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	<title>Genetik &#8211; tell</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
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	<title>Genetik &#8211; tell</title>
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		<title>Abschied vom Familienstammbaum</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Jan 2019 12:23:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Biologie]]></category>
		<category><![CDATA[Genetik]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
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					<description><![CDATA[In „Eine kurze Geschichte von jedem, der jemals gelebt hat“ zeigt der britische Genomiker Adam Rutherford, dass Genetik sich nicht für einfache Kausalerklärungen eignet. Vielmehr ist es so, dass uns alle mehr miteinander verbindet, als gedacht.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><span style="font-size: 80%;"><em>Unwissenheit erzeugt viel häufiger Sicherheit, als es das Wissen tut.</em><br />
Charles Darwin</span></p>
<p><span class="dropcap">I</span>n seinem Buch <em>Eine kurze Geschichte von jedem, der jemals gelebt hat</em> versucht Adam Rutherford nichts Geringeres als die Widerlegung des Rassismus mit Hilfe der [itg-tooltip href=&#8220;https://tell-review.de/glossary/genomik/&#8220; qtipstyle=&#8220;light&#8220; tooltip-content=&#8220;&lt;p&gt;Unter Genomik versteht man die Erforschung der DNA im Ganzen, also nicht nur der einzelnen Gene und ihrer Produkte. Sondern auch der DNA-Abschnitte, die nicht für ein Protein codieren, möglicherweise aber für das Ablesen eines Gens verantwortlich. Darüber hinaus kann man mit Hilfe des Vergleichs verschiedener Genome bahnbrechende Erkenntnisse über den Ablauf menschlichen Evolution gewinnen. Und auch Wanderungsbewegungen von Menschengruppen in prähistorischer Zeit lassen sich so nachvollziehbar rekonstruieren. Zuletzt zeigt sich in vergleichenden genomischen Studien die Schwierigkeit, Erbgänge für komplexe Merkmale wie Intelligenz aber auch multifaktorieller Erkrankungen nachzuzeichnen.&lt;/p&gt;&#8220;]Genomik[/itg-tooltip]. Diese Forschungsrichtung, früher „Vererbungslehre“ genannt, war seit Francis Galtons Konzept der Eugenik im späten neunzehnten Jahrhundert immer die Basis einer rassistisch ausgrenzenden Weltsicht. Dass dies heute noch gilt, zeigen Bücher von Hobbybiologen wie Thilo Sarrazin oder seinem amerikanischen Geistesverwandten Nicholas Wade.</p>
<h3>Das Reiskorn auf dem Schachbrett</h3>
<p>Der Behauptung, einige Menschengruppen hätten ein wertvolleres Genom als andere, setzt der britische Genetiker Adam Rutherford die neusten genomischen Erkenntnisse entgegen. In spannend zu lesenden Beispielen erläutert er die Unhaltbarkeit der These von „überlegenen Rassen“. Er macht deutlich, weshalb sogar der Rassebegriff auf der Müllhalde der Wissenschaftsgeschichte gelandet ist. Dabei ist Rutherfords grundlegende Überlegung ebenso einfach wie genial. Man muss sich nur das berühmte Reiskorn vergegenwärtigen, das sich auf dem Schachbrett von Feld zu Feld verdoppelt. Die Summe der Reiskörner wächst bekanntlich exponentiell. Ebenso exponentiell müsste die Anzahl unserer Vorfahren wachsen: zwei Eltern, vier Großeltern und so weiter. Jeder Mensch hätte demnach zehn Generationen zurück gerechnet bereits 1024 Vorfahren, zwanzig Generationen zurück wären es über eine Million. Diese Million von Vorfahren wäre mit der Anzahl der heute lebenden Menschen zu multiplizieren, abzüglich eines Geschwister- und Inzestfaktors. Doch um das Jahr 1000 gab es deutlich weniger Menschen als heute.</p>
<p>Rutherford erklärt es so:</p>
<blockquote><p>Sie können sich das vielleicht leichter vorstellen, wenn Sie sich vor Augen führen, dass Sie theoretisch im 11. Jahrhundert Milliarden von Vorfahren hätten haben müssen, damals aber nicht Milliarden von Menschen lebten. Also müssen wir versuchen, irgendwie mit der Zahl von Menschen auszukommen, die damals tatsächlich gelebt haben. Aus dieser vermeintlichen Sackgasse ergibt sich als mathematische Lösung, dass die Milliarden von Abstammungslinien nicht nur in einer kleinen Anzahl von Menschen zusammengelaufen sind, sondern tatsächlich in jedem Mann und jeder Frau, die zu dieser Zeit lebten.</p></blockquote>
<p><em> </em>Konkret ergibt sich daraus Folgendes:</p>
<blockquote><p>Wenn Karl der Große im 9. Jahrhundert lebte (was wir wissen) und es heute noch Nachkommen von ihm gibt (was wir ebenfalls wissen), dann ist er der Ahnherr jedes einzelnen Menschen, der heute in Europa lebt.</p></blockquote>
<h3>Das familiäre Geflecht</h3>
<p>Statt isolierter Familienstammbäume gibt es demnach ein Abstammungsgeflecht: Alle sind mit allen verwandt. So gesehen ist jede Heirat bis zu einem gewissen Grad inzestuös, und jeder Streit ist eigentlich ein Familienstreit.</p>
<p>Rutherford erläutert dies anhand seiner eigenen Familie. Er nimmt sie als Beispiel für seine grundsätzlichen Überlegungen.</p>
<blockquote><p>Ich denke an meine Kinder, Promenadenmischungen mit genetischen Einflüssen aus Südwales und Irland, […] aus dem Nordosten und aus Schottland […], plus einer Prise Südasien, um dem Ganzen Würze zu geben. Sie sind das Nationalgericht des 21. Jahrhunderts, ein sehr britisches Curry.</p></blockquote>
<p>Das widerspricht keineswegs der Tatsache, dass bei einigen geografisch abgetrennten Gruppen, wie beispielsweise den Walisern, das Genommuster ein wenig variiert. Rutherford verweist etwa auf die groß angelegte Studie „People of the British Isles“, die einen Querschnitt der britischen Bevölkerung genomisch untersucht hat. Diese Studie zeige nur einige Variationen, keinesfalls jedoch ein genetisches Muster, das die Definition einer Subspezies rechtfertigen würde.</p>
<blockquote><p>Selbst wenn sie walisischer sind als ihre Nachbarn, betrifft das nur die Details, und sie [die Waliser] sind noch immer teilweise Wikinger, Sarazene, Angel, Sachse und […] Kaiser des Frankenreichs.</p></blockquote>
<h3>Grenzen der genetischen Kausalität</h3>
<p>Der Rassebegriff ist nicht zu halten. Dabei dröselt Rutherford die Behauptung, manche Gruppen hätten genetisch „bessere“ Eigenschaften, noch von einer anderen Seite her auf. Im Rahmen des Human Genome Projekt wurde die Vererbbarkeit komplexer Merkmale wie Intelligenz, Schönheit oder auch Erkrankungen wie Diabetes, Arteriosklerose und Krebs untersucht. Dabei konnte bisher kein eindeutiger Kausalbezug zu bestimmten Genen festgestellt werden: Komplexe Merkmale werden komplex vererbt.</p>
<p>Adam Rutherford schreibt dazu:</p>
<blockquote><p>Es ist unerheblich, ob wir über Kriminalität, psychische Merkmale oder psychiatrisch relevante Störungen reden oder über völlig normales menschliches Verhalten wie die politische Einstellung: […]  die durch die Genetik aufgedeckten biologischen Eigenschaften sind weder Ursachen noch Auslöser oder Grundlagen. Sie sind potenzielle Faktoren: Wahrscheinlichkeiten.</p></blockquote>
<p>Genetische Ideologen wie Sarrazin insinuieren heute noch, dass komplexe Merkmale einem einfachen mendelschen Erbgang folgen. Der ZEIT-Titel „Ich werde Kanzler“ (<a href="https://www.zeit.de/2018/43/index" target="_blank" rel="noopener">17.10. 2018</a>) ist nur das jüngste Beispiel für diesen Denkfehler.</p>
<p>Dabei ist es ziemlich einfach: Erbkrankheiten, deren Ursache im Defekt eines einzigen Genes liegen, sind genetisches Schicksal, so etwa Mukoviszidose oder Chorea Huntington. Hier liegt eine rein lineare Kausalität vor: Das defekte Gen erzeugt ein defektes Enzym, das wiederum die Krankheit auslöst. Vielleicht findet man irgendwann die Vererbungsregeln komplexer Merkmale, Rutherford setzt dabei auf große Genom-Datenbanken, auf Big Data in der Biologie. Für Fernsehshows jedoch, die bei Hitler das Böse und bei Marilyn Monroe das Schöne in den Genen suchen, hat er nur Spott übrig.</p>
<blockquote><p>Ist das Böse in der DNA codiert? Wie ist es mit der Intelligenz? Intelligenz hat mit Sicherheit eine signifikante erbliche Komponente, doch diese wird in Populationen gemessen, nicht in Individuen, und die Jagd nach spezifischen genetischen Korrelaten der Intelligenz war bisher nicht sonderlich erfolgreich. Was die Schönheit angeht, nun, Marylin Monroe ist nicht mein Fall, und so geht es wohl vielen Menschen weltweit. Ich bin eher ein Fan von Lauren Bacall. Mir kommt da etwas vom „im Auge des Betrachters“ in den Sinn, das diesen Gedanken auf den Punkt bringt.</p></blockquote>
<p>Das Buch hat den Untertitel „Was unsere Gene über uns verraten“. Sie verraten sehr viel über uns. Nur das, was Rassisten seit anderthalb Jahrhunderten herauslesen wollten, zeigen sie gerade nicht.</p>
<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis:<br />
Beitragsbild: Strangmycel des Weißen Porenschwamms. Von Mätes II. [<a href="http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html">GFDL</a> oder <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/">CC-BY-SA-3.0</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Antrodia_Strangmycel_P7190021.jpg">von Wikimedia Commons</a><br />
Buchcover: <a href="https://www.rowohlt.de/paperback/adam-rutherford-eine-kurze-geschichte-von-jedem-der-jemals-gelebt-hat.html" target="_blank" rel="noopener">Rowohlt Verlag</a></h6>
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">
Adam Rutherford<br />
<strong>Eine kurze Geschichte von jedem, der jemals gelebt hat</strong><br />
Was unsere Gene über uns verraten<br />
Aus dem Englischen von Monika Niehaus und Coralie Wink<br />
Rowohlt Verlag 2018 · 464 Seiten · 16,99 Euro<br />
ISBN: 978-3-499-63276-1<br />
Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="https://www.amazon.de/dp/3499632764/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow noopener">Amazon</a>, <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="https://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert= 9783499632761" target="_blank" rel="noopener">buecher.de</a><img decoding="async" style="display: none !important;" hidden="" src="https://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM --> oder im lokalen Buchhandel<br />
</div></div>
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" data-attachment-id="14557" data-permalink="https://tell-review.de/abschied-vom-familienstammbaum/72_9783499632761/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2019/01/72_9783499632761.jpg?fit=222%2C345&amp;ssl=1" data-orig-size="222,345" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="72_9783499632761" data-image-description="&lt;p&gt;Adam Rutherford: Eine kurze Geschichte von jedem, der jemals gelebt hat&lt;br /&gt;
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<hr />
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		<title>&#8222;Wir gegen Sie&#8220; &#8211; gibt es eine Biologie der Ausgrenzung?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Jan 2018 10:37:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Biologie]]></category>
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		<category><![CDATA[Hirnforschung]]></category>
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					<description><![CDATA[Robert Sapolsky ist ein politischer Naturwissenschaftler. In seinem Buch "Gewalt und Mitgefühl – die Biologie des menschlichen Verhaltens" untersucht die biologischen Voraussetzungen von Fremdenhass und Angst, von Gehorsam und Widerstand.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">Am Ende der Rezension finden Sie ein <a href="#limbisch">Glossar</a>, das die medizinischen Fachbegriffe erklärt.</div></div>
<span class="dropcap">M</span>it seinem Buch <em>Gewalt und Mitgefühl – die Biologie des menschlichen Verhaltens</em> legt der Biologe Robert Sapolsky eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme vor. Er beginnt mit einer Warnung:</p>
<blockquote><p>Es wird kompliziert!</p></blockquote>
<p id="back">Das Buch hält, was sein Autor verspricht. Auf mehr als tausend Seiten analysiert Sapolsky das menschliche Verhalten: von der Gewalt über die Indifferenz bis zum Mitgefühl und zur Liebe, bisweilen fast auf Fachbuchniveau, verteilt auf die Disziplinen der Anthropologie, der Neuro-Biologie, der Psychologie und der Kulturwissenschaft.</p>
<h3>Die Evolution einer Handlung</h3>
<p>Sapolskys Vorgehensweise ist episch-chronologisch. Er erzählt eine menschliche Handlung – ein Schlag ins Gesicht etwa oder die zärtliche Berührung eines Arms – wie einen Roman. In immer neuen Schleifen und Redundanzen baut er alle Ursachen dieses Verhaltens ein. Im ersten Teil seines Buchs lässt Sapolsky dabei die biologischen und entwicklungspsychologischen Voraussetzungen einer menschlichen Handlung Revue passieren, im zweiten Teil interpretiert er diese Fakten dann subjektiv auf ihre politische Bedeutung hin.<br />
Bei der biologischen Analyse spannt er den Bogen, soweit es geht: von den Millisekunden kurz vor der Handlung bis zurück zu den Jahrmillionen alten evolutionären Verhaltensgrundlagen. Unmittelbar vor einer aggressiven Tat kann zum Beispiel eine Stimulation der Amygdala stehen: Sie ist Teil des <a href="#limbisch">limbischen Systems</a>. Ängste reizen sie zur aggressiven Abwehr des Stimulus. Das dopaminerge Belohnungssystem wiederum ist wichtig für das Suchtverhalten oder die Anerkennung in der eigenen Gruppe.</p>
<h3>Das Phänomen der Angstlust</h3>
<p>Wie Sapolsky zeigt, ist das menschliche Gehirn so gebaut, dass die Vorfreude stärker wirkt als die Freude. „All das ist nicht neu für die Amateurpsychologen, die Las Vegas managen,“ schreibt Sapolsky. Auch das dopaminerge System ist Teil des limbischen Systems und mit der Amygdala verschaltet. Damit lässt sich wiederum das Phänomen der Angstlust erklären. All diese Verhaltensschleifen werden vom präfrontalen Kortex reguliert, dem Stirnhirn, das erst etwa mit 25 Jahren voll entwickelt ist und sich daher als Hebelansatz für eine Verhaltensänderung eignet.</p>
<blockquote><p>Da der frontale Kortex zuletzt reift, ist er definitionsgemäß die Hirnregion, die am wenigsten durch Gene und am meisten durch Erfahrung geprägt wird.</p></blockquote>
<p>Sodann widerlegt Sapolsky die immer wieder behauptete Legende, dass die Hormone Testosteron und Oxytocin aggressiv-männliches resp. sanftmütig-mütterliches Verhalten verursachen würden. Hormone verstärken lediglich Tendenzen, wobei das „mütterliche“ Oxytocin durchaus aggressionsfördernd wirken kann, indem es Schutzinstinkte triggert. Die große propagandistische Wirksamkeit von Kindsraubgeschichten könnte hier ihr neurobiologisches Korrelat haben.</p>
<h3>Das Überwinden von Vorurteilen</h3>
<p>Kulturelle und gesellschaftliche Einflussgrößen sind unbedingt hinzuzudenken, wenn es um das Verhalten geht. Hirnscan-Untersuchungen haben ergeben, dass das bewusste Wegdenken der eigenen Kultur ein kognitiver Willensakt ist, der Anstrengung erfordert. Ist jemand also kulturell auf die Ablehnung einer Fremdgruppe geprägt, ist das Überwinden dieser Vorurteile ein bewusster Prozess, er kann nicht automatisch erfolgen.</p>
<blockquote><p>Die Kultur legt also buchstäblich fest, wo und wie wir die Welt betrachten.</p></blockquote>
<p>Würde ein Kulturwissenschaftler das sagen, wäre es eine Plattitüde. Dass ein Biologe dies sagt, ist bemerkenswert.</p>
<p>Man sieht, leicht macht Robert Sapolsky es uns nicht. Die Faktoren, die unser Verhalten beeinflussen, sind kaum überschaubar: Amygdala, Dopaminsystem, präfrontaler Kortex, Hormonspiegel, umweltbedingte epigenetische Prägungen, kultureller Fundus, Verhaltensevolution, Gene. Diese Einflussgrößen sind ineinander verdrillt und in ständiger Wechselwirkung. Sapolsky sieht sie überdies als gleichberechtigt an: Gene sind nicht wichtiger als die Umwelt, und beide sind wiederum nicht wichtiger als Kultur, Hormone, Neurotransmitter oder andere Faktoren. Die Absage an ein Ranking hat weitreichende Implikationen. Sapolsky lehnt jede Form des Essenzialismus ab: Biologisches Geschehen ist multifaktoriell und diese vielen Faktoren sind gleichwertig. Würde man einen Faktor als wesentlich setzen, so würde man essenzialistisch denken und diese eine gesetzte Grundannahme als wesentlichsten Grund des menschlichen Daseins sehen.</p>
<p>In einer launigen Anekdote über seine Mutter verdeutlicht Sapolsky, was er unter Essenzialismus versteht und indirekt auch, was er von diesem Konzept hält:</p>
<blockquote><p>Ich hatte auch eine persönliche Erfahrung mit extremem Essenzialismus: 1976/77 wurde New York durch die Mordserie, die später unter der Bezeichnung &#8222;son of sam&#8220; bekannt wurde, in Angst und Schrecken versetzt. […] Im August 1977 endete sie mit der Verhaftung von David Berkovitz. […]
Einen Monat später – ich war wieder im College – läutete das Telefon. Mein Zimmergenosse nahm ab und reichte mir etwas verwirrt den Hörer: „Deine Mutter, sie scheint ziemlich aufgeregt zu sein.“ „Hallo Mom, was gibt’s?“ Euphorisch, erleichtert und triumphierend zugleich schrie sie in den Hörer: „David Berkovitz! Er ist adoptiert! Adoptiert! ER IST KEIN JUDE!“ Auf meine Mutter wartete allerdings noch eine ironische und enttäuschende Wendung. Die biologische Mutter von Berkovitz […] war Jüdin – genauso wie sein biologischer Vater [&#8230;].</p></blockquote>
<h3>Gen und Kontext</h3>
<p>Diese philosophische Grundannahme, den Essenzialismus abzulehnen, taucht in den epischen Schleifen von Sapolskys Wissenschaftserzählung immer wieder auf. Hiermit korrespondiert seine zweite Grundannahme: Handeln ist immer kontextabhängig und kann nur in seinem Zusammenhang bewertet werden.</p>
<blockquote><p>Frag nicht, was ein Gen tut; frag, was es in einem bestimmten Kontext tut.</p></blockquote>
<p>Denn in unterschiedlichen Kontexten kann ein und dasselbe Gen sich unterschiedlich verhalten. Mal ist es Text, mal Kontext, wie übrigens alle anderen Variablen ebenfalls, deshalb kann das Gen laut Sapolsky auch nicht essenziell sein, also keine Vorrangstellung gegenüber anderen Faktoren einnehmen.</p>
<h3>Aggressionen gegen das Fremde</h3>
<p>Im zweiten Teil des Buchs setzt Sapolsky diese biologischen Grundlagen in ein Verhältnis zu gesellschaftlichen Entwicklungen. Damit wendet sich das Buch von der objektiven Bestandsaufnahme zum subjektiven Resümee. Hier wird die Naturwissenschaft dezidiert politisch: Sapolsky geht es um Wir und Sie, um die Dichotomie der Ausgrenzung und damit um die Aggression gegen Fremde und um den Ekel, den manche beim Anblick von Fremden verspüren. Es geht ihm weiterhin um die automatisch ablaufenden Mechanismen der Unterdrückung und des Gehorsams gegenüber Befehlshabern, den man bei kollektiven Verbrechen so häufig beobachten kann. Immer wieder kehrt Sapolsky zu den Beispielen der Nazizeit zurück. Viele weitere Beobachtungen stammen aus Ruanda, wo er vor dem Völkermord als Forscher tätig war:</p>
<blockquote><p>Ein paar Jahre vor den Ereignissen verbrachte ich einige Zeit im Land, um Berggorillas […] zu beobachten. Natürlich, kläglich, dümmlich, schmerzlich, irgendwas-lich kam ich von dort mit der Überzeugung zurück, die Menschen seien freundlich und großzügig. Ich nehme an, dass fast jeder, dem ich damals begegnet bin, heute tot, ein Mörder und/oder Flüchtling ist.</p></blockquote>
<p>Was war geschehen? Nun, das, was immer geschieht. Mit Hilfe von Metaphern wurde einer Bevölkerungsgruppe, den Tutsi, das Menschsein abgesprochen (Kakerlaken!). Zum einen wurden die kulturell bedingten negativen Bilder mit Reizungen der Amygdala (Angst!) und dem Insellappen (Ekel!) verbunden. Zum anderen gab es unter den Hutu eine kulturelle Tradition des Gehorsams.</p>
<blockquote><p>Entmenschlichung, Pseudospezifikation. Die Werkzeuge der Hasspropagandisten. &#8218;Sie&#8216; sind ekelhaft. &#8218;Sie&#8216; als Nagetiere, als Krebsgeschwür, als vormenschliche Evolutionsstufe, &#8218;Sie&#8216; als stinkende Horde […] &#8218;Sie&#8216; als Kot und Dreck. Bringen Sie die Insellappen Ihrer Anhänger dazu, das Buchstäbliche und das Metaphorische zu verwechseln, und Sie sind zu 99 Prozent dort, wo sie hinwollen.</p></blockquote>
<p>Ein Kapitel trägt die Überschrift: „Metaphern, mit denen wir töten“.</p>
<h3>Die egoistischen Wurzeln der Empathie</h3>
<p>Wie kann man den Widerstand gegen diese Entmenschlichung stärken? Reicht unser freier Wille dafür überhaupt aus? Laut Sapolsky ist er <em>„</em>eingeschränkt<em>“</em>. Und, so dürfen wir hinzufügen, wie alles andere im Leben ist auch der freie Wille kontextabhängig. Er wird umso schwächer, je weniger frei die Umgebung ist: Armut, Hunger und eine Kindheit in einer gewaltsamen Umwelt lassen ihn schwinden.</p>
<p>Was ist mit der Empathie? Obwohl es auch für sie biologische Erklärungen gibt, macht uns Sapolsky keine große Hoffnung, denn die Empathie hängt eng mit dem lernenden Einfühlen zusammen und damit, ob wir von den anderen einen Nutzen haben. Auch die Empathie hat also egoistische Wurzeln. Sapolsky drückt es drastisch aus:</p>
<blockquote><p>Kratz an einer altruistischen Ratte, und du siehst eine Heuchlerin bluten.</p></blockquote>
<p>Den „reinen“ Altruismus gibt es nicht. Sapolsky verweist auf das „Münchhausen by-proxy-Syndrom“, bei dem jemand eine Krankheit bei Dritten vortäuscht oder dramatisiert, um eine medizinische Behandlung zu erzwingen. Ein Altruismus sei nur dann verlässlich, wenn er die eigenen Bedürfnisse nicht ausklammere.</p>
<h3>Individuation als Gegengift</h3>
<p>Auch Sapolsky hat kein Patentrezept gegen die aggressiven Impulse des Menschen. Aber er hat zumindest eine Richtung. Der Weg kann nur über das Bewusstsein laufen, biologisch gesprochen: über den präfrontalen Kortex, der sowohl Gefühle als auch Gedanken verarbeitet. Es ist der Weg über das „Ich“, das sich nicht über ein „Wir“ definiert. Für Sapolsky ist Individuation das Gegengift gegen den Essenzialismus, also jener Narrative, die willkürliche Behauptungen als essenziell setzen – etwa ein Volk oder eine Schicht – und Fremdes als dieser Essenz, dem Sein also, entgegengesetzt. Nur wer sich als Ich und nicht ausschließlich als Wir erlebt, kann das Ich im anderen erkennen.</p>
<p>Sapolsky zeigt noch einen zweiten Weg, um der Aggression Widerstand zu leisten: die Ablehnung der Fremddefinition.</p>
<blockquote><p>Eine der wichtigsten Wurzeln des Widerstands ist die Rückeroberung des Narrativs. […] Ein entscheidender Schritt hin zum Widerstand der Opfer besteht darin, dass man die Macht erlangt, sich selbst zu definieren.</p></blockquote>
<p id="limbisch">Robert Sapolsky ist ein dialektischer Biologe. Er hat ein schwieriges, schönes Buch geschrieben, das ein Kultbuch werden könnte – wie seinerzeit <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="http://www.amazon.de/dp/3608949062/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow noopener"><em>Gödel, Escher, Bach</em></a>.</p>
<hr />
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<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#010b14;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#343E47;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Das limbische System</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">Das limbische System ist ein Konstrukt der Hirnforschung. Es beschreibt ein verschaltetes System von Nervenkernen, in dem Emotionen und Triebe entstehen und verarbeitet werden. Die frühere Sicht eines abgeschlossenen „Emotionssystems“ mit einigen Ausgängen zum Großhirn ist überholt. Alle Nervenkerne haben In- und Output zu fast allen anderen Bereichen des zentralen Nervensystems.</p>
<p>Die folgenden Strukturen sind Teil des limbischen Systems</p>
<div class="su-tabs su-tabs-style-default su-tabs-mobile-stack su-tabs-vertical" data-active="1" data-scroll-offset="0" data-anchor-in-url="no"><div class="su-tabs-nav"><span class="" data-url="" data-target="blank" tabindex="0" role="button">Amygdala (Mandelkern)</span><span class="" data-url="" data-target="blank" tabindex="0" role="button">Hippocampus</span><span class="" data-url="" data-target="blank" tabindex="0" role="button">Thalamus</span><span class="" data-url="" data-target="blank" tabindex="0" role="button">Präfortaler Kortex</span></div><div class="su-tabs-panes"><div class="su-tabs-pane su-u-clearfix su-u-trim" data-title="Amygdala (Mandelkern)"> In der Amygdala kommen angstauslösende Reize an und werden weitergeleitet. Offenbar spielt dieser Hirnbereich auch eine Rolle bei lustbetonten Empfindungen. Wer die Amygdala reizt und diesen Reiz mit dem Erkennen des vermeintlich Bösen in einer Fremdgruppe verbinden kann, hat den ersten Schritt in Richtung Ressentiment getan, weil man das Ressentiment auch als eine Lustbefriedigung sehen kann. Die Lustbefriedigung läuft dann über die Aggression gegen das Fremde, das wiederum Angst auslöste.</div>
<div class="su-tabs-pane su-u-clearfix su-u-trim" data-title="Hippocampus"> Im Hippocampus wird Wahrgenommenes verschaltet, in die Großhirnrinde weitergeleitet und im Langzeitgedächtnis abgespeichert. Eine doppelseitige Hippocampusschädigung macht es unmöglich, Neues im Langzeitgedächtnis zu speichern, es folgt eine anterograde, also in die Zukunft gerichtete, Amnesie. </div>
<div class="su-tabs-pane su-u-clearfix su-u-trim" data-title="Thalamus"> Der Thalamus ist ein Konglomerat aus Nervenkernen, das anatomisch im Zwischenhirn angesiedelt ist. Er ist gewissermaßen der Wächter, den jede Wahrnehmung überwinden muss, um ins Bewusstsein zu gelangen. Dieser Wächter wiederum ist mit allen Teilen des Gehirns verschaltet, erhält also seine Maßgaben von überall her. </div>
<div class="su-tabs-pane su-u-clearfix su-u-trim" data-title="Präfortaler Kortex"> Der präfrontale Kortex ist offenbar Sitz unserer moralischen Werte, unserer Selbstkontrolle, unserer Handlungsplanung und auch unseres Gedächtnisses. Schädigungen des präfrontalen Kortex können zu Soziopathie, Gedächtnisstörungen und Empathieunfähigkeit führen.</div></div></div>
</div></div>
<hr />
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">
Robert Sapolsky<br />
<strong>Gewalt und Mitgefühl</strong><br />
Die Biologie des menschlichen Verhaltens<br />
Aus dem Englischen von Hainer Kober und Antoinette Gittinger<br />
Hanser 2017 · 1024 Seiten · 38 Euro<br />
ISBN: 978-3446256729<br />
Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="http://www.amazon.de/dp/3446256725/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow noopener">Amazon</a>, <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="http://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=9783446256729" target="_blank" rel="noopener">buecher.de</a><img decoding="async" style="display: none !important;" hidden="" src="http://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM --> oder im lokalen Buchhandel<br />
</div></div>
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="11970" data-permalink="https://tell-review.de/wir-gegen-sie-gibt-es-eine-biologie-der-ausgrenzung/cover-5/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/01/Cover.jpg?fit=1600%2C2451&amp;ssl=1" data-orig-size="1600,2451" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/01/Cover.jpg?fit=672%2C1030&amp;ssl=1" class="alignleft size-medium wp-image-11970" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/01/Cover-196x300.jpg?resize=196%2C300" alt="" width="196" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/01/Cover.jpg?resize=196%2C300&amp;ssl=1 196w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/01/Cover.jpg?resize=52%2C80&amp;ssl=1 52w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/01/Cover.jpg?resize=768%2C1176&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/01/Cover.jpg?resize=672%2C1030&amp;ssl=1 672w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/01/Cover.jpg?resize=1300%2C1991&amp;ssl=1 1300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/01/Cover.jpg?resize=300%2C460&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2018/01/Cover.jpg?w=1600&amp;ssl=1 1600w" sizes="auto, (max-width: 196px) 100vw, 196px" /></div></div></div>
</div></div>
<h6 style="text-align: right;">Bildnachweis<br />
Beitragsbild: Medialansicht eines halbierten menschlichen Gehirns, lateinisch beschriftet<br />
via <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Neuroanatomie#/media/File:Gehirn,_medial_-_beschriftet_lat.svg" target="_blank" rel="noopener">Wikimedia</a><br />
<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/" target="_blank" rel="noopener">CC by SA 3.0 </a></h6>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&amp;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
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		<title>Vergesst die Gene! Vergesst die Umwelt!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Jul 2017 09:18:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Biologie]]></category>
		<category><![CDATA[Epigenetik]]></category>
		<category><![CDATA[Genetik]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Vererbung]]></category>
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					<description><![CDATA[Peter Spork überträgt in seinem Buch "Gesundheit ist kein Zufall" die bahnbrechenden Erkenntnisse der Epigenetik auf die Medizin. Das Gen gilt nicht mehr als Schlüssel zu dem, was wir sind. Im Gegenteil: Nach der neusten Forschung scheint die Frage "nature or nuture" überholt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dropcap">S</span>eit der Entschlüsselung der DNA durch James Watson und Francis Crick im Jahr 1952 galt es als ausgemacht, dass die angeborene Zufälligkeit der Gene uns mehr beeinflusst als alles andere. Nature or nurture? Genetische oder kulturelle Prägung? Jahrzehntelang waren sich die Biologen einig: Nature natürlich!</p>
<p>Diese Sicht auf den Forschungsgegenstand der Biologie – das Leben – gipfelte in den Neunzigerjahren in einer Untersuchung, die zum „Jahrhundertprojekt“ hochgeschrieben wurde: dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Humangenomprojekt" target="_blank" rel="noopener">Human Genome Project</a> (HGP). 100.000 Gene des menschlichen Genoms wollte man finden. Habe man diese erst einmal entschlüsselt, würden sich weitere Erkenntnisse wie von selbst ergeben.</p>
<h3>Wechselspiel zwischen Vererbung und Umwelt</h3>
<p>Wer in diesem auf Genetik fokussierten Forschungsklima geltend machen wollte, dass auch die Umwelt die Entwicklung des menschlichen Lebens maßgeblich beeinflusse, wurde schnell als unwissenschaftlich abgetan. Auch moralische Wertungen fehlten nicht, wie Peter Spork darlegt:</p>
<blockquote><p>Die wenigen Experten, die das anders sahen […], wurden verächtlich in die esoterische Ecke gestellt.</p></blockquote>
<p>Dabei hatte Conrad Hal Waddington schon in den 1940er Jahren ein Wechselspiel zwischen Vererbung und Umwelt postuliert. Von ihm stammt der Begriff „Epigenetik“ für das Zusammenwirken von Epigenese und Genetik bei der Entwicklung eines Lebewesens. Hier hätte man damals anknüpfen können, aber die Wucht der Watson/Crickschen Entdeckung zehn Jahre später war offenbar zu groß. Das Gen allein schien der Schlüssel zu sein. Dabei hatte es immer Warnungen vor einer einseitig genetischen Sicht gegeben – unter anderem von praktischen Ärzten, die dieses biologische Paradigma bei ihren Patienten keineswegs 1:1 wiederfanden.</p>
<p>Auch Biologen wie Thomas Jenuwein begannen in den 1980er Jahren zu forschen. Was sie fanden, war nichts weniger als „das biologische Substrat für Waddingtons Ideen“.</p>
<h3>Dauerhafte Gen-Veränderungen</h3>
<p>Nicht nur das Vorhandensein eines Gens ist für die Lebensausprägung wichtig, sondern auch die Frage, ob und vor allem wie häufig dieses Gen aktiviert wird. Dieser Aktivierungszustand hängt stark von epigenetischen Faktoren ab, die ihrerseits von der Umwelt beeinflusst sind.</p>
<blockquote><p>Wer Genomik und Epigenomik kombiniert, belauscht das Gespräch aus Erbe und Umwelt, beschäftigt sich mit dem Werden des Lebens, nicht mit seiner Statik.</p></blockquote>
<p>Für diese epigenetischen Effekte im Umfeld der DNA gibt es auf molekularer Ebene mehrere Mechanismen. Von allgemeinem Interesse ist die folgende Erkenntnis: Die epigenetische Modifikation kann dauerhaft werden; damit ist sie keinesfalls nur eine Momentaufnahme, sondern Prägung. Diese dauerhaft geprägte Genregulation nennt Spork „übergeordnete Ebene“. Prägung <em>und</em> Gen sind für das Leben notwendig, das eine ohne das andere nicht denkbar. Diese grundlegende Erkenntnis lässt für Spork nur einen Schluss zu:</p>
<blockquote><p>Vergesst die Gene! Vergesst die Umwelt!</p></blockquote>
<p>Das Wechselspiel ist entscheidend, ohne Dominanz einer Seite, ohne Ranking der einzelnen Faktoren. Der Streit um die Frage „nature or nurture“ gehört damit der Vergangenheit an.</p>
<h3>Molekulare Prägung</h3>
<p>Wir sind die Gesamtheit von allem. Und diese Gesamtheit schließt selbstverständlich auch unsere Gesundheit ein:</p>
<blockquote><p>Ob wir krank werden oder nicht, ob wir frühzeitig altern oder lange fit bleiben, darüber entscheidet […] die übergeordnete Ebene.</p></blockquote>
<p>Das kann sich sogar auf die nachfolgenden Generationen auswirken, denn Forscher haben mittlerweile Belege dafür gefunden, dass es auch in den Keimzellen epigenetische Effekte gibt. Die Keimzellen spiegeln den Zustand zum Zeitpunkt ihres Entstehens. Im Fall der weiblichen Eizelle kann der Einfluss bis in die Enkelgeneration reichen. Berühmtestes Beispiel sind die Keimbahnveränderungen bei Holländern, die im Hungerwinter 1944/45 gezeugt wurden. Sie leiden verstärkt an Diabetes und Übergewicht und zeugen ihrerseits wiederum untergewichtige Kinder. Auch die molekulare Prägung durch ein Trauma wie den Holocaust ist kaum noch zu bestreiten und inzwischen Gegenstand intensiver Forschungen.</p>
<p>Spork gelangt zu dem Fazit:</p>
<blockquote><p>Wir vererben definitiv mehr als unsere Gene.</p></blockquote>
<p>Das ist eine biologische Revolution: Erste Anmerkungen ernsthafter Wissenschaftler gehen schon dahin, Jean-Baptiste de Lamarck mit seiner Theorie der gerichteten, direkt auf die Umwelt reagierenden Evolution in die naturwissenschaftliche Diskussion zurückzuholen. Nun, das ist möglicherweise ein wenig übertrieben, denn der Genpool selbst wird ja nicht verändert, doch die Erkenntnisse der Epigenetik sind mittlerweile in der Fachwelt anerkannt. Selbst Craig Venter, einer der Initiatoren des Human Genome Projects, gibt zu: „Im Rückblick waren unsere damaligen Annahmen über die Funktionsweise des Genoms dermaßen naiv, dass es fast schon peinlich ist.“</p>
<h3>Richtungswechsel für die Medizin</h3>
<p>Es gehört zu den Stärken dieses Buches, dass es neben den rein medizinischen Aspekten der Epigenetik auch allgemeinere Fragen aufgreift und hier ganz nebenbei einige liebgewonnene Vorurteile des genetischen Zeitalters in Frage stellt. Da wäre das Merkmal Intelligenz, das manche sicherlich bis heute als ausschließlich vererbt ansehen. Spork erklärt knapp und bündig, dass komplexe Merkmale wie zum Beispiel die Intelligenz oder die Musikalität immer ein Produkt aus Erbe und Umwelt darstellen und keine Summe.</p>
<blockquote><p>Und eine Multiplikation mit null ergibt immer null.</p></blockquote>
<p>Die Entwicklung der Intelligenz kann also nicht nur durch genetische Faktoren, sondern auch durch Umweltbedingungen nachhaltig positiv oder negativ geprägt werden. So hat etwa die häufigere Ausprägung des absoluten Gehörs bei Chinesen mit der Sprache zu tun: Im Chinesischen ändert sich die Bedeutung eines Worts mit seiner Betonung. Es ist also die Muttersprache, die das absolute Gehör fördert, nicht irgendein „China-Gen“.</p>
<p>Durch Steuerung positiver Umweltfaktoren kann man im Vorfeld Krankheiten verhindern – das ist die wichtigste medizinische Botschaft des Buchs. Für den praktischen Arzt ist es eine Binsenweisheit: Bewegung, ausreichender Schlaf und maßvolles Essen lassen uns gesünder werden als jedes Medikament. Ganz allgemein gesprochen ist Vorbeugung besser als Therapie. In der aktuell therapiedominierten Humanmedizin wäre eine solche Verschiebung hin zur Prävention – so schlüssig und wenig spektakulär sie auch erscheint – sicherlich eine Revolution des medizinischen Alltags und des ärztlichen Berufes. Doch empfehlenswert ist dieses Buch nicht als medizinischer Ratgeber, sondern weil Peter Spork die neuen Erkenntnisse der Epigenetik so prägnant und zugleich allgemeinverständlich darlegt – und weil er erkennt, welche grundlegende Bedeutung dieser Richtungswechsel für die Medizin hat.</p>
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">
Peter Spork<br />
<strong>Gesundheit ist kein Zufall</strong><br />
Wie das Leben unsere Gene prägt<br />
DVA 2017 • 416 Seiten • 22,99 Euro<br />
ISBN: 978-3-421-04750-2<br />
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</div></div>
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">
<p><a href="http://www.amazon.de/dp/3421047502/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="noopener"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="10724" data-permalink="https://tell-review.de/vergesst-die-gene-vergesst-die-umwelt/gesundheit-ist-kein-zufall-von-peter-spork/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/07/Spork_PGesundheit_ist_kein_Zufall_175968-e1499371181129.jpg?fit=1024%2C1633&amp;ssl=1" data-orig-size="1024,1633" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Gesundheit ist kein Zufall von Peter Spork" data-image-description="&lt;p&gt;Buchcover Peter Spork: Gesundheit ist kein Zufall&lt;br /&gt;
DVA&lt;br /&gt;
https://www.randomhouse.de/Buch/Gesundheit-ist-kein-Zufall/Peter-Spork/DVA-Sachbuch/e500997.rhd&lt;/p&gt;
" data-image-caption="&lt;p&gt;Gesundheit ist kein Zufall von Peter Spork&lt;/p&gt;
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</div></div></div>
</div></div>
<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis</em><br />
<em> Beitragsbild: DNA-Methylierung. Von Christoph Bock, Max Planck Institut für Informatik (Eigenes Werk) [<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0" target="_blank" rel="noopener">CC BY-SA 3.0</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ADNA_methylation.jpg" target="_blank" rel="noopener">via Wikimedia Commons</a></em><br />
<em> Buchcover: <a href="https://www.randomhouse.de/Buch/Gesundheit-ist-kein-Zufall/Peter-Spork/DVA-Sachbuch/e500997.rhd" target="_blank" rel="noopener">DVA</a></em></h6>
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		<title>Gesellschaft der Gene</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Oct 2016 07:21:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Genetik]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Buch über Genetik, das sich auf die altbekannte Metapher des "egoistischen Gens" stützt – und diese dann nach und nach widerlegt. Eine Rezension des Sachbuchs "Das geheime Leben im Menschen".]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dropcap">I</span>n zehn Kapiteln beschreiben Itai Yanai und Martin Lercher die genetischen Grundlagen des menschlichen Lebens: wie aus niedrigen Einzellern Menschen wurden, wie der Mensch sich aus Afrika über die ganze Welt verbreitet hat, wie die Sprache entstand und was der Sex zur Artverbesserung beiträgt. Um dies alles unter einen Hut zu bringen, bedienen sich die beiden Wissenschaftler einer Metapher aus den Siebzigerjahren: Richard Dawkins&#8216; Theorie vom „egoistischen Gen“. Sie denken diese Metapher weiter und erschaffen daraus eine Gesellschaft der Gene.</p>
<blockquote><p>Gene sind über ein kompliziertes Geflecht aus Kooperation und Wettbewerb miteinander verbunden, deshalb verstehen wir unsere Gene am besten, wenn wir sie als Mitglieder einer Gesellschaft betrachten – das ist der Leitgedanke dieses Buches. Das Konzept des egoistischen Gens hat uns den Weg in die Biologie des dritten Jahrtausends geebnet.</p></blockquote>
<p>Ihrem Werk stellen die Autoren ein berühmtes Zitat von Adam Smith voran:</p>
<blockquote><p>It is not from the benevolence of the butcher, the brewer, or the baker that we expect our dinner, but from their regard to their own interest.</p></blockquote>
<p>Im Weiteren haben sie Charles Darwin in ihr Bild genetischer Abläufe eingebaut: Die Prämisse vom „survival of the fittest“ gelte auch für Gene. Das egoistische Gen sorgt ausschließlich für das eigene Überleben. Und doch hat dieser Egoismus den unbeabsichtigten Effekt, dass aus der Summenwirkung aller Gene das Überleben des Gesamtorganismus resultiert.</p>
<p>Der Stil des Buchs ist bildhaft und amüsant. Über „den Vorteil des Sexes (jenseits des Offensichtlichen)“ schreiben die Autoren:</p>
<blockquote><p>Durch Sex können Allele  (die alternativen Formen eines Gens, <em>Anm. d. Autors</em>) gewissermaßen den amerikanischen Traum verwirklichen. Sex entkoppelt sie voneinander, sodass eine vielversprechende neue Mutation auch dann Erfolg haben kann, wenn sie in einer miesen Gegend geboren wurde.</p></blockquote>
<p>Den Geschlechterkampf sehen Yatai und Lercher offenbar als entschieden an: Sie vermuten, dass sich im Lauf der Genomentwicklung das männliche Y-Chromosom gänzlich zurückziehen wird, wie das bei der Stachelratte auf den japanischen Ryukyu-Inseln bereits der Fall ist. Der zukünftige Genotyp des Mannes wäre dann, wie bei der Stachelratte, X0. Dies allerdings wäre fatal, denn der Genotyp X0 ist phänotypisch eine infertile Frau, die am Turner-Syndrom leidet (im Fall eines Genmosaiks handelt es sich um das Ulrich-Turner-Syndrom). Möglicherweise ist den Autoren hier ein sachlicher Irrtum unterlaufen.</p>
<p>Aber das sind Kleinigkeiten des sonst sehr lesbaren Buches. Schwerer wiegt folgendes: Obwohl das Buch einen guten Überblick über den Stand der Forschung in der Genetik vermittelt, fehlt ihm die innere Logik. Ohne es zu merken, widerlegen die Autoren auf Schritt und Tritt ihre Theorie vom egoistischen Gen.</p>
<p>Nehmen wir das erste Kapitel zum Krebs. Kein Gen, keine Zelle ist so egoistisch wie die Krebszelle. Trotzdem kann die Krebszelle nicht für ihr Weiterleben sorgen. Ganz im Gegenteil, das mutierte, rein egoistische Gen geht unter mit seinem Wirt, den es tötet.</p>
<p>Auch die Entstehung des Lebens lässt sich mit dem Egoismus der Gene nicht vereinbaren: Die Einzeller, die am Anfang der Entwicklung der Säugetiere stehen, sind aus der Verschmelzung zweier Bakterienarten entstanden: den Archaebakterien und den Eubakterien, den Vorläufern unserer Mitochondrien. Diese Verschmelzung ursprünglicher Rivalen beschreiben Yatai und Lercher als „Kooperation“:</p>
<blockquote><p>Man braucht eine spezielle Art der Zusammenarbeit, eine intime Beziehung mit dem früheren Rivalen. Die Entwicklung dieser Beziehung [&#8230;] war der entscheidende Schritt in der Evolution der Eukaryoten – das Geheimnis ihres (und somit auch unseres) Erfolges.</p></blockquote>
<p>Ganz im Stil ihrer Analogie von Gen und Gesellschaft verweisen sie auf Abraham Lincolns Strategie, seine ehemaligen Rivalen mit einzubinden. Dieses „team of rivals“ sei, so die Autoren, „Kern des Erfolgs“ – sowohl bei Lincoln als auch bei der Bakterien-Verschmelzung. Nur: Wo ist nun das egoistische Gen geblieben?</p>
<p>Das Konzept, biologische Vorgänge durch gesellschaftliche Metaphern zu erklären, ist ein Fehlschlag, ganz abgesehen von den historischen Abgründen: Auch beim „Volkskörper“, der von Geschwüren und Seuchen bedroht wurde, hat man seinerzeit Biologie und Gesellschaft miteinander verglichen. Freilich findet dieser Vergleich in eugenischen Ideologien umgekehrt statt: Nicht die Metapher verdeutlicht die naturwissenschaftliche Erkenntnis, sondern die naturwissenschaftliche Erkenntnis ist lediglich Metapher für die gesellschaftspolitischen Ideologie.</p>
<p>Von dieser Logik sind Yatai und Lercher allerdings himmelweit entfernt. Sie wollen dem Leser kein Gesellschaftsbild plausibel machen. Vielmehr argumentieren sie konsequent gegen Rassismus und verweisen beispielsweise darauf, dass sich die größten genetischen Ressourcen in Afrika befinden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit gebe es in Afrika abgegrenzte Subpopulationen, in denen sich vorteilhafte Allele durchgesetzt hätten. Aus sozialen Gründen werde das bisher nur in einigen Sportarten manifest.</p>
<blockquote><p>Aber wir würden darauf wetten, dass eines Tages die Kinder einer Population irgendwo in Afrika mit dem Schachspielen anfangen, und dass ein paar Generationen später eine Abfolge afrikanischer Großmeister die internationale Schachszene dominiert.</p></blockquote>
<p>Warum zwingen Autoren, die so lebendig und klar schreiben können, ihre Argumentation unter eine soziobiologische Übermetapher, der sie dann selbst auf den Leim gehen? Um sich das Überleben auf dem Buchmarkt zu sichern? Das wäre nicht nötig gewesen.<br />
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<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">
Itai Yanai und Martin Lercher<br />
<strong>Das geheime Leben im Menschen</strong><br />
Bastei Lübbe 2016 · 304 Seiten · 24,00 Euro<br />
ISBN: 123-4-5678-91-0<br />
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<h6 style="text-align: right;"><span style="text-decoration: underline;">Beitragsbild:</span><br />
Weiblicher Chromosomensatz<br />
CC</h6>
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