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	<title>
	Kommentare zu: Page-99-Test: Gottfried Keller	</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
	<lastBuildDate>Mon, 05 Aug 2019 07:19:02 +0000</lastBuildDate>
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		<title>
		Von: Luisa Umlauf		</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Luisa Umlauf]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Aug 2019 07:19:02 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Dieser Seite-99-Test veranlasste mich, meinen geliebten Gottfried Keller hervorzuholen und nachzuschlagen. In meiner Ausgabe (Nymphenburger Verlagshandlung GmbH, München 1981) erfüllt sich für Heinrich der Traum eines jeden Backstage-Helfers, er landet im Bett des angebeteten Superstars. Allerdings kommt es dort – wenigstens auf den ersten Blick – nicht zu den erwarteten Handlungen: 
„Dort ordnete sie am Fußende ihres Bettes eine Stelle zurecht, und als ich darauf lag, hüllte sie sich dicht in einen sammetnen Königsmantel, legte sich der Länge nach auf das Bett und stütze ihre leichten Füße gegen meine Brust, dass mein Herz ganz vergnüglich unter denselben klopfte. Somit entschliefen wir…“
Was? „Entschliefen“? Das könnte jetzt unheimlich sein, aber es geht weiter:
„…und glichen in unserer Lage nicht übel jenen alten Grabmälern, auf welchen ein steinerer Ritter ausgestreckt liegt mit einem treuen Hunde zu Füßen.“  
Durch die Erwähnung des Grabmals wird es für mich unglaublich komisch, in keiner Weise unheimlich. Vielleicht ist das auch eine Art, eine Liebesnacht mit dem Superstar zu beschreiben, denn ist es ja alles enthalten, was die ausmachen würde: Der Star als Königin, das Herzrasen, das als „vergnüglich“ empfunden wird, ihre Füße auf seinem Herzen, also die vollkommene Unterwerfung, am Schluss das „Entschlafen“, also das vollkommene wohlige Ausruhen. Keine Ahnung, ob Keller es vielleicht so verschlüssel hat? 
Wie auch immer, für mich ist nichts in Heinrichs – Kellers – Welt unheimlich, einsam, leer, ganz im Gegenteil. Das ist der Romananfang: „Mein Vater war ein Bauernsohn aus einem uralten Dorfe, welches seinen Namen von dem Alemannen erhalten hat, der zur Zeit der Landteilung seinen Spieß dort in die Erde steckte und einen Hof baute.“
Ich sehe einen fellbehangenen Gorilla-ähnlichen Urmenschen vor mir, der seinen Spieß in die Erde steckt um sein Revier zu markieren, das finde ich urkomisch. Dieser Urmensch muss nicht mal brüllen, um Konkurrenten zu vertreiben, weil die Sache klar ist. Es ist nichts da, kein Dorf, kein Haus, nichts, aber das Leben ist da und die Entschlossenheit, das Leben zu feiern. Er hat doch den Reichtum seiner Ideen, also wird er nicht nur überleben, sondern es wird ihm bestens ergehen. In keiner Zeile ist für mich Heinrichs – Kellers – Welt einsam und leer, denn er hat ja Reichtum und Fülle in sich selbst. Ja, es gibt viele Momente im Text, die unheimlich wirken könnten, wie eben die Wachsfiguren. Für mich schrappt Keller immer haarscharf am Unheimlichen vorbei, das ist für ihn aber eine Quelle von Heiterkeit und Komik, denn Heinrich – Keller – erlaubt dem Unheimlichen nie, wirklich unheimlich zu werden, also die Herrschaft über ihn zu gewinnen. 
Finde ich jedenfalls, so lese ich meinen Keller. 
Na ja, vielleicht bin ich ein Banause ;-)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Seite-99-Test veranlasste mich, meinen geliebten Gottfried Keller hervorzuholen und nachzuschlagen. In meiner Ausgabe (Nymphenburger Verlagshandlung GmbH, München 1981) erfüllt sich für Heinrich der Traum eines jeden Backstage-Helfers, er landet im Bett des angebeteten Superstars. Allerdings kommt es dort – wenigstens auf den ersten Blick – nicht zu den erwarteten Handlungen:<br />
„Dort ordnete sie am Fußende ihres Bettes eine Stelle zurecht, und als ich darauf lag, hüllte sie sich dicht in einen sammetnen Königsmantel, legte sich der Länge nach auf das Bett und stütze ihre leichten Füße gegen meine Brust, dass mein Herz ganz vergnüglich unter denselben klopfte. Somit entschliefen wir…“<br />
Was? „Entschliefen“? Das könnte jetzt unheimlich sein, aber es geht weiter:<br />
„…und glichen in unserer Lage nicht übel jenen alten Grabmälern, auf welchen ein steinerer Ritter ausgestreckt liegt mit einem treuen Hunde zu Füßen.“<br />
Durch die Erwähnung des Grabmals wird es für mich unglaublich komisch, in keiner Weise unheimlich. Vielleicht ist das auch eine Art, eine Liebesnacht mit dem Superstar zu beschreiben, denn ist es ja alles enthalten, was die ausmachen würde: Der Star als Königin, das Herzrasen, das als „vergnüglich“ empfunden wird, ihre Füße auf seinem Herzen, also die vollkommene Unterwerfung, am Schluss das „Entschlafen“, also das vollkommene wohlige Ausruhen. Keine Ahnung, ob Keller es vielleicht so verschlüssel hat?<br />
Wie auch immer, für mich ist nichts in Heinrichs – Kellers – Welt unheimlich, einsam, leer, ganz im Gegenteil. Das ist der Romananfang: „Mein Vater war ein Bauernsohn aus einem uralten Dorfe, welches seinen Namen von dem Alemannen erhalten hat, der zur Zeit der Landteilung seinen Spieß dort in die Erde steckte und einen Hof baute.“<br />
Ich sehe einen fellbehangenen Gorilla-ähnlichen Urmenschen vor mir, der seinen Spieß in die Erde steckt um sein Revier zu markieren, das finde ich urkomisch. Dieser Urmensch muss nicht mal brüllen, um Konkurrenten zu vertreiben, weil die Sache klar ist. Es ist nichts da, kein Dorf, kein Haus, nichts, aber das Leben ist da und die Entschlossenheit, das Leben zu feiern. Er hat doch den Reichtum seiner Ideen, also wird er nicht nur überleben, sondern es wird ihm bestens ergehen. In keiner Zeile ist für mich Heinrichs – Kellers – Welt einsam und leer, denn er hat ja Reichtum und Fülle in sich selbst. Ja, es gibt viele Momente im Text, die unheimlich wirken könnten, wie eben die Wachsfiguren. Für mich schrappt Keller immer haarscharf am Unheimlichen vorbei, das ist für ihn aber eine Quelle von Heiterkeit und Komik, denn Heinrich – Keller – erlaubt dem Unheimlichen nie, wirklich unheimlich zu werden, also die Herrschaft über ihn zu gewinnen.<br />
Finde ich jedenfalls, so lese ich meinen Keller.<br />
Na ja, vielleicht bin ich ein Banause ;-)</p>
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		<title>
		Von: Manuel		</title>
		<link>https://tell-review.de/page-99-test-gottfried-keller/#comment-5035</link>

		<dc:creator><![CDATA[Manuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Jul 2019 11:09:54 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Ja, das mit der &quot;spirituellen Aufladung&quot; trifft den Nagel auf den Kopf; sie stammt m. E. aus einer Hingabe an das Hier und Jetzt des Phänomens die mystisch, aber auch sanft und innig ist. Auerbach nennt das - mit einem Ausdruck, den wir heute so nicht mehr verwenden würden - die &quot;Lebensfrömmigkeit&quot; bei Keller (und Stifter). Ich hab das Buch vor vielen Jahren unglaublich gern gelesen, auch wenn es mich letztlich traurig gestimmt hat; wenn ich mal wieder &#039;richtig Zeit&#039; habe, werde ich, dank Deiner Erinnerung, wieder danach greifen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ja, das mit der &#8222;spirituellen Aufladung&#8220; trifft den Nagel auf den Kopf; sie stammt m. E. aus einer Hingabe an das Hier und Jetzt des Phänomens die mystisch, aber auch sanft und innig ist. Auerbach nennt das &#8211; mit einem Ausdruck, den wir heute so nicht mehr verwenden würden &#8211; die &#8222;Lebensfrömmigkeit&#8220; bei Keller (und Stifter). Ich hab das Buch vor vielen Jahren unglaublich gern gelesen, auch wenn es mich letztlich traurig gestimmt hat; wenn ich mal wieder &#8218;richtig Zeit&#8216; habe, werde ich, dank Deiner Erinnerung, wieder danach greifen.</p>
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