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	<title>Musik &#8211; tell</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
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	<title>Musik &#8211; tell</title>
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		<title>Das Verschwinden festhalten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Frank Hahn]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Nov 2017 13:31:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Belletristik]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Fotografie]]></category>
		<category><![CDATA[Intertextualität]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
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					<description><![CDATA[Cécile Wajsbrot spannt in ihrem Roman <em>Eclipse</em> ein feines Netz von Verweisen. Fotografie, Songs und Texte erhellen einander und bringen im allmählichen Erscheinen und Verlöschen das Unsichtbare in uns zum Vorschein.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dropcap">C</span>écile Wajsbrots Roman <em>Eclipse</em> ist Teil eines vierbändigen Zyklus zur zeitgenössischen Kunst. In diesem Band geht es um Fotografie und Songs. „Total eclipse of my heart“, der Song von Bonnie Tyler ist nur einer von mehreren möglichen Namensgebern für den Titel des Romans. Doch am Anfang steht eine andere „Verfinsterung“: die atomare Verwüstung Hiroshimas, die nur ein einziger Ginkgo-Baum überlebt. Damit setzt die Autorin einen von vielen Themensträngen, die sich durch das ganze Buch ziehen: die Wüste und der Baum des Überlebens.</p>
<p>Was haben die Wüste oder die Verwüstung, was hat das Überleben mit der Fotografie zu tun? Die Ich-Erzählerin ist Fotografin, sie hätte gern ihr endgültiges Foto in Hiroshima aufgenommen. Doch wie das Verschwinden und das Überleben im Foto festhalten? „Du hast nichts gesehen in Hiroshima“ – wenn man Cécile Wajsbrots Texte kennt, würde man dieses Zitat erwarten, in dem Marguerite Duras die Schwierigkeit der Zeugenschaft benennt. <span class="pull-left">Was also zeigt ein Foto, was verbirgt es? Was sehen wir, wenn wir nichts sehen?</span>Doch stattdessen erscheint 140 Seiten später der Satz „Nichts kann vom Desaster zeugen“.</p>
<p>Zunächst aber schwenkt der Text von Hiroshima nach Paris, und zwar zur Beschreibung der ersten Fotografie von Louis Daguerre, auf der fast nichts zu sehen ist: ein breiter Boulevard ohne Menschen und Fuhrwerke. Paris nach einer nuklearen Katastrophe? Zeigt das Foto die Vergangenheit oder die Zukunft? So fragt sich die Fotografin. Doch zur Zeit der ersten Fotografie war die lichtempfindliche Platte noch nicht in der Lage, Bewegung abzubilden, und deswegen sieht man nichts außer der Straße und den Häuserfassaden. Was also zeigt ein Foto, was verbirgt es? Was sehen wir, wenn wir nichts sehen? Diese Fragen, die mal implizit, mal explizit den Auftakt des Buches bilden, scheinen den Leser zunächst auf die Spur eines Essays zur Ästhetik zu führen.</p>
<h3>Das Unsichtbare in uns</h3>
<p>Dann jedoch beginnt eine Geschichte: Die Ich-Erzählerin hört ein Lied von Leonard Cohen, das sie an ihren ehemaligen Geliebten erinnert. Wir erfahren, dass es sich um einen ungarischen Dichter handelt. Doch sogleich wird der Fortgang der Geschichte wieder unterbrochen von eingestreuten Überlegungen zur Erinnerung und Wahrnehmung, und in dem beständigen Wechsel zwischen Erzählung und Essay taucht ein weiterer Themenstrang auf, der das Buch durchwebt: Was unterscheidet Fotografie und Songs hinsichtlich der Wahrnehmung von Zeit und Bewegung? Die Fotografin hat lange versucht, Gesichter zu fotografieren, ihren Ausdruck einzufangen. Doch in seiner Unbeweglichkeit und Erstarrung kann das Bild das Entscheidende nicht zeigen: „Ein Gesicht wird sichtbar durch den Prozess des allmählichen Erscheinens und Verlöschens.“ Zu dieser Erkenntnis gelangt die Fotografin durch das Hören der Musik:</p>
<blockquote><p>&#8230;ein Lied richtet sich an das Unsichtbare in uns … es lassen sich verschwommene Konturen erkennen, die im Raum schweben wie die Stimme Leonard Cohens.</p></blockquote>
<p>Die Dinge aus ihrer Erstarrung lösen – mithilfe der Musik und einer Begegnung im Café findet die Fotografin einen neuen Weg in ihrer künstlerischen Tätigkeit. Von einem Gast des Cafés – er wird später ihr Liebhaber – nimmt sie eine Serie von Bildern auf, die ihn von hinten zeigen, wie er eine Straße hinuntergeht. Sie fotografiert sein Verschwinden. Angeregt dazu wird sie durch die Musik:</p>
<blockquote><p>Ich hatte es für möglich gehalten, das Leben erstarren zu lassen, es wie ein Bild zu fixieren, doch das Lied, das meine Erinnerungen entfachte, bedeutete mir, dass sich mein Leben noch immer in Bewegung befand.</p></blockquote>
<p>Und so erlebt die Protagonistin beim Hören der Lieder von Leonhard Cohen, Joan Baez, Bob Dylan, Sinéad O’Connor, Amy Winehouse, Bruce Springsteen und vielen anderen jeweils eine Stimme, „die sich aus der Tiefe der Zeit erhebt und sich an das Unsichtbare in uns richtet“. Lieder seien wie Briefe, die unbeantwortet blieben und die an jedermann gerichtet seien. Jedes Kapitel von <em>Eclipse</em> trägt als Überschrift den Titel eines Songs, und jeder Song verweist wiederum auf andere Songs und Werke der Literatur. So lässt sich das ganze Buch als ein parataktisch verlaufender Strom gegenseitiger Verweise zwischen Songs und Büchern, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Zerstören, Verschwinden und Überleben lesen, als Verweise zwischen Einsamkeit und Erinnerung beim Hören von Liedern und Texten. „So führt ein Werk zum anderen, eine Kunst zur anderen“, räsoniert die Protagonistin. In einer „Welt der Ungewissheiten, der verhüllten Wirklichkeit“, wie es die Fotografin hinter dem Vorhang eines nicht endenden Regens im Winter erlebt, bleibt vielleicht „nur“ das Zitat oder das Verweisen des Einen auf das Andere.</p>
<h3>Motive in Variationen</h3>
<p>Die Autorin schüttet ein Füllhorn an assoziativen Verweisen aus – von Bruce Springsteen zu John Steinbeck, von Sinéad O‘Connor zu William Butler Yeats, von den Walkabouts zu Paul Bowles. Exemplarisch ist auch Cécile Wajsbrots Art des Schreibens: ein zartes Aneinandertupfen von Sätzen, die zunächst oft als überraschende Sprünge über Zeiten und Räume hinweg erscheinen. So zum Beispiel bei den Verweisen zwischen Yeats und O‘Connor:</p>
<blockquote><p>Heute werde ich die Verse von Yeats‘ Gedicht aufsagen, das den Titel trägt <em>No second Troy</em>. Dezember 1908, Yeats, verbrannt nach einer einzigen Liebesnacht mit jener Frau, die für die Unabhängigkeit Irlands eingetreten war. Eine einzige Nacht, hatte sie gesagt. Sie hieß Maud Gonne, aber Yeats gab ihr den Namen Helena von Troja. Jene, die den Krieg auslöste, so wie Maud ihn gern im Namen der Freiheit ausgelöst hätte. Eine Schönheit, wie sie heutzutage nicht mehr existiert, sagt er, ein Geist, wie er heute nicht mehr existiert……..Gemeinsam erstehen sein Gedicht und das Lied von Sinéad O’Connor aus den Ruinen von Troja auf….Er sagt: <em>Was there another Troy for her to burn</em>? Und Sinéad O’Connor antwortet: <em>There is no other Troy for me to burn</em>. Ich lausche ihrem Dialog durch das 20.Jahrhundert, 1908 – 1987, und füge das Kodizill des 21.Jahrhunderts hinzu. Am besten überleben die Ruinen von Troja.</p></blockquote>
<p>Bei wiederholtem Lesen des Buches zeigt sich ein beinah talmudisch anmutendes Gewebe, in dem sich der Text immer wieder selbst neu zitiert und auf sich verweist. Oder wie ein langes Lied, in dem bestimmte Motive in Variationen je neu auftauchen. Die Wüste und das Überleben – beide Motive des Beginns klingen wie eine Tonfolge durch den Text hindurch wieder und wieder an. Die Protagonistin erlebt die ungarische Sprache ihres ehemaligen Geliebten als Wüste, O’Connors Klage im Lied <em>Troy</em> ist ein „Schrei in der Wüste“, im Lied <em>Travels in the Dustland</em> von den Walkabouts verwüstet die Dürre der 30er Jahre das amerikanische Farmland, Menschen müssen fliehen vor der Trockenheit, auf der Route 66, bevor sie zur mythischen Straße des Rock ’n‘ Roll wurde. An dieser Straße scheint auch das gleichnamige Album der Walkabouts geboren: „Ein aus der Wüste hervorgegangenes Album, das die Wüste durchreist, die Wüste der Hoffnungen, der Gefühle“.</p>
<h3>Geäst, Fächer und Netz</h3>
<p>Eines Tages hört die Protagonistin ein Lied von Françoise Hardy über einen verwüsteten Garten – die Frage der Rückkehr und des Überlebens von Bäumen (und Menschen) in der Wüste taucht erneut auf:</p>
<blockquote><p>Ich bin in den Park zurückgekehrt. Zum ersten Mal habe ich die kahlen Bäume und ihr Wesen, ihre Präsenz gesehen. &#8230; Ich habe ihre flehenden Äste gesehen, die wie Hände zum Himmel gereckt waren, Hände, die versuchen, sich der Last der Stämme und der Wurzeln zu entreißen, ich habe ihre Trauerzweige gesehen, die sich unter des Last des Lebens und des Schicksals beugten. Und ich habe die Harmonie gesehen, das Gleichgewicht der Proportionen und Formen zwischen dem Stamm und dem Geäst, die perfekte Linie, den ergreifenden Fächer, die komplexen Netze, die verzweigter sind als Straßen und Flüsse, Hauptäste, Nebenäste, die auseinanderdriften und sich emporstrecken, wobei zwar jeder versucht, höher zu steigen, aber doch zu einem Ganzen gehört … fern von den komplizierten Herzen der Menschen, näher an der Ausrichtung, dem Aufschwung zu einem Anderswo.</p></blockquote>
<p>Auch der Text selbst erscheint als solch ein feines Geäst, als Fächer und Netz, in dem er Brüche und Katastrophen überlebt. Die Fülle an Verweisen und intertextuellen Zitaten ist so reich, dass man bei jedem Wiederlesen einen neuen Text vor sich zu haben meint. Und dies nicht nur wegen des fortlaufenden Changierens zwischen ästhetischem Essay und poetischer Erzählung. Ist der Text selbst jene „Stimme aus der Tiefe der Zeit, die sich an das Unsichtbare in uns richtet“? Cécile Wajsbrot versteht es, ihre Leser mit leisen Tönen am Geheimnisvollen teilhaben zu lassen.</p>
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">
Cécile Wajsbrot<br />
<strong>Eclipse</strong><br />
Roman · Aus dem Französischen von Nathalie Mälzer<br />
Matthes &amp; Seitz 2016 · 232 Seiten · 19,90 Euro<br />
ISBN: 978-3-95757-263-9<br />
Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="http://www.amazon.de/dp/3957572630/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow noopener">Amazon</a>, <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="http://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=9783957572639" target="_blank" rel="noopener">buecher.de</a><img decoding="async" style="display: none !important;" hidden="" src="http://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM --> oder im lokalen Buchhandel<br />
</div></div>
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><a href="http://www.amazon.de/dp/3957572630/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" data-attachment-id="11518" data-permalink="https://tell-review.de/das-verschwinden-festhalten/cover_wajsbrot_eclipse/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/11/Cover_Wajsbrot_Eclipse.jpg?fit=160%2C265&amp;ssl=1" data-orig-size="160,265" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover_Wajsbrot_Eclipse" data-image-description="&lt;p&gt;Cécile Wajsbrot: Eclipse&lt;br /&gt;
Matthes &amp;#038; Seitz 2016&lt;br /&gt;
Buchcover&lt;/p&gt;
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</div></div>
<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis:</em><br />
<em> Beitragsbild: Sonnenfinsternis am 15. Januar 2010 in Jinan (Volksrepublik China)</em><br />
<em> Von A013231 (Eigenes Werk) [<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0">CC BY-SA 3.0</a> or <a href="http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html">GFDL</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ASolar_annular_eclipse_of_January_15%2C_2010_in_Jinan%2CRepublic_of_China.JPG">via Wikimedia Commons</a></em><br />
<em> Buchcover: <a href="http://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/eclipse.html" target="_blank" rel="noopener">Matthes &amp; Seitz</a></em></h6>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
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		<title>Lyrics</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Tomas Bächli]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Nov 2016 09:23:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Der blaue Engel]]></category>
		<category><![CDATA[Die Winterreise]]></category>
		<category><![CDATA[Franz Schubert]]></category>
		<category><![CDATA[Liedtexte]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrics]]></category>
		<category><![CDATA[Marlene Dietrich]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Tristan und Isolde]]></category>
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					<description><![CDATA[Es gibt Texte, die sich dafür eignen, vertont zu werden. Doch das müssen keineswegs die besten oder berühmtesten Gedichte sein. Ein kurzer Versuch über die Beziehung zwischen Text und Musik.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dropcap">M</span>it dem Literaturnobelpreis an Bob Dylan ist das Phänomen des Liedtexts ins Zentrum der literaturkritischen Aufmerksamkeit gerückt. Es gibt Texte, die sich dafür eignen, vertont zu werden. Doch das müssen keineswegs die besten oder berühmtesten Gedichte sein. Nicht immer reflektieren die Klänge direkt die vertonten Worte, denn nur selten verläuft die Beziehung zwischen Wort und Musik synchron. Oft ist es nur eine einzige Textzeile, die eine Atmosphäre heraufbeschwört, eine Stimmung, die sich dann über das ganze Lied ausbreitet.</p>
<p>Dazu drei Beispiele aus verschiedenen Musiksparten.</p>
<h4>1.</h4>
<a href="https://tell-review.de/lyrics/"><img decoding="async" alt="YouTube Video" consent-original-src-_="https://tell-review.de/wp-content/plugins/wp-youtube-lyte/lyteCache.php?origThumbUrl=https%3A%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2FiJETtWr47PY%2Fhqdefault.jpg" consent-required="104322" consent-by="services" consent-id="104323"></a><br /><br /></p>
<blockquote><p>Das Mädchen sprach von Liebe, die Mutter gar von Eh.</p></blockquote>
<p>Wilhelm Müller war ein bemerkenswerter politischer Dichter. Aber ohne Schuberts Vertonungen wäre er heute wohl vergessen. „Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus“ – dieser erste Satz der <em>Winterreise</em> hat sich in unser Bewusstsein eingegraben. Die folgende Zeile von der Liebe und der Ehe beschreibt die Situation des Erzählers. Für ihn zählt nicht nur die Liebe als eine autonome, grenzüberschreitende Gefühlsaufwallung, sondern auch die Sehnsucht dazuzugehören, Teil der Gesellschaft zu sein. Die Träume sind klein, doch die Verzweiflung über ihr Scheitern ist bodenlos.</p>
<h4>2.</h4>
<a href="https://tell-review.de/lyrics/"><img decoding="async" alt="YouTube Video" consent-original-src-_="https://tell-review.de/wp-content/plugins/wp-youtube-lyte/lyteCache.php?origThumbUrl=https%3A%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2F8gAo2aR_tUw%2Fhqdefault.jpg" consent-required="104322" consent-by="services" consent-id="104323"></a><br /><br /></p>
<blockquote><p>Männer umschwirr‘n mich wie Motten um das Licht<br />
Wenn sie verbrennen, dafür kann ich nicht.</p></blockquote>
<p>Man muss schon heftig berlinern, um diesen Satz grammatikalisch durchgehen zu lassen. Genau darin liegt seine Komik: Ausgerechnet die femme fatale redet in einem ausgeprägt lokalen Idiom. Die Künstlerin Lola Lola, die diese Verse zum plüschigen Sound eines langsamen „english waltz“ singt, ist kein Wesen von einem anderen Stern, sondern genauso spießig wie alle anderen Charaktere in <em>Der blaue Engel</em>. Sie kann „halt lieben nur, und sonst gar nichts“. Von Friedrich Holländers Lied – er hat sowohl die Musik als auch den Text geschrieben – hat nur der Refrain überlebt, an den Rest erinnert sich kaum jemand.</p>
<h4>3.</h4>
<a href="https://tell-review.de/lyrics/"><img decoding="async" alt="YouTube Video" consent-original-src-_="https://tell-review.de/wp-content/plugins/wp-youtube-lyte/lyteCache.php?origThumbUrl=https%3A%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2Fpg_EHUGRgos%2Fhqdefault.jpg" consent-required="104322" consent-by="services" consent-id="104323"></a><br /><br /></p>
<blockquote><p>Ertrinken<br />
Versinken<br />
Unbewusst<br />
Höchste Lust</p></blockquote>
<p>Auch bei <em>Tristan und Isolde</em> sind Dichter und Komponist dieselbe Person. Als Theaterfachmann wusste Richard Wagner, dass nicht die ersten Sätze einer Figur im Gedächtnis haften bleiben, sondern die letzten. Diese Worte singt Isolde beim Liebestod unmittelbar nach dem dynamischen Höhepunkt über das verklingende Orchester hinweg. Bei „Höchste Lust“ springt die Singstimme im Pianissimo aufwärts, der Zielton schwebt in der Quinte über dem Grundton. Isolde stirbt, die Oper ist zu Ende. In dieser Musik hat die Epoche der Romantik einen Schlusspunkt gefunden. Zugleich hat Wagner ein Klang-Symbol geschaffen, das die Zeiten überdauert.</p>
<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis:</em><br />
<em> Beitragsbild: Franz Schubert, Die Winterreise, 1. Gute Nacht. Autograph, <a href="http://corsair.themorgan.org/cgi-bin/Pwebrecon.cgi?BBID=115668" target="_blank" rel="noopener">The Morgan Library &amp; Museum</a> (bearbeitet).<br />
</em></h6>
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		<title>Erik Satie: Gymnopédie No.3</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Tomas Bächli]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Mar 2016 22:10:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Satie]]></category>
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					<description><![CDATA[Sie ist jung, schön, erfolgreich und einsam. Trost findet die Trompeterin in der dritten Gymnopédie von Erik Satie. Welcher clevere Arrangeur wohl hat Saties Klavierstück so opulent orchestriert und überdies noch ein paar dezente Geigenstimmen hinzugefügt? Auch den Namen des [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><div class="su-youtube su-u-responsive-media-yes"><iframe width="600" height="400" frameborder="0" allowfullscreen allow="autoplay; encrypted-media; picture-in-picture" title="" consent-original-src-_="https://www.youtube.com/embed/cQE4c3MjjRg?" consent-required="104322" consent-by="services" consent-id="104323" consent-click-original-src-_="https://www.youtube.com/embed/cQE4c3MjjRg?autoplay=1"></iframe></div>
<p><span class="dropcap">S</span>ie ist jung, schön, erfolgreich und einsam. Trost findet die Trompeterin in der dritten Gymnopédie von Erik Satie.<span id="more-408"></span> Welcher clevere Arrangeur wohl hat Saties Klavierstück so opulent orchestriert und überdies noch ein paar dezente Geigenstimmen hinzugefügt?</p>
<p>Auch den Namen des Dirigenten erfahren wir nicht. Er hat die wichtigste Nebenrolle in diesem Video und vollzieht in den zweieinhalb Minuten eine stupende charakterliche Entwicklung. Von <b>0:23 bis 0:47</b> ist er eine lahme Ente: Nicht an Können mangelt es ihm, sondern an Pep. Doch die Emotionalität der Solistin zieht ihn mit. Schon bei <b>0:57</b> erleben wir einen Mann, der aus sich herauskommt. Bei <b>1:22</b> reißt die Trompeterin das Steuer an sich und demonstriert dem Kapellmeister mit einer entschiedenen Geste, wie man einen Akzent setzt. Dass er lernfähig ist, beweist uns <b>1:32</b>.</p>
<p>Die Noten übrigens, die bei <b>0:35</b> eingeblendet werden, zeigen ein anderes Stück – ein Verfremdungseffekt für den <i>connaisseur</i>.</p>
<p>Hier die Gymnopédie Nr. 3 im Original:</p>
<div class="su-audio" data-id="su_audio_player_6a28acfd3d875" data-audio="http://tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Satie-Gymnopedie.mp3" data-swf="https://tell-review.de/wp-content/plugins/shortcodes-ultimate/vendor/jplayer/jplayer.swf" data-autoplay="no" data-loop="no" style=""><div id="su_audio_player_6a28acfd3d875" class="jp-jplayer"></div><div id="su_audio_player_6a28acfd3d875_container" class="jp-audio"><div class="jp-type-single"><div class="jp-gui jp-interface"><div class="jp-controls"><span class="jp-play"></span><span class="jp-pause"></span><span class="jp-stop"></span><span class="jp-mute"></span><span class="jp-unmute"></span><span class="jp-volume-max"></span></div><div class="jp-progress"><div class="jp-seek-bar"><div class="jp-play-bar"></div></div></div><div class="jp-volume-bar"><div class="jp-volume-bar-value"></div></div><div class="jp-current-time"></div><div class="jp-duration"></div></div><div class="jp-title"></div></div></div></div>
(Interpretation: Tomas Bächli)</p>
<p style="text-align: right;"><em>Bildnachweis: By Sonia y natalia (Own work) [<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0">CC BY-SA 3.0</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ASatie-erik-4ff9d0bde1749.jpg">via Wikimedia Commons</a></em></p>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
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