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	<title>Arbeitswelt &#8211; tell</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
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		<title>Schreiben als Job – und als Lebenswende</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 17 Jun 2017 08:36:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
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					<description><![CDATA[Für die Aktion "Invisible Philosophy" arbeiteten chinesische Tagelöhner einen Tag lang als Philosophen. Ein Gespräch mit den beiden Künstlern Stefan Baltensperger und David Siepert über die Schwierigkeiten und Überraschungen bei der Umsetzung dieses Projekts. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">Das Künstlerduo <a href="http://www.baltensperger-siepert.com/" target="_blank" rel="noopener">Baltensperger + Siepert</a> in Zürich besteht seit 2007. Ihre Kunst soll Systeme aufzeigen und in gesellschaftliche Prozesse eingreifen. Das Projekt <a href="http://www.baltensperger-siepert.com/invisible-philosophy" target="_blank" rel="noopener"><em>Invisible</em> <em>Philosophy</em></a> macht die &#8222;Unsichtbaren&#8220; Chinas sichtbar: Die Tagelöhner, die normalerweise nicht nach ihrer Sicht auf das Leben gefragt werden. Das Buch, das aus dieser Aktion entstanden ist, hat Sibylle Ciarloni für tell <a href="http://tell-review.de/philosoph-fuer-einen-tag/" target="_blank" rel="noopener">rezensiert</a>.</div></div>
<div id="attachment_10492" style="width: 390px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/Baltensperger-Siepert.jpeg"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10492" data-attachment-id="10492" data-permalink="https://tell-review.de/schreiben-als-job-und-als-lebenswende/baltensperger-siepert/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/Baltensperger-Siepert.jpeg?fit=851%2C1280&amp;ssl=1" data-orig-size="851,1280" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;4.5&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;Canon EOS 7D&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1426678663&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;31&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;125&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.025&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="Baltensperger-Siepert" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/Baltensperger-Siepert.jpeg?fit=685%2C1030&amp;ssl=1" class="wp-image-10492 " src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/Baltensperger-Siepert-199x300.jpeg?resize=380%2C572" alt="" width="380" height="572" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/Baltensperger-Siepert.jpeg?resize=199%2C300&amp;ssl=1 199w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/Baltensperger-Siepert.jpeg?resize=53%2C80&amp;ssl=1 53w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/Baltensperger-Siepert.jpeg?resize=768%2C1155&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/Baltensperger-Siepert.jpeg?resize=685%2C1030&amp;ssl=1 685w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/Baltensperger-Siepert.jpeg?resize=300%2C451&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/Baltensperger-Siepert.jpeg?w=851&amp;ssl=1 851w" sizes="(max-width: 380px) 100vw, 380px" /></a><p id="caption-attachment-10492" class="wp-caption-text">Stefan Baltensperger und David Siepert</p></div>
<p><strong>Sieglinde Geisel:</strong><em> Wie kommt es, dass ein deutsch-schweizerisches Künstlerduo für ein Projekt mit chinesischen Wanderarbeitern nach Peking geht?<br />
</em><strong>Baltensperger + Siepert: </strong>Uns interessiert die Frage, wie Menschen in ihrer Gesellschaft verortet werden. Wir hatten zuerst die Idee, mit Saisonarbeitern in Europa zu arbeiten, mit landwirtschaftlichen Erntehelfern zum Beispiel. Dann bekamen wir die Einladung eines Kunstraums in China, der sich auf immaterielle Kunst fokussiert. Und auf einmal sahen wir, dass wir dieses Projekt in China machen müssen. Im Rahmen eines früheren Projekts über Migration haben wir bereits einmal in China gearbeitet: Damals wollten wir einem in der Metropole ankommenden Wanderarbeiter sein komplettes mitgeführtes Gepäck abkaufen.<br />
Seit fünf Jahren steht das Thema Migration im Zentrum unseres Schaffens, in den vergangenen zwei Jahren mit einem Fokus auf Arbeit, im Sinn von „labour“. <span class="pull-left">Die chinesischen Arbeiter sind keineswegs nur die Verlierer dieser Gesellschaft.</span>Wir waren für dieses Projekt einen Monat in Peking. Zum Konzept des Kunstraums A307 gehört das Budget: Es beträgt einen Monatslohn eines Arbeiters, verbunden mit dem Bewusstsein für den Wert dieses Geldes – davon muss ein Arbeiter einen ganzen Monat leben! Das hatte zwar mit der Idee unseres Projekts unmittelbar nichts zu tun, aber es hat sehr gut dazu gepasst.<br />
Über chinesische Wanderarbeiter gibt es in Europa ein medial verbreitetes Stereotyp, dem niemand entgeht: Uns allen ist klar, dass diese Arbeiter den untersten Rand der Gesellschaft repräsentieren, die Verlierer des marktwirtschaftlichen Systems, das sich in China aufbaut. Dieses Stereotyp wird durch unser Buch dekonstruiert, ohne dass wir das selbst tun müssen. Denn die chinesischen Arbeiter sind keineswegs nur Verlierer dieser Gesellschaft. Auf dem Land gibt es viele Menschen, die von weniger als einem Dollar am Tag leben müssen. Die Wanderarbeiter schaffen es dagegen, in der Stadt genug Geld zu verdienen, um ihre Familien zu Hause zu unterstützen. Deshalb haben sie durch ihre Arbeit auch ein gewisses Ansehen, und viele sind mit ihrer Situation zufrieden. In unserem Projekt hatte einer der Arbeiter geschrieben, er hoffe, dass sein Leben in zwanzig Jahren noch so gut sei wie heute. Wir waren irritiert und fragten unsere Assistentin, wie diese Aussage zu verstehen sei, denn wir hoffen ja immer, dass es besser wird. Sie meinte, in seinem Leben sei schon so vieles besser geworden, dass er sich nicht vorstellen könne, dass es noch besser würde – daher die Befürchtung, es könne eigentlich nur noch schlechter werden.</p>
<h3>Arbeiter fürs Philosophieren gewinnen</h3>
<p><em>Wie habt ihr euch den Wanderarbeitern mit eurem Anliegen genähert?<br />
</em>Wir hatten das Glück, mit einer tollen Assistentin zu arbeiten, die uns bei der sprachlichen wie der kulturellen Übersetzung unterstützt hat. Die Tagelöhner bieten ihre Dienste auf Märkten an, beim Baugroßhandel oder an U-Bahnstationen. Die Arbeiter kommen früh morgens, meistens sind es zwischen fünf und vierzig Arbeitssuchende, manchmal bis zu hundert. Die meisten tragen ein Kartonschild, auf dem die Fähigkeiten notiert sind, die er oder sie beherrscht. Dann kommen die Kunden, suchen sich die Arbeiter aus und verhandeln über den Preis.<br />
Es ist natürlich eine besondere Situation, wenn zwei Langnasen aus Europa kommen und Arbeiter dafür anstellen wollen, ihre Gedanken zu Papier zu bringen! Viele dachten, sie seien nicht qualifiziert für das, was wir von ihnen wollten. Wenn sie sich für etwas anstellen lassen, was sie nicht können, droht ihnen, dass sie ohne Lohn mit Schimpf und Schande davongejagt werden. Wir mussten sie davon überzeugen, dass wir keine Erwartungen haben – außer der Bedingung, dass sie sich ernsthaft mit der Aufgabe auseinandersetzen und bis zum Abend dranbleiben.<span class="pull-right">Wir mussten erst einmal herausfinden, ob jemand überhaupt schreiben kann.</span><br />
Wir waren jeweils um 7 oder 8 Uhr auf den Märkten, ab 9 Uhr gehen die Arbeiter wieder nach Hause, denn dann kriegen sie keine Arbeit mehr. Das war unser Zeitfenster. Die Verhandlungen konnten ziemlich lange dauern, denn wir mussten erst einmal herausfinden, ob jemand überhaupt schreiben kann. In China muss man dafür sorgen, dass niemand das Gesicht verliert, also wollten wir das nicht direkt erfragen.<br />
Und es war schwierig, Arbeiterinnen für das Projekt zu gewinnen. Einige Frauen kamen über Empfehlungen. Auf den Märkten arbeiten sie oft mit ihrem Mann als Paar zusammen, dann hieß es etwa: Fragt meinen Mann, der kann das! Eine Frau rief ihren Mann an, der sie dann zu uns begleitete, als er sah, dass das alles seine Ordnung hat und wir auch eine Assistentin haben, konnte sie bleiben.</p>
<h3>Nachdenken über das Leben</h3>
<p><em>Wie habt ihr den chinesischen Arbeitern den Begriff Philosophie erklärt?<br />
</em>Unser westlicher Philosophiebegriff ist durch die griechische Antike geprägt. Auch in China gibt es eine philosophische Tradition, Konfuzius etwa ist vielen geläufig. In den ersten Tagen haben wir diesen Namen einige Male in den Mund genommen – aber das war jedes Mal ein <em>deal breaker</em>! Die Tagelöhner wollten sich nicht anmaßen, einen Text zu verfassen, der mit Konfuzius verglichen würde. Wir haben den Begriff dann umschrieben: „nachdenken über das Leben“, „sich Gedanken machen über die Gesellschaft“&#8230;<span class="pull-left">Viele waren froh, wenn sie am nächsten Tag wieder ihrer regulären Arbeit nachgehen konnten.</span></p>
<p><em>War es schwierig, Tagelöhner fürs Philosophieren zu gewinnen?<br />
</em>Es war einfacher, wenn wir neu auf einen Markt kamen. Am ersten Tag hatten wir nach zehn Minuten bereits jemanden gefunden. Auf Märkten, wo schon einmal jemand bei uns gearbeitet hatte, war es schwieriger, denn der riet den anderen oft davon ab: Mach da nicht mit, das ist unglaublich anstrengend! Viele waren froh, wenn sie am nächsten Tag nach dem Schreiben wieder ihrer regulären Arbeit nachgehen konnten.<br />
Und dann gab es auch Bedenken wegen der Anonymität: Manche gaben viel von sich preis und befürchteten, dass das an andere Arbeiter weitergegeben würde, die sie von den Märkten her kennen.</p>
<p><em>Ich hatte mich über die Anonymität gewundert, denn euch ging es ja gerade darum, diese „unsichtbaren“ Menschen sichtbar zu machen.<br />
</em>Die Anonymität war von Anfang an Bedingung. Sie dient dem Schutz der Schreibenden. Die Texte werden ja veröffentlicht, und viele haben sehr persönliche Dinge preisgegeben. Manche wollten auch nicht fotografiert werden.</p>
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<p>&nbsp;</p>
<h3>Erschütterung durch das Schreiben</h3>
<p><em>Acht Stunden schreiben ist in der Tat eine Herausforderung. Selbst ich als Journalistin würde das nicht machen wollen!<br />
</em>Ja, es hört sich im ersten Moment nach einer leichten Arbeit an, aber es ist wirklich anspruchsvoll. Wir hatten allerdings eine Frau, die den Schreibstift tatsächlich bis zum Abend nicht mehr aus der Hand legte. Für sie war das Schreiben eine Lebenswende. Sie hat ihre Lebensgeschichte aufgeschrieben – wie sie darüber nachgedacht hatte, sich selbst zu töten. Sie hatte Probleme mit ihrem Mann. Unsere Assistentin hatte, noch während die Frau am Schreiben war, einige Seiten übersetzt und uns gewarnt, dass das in eine schwierige Richtung gehe. Wir überlegten, ob wir die Frau am Abend überhaupt nach Hause gehen lassen können oder ob wir eine Art Frauenhaus für sie suchen sollten. Was uns dann völlig überraschte: Sie wollte ihren Text mitnehmen! Ihr Mann müsse lesen, was sie geschrieben habe, sie wollte mit ihrer Familie darüber reden.<span class="pull-right">Es ist interessant, wie unterschiedlich die Leute schreiben.</span><br />
Es gab einen weiteren Fall, wo das Schreiben eine Erschütterung auslöste. Ein Mann schrieb eine Stunde und brach dann in Tränen aus. Er hatte darüber nachgedacht, wie er sich fühlen würde, wenn er nach Hause aufs Land gefahren wäre, um seinen Vater zu pflegen, der dann starb. Der Mann war in der Stadt geblieben um zu arbeiten und hatte wohl nicht damit gerechnet, dass sein Vater sterben würde. Er konnte nicht mehr weiterschreiben. Als einziger hat er die Schreib-Aktion abgebrochen.</p>
<p><em>Gab es viele, die mitnehmen wollten, was sie geschrieben hatten?<br />
</em>Einige haben es abfotografiert, für andere war es einfach ein Job. Und einige sind beim Schreiben nicht weitergekommen. Von den 21 Texten, die entstanden, haben wir nur 15 ins Buch aufgenommen.</p>
<p><em>Wie ging das Schreiben vor sich?<br />
</em>Uns ging es um Vertiefung. Die Tagelöhner saßen allein im Atelier am Tisch, wir saßen auf dem Balkon. Es ist interessant, wie unterschiedlich die Leute schreiben: Eine Frau hatte sich zuvor ein Konzept gemacht und am Ende alles ins Reine geschrieben. Andere haben sofort angefangen zu schreiben. Ein Mann wiederum starrte den ganzen Morgen Löcher in die Luft – und dann hat er den Rest des Tages konzentriert durchgeschrieben.<br />
Am Mittag gingen wir mit den Arbeitern Essen, da war dann Zeit für den Austausch. Manche waren begierig darauf zu wissen, wie unsere Welt aussieht. Andere wiederum waren weniger interessiert.</p>
<h3>Die Tücken der Übersetzung</h3>
<p><em>Was für Überraschungen habt ihr bei diesem Projekt sonst noch erlebt?<br />
</em>Eine Überraschung war der Tageslohn, den die Arbeiter auf den Märkten verlangten: Es war nicht etwa ein Zwanzigstel oder ein Einunddreißigstel eines Monatslohns, sondern ein Fünftel! Sie erklärten uns, die wirtschaftliche Situation sei schlecht, auf dem Bau werde wenig gearbeitet, deshalb fänden sie höchsten an fünf Tagen im Monat Arbeit, und demzufolge sei ihr Tageslohn ein Fünftel des Monatseinkommens, 300 Yuan. Niemand war bereit, mit dem Preis herunterzugehen, das war wie ein Mindestlohn. Wenn es wieder mehr Arbeit gebe, sinke der Tageslohn. Bei uns in Europa ist die Marktlogik umgekehrt: Mit der Nachfrage steigt der Preis. Doch das chinesische System ist eigentlich logischer.</p>
<p><em>Wie wurden die Texte übersetzt?<br />
</em>Das war ein komplizierter Prozess. Zuerst übersetzte unsere Assistentin die Texte, doch ihr Englisch war eher Chinglish. Nachdem wir aus ihren Sätzen korrektes Englisch gemacht hatten, veränderte sich jedoch teilweise die Bedeutung. Als wir die englische Übersetzung einer anderen Chinesin zum Gegenlesen gaben, meinte sie: Das ist ein schöner englischer Text, aber mit dem Original hat er nicht mehr viel zu tun. Wir brauchten drei Korrektur-Runden, bis wir zu der Fassung kamen, die nun im Buch abgedruckt ist.<span class="pull-left">Manchmal wählten die Schreiber das falsche Zeichen, und dann ergab der Satz keinen Sinn mehr.</span><br />
Das andere Problem steckte bereits im Original. Zwar hatten alle Schreiber in der Schule schreiben gelernt, aber wenn man im Chinesischen den Wortschatz nicht aktiv pflegt, verliert man die Zeichen, denn jedes Wort besitzt ja ein anderes Schriftzeichen. Ohne Mobiltelefon wäre diese Arbeit nicht möglich gewesen. Die Arbeiter behalfen sich mit Pinyin, einer phonetischen Schrift mit lateinischem Alphabet. Man gibt den Begriff im Pinyin ins Handy ein und bekommt dann Schriftzeichen angezeigt, die der Lautgestalt entsprechen. Manchmal wählten die Schreiber das falsche Zeichen, und dann ergab der Satz keinen Sinn mehr. Beim Übersetzen muss man herausfinden, welches ähnlich klingende Wort in dem Satz Sinn macht und dann das richtige Zeichen einfügen. Überdies sind die Originaltexte jeweils im lokalen Dialekt abgefasst, den wir dann ins Mandarin übertragen haben. Wenn jemand chinesisch kann, sollte er unbedingt die Originalhandschriften lesen!</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" data-attachment-id="10511" data-permalink="https://tell-review.de/schreiben-als-job-und-als-lebenswende/notizzettel-chinesisch/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/Notizzettel-chinesisch.jpg?fit=1890%2C1260&amp;ssl=1" data-orig-size="1890,1260" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Notizzettel chinesisch" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/Notizzettel-chinesisch.jpg?fit=900%2C600&amp;ssl=1" class=" wp-image-10511 aligncenter" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/Notizzettel-chinesisch-300x200.jpg?resize=900%2C600" alt="" width="900" height="600" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/Notizzettel-chinesisch.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/Notizzettel-chinesisch.jpg?resize=80%2C53&amp;ssl=1 80w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/Notizzettel-chinesisch.jpg?resize=768%2C512&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/Notizzettel-chinesisch.jpg?resize=1030%2C687&amp;ssl=1 1030w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/Notizzettel-chinesisch.jpg?resize=450%2C300&amp;ssl=1 450w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/Notizzettel-chinesisch.jpg?resize=1300%2C867&amp;ssl=1 1300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/Notizzettel-chinesisch.jpg?w=1890&amp;ssl=1 1890w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/Notizzettel-chinesisch.jpg?w=1800&amp;ssl=1 1800w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></p>
<h3>Der Traum vom Reichwerden</h3>
<p><em>Die chinesischen Handschriften zu lesen, ist allerdings nicht ganz leicht. Denn das Faksimile des Originals befindet sich jeweils innen in den Doppelseiten, die man dafür erst aufschneiden müsste.<br />
</em>Es ist ein Spiel, ob man das aufschneiden möchte. Man dringt ja sozusagen in den intimen Raum des Schreibens ein. Wir wollten diese Originaltexte im Buch haben, denn in der Handschrift schimmert die Persönlichkeit der Schreibenden durch. Die Gestaltung des Buchs war eine Herausforderung. Wir haben drei Elemente: die chinesische Handschrift, das gedruckte Mandarin und die englische Übersetzung, und jedes dieser Elemente hat seine eigene Ästhetik. Für die Gestaltung des Buches konnten wir eine talentierte Grafikerin gewinnen, die zuvor im Museum Rietberg in Zürich den Katalog für die Ausstellung <em>Magie der Zeichen – 3000 Jahre chinesische Schriftkunst</em> betreut hat. Sie hatte Erfahrung mit chinesischen Schriftzeichen, und von ihr kam auch das Gestaltungskonzept mit der japanischen Bindung.<span class="pull-right">Jeder hat von jemandem gehört, der den chinesischen Traum lebt.</span></p>
<p><em>In dem Buch gibt es auch eine Reihe theoretischer Texte.</em><br />
Jeder Mensch ist eingebettet in einen gesellschaftlichen und kulturellen Kontext, so auch die Tagelöhner, die ihre Gedanken für dieses Buch preisgaben. Es war uns daher ein Anliegen, auch Texte im Buch zu haben, die dem Leser diesen Kontext sowie die prekäre Situation dieser Arbeiterinnen und Arbeiter vermitteln. Denn man könnte die Texte der Tagelöhner auch oberflächlich interpretieren: Sie schreiben für Geld, oft schreiben sie auch über Geld, und man könnte es so auslegen, als wären sie geldgierig. Es ist wichtig zu verstehen, dass sie im Prekariat in einer Gesellschaft leben, die daran ist, sich wirtschaftlich zu öffnen. Es gibt die Möglichkeit, reich zu werden, und jeder von ihnen hat von jemandem gehört oder kennt selbst jemanden, der den chinesischen Traum lebt. Da stellt sich natürlich die Frage: Wie kann man an dieser neuen Gesellschaftsform partizipieren?</p>
<p><em>Das sind aber keine chinesischen Autoren</em><em>,</em><em> bis auf eine Ausnahme.<br />
</em>Das stimmt, lediglich ein Textbeitrag wurde von einer chinesischen Reporterin geschrieben. Für die in China erscheinende Ausgabe des Buchs haben wir chinesische Intellektuelle um weitere Textbeiträge gebeten. Wir sind gespannt darauf zu lesen, wie sie das Thema verorten und das Geschriebene interpretieren.</p>
<div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">Hier geht es zur Rezension <a href="http://tell-review.de/philosoph-fuer-einen-tag/" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Philosoph für einen Tag&#8220;</a> von Sibylle Ciarloni</div></div>
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">
Stefan Baltensperger und David Siepert (Hg.)<br />
<strong>Invisible Philosophy</strong><br />
Amsel Verlag 2017 • 123 Seiten • 38 Euro<br />
ISBN: 978-3-906325-17-0</p>
<p>Mit Essays von<br />
Xu Wenwen, Journalistin beim Shanghai Daily<br />
Prof. Dr. Matthias Messmer, Philosoph und Autor<br />
Prof. Dr. Dorothee Richter, Kunstwissenschaftlerin und Kuratorin<br />
Prof. Dr. Jörg Huber, Professor für die Theorie der Ästhetik<br />
Die Autoren setzen sich mit der Arbeit der Künstler und mit den Notizen der Unsichtbaren auseinander.</p>
<h6 style="text-align: right;">Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="http://www.amazon.de/dp/3906325172/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow noopener">Amazon</a> oder im lokalen Buchhandel<br />
</div></div>
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="10385" data-permalink="https://tell-review.de/philosoph-fuer-einen-tag/cover_invisible_philosophy/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/Cover_Invisible_Philosophy.jpg?fit=388%2C499&amp;ssl=1" data-orig-size="388,499" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover_Invisible_Philosophy" data-image-description="&lt;p&gt;Baltensperger/Siepert&lt;br /&gt;
Invisible Philosophy&lt;br /&gt;
Amsel Verlag Zürich 2017&lt;br /&gt;
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<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis</em><br />
<em> Beitragsbild, Buchcover und Abbildungen aus</em><br />
<em> Baltensperger/Siepert: Invisible Philosophy</em><br />
<em> <a href="http://amselverlag.ch/" target="_blank" rel="noopener">Amsel Verlag Zürich</a>, <a href="http://www.baltensperger-siepert.com/invisible-philosophy" target="_blank" rel="noopener">Baltensperger+Siepert</a></em></h6>
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		<title>Philosoph für einen Tag</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sibylle Ciarloni]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Jun 2017 08:29:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitswelt]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
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					<description><![CDATA[Zwei Schweizer Künstler verbringen einen Monat mit einer philosophischen Untersuchung in Peking. Sie befragen Tagelöhner zu ihrer Sicht auf das Leben. Damit geben sie Menschen das Wort, die normalerweise nicht gefragt werden.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dropcap">W</span>essen Gedanken werden in unserer Gesellschaft anerkannt? Wer darf in der Öffentlichkeit das Wort ergreifen? Diese Fragen standen am Anfang der Erkundung von Stefan Baltensperger und David Siepert. Mithilfe einer ortskundigen Assistentin suchten die beiden Künstler jeweils frühmorgens in der Nähe von Baumaterial-Märkten nach Tagelöhnern, die bereit waren, einen Tag lang als Philosoph oder Philosophin zu arbeiten.</p>
<h3>Gedanken zu sich selbst und über die Welt</h3>
<p>Die Tagelöhnerinnen und Tagelöhner werden in China „Unsichtbare“ genannt, und in der Tat sind sie allgegenwärtig und unsichtbar. Berührungspunkte zwischen ihnen und dem Rest der Gesellschaft gibt es kaum. Frühmorgens auf den Baumaterial-Märkten bieten sie auf Kartonschildern ihre Handfertigkeiten an: Schreinern, Tapezieren, Kabel verlegen. Nun werden sie von zwei europäischen Künstlern zum Nachdenken, Verwerfen, Beschließen, Aufschreiben und Reflektieren aufgeboten. So etwas steht auf keinem ihrer Schilder.</p>
<p>Jeden Morgen suchen die beiden Künstler eine andere Arbeiterin, einen anderen Arbeiter. Sie überzeugen sie, für einen Tageslohn als Philosoph zu arbeiten. Kurz nach der Absprache setzt der Tagesphilosoph sich an einen Tisch und tut, wofür er bezahlt wird. Der Tisch steht in einem temporär eingerichteten Arbeitsraum. Plötzlich sind Tagelöhner Philosophen geworden. Sie notieren ihre Gedanken zu sich selbst und über die Welt, in der sie leben. Die Handschriften sind so verschieden wie sie selbst.</p>
<p>Fünfzehn Texte sind in dem Buch abgedruckt, das die beiden Künstler aus den Tagesarbeiten geschaffen haben. Die handschriftlichen Notizen wurden erst aus dem jeweiligen Dialekt ins Mandarin übertragen und danach ins Englische übersetzt. Alle drei Phasen der Arbeit am Text – Handschrift, Mandarin, Englisch – sind im Buch sichtbar. Die Namen der Tagesphilosophen werden nicht genannt. In einem Bildteil sieht man sie bei der Arbeit.</p>
<p>Das Übersetzen stellte eine besondere Herausforderung dar, nicht nur wegen der Dialekt-Färbungen. Viele chinesische Worte haben je nach Zusammenhang unterschiedliche Bedeutungen. So ist an manchen Stellen etwa nicht mit Sicherheit zu sagen, ob ein Wort mit „Partei“ oder eher mit „Gesellschaft“ zu übersetzen gewesen wäre.</p>
<p>Bei der Herstellung des Buches handelt es sich um eine Adaption der Japan-Bindung. Die Bögen werden auf beiden Seiten bedruckt und in der Mitte gefalzt. Die Falzungen bleiben nach dem Binden erhalten. Der Umschlag ist aus fester Pappe. Auf den ersten Blick sieht man die chinesische Schrift und die englische Übersetzung. Das Faksimile der handschriftlichen Notizen befindet sich auf der Innenseite der Druckbögen. Um die Handschrift der „Unsichtbaren“ zu sehen, muss man die Seiten auseinanderziehen oder aufschneiden.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="10387" data-permalink="https://tell-review.de/philosoph-fuer-einen-tag/invisible_philosophy_japanbindung/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/Invisible_Philosophy_Japanbindung.jpg?fit=1800%2C1200&amp;ssl=1" data-orig-size="1800,1200" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Invisible_Philosophy_Japanbindung" data-image-description="&lt;p&gt;Baltensperger/Siepert&lt;br /&gt;
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<h3>„Money, money, money, what a wonderful word.“</h3>
<p>Beim Lesen ist es, als säße man den Tagesphilosophen gegenüber und hörte sie reden. Ein Leben nach dem anderen wird erzählt. Manche Berichte und Gedanken wirken schlüssig, andere nicht. Eine Frau arbeitet bis an ihre Grenzen – und will noch mehr arbeiten. „I wish I could be Superwoman.“ So heißt es in der Übersetzung ihres Texts. Am Feierabend nach der Arbeit studiert sie Mathematik- und Chemiebücher, ein Studium an der Universität war ihr verwehrt geblieben. Alles, was sie in Zukunft mit noch härterer Arbeit verdiene, werde sie ihren Eltern geben, dem Land, alten Menschen, der Partei und auch Behinderten. Sie träumt davon, einen Kleiderladen zu eröffnen, um mehr Geld zu verdienen, als sie das heute als Tagelöhnerin kann.</p>
<p>Niemand der Tagesphilosophen wurde in Peking geboren. Sie stammen aus den Provinzen und hoffen, in der Hauptstadt ihr Glück zu finden. Dieses Glück allerdings besteht aus harter Arbeit – nur zwei der fünfzehn Männer und Frauen, deren Berichte man im Buch lesen kann, scheinen glücklich zu sein: der eine, weil seine Frau schwanger ist und der andere, weil er, wie er schreibt, kaum etwas ernst nehme und gerne scherze. Ein Mann sagt, er habe schon lange nicht mehr über den Sinn des Lebens nachgedacht. Er sei auch nie gefragt worden. Ihm scheine, dass alles im Leben mit Geld zu tun habe. „Money, money, money, what a wonderful word.“</p>
<p>Manche denken über die Vergangenheit nach und versuchen, eine Logik hinter den Ereignissen in China und ihrer eigenen, privaten Welt zu finden. Manche stellen Zusammenhänge her. Die meisten denken an die zukünftigen Generationen und sind davon überzeugt, dass China eine prosperierende Zukunft vor sich hat. Auffallend ist der Respekt gegenüber älteren Menschen und den Vorfahren. Einige sprechen von der Zeit, als die Partei „noch für die Menschen sorgte“ und zeigen sich dafür dankbar. Früher wurde von einem Gemeindegremium bestimmt, wer in den Genuss einer höheren Bildung kam. Krankheit oder ein Unfall konnten für die Familie den Ruin bedeuten. Mao habe das Volk dazu aufgerufen, hart zu arbeiten. Deng sagte, „we had to emancipate our minds and open up a new road“. Von der aktuellen Regierung und deren Plänen für das Volk spricht niemand.</p>
<h3>In der Falle</h3>
<p>Eine Aussage findet sich fast identisch in den Notizen einer Frau und eines Mannes: „I know my main path in life but sometimes I wander down the side roads.“ Einer der Tagelöhner ist sehr jung, ungefähr zwanzig. „I jumped into a well-designed trap“, sagt er über seine Umsiedlung nach Peking, und: „My happiest moments were the chances to get a rest.“ Doch auch er will noch härter arbeiten.</p>
<p>Einer von ihnen erzählt, dass er kürzlich einen Mann dafür getadelt habe, dass dieser ein angebissenes Brötchen weggeworfen hat – mit seiner Rüge habe er ihn dazu gebracht, ein besserer Mensch zu werden, davon ist der Schreiber überzeugt. Ein anderer stellt Fragen. Eine lautet: Wie wäre es, wenn alles Geld der Welt plötzlich verschwinden würde? Dann schreibt er: „None of these hypotheses are possible.“ Schließlich zeichnet er einen Vogel, der zwischen Bergen hindurchfliegt.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="10388" data-permalink="https://tell-review.de/philosoph-fuer-einen-tag/voegel_berge/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/V%C3%B6gel_Berge.png?fit=1280%2C960&amp;ssl=1" data-orig-size="1280,960" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Vögel_Berge" data-image-description="&lt;p&gt;Baltensperger/Siepert&lt;br /&gt;
Invisible Philosophy&lt;br /&gt;
Amsel Verlag Zürich 2017&lt;br /&gt;
Vögel und Berge&lt;br /&gt;
http://www.baltensperger-siepert.com/invisible-philosophy&lt;/p&gt;
" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/V%C3%B6gel_Berge.png?fit=900%2C675&amp;ssl=1" class="aligncenter wp-image-10388 size-large" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/V%C3%B6gel_Berge-1030x773.png?resize=900%2C675" alt="" width="900" height="675" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/V%C3%B6gel_Berge.png?resize=1030%2C773&amp;ssl=1 1030w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/V%C3%B6gel_Berge.png?resize=80%2C60&amp;ssl=1 80w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/V%C3%B6gel_Berge.png?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/V%C3%B6gel_Berge.png?resize=768%2C576&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/V%C3%B6gel_Berge.png?w=1280&amp;ssl=1 1280w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /></p>
<p>Ein Mann berichtet von den arrangierten Treffen mit heiratswilligen Frauen, allerdings habe er dafür viel zu viel Geld ausgegeben. Dann will er erklären, wie man schnell Geld verdient, führt seine Ideen aber nicht weiter aus und erzählt nun wieder von sich – und von der Frau, die er dann doch gefunden hat. Er ist einer der beiden Glücklichen in dem Buch.</p>
<p>Die Tagesphilosophen tasten sich eher vorsichtig an die großen Fragen heran. Manchmal blitzen ihre eigenen Ideen nur zwischen den Zeilen hervor. Sie, die vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben gefragt worden waren, wie sie über die Welt denken und was sie sich wünschen, haben etwas gemeinsam: Sie haben immer zu wenig Geld. Und sie alle denken, dass der Besitz von mehr Geld ihre Situation verbessern würde.</p>
<div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">Hier geht es zum Interview mit Baltensperger + Siepert: <a href="http://tell-review.de/schreiben-als-job-und-als-lebenswende/" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Schreiben als Job – und als Lebenswende&#8220;</a></div></div>
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">
Stefan Baltensperger und David Siepert (Hg.)<br />
<strong>Invisible Philosophy</strong><br />
Amsel Verlag 2017 • 123 Seiten • 38 Euro<br />
ISBN: 978-3-906325-17-0</p>
<p>Mit Essays von<br />
Xu Wenwen, Journalistin beim Shanghai Daily<br />
Prof. Dr. Matthias Messmer, Philosoph und Autor<br />
Prof. Dr. Dorothee Richter, Kunstwissenschaftlerin und Kuratorin<br />
Prof. Dr. Jörg Huber, Professor für die Theorie der Ästhetik<br />
Die Autoren setzen sich mit der Arbeit der Künstler und mit den Notizen der Unsichtbaren auseinander.</p>
<h6 style="text-align: right;">Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="http://www.amazon.de/dp/3906325172/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow noopener">Amazon</a> oder im lokalen Buchhandel<br />
</div></div>
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="10385" data-permalink="https://tell-review.de/philosoph-fuer-einen-tag/cover_invisible_philosophy/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2017/06/Cover_Invisible_Philosophy.jpg?fit=388%2C499&amp;ssl=1" data-orig-size="388,499" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Cover_Invisible_Philosophy" data-image-description="&lt;p&gt;Baltensperger/Siepert&lt;br /&gt;
Invisible Philosophy&lt;br /&gt;
Amsel Verlag Zürich 2017&lt;br /&gt;
Buchcover&lt;br /&gt;
http://www.baltensperger-siepert.com/invisible-philosophy&lt;/p&gt;
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</div></div></h6>
<p>&nbsp;</p>
<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis</em><br />
<em> Beitragsbild, Buchcover und Abbildungen aus</em><br />
<em> Baltensperger/Siepert: Invisible Philosophy</em><br />
<em> <a href="http://amselverlag.ch/" target="_blank" rel="noopener">Amsel Verlag Zürich</a>, <a href="http://www.baltensperger-siepert.com/invisible-philosophy" target="_blank" rel="noopener">Baltensperger+Siepert</a></em><br />
<em> Foto der Zeichnung Berge und Vögel: Sieglinde Geisel</em></h6>
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