in München am 8./9.&nbsp;November 1923. Die Reihenfolge von Farce und Tragödie ist keineswegs so klar, wie Karl Marx es bei der Bewertung des napoleonischen Staatsstreiches formuliert hat: Die Tragödie wiederholt sich nicht immer als reine Farce, und eine Farce kann umgekehrt sehr wohl in einer Tragödie enden. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses unbehagliche Thema und die ambivalente Affinität der Konservativen zum neurechten Populismus hat Natascha Strobl dankenswerterweise aufs Tapet gebracht. Mit ihrem Buch widerspricht sie der alten Behauptung, zwischen dem neurechten Populismus und dem radikalisierten Konservativismus gebe es eine klare Trennlinie. Die deutschen Konservativen, die beim traditionellen Konservatismus bleiben und nicht Maaßen, Gauland oder Glaser in deren Irrsinn folgen wollen, sollten diese Diskussion zum Anlass nehmen, endlich über die konservative Vergangenheit zu debattieren. Was war es, was vor neunzig Jahren so viele Konservative hat wackeln lassen? &nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das sind Fragen, die nicht zuletzt bei der Neuausrichtung der deutschen Konservativen nach der verlorenen Bundestagswahl eine wichtige Rolle spielen werden. Die BILD-Zeitung fordert einen deutschen „Klartext-Kanzler Kurz“ – es bleibt zu hoffen, dass die CDU nicht den Weg der österreichischen Schwesterpartei ÖVP geht. Schwarz soll schwarz bleiben. Das Türkise überlassen wir gerne den Spinnern.</p>



<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br>Beitragsbild von Marco Verch:<br><a href="[URL zum Bild]" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Politischer Rosenmontag 2020: AFDP &#8211; Rechter Politiker Bernd Höcke als Hund läuft Hass und Hetze hinterher, mit Gauland &amp; Kemmerich auf dem Rücken</a>, via <a href="https://www.flickr.com/photos/160866001@N07/49583244381">flickr</a> (<a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a>)</h6>



<hr class="wp-block-separator"/>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"> <div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">



<p class="wp-block-paragraph">Natascha Strobl<br><strong>Radikalisierter Konservatismus</strong><br>Eine Analyse<br>Suhrkamp 2021 · 192 Seiten · 16 Euro<br>ISBN: 978-3-518-12782-7 <span><a href="javascript:"><img decoding="async" identifier="978-3-518-12782-7" identifiertype="2" title="Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen" class="citavipicker" src="data:image/svg+xml;base64,PD94bWwgdmVyc2lvbj0iMS4wIiBlbmNvZGluZz0idXRmLTgiPz48IURPQ1RZUEUgc3ZnIFBVQkxJQyAiLS8vVzNDLy9EVEQgU1ZHIDEuMS8vRU4iICJodHRwOi8vd3d3LnczLm9yZy9HcmFwaGljcy9TVkcvMS4xL0RURC9zdmcxMS5kdGQiPjxzdmcgdmVyc2lvbj0iMS4xIiBpZD0iRWJlbmVfMSIgeG1sbnM9Imh0dHA6Ly93d3cudzMub3JnLzIwMDAvc3ZnIiB4bWxuczp4bGluaz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMTk5OS94bGluayIgeD0iMHB4IiB5PSIwcHgiIHdpZHRoPSIxNnB4IiBoZWlnaHQ9IjE2cHgiIHZpZXdCb3g9IjAgMCAxNiAxNiIgZW5hYmxlLWJhY2tncm91bmQ9Im5ldyAwIDAgMTYgMTYiIHhtbDpzcGFjZT0icHJlc2VydmUiPjxnPjxnPjxwYXRoIGZpbGw9IiNGRkZGRkYiIGQ9Ik04LjAwMSwxNS41QzMuODY0LDE1LjUsMC41LDEyLjEzNiwwLjUsOGMwLTQuMTM1LDMuMzY1LTcuNSw3LjUwMS03LjVTMTUuNSwzLjg2NCwxNS41LDhTMTIuMTM3LDE1LjUsOC4wMDEsMTUuNXoiLz48cGF0aCBmaWxsPSIjRDUyQjFFIiBkPSJNOC4wMDEsMUMxMS44NiwxLDE1LDQuMTQxLDE1LDhzLTMuMTM5LDctNi45OTksN0M0LjE0LDE1LDEsMTEuODU5LDEsOFM0LjE0LDEsOC4wMDEsMSBNOC4wMDEsMEMzLjU4MiwwLDAsMy41ODIsMCw4czMuNTgyLDgsOC4wMDEsOEMxMi40MTgsMTYsMTYsMTIuNDE4LDE2LDhTMTIuNDE4LDAsOC4wMDEsMEw4LjAwMSwweiIvPjwvZz48cGF0aCBmaWxsPSIjRDUyQjFFIiBkPSJNNi43NDUsMTIuNTg5Yy0wLjIyNywwLjEyMi0wLjQ5NywwLjI0Ny0wLjY4NCwwLjI0N2MtMC4zMTgsMC0wLjUwMS0wLjE2NC0wLjUwMS0wLjQ1MmMwLTAuMjA3LDAuMTQtMC4zNzUsMC41OTUtMC42MjJjMS41NDktMC45MDQsMi41OTQtMi4yNzIsMi41OTQtMy43MjFjMC0wLjgyNS0wLjIyNy0xLjExOS0wLjY4MS0xLjExOWMtMC4xMzUsMC0wLjMyLDAuMjE5LTAuNjM2LDAuMjE5SDcuMTU3QzYuMTAyLDcuMTQzLDUuMzMzLDYuMjY0LDUuMzMzLDUuMjNjMC0xLjE1MiwwLjk1OC0yLjAwNiwyLjI4LTIuMDA2YzEuNzc3LDAsMy4wNTMsMS4zNzMsMy4wNTMsMy40M0MxMC42NjYsOS4yMTUsOS4yMDMsMTEuMjcsNi43NDUsMTIuNTg5Ii8+PC9nPjwvc3ZnPg" style="border: 0px none!important;width: 16px!important;height: 16px!important;margin-left:1px !important;margin-right:1px !important;"></a></span><br></p>



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		<title>Identifikationslektüre für Zeitgenossen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Apr 2018 09:03:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Flüchtlinge]]></category>
		<category><![CDATA[Populismus]]></category>
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					<description><![CDATA[In Zeiten des "Wir/Sie"-Denkens möchte man sich beheimaten, entweder bei den einen oder bei den anderen. Dem entspricht im politischen Sachbuch ein Trend zum Erbaulichen, sowohl links wie rechts. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dropcap">W</span>arum lesen wir Sachbücher? Weil wir uns über einen Gegenstand informieren wollen, weil wir uns mit den Gedanken von anderen die Welt erschließen, und manchmal, weil wir einen historischen Resonanzraum brauchen. Doch manche Sachbücher, die in den letzten Jahren veröffentlicht wurden, sind anders, darunter:</p>
<ul>
<li>Herfried und Marina Münkler: <em>Die neuen Deutschen</em></li>
<li>Harald Welzer: <em>Wir sind die Mehrheit</em></li>
<li>Heribert Prantl <em>Gebrauchsanweisung für Populisten</em></li>
<li>Per Leo, Daniel-Pascal Zorn, Maximilian Steinbeis: <em>Mit Rechten reden</em></li>
<li>Erhard Eppler: <a href="http://www.deutschlandfunkkultur.de/erhard-eppler-trump-und-was-tun-wir-ueber-die-abschaffung.1270.de.html?dram:article_id=410944" target="_blank" rel="noopener"><em>Trump – und was tun wir?</em></a></li>
</ul>
<blockquote><p>Wir haben ein politisches Buch geschrieben, kein erbauliches.</p></blockquote>
<p>Herfried und Marina Münkler distanzieren sich in der Einleitung ihres Buchs vom Erbaulichen, gerade weil sie wissen, dass ihr Buch so gelesen werden kann, zumindest von denjenigen, die an eine offene Gesellschaft glauben.</p>
<p>Auch Ulrich Greiners Essay <a href="https://tell-review.de/unheilige-allianzen/" target="_blank" rel="noopener"><em>Heimatlos</em> </a>gehört in diese Kategorie, allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. Wer eine Heimat im Konservativen sucht, wird sich in diesem Büchlein geborgen fühlen. Und auch unter den Büchern des Antaios-Verlags findet sich Erbauungsliteratur – für rechts außen.</p>
<h3>Appell an die Gefühle</h3>
<p>Erbauungsliteratur ist Identifikationslektüre. Erbaulich wirkende Sachbücher sind symptomatisch für Zeiten der Verunsicherung und der Spaltung. Deutschland ist im Vergleich zu anderen westlichen Demokratien noch verhältnismäßig wenig gespalten: Immerhin haben nur knapp 13 Prozent AfD gewählt. Doch anderswo wurden Schicksalswahlen – wie Brexit, Trump oder die Schweizer Volksinitiative „Gegen Masseneinwanderung“ – äußerst knapp entschieden. Zeitgenosse sein heißt dazuzugehören, und in Zeiten der Spaltung heißt es: zu den einen zu gehören und nicht zu den anderen. Identifikationslektüre signalisiert ein Denken in den Kategorien von „Wir gegen sie“.</p>
<p>Kennzeichen der Erbauungsliteratur ist der Appell an Gefühle, auf beiden Seiten. Ulrich Greiner tut das in <em>Heimatlos</em> ganz offensiv: Bei seinem Konservativsein gehe es ihm um ein Lebensgefühl, nicht um eine politische Haltung, sagt er ausdrücklich. In <em>Wir sind die Mehrheit</em> stützt sich Harald Welzer zwar auf Argumente und Zahlen, doch letztlich appelliert auch er an unsere Gefühle. Im Gegensatz zu Greiner jammert Welzer nicht: Er haut mit der Faust auf den Tisch. Er ist empört über den Angriff auf die Demokratie von rechts, zugleich will er uns schon im Titel seiner Kampfschrift beruhigen: <em>Wir sind die Mehrheit</em>. Während die Rechten an die Angst appellieren, appellieren die Linken an die Zuversicht. Heribert Prantl schreibt am Ende seiner <em>Gebrauchsanweisung für Populisten</em> gar: &#8222;Es gibt eine Pflicht zur Zuversicht.&#8220;</p>
<h3>Linke Erbauungsliteratur</h3>
<p>Ich zähle mich in diesem Wir/Sie-Schema zu den Linken, und ich muss zugeben, dass mir der Appell an die Zuversicht guttut, ebenso die Passagen, in denen der deutsche Herbst des Jahres 2015 als Erfolgsgeschichte erzählt wird, wie bei Harald Welzer:</p>
<blockquote><p>Eine Gesellschaft gerät unter Stress, und die Bürgerinnen und Bürger überlegen nicht lange, sondern kommen spontan ihrer Verantwortung nach, organisieren praktische Hilfe, sammeln Kleider und Geld und machen darüber hinaus etwas ganz und gar Unglaubliches: Sie heißen die Ankommenden willkommen, demonstrativ, human, menschenfreundlich.</p></blockquote>
<p>Genau so habe ich es auch selbst erlebt, als im Dezember 2015 in der Turnhalle in meiner Straße im Prenzlauer Berg über Nacht 200 Flüchtlinge <a href="http://www.deutschlandfunkkultur.de/fluechtlinge-in-berlin-endlich-sind-sie-da.1005.de.html?dram:article_id=340400" target="_blank" rel="noopener">einquartiert</a> wurden. Trotzdem hatte ich fast vergessen, dass man es so sehen kann. Offenbar hat die Angst-Rhetorik von rechts außen auch mich erreicht.</p>
<p>Wie würde ich diese Bücher lesen, wenn ich auf der anderen Seite stünde? Diese Frage begleitet mich ständig, wenn ich „linke Erbauungsliteratur“ lese. Taugen diese Bücher zum Dialog zwischen dem Wir und dem Sie? Herfried und Marina Münkler haben mit <em>Die neuen Deutschen</em> ein politisch engagiertes Buch geschrieben, in ihrem Erzählen und Erklären bleiben sie jedoch betont sachlich. Auch Heribert Prantl verzichtet in seiner <em>Gebrauchsanweisung für Populisten</em> auf Freund-Feind-Rhetorik.</p>
<h3>Die Faust auf dem Stammtisch</h3>
<p>Harald Welzer geht in <em>Wir sind die Mehrheit</em> einen Schritt weiter. Er ist kein Elfenbeinturm-Wissenschaftler, sondern mischt sich ein. Mit seiner Stiftung <a href="https://futurzwei.org/" target="_blank" rel="noopener">„Futur Zwei“</a> und der <a href="https://www.die-offene-gesellschaft.de/" target="_blank" rel="noopener">„Initiative Offene Gesellschaft“</a> engagiert er sich für den politischen Wandel. Dies merkt man seiner Polemik an. Als rechte Leserin müsste ich mir die Anrede „Menschenfeind“ gefallen lassen und noch einiges mehr. „Ekelhaft, wirklich. Versagt in der ersten Prüfung. Sollte das Europa, das europäische Projekt sein?“, heißt es etwa über Europas Umgang mit den Flüchtlingen. Die Faust saust auf den Stammtisch, um den wir Leser so einig versammelt sitzen.</p>
<p>Genau darin besteht die Schwäche aller Erbauungsliteratur: Sie wendet sich an die Bekehrten. Ein politisches Buch dagegen will verändern, was es beschreibt, deshalb verwahren sich Herfried und Marina Münkler gegen das Erbauliche. Wenn ein Buch politisch wirken soll, muss es auch für Gegenseite lesbar sein. Womit noch lange nicht gesagt ist, ob die Gegenseite es überhaupt zur Kenntnis nehmen wird.</p>
<p>Harald Welzer bringt durchaus Argumente und Zahlen, mit denen sich die Gegenseite auseinandersetzen müsste. Er verweist etwa auf die Situation nach 1945 in der BRD: 8 Millionen Binnenflüchtlinge und 12 Millionen Flüchtlinge aus den verlorenen Ostgebieten, während in Europa bei der Flüchtlingskrise von 2015 auf 510 Millionen EU-Bürger nur 1 Million Flüchtlinge kommt. „Stellen Sie sich einen Saal vor, in dem 510 Menschen sind, und zwei oder drei kommen dazu.“ Welzer erinnert daran, dass „die Offene Gesellschaft“ (durchweg mit großem O geschrieben) „die zivilisierteste Form von Gesellschaft“ sei, die es in der Menschheitsgeschichte je gegeben habe.</p>
<blockquote><p>Ich und alle anderen meiner Generation, die das Glück hatten, im reichen Westen aufzuwachsen, haben ein halbes Jahrhundert lang auf das Prächtigste von all dem profitieren dürfen, was andere zuvor geschaffen haben.</p></blockquote>
<p>Das ist nicht neu, doch wir vergessen es jeden Tag aufs Neue. Es müsste die Rechten interessieren, dass sie den Dschihadisten ähnlich sind: Beide verachten Demokratie und Pluralismus, beide trennen die Menschen in Freund und Feind, sie operieren mit Angst, Manipulation und Ausgrenzung. Und sie brauchen einander.</p>
<blockquote><p>Sie bauen sich gegenseitig die Bühne, auf der sie sich dann als die Retter vor den jeweils anderen inszenieren können.</p></blockquote>
<h3>Dialog oder Herrschaft?</h3>
<p>In der Danksagung am Ende des Texts wendet sich Welzer an „unsere Offene-Gesellschaft-Gemeinde“. Die Formulierung ist verräterisch, sie passt zu gut zum predigenden Ton, als dass man sie als Unachtsamkeit durchgehen lassen dürfte. Geht es, bei allen Argumenten und Zahlen, also letztlich doch um Glaubenssätze? Um in sich geschlossene Weltbilder, die keinen Dialog zulassen? Er sei überzeugt, so Welzer, „dass man rechte Demokratiefeinde nicht mit Verständnis und Dialog bekämpfen kann, sondern nur mit Haltung, Konfliktbereitschaft, Eintreten für die Demokratie&#8220;. Geht es um Dialog oder um Herrschaft? Verständigen wir uns mit der Gegenseite über die Wirklichkeit, oder suchen wir nach Strategien, wie wir diese Gegenseite ausschalten? Erbauungsliteratur lebt vom Wir gegen Sie, und damit reproduziert sie die Spaltung, gegen die sie ankämpft. Auch wenn ich mich in diesem widerspruchsfreien Raum aufgehoben fühle und mich durch Zeilen nicke, es hat etwas von einer Notversorgung für die geschundene linke Seele. Wirkungsvoller jedoch ist eine politische Essayistik, die ihre Leserschaft auf produktive Weise verunsichert.</p>
<p><div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zu den Büchern</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"></div></div><br />
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><br />
Herfried und Marina Münkler<br />
<strong>Die neuen Deutschen</strong><br />
Ein Land vor seiner Zukunft<br />
Rowohlt 2016 · 336 Seiten · 19,95 Euro<br />
ISBN: 978-3-87134-167-0<br />
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<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><br />
Harald Welzer<br />
<strong>Wir sind die Mehrheit</strong><br />
Für eine Offene Gesellschaft<br />
S. Fischer 2017 · 128 Seiten · 8,00 Euro<br />
ISBN: 978-3-596-29915-7<br />
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<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><br />
Heribert Prantl<br />
<strong>Gebrauchsanweisung für Populisten</strong><br />
Ecowin 2017 · 64 Seiten · 14,00 Euro<br />
ISBN: 978-3-71100-130-6<br />
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<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><br />
Per Leo, Maximilian Steinbeis, Daniel-Pascal Zorn<br />
<strong>Mit Rechten reden</strong><br />
Ein Leitfaden<br />
Klett-Cotta 2017 · 183 Seiten · 14,00 Euro<br />
ISBN: 978-3-60896-181-2<br />
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<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><br />
Ulrich Greiner<br />
<strong>Heimatlos. Bekenntnisse eines Konservativen</strong><br />
Rowohlt Verlag 2017 · 160 Seiten · 19,95 Euro<br />
ISBN: 978-3-49802-536-6<br />
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<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><br />
Erhard Eppler<br />
<strong>Trump &#8211; und was tun wir? Der Antipolitiker und die Würde des Politischen</strong><br />
Dietz Verlag 2018 · 128 Seiten · 12,90 Euro<br />
ISBN: 978-3801205294<br />
Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="https://www.amazon.de/dp/3801205290/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow noopener">Amazon</a>, <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="https://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=9783801205294" target="_blank" rel="noopener">buecher.de</a><img decoding="async" style="display: none !important;" hidden="" src="https://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM --> oder im lokalen Buchhandel<br />
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<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="12744" data-permalink="https://tell-review.de/identifikationslektuere-fuer-zeitgenossen/41na-teufbl-_sx327_bo1204203200_/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/41nA-teUfBL._SX327_BO1204203200_.jpg?fit=329%2C499&amp;ssl=1" data-orig-size="329,499" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="41nA-teUfBL._SX327_BO1,204,203,200_" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/41nA-teUfBL._SX327_BO1204203200_.jpg?fit=329%2C499&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/41nA-teUfBL._SX327_BO1204203200_.jpg?resize=198%2C300&#038;ssl=1" alt="" width="198" height="300" class="alignleft size-medium wp-image-12744" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/41nA-teUfBL._SX327_BO1204203200_.jpg?resize=198%2C300&amp;ssl=1 198w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/41nA-teUfBL._SX327_BO1204203200_.jpg?resize=53%2C80&amp;ssl=1 53w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/41nA-teUfBL._SX327_BO1204203200_.jpg?resize=300%2C455&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/04/41nA-teUfBL._SX327_BO1204203200_.jpg?w=329&amp;ssl=1 329w" sizes="auto, (max-width: 198px) 100vw, 198px" /></div></div></div></p>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
<hr />
<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br />
Beitragsbild: William Henry Fox Talbot, "Die Lektüre", 1841<br />
(ImageZeno.org, ID number 20001905376) [Public domain], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Talbot,_William_Henry_Fox_-_%C2%BBDie_Lekt%C3%BCre%C2%AB_(Zeno_Fotografie).jpg">via Wikimedia Commons</a><br />
Buchcover: Verlage</h6>
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		<title>Von Arschlöchern und Opfern</title>
		<link>https://tell-review.de/von-arschloechern-und-opfern/</link>
					<comments>https://tell-review.de/von-arschloechern-und-opfern/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Oct 2017 12:10:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Rechte]]></category>
		<category><![CDATA[Populismus]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=11277</guid>

					<description><![CDATA[Eine spannende Diskussion gestern im LCB: Per Leo und Wolfgang Ullrich analysieren die Beschädigungen des öffentlichen Diskurses durch die Fundamentalopposition der Rechten. tell hat mitgeschrieben.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">Was heißt es heute, konservativ zu sein? Warum fühlen sich Intellektuelle von diesem Denken angezogen, und wo liegt die Grenze zum Rechtspopulismus? Mit diesen Fragen setzt sich tell in einer Reihe von Beiträgen auseinander.</p>
<p>Bisher erschienen:</p>
<ul>
<li><a href="http://tell-review.de/wider-die-verhunzung-des-konservatismus/" target="_blank" rel="noopener">Wider die Verhunzung des Konservatismus</a>. <a href="http://tell-review.de/author/herwig-finkeldey/" target="_blank" rel="noopener">Herwig Finkeldey</a> zur politischen Entwicklung von Thomas Mann</li>
<li><a href="http://tell-review.de/unheilige-allianzen/" target="_blank" rel="noopener">Unheilige Allianzen</a>. <a href="http://tell-review.de/author/hartmut-finkeldey/" target="_blank" rel="noopener">Hartmut Finkeldey</a> über Ulrich Greiners Buch <em>Heimatlos</em></li>
<li><a href="http://tell-review.de/berechtigte-sorgen-oder-angstmacherei/" target="_blank" rel="noopener">Berechtigte Sorgen oder Angstmacherei? </a>Eine Debatte über Ulrich Greiners <em>Heimatlos</em></li>
</ul>
<p></div></div><br />
<span class="dropcap">B</span>ei der Rede der Neuen Rechten gehe es nicht um das Was, sondern das Wie, so Per Leo, Mitverfasser des Bandes <em>Mit Rechten reden. </em>Die Essenz dieser neu-rechten Rede sei nicht rechtes Gedankengut, sondern ein Bedrohungspopanz. Dabei oszillieren die Rechten zwischen der Rolle als Arschloch und als Opfer. In der Arschloch-Attitüde stören sie den herrschenden Diskurs, mit dem Opferstatus immunisieren sie sich gegen Kritik.</p>
<p>Das Wie des rechten Redens besteht in polemischen Sprachspielen: die Herstellung von Freund-Feind-Konstellationen, gezielte Unterstellungen und Provokation. Diese Taktiken leben vom reflexhaften Widerspruch der Gegenseite.</p>
<p>Empfohlenes Gegengift? Mit den Rechten über nicht-rechte Themen reden, also Taten fordern statt Worten. Und Gelassenheit. Statt eines Aufschreis ein freundliches Nachfragen: „Wie meinen Sie denn das, Herr Gauland, mit dem Entsorgen?“</p>
<p>Bekennen sei kein Handeln, so der Historiker Wolfgang Ullrich, der Autor von <em>Wahre Meisterwerte. </em>Mit dem Bekenntnis zu irgendwelchen schwammigen Werten werde eine Moralkulisse aufgebaut, die von den eigentlichen Debatten ablenke. Werte sind keine Realität, sie müssen geschaffen und inszeniert werden, genau das macht sie so attraktiv. Ullrich sieht die Gesellschaft in zwei Klassen gespalten: eine Werte-Aristokratie, die ihre Werte ausdrücken und zur Schau stellen kann, und den stummen Rest, der sich nicht darstellen kann und deshalb nicht gesehen wird.</p>
<p>Vielleicht sind gar nicht die Rechten das Hauptproblem, so schwante einem an diesem anregenden Abend, sondern „die intellektuell ausgebluteten Linken“ (Per Leo). Sie haben den aufwühlenden Narrativen von Heimat und Wertzerfall nichts Attraktives entgegenzusetzen. Währenddessen besetzen die rechten Intellektuellen von Schnellroda ehemals linke Themen: Sie sind heute die Avantgarde der Kapitalismus-Kritik, paradoxerweise in Verbindung mit neo-liberalem Gedankengut.</p>
<p>(Ein Mitschnitt des Gesprächs wird am 8. Oktober von 0.05 bis 1:00 Uhr auf Deutschlandfunk Kultur gesendet.)<br />
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"><br />
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><br />
Per Leo, Maximilian Steinbeis, Daniel-Pascal Zorn<br />
<strong>Mit Rechten reden. Ein Leitfaden</strong><br />
Klett-Cotta 2017 · 183 Seiten · 14 Euro<br />
ISBN: 978-3608961812<br />
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</div></div><br />
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="11282" data-permalink="https://tell-review.de/von-arschloechern-und-opfern/cover_per-leo/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/10/Cover_Per-Leo.jpg?fit=1800%2C2952&amp;ssl=1" data-orig-size="1800,2952" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover_Per Leo" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/10/Cover_Per-Leo.jpg?fit=628%2C1030&amp;ssl=1" class="alignleft size-medium wp-image-11282" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/10/Cover_Per-Leo-183x300.jpg?resize=183%2C300" alt="" width="183" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/10/Cover_Per-Leo.jpg?resize=183%2C300&amp;ssl=1 183w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/10/Cover_Per-Leo.jpg?resize=49%2C80&amp;ssl=1 49w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/10/Cover_Per-Leo.jpg?resize=768%2C1260&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/10/Cover_Per-Leo.jpg?resize=628%2C1030&amp;ssl=1 628w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/10/Cover_Per-Leo.jpg?resize=1300%2C2132&amp;ssl=1 1300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/10/Cover_Per-Leo.jpg?resize=300%2C492&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/10/Cover_Per-Leo.jpg?w=1800&amp;ssl=1 1800w" sizes="auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px" /></div></div></div><br />
</div></div><br />
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"><br />
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><br />
Wolfgang Ullrich<br />
<strong>Wahre Meisterwerte. Stilkritik einer neuen Erkenntniskultur</strong><br />
Wagenbach 2017 · 176 Seiten · 18 Euro<br />
ISBN: 978-3803136688<br />
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</div></div><br />
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="11284" data-permalink="https://tell-review.de/von-arschloechern-und-opfern/cover_meisterwerte/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/10/Cover_Meisterwerte.jpg?fit=280%2C445&amp;ssl=1" data-orig-size="280,445" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover_Meisterwerte" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/10/Cover_Meisterwerte.jpg?fit=280%2C445&amp;ssl=1" class="alignleft size-medium wp-image-11284" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/10/Cover_Meisterwerte-189x300.jpg?resize=189%2C300" alt="" width="189" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/10/Cover_Meisterwerte.jpg?resize=189%2C300&amp;ssl=1 189w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/10/Cover_Meisterwerte.jpg?resize=50%2C80&amp;ssl=1 50w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/10/Cover_Meisterwerte.jpg?w=280&amp;ssl=1 280w" sizes="auto, (max-width: 189px) 100vw, 189px" /></div></div></div><br />
</div></div></p>
<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br />
Von Sieglinde Geisel</h6>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
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