<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	
	>
<channel>
	<title>
	Kommentare zu: Page-99-Test: Shumona Sinha	</title>
	<atom:link href="https://tell-review.de/page-99-test-shumona-sinha/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://tell-review.de/page-99-test-shumona-sinha/</link>
	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
	<lastBuildDate>Fri, 02 Feb 2018 00:23:29 +0000</lastBuildDate>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	
	<item>
		<title>
		Von: Sieglinde Geisel		</title>
		<link>https://tell-review.de/page-99-test-shumona-sinha/#comment-406</link>

		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Sep 2016 16:57:15 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=2884#comment-406</guid>

					<description><![CDATA[@Frank Heibert: Das Beispiel mit den &quot;Quallen&quot; zeigt sehr schön die Grenzen des Page-99-Tests, denn Leitmotive entgehen einem natürlich, und das Wort ist damit vollständig rehabilitiert. Es heißt etwas ganz anderes, weil es bereits aufgeladen ist mit einer Bedeutung - und es ist ein Bild, das ich sogar großartig finde für das Unbehagen, das viele Menschen gegenüber dem Fremden empfinden. 
Ebenfalls hochspannend: Dass es offenbar nicht ich bin, die auf die Bildbrüche empfindlich reagiert, sondern die deutsche Sprache! Das sind die Dinge, die man nur von Übersetzern lernen kann: Welchen Anteil die Sprache selbst an unseren Empfindlichkeiten hat. Jetzt sollte man nur noch Bengali können! (Und eigentlich müsste jeder Kritiker beim Rezensieren von internationaler Literatur einen Übersetzer an seiner Seite haben...)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>@Frank Heibert: Das Beispiel mit den &#8222;Quallen&#8220; zeigt sehr schön die Grenzen des Page-99-Tests, denn Leitmotive entgehen einem natürlich, und das Wort ist damit vollständig rehabilitiert. Es heißt etwas ganz anderes, weil es bereits aufgeladen ist mit einer Bedeutung &#8211; und es ist ein Bild, das ich sogar großartig finde für das Unbehagen, das viele Menschen gegenüber dem Fremden empfinden.<br />
Ebenfalls hochspannend: Dass es offenbar nicht ich bin, die auf die Bildbrüche empfindlich reagiert, sondern die deutsche Sprache! Das sind die Dinge, die man nur von Übersetzern lernen kann: Welchen Anteil die Sprache selbst an unseren Empfindlichkeiten hat. Jetzt sollte man nur noch Bengali können! (Und eigentlich müsste jeder Kritiker beim Rezensieren von internationaler Literatur einen Übersetzer an seiner Seite haben&#8230;)</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Frank Heibert		</title>
		<link>https://tell-review.de/page-99-test-shumona-sinha/#comment-395</link>

		<dc:creator><![CDATA[Frank Heibert]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Sep 2016 11:20:18 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=2884#comment-395</guid>

					<description><![CDATA[Für sich gelesen hat der Test einiges, was plausibel klingt. Dank Kenntnis des ganzen Buches fällt mir doch ein Problem auf, das in der &quot;quick and dirty&quot;-Methode dieses Ansatzes liegt -- Beispiel Quallen. Im ersten Kapitel wird deutlich gemacht, dass sie als Metapher für Migranten, für Flüchtlinge stehen -- genauso ungeliebt und unwillkommen eben wie die Quallen im Wasser. (Übrigens, dass die auf Französisch &quot;méduses&quot; heißen, ist sprachlich ebenso Konventionszufall, den keine Übersetzung beheben könnte, wie die Tatsache, dass wir umgekehrt bei &quot;Qualle&quot; etwas &quot;Aufgequollenes&quot; mithören, das den Franzosen entgeht. Ein Thema für Übersetzungskritik nur, wenn es sich tatsächlich um aufgeladene, hoch verdichtete Lyrik handelt.) Auf S. 99 haben wir es also eher mit einem sprachlichen Leitmotiv zu tun, die bloße Bescheinigung von Redundanz trifft nicht zu. Was eben ein Konstruktionsrisiko und Kollateralschaden dieses Tests ist.

Zweiter Gedanke, nach all den Überlegungen dazu, ob die Bilder nun literarisch schlecht, nicht genug überarbeitet oder sonst etwas sind:

Shumona Sinha hat zunächst Gedichte auf Bengali geschrieben. Offensichtlich (und man kann es auch recherchieren) ist das eine Sprache, die mit üppigen (&quot;redundanten&quot;) Bildern arbeitet und nicht so allergisch wie das Deutsche auf Bildbrüche oder Bildanhäufungen reagiert. Das Französische ist da auch nicht so hochsensibel wie das Deutsche -- und vielleicht auch offener dafür, Typisches aus anderen literarischen Kulturen zuzulassen, es gibt eine längere Tradition von AutorInnen, die durch afrikanische, arabische, karibische, asiatische Kulturen geprägt sind und auf Französisch schreiben.

Was soll nun in der deutschen Übersetzung passieren? Ein Nachlektorat nach den Regeln des deutschen Stilkanons? Ein Hereinholen dieses fremden und vielleicht streckenweise unbehauener wirkenden Schreibens? Oder etwas dazwischen? Ich meine das wirklich als offene, nicht als rhetorische Frage.

Jedenfalls braucht man weder der Autorin noch der Übersetzerin mit wohlfeilem Reflex einen Mangel an Sorgfalt zu bescheinigen, damit das innere deutsche Stilgewissen einen Schuldigen ausgemacht hat (&quot;Schlamperei!&quot;). Dito die wohlfeile Juryschelte. Die können und dürfen das doch vielleicht einfach kraftvoll und mitreißend gefunden haben, auch wenn bei genauerem Hinsehen vielleicht nicht alles standhält. Juryentscheidungen sind immer auch Prioritätensetzungen.

Und andererseits: Die Diagnose &quot;Kulturelle Unterschiede&quot; soll nicht als Pauschalersatz für ein literarisches Urteil dienen, und ich will um Gottes willen auch keinen p.c.-Maulkorb anregen (im Sinne von: alles Fremde ist automatisch toll).

Wie gesagt: eine offene Frage, die zu mehr Hintergrunddenken und Differenziertheit einladen soll.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Für sich gelesen hat der Test einiges, was plausibel klingt. Dank Kenntnis des ganzen Buches fällt mir doch ein Problem auf, das in der &#8222;quick and dirty&#8220;-Methode dieses Ansatzes liegt &#8212; Beispiel Quallen. Im ersten Kapitel wird deutlich gemacht, dass sie als Metapher für Migranten, für Flüchtlinge stehen &#8212; genauso ungeliebt und unwillkommen eben wie die Quallen im Wasser. (Übrigens, dass die auf Französisch &#8222;méduses&#8220; heißen, ist sprachlich ebenso Konventionszufall, den keine Übersetzung beheben könnte, wie die Tatsache, dass wir umgekehrt bei &#8222;Qualle&#8220; etwas &#8222;Aufgequollenes&#8220; mithören, das den Franzosen entgeht. Ein Thema für Übersetzungskritik nur, wenn es sich tatsächlich um aufgeladene, hoch verdichtete Lyrik handelt.) Auf S. 99 haben wir es also eher mit einem sprachlichen Leitmotiv zu tun, die bloße Bescheinigung von Redundanz trifft nicht zu. Was eben ein Konstruktionsrisiko und Kollateralschaden dieses Tests ist.</p>
<p>Zweiter Gedanke, nach all den Überlegungen dazu, ob die Bilder nun literarisch schlecht, nicht genug überarbeitet oder sonst etwas sind:</p>
<p>Shumona Sinha hat zunächst Gedichte auf Bengali geschrieben. Offensichtlich (und man kann es auch recherchieren) ist das eine Sprache, die mit üppigen (&#8222;redundanten&#8220;) Bildern arbeitet und nicht so allergisch wie das Deutsche auf Bildbrüche oder Bildanhäufungen reagiert. Das Französische ist da auch nicht so hochsensibel wie das Deutsche &#8212; und vielleicht auch offener dafür, Typisches aus anderen literarischen Kulturen zuzulassen, es gibt eine längere Tradition von AutorInnen, die durch afrikanische, arabische, karibische, asiatische Kulturen geprägt sind und auf Französisch schreiben.</p>
<p>Was soll nun in der deutschen Übersetzung passieren? Ein Nachlektorat nach den Regeln des deutschen Stilkanons? Ein Hereinholen dieses fremden und vielleicht streckenweise unbehauener wirkenden Schreibens? Oder etwas dazwischen? Ich meine das wirklich als offene, nicht als rhetorische Frage.</p>
<p>Jedenfalls braucht man weder der Autorin noch der Übersetzerin mit wohlfeilem Reflex einen Mangel an Sorgfalt zu bescheinigen, damit das innere deutsche Stilgewissen einen Schuldigen ausgemacht hat (&#8222;Schlamperei!&#8220;). Dito die wohlfeile Juryschelte. Die können und dürfen das doch vielleicht einfach kraftvoll und mitreißend gefunden haben, auch wenn bei genauerem Hinsehen vielleicht nicht alles standhält. Juryentscheidungen sind immer auch Prioritätensetzungen.</p>
<p>Und andererseits: Die Diagnose &#8222;Kulturelle Unterschiede&#8220; soll nicht als Pauschalersatz für ein literarisches Urteil dienen, und ich will um Gottes willen auch keinen p.c.-Maulkorb anregen (im Sinne von: alles Fremde ist automatisch toll).</p>
<p>Wie gesagt: eine offene Frage, die zu mehr Hintergrunddenken und Differenziertheit einladen soll.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: write2gether (@write2gether)		</title>
		<link>https://tell-review.de/page-99-test-shumona-sinha/#comment-277</link>

		<dc:creator><![CDATA[write2gether (@write2gether)]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Jun 2016 06:34:44 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=2884#comment-277</guid>

					<description><![CDATA[Mich macht nachdenklich, dass der Text einerseits in Bildern badet, andererseits kaum ein genaues eigenes Bild entwickeln kann, sondern seine &quot;Anschauungen&quot; aus dem Unspezifischen und Abstrakten holt. Typisch dafür der &quot;Haufen formloser Dinge&quot; - vager geht&#039;s nicht. &quot;Das Ganze wirkte wie eine Bauruine&quot; ist auch so eine Vorstellung ohne Anschauung. Wegen dieser Verschwisterung des Konkreten mit dem Unspezifischen wäre ich misstrauisch, ob der ganze Text nicht bloß eine politisch-ideologische Klischees ästhetisiert. Es wird erlebt, was erlebt werden soll. Dergleichen schreibt sich herunter, ohne die Sache einmal anzuschauen, paar Zeitungsfotos reichen für die poetische Inspiration, Wiederholungen für Expression und Rhythmus.     
Der Stakkato-Ton und die Medusen haben mich an einen deutschen Schriftsteller denken lassen, der allerdings beim Schreiben seinem Atem folgte wie kein anderer, an Wolfgang Koeppen. Wenn ich mir vorstelle, dass der Text im Französischen etwas von diesem verführerisch rhythmischen Parataxen-Sound hat, dann verstehe ich das Gefühl von Poesie, was er bei der Jury hinterlassen hat. Umgekehrt ist natürlich klar, dass der Text plötzlich recht mager dasteht, wenn er sein Tonkleid ablegt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mich macht nachdenklich, dass der Text einerseits in Bildern badet, andererseits kaum ein genaues eigenes Bild entwickeln kann, sondern seine &#8222;Anschauungen&#8220; aus dem Unspezifischen und Abstrakten holt. Typisch dafür der &#8222;Haufen formloser Dinge&#8220; &#8211; vager geht&#8217;s nicht. &#8222;Das Ganze wirkte wie eine Bauruine&#8220; ist auch so eine Vorstellung ohne Anschauung. Wegen dieser Verschwisterung des Konkreten mit dem Unspezifischen wäre ich misstrauisch, ob der ganze Text nicht bloß eine politisch-ideologische Klischees ästhetisiert. Es wird erlebt, was erlebt werden soll. Dergleichen schreibt sich herunter, ohne die Sache einmal anzuschauen, paar Zeitungsfotos reichen für die poetische Inspiration, Wiederholungen für Expression und Rhythmus.<br />
Der Stakkato-Ton und die Medusen haben mich an einen deutschen Schriftsteller denken lassen, der allerdings beim Schreiben seinem Atem folgte wie kein anderer, an Wolfgang Koeppen. Wenn ich mir vorstelle, dass der Text im Französischen etwas von diesem verführerisch rhythmischen Parataxen-Sound hat, dann verstehe ich das Gefühl von Poesie, was er bei der Jury hinterlassen hat. Umgekehrt ist natürlich klar, dass der Text plötzlich recht mager dasteht, wenn er sein Tonkleid ablegt.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: juttareichelt		</title>
		<link>https://tell-review.de/page-99-test-shumona-sinha/#comment-265</link>

		<dc:creator><![CDATA[juttareichelt]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Jun 2016 09:48:15 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=2884#comment-265</guid>

					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/page-99-test-shumona-sinha/#comment-263&quot;&gt;Lars Hartmann&lt;/a&gt;.

@ Lars Hartmann
Ich kann die geschilderten Lektüre-Eindrücke absolut nachvollziehen, teile sie im Hinblick auf &quot;diese starken sprachlichen Bilder und die ... Geschichten in der Geschichte&quot; - einzig bei der Konstruktion der Handlung liegen wir &quot;auseinander&quot; und ich hätte die Schwächen auch nicht so betont, wenn sie in der bisherigen Rezeption des Textes (soweit ich sie verfolgt habe) nicht vollkommen unerwähnt geblieben wären.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/page-99-test-shumona-sinha/#comment-263">Lars Hartmann</a>.</p>
<p>@ Lars Hartmann<br />
Ich kann die geschilderten Lektüre-Eindrücke absolut nachvollziehen, teile sie im Hinblick auf &#8222;diese starken sprachlichen Bilder und die &#8230; Geschichten in der Geschichte&#8220; &#8211; einzig bei der Konstruktion der Handlung liegen wir &#8222;auseinander&#8220; und ich hätte die Schwächen auch nicht so betont, wenn sie in der bisherigen Rezeption des Textes (soweit ich sie verfolgt habe) nicht vollkommen unerwähnt geblieben wären.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Lars Hartmann		</title>
		<link>https://tell-review.de/page-99-test-shumona-sinha/#comment-263</link>

		<dc:creator><![CDATA[Lars Hartmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Jun 2016 06:21:19 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=2884#comment-263</guid>

					<description><![CDATA[@ Jutta Reichelt
Was die Wucht des Romans betrifft; das las ich ganz ähnlich. Allerdings sehe ich es, was die notwendige Überarbeitung betrifft, ein wenig anders – obwohl auch mich manche Wortwendung, manche Metapher und manches sprachliche Bild stört und irritiert, weil ich es als manieriert oder überzogen empfinde. Weniger wäre in diesem Buch manchmal mehr. Andererseits paßt dieser Stil und es hilft hier vielleicht der Hinweis von Holio weiter: „expressionistisch“ und „Ausdruckskunst“. Dies lese ich ebenfalls aus Sinhas Text heraus, was insbesondere durch den lyrischen Stil bedingt ist. Hier und im Zusammenspiel mit dem Baudelaire-Titel sowie den Spleen et Idéal de Paris et Banlieu paßt diese Form und spinnt eine Tradition weiter. Dieser Ton bedingt stellenweise, wie oft in der Lyrik, ein gewisses Pathos.

Sinha kommt von der Lyrik her. Das merkt man der Prosa an vielen Stellen wohltuend an: Sie findet und erfindet starke Bilder. Etwa auf vielfältige Weise das „Spiel“ mit der Grenze: Von der Périphérique und dem Rand der Stadt angefangen bis hin zu Landesgrenzen, weit übers Meer hinweg, und den Borderline- und Übersprungshandlungen der Menschen (ich interpretiere ebenfalls die Tat der Protagonistin so). Auch hier übrigens, wie bei Varatharajah, ein Roman über die Grenzen von Ausdruck und unserer Sprache, die die Grenzen unserer Welt &lt;i&gt;bedeuten&lt;/i&gt;. Auch jene Tathandlung ist ja eine Weise des Ausdrucks. Eruptiv. Und damit wird wieder eine Zone überschritten. Der Roman mag Schwächen aufweisen, das sehe ich ebenso. Dennoch haben mich diese starken sprachlichen Bilder – insbesondere im Kontext mit dem Sujet –, die Konstruktion der Handlung und die Geschichten in der Geschichte beeindruckt. Ein Roman über Flucht und Flüchtlinge, der nicht in schwarz/weiß malt und der dennoch mit Saft und Kraft erzählt, oft allerdings in elegischem Ton. Gerade das schließt nicht aus, in der Kritik auf Schwächen des Buches hinzuweisen. Aber gerade dort wird dieser Roman einer jungen Autorin interessant und reizt zur Debatte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>@ Jutta Reichelt<br />
Was die Wucht des Romans betrifft; das las ich ganz ähnlich. Allerdings sehe ich es, was die notwendige Überarbeitung betrifft, ein wenig anders – obwohl auch mich manche Wortwendung, manche Metapher und manches sprachliche Bild stört und irritiert, weil ich es als manieriert oder überzogen empfinde. Weniger wäre in diesem Buch manchmal mehr. Andererseits paßt dieser Stil und es hilft hier vielleicht der Hinweis von Holio weiter: „expressionistisch“ und „Ausdruckskunst“. Dies lese ich ebenfalls aus Sinhas Text heraus, was insbesondere durch den lyrischen Stil bedingt ist. Hier und im Zusammenspiel mit dem Baudelaire-Titel sowie den Spleen et Idéal de Paris et Banlieu paßt diese Form und spinnt eine Tradition weiter. Dieser Ton bedingt stellenweise, wie oft in der Lyrik, ein gewisses Pathos.</p>
<p>Sinha kommt von der Lyrik her. Das merkt man der Prosa an vielen Stellen wohltuend an: Sie findet und erfindet starke Bilder. Etwa auf vielfältige Weise das „Spiel“ mit der Grenze: Von der Périphérique und dem Rand der Stadt angefangen bis hin zu Landesgrenzen, weit übers Meer hinweg, und den Borderline- und Übersprungshandlungen der Menschen (ich interpretiere ebenfalls die Tat der Protagonistin so). Auch hier übrigens, wie bei Varatharajah, ein Roman über die Grenzen von Ausdruck und unserer Sprache, die die Grenzen unserer Welt <i>bedeuten</i>. Auch jene Tathandlung ist ja eine Weise des Ausdrucks. Eruptiv. Und damit wird wieder eine Zone überschritten. Der Roman mag Schwächen aufweisen, das sehe ich ebenso. Dennoch haben mich diese starken sprachlichen Bilder – insbesondere im Kontext mit dem Sujet –, die Konstruktion der Handlung und die Geschichten in der Geschichte beeindruckt. Ein Roman über Flucht und Flüchtlinge, der nicht in schwarz/weiß malt und der dennoch mit Saft und Kraft erzählt, oft allerdings in elegischem Ton. Gerade das schließt nicht aus, in der Kritik auf Schwächen des Buches hinzuweisen. Aber gerade dort wird dieser Roman einer jungen Autorin interessant und reizt zur Debatte.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: juttareichelt		</title>
		<link>https://tell-review.de/page-99-test-shumona-sinha/#comment-261</link>

		<dc:creator><![CDATA[juttareichelt]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Jun 2016 07:17:25 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=2884#comment-261</guid>

					<description><![CDATA[Ich habe diesen Seite 99 - Test mit großem Interesse gelesen und bin davon, wie auch von anderen Beiträgen sehr angetan!  
Auf mich wirkt &quot;Erschlagt die Armen!&quot; als hätte die Autorin diesen Text in großer Wut, vielleicht Verzweiflung niedergeschrieben. Ein Aufschrei. Das gibt ihm eine emotionale Wucht, die für mich ohne jeden Zweifel eine Qualität darstellt. Die Kehrseite: Der Text wirkt nicht überarbeitet. Das betrifft m. E. nicht nur sprachliche Wendungen, sondern den gesamten Aufbau des Textes, der ja eine klassische Ausgangssituation hat: Eine Frau ist verhaftet worden, die ersten Verhöre liegen hinter ihr und nun ist sie allein und versucht darüber Klarheit zu gewinnen, was eigentlich passiert ist. 
Die Autorin nutzt diese Ausgangssituation als „erzählerische Startrampe“, aber sie nimmt sie leider überhaupt nicht ernst. Anders kann ich mir z. B. nicht die Kapitelüberschriften erklären. Stammen sie von der Autorin oder von der Erzählerin? Sollen/können wir uns den Text als einen  „inneren Monolog“ vorstellen? Mir gelingt das nicht. Gegen Ende des Textes heißt es „Ich beende meine Predigt“ und das trifft es – für mich ohne den negativen Beiklang des Wortes „Predigt“. Es ist ein Text, der uns aufrütteln soll, der an unser Gewissen appelliert, an unsere Humanität. Ich bin sehr damit einverstanden, dass Texte, denen das so nachdrücklich  gelingt, Preise erhalten und es ist mir auch nachvollziehbar, dass es LeserInnen gibt, die die offenkundigen Schwächen des Textes  für unwichtig halten. 
Was mich wirklich  irritiert ist wie positiv und euphorisch dieser Text von „der Kritik“ nahezu ohne jeden „Ausreißer“ aufgenommen wurde – ohne auch nur zu erwähnen, dass dieser Text auch Schwächen hat (es gibt über die erwähnten hinaus auch z. B. Rückblenden, die sowohl von ihrer Funktion für den Text, wie auch von ihrer Aussage her bestenfalls „rätselhaft“ bleiben). Wie kann das sein, wenn schon die aufmerksame Lektüre einer einzigen Seite ausreicht, um zumindest „Punktabzüge“ vorzunehmen?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe diesen Seite 99 &#8211; Test mit großem Interesse gelesen und bin davon, wie auch von anderen Beiträgen sehr angetan!<br />
Auf mich wirkt &#8222;Erschlagt die Armen!&#8220; als hätte die Autorin diesen Text in großer Wut, vielleicht Verzweiflung niedergeschrieben. Ein Aufschrei. Das gibt ihm eine emotionale Wucht, die für mich ohne jeden Zweifel eine Qualität darstellt. Die Kehrseite: Der Text wirkt nicht überarbeitet. Das betrifft m. E. nicht nur sprachliche Wendungen, sondern den gesamten Aufbau des Textes, der ja eine klassische Ausgangssituation hat: Eine Frau ist verhaftet worden, die ersten Verhöre liegen hinter ihr und nun ist sie allein und versucht darüber Klarheit zu gewinnen, was eigentlich passiert ist.<br />
Die Autorin nutzt diese Ausgangssituation als „erzählerische Startrampe“, aber sie nimmt sie leider überhaupt nicht ernst. Anders kann ich mir z. B. nicht die Kapitelüberschriften erklären. Stammen sie von der Autorin oder von der Erzählerin? Sollen/können wir uns den Text als einen  „inneren Monolog“ vorstellen? Mir gelingt das nicht. Gegen Ende des Textes heißt es „Ich beende meine Predigt“ und das trifft es – für mich ohne den negativen Beiklang des Wortes „Predigt“. Es ist ein Text, der uns aufrütteln soll, der an unser Gewissen appelliert, an unsere Humanität. Ich bin sehr damit einverstanden, dass Texte, denen das so nachdrücklich  gelingt, Preise erhalten und es ist mir auch nachvollziehbar, dass es LeserInnen gibt, die die offenkundigen Schwächen des Textes  für unwichtig halten.<br />
Was mich wirklich  irritiert ist wie positiv und euphorisch dieser Text von „der Kritik“ nahezu ohne jeden „Ausreißer“ aufgenommen wurde – ohne auch nur zu erwähnen, dass dieser Text auch Schwächen hat (es gibt über die erwähnten hinaus auch z. B. Rückblenden, die sowohl von ihrer Funktion für den Text, wie auch von ihrer Aussage her bestenfalls „rätselhaft“ bleiben). Wie kann das sein, wenn schon die aufmerksame Lektüre einer einzigen Seite ausreicht, um zumindest „Punktabzüge“ vorzunehmen?</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Lars Hartmann		</title>
		<link>https://tell-review.de/page-99-test-shumona-sinha/#comment-256</link>

		<dc:creator><![CDATA[Lars Hartmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Jun 2016 06:57:03 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=2884#comment-256</guid>

					<description><![CDATA[Würde beim ersten Satz das Adjektiv „geheimnisvoll“ fortgelassen, fehlte mir etwas: „Kleider, Taschen, Koffer, Schuhe und ein Haufen formloser Dinge, genug, um die Kommoden der Königinnen dieses Viertels jenseits der Peripherie zu füllen.“

Der Satz wirkt auf mich deutlich heruntergedimmt. Und weshalb überhaupt Königinnen? Man müßte mit dem Adjektiv auch das Hauptwort streichen und statt dessen Frauen schreiben. Hier aber passt das Adjektiv, weil es gezielt gesetzt wurde. Es verleiht dem Wort einen Begriffshof, einen Überschuß an Bedeutung. Was für eine Prosa, die mit lyrischen Elementen arbeitet, wie Sinha es macht, unerlässlich ist. „der dunklen Königinnen“ hielte ich von der Übersetzung her allerdings für angebrachter, weil im Wort dunkel sowohl die Hautfarbe als auch das Geheimnis (Heraklit, der Dunkle) enthalten sind. (Allerdings auch eine Abwertung: dunkel im Sinne von böse.) Hier stellt sich die Frage, wo es gut ist, ein Adjektiv einzusetzen. Wenn es pointiert und hervorsticht, halte ich das Adjektiv für unentbehrlich. Man denke an den Satz, den Constantin Seibt in „Deadline“ zitiert: „In seinen Taschen fanden sich ein &lt;del datetime=&quot;2016-06-16T07:04:26+00:00&quot;&gt;blaues&lt;/del&gt; Feuerzeug, ein &lt;del datetime=&quot;2016-06-16T07:04:57+00:00&quot;&gt;zerknülltes&lt;/del&gt; Taschentuch, ein &lt;del datetime=&quot;2016-06-16T07:04:57+00:00&quot;&gt;zerfleddertes&lt;/del&gt; Notizbuch und ein kleiner, böser Trommelrevolver.“ Drei Adjektive kann man streichen. Aber die letzten beiden in der Aufzählung sind unbedingt nötig, weil sie ein besonderes Bild evozieren. Erst sie geben dem Satz den Dreh.

Zudem: Mit „jenseits der Peripherie“ dürfte das Gebiet gemeint sein, was nicht mehr zu Paris gehört, was also jenseits des Boulevard périphérique sich befindet - Saint Denis etwa. Interessant in diesem Falle finde ich die Grenzmetapher, die Sinha einsetzt.

Holios Zitate aus dem Französischen finde ich aufschlußreich und geben der Lektüre nochmal ein anderes Gewicht. Ein konstruktiver Kommentar!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Würde beim ersten Satz das Adjektiv „geheimnisvoll“ fortgelassen, fehlte mir etwas: „Kleider, Taschen, Koffer, Schuhe und ein Haufen formloser Dinge, genug, um die Kommoden der Königinnen dieses Viertels jenseits der Peripherie zu füllen.“</p>
<p>Der Satz wirkt auf mich deutlich heruntergedimmt. Und weshalb überhaupt Königinnen? Man müßte mit dem Adjektiv auch das Hauptwort streichen und statt dessen Frauen schreiben. Hier aber passt das Adjektiv, weil es gezielt gesetzt wurde. Es verleiht dem Wort einen Begriffshof, einen Überschuß an Bedeutung. Was für eine Prosa, die mit lyrischen Elementen arbeitet, wie Sinha es macht, unerlässlich ist. „der dunklen Königinnen“ hielte ich von der Übersetzung her allerdings für angebrachter, weil im Wort dunkel sowohl die Hautfarbe als auch das Geheimnis (Heraklit, der Dunkle) enthalten sind. (Allerdings auch eine Abwertung: dunkel im Sinne von böse.) Hier stellt sich die Frage, wo es gut ist, ein Adjektiv einzusetzen. Wenn es pointiert und hervorsticht, halte ich das Adjektiv für unentbehrlich. Man denke an den Satz, den Constantin Seibt in „Deadline“ zitiert: „In seinen Taschen fanden sich ein <del datetime="2016-06-16T07:04:26+00:00">blaues</del> Feuerzeug, ein <del datetime="2016-06-16T07:04:57+00:00">zerknülltes</del> Taschentuch, ein <del datetime="2016-06-16T07:04:57+00:00">zerfleddertes</del> Notizbuch und ein kleiner, böser Trommelrevolver.“ Drei Adjektive kann man streichen. Aber die letzten beiden in der Aufzählung sind unbedingt nötig, weil sie ein besonderes Bild evozieren. Erst sie geben dem Satz den Dreh.</p>
<p>Zudem: Mit „jenseits der Peripherie“ dürfte das Gebiet gemeint sein, was nicht mehr zu Paris gehört, was also jenseits des Boulevard périphérique sich befindet &#8211; Saint Denis etwa. Interessant in diesem Falle finde ich die Grenzmetapher, die Sinha einsetzt.</p>
<p>Holios Zitate aus dem Französischen finde ich aufschlußreich und geben der Lektüre nochmal ein anderes Gewicht. Ein konstruktiver Kommentar!</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: holio		</title>
		<link>https://tell-review.de/page-99-test-shumona-sinha/#comment-253</link>

		<dc:creator><![CDATA[holio]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Jun 2016 17:06:30 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=2884#comment-253</guid>

					<description><![CDATA[Sinhas Ausdruckskunst würde ich gern noch an einem Beispiel illustrieren, falls es nicht verboten ist, auf Seite 98 rüberzuschielen. Dort hat Lena Müller mit &quot;Lichterstadt&quot; übersetzt, was bei Sinha &quot;la Ville lumière&quot; ist, die Stadt des Lichts, Paris, in der die Dolmetscherin wohnt und aus der sie hinausfährt au-delà de la périphérie. Da draußen fühlt sie sich in eine dritte Welt versetzt, der sie selbst entflohen ist und wo man von &quot;une ville lumineuse&quot; nur träumen konnte und kann. Der bestimmte Artikel ist zum unbestimmten geworden, das kapitale V verschwunden und das kräftige Licht des Spitznamens wurde schwach zum Adjektiv. Paris ist in die Ferne gerückt und man spürt ihre Angst, das Erreichte zu verlieren. Das finde ich in dieser dichtgedrängten, dreifachen Konsequenz nicht schlecht gemacht, wenn es auch Rhetorik freilich ist.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sinhas Ausdruckskunst würde ich gern noch an einem Beispiel illustrieren, falls es nicht verboten ist, auf Seite 98 rüberzuschielen. Dort hat Lena Müller mit &#8222;Lichterstadt&#8220; übersetzt, was bei Sinha &#8222;la Ville lumière&#8220; ist, die Stadt des Lichts, Paris, in der die Dolmetscherin wohnt und aus der sie hinausfährt au-delà de la périphérie. Da draußen fühlt sie sich in eine dritte Welt versetzt, der sie selbst entflohen ist und wo man von &#8222;une ville lumineuse&#8220; nur träumen konnte und kann. Der bestimmte Artikel ist zum unbestimmten geworden, das kapitale V verschwunden und das kräftige Licht des Spitznamens wurde schwach zum Adjektiv. Paris ist in die Ferne gerückt und man spürt ihre Angst, das Erreichte zu verlieren. Das finde ich in dieser dichtgedrängten, dreifachen Konsequenz nicht schlecht gemacht, wenn es auch Rhetorik freilich ist.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: holio		</title>
		<link>https://tell-review.de/page-99-test-shumona-sinha/#comment-251</link>

		<dc:creator><![CDATA[holio]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Jun 2016 15:18:04 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=2884#comment-251</guid>

					<description><![CDATA[Meines Erachtens ist die Übersetzung auf dieser Seite 99 unglücklich und verursacht manche der von Ihnen angesprochenen Probleme. 

Die Quallen sind im Französischen Medusen, man möchte sie nicht sehen, Gefahr der Versteinerung. Die ungeliebten (mal-aimées) haben die Gegend invadiert (envahi), da in Bangladesch die Meeresspiegel steigen.

Die Königinnen sind reines ténébreuses, was man nebenläufig auf die Hautfarben beziehen kann, während die unvorstellbare Stadt nicht allzuweit von hier une ville lumineuse ist. Die Antonyme sind Stilmittel des Expressionismus. 

Die angeprangerten Redundanzen verlieren sich etwas im Original:
1. &quot;Le tout avait l&#039;air d&#039;un chantier abandonné. C&#039;était un ghetto. Un autre pays.&quot; Erst hat es den Anschein, dann ist es. Und sogar ein anderes Land sei es, was gegenüber dem Ghetto eine unzulässige, rhetorische Übertreibung ist. 
2. Frage mich, ob sich der Tunnel schon am Ende der Welt befindet, sodass das Ende des Tunnels ein noch etwas weiter hinausgeschobenes ist. Wahrscheinlich nicht, man müsste nachschauen, ob der Tunnel vielleicht erst in der Peripherie, nicht im Stadtzentrum begann. Aber auf jeden Fall bildet die Welt eine andere Information als ein Tunnel.
3. Die grottes obscures unterscheiden sich von den cages secrètes vielleicht darin, dass erstere sich in Untergeschossen befinden, zweite oberirdisch, wo im Tages- oder Kunstlicht mehr Aufwand der Geheimhaltung getrieben werden muss und der Sans-Papier sich mehr wie in einem helfermenschengemachten Käfig fühlen mag.

Auch das Angemahnte der nächsten zitierten Passage scheint mir der Übersetzung anzulasten zu sein. Denn das Original lautet wenig manieriert: &quot;Sous d&#039;apparents traits communs, les citoyens du village planétaire, tous ensemble et si seuls, se dispersaient et s&#039;éloignaient. Chacun, un monde en soi. Chacun, un monde unique, un chaos.&quot; Halt expressionistisch.

&quot;Les sandwiches McDo et le jean délavé démocratisaient l&#039;apparence.&quot; Die Übersetzung führt hier in die Irre, da bei Sinha das standardisierte Essen wie die standardisierten Klamotten das Erscheinungsbild jener eben noch behaupteten einzigartigen Welten nivellieren. &quot;Dans les lointains intérieurs grondaient des volcans insomniaques.&quot; Die abgelegenen (oder weitläufigen?) Interieurs sind die der Schnellrestaurants, in denen die schlaflosen Kunden Vulkanen gleichen, die hochgehen können.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Meines Erachtens ist die Übersetzung auf dieser Seite 99 unglücklich und verursacht manche der von Ihnen angesprochenen Probleme. </p>
<p>Die Quallen sind im Französischen Medusen, man möchte sie nicht sehen, Gefahr der Versteinerung. Die ungeliebten (mal-aimées) haben die Gegend invadiert (envahi), da in Bangladesch die Meeresspiegel steigen.</p>
<p>Die Königinnen sind reines ténébreuses, was man nebenläufig auf die Hautfarben beziehen kann, während die unvorstellbare Stadt nicht allzuweit von hier une ville lumineuse ist. Die Antonyme sind Stilmittel des Expressionismus. </p>
<p>Die angeprangerten Redundanzen verlieren sich etwas im Original:<br />
1. &#8222;Le tout avait l&#8217;air d&#8217;un chantier abandonné. C&#8217;était un ghetto. Un autre pays.&#8220; Erst hat es den Anschein, dann ist es. Und sogar ein anderes Land sei es, was gegenüber dem Ghetto eine unzulässige, rhetorische Übertreibung ist.<br />
2. Frage mich, ob sich der Tunnel schon am Ende der Welt befindet, sodass das Ende des Tunnels ein noch etwas weiter hinausgeschobenes ist. Wahrscheinlich nicht, man müsste nachschauen, ob der Tunnel vielleicht erst in der Peripherie, nicht im Stadtzentrum begann. Aber auf jeden Fall bildet die Welt eine andere Information als ein Tunnel.<br />
3. Die grottes obscures unterscheiden sich von den cages secrètes vielleicht darin, dass erstere sich in Untergeschossen befinden, zweite oberirdisch, wo im Tages- oder Kunstlicht mehr Aufwand der Geheimhaltung getrieben werden muss und der Sans-Papier sich mehr wie in einem helfermenschengemachten Käfig fühlen mag.</p>
<p>Auch das Angemahnte der nächsten zitierten Passage scheint mir der Übersetzung anzulasten zu sein. Denn das Original lautet wenig manieriert: &#8222;Sous d&#8217;apparents traits communs, les citoyens du village planétaire, tous ensemble et si seuls, se dispersaient et s&#8217;éloignaient. Chacun, un monde en soi. Chacun, un monde unique, un chaos.&#8220; Halt expressionistisch.</p>
<p>&#8222;Les sandwiches McDo et le jean délavé démocratisaient l&#8217;apparence.&#8220; Die Übersetzung führt hier in die Irre, da bei Sinha das standardisierte Essen wie die standardisierten Klamotten das Erscheinungsbild jener eben noch behaupteten einzigartigen Welten nivellieren. &#8222;Dans les lointains intérieurs grondaient des volcans insomniaques.&#8220; Die abgelegenen (oder weitläufigen?) Interieurs sind die der Schnellrestaurants, in denen die schlaflosen Kunden Vulkanen gleichen, die hochgehen können.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Reinhard Matern		</title>
		<link>https://tell-review.de/page-99-test-shumona-sinha/#comment-250</link>

		<dc:creator><![CDATA[Reinhard Matern]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Jun 2016 15:01:41 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=2884#comment-250</guid>

					<description><![CDATA[Ich halte den testweise präsentieren Text weder für prosaisch noch für poetisch, sondern schlicht für misslungen. Der Titel ist sprachlich noch am besten. Aber ich kann mir vorstellen, dass die Autorin hochsensibel ist, weil sie alles auf die Ich-Figur bezieht. Mehr als der amateurhafte Text einer vermutlich jungen Frau erschreckt mich jedoch die erwähnte internationale Jury!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich halte den testweise präsentieren Text weder für prosaisch noch für poetisch, sondern schlicht für misslungen. Der Titel ist sprachlich noch am besten. Aber ich kann mir vorstellen, dass die Autorin hochsensibel ist, weil sie alles auf die Ich-Figur bezieht. Mehr als der amateurhafte Text einer vermutlich jungen Frau erschreckt mich jedoch die erwähnte internationale Jury!</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
	</channel>
</rss>
