<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Georg Heym &#8211; tell</title>
	<atom:link href="https://tell-review.de/tag/georg-heym/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://tell-review.de</link>
	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
	<lastBuildDate>Fri, 02 Feb 2018 00:26:58 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	

<image>
	<url>https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/02/cropped-favicon_tell-1.png?fit=32%2C32&#038;ssl=1</url>
	<title>Georg Heym &#8211; tell</title>
	<link>https://tell-review.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
<site xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">108311450</site>	<item>
		<title>Vers für Vers 1: Vom Meckern und Schweigen der Weltgeschichte</title>
		<link>https://tell-review.de/vom-meckern-und-schweigen-der-weltgeschichte/</link>
					<comments>https://tell-review.de/vom-meckern-und-schweigen-der-weltgeschichte/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Hartmut Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Jun 2016 10:11:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Vers für Vers]]></category>
		<category><![CDATA[Georg Heym]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=2949</guid>

					<description><![CDATA[Auf dem Weg zur Guillotine ist Robespierre, der aus den Feuern der Revolution den neuen Menschen schmieden wollte, auf seinen Körper reduziert. Es gibt nichts mehr zu sagen. In Georg Heyms Sonett <em>Robespierre</em> geht es um Sprachlosigkeit. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><em>Einmal im Monat wird hier ein Gedicht vorgestellt, reflektiert, gelobt, kritisiert. Berühmte und zu Unrecht vergessene, alte und nicht ganz so alte – durchweg Gedichte, die etwas sagen, was man anders nicht sagen kann.</em></div></div>
<p><em>Georg Heym</em></p>
<h4>Robespierre</h4>
<p>Er meckert vor sich hin. Die Augen starren<br />
ins Wagenstroh. Der Mund kaut weissen Schleim.<br />
Er zieht ihn schluckend durch die Backen ein.<br />
Sein Fuß hängt nackt heraus durch zwei der Sparren.</p>
<p>Bei jedem Wagenstoß fliegt er nach oben.<br />
Der Arme Ketten rasseln dann wie Schellen.<br />
Man hört der Kinder frohes Lachen gellen,<br />
Die ihre Mütter aus der Menge hoben.</p>
<p>Man kitzelt ihn am Bein, er merkt es nicht.<br />
Da hält der Wagen. Er sieht auf und schaut<br />
Am Straßenende schwarz das Hochgericht.</p>
<p>Die aschengraue Stirn wird schweißbetaut.<br />
Der Mund verzerrt sich furchtbar im Gesicht.<br />
Man harrt des Schreis. Doch hört man keinen Laut.</p>
<p><span class="dropcap">D</span>as Sonett, ob bei Petrarca, bei Shakespeare, bei Goethe oder bei den Romantikern, hat seit eh und je über Liebe und ihre individuelle Vergänglichkeit gesprochen – das deutsche Barocksonett, in dem sich auch Zeitkritisch-Allgemeines ausdrückte, war eine Ausnahme. Erst mit Baudelaire etablierte sich die Verschiebung, klassische Stilmittel kollidieren zu lassen mit nicht-klassischen Motiven: Huren, Aas, Säufer in Sonettform.</p>
<p>Der Berliner Frühexpressionist Georg Heym (1887-1912), konsequenter Baudelaire- und Rimbaud-Bewunderer, wählt als Form ein romantisch variiertes Petrarca-Sonett: zwei ungleich gereimte Quartette, zwei Terzette, 5-hebiger Jambus. In diesem Medium des Liebesgedichts entscheidet er sich für ein geschichtliches Thema, und was für eines! Es geht um nichts Geringeres als das geschichtliche Ereignis Europas und der Welt überhaupt – jene Revolution, die zusammen mit der industriellen die Transformation Europas in die Moderne einleitete.</p>
<div id="attachment_2971" style="width: 228px" class="wp-caption alignright"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2971" data-attachment-id="2971" data-permalink="https://tell-review.de/vom-meckern-und-schweigen-der-weltgeschichte/georg_heym/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Georg_Heym.jpg?fit=377%2C520&amp;ssl=1" data-orig-size="377,520" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;Picasa 3.0&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Georg_Heym" data-image-description="&lt;p&gt;Gemeinfrei via Wikimedia Commons&lt;br /&gt;
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Georg_Heym.jpg&lt;/p&gt;
" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Georg_Heym.jpg?fit=377%2C520&amp;ssl=1" class="wp-image-2971 size-medium" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Georg_Heym-218x300.jpg?resize=218%2C300" alt="Georg_Heym" width="218" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Georg_Heym.jpg?resize=218%2C300&amp;ssl=1 218w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Georg_Heym.jpg?resize=58%2C80&amp;ssl=1 58w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Georg_Heym.jpg?resize=300%2C414&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/Georg_Heym.jpg?w=377&amp;ssl=1 377w" sizes="(max-width: 218px) 100vw, 218px" /><p id="caption-attachment-2971" class="wp-caption-text">Georg Heym</p></div>
<p>Georg Heym war von der französischen Revolution ungeheuer beeindruckt und hat sie literarisch mehrfach thematisiert. Seine Sympathien sind – merkwürdig genug für einen wilhelminischen Bürgersohn und Corpsstudenten, cand. jur. und Beinahe-Fahnenjunker – zunächst auf Seiten der „Jacobinermütze“, ohne die er sich „nicht denken kann“. Heym war dabei nicht an Kritik und politischen Konzepten interessiert (im Gegensatz zum politisch wachen Herausgeber der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Aktion" target="_blank"><em>Aktion</em></a>, Franz Pfemfert), eher daran, sich rauschhaft als Akteur der Geschichte zu erleben. Und damit war er unter den Expressionisten nicht allein. Berlin, damals eine faszinierende, verlogene Mixtur aus Industrie, Verbrechen, nationalistischem Bürgertum und Wilhelminischem Eklektizismus, war der ideale Ort für diese literarische Bewegung. Der Expressionismus war so unfertig wie seine Stadt, wusste genau, was er nicht wollte – wilhelminische Spießigkeit –, aber Gegenkonzepte waren rar. „Unsere Krankheit ist unsere Maske. Unsere Krankheit ist unsere grenzenlose Langeweile“ heißt es in <em>Eine Fratze</em>, ein paar Zeilen weiter beschwört Heym dann einen diffusen „Heroismus“, Gott weiß, wofür. Heym ist 1912 gestorben, gut denkbar, dass er 1914 mit ausgerückt wäre – wie Benn, wie Stadler, wie Marc, wie Macke, wer noch – begeistert, oder zumindest doch fasziniert von der Aussicht, das eigene Lebensgefühl per Weltgeschichte zu steigern. Genau diese diffuse Mixtur aus Kritik am Bestehenden und einer Sehnsucht, die sich nicht in Worte fassen lässt, macht auch Heyms <em>Robespierre</em> aus.</p>
<p><span class="pull-left">Schmerzensschreie sind irrelevant bei jemandem, der sich dem Konzept verschrieben hat, Vernunft qua <em>terreur</em> durchzusetzen.</span>Sein Gedicht ist historisch falsch, wie Heym gewusst haben dürfte. Es unterschlägt die 21 Jakobiner, die Robespierres Schicksal teilten. Diesem wurde bei der Verhaftung der Kiefer zerschossen – ob ein missglückter Selbstmordversuch vorlag oder ob einer der Häscher schoss, ist bis heute offen. Er konnte nur noch stöhnen. Als der Henker ihm den Verband grob vom Kiefer reißt, stößt er, stößt sein Körper noch einen Schmerzensschrei aus, kurz darauf fällt das Beil.</p>
<p>Zugleich schildert Heyms Sonett Robespierres Hinrichtung innerlich akkurat. Robespierre konnte all das nicht mehr tun, worauf sich seine politische Macht, die Revolution, der neue Mensch stützten: Er konnte nicht mehr sprechen, erklären, anklagen, mobilisieren, nur noch Laute absondern – Heym nennt es „meckern“. Einer der begnadetsten politischen Redner der französischen Geschichte war sprachlos im präzisen Sinn des Wortes. Robespierre, der – eiskalt oder mit eisernen Nerven – qua Vernunft agierte und aus den Feuern der Revolution den neuen Menschen schmieden wollte, ist reduziert auf seinen Körper, seinen Schmerz, seine Kontingenz, seine Individualität, die sich schon in Auflösung befindet. Es gibt nichts mehr zu sagen.</p>
<div id="attachment_2973" style="width: 778px" class="wp-caption aligncenter"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2973" data-attachment-id="2973" data-permalink="https://tell-review.de/vom-meckern-und-schweigen-der-weltgeschichte/960px-berthault_-_verhaftung_des_robespierre/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/960px-Berthault_-_Verhaftung_des_Robespierre.jpg?fit=960%2C768&amp;ssl=1" data-orig-size="960,768" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="960px-Berthault_-_Verhaftung_des_Robespierre" data-image-description="&lt;p&gt;Die Verhaftung des Robespierre&lt;br /&gt;
Gemeinfrei via Wikimedia Commons&lt;br /&gt;
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Berthault_-_Verhaftung_des_Robespierre.jpg&lt;/p&gt;
" data-image-caption="&lt;p&gt;Die Verhaftung des Robespierre&lt;/p&gt;
" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/960px-Berthault_-_Verhaftung_des_Robespierre.jpg?fit=900%2C720&amp;ssl=1" class="wp-image-2973 size-medium_large" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/960px-Berthault_-_Verhaftung_des_Robespierre-768x614.jpg?resize=768%2C614" alt="Die Verhaftung des Robespierre" width="768" height="614" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/960px-Berthault_-_Verhaftung_des_Robespierre.jpg?resize=768%2C614&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/960px-Berthault_-_Verhaftung_des_Robespierre.jpg?resize=80%2C64&amp;ssl=1 80w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/960px-Berthault_-_Verhaftung_des_Robespierre.jpg?resize=300%2C240&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/960px-Berthault_-_Verhaftung_des_Robespierre.jpg?w=960&amp;ssl=1 960w" sizes="(max-width: 768px) 100vw, 768px" /><p id="caption-attachment-2973" class="wp-caption-text">Die Verhaftung des Robespierre</p></div>
<p>Um diese Sprachlosigkeit geht es im Gedicht. Sprachlosigkeit ist Machtlosigkeit. Er, dessen Reden vor kurzem noch Danton aufs Schafott schickten, muss sich jetzt vom Volk verhöhnen lassen. Von eben jenem Volk, dessen Glück, dessen Befreiung er sich mit aller Gewalt verschrieben hat und das seine Hinrichtung johlend zur Kenntnis nimmt wie die Louis des XVI., Marie Antoinettes, Dantons, Vergniauds („Die Revolution frisst, Saturn gleich, ihre eigenen Kinder“). Die Unschuld selbst verhöhnt ihn in Gestalt von Kindern; wie in einer Posse werden Tugend und Vernunft abgekitzelt und merken es nicht einmal mehr. Er will noch reden, will sich noch erklären – jedoch: „Der Mund verzerrt sich furchtbar im Gesicht.“ Er kann nicht mehr, der Körper besiegt die Idee. Der historisch verbürgte Schrei bleibt bei Heym aus. Das ist literarisch konsequent: Schmerzensschreie sind irrelevant bei jemandem, der sich dem Konzept verschrieben hat, Vernunft, also Freiheit und Menschlichkeit, qua <em>terreur</em> durchzusetzen. Das meckernde Verenden Robespierres, das ist auch das meckernde Verenden des Intellektuellen und seiner durchdachten Welt. Denn die Welt wollte und will nicht so wie er. Niemand trauert um ihn, keine Lucile, nirgends. Nur das Pöbelpack johlt wie immer. Dann bleibt es still.</p>
<p>Ist das Ausbleiben des Schreis als letzter, stummer Appell der Vernunft zu verstehen? Gibt Heym dem Gescheiterten literarisch einen Rest an Würde? Und ist in Heyms Gedicht dann auch ein Kommentar zu sehen zu einem der schönsten Gedichte der europäischen Literatur, zu Baudelaires <em>Albatros</em>?</p>
<blockquote><p>der einst so schön, was ist er lächerlich (…)<br />
Verbannt am Boden, ausgeschrieen vom Volke<br />
Hemmt seinen Schritt der Riesenflügel Fracht</p></blockquote>
<p>Auch Baudelaires Albatros schweigt, weil es da unten beim frechen Volk nichts mehr zu sagen, nichts mehr zu fliegen gibt.</p>
<p>Wäre Heyms Sonett dann auch eines über ihn selbst, über seine Generation, die weiß, dass sie mehr will, aber an ihren diffusen Visionen scheitert? Und somit eines über uns – oder sind unsere Träume inzwischen klüger geworden?</p>
<div id="attachment_2974" style="width: 210px" class="wp-caption alignleft"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2974" data-attachment-id="2974" data-permalink="https://tell-review.de/vom-meckern-und-schweigen-der-weltgeschichte/512px-robespierre_img_2301/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/512px-Robespierre_IMG_2301.jpg?fit=512%2C768&amp;ssl=1" data-orig-size="512,768" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="512px-Robespierre_IMG_2301" data-image-description="&lt;p&gt;Maximilien Robespierre, bust by Claude-André Deseine. Terra cotta, 1791. Bought in 1986. On display at Château de Vizille, accession number MRF 1986-243.&lt;br /&gt;
von Rama (Eigenes Werk) [CeCILL (http://www.cecill.info/licences/Licence_CeCILL_V2-en.html) oder CC BY-SA 2.0 fr (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/fr/deed.en)], via Wikimedia Commons&lt;br /&gt;
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e4/Robespierre_IMG_2301.jpg&lt;/p&gt;
" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/512px-Robespierre_IMG_2301.jpg?fit=512%2C768&amp;ssl=1" class="wp-image-2974 size-medium" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/512px-Robespierre_IMG_2301-200x300.jpg?resize=200%2C300" alt="512px-Robespierre_IMG_2301" width="200" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/512px-Robespierre_IMG_2301.jpg?resize=200%2C300&amp;ssl=1 200w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/512px-Robespierre_IMG_2301.jpg?resize=53%2C80&amp;ssl=1 53w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/512px-Robespierre_IMG_2301.jpg?resize=300%2C450&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/06/512px-Robespierre_IMG_2301.jpg?w=512&amp;ssl=1 512w" sizes="(max-width: 200px) 100vw, 200px" /><p id="caption-attachment-2974" class="wp-caption-text">Maximilien Robespierre – Terracotta-Büste von Claude-André Deseine, 1791.</p></div>
<p>Die Historiker streiten über die <em>terreur</em> bis heute wie über ein tagesaktuelles Thema. Natürlich ist die Deutung der Schreckensherrschaft als Grundmuster aller modernen totalitären Diktaturen &#8218;irgendwie&#8216; zutreffend – man denke nur an das „<a href="https://fr.wikipedia.org/wiki/Loi_des_suspects" target="_blank">Gesetz gegen die Verdächtigen</a>“. Selbst Albert Soboul, eine der glühendsten Verteidiger Robespierres, mag der <em>terreur</em> am Ende keinen rechten Sinn mehr abgewinnen. Zugleich aber ist die jakobinische Verfassung von 1793 – sie trat wegen des Kriegs nie in Kraft – eine der schönsten Errungenschaften der Menschheit. Und man darf sagen, dass die revolutionäre Gewalt zunächst lediglich auf die Gewalt der Reaktionäre reagierte (Vendeé, Toulon, Lyon, Konspiration mit ausländischen Mächten: Valmy!), bevor sie zum Selbstzweck wurde – ein Aspekt, den bereits Schiller und Hölderlin übersehen haben, wohl übersehen wollten.</p>
<p>Es wäre fair, dies zu berücksichtigen.</p>
<p>Heyms Gedicht bringt diese Fairness auf, indem es Mitleid aufbringt mit einem fürchterlich Gescheiterten. Fürchterlich gescheitert, weil an einer Jahrtausendaufgabe gescheitert. Wir scheitern nach wie vor an ihr. <em>Robespierre</em> ist insgeheim auch ein Liebesgedicht. Alle Sonette sind immer auch Liebesgedichte.</p>
<h4>Quelle</h4>
<p>Georg Heym, Robespierre, in: Heym, Georg, Weŕke, herausgegeben von Gunter Martens, Stuttgart (Reclam), 2006, p. 26, auch in: Heym, Georg, das lyrische Werk, herausgegeben von Karl Ludwig Schneider, München (dtv) 1977, p. 90, dort p. 89 auch die Vorskizze</p>
<h4>Zum Weiterlesen:</h4>
<ul>
<li>Furet, Francois/Richet, Denis, Die französische Revolution, Gütersloh (Bertelsmann), o.J. (Lizenzausgabe von: Frankfurt/Main (Fischer), 1968)</li>
<li>Glaser, Horst Albert (Hg.), Deutsche Literatur, Eine Sozialgeschichte, Band 8: Jahrhundertwende: Vom Naturalismus zum Expressionismus, Reinbek bei Hamburg (Rowohlt), 1982</li>
<li>Hobsbawm, Eric, Europäische Revolutionen, 1789 bis 1848, Köln (Parkland), 2004 (Lizenzausgabe von: München/Berlin (Kindler), 1966)</li>
<li>Kuhn, Axel, Die französische Revolution, Stuttgart (Reclam) 1999</li>
<li>Michelet, Jules, Geschichte der französischen Revolution, diverse Ausgaben</li>
<li>Mignet, F.A., Geschichte der französischen Revolution, Leipzig (Reclam), o.J. (ca 1904) – Heyms wichtigste Quelle neben dem Michelet</li>
<li>Soboul, Albert, Die grosse französische Revolution, Frankfurt/Main (Büchergilde), 1988 (Lizenzausgabe von: Frankfurt/Main (EVA) 1973)</li>
<li>Thamer, Hans-Ulrich, Die französische Revolution, München (Beck) 2004, vierte durchgesehene Auflage, 2013</li>
</ul>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&#038;;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://tell-review.de/vom-meckern-und-schweigen-der-weltgeschichte/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>7</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">2949</post-id>	</item>
	</channel>
</rss>
