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	Kommentare zu: „Mondlicht in einem Baugerüst …“	</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
	<lastBuildDate>Sun, 15 Apr 2018 16:23:38 +0000</lastBuildDate>
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		<title>
		Von: Lars Hartmann		</title>
		<link>https://tell-review.de/mondlicht-in-einem-baugeruest/#comment-535</link>

		<dc:creator><![CDATA[Lars Hartmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Nov 2016 12:31:28 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Schöne Ergänzungen, danke. 

Ja, zu Brinkmann muß man wissen, daß er in der Tat von der Studentenbewegung nicht angetan war, - auch darauf mag sich die Zeile mit den Vorschriften beziehen; wir kennen es ebenfalls von der Gegenwart her. Hilfreich zu wissen auch, daß er ein großer Schimpfer sein konnte. Zu finden z.B. in „Rom Blicke“, da kann man ganz herrliche Sätze zu seinen Mitstipendiaten in der Villa Massimo lesen. Unter anderem zu Nicolas Born. Das alles wirkt zunächst ganz unmittelbar. Und was er in „Standphotos“ und noch viel wilder in „Schnitte“ notierte: eine Mischung aus Bricolage, Text und Bild montiert, und es erinnert bereits an die Punk-Ästhetik der Fan-Zines. Insofern ließ Brinkmann über das Montageprinzip und auch in seinem Interesse an Photographien der Pop nicht los – popular culture als Steinbruch. Vietnam, Porno, Sex, Film, Medien und die Kämpfe der Zeit. Aber ohne dabei Position zu beziehen. Brinkmanns Arbeit wurde dann aber insbesondere in „Westwärts 1 &amp; 2“ vom Stilwillen getragen; er überließ sich nicht bloß mehr seinem Material, wie man es in den Montage-Bänden manchmal herauszuschauen, herauszulesen vermeint.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schöne Ergänzungen, danke. </p>
<p>Ja, zu Brinkmann muß man wissen, daß er in der Tat von der Studentenbewegung nicht angetan war, &#8211; auch darauf mag sich die Zeile mit den Vorschriften beziehen; wir kennen es ebenfalls von der Gegenwart her. Hilfreich zu wissen auch, daß er ein großer Schimpfer sein konnte. Zu finden z.B. in „Rom Blicke“, da kann man ganz herrliche Sätze zu seinen Mitstipendiaten in der Villa Massimo lesen. Unter anderem zu Nicolas Born. Das alles wirkt zunächst ganz unmittelbar. Und was er in „Standphotos“ und noch viel wilder in „Schnitte“ notierte: eine Mischung aus Bricolage, Text und Bild montiert, und es erinnert bereits an die Punk-Ästhetik der Fan-Zines. Insofern ließ Brinkmann über das Montageprinzip und auch in seinem Interesse an Photographien der Pop nicht los – popular culture als Steinbruch. Vietnam, Porno, Sex, Film, Medien und die Kämpfe der Zeit. Aber ohne dabei Position zu beziehen. Brinkmanns Arbeit wurde dann aber insbesondere in „Westwärts 1 &#038; 2“ vom Stilwillen getragen; er überließ sich nicht bloß mehr seinem Material, wie man es in den Montage-Bänden manchmal herauszuschauen, herauszulesen vermeint.</p>
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		<title>
		Von: holio		</title>
		<link>https://tell-review.de/mondlicht-in-einem-baugeruest/#comment-534</link>

		<dc:creator><![CDATA[holio]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Nov 2016 17:43:42 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[In der Tat ein außerordentlich schönes Gedicht, welches es schafft, 57 Mal das Wort Mondlicht in 24*4+3 = 99 Zeilen unterzubringen, ohne je zu langweilen; mann will immer wissen, wie es weitergeht. Und es ist abwechslungsreich. Man erfährt Dinge aus dem Leben des integren Dichters, die uns beispielhaft leuchten können. Auf den Strukturabbruch im abschließenden Zweieinhalbzeiler hatte ich nicht gemerkt beim Lesen damals, danke dafür!

Die Vorschriften am Ende würde ich gern darüberhinaus wörtlich verstehen, das zuvor von Brinkmann in diesem Gedicht Geschriebene meinend bzw. Getippte als auch von andern Romantikern zuvor übers Mondlicht Verfasstes und ihre Metaphern, denen am Ende bündig was wie &quot;Das Mondlicht ist das Mondlicht ist das Mondlicht&quot; entgegnet wird.

In der Tat fallen die beiden verneinten Sätze, die Sie zitieren, heraus aus der Suada. Sie stehen singulär und mann muss ihnen vielleicht eine besondere Bedeutung zubilligen. Die Dialektik der Studentenbewegung hat Brinkmann verworfen gehabt und der Verzicht auf Schlaftabletten möchte vielleicht sein nächtliches Gedichtetippen rechtfertigen. 

&quot;Mondlicht und Fahrräder, das mag chinesisch klingen,&quot; meint er, nachdem er über jüngstvergangenes nächtliches Radeln auf der Universitätsstraße geschrieben hat. 1975 nahte die Große Proletarische Kulturrevolution (无产阶级文化大革命) ihrem Ende, ich erinnere Meldungen als Kind mit Personenfotos von der Verhaftung der Viererbande in der Tagesschau im Folgejahr. Suchte zuerst in der Verbindung von Mondlicht mit Fahrrädern das spezifisch Chinesische, ohne es zu finden. Einzeln wohl, Mondlicht wie im Gedicht 床前明月光 疑是地上霜 举头望明月 低头思故乡 von Li Bai (701 - 762) und die Fahrräder in den Siebzigern als chinesisches Massenverkehrsmittel, heute nicht mehr. 

In der Tat heißt es &quot;in hundertdreißig Jahren&quot; an einer Stelle in Brinkmanns Gedicht. Eine Jahreszahl, die erinnert vorkommt im Gedicht, ist 1946. Von 1975 her ist das 29 Jahre her. Wenn er dann auf das Mondlicht &quot;in 130 Jahren&quot; blickt, ist es prosodisch identisch. 2105 dieses Poems zu gedenken (lasset uns!), kann nicht völlig verkehrt sein.

In der viertletzten Strophe bringt Brinkmann Sonnenblume und Mondlicht zusammen. These und Antithese verflüssigt er, anschaulich und konkret.

(In der Tat soll mann keineswegs vom Gedicht her auf Verfassung des Verfassers schließen, aber kann nicht anders, kann es mir nicht anders vorstellen, als dass Brinkmann dieses nachts in seine mechanische Schreibmaschine getippt hat, seine schlafende Frau und den schlafenden Sohn vielleicht störend in den Nebenzimmern.)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der Tat ein außerordentlich schönes Gedicht, welches es schafft, 57 Mal das Wort Mondlicht in 24*4+3 = 99 Zeilen unterzubringen, ohne je zu langweilen; mann will immer wissen, wie es weitergeht. Und es ist abwechslungsreich. Man erfährt Dinge aus dem Leben des integren Dichters, die uns beispielhaft leuchten können. Auf den Strukturabbruch im abschließenden Zweieinhalbzeiler hatte ich nicht gemerkt beim Lesen damals, danke dafür!</p>
<p>Die Vorschriften am Ende würde ich gern darüberhinaus wörtlich verstehen, das zuvor von Brinkmann in diesem Gedicht Geschriebene meinend bzw. Getippte als auch von andern Romantikern zuvor übers Mondlicht Verfasstes und ihre Metaphern, denen am Ende bündig was wie &#8222;Das Mondlicht ist das Mondlicht ist das Mondlicht&#8220; entgegnet wird.</p>
<p>In der Tat fallen die beiden verneinten Sätze, die Sie zitieren, heraus aus der Suada. Sie stehen singulär und mann muss ihnen vielleicht eine besondere Bedeutung zubilligen. Die Dialektik der Studentenbewegung hat Brinkmann verworfen gehabt und der Verzicht auf Schlaftabletten möchte vielleicht sein nächtliches Gedichtetippen rechtfertigen. </p>
<p>&#8222;Mondlicht und Fahrräder, das mag chinesisch klingen,&#8220; meint er, nachdem er über jüngstvergangenes nächtliches Radeln auf der Universitätsstraße geschrieben hat. 1975 nahte die Große Proletarische Kulturrevolution (无产阶级文化大革命) ihrem Ende, ich erinnere Meldungen als Kind mit Personenfotos von der Verhaftung der Viererbande in der Tagesschau im Folgejahr. Suchte zuerst in der Verbindung von Mondlicht mit Fahrrädern das spezifisch Chinesische, ohne es zu finden. Einzeln wohl, Mondlicht wie im Gedicht 床前明月光 疑是地上霜 举头望明月 低头思故乡 von Li Bai (701 &#8211; 762) und die Fahrräder in den Siebzigern als chinesisches Massenverkehrsmittel, heute nicht mehr. </p>
<p>In der Tat heißt es &#8222;in hundertdreißig Jahren&#8220; an einer Stelle in Brinkmanns Gedicht. Eine Jahreszahl, die erinnert vorkommt im Gedicht, ist 1946. Von 1975 her ist das 29 Jahre her. Wenn er dann auf das Mondlicht &#8222;in 130 Jahren&#8220; blickt, ist es prosodisch identisch. 2105 dieses Poems zu gedenken (lasset uns!), kann nicht völlig verkehrt sein.</p>
<p>In der viertletzten Strophe bringt Brinkmann Sonnenblume und Mondlicht zusammen. These und Antithese verflüssigt er, anschaulich und konkret.</p>
<p>(In der Tat soll mann keineswegs vom Gedicht her auf Verfassung des Verfassers schließen, aber kann nicht anders, kann es mir nicht anders vorstellen, als dass Brinkmann dieses nachts in seine mechanische Schreibmaschine getippt hat, seine schlafende Frau und den schlafenden Sohn vielleicht störend in den Nebenzimmern.)</p>
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