<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Nachkriegszeit &#8211; tell</title>
	<atom:link href="https://tell-review.de/tag/nachkriegszeit/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://tell-review.de</link>
	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
	<lastBuildDate>Mon, 08 Oct 2018 07:44:10 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	

<image>
	<url>https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/02/cropped-favicon_tell-1.png?fit=32%2C32&#038;ssl=1</url>
	<title>Nachkriegszeit &#8211; tell</title>
	<link>https://tell-review.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
<site xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">108311450</site>	<item>
		<title>Wow oder Geil oder Toll oder so</title>
		<link>https://tell-review.de/wow-oder-geil-oder-toll-oder-so/</link>
					<comments>https://tell-review.de/wow-oder-geil-oder-toll-oder-so/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Oct 2018 07:44:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Belletristik]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Nachkriegszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Siebziger]]></category>
		<category><![CDATA[Tonio Kröger]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://tell-review.de/?p=13881</guid>

					<description><![CDATA[In seinem Debütroman erzählt Dirk Knipphals von den Irrtümern eines jugendlichen Lesers. Zugleich ist „Der Wellenreiter“ das abgründige Porträt einer vermeintlich heilen Welt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dropcap">D</span>irk Knipphals, Literaturredakteur der taz, hat mit <em>Der Wellenreiter</em> seinen ersten Roman vorgelegt. Er erzählt, autobiografisch angelehnt, in losen Kapiteln und ganz ohne knalligen Plot von einer Jugend in einem Vorort von Kiel, einer Jugend in den hellen, sozial-liberalen Jahren des vergangenen Jahrtausends, also in einer Zeit, in der man bequem und abgesichert leben und alle Aufregung dem Fernsehen überlassen konnte.</p>
<h3>Das Leben infrage stellen<em><br />
</em></h3>
<p><em>Der Wellenreiter</em> ist zugleich eine Coming-of-age-Geschichte und ein Roman über Literaturleidenschaft, ein Roman sowohl über das Leben als auch dessen literarische Verarbeitung. Und über die Rolle, die diese Verarbeitung wiederum im Leben des Stotterers Albert Schwingholz spielt. Albert geht zur Schule, hat Freunde, ist unglücklich verliebt, liest viel und möchte natürlich „Schriftsteller werden“. Und er hat Eltern. Also lauter Probleme – und die geht er mit Hilfe der Bücher an.</p>
<p>Beide Eltern sind Lehrer, der Vater ein Altphilologe mit einer Bücherwand, die wie ein Panzer wirkt. „Bei mir steht das, was bleibt“, sagt er seinem Sohn. Gegenwartsliteratur, die das eigene Leben in Frage stellen könnte, lehnt er ab. Albert möchte aber genau das: das Leben, den Vorort, die Koordinaten in Frage stellen. Deswegen liest er Gegenwartsliteratur.</p>
<p>Eine Novelle hat es Albert besonders angetan: In <em>Tonio Kröger</em> von Thomas Mann sieht er sich und seine Umwelt gespiegelt. Der Außenseiter und die „flache Unbedeutendheit“. Er selbst als Tonio Kröger, seine Mitschüler als Hans Hansen und Erwin Jimmerthal (der bei Knipphals aus unerfindlichen Gründen zu Jimmersen wird).</p>
<h3>Falsche Fährten</h3>
<p>Das Literarisieren des eigenen Lebens erweist sich schnell als Irrtum, der Albert teuer zu stehen kommt. Er missversteht die Freundlichkeit seiner Klassenkameradin Karin Michaelsen und ist fortan unglücklich verliebt.</p>
<blockquote><p>Albert war böse auf die Bücher. So viel sie ihm bis dahin erzählt haben – vor der großen Täuschung hatten sie ihn nicht bewahrt.</p></blockquote>
<p>Auch bei seinem „Hans Hansen“, der Sportskanone Martin, der das Wellenreiten so gut beherrscht, haben ihn seine Bücher auf die falsche Fährte gelockt. Martin wird nach einem Unfall, den er beim Wellenreiten auf Sylt erleidet und der ihn lange ans Bett fesselt, zum Schriftsteller.</p>
<p>Im abschließenden Brief an Karin Michaelsen, die der Provinzenge längst entflohen ist, schreibt Albert über Tonio Krögers Irrtum, der auch sein eigener gewesen war:</p>
<blockquote><p>Ich wollte mich entschuldigen dafür, dass ich damals geglaubt habe, nur mein eigenes Leben wäre schwierig und die anderen Leben wären einfach, dein Leben und Martins Leben zum Beispiel.</p></blockquote>
<h3>Die Toten leben noch</h3>
<p>Sein größter Irrtum jedoch betrifft seinen Vater. Denn neben der Ordnung der gesicherten Bildung gibt es in der Bücherwand eine ungeordnete Ecke mit Kriegs- und Tagebüchern. Dort ist auch die Erinnerung an den Bruder des Vaters einsortiert, Alberts Onkel, der als Soldat in Russland fiel.</p>
<blockquote><p>Albert hatte der gefallene Bruder geheißen. Der Vater hatte durchgesetzt, seinen Sohn nach ihm zu nennen. Wenn Albert allein in der Wohnung war, blätterte er hin und wieder in diesen Kriegsbüchern, aufgeregt, immer bereit, die Bände schnell zurückzustellen und einen unverfänglichen Klassiker in den Händen zu halten [&#8230;].</p></blockquote>
<p>Die hellen sozial-liberalen Jahre waren dunkel grundiert, die Toten lebten noch. Die Passagen über den gefallenen Onkel gehören zu den stärksten dieses stillen Romans.</p>
<p>Diese Zeit wirkt auf Albert Schwingholz ein, sie ist gewissermaßen der Katalysator seiner Entwicklung. Und doch ist es noch ein weiter Weg bis zu seinem ersten Buch. In der Stammkneipe der Schüler fragt ihn ein naseweiser Älterer, wie er wohl einen Orgasmus beschreiben würde. Er wolle doch Schriftsteller werden, oder? Albert, ein Schriftsteller noch ganz ohne Oeuvre, bleibt die Antwort schuldig.</p>
<h3>Zwischen den Zeilen</h3>
<p>Doch eines weiß er schon früh: Literatur soll das Leben ausdrücken, die Sehnsucht nach den großen Momenten und auch diese Momente selbst, etwa die der Trauer. Das Außergewöhnliche aber steht zwischen den Zeilen. Felix ebenfalls ein Wellenreiter, also eine eigentlich unliterarische „Hans Hansen“-Figur, sagt es in seinen „Wellenreiterworten“:</p>
<blockquote><p>Über das Eigentliche, also wenn die Welle kommt, kannst du auch wenig sagen, außer Wow oder Geil oder Toll oder so. Aber über das Davor und dann das Gefühl hinterher, wenn du ganz durchgefroren bist, aber auch irgendwie glücklich – darüber kannst du quatschen, bis der Arzt kommt.</p></blockquote>
<p>Dirk Knipphals‘ Roman quatscht nur selten „bis der Arzt kommt“. Er erzählt still und genau von einer Jugend in einer Zeit, die nur vordergründig harmlos und sorgenfrei gewesen ist.</p>
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px"><div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">Dirk Knipphals<strong><br />
Der Wellenreiter</strong><br />
Roman<br />
Rowohlt Verlag 2018 · 346 Seiten · 22 Euro<br />
ISBN: 978-3-7371-00205<br />
Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="https://www.amazon.de/dp/3737100209/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow noopener">Amazon</a>, <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="https://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=9783737100205" target="_blank" rel="noopener">buecher.de</a><img decoding="async" style="display: none !important;" hidden="" src="https://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM --> oder im lokalen Buchhandel</div></div><div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><a href="https://www.amazon.de/dp/3737100209/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;nofollow noopener&quot;" target="_blank" rel="noopener"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" data-attachment-id="13887" data-permalink="https://tell-review.de/wow-oder-geil-oder-toll-oder-so/cover_knipphals_wellenreiter/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/10/Cover_Knipphals_Wellenreiter.jpg?fit=500%2C820&amp;ssl=1" data-orig-size="500,820" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover_Knipphals_Wellenreiter" data-image-description="&lt;p&gt;Dirk Knipphals: Der Wellenreiter&lt;br /&gt;
Roman, Rowohlt 2018&lt;br /&gt;
Buchcover&lt;/p&gt;
" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/10/Cover_Knipphals_Wellenreiter.jpg?fit=500%2C820&amp;ssl=1" class="aligncenter wp-image-13887 size-medium" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/10/Cover_Knipphals_Wellenreiter.jpg?resize=183%2C300&#038;ssl=1" alt="" width="183" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/10/Cover_Knipphals_Wellenreiter.jpg?resize=183%2C300&amp;ssl=1 183w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/10/Cover_Knipphals_Wellenreiter.jpg?resize=49%2C80&amp;ssl=1 49w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/10/Cover_Knipphals_Wellenreiter.jpg?resize=300%2C492&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/10/Cover_Knipphals_Wellenreiter.jpg?w=500&amp;ssl=1 500w" sizes="(max-width: 183px) 100vw, 183px" /></a></div></div></div></div></div>
<hr />
<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis<br />
Beitragsbild: 2010 Mavericks surfing competition.<br />
Von Shalom Jacobovitz (SJ1_8558) [<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0">CC BY-SA 2.0 </a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:2010_mavericks_competition.jpg">via Wikimedia Commons</a> (bearbeitet)<br />
Coverbild: Rowohlt Verlag</h6>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://tell-review.de/wow-oder-geil-oder-toll-oder-so/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">13881</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Aufbruch in den Nachkrieg</title>
		<link>https://tell-review.de/aufbruch-in-den-nachkrieg/</link>
					<comments>https://tell-review.de/aufbruch-in-den-nachkrieg/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anselm Bühling]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 17 Dec 2016 10:33:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Lektüretipps]]></category>
		<category><![CDATA[Rubriken]]></category>
		<category><![CDATA[1968]]></category>
		<category><![CDATA[Drogen]]></category>
		<category><![CDATA[Gudrun Ensslin]]></category>
		<category><![CDATA[Nachkriegszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Psychiatrie]]></category>
		<category><![CDATA[RAF]]></category>
		<category><![CDATA[Westdeutschland]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=6080</guid>

					<description><![CDATA[Bernward Vespers Buch „Die Reise“ sollte ursprünglich „Der Trip“ heißen. Vesper hat den Romanessay unter LSD-Einfluss geschrieben und erkundet rauschhaft das eigene Bewusstsein. Dabei entsteht auch ein hellsichtiges Porträt der bis zum Bersten gespannten westdeutschen Gesellschaft in den sechziger Jahren.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">In unseren Lektüretipps weisen wir auf Bücher hin, die uns begeistert, erschüttert, erheitert haben: Klassiker, Entdeckungen, Kuriositäten.</div></div>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" data-attachment-id="6082" data-permalink="https://tell-review.de/aufbruch-in-den-nachkrieg/978-3-499-15097-5/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/978-3-499-15097-5.jpg?fit=416%2C690&amp;ssl=1" data-orig-size="416,690" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="978-3-499-15097-5" data-image-description="&lt;p&gt;Rowohlt Verlag&lt;br /&gt;
http://www.rowohlt.de/taschenbuch/bernward-vesper-die-reise.html&lt;/p&gt;
" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/978-3-499-15097-5.jpg?fit=416%2C690&amp;ssl=1" class="aligncenter size-medium wp-image-6082" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/978-3-499-15097-5-181x300.jpg?resize=181%2C300" alt="" width="181" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/978-3-499-15097-5.jpg?resize=181%2C300&amp;ssl=1 181w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/978-3-499-15097-5.jpg?resize=48%2C80&amp;ssl=1 48w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/978-3-499-15097-5.jpg?resize=300%2C498&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/978-3-499-15097-5.jpg?w=416&amp;ssl=1 416w" sizes="(max-width: 181px) 100vw, 181px" /></p>
<blockquote><p>Es klingelte ununterbrochen, zwei Uhr nachts, als ich öffnete, stand Petra im Schnee. ‚Ich kann nicht mit Dir in einer Stadt wohnen‘, sagte sie. ‚Bist Du verrückt geworden? Das Haus schläft.‘ ‚Früher bist Du nie so früh schlafen gegangen‘, sagte sie. ‚Bitte tu mir den Gefallen, geh jetzt‘, sagte ich und öffnete die Tür. Der Eiswind fegte über meine nackten Füße. Da ging sie.</p></blockquote>
<p><span class="dropcap">D</span>er hier nach der verlorenen Zeit sucht ist Bernward Vesper, geboren 1938 als Sohn des nationalsozialistischen Dichters Will Vesper. Seine Freundin Gudrun Ensslin hat ihn für Andreas Baader verlassen und sitzt als Kaufhausbrandstifterin im Gefängnis. Vesper hat einen Sohn mit ihr. Während er fieberhaft tippt, spielt das Kind im Zimmer und versucht, die Aufmerksamkeit des Vaters zu erregen.</p>
<p>Der Romanessay, der so entsteht, soll <em>Der Trip</em> heißen. Oder <em>Hass</em>. Beide Arbeitstitel verweisen auf das, was ihn vorantreibt. Vesper schreibt teilweise unter dem Einfluss von LSD. Alles, was ihm durch den Kopf geht, wird zu Text – von der unmittelbaren Umgebung über Erinnerungen bis zur Politik. Der Spiegel des Bewusstseins zerspringt.</p>
<p>In den Splittern zeigt sich das vielschichtige Bild eines Lebens, das sich nicht fügen kann. Nicht in das nationalsozialistische Elternhaus. Nicht in eine angepasste Existenz in der jungen Bundesrepublik. Und nicht in die revolutionäre Konsequenz der politischen Avantgarde.</p>
<p>Ich kenne kein Buch, das eindringlicher vermittelt, in welchem Zustand sich die Gesellschaft im Westdeutschland der sechziger Jahre befindet: Sie ist zum Bersten gespannt, und in ihrer sorgsam renovierten Fassade zeigen sich immer mehr Risse. Vesper verkörpert viele Widersprüche und Konflikte in sich selbst: Er streitet erbittert mit seinem Vater über die nationalsozialistischen Verbrechen – und er versucht, dessen Werke zu publizieren, um ihn als Dichter wieder gesellschaftsfähig zu machen. Er ist autoritär erzogen und hat einen unstillbaren Drang nach Befreiung. Er ist geprägt vom Einfluss der amerikanischen Popkultur und misstraut ihr doch. Er hat Sehnsucht nach der kleinen, intimen Idylle. Aber er teilt auch das Gefühl seiner Generation, mit allen Mitteln die Welt retten zu müssen. Indem er sich in den schärfsten Gegensatz zu seinem Vater stellt, ist er ihm zugleich am nächsten.</p>
<blockquote><p><em>1968 aufbruch in den haß</em></p>
[&#8230;]
<p>vielleicht kommt eine periode, wo wir cool genug sind, haß macht blind, wir machen fehler, aber wir sind kaputte [menschen] maschinen, die denjenigen treibstoff brauchen, der sie überhaupt noch in betrieb hält</p></blockquote>
<p>notiert er auf einer Karteikarte. Das Manuskript wird nie fertig. 1971 wird Vesper in die Psychiatrie eingeliefert, wo er sich wenige Monate später das Leben nimmt. Die Spannungen, an denen er zugrunde gegangen ist, wirken in Deutschland bis heute nach. In <em>Die Reise</em> kann man viel darüber erfahren.</p>
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">
Bernward Vesper<br />
<strong>Die Reise</strong><br />
Romanessay (Ausgabe letzter Hand)<br />
Rowohlt Taschenbuch Verlag · 720 Seiten · 12,99 Euro<br />
ISBN: 978-3499150975<br />
Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="http://www.amazon.de/dp/3499150972/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow">Amazon</a> oder <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="http://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=9783499150975" target="_blank">buecher.de</a><img loading="lazy" decoding="async" class="nwvmsolbolsbcyjnaaig ihwphhikacryebcwcrua" src="http://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM --><br />
</div></div>
<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis:</em><br />
<em> Beitragsbild: Von Ali Limonadi (Eigenes Werk) [<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0">CC BY-SA 3.0</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ADas_Abonnement.jpg">via Wikimedia Commons</a> (Plakat zum Film „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Abonnement" target="_blank">Das Abonnement</a>“, hier bearbeitet)</em><br />
<em> Buchcover: <a href="http://www.rowohlt.de/taschenbuch/bernward-vesper-die-reise.html" target="_blank">Rowohlt Taschenbuch Verlag</a></em></h6>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://tell-review.de/aufbruch-in-den-nachkrieg/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">6080</post-id>	</item>
	</channel>
</rss>
