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	Kommentare zu: Page-99-Test: Friedrich Dürrenmatt	</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
	<lastBuildDate>Thu, 14 Jan 2021 10:33:09 +0000</lastBuildDate>
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		<title>
		Von: Manuel		</title>
		<link>https://tell-review.de/page-99-test-friedrich-duerrenmatt/#comment-12692</link>

		<dc:creator><![CDATA[Manuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 09 Jan 2021 18:02:18 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Ja, &quot;Plausibilität&quot; ist schon das Kriterium, freilich ist sie aus eigenen Erfahrungen mit Alltagssprache zu holen erstmal problematisch. Sonst würden ja auch eigentlich alle Texte im selben Grade veralten bzw. unzugänglich(er) werden, wie Alltagssprache veraltet. Ästhetische Stimmigkeit kann eigentlich unter JEDEM principium stilisationis erreicht (und verfehlt) werden - und erweist sich dann doch erst im Gesamtzusammenhang, den die Biopsie der Texte wie im Page-99-Test notwendig verfehlt. Der von mir sehr verehrte Jean Giraudoux etwa hat seine Figuren in den 20ern und 30ern auf eine so eigenartige Weise lyrisch daherschwatzen lassen, dass es ihm möglich wurde, die Alltagssprache vor allem &#039;kleiner Leute&#039; wie mit einem Zauberstab in ihr von Bühnen sonst verschmähtes Recht zu (über)setzen, aber ohne sie wie der Naturalismus zu imitieren. Und sowieso hast Du recht, dass der Aufführungs- im Unterschied zum Stücktext dann noch einmal etwas anderes daraus machen muss, damit wir Zugang finden. Das ist bei Dürrenmatt heute m. E. heute nicht einfach - aber nicht sosehr deshalb, weil die Sprache seiner Figuren zu künstlich ist, sondern vielmehr weil diese Künstlichkeit zu sehr im Sinne einer Sozialtypiserung steht die zeitverhaftet ist und sich heute nicht unmittelbar mitteilt. So höre ich im Bramarbasieren des Lehrers ich nicht nur den Suff durch, sondern auch eine phrasenhafte Bildungshuberei die noch dem 19. Jahrhundert entstammt und die Dürrenmatt in seinem eigenen Deutschunterricht als Kind noch erlebt haben dürfte, die &quot;uns heute&quot; aber erstmal weder satirisch interessant noch irgendwie verwandt anmutet. (Obwohl das Reden von der &quot;Weltöffentlichkeit&quot; ein normatives Sich-Aufplustern anzeigt, das Lehrern als Staatsdienern wohl auch später noch geeignet hat...)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ja, &#8222;Plausibilität&#8220; ist schon das Kriterium, freilich ist sie aus eigenen Erfahrungen mit Alltagssprache zu holen erstmal problematisch. Sonst würden ja auch eigentlich alle Texte im selben Grade veralten bzw. unzugänglich(er) werden, wie Alltagssprache veraltet. Ästhetische Stimmigkeit kann eigentlich unter JEDEM principium stilisationis erreicht (und verfehlt) werden &#8211; und erweist sich dann doch erst im Gesamtzusammenhang, den die Biopsie der Texte wie im Page-99-Test notwendig verfehlt. Der von mir sehr verehrte Jean Giraudoux etwa hat seine Figuren in den 20ern und 30ern auf eine so eigenartige Weise lyrisch daherschwatzen lassen, dass es ihm möglich wurde, die Alltagssprache vor allem &#8218;kleiner Leute&#8216; wie mit einem Zauberstab in ihr von Bühnen sonst verschmähtes Recht zu (über)setzen, aber ohne sie wie der Naturalismus zu imitieren. Und sowieso hast Du recht, dass der Aufführungs- im Unterschied zum Stücktext dann noch einmal etwas anderes daraus machen muss, damit wir Zugang finden. Das ist bei Dürrenmatt heute m. E. heute nicht einfach &#8211; aber nicht sosehr deshalb, weil die Sprache seiner Figuren zu künstlich ist, sondern vielmehr weil diese Künstlichkeit zu sehr im Sinne einer Sozialtypiserung steht die zeitverhaftet ist und sich heute nicht unmittelbar mitteilt. So höre ich im Bramarbasieren des Lehrers ich nicht nur den Suff durch, sondern auch eine phrasenhafte Bildungshuberei die noch dem 19. Jahrhundert entstammt und die Dürrenmatt in seinem eigenen Deutschunterricht als Kind noch erlebt haben dürfte, die &#8222;uns heute&#8220; aber erstmal weder satirisch interessant noch irgendwie verwandt anmutet. (Obwohl das Reden von der &#8222;Weltöffentlichkeit&#8220; ein normatives Sich-Aufplustern anzeigt, das Lehrern als Staatsdienern wohl auch später noch geeignet hat&#8230;)</p>
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		<title>
		Von: Sieglinde Geisel		</title>
		<link>https://tell-review.de/page-99-test-friedrich-duerrenmatt/#comment-12691</link>

		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 09 Jan 2021 16:53:57 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Vielen Dank, Manuel, für deine Einwände. Mit dem &quot;Entlarven&quot; hast du völlig recht, ich habe es oben gleich korrigiert. 
Inzwischen habe ich das Stück noch einmal ganz gelesen (ich hatte nur noch nebulöse Erinnerungen daran aus meiner Schulzeit), und natürlich wird der Page-99-Test dem Stück nicht gerecht. Was verloren geht, wenn man nur eine Seite herauspickt, ist die von Dürrenmatt ins Extrem getriebene Künstlichkeit der Figuren. Durch diese Künstlichkeit ist vieles von dem gedeckt, was mir bei dem Blick durchs Schlüsselloch aufgefallen ist.
Natürlich ist zu fragen, welchen Maßstab man an Bühnendialoge anlegt. Es muss halt plausibel sein - und das ist ein wandelbares Kriterium. Bei Goethe ist der Blankvers plausibel, bei Shakespeare u.a. der Anspielungsreichtum, und überhaupt äußern Figuren auf der Bühne Sentenzen, die ihnen nie eingefallen wären, wenn sie einfach vor sich hin leben würden. 
In diesem Sinn ist der Alltagsnaturalismus kein Kriterium, ganz abgesehen davon, dass sich bei einem Theatertext die Plausibilität auch an der Wiedergabe entscheidet: Es gibt Schauspieler, die fast alles plausibel spielen können. 
Trotzdem finde ich den Befund des Plakativen haltbar, es ist bei Dürrenmatt ein Stilmittel, das unter der Lupe des Page-99-Tests sofort auffällt. Auch ob einer über sich selbst tatsächlich sagt, er rede &quot;mit Donnerstimme&quot;, halte für eine legitime Frage - auch wenn es sich um einen betrunkenen Lehrer auf der Bühne handelt...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vielen Dank, Manuel, für deine Einwände. Mit dem &#8222;Entlarven&#8220; hast du völlig recht, ich habe es oben gleich korrigiert.<br />
Inzwischen habe ich das Stück noch einmal ganz gelesen (ich hatte nur noch nebulöse Erinnerungen daran aus meiner Schulzeit), und natürlich wird der Page-99-Test dem Stück nicht gerecht. Was verloren geht, wenn man nur eine Seite herauspickt, ist die von Dürrenmatt ins Extrem getriebene Künstlichkeit der Figuren. Durch diese Künstlichkeit ist vieles von dem gedeckt, was mir bei dem Blick durchs Schlüsselloch aufgefallen ist.<br />
Natürlich ist zu fragen, welchen Maßstab man an Bühnendialoge anlegt. Es muss halt plausibel sein &#8211; und das ist ein wandelbares Kriterium. Bei Goethe ist der Blankvers plausibel, bei Shakespeare u.a. der Anspielungsreichtum, und überhaupt äußern Figuren auf der Bühne Sentenzen, die ihnen nie eingefallen wären, wenn sie einfach vor sich hin leben würden.<br />
In diesem Sinn ist der Alltagsnaturalismus kein Kriterium, ganz abgesehen davon, dass sich bei einem Theatertext die Plausibilität auch an der Wiedergabe entscheidet: Es gibt Schauspieler, die fast alles plausibel spielen können.<br />
Trotzdem finde ich den Befund des Plakativen haltbar, es ist bei Dürrenmatt ein Stilmittel, das unter der Lupe des Page-99-Tests sofort auffällt. Auch ob einer über sich selbst tatsächlich sagt, er rede &#8222;mit Donnerstimme&#8220;, halte für eine legitime Frage &#8211; auch wenn es sich um einen betrunkenen Lehrer auf der Bühne handelt&#8230;</p>
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		<title>
		Von: Manuel		</title>
		<link>https://tell-review.de/page-99-test-friedrich-duerrenmatt/#comment-12671</link>

		<dc:creator><![CDATA[Manuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 Jan 2021 13:54:58 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Inwiefern &quot;entlarvst&quot; Du denn in diesem Beitrag etwas? Welche Maske hat der Autor sich aufgesetzt die Du ihm herunterreißt? (Wo wir schon beim genauen Setzen der Worte sind.) Und: Nein, natürlich sagt niemand im wirklichen Leben von sich selbst, &quot;er rede mit Donnerstimme&quot;, aber im wirklichen Leben reden Menschen auch nicht in Knittel- oder Blankversen und trotzdem würde niemand auf die Idee kommen zu sagen, Goethe und Schiller seien deshalb &quot;nicht bühnentauglich&quot;. Oder wenn wir denn bitte schön ins 20. Jahrhundert gucken: Auch beim eminent bühnentauglichen Brecht (den Dürrenmatt ja sehr geschätzt hat) reden die Figuren nur höchst selten &#039;naturalistisch&#039; im Sinne des frühen Hauptmann oder auch nur Tschechows. Ich verstehe nicht genau, was hier für ein normativer (&quot;Entlarvung&quot;) bzw. stilistischer Maßstab angelegt wird. Und wenn man schon an die konkrete Imagination konkreter Figuren geht: Ist das Schwanken des Lehrers nicht als deutlichstes Indiz dafür zu nehmen, wie sein Reden aufzufassen ist?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Inwiefern &#8222;entlarvst&#8220; Du denn in diesem Beitrag etwas? Welche Maske hat der Autor sich aufgesetzt die Du ihm herunterreißt? (Wo wir schon beim genauen Setzen der Worte sind.) Und: Nein, natürlich sagt niemand im wirklichen Leben von sich selbst, &#8222;er rede mit Donnerstimme&#8220;, aber im wirklichen Leben reden Menschen auch nicht in Knittel- oder Blankversen und trotzdem würde niemand auf die Idee kommen zu sagen, Goethe und Schiller seien deshalb &#8222;nicht bühnentauglich&#8220;. Oder wenn wir denn bitte schön ins 20. Jahrhundert gucken: Auch beim eminent bühnentauglichen Brecht (den Dürrenmatt ja sehr geschätzt hat) reden die Figuren nur höchst selten &#8217;naturalistisch&#8216; im Sinne des frühen Hauptmann oder auch nur Tschechows. Ich verstehe nicht genau, was hier für ein normativer (&#8222;Entlarvung&#8220;) bzw. stilistischer Maßstab angelegt wird. Und wenn man schon an die konkrete Imagination konkreter Figuren geht: Ist das Schwanken des Lehrers nicht als deutlichstes Indiz dafür zu nehmen, wie sein Reden aufzufassen ist?</p>
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