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	Kommentare zu: Kurd Laßwitz und die Geschichte der Science Fiction in Deutschland	</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
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		<title>
		Von: Albert Maly-Motta		</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Albert Maly-Motta]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Mar 2017 13:35:55 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Für mich ist Kurd Laßwitz&#039; Roman &quot;Auf zwei Planeten&quot; ein frühes Beispiel für die Beschreibung eines &quot;Kulturschocks&quot; . Eine höher entwickelte Zivilisation trifft auf eine weniger entwickelte. Wie sehr diese Begegnung beide Zivilisationen verändert, ist der eigentliche Gegenstand des Romans. die höher stehende Zivilisation sinkt aufgrund der Begegnung mit den &quot;Primitiven&quot; hinunter, die unterlegene muß sich entweder sehr schnell weiterentwickeln oder sang-und klanglos untergehen. 
Dabei liegt die Ironie natürlich darin, daß die Unterlegenen ausgerechnet die sich ach so  überlegen dünkenden  &quot;Dichter und Denker&quot; in Deutschland und die Imperialisten in England sind. Die an der Pol-Expedition beteiligten Wissenschaftler nehmen die Erkenntnis der Existenz einer außerirdischen Zivilisation dagegen recht gleichmütig auf und finden sich schnell in die Verhältnisse. 
Verblüffend ist immer wieder für mich, daß Lasswitz dieses Buch in einer Zeit der blinden Militär-Verherrlichung, der Pickelhauben, der aufgezwirbelten &quot;Es ist erreicht&quot;-Schnurrbärte und des &quot;Hauptmanns von Köpenick&quot; veröffentlicht hat. Seine zutiefst humanistische &quot;Message&quot; muß doch in dieser Atmosphäre auf großes Unverständnis gestoßen sein. Die späteren Machthaber von 1933 haben das Buch dann auch prompt auf den Index gesetzt, was dafür spricht, daß es auch 30 Jahre nach dem Erscheinen durchaus im Gespräch war. 
Gerade heute, im Zeitalter der &quot;fake news&quot;, der Laut-Sprecher im öffentlichen Raum und der galoppierenden Populisten ist die leise und nachdenklich daherkommende Geschichte von &quot;Auf Zwei Planeten&quot; wieder besonders aktuell. 
Der Gegensatz zu H.G. Well&#039;s Mars- Invasion könnte gar nicht größer sein: Wells hat die lauten und an einen US-Actionfilm erinnernden Szenen seines Buchs nicht dazu benutzt, irgendwelche Einsichten über die Conditio Humana zu verbreiten; seine Geschichte ist ein gut gemachter &quot;Reißer&quot; auf dem Niveau der damals üblichen Kolportage-Geschichten. Er nutzt die Marsbewohner nur als gesichtslose Monster, die die Erde in Schutt und Asche legen. Am Ende werden sie von ebenso gesichtslosen Bakterien besiegt, gegen die sie keine Abwehrkräfte haben. 
All diesen simplen Klischees ist Laßwitz von vornherein aus dem Weg gegangen. Dafür sind manche seiner Figuren klischeehaft und undeutlich gezeichnet. Aber die reine Abenteuer-und Action-Geschichte tritt immer wieder zugunsten des menschlichen Moments in den Hintergrund. Hier ist Laßwitz auch anderen Zeitgenossen wie Jules Verne deutlich überlegen. 
Die Idee, daß ein Sohn eines Marsbewohners bereits unerkannt auf der Erde lebt, nimmt den unvergeßlichen Thomas Jerome Newton aus Walter Tevis&#039; &quot;The Man who Fell to Earth&quot; vorweg. Und die von Schwerefeldern über dem Nordpol gehaltene &quot;Außenstation&quot;, auf der die Raumschiffe der Marsianer andocken, ist der Station aus &quot;2001&quot; wirklich sehr ähnlich. Echos aus diesem Buch ziehen sich also durch die Literatur-und Filmgeschichte. Und so manche Wissenschaftler wie Hermann Oberth, der mit seinem Buch &quot;Die Rakete zu den Planetenräumen&quot; den Grundstein zur bemannten Raumfahrt gelegt hat, oder Wernher von Braun haben sich auf Laßwitz als Inspiration bezogen. 
Ich hoffe darauf, daß irgendwann einmal dieser Roman als Gegenstand für einen sensibel gemachten Film dienen wird. Mit den heutigen technischen Möglichkeiten kann man die Welten des Kurd Laßwitz gestalten. 

A. Maly-Motta]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Für mich ist Kurd Laßwitz&#8216; Roman &#8222;Auf zwei Planeten&#8220; ein frühes Beispiel für die Beschreibung eines &#8222;Kulturschocks&#8220; . Eine höher entwickelte Zivilisation trifft auf eine weniger entwickelte. Wie sehr diese Begegnung beide Zivilisationen verändert, ist der eigentliche Gegenstand des Romans. die höher stehende Zivilisation sinkt aufgrund der Begegnung mit den &#8222;Primitiven&#8220; hinunter, die unterlegene muß sich entweder sehr schnell weiterentwickeln oder sang-und klanglos untergehen.<br />
Dabei liegt die Ironie natürlich darin, daß die Unterlegenen ausgerechnet die sich ach so  überlegen dünkenden  &#8222;Dichter und Denker&#8220; in Deutschland und die Imperialisten in England sind. Die an der Pol-Expedition beteiligten Wissenschaftler nehmen die Erkenntnis der Existenz einer außerirdischen Zivilisation dagegen recht gleichmütig auf und finden sich schnell in die Verhältnisse.<br />
Verblüffend ist immer wieder für mich, daß Lasswitz dieses Buch in einer Zeit der blinden Militär-Verherrlichung, der Pickelhauben, der aufgezwirbelten &#8222;Es ist erreicht&#8220;-Schnurrbärte und des &#8222;Hauptmanns von Köpenick&#8220; veröffentlicht hat. Seine zutiefst humanistische &#8222;Message&#8220; muß doch in dieser Atmosphäre auf großes Unverständnis gestoßen sein. Die späteren Machthaber von 1933 haben das Buch dann auch prompt auf den Index gesetzt, was dafür spricht, daß es auch 30 Jahre nach dem Erscheinen durchaus im Gespräch war.<br />
Gerade heute, im Zeitalter der &#8222;fake news&#8220;, der Laut-Sprecher im öffentlichen Raum und der galoppierenden Populisten ist die leise und nachdenklich daherkommende Geschichte von &#8222;Auf Zwei Planeten&#8220; wieder besonders aktuell.<br />
Der Gegensatz zu H.G. Well&#8217;s Mars- Invasion könnte gar nicht größer sein: Wells hat die lauten und an einen US-Actionfilm erinnernden Szenen seines Buchs nicht dazu benutzt, irgendwelche Einsichten über die Conditio Humana zu verbreiten; seine Geschichte ist ein gut gemachter &#8222;Reißer&#8220; auf dem Niveau der damals üblichen Kolportage-Geschichten. Er nutzt die Marsbewohner nur als gesichtslose Monster, die die Erde in Schutt und Asche legen. Am Ende werden sie von ebenso gesichtslosen Bakterien besiegt, gegen die sie keine Abwehrkräfte haben.<br />
All diesen simplen Klischees ist Laßwitz von vornherein aus dem Weg gegangen. Dafür sind manche seiner Figuren klischeehaft und undeutlich gezeichnet. Aber die reine Abenteuer-und Action-Geschichte tritt immer wieder zugunsten des menschlichen Moments in den Hintergrund. Hier ist Laßwitz auch anderen Zeitgenossen wie Jules Verne deutlich überlegen.<br />
Die Idee, daß ein Sohn eines Marsbewohners bereits unerkannt auf der Erde lebt, nimmt den unvergeßlichen Thomas Jerome Newton aus Walter Tevis&#8216; &#8222;The Man who Fell to Earth&#8220; vorweg. Und die von Schwerefeldern über dem Nordpol gehaltene &#8222;Außenstation&#8220;, auf der die Raumschiffe der Marsianer andocken, ist der Station aus &#8222;2001&#8220; wirklich sehr ähnlich. Echos aus diesem Buch ziehen sich also durch die Literatur-und Filmgeschichte. Und so manche Wissenschaftler wie Hermann Oberth, der mit seinem Buch &#8222;Die Rakete zu den Planetenräumen&#8220; den Grundstein zur bemannten Raumfahrt gelegt hat, oder Wernher von Braun haben sich auf Laßwitz als Inspiration bezogen.<br />
Ich hoffe darauf, daß irgendwann einmal dieser Roman als Gegenstand für einen sensibel gemachten Film dienen wird. Mit den heutigen technischen Möglichkeiten kann man die Welten des Kurd Laßwitz gestalten. </p>
<p>A. Maly-Motta</p>
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