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	Kommentare zu: Einen Schlussstrich ziehen	</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
	<lastBuildDate>Sun, 15 Apr 2018 06:59:47 +0000</lastBuildDate>
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		<title>
		Von: Sieglinde Geisel		</title>
		<link>https://tell-review.de/einen-schlussstrich-ziehen/#comment-905</link>

		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 15 Apr 2018 06:59:47 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/einen-schlussstrich-ziehen/#comment-904&quot;&gt;Manuel&lt;/a&gt;.

Da hast du bestimmt recht, Manuel, wenn du darauf verweist, dass sich die Frustration nicht nur auf den Betrieb bezieht. Der unauflösbare Widerspruch aller Literatur besteht wohl darin, dass sie die Welt nicht verändern kann, sondern nur den einzelnen Leser, und das dann jedesmal auf andere Weise. Diese Wirkung ist für die Autoren nicht sichtbar, es sei denn, sie ließen sich zu einem Dialog mit ihren Lesern herab, indem sie diese so ernst nehmen wie sich selbst, und das tun die wenigsten. Dann jedoch bleibt der Betrieb - die öffentlich sichtbaren Leser, also die Literaturkritik - als einziger Adressat.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/einen-schlussstrich-ziehen/#comment-904">Manuel</a>.</p>
<p>Da hast du bestimmt recht, Manuel, wenn du darauf verweist, dass sich die Frustration nicht nur auf den Betrieb bezieht. Der unauflösbare Widerspruch aller Literatur besteht wohl darin, dass sie die Welt nicht verändern kann, sondern nur den einzelnen Leser, und das dann jedesmal auf andere Weise. Diese Wirkung ist für die Autoren nicht sichtbar, es sei denn, sie ließen sich zu einem Dialog mit ihren Lesern herab, indem sie diese so ernst nehmen wie sich selbst, und das tun die wenigsten. Dann jedoch bleibt der Betrieb &#8211; die öffentlich sichtbaren Leser, also die Literaturkritik &#8211; als einziger Adressat.</p>
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		<title>
		Von: Manuel		</title>
		<link>https://tell-review.de/einen-schlussstrich-ziehen/#comment-904</link>

		<dc:creator><![CDATA[Manuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Apr 2018 10:42:32 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Na ja, die Satanischen Verse sind halt Wirkmacht des Schreibens unter/gegen Zensur. Regimes, die sich explizit der Exklusion von Themen bedienen, leisten solcher Wirkmacht natürlich Vorschub; alter Hut. Im Paradies der freien Meinungen ist das dann schon was anderes... obwohl natürlich auch hier (indexing; Lance Bennett)... bei uns kommen Handkes Serbien-Essay und Ähnliches in den Sinn. Aber ich finde, um die Indifferenz des &quot;Betriebs&quot; geht es v. a. bei Hildesheimer nicht (nur). Sondern um einen sehr alten und sehr grundsätzlichen und niemals wirklich auszuräumenden Zweifel an der Funktionalität von Narrativen und Kunst. Es ist schon interessant dass er die ökologische Krise in den Mittelpunkt stellt. Weniger verzweifelt tut dies auch Amitav Ghosh in seiner &quot;Großen Verblendung&quot;. Mich beeindrucken solche Kommunikationsverweigerungen immer wieder, und sie sind - ja, diesem Paradox ist nicht zu entkommen, solange man eben unter Menschen lebt - kommunikativ bedeutsam.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Na ja, die Satanischen Verse sind halt Wirkmacht des Schreibens unter/gegen Zensur. Regimes, die sich explizit der Exklusion von Themen bedienen, leisten solcher Wirkmacht natürlich Vorschub; alter Hut. Im Paradies der freien Meinungen ist das dann schon was anderes&#8230; obwohl natürlich auch hier (indexing; Lance Bennett)&#8230; bei uns kommen Handkes Serbien-Essay und Ähnliches in den Sinn. Aber ich finde, um die Indifferenz des &#8222;Betriebs&#8220; geht es v. a. bei Hildesheimer nicht (nur). Sondern um einen sehr alten und sehr grundsätzlichen und niemals wirklich auszuräumenden Zweifel an der Funktionalität von Narrativen und Kunst. Es ist schon interessant dass er die ökologische Krise in den Mittelpunkt stellt. Weniger verzweifelt tut dies auch Amitav Ghosh in seiner &#8222;Großen Verblendung&#8220;. Mich beeindrucken solche Kommunikationsverweigerungen immer wieder, und sie sind &#8211; ja, diesem Paradox ist nicht zu entkommen, solange man eben unter Menschen lebt &#8211; kommunikativ bedeutsam.</p>
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		<title>
		Von: Raul Regenzwei		</title>
		<link>https://tell-review.de/einen-schlussstrich-ziehen/#comment-890</link>

		<dc:creator><![CDATA[Raul Regenzwei]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Mar 2018 12:04:06 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Lieber Herr Schimmang, Sie und ich bedienen uns dieser Seite wie eines virtuellen Salons, Danke an Frau Geisel für das Schaffen der Atmosphäre zum Diskutieren und Danke an Sie, dass Sie den Kommentar gelesen und beantwortet haben. Rushdies Satanische Verse sind mehr als zwanzig Jahre her, der Streit um sie kann also nicht belegen, was Literatur zur Zeit für eine Rolle einnimmt. Ich habe die Satanischen Verse angeführt, weil sie für mich einen Roman darstellen, der in der von Europa aus gesehenen peripheren Welt mehr Wirkung hatte als dort, wo er verfasst wurde, in Europa. Ich fand es damals faszinierend, dass auf den amazon.com Seiten Debatten tobten von Lesern aus Pakistan und Nachbarländern. Ich weiss nicht, wie stark zum Beispiel Americanah von Adichie ausserhalb der USA wahrgenommen wurde, doch der Roman hat auf amazon fast viertausend Kommentare und Adichie hat einer französischen Journalistin geantwortet: &quot;My books are read in Nigeria. They are studied in schools. Not just Nigeria, across the continent in Africa.&quot;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Herr Schimmang, Sie und ich bedienen uns dieser Seite wie eines virtuellen Salons, Danke an Frau Geisel für das Schaffen der Atmosphäre zum Diskutieren und Danke an Sie, dass Sie den Kommentar gelesen und beantwortet haben. Rushdies Satanische Verse sind mehr als zwanzig Jahre her, der Streit um sie kann also nicht belegen, was Literatur zur Zeit für eine Rolle einnimmt. Ich habe die Satanischen Verse angeführt, weil sie für mich einen Roman darstellen, der in der von Europa aus gesehenen peripheren Welt mehr Wirkung hatte als dort, wo er verfasst wurde, in Europa. Ich fand es damals faszinierend, dass auf den amazon.com Seiten Debatten tobten von Lesern aus Pakistan und Nachbarländern. Ich weiss nicht, wie stark zum Beispiel Americanah von Adichie ausserhalb der USA wahrgenommen wurde, doch der Roman hat auf amazon fast viertausend Kommentare und Adichie hat einer französischen Journalistin geantwortet: &#8222;My books are read in Nigeria. They are studied in schools. Not just Nigeria, across the continent in Africa.&#8220;</p>
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		<title>
		Von: Jochen Schimmang		</title>
		<link>https://tell-review.de/einen-schlussstrich-ziehen/#comment-884</link>

		<dc:creator><![CDATA[Jochen Schimmang]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Mar 2018 21:53:19 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/einen-schlussstrich-ziehen/#comment-883&quot;&gt;Raul Regenzwei&lt;/a&gt;.

Lieber Herr Regenzwei, ich möchte Ihren Einwand mit dem Verweis auf Rushdie nicht unbeantwortet lassen. Die damaligen Reaktionen, d. h. die Fatwa, war eine politische, meinetwegen auch religiöse Aktion, sie spricht nicht wesentlich für die Wirkmacht von Literatur. Auch unser aller empörte Reaktionen auf die Fatwa waren ja politische, es ist kaum davon auszugehen, dass auch nur die Hälfte der damals Empörten - zu denen ich selbstverständlich auch gehörte, denn es handelte sich ja um einen öffentlichen Mordaufruf - Rushdies Roman überhaupt gelesen hat. Ich habe es jedenfalls nicht getan. 
Dass Literatur &quot;immer noch etwas vermag&quot;, bleibt natürlich unbestritten. Und zwar bei jedem einzelnen Leser vielleicht sogar etwas Anderes. Und auch viel, unter Umständen. Das konstituiert aber noch kein öffentliches literarisches Gedächtnis.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/einen-schlussstrich-ziehen/#comment-883">Raul Regenzwei</a>.</p>
<p>Lieber Herr Regenzwei, ich möchte Ihren Einwand mit dem Verweis auf Rushdie nicht unbeantwortet lassen. Die damaligen Reaktionen, d. h. die Fatwa, war eine politische, meinetwegen auch religiöse Aktion, sie spricht nicht wesentlich für die Wirkmacht von Literatur. Auch unser aller empörte Reaktionen auf die Fatwa waren ja politische, es ist kaum davon auszugehen, dass auch nur die Hälfte der damals Empörten &#8211; zu denen ich selbstverständlich auch gehörte, denn es handelte sich ja um einen öffentlichen Mordaufruf &#8211; Rushdies Roman überhaupt gelesen hat. Ich habe es jedenfalls nicht getan.<br />
Dass Literatur &#8222;immer noch etwas vermag&#8220;, bleibt natürlich unbestritten. Und zwar bei jedem einzelnen Leser vielleicht sogar etwas Anderes. Und auch viel, unter Umständen. Das konstituiert aber noch kein öffentliches literarisches Gedächtnis.</p>
]]></content:encoded>
		
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		<title>
		Von: Raul Regenzwei		</title>
		<link>https://tell-review.de/einen-schlussstrich-ziehen/#comment-883</link>

		<dc:creator><![CDATA[Raul Regenzwei]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Mar 2018 10:43:18 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Ich möchte Ihnen, also Herrn Braun und Herrn Schimmang widersprechen, und auch Hildesheimer, Jirgl, Baier, aber das geht ja nicht, denn jeder sagt was Anderes aus einer anderen Position heraus. Ich würde von Schimmang gerne wissen, wie er den Skandal um die Satanischen Verse bewertet. War das, weil es mehr als 2 Jahrzehnte her ist, also noch in der Zeit, wo mehr als heute Literarisches Gedächtnis verbreitet war? Ottmar Ette hat die Idee der Konvivenz entworfen, bei der es um das Zusammenleben der Kulturen und ihrer Literaturen geht. Er entwickelt damit Ideen von Auerbach und Rorty weiter. Das sind akademische Betrachtungen, aber sie stellen für mich die These auf, dass Literatur immer noch etwas vermag, das andere Ausdrucksformen innerhalb und außerhalb der Kunst nicht können. Jedem fällt doch das was Anderes ein, worin er Literatur als eine Kraft empfindet, aber bei allgemeinen Aussagen zum allgemeinen Niedergang bin ich skeptisch.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich möchte Ihnen, also Herrn Braun und Herrn Schimmang widersprechen, und auch Hildesheimer, Jirgl, Baier, aber das geht ja nicht, denn jeder sagt was Anderes aus einer anderen Position heraus. Ich würde von Schimmang gerne wissen, wie er den Skandal um die Satanischen Verse bewertet. War das, weil es mehr als 2 Jahrzehnte her ist, also noch in der Zeit, wo mehr als heute Literarisches Gedächtnis verbreitet war? Ottmar Ette hat die Idee der Konvivenz entworfen, bei der es um das Zusammenleben der Kulturen und ihrer Literaturen geht. Er entwickelt damit Ideen von Auerbach und Rorty weiter. Das sind akademische Betrachtungen, aber sie stellen für mich die These auf, dass Literatur immer noch etwas vermag, das andere Ausdrucksformen innerhalb und außerhalb der Kunst nicht können. Jedem fällt doch das was Anderes ein, worin er Literatur als eine Kraft empfindet, aber bei allgemeinen Aussagen zum allgemeinen Niedergang bin ich skeptisch.</p>
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		<title>
		Von: Herwig Finkeldey		</title>
		<link>https://tell-review.de/einen-schlussstrich-ziehen/#comment-881</link>

		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Mar 2018 12:34:22 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Aus dem zweiten Tagebuch Max Frisch:

&quot;Interview-Antwort

[...]
Zuständigkeit der Literatur? Die Erkenntnis-Vorstöße unseres Jahrhunderts verdanken wir nicht der Literatur. Wer von der Literatur erwartet, daß sie das Weltbild bestimme, wird also von einem gewissen Minderwertigkeitsgefühl nicht verschont bleiben. Zwar spiegelt die Literatur, die ihren Namen verdient, die Verwandlungen unseres Bewußtseins, aber sie spiegelt sie nur; die Anstöße zur Verwandlung unseres Bewußtseins kommen anderswoher. Erübrigt sich damit die Literatur?
[...]&quot;

(1972)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Aus dem zweiten Tagebuch Max Frisch:</p>
<p>&#8222;Interview-Antwort</p>
<p>[&#8230;]<br />
Zuständigkeit der Literatur? Die Erkenntnis-Vorstöße unseres Jahrhunderts verdanken wir nicht der Literatur. Wer von der Literatur erwartet, daß sie das Weltbild bestimme, wird also von einem gewissen Minderwertigkeitsgefühl nicht verschont bleiben. Zwar spiegelt die Literatur, die ihren Namen verdient, die Verwandlungen unseres Bewußtseins, aber sie spiegelt sie nur; die Anstöße zur Verwandlung unseres Bewußtseins kommen anderswoher. Erübrigt sich damit die Literatur?<br />
[&#8230;]&#8220;</p>
<p>(1972)</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Jochen Schimmang		</title>
		<link>https://tell-review.de/einen-schlussstrich-ziehen/#comment-879</link>

		<dc:creator><![CDATA[Jochen Schimmang]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Mar 2018 10:44:22 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Lieber Michael Braun, selbstverständlich ist das literarische Verstummen die eigentlich angemessene Reaktion auf die Tatsache, dass unsere Gattung in wenigen Generationen ausgelöscht sein wird (zum Wohle des Planeten, muss man sagen). Die Marginalisierung von Literatur hat spätestens Ende der 60er begonnen, und sie ist längst vollendet, ungeachtet der Tatsache, dass der Betrieb und die Eventkultur brummen wie nie zuvor. Das Problem ist nur, dass öffentliche Statements wie die von Hildesheimer und jetzt Jirgl zwangsläufig selbst noch einmal Ereignisse des Betriebs sind. Und sie sind nötig, weil der Betrieb das Verstummen sonst gar nicht bemerken würde. &quot;Literarisches Gedächtnis&quot; ist ein Begriff, dem bei uns seit ca. 2 Jahrzehnten keine Realität mehr entspricht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Michael Braun, selbstverständlich ist das literarische Verstummen die eigentlich angemessene Reaktion auf die Tatsache, dass unsere Gattung in wenigen Generationen ausgelöscht sein wird (zum Wohle des Planeten, muss man sagen). Die Marginalisierung von Literatur hat spätestens Ende der 60er begonnen, und sie ist längst vollendet, ungeachtet der Tatsache, dass der Betrieb und die Eventkultur brummen wie nie zuvor. Das Problem ist nur, dass öffentliche Statements wie die von Hildesheimer und jetzt Jirgl zwangsläufig selbst noch einmal Ereignisse des Betriebs sind. Und sie sind nötig, weil der Betrieb das Verstummen sonst gar nicht bemerken würde. &#8222;Literarisches Gedächtnis&#8220; ist ein Begriff, dem bei uns seit ca. 2 Jahrzehnten keine Realität mehr entspricht.</p>
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