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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
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		<title>Der Rausch des Plötzlichen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Lars Hartmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Jun 2017 08:16:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Autobiografie]]></category>
		<category><![CDATA[BRD]]></category>
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					<description><![CDATA[Karl Heinz Bohrer inszeniert den zweiten Band seiner Autobiografie als Abenteuer mit der Phantasie. Fünfzig Jahre Bundesrepublik werden hier erzählt, allerdings nicht als konsequente Geschichte, sondern eher en passant.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dropcap">K</span>arl Heinz Bohrer ist Literaturwissenschaftler und Publizist. Er war Literaturredakteur der FAZ, ab 1974 deren Korrespondent in London, und von 1984 bis 2011 Herausgeber des <em>Merkur</em>. Dass Germanisten ihre Autobiografie schreiben, passiert selten. In <em>Granatsplitter </em>(2012) schildert Bohrer seine Kindheit und Jugend – dort noch distanziert in der dritten Person Singular, aber im Erzählton kraftvoll, wie man es von einem Theoretiker nicht unbedingt erwarten würde. In <em>Jetzt</em>, dem zweiten Teil seiner Lebensgeschichte, wechselt Bohrer in die Ich-Perspektive, die Distanz zur eigenen Person ist aufgehoben.</p>
<p>Mehr als fünf Jahrzehnte Bundesrepublik packt Karl Heinz Bohrer in das Buch: angefangen mit  seinen Studienjahren in den 50er Jahren in Heidelberg, weiter über die Studentenunruhen der 60er Jahre, bis schließlich zur Flüchtlingskrise der Gegenwart. All dies ohne Gewähr auf Vollständigkeit, denn Bohrer unterwirft sein Lebensmaterial der Laune des Erzählers. Wer eine intellektuelle Geschichte der BRD erwartet, wird enttäuscht, denn Zeitgenosse ist Bohrer nur bedingt:</p>
<blockquote><p>Ich nahm nicht die Farbe der objektiven Zeit an. Gab es die überhaupt? Man ist doch Mensch seiner Zeit, und was von der früheren Zeit gewusst wurde, wusste man vor allem aus Aufzeichnungen der Menschen, die diese Zeit in sich erfahren hatten. Also drückte sich die Zeit objektiv unmittelbar im Subjekt aus? Nicht bei mir. Ich hatte das Gefühl, dass es bei mir immer anders war. Von Anfang an. Als in Köln die Bombennächte einsetzten, hatte ich Granatsplitter wie phantastische Objekte gesammelt und, als Pfarrer verkleidet, vom Jesuskind und von Gott gepredigt, ganz meiner Phantasie hingegeben.</p></blockquote>
<h3>Ein Konservativer mit Sinn für das Überraschende</h3>
<p>Bohrer erzählt von sich, und er erzählt von seinen Abneigungen, besonders gegenüber dem linksliberalen Milieu der Bundesrepublik der 60er Jahre:</p>
<blockquote><p>Die politische Universität der letzten Jahre hatte die Sinnlichkeit mit der sogenannten sozialen Funktion der Literatur ausgetrieben.</p></blockquote>
<p>Diese Vorbehalte bewahrt Bohrer sich bis in die Gegenwart. Er beklagt die von den liberalen Medien begrüßte Einladung an die syrischen Flüchtlinge:</p>
<blockquote><p>Was mich daran beschäftigte, waren nicht die politischen oder organisatorischen Einwände und Fragen. Es war der zivilisatorische und psychologische Sprengstoff, den die Flüchtlinge im Gepäck hatten.</p></blockquote>
<p>Zu dem politischen Alltag sucht Bohrer Distanz:</p>
<blockquote><p>Der anschwellende Gesang der politischen Korrektheit im eigenen Land war nur durch ein noch stärkeres Eintauchen in die Literatur zu überhören.</p></blockquote>
<p>Bohrer ist ein Konservativer, aber offen für das Überraschende. Er ist ein Polterer, wie auch Thomas Bernhard, mit dem er zu FAZ-Zeiten einmal Rindswurst aß; er schreibt mit galligem Humor. Über Hans-Jürgen Krahl, einen der führenden Köpfe des APO-Protests in Frankfurt, sagt er:</p>
<blockquote><p>Irgendetwas von der alten Mentalität war jedenfalls auch bei dem idealistisch Engagierten mit dem Megaphon hängengeblieben. Das galt übrigens nicht weniger für einige links engagierte Frauen, die geradewegs dem deutschen Frauenbund entlaufen zu sein schienen: Wie bedrückend und befremdlich das war! Nichts von Freiheit und Ungebundenheit!</p></blockquote>
<h3>Raum für die Phantasie</h3>
<p>Bohrer schildert unverstellt, was er empfindet und denkt. Anfang der 80er Jahre war er Germanistikprofessor in Bielefeld, aber mit Wohnsitz in Paris, wo er mit seiner damaligen Frau lebte, der 2002 gestorbenen Schriftstellerin Undine Gruenter. Paris reizte ihn mehr als die deutsche Provinz, denn es bot Raum für die Phantasie. Straßen und Plätze waren mit Bedeutung aufgeladen, mit Tradition und Geschichten. Die BRD fand er stillos und miefig. Nicht einmal dort, wo er die BRD lobt, reicht es zum Kompliment:</p>
<blockquote><p>… denn die bürgerliche Gesellschaft, die immerzu angegriffen werden sollte, war ein Schutz für die Phantasie, auch wenn sie selbst keine besaß.</p></blockquote>
<p>Der Widerwille gegenüber dem Alltag geht bei Bohrer so weit, dass er mit dem Anarchismus der Baader-Meinhof-Gruppe vage sympathisiert, wenn auch aus ästhetischen Gründen.</p>
<blockquote><p>Es galt, die nostalgische Idee, die Langeweile, die Normalität durch Phantasien von anarchistischen Erscheinungen zu unterlaufen. Die Baader-Meinhof-Leute belebten diese Erwartung, selbst wenn die Gruppe inzwischen als kriminelle ‚Bande‘ angesehen wurde.</p></blockquote>
<p>Mit Ulrike Meinhof übrigens war Bohrer bekannt, was ihm zu seiner Zeit als FAZ-Redakteur übel ausgelegt wurde.</p>
<h3>Momente der Initiation</h3>
<p>Bohrer liebt das Unerwartete. Die Lektüre Ernst Jüngers kam ihm in jenen Jahren gerade recht, denn hier fand Bohrer, was er suchte:</p>
<blockquote><p>Diese Wörter hießen: ‚Wunder‘, ‚Gefahr‘, ‚Schrecken‘. Das wichtigste Wort aber war ‚plötzlich‘.</p></blockquote>
<p>Was Bohrer dort liest – jener Rausch des Plötzlichen, wie er ihn schon bei den Surrealisten fand – bestimmt fortan sein Denken. In <em>Jetzt</em> forscht er nach den Initiationsmomenten: wie ein Mensch dazu kommt, genau jene Bücher zu wählen, die für seine intellektuelle Biographie bedeutsam werden.</p>
<p>In Bohrers Prosa begegnen sich der scharfe Intellekt und die Leidenschaft für die Sache, Bohrer reizt zum Widerspruch, und er denkt selbst in Widersprüchen. Diese Widersprüche trägt er nicht vermittelnd aus, sondern er spitzt sie essayistisch zu. Monologisch wie Thomas Bernhard und eingenommen von der eigenen Phantasie:</p>
<blockquote><p>Nein, ich fühlte mich nicht einsam – auch dann nicht, wenn ich nicht las oder schrieb. Weil ich mich in Selbstgesprächen auflösen konnte. Dazu brauchte man keinen Dialogpartner. Der Monolog war die königlichste Mitteilungsform. Nicht, weil man keinen Widerspruch zu erdulden hatte, sondern weil man, was damit allerdings zusammenhing, die Phantasie ins Unendliche treiben konnte.</p></blockquote>
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<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">
Karl Heinz Bohrer<br />
<strong>Jetzt</strong><br />
Geschichte meines Abenteuers mit der Phantasie<br />
Suhrkamp Verlag 2017 •542 Seiten • 26,00 Euro<br />
ISBN: 978-3-518-42579-4<br />
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Buchcover&lt;br /&gt;
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<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis</em><br />
<em> Beitragsbild: (c) Lars Hartmann</em><br />
<em> Buchcover: <a href="http://www.suhrkamp.de/buecher/jetzt-karl_heinz_bohrer_42579.html" target="_blank" rel="noopener">Suhrkamp Verlag</a></em></h6>
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