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	<title>ILP 2017 &#8211; tell</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
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	<title>ILP 2017 &#8211; tell</title>
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		<title>6x Internationale Literatur &#8211; die Shortlist</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Frank Heibert]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 May 2017 11:50:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Rubriken]]></category>
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		<category><![CDATA[ILP 2017]]></category>
		<category><![CDATA[Internationaler Literaturpreis]]></category>
		<category><![CDATA[Shortlist]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Übersetzer Frank Heibert ist Jury-Mitglied des diesjährigen Internationalen Literaturpreises. In einer kommentierten Liste stellt er die nominierten Titel vor.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dropcap">D</span>er Internationale Literaturpreis ist ein Preis der Neugier – auf Stimmen, die aus anderen Lebenswelten erzählen. In einer Zeit, in der zunehmend um Fakten und Faktencheck gestritten wird, haben Auskünfte, die uns fiktionale Verdichtungen geben können, einen besonderen Wert. Daher lautet das Motto des Preisfests am 6. Juli: „Reclaim your fictions!“</p>
<p>Am 6. Juli werden im Haus der Kulturen der Welt die <a href="http://www.hkw.de/de/programm/projekte/2017/internationaler_literaturpreis_2017/shortlist_2017/shortlist2017.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">sechs Titel der Shortlist</a> vorgestellt: in klassischen Autorenlesungen, Podiumsdiskussionen, Arbeitsgesprächen und Shared Readings. Anschließend findet die Preisverleihung an das von der Jury ermittelte Team aus Autor/Autorin und Übersetzer/Übersetzerin statt.</p>
<p>Weitere Informationen auf <a href="https://www.hkw.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.hkw.de</a> und im Blog <a href="http://www.epitext.hkw.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.epitext.hkw.de</a></p>
<hr />
<h3>I</h3>
<h3>Der Tod backt einen Geburtstagskuchen</h3>
<h3>يصنع كعكة عيد الميلاد</h3>
<h4>Hamed Abboud | Larissa Bender</h4>
<blockquote><p>Wer von euch ohne Sünde ist, der bewerfe die Vergangenheit mit einem Stein und komme her, gegürtet mit Respekt und wohlriechendem Atem. Oder er möge dort bleiben mit jenen, die auf direktem Weg ins Paradies kommen – ohne Abstecher in die Hölle.</p></blockquote>
<p>16 Prosa-Miniaturen eines jungen syrischen Dichters, die aus dem unmittelbaren Erleben von Krieg und Flucht entstanden sind und gewissermaßen noch dampfen. Hamed Abboud beschreibt die grausame, absurde Verwüstung des Landes und der Seele mit einer poetischen Sprache, die sich dagegen wehrt, dem Krieg ebenso zum Opfer zu fallen. Larissa Bender bringt den deutschen Lesern die Energie dieser Texte nahe: Wut, Verzweiflung, schwarzer Humor. Der Verlag druckt das Original mit ab, das in Syrien nicht erscheinen könnte. So ist es auch für die arabischsprachigen Geflüchteten bei uns zugänglich.</p>
<p>edition pudelundpinscher, März 2017 (zweisprachige Originalausgabe)<br />
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<hr />
<h3>II</h3>
<h3>Die letzten Tage des Comandante</h3>
<h4>Alberto Barrera Tyszka | Matthias Strobel</h4>
<blockquote><p>Beatriz hatte schon immer gesagt, dass die Probleme des Landes nur auf eine Art zu lösen seien. Sie setzte den Zeigefinger auf die Stirn: mit einer Kugel. Nur eine Kugel, genau hier. Der größte Fehler der jüngeren Geschichte sei es gewesen, Chávez nicht rechtzeitig zu töten.</p></blockquote>
<p>Eine Gesellschaft im Griff des charismatischen Demagogen Hugo Chávez, der nicht mehr lange zu leben hat: Jeder muss Position beziehen, ob Anhänger, Skeptiker, Zyniker oder Unbeteiligter. Familien und Freundschaften zerfallen, das Alltagsleben steht unter permanentem Druck und kippt ins Absurde. Eine grelle und darunter tief ernste Politfarce aus Venezuela, in der Tradition des lateinamerikanischen Diktatorenromans, die von der Wirklichkeit geradezu gespenstisch fortgeschrieben wurde. Matthias Strobel hat die psychologischen Nuancen dieses multiperspektivischen Romans wirkungssicher ins Deutsche gebracht.</p>
<p>Nagel &amp; Kimche, August 2016<br />
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Spanischer Originaltitel: <em>Patria o muerte</em>, erschienen bei Tusquets Editores, November 2015</p>
<hr />
<h3>III</h3>
<h3>Die Vegetarierin</h3>
<h4>Han Kang| Ki-Hyang Lee</h4>
<blockquote><p>Alles war perfekt. Genau so, wie er es gezeichnet hatte. Seine rote Blume öffnete und schloss sich über dem Mongolenfleck der jungen Frau. Wie ein großer Blütenstempel glitt sein Glied in ihren Körper hinein und wieder hinaus. Er zitterte, so zwiespältig war diese Vereinigung. Abstoßende und überwältigend schöne Bilder zugleich. Jedes Mal, wenn er die Augen schloss, sah er den grünen, klebrigen Pflanzensaft vor sich, der sich über sein Glied, seinen Bauch und seine Schenkel verteilte.</p></blockquote>
<p>Yong-Gye, eine unscheinbare Ehefrau, will plötzlich kein Fleisch mehr essen. Schon das genügt in Südkorea, um das Familiengefüge ins Wanken zu bringen. In drei eskalierenden Abschnitten schildert die südkoreanische Autorin Han Kang dies als gesellschaftliche Subversion (in der Stimme des empörten angepassten Gatten), als erotisches Kunstprojekt (aus der Perspektive des Schwagers, eines erfolglosen Performancekünstlers) und als psychiatrisches Drama zum Tode (aus der Sicht der überforderten Schwester, die hilflos dabei zusehen muss, wie Yong-Gye zu einer Pflanze werden will). Die Übersetzerin Ki-Hyang Lee hat die drei Stimmen im Deutschen subtil ausgestaltet: Der Konflikt zwischen Konformismus und Verweigerung, der unter der stoischen Oberfläche brodelt, ist in der Sprache als stets lauernde Spannung spürbar.</p>
<p>Aufbau Verlag, August 2016<br />
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Koreanischer Originaltitel: 채식주의자, erschienen bei Ch&#8217;angbi, 2007</p>
<hr />
<h3>IV</h3>
<h3>Ministerium für öffentliche Erregung</h3>
<h4>Amanda Lee Koe | Zoë Beck</h4>
<blockquote><p>Du pflügtest dich durch die Jungs und suchtest nach etwas, das dich auf der Stelle haltmachen lassen würde, aber sie waren alle so unreif. Bis dahin musstest du den Verlauf der Zeit auf deinen Armen markieren, so wie Höhlenmenschen, vier vertikale Linien, eine horizontale darüber, zum besseren Zählen.</p></blockquote>
<p>In Singapur schlägt das Aufeinandertreffen von verschiedenen Kulturen, von Tradition und Moderne, Arm und Reich überraschende Funken. Figuren aus allen Winkeln der Gesellschaft werden in knapper, rasanter Sprache in ihren Begegnungen begleitet, seien es Hausmädchen vom Land, Hexen, Filmstars oder Transsexuelle. Jede dieser Erzählungen ist ein neuer Mikrokosmos in einer Weltstadt unter Dauerspannung. Zoë Becks Übersetzung findet für jede einen eigenen Ton.</p>
<p>CulturBooks Verlag, Oktober 2016<br />
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Englischer Originaltitel: <em>Ministry of Moral Panic</em>, erschienen bei Epigram Books, 2013</p>
<hr />
<h3>V – Tram 83</h3>
<h4>Fiston Mwanza Mujila | Katharina Meyer und Lena Müller</h4>
<blockquote><p>Lucien nervte das ganze <em>Tram 83</em> mit seinen hohlen Phrasen, kritzelte heuchlerisch auf Zetteln herum, anstatt uns die Wahrheit ins Gesicht zu sagen, und war den Mädchen gegenüber träge. Lucien war uns lästig. Er trieb es zu weit. Was nützte es, überall den Intellektuellen zu geben, wenn die Gleichung doch dieselbe blieb? Der Weg zu Wahrheit und Ehrlichkeit führt über Straßen voller Müll, Hundehaufen, Lügen, Netzentlastungen und Überschwemmungen, warum also glaubte er steif und fest, dass eine Welt möglich war?</p></blockquote>
<p>Das Afrika der Großstädte ist ein Hexenkessel: Sex, Geld, Drogen, Jazz. Das <em>Tram 83,</em> zugleich Kaschemme, Disco und Bordell, ist das dreckige Kraftzentrum in diesem episodischen Schelmenroman von Fiston Mwanza Mujila. Der aus dem Kongo stammende Autor schickt seine beiden Hauptfiguren durch das Gewusel: den korrupten Kleingangster und Großmacho Requiem und seinen Sidekick, den verkrachten Dichter Lucien. Die Sprache ist ein Feuerwerk, rhythmisch zuckend zwischen poetisch-erhaben, ironisch-verklausuliert und saftig-schnoddrig. Die Übersetzerinnen Katharina Meyer und Lena Müller beschenken uns mit vielen Bildern, Volten und Späßen, die auf dem Weg über das Französische das Afrika von Fiston Mwanza Mujila ins Deutsche bringen.</p>
<p>Paul Zsolnay Verlag, Juli 2016<br />
In der Buchhandlung Ihres Vertrauens (oder bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="http://www.amazon.de/dp/3552057978/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow noopener noreferrer">Amazon</a>, <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="http://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=9783552057975" target="_blank" rel="noopener noreferrer">buecher.de</a><img decoding="async" class="ehmssuzdbtygzoufiixb usntenhhptdtyhrkzdvg nzmlrojbkqgloilhdcca kilfnrshbpzbjodrqore vgtchyklqszuwsuygvfy apupsfphzrmaxvplbwne" src="http://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM -->)<br />
Französischer Originaltitel: <em>Tram 83</em>, erschienen bei Éditions Métailié, 2014</p>
<hr />
<h3>VI</h3>
<h3>Mordor kommt und frisst uns auf</h3>
<h4>Ziemowit Szczerek | Thomas Weiler</h4>
<blockquote><p>Die polnischen Polen stürzten sich auf die Köder der ukrainischen Polen wie ein Schwarm junger Fische. Es genügte schon, dass so ein Lemberger Pole ankam, ein bisschen vom Lwów der Vorkriegszeit erzählte, den <em>Marsch der Kinder von Lwów</em> trällerte und Dialekt vortäuschte, „a joj, sollt ihr sich filn als wie dahejm, is jo auch die ejer Stadt“, schon schwammen die polnischen Polen in Tränen, gänzlich aufgelöst, geplättet, wie vom Auto überrollt, schon schluchzten sie und schnieften, griffen zu den Brieftaschen, kauften Stadtpläne, Führer und mieteten Wohnungen.</p></blockquote>
<p>Ein Road-Movie durch den wilden Osten, der zur Mitte Europas gehört: Der polnische Journalist Ziemowit Szczerek geht auf Entdeckungsreise in die Ukraine. Unter der Oberfläche von Billigzimmern, Partylaune, Suff und Puff brechen ernstere Fragen auf: Wo ist die „slawische Seele“ in dieser Welt, deren ostjüdische und sowjetische Sedimente überall spürbar sind – und wo steht sie im heutigen Europa? Die Haltung des Erzählers ist mal punkig, mal cool und eröffnet uns einen gönnerhaften polnischen Blick auf die weniger entwickelten Cousins im Osten. Thomas Weilers treffsicherer, ruppig-frecher Sound macht die Schilderung der Spritztouren über die Grenze zu einer spannenden Lektüre über eine Region im Schatten der Geschichte.</p>
<p>Voland &amp; Quist, März 2017<br />
In der Buchhandlung Ihres Vertrauens (oder bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="http://www.amazon.de/dp/3863911725/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow noopener noreferrer">Amazon</a>, <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="http://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=9783863911720" target="_blank" rel="noopener noreferrer">buecher.de</a><img decoding="async" class="ehmssuzdbtygzoufiixb usntenhhptdtyhrkzdvg nzmlrojbkqgloilhdcca kilfnrshbpzbjodrqore vgtchyklqszuwsuygvfy apupsfphzrmaxvplbwne" src="http://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM -->)<br />
Polnischer Originaltitel: <em>Przyjdzie Mordor i nas zje, czyli Tajna historia Słowian</em>, erschienen bei Ha!art, 2013</p>
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