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	Kommentare zu: Page-99-Test: Anne Garréta	</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
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		<title>
		Von: Sieglinde Geisel		</title>
		<link>https://tell-review.de/page-99-test-anne-garreta/#comment-623</link>

		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Feb 2017 09:38:13 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/page-99-test-anne-garreta/#comment-617&quot;&gt;write2gether (@write2gether)&lt;/a&gt;.

Zur Idee eines Kompendiums &quot;Geschmack im Roman&quot;: Hier müssten auch die Sexszenen berücksichtigt werden - &quot;wie sich Schriftsteller ganz gewandt einen abwürgen&quot;, das gilt dafür erst recht!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/page-99-test-anne-garreta/#comment-617">write2gether (@write2gether)</a>.</p>
<p>Zur Idee eines Kompendiums &#8222;Geschmack im Roman&#8220;: Hier müssten auch die Sexszenen berücksichtigt werden &#8211; &#8222;wie sich Schriftsteller ganz gewandt einen abwürgen&#8220;, das gilt dafür erst recht!</p>
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		<title>
		Von: write2gether (@write2gether)		</title>
		<link>https://tell-review.de/page-99-test-anne-garreta/#comment-617</link>

		<dc:creator><![CDATA[write2gether (@write2gether)]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Feb 2017 08:45:34 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Wieso springt der zweite Absatz woanders hin? Ich finde, er ist einfach eine Erläuterung zum letzten Absatz des vorausgegangenen Passus, und die Erläuterung ist sogar dringend nötig, damit dieser letzte Satz nicht etwas &quot;überkandidelt&quot; wirkt: &quot;...weil ich fürchtete. die zarte, schützende, einer zweiten Haut ähnliche Schicht mit Worten zu verletzen.&quot; Ich dachte schon, ach du Schreck, da macht jemand arg auf hypersensibel, aber dem schließt sich ja die Begründung an, nämlich das Unbehagen an der eigenen Sprechfertigkeit an (&quot;Die Sprache, die ich spreche, ist ein hässlicher Zwitter&quot;). Und die wiederum hat einen interessanten Grund, nämlich abgesehen davon, dass es eine Zweitsprache ist, ist die Fremdsprache von zwei diametralen, einander fremden Milieus geprägt, &quot;Akademiker-Hochenglisch&quot; und dem &quot;afroamerikanischen&quot; Streetslang von Harlem. 
Wir sind mitten in zeitgenössischen Diskussionen von Globalismus, Angleichung der Milieus bei Aufrechterhaltung der sozialen Trennungen. Und wir sind - vielleicht - auch bei einer Liebesgeschichte, die nicht nur mehr oder weniger der gängige hochliterarische Arztroman ist, sondern etwas mit unserer Zeit zu tun hat, denn die beiden Milieus haben ihre jeweilige Historie, sind aber eben nicht mehr die geschlossenen &quot;Ghettos&quot;, die sie einst waren. Und dann geht es weiter: &quot;Mein Wunsch, durch Harlem zu spazieren, stieß bei A*** auf großen Widerstand. Erst nach mehrfachem Bitten gingen ...&quot;. Dass der Widerstand &quot;groß&quot; war und andererseits die Ich-Person &quot;mehrfach bittet&quot; ist vielsagend - New York hat ja viel zu bieten und man hätte sich sicherlich auch auf andere Stadtspaziergänge einigen können. Aber es muss unbedingt Harlem sein. Liebesgeschichten, außerhalb der Literatur, die ja das Leben immer anders erleben lässt, als wirklich ist, in der Liebe also läuft am Anfang viel über das Erfühlen und Abfragen von Gemeinsamkeiten. (&quot;Spaziergehen - lieber Harlem oder Soho?&quot; - &quot;Harlem?! Was soll ich denn da? Bloß nicht.&quot; - &quot;Okayyyyy.&quot;). Ich empfinde daher den Schluss der Seite als echten Cliffhanger und würde mit Sicherheit weiter blättern.    
Zum Schluss: Die ganze Seite enthält zwei Tonlagen, wenn man so will oben und unten. Oben ist dabei ein &quot;Grenzfall&quot; und daher vermutlich nicht typisch für das ganze Buch, weil es um eine Geschmacksbeschreibung geht. Man kennt das Dilemma aus der Alkoholikerprosa der Weinkenner - es ist schwierig, wenn man Geschmack nicht nur mit den gebräuchlichen Begriffen beschreiben will, sondern feiner, individueller und vermeintlich präziser. Der gebräuchliche Begriff ist hier &quot;süß&quot; und da herum gibt es nun einigen Aufwand, das Geschmackserlebnis zu beschreiben. Vermutlich könnte man ein kleines Kompendium herausgeben: &quot;Geschmack im Roman - wie sich Schriftsteller ganz gewandt einen abwürgen, wenn sie den Geschmack von Bier, Wurst oder Kuchen beschreiben möchten&quot;. Das muss zu Metaphernüberschuss führen. Die Nähe zum Kitsh gehört da sozusagen zum Genre &quot;Geschmakcserlebnis&quot;. Deshalb darf man diese Stelle - vermutlich - nicht hochrechnen aufs ganze Buch, und tatsächlich klingt es danach ja ganz anders, &quot;sachhaltiger&quot; und quasi gewöhnlicher. Ich würde vermuten, die Hauptstimmlage des Buchs ist eher &quot;unten&quot;.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wieso springt der zweite Absatz woanders hin? Ich finde, er ist einfach eine Erläuterung zum letzten Absatz des vorausgegangenen Passus, und die Erläuterung ist sogar dringend nötig, damit dieser letzte Satz nicht etwas &#8222;überkandidelt&#8220; wirkt: &#8222;&#8230;weil ich fürchtete. die zarte, schützende, einer zweiten Haut ähnliche Schicht mit Worten zu verletzen.&#8220; Ich dachte schon, ach du Schreck, da macht jemand arg auf hypersensibel, aber dem schließt sich ja die Begründung an, nämlich das Unbehagen an der eigenen Sprechfertigkeit an (&#8222;Die Sprache, die ich spreche, ist ein hässlicher Zwitter&#8220;). Und die wiederum hat einen interessanten Grund, nämlich abgesehen davon, dass es eine Zweitsprache ist, ist die Fremdsprache von zwei diametralen, einander fremden Milieus geprägt, &#8222;Akademiker-Hochenglisch&#8220; und dem &#8222;afroamerikanischen&#8220; Streetslang von Harlem.<br />
Wir sind mitten in zeitgenössischen Diskussionen von Globalismus, Angleichung der Milieus bei Aufrechterhaltung der sozialen Trennungen. Und wir sind &#8211; vielleicht &#8211; auch bei einer Liebesgeschichte, die nicht nur mehr oder weniger der gängige hochliterarische Arztroman ist, sondern etwas mit unserer Zeit zu tun hat, denn die beiden Milieus haben ihre jeweilige Historie, sind aber eben nicht mehr die geschlossenen &#8222;Ghettos&#8220;, die sie einst waren. Und dann geht es weiter: &#8222;Mein Wunsch, durch Harlem zu spazieren, stieß bei A*** auf großen Widerstand. Erst nach mehrfachem Bitten gingen &#8230;&#8220;. Dass der Widerstand &#8222;groß&#8220; war und andererseits die Ich-Person &#8222;mehrfach bittet&#8220; ist vielsagend &#8211; New York hat ja viel zu bieten und man hätte sich sicherlich auch auf andere Stadtspaziergänge einigen können. Aber es muss unbedingt Harlem sein. Liebesgeschichten, außerhalb der Literatur, die ja das Leben immer anders erleben lässt, als wirklich ist, in der Liebe also läuft am Anfang viel über das Erfühlen und Abfragen von Gemeinsamkeiten. (&#8222;Spaziergehen &#8211; lieber Harlem oder Soho?&#8220; &#8211; &#8222;Harlem?! Was soll ich denn da? Bloß nicht.&#8220; &#8211; &#8222;Okayyyyy.&#8220;). Ich empfinde daher den Schluss der Seite als echten Cliffhanger und würde mit Sicherheit weiter blättern.<br />
Zum Schluss: Die ganze Seite enthält zwei Tonlagen, wenn man so will oben und unten. Oben ist dabei ein &#8222;Grenzfall&#8220; und daher vermutlich nicht typisch für das ganze Buch, weil es um eine Geschmacksbeschreibung geht. Man kennt das Dilemma aus der Alkoholikerprosa der Weinkenner &#8211; es ist schwierig, wenn man Geschmack nicht nur mit den gebräuchlichen Begriffen beschreiben will, sondern feiner, individueller und vermeintlich präziser. Der gebräuchliche Begriff ist hier &#8222;süß&#8220; und da herum gibt es nun einigen Aufwand, das Geschmackserlebnis zu beschreiben. Vermutlich könnte man ein kleines Kompendium herausgeben: &#8222;Geschmack im Roman &#8211; wie sich Schriftsteller ganz gewandt einen abwürgen, wenn sie den Geschmack von Bier, Wurst oder Kuchen beschreiben möchten&#8220;. Das muss zu Metaphernüberschuss führen. Die Nähe zum Kitsh gehört da sozusagen zum Genre &#8222;Geschmakcserlebnis&#8220;. Deshalb darf man diese Stelle &#8211; vermutlich &#8211; nicht hochrechnen aufs ganze Buch, und tatsächlich klingt es danach ja ganz anders, &#8222;sachhaltiger&#8220; und quasi gewöhnlicher. Ich würde vermuten, die Hauptstimmlage des Buchs ist eher &#8222;unten&#8220;.</p>
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