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	Kommentare zu: Heiliger Algorithmus, bitt´ für uns!	</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
	<lastBuildDate>Wed, 09 May 2018 01:03:34 +0000</lastBuildDate>
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	<item>
		<title>
		Von: Ennui		</title>
		<link>https://tell-review.de/heiliger-algorithmus-bitt-fuer-uns/#comment-912</link>

		<dc:creator><![CDATA[Ennui]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 May 2018 01:03:34 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Wo genau entwickelt Bajohr neue Formen? Den Code, die Experimente und die Algorithmen gibt es seit Ende der 1980er. Solche konzeptuelle Verfahrensweisen kommen aus den 60ern und 70ern. In der bildenden Kunst alles relativ alte Hüte. Neu ist das wohl nur für sein staunendes halbgebildetes Literatur-Publikum, der Novelty-Effekt erschöpft sich dann aber auch schnell wieder wie beschrieben. Wärs &quot;von einem Menschen&quot;, fände man&#039;s eher so lala oder &quot;interessant!&quot;

Außerdem ist wohl kaum der Autor tot, wenn ich jetzt gerade überall von einem Herrn Bajohr und von Suhrkamp lese. Da fand ich die maschinengenerierte Poesie der 1990er spannender. Das war aber Software zum Downloaden, .exe-Files für MS-DOS. Autoren hatte die auch - die Programmierer. Berühmt wurden die damals aber nicht damit, das war Shareware, nicht Suhrkamp, kostete dafür auch nix. 

Bajohr surft auf dem Schnarchhype 2018, dass &quot;jetzt&quot; &quot;alles&quot; &quot;digital&quot; wird. Oho! Potzblitz! Postinternet! Typischer Millenialselbstdarsteller, was in dem ganzen Kontext natürlich schon auch wieder urkomisch weil sehr menschlich ist. Letztlich müsste der Einsatz der Maschinen ja zu effizienterer und interessanterer Literatur führen, um gerechtfertigt zu sein. Ein Auto fährt man ja nicht, weil es noch langsamer ist als eine Kutsche und noch mehr rumpelt, quietscht und schaukelt, aber dabei brummt und glänzend bemalt ist: metallic!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wo genau entwickelt Bajohr neue Formen? Den Code, die Experimente und die Algorithmen gibt es seit Ende der 1980er. Solche konzeptuelle Verfahrensweisen kommen aus den 60ern und 70ern. In der bildenden Kunst alles relativ alte Hüte. Neu ist das wohl nur für sein staunendes halbgebildetes Literatur-Publikum, der Novelty-Effekt erschöpft sich dann aber auch schnell wieder wie beschrieben. Wärs &#8222;von einem Menschen&#8220;, fände man&#8217;s eher so lala oder &#8222;interessant!&#8220;</p>
<p>Außerdem ist wohl kaum der Autor tot, wenn ich jetzt gerade überall von einem Herrn Bajohr und von Suhrkamp lese. Da fand ich die maschinengenerierte Poesie der 1990er spannender. Das war aber Software zum Downloaden, .exe-Files für MS-DOS. Autoren hatte die auch &#8211; die Programmierer. Berühmt wurden die damals aber nicht damit, das war Shareware, nicht Suhrkamp, kostete dafür auch nix. </p>
<p>Bajohr surft auf dem Schnarchhype 2018, dass &#8222;jetzt&#8220; &#8222;alles&#8220; &#8222;digital&#8220; wird. Oho! Potzblitz! Postinternet! Typischer Millenialselbstdarsteller, was in dem ganzen Kontext natürlich schon auch wieder urkomisch weil sehr menschlich ist. Letztlich müsste der Einsatz der Maschinen ja zu effizienterer und interessanterer Literatur führen, um gerechtfertigt zu sein. Ein Auto fährt man ja nicht, weil es noch langsamer ist als eine Kutsche und noch mehr rumpelt, quietscht und schaukelt, aber dabei brummt und glänzend bemalt ist: metallic!</p>
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			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Julia Pelta Feldman		</title>
		<link>https://tell-review.de/heiliger-algorithmus-bitt-fuer-uns/#comment-911</link>

		<dc:creator><![CDATA[Julia Pelta Feldman]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 May 2018 17:13:01 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Michael Braun fühlt sich offenbar von Bajohrs Buch bedroht. Warum, eigentlich? Bajohr behauptet nirgendwo, dass die alten Formen der Literatur nicht mehr gelten, sondern er entwickelt neue Formen. Dass Braun sich so streng und sarkastisch dagegen stellt, wirkt eher reaktionär als kritisch.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Michael Braun fühlt sich offenbar von Bajohrs Buch bedroht. Warum, eigentlich? Bajohr behauptet nirgendwo, dass die alten Formen der Literatur nicht mehr gelten, sondern er entwickelt neue Formen. Dass Braun sich so streng und sarkastisch dagegen stellt, wirkt eher reaktionär als kritisch.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Lars Hartmann		</title>
		<link>https://tell-review.de/heiliger-algorithmus-bitt-fuer-uns/#comment-910</link>

		<dc:creator><![CDATA[Lars Hartmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 May 2018 13:59:19 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[&lt;i&gt;„Weil uns das Internet mit einer unendlichen Menge von Texten, Bildern und Tönen beglücke, sei es letztlich nicht mehr der Autor selbst, sondern nur noch der von ihm konstruierte Code, der Literatur hervorbringt.“&lt;/i&gt;

Ich weiß nicht, ob das so in Bajohrs Buch steht und ob dies seine These ist. Wenn es in dieser Form so dasteht, ist diese These nicht nur ungenau, sondern auch falsch, weil ein singulärer Sachverhalt verallgemeinert wird. Weil einige Werke derart abgefaßt sein können, heißt dies nicht, daß alle Werke in dieser Weise gebaut sind. Die Differenz von Wesen und Schein hat nur dann Sinn, wenn eben nicht alles Schein ist. Die Differenz zwischen anonymen abstrakten Autoreninstanzen, wo der Autor im konstruierten Code als neuem „Autor“ verschwindet, und einem (klassischen) Autor ist nur vor dem Hintergrund von Autorschaft sinnvoll – selbst im Internet, wo es genug Blogs und Texte von Literaten gibt, die explizit mit ihrem Namen einstehen. 

Wenn ich mir Alban Nikolai Herbsts „Dschungel. Anderswelt“ ansehe, so finden wir hier eine Form von Netzliteratur, der man durchaus das Attribut „postmodern“ zusprechen kann, und die dennoch nicht auf einem konstruierten Code basiert, der den Autor ersetzt. Daß Autorschaft auch Vielfalt und Spiel bedeuten kann, zeigen die Herbst-Texte, und es ist dies im Grunde auch kein so derart „postmodernes“ Spiel. Miguel de Cervantes lebte weit vor der Postmoderne. 

Bücher wie „Durchschnitt“ sind ein lustiges Spiel, das bereits Raymond Queneau mit „Hunderttausend Milliarden Gedichte“ in ähnlicher Form durchspielte und es ist qua Computer auch in anderen Varianten vorstellbar. Ein neues, bisher unentdecktes Werk von Goethe gefällig?: Man programmiere und füttere den Rechenknecht mit allem Sprachmaterial, das von Goethe stammt. Solche Formen der Rekombination können originell sein, und es erweitert diese Art der literarischen Produktion die Gattungsgrenzen der Literatur. Aber es ist eben nicht die einzige und ausschließliche Art, Literatur zu machen und beim 30. Werk dieser Art, so vermute ich, nutzt sich dieser Spieleffekt ab. Insofern vermute ich bei Bajohr auch eher eine ironische Volte als daß die Sache bierernst gemeint ist. Freilich kenne ich das Buch nicht. Bin aber mal gespannt, was der Tenor ist.

Spätestens in der monetären Sphäre freilich wird der Tod des Autors wieder revoziert und es erfolgt eine seltsame Lazarus-Geschichte: beim Kontostand ist das gute alte Subjekt wieder Instanz - wenn der Verlag nämlich das Honorar überweist. Und aus gutem Grund steht auf beidem Covern der Name „Hannes Bajohr“. Spätestens da klemmt es dann mit der „Dekonstruktion“.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><i>„Weil uns das Internet mit einer unendlichen Menge von Texten, Bildern und Tönen beglücke, sei es letztlich nicht mehr der Autor selbst, sondern nur noch der von ihm konstruierte Code, der Literatur hervorbringt.“</i></p>
<p>Ich weiß nicht, ob das so in Bajohrs Buch steht und ob dies seine These ist. Wenn es in dieser Form so dasteht, ist diese These nicht nur ungenau, sondern auch falsch, weil ein singulärer Sachverhalt verallgemeinert wird. Weil einige Werke derart abgefaßt sein können, heißt dies nicht, daß alle Werke in dieser Weise gebaut sind. Die Differenz von Wesen und Schein hat nur dann Sinn, wenn eben nicht alles Schein ist. Die Differenz zwischen anonymen abstrakten Autoreninstanzen, wo der Autor im konstruierten Code als neuem „Autor“ verschwindet, und einem (klassischen) Autor ist nur vor dem Hintergrund von Autorschaft sinnvoll – selbst im Internet, wo es genug Blogs und Texte von Literaten gibt, die explizit mit ihrem Namen einstehen. </p>
<p>Wenn ich mir Alban Nikolai Herbsts „Dschungel. Anderswelt“ ansehe, so finden wir hier eine Form von Netzliteratur, der man durchaus das Attribut „postmodern“ zusprechen kann, und die dennoch nicht auf einem konstruierten Code basiert, der den Autor ersetzt. Daß Autorschaft auch Vielfalt und Spiel bedeuten kann, zeigen die Herbst-Texte, und es ist dies im Grunde auch kein so derart „postmodernes“ Spiel. Miguel de Cervantes lebte weit vor der Postmoderne. </p>
<p>Bücher wie „Durchschnitt“ sind ein lustiges Spiel, das bereits Raymond Queneau mit „Hunderttausend Milliarden Gedichte“ in ähnlicher Form durchspielte und es ist qua Computer auch in anderen Varianten vorstellbar. Ein neues, bisher unentdecktes Werk von Goethe gefällig?: Man programmiere und füttere den Rechenknecht mit allem Sprachmaterial, das von Goethe stammt. Solche Formen der Rekombination können originell sein, und es erweitert diese Art der literarischen Produktion die Gattungsgrenzen der Literatur. Aber es ist eben nicht die einzige und ausschließliche Art, Literatur zu machen und beim 30. Werk dieser Art, so vermute ich, nutzt sich dieser Spieleffekt ab. Insofern vermute ich bei Bajohr auch eher eine ironische Volte als daß die Sache bierernst gemeint ist. Freilich kenne ich das Buch nicht. Bin aber mal gespannt, was der Tenor ist.</p>
<p>Spätestens in der monetären Sphäre freilich wird der Tod des Autors wieder revoziert und es erfolgt eine seltsame Lazarus-Geschichte: beim Kontostand ist das gute alte Subjekt wieder Instanz &#8211; wenn der Verlag nämlich das Honorar überweist. Und aus gutem Grund steht auf beidem Covern der Name „Hannes Bajohr“. Spätestens da klemmt es dann mit der „Dekonstruktion“.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Herwig Finkeldey		</title>
		<link>https://tell-review.de/heiliger-algorithmus-bitt-fuer-uns/#comment-909</link>

		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 May 2018 10:16:18 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Algorithmussonett

Nur das, was ich begreifen
kann, das hab ich in der Hand.
In Algorithmusschleifen
dreht sich das Möbiusband.

Das Band ist eigentlich eine sie –
kein vorne kein hinten – sie kreist
vergeblich wie die Nadel, die
niemals nach Norden weist.

Das Leben, nun, das muss man pressen
und drücken und Saft muss auch
hinein. Und nicht vergessen
zu atmen in den Bauch.

So drehen die Endlosschleifen!
Nur das, was ich begreifen…]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Algorithmussonett</p>
<p>Nur das, was ich begreifen<br />
kann, das hab ich in der Hand.<br />
In Algorithmusschleifen<br />
dreht sich das Möbiusband.</p>
<p>Das Band ist eigentlich eine sie –<br />
kein vorne kein hinten – sie kreist<br />
vergeblich wie die Nadel, die<br />
niemals nach Norden weist.</p>
<p>Das Leben, nun, das muss man pressen<br />
und drücken und Saft muss auch<br />
hinein. Und nicht vergessen<br />
zu atmen in den Bauch.</p>
<p>So drehen die Endlosschleifen!<br />
Nur das, was ich begreifen…</p>
]]></content:encoded>
		
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