<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	
	>
<channel>
	<title>
	Kommentare zu: Satz für Satz 6: Glanz und Elend des Adjektivs	</title>
	<atom:link href="https://tell-review.de/satz-fuer-satz-6-glanz-und-elend-des-adjektivs/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://tell-review.de/satz-fuer-satz-6-glanz-und-elend-des-adjektivs/</link>
	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
	<lastBuildDate>Fri, 02 Feb 2018 00:34:12 +0000</lastBuildDate>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	
	<item>
		<title>
		Von: Schröersche		</title>
		<link>https://tell-review.de/satz-fuer-satz-6-glanz-und-elend-des-adjektivs/#comment-347</link>

		<dc:creator><![CDATA[Schröersche]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Aug 2016 08:30:47 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=3681#comment-347</guid>

					<description><![CDATA[Bemerkenswert, dieser letzte Satz von Holio. Wird mir wie Joachim Kaisers Ausruf: &quot;Ein Hoch dem Hornisten!&quot; am Schluß einer Musikkritik in Erinnerung bleiben: unverhofft, eine Spur ungewollt witzig.

Ich liebe die grimmigen Stilgebote Strunks.

Die Verteidigung angemessener Adjektive und Adverbien gefällt mir, besonders der Hinweis auf ihre Rolle in Melodie und Rhytmus.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bemerkenswert, dieser letzte Satz von Holio. Wird mir wie Joachim Kaisers Ausruf: &#8222;Ein Hoch dem Hornisten!&#8220; am Schluß einer Musikkritik in Erinnerung bleiben: unverhofft, eine Spur ungewollt witzig.</p>
<p>Ich liebe die grimmigen Stilgebote Strunks.</p>
<p>Die Verteidigung angemessener Adjektive und Adverbien gefällt mir, besonders der Hinweis auf ihre Rolle in Melodie und Rhytmus.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: holio		</title>
		<link>https://tell-review.de/satz-fuer-satz-6-glanz-und-elend-des-adjektivs/#comment-345</link>

		<dc:creator><![CDATA[holio]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Aug 2016 19:36:24 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=3681#comment-345</guid>

					<description><![CDATA[In Stifters Hochwald spielt ein Adjektiv eine bedeutende Rolle. Im Hörensagen deutet sich an, dass ein Wildschütz kleine Kugeln gebrauche:

Man fand den Müller im Parkfriedergehölze beim Muttergottesbilde, wo sich die Wege theilen, und keine einzige Wunde an seinem Leibe, als das Loch der kleinen Kugel durch die Schläfe, und kein Mensch, als nur dieser Wildschütze, gebraucht so kleine Kugeln. 

»Aber in den Glöckelbergen schwemmte der Bach erst neulich die Knochen eines Eberkopfes aus, in denen die kleine Kugel steckte.«

Als dann unvermittelt ein Geier über dem idyllischen Bergsee erschossen wird und kein Schütze zu erblicken ist, wirkt dies gespenstisch. Der Absatz nach dem Hall des Schusses ist ohne Adjektive und adverblos zweifelsfrei verständlich. Doch spannen die Adjektive einen weiten Raum auf, dehnen eine große Spannung, die erst mit dem &quot;gelassen&quot; und &quot;unbefangen&quot; des Oheims am Ende zusammenfällt. Die Sonne wird als weißglühende Lichtkugel in Dimensionen des Alls versetzt, die Schatten machen sich breit, das Abendlicht wird müde belebt, während der erschossene Vogel naturwidrig toth ist. Wieder das Extrem Weiß, welches in die Augen gleißt. Ein Schimmer ist grünrot, nicht politisch rotgrün, aber als Nichtnaturkind fehlt mir eine Ahnung, ob diese Komplementärfarben gemeinsamen Auftritt haben können. Das Ufer ist sumpfig, was keine Redundanz zum Gewirre der Baumstämme bildet und also berechtigt ist. Jeder kleinste Zweig, treibt Stifter die Maßstäbe weiter ins Extreme. Ganz wie Bashō lässt er einen Frosch ins Wasser springen und nur lieblich leichte Wellen schlagen. Mit nicht dem geringsten Anzeichen rührt Stifter wieder ans Extrem. Irgendein Schütze ist wieder ganz vage. Das gute Auge des Schützen droht heute missverstanden zu werden als moralisch gutes. Wieder spannt Stifter das Betttuch auf, indem die Ruderschläge langsame sind. Ebenso langsam ist vielleicht die Sonne vor- und niedergerückt und hat die Schatten breiter werden lassen, doch antagonistisch schnell hat der Schuss den Geier vom Himmel geholt. Zwei doppelte Adjektive tauchen nun auf, die die Situation ins Klingen bringen: &quot;die langen triefenden Schwingen, die nassen klebenden Federn&quot;. Keine zwei Adjektive hintereinander tauchen sonst auf in diesem Absatz. Lautmalerisch hat er also zähes A-I-I wie A-E-E getuscht. Gleich darauf schrumpft es indes auf das eine Adjektiv sehnig zurück. 

Warum nicht eine nur kleine Kugel? Nein, eine sehr kleine vermerkt Stifter. Die Steigerungsform sehr bereitet uns vor, Johannas und Clarissas Reaktion zu verstehen. Sehr lässt sich als außergewöhnlich verstehen, was den Spukgeschichten Raum gewährt. Mit hier wieder nur einfachen Adjektiven ist Clarissas Auge gespannt und Herz klopfend. Der lederne Beutel des Oheims erinnert dabei an Cooper.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In Stifters Hochwald spielt ein Adjektiv eine bedeutende Rolle. Im Hörensagen deutet sich an, dass ein Wildschütz kleine Kugeln gebrauche:</p>
<p>Man fand den Müller im Parkfriedergehölze beim Muttergottesbilde, wo sich die Wege theilen, und keine einzige Wunde an seinem Leibe, als das Loch der kleinen Kugel durch die Schläfe, und kein Mensch, als nur dieser Wildschütze, gebraucht so kleine Kugeln. </p>
<p>»Aber in den Glöckelbergen schwemmte der Bach erst neulich die Knochen eines Eberkopfes aus, in denen die kleine Kugel steckte.«</p>
<p>Als dann unvermittelt ein Geier über dem idyllischen Bergsee erschossen wird und kein Schütze zu erblicken ist, wirkt dies gespenstisch. Der Absatz nach dem Hall des Schusses ist ohne Adjektive und adverblos zweifelsfrei verständlich. Doch spannen die Adjektive einen weiten Raum auf, dehnen eine große Spannung, die erst mit dem &#8222;gelassen&#8220; und &#8222;unbefangen&#8220; des Oheims am Ende zusammenfällt. Die Sonne wird als weißglühende Lichtkugel in Dimensionen des Alls versetzt, die Schatten machen sich breit, das Abendlicht wird müde belebt, während der erschossene Vogel naturwidrig toth ist. Wieder das Extrem Weiß, welches in die Augen gleißt. Ein Schimmer ist grünrot, nicht politisch rotgrün, aber als Nichtnaturkind fehlt mir eine Ahnung, ob diese Komplementärfarben gemeinsamen Auftritt haben können. Das Ufer ist sumpfig, was keine Redundanz zum Gewirre der Baumstämme bildet und also berechtigt ist. Jeder kleinste Zweig, treibt Stifter die Maßstäbe weiter ins Extreme. Ganz wie Bashō lässt er einen Frosch ins Wasser springen und nur lieblich leichte Wellen schlagen. Mit nicht dem geringsten Anzeichen rührt Stifter wieder ans Extrem. Irgendein Schütze ist wieder ganz vage. Das gute Auge des Schützen droht heute missverstanden zu werden als moralisch gutes. Wieder spannt Stifter das Betttuch auf, indem die Ruderschläge langsame sind. Ebenso langsam ist vielleicht die Sonne vor- und niedergerückt und hat die Schatten breiter werden lassen, doch antagonistisch schnell hat der Schuss den Geier vom Himmel geholt. Zwei doppelte Adjektive tauchen nun auf, die die Situation ins Klingen bringen: &#8222;die langen triefenden Schwingen, die nassen klebenden Federn&#8220;. Keine zwei Adjektive hintereinander tauchen sonst auf in diesem Absatz. Lautmalerisch hat er also zähes A-I-I wie A-E-E getuscht. Gleich darauf schrumpft es indes auf das eine Adjektiv sehnig zurück. </p>
<p>Warum nicht eine nur kleine Kugel? Nein, eine sehr kleine vermerkt Stifter. Die Steigerungsform sehr bereitet uns vor, Johannas und Clarissas Reaktion zu verstehen. Sehr lässt sich als außergewöhnlich verstehen, was den Spukgeschichten Raum gewährt. Mit hier wieder nur einfachen Adjektiven ist Clarissas Auge gespannt und Herz klopfend. Der lederne Beutel des Oheims erinnert dabei an Cooper.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Lars Hartmann		</title>
		<link>https://tell-review.de/satz-fuer-satz-6-glanz-und-elend-des-adjektivs/#comment-344</link>

		<dc:creator><![CDATA[Lars Hartmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Aug 2016 07:48:59 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=3681#comment-344</guid>

					<description><![CDATA[Zwei Varianten von Adjektivfeuer möchte ich zitieren: Einmal aus einem Brief Lavaters an Goethe aus dem Jahr 1774:

„Meine Frau, liebster Goethe, ist ein gutes, Herzgutes, sanftes, Daubenähnliches, lang u. zart u. reinlich gebildetes, geduldiges, unschuldiges Herzens Lämmchen - ein edles, stilles, friedsames, in meinen Armen unaussprechlich anmuthvolles - mich unaussprechlich beglückendes Weibchen; ungelehrt, ungestutzt, ohne Coketerie u. Prätension. (...) Nichts weniger als schön - aber voll Anmuth u. edler Jungfräulichkeit - Amen! Hallelulja –&quot;

Und dann ein Phantasie-Stück aus der schwarzen Romantik:

„Dicht vor ihm plätscherten und rauschten die goldgelben Wellen des schönen Elbstroms, hinter demselben streckte das herrliche Dresden kühn und stolz seine lichten Türme empor in den duftigen Himmelsgrund, der sich hinabsenkte auf die blumigen Wiesen und frisch grünenden Wälder, und aus tiefer Dämmerung gaben die zackichten Gebirge Kunde vom fernen Böhmerlande.“ (E.T.A. Hoffmann, Der goldene Topf) 

In beiden Fällen funktionieren die Adjektive – wie bei Joyce im Grunde. Ob Autoren allerdings heute noch so wie Hoffmann schreiben sollten und ob es immer noch so stark wie bei Hoffmann wirkt, ohne daß es in die Gefälligkeit driftet oder in schlechte Prosa wie bei Knausgård, bezweifle ich.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zwei Varianten von Adjektivfeuer möchte ich zitieren: Einmal aus einem Brief Lavaters an Goethe aus dem Jahr 1774:</p>
<p>„Meine Frau, liebster Goethe, ist ein gutes, Herzgutes, sanftes, Daubenähnliches, lang u. zart u. reinlich gebildetes, geduldiges, unschuldiges Herzens Lämmchen &#8211; ein edles, stilles, friedsames, in meinen Armen unaussprechlich anmuthvolles &#8211; mich unaussprechlich beglückendes Weibchen; ungelehrt, ungestutzt, ohne Coketerie u. Prätension. (&#8230;) Nichts weniger als schön &#8211; aber voll Anmuth u. edler Jungfräulichkeit &#8211; Amen! Hallelulja –&#8220;</p>
<p>Und dann ein Phantasie-Stück aus der schwarzen Romantik:</p>
<p>„Dicht vor ihm plätscherten und rauschten die goldgelben Wellen des schönen Elbstroms, hinter demselben streckte das herrliche Dresden kühn und stolz seine lichten Türme empor in den duftigen Himmelsgrund, der sich hinabsenkte auf die blumigen Wiesen und frisch grünenden Wälder, und aus tiefer Dämmerung gaben die zackichten Gebirge Kunde vom fernen Böhmerlande.“ (E.T.A. Hoffmann, Der goldene Topf) </p>
<p>In beiden Fällen funktionieren die Adjektive – wie bei Joyce im Grunde. Ob Autoren allerdings heute noch so wie Hoffmann schreiben sollten und ob es immer noch so stark wie bei Hoffmann wirkt, ohne daß es in die Gefälligkeit driftet oder in schlechte Prosa wie bei Knausgård, bezweifle ich.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
	</channel>
</rss>
