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	Kommentare zu: Ein Qualitätstest für die Literatur – und die Kritik	</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
	<lastBuildDate>Tue, 12 Jan 2021 13:42:12 +0000</lastBuildDate>
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		<title>
		Von: Sieglinde Geisel		</title>
		<link>https://tell-review.de/ein-qualitaetstest-fuer-die-literatur-und-die-kritik/#comment-10241</link>

		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Aug 2020 19:07:23 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/ein-qualitaetstest-fuer-die-literatur-und-die-kritik/#comment-10233&quot;&gt;Laubeiter&lt;/a&gt;.

&quot;Mir geht es so, dass mir bei manchen Texten schlecht wird. Die finde ich dann schlecht. Zu beschreiben, warum, ist nicht leicht, und es kann der Einstieg in eine Suche nach Eigenschaften des Textes sein.&quot;
Damit bin ich sehr einverstanden, lieber Laubeiter! Beides ist schwierig: die eigene Reaktion genau zu beschreiben (bezeichnend übrigens, dass Ihnen bei manchen Büchern &quot;schlecht wird&quot; - die Ästhetik sitzt im Körper) und herauszufinden, worauf genau man damit reagiert. 
Ich finde es immer spannend, wenn ein Kritiker seinen subjektiven Leseindruck mitteilt. Zwei Dinge bedaure ich dabei: 1) dass viele Blogger sich mit pauschalen Reflexen zufriedengeben (&quot;hat mir gefallen&quot;, &quot;hat mich amüsiert/berührt/erschüttert&quot;) und 2) dass sich gestandene Kritiker oft zu fein sind, ihren Lesern auch die erste Stufe der Kritik mitzuteilen, sie liefern dann nur die Analyse, als hätten sie das dem Text angesehen, ohne ihn gefühlt zu haben. Virginia Woolf definiert &quot;Geschmack&quot; als &quot;der senorische Nerv, der elektrische Schläge durch uns hindurchsendet&quot;, und ohne den wir kein Buch beurteilen können.
Wenn ich eine Kritik lese, möchte ich den sensorischen Nerv der Kritikerin spüren, möchte ihr Lesen nicht nur intellektuell nachvollziehen. Ich möchte teilhaben, an dem, was in ihrem Inneren los ist, während sie liest.
Womit wir ein weiteres Kriterium für eine gelungene Literaturkritik hätten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/ein-qualitaetstest-fuer-die-literatur-und-die-kritik/#comment-10233">Laubeiter</a>.</p>
<p>&#8222;Mir geht es so, dass mir bei manchen Texten schlecht wird. Die finde ich dann schlecht. Zu beschreiben, warum, ist nicht leicht, und es kann der Einstieg in eine Suche nach Eigenschaften des Textes sein.&#8220;<br />
Damit bin ich sehr einverstanden, lieber Laubeiter! Beides ist schwierig: die eigene Reaktion genau zu beschreiben (bezeichnend übrigens, dass Ihnen bei manchen Büchern &#8222;schlecht wird&#8220; &#8211; die Ästhetik sitzt im Körper) und herauszufinden, worauf genau man damit reagiert.<br />
Ich finde es immer spannend, wenn ein Kritiker seinen subjektiven Leseindruck mitteilt. Zwei Dinge bedaure ich dabei: 1) dass viele Blogger sich mit pauschalen Reflexen zufriedengeben (&#8222;hat mir gefallen&#8220;, &#8222;hat mich amüsiert/berührt/erschüttert&#8220;) und 2) dass sich gestandene Kritiker oft zu fein sind, ihren Lesern auch die erste Stufe der Kritik mitzuteilen, sie liefern dann nur die Analyse, als hätten sie das dem Text angesehen, ohne ihn gefühlt zu haben. Virginia Woolf definiert &#8222;Geschmack&#8220; als &#8222;der senorische Nerv, der elektrische Schläge durch uns hindurchsendet&#8220;, und ohne den wir kein Buch beurteilen können.<br />
Wenn ich eine Kritik lese, möchte ich den sensorischen Nerv der Kritikerin spüren, möchte ihr Lesen nicht nur intellektuell nachvollziehen. Ich möchte teilhaben, an dem, was in ihrem Inneren los ist, während sie liest.<br />
Womit wir ein weiteres Kriterium für eine gelungene Literaturkritik hätten.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
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		<title>
		Von: Laubeiter		</title>
		<link>https://tell-review.de/ein-qualitaetstest-fuer-die-literatur-und-die-kritik/#comment-10233</link>

		<dc:creator><![CDATA[Laubeiter]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Aug 2020 13:44:01 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://tell-review.de/?p=98608#comment-10233</guid>

					<description><![CDATA[Super geschrieben. Ich verstehe es so: Eine Kritik soll erklären, wie sie zu ihrem Urteil gekommen ist. Meine Frage: Was ist mit der Person des Kritikers, der Kritikerin? Wenn ich erzähle, das ein Text von Musil mir eine neue Welt erschlossen hat, lobe ich den Text damit, ich berichte gleichzeitig von mir. Für eine andere Person mag der Text nichts erschliessen, darauf habe ich als Kritiker keinen Einfluss. Ich finde es besser, zusätzlich zu den Gründen, wegen derer ein Text gut oder schlecht sein mag, auch zu berichten, welche Reaktion der Text bei dieser einen Person, die da die Kritik verfasst, ausgelöst hat. Ein Verriss ist ja neben einer gut begründeten Sammlung von Argumenten auch ein Bauchgefühl. Mir geht es so, dass mir bei manchen Texten schlecht wird. Die finde ich dann schlecht. Zu beschreiben, warum, ist nicht leicht, und es kann der Einstieg in eine Suche nach Eigenschaften des Textes sein.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Super geschrieben. Ich verstehe es so: Eine Kritik soll erklären, wie sie zu ihrem Urteil gekommen ist. Meine Frage: Was ist mit der Person des Kritikers, der Kritikerin? Wenn ich erzähle, das ein Text von Musil mir eine neue Welt erschlossen hat, lobe ich den Text damit, ich berichte gleichzeitig von mir. Für eine andere Person mag der Text nichts erschliessen, darauf habe ich als Kritiker keinen Einfluss. Ich finde es besser, zusätzlich zu den Gründen, wegen derer ein Text gut oder schlecht sein mag, auch zu berichten, welche Reaktion der Text bei dieser einen Person, die da die Kritik verfasst, ausgelöst hat. Ein Verriss ist ja neben einer gut begründeten Sammlung von Argumenten auch ein Bauchgefühl. Mir geht es so, dass mir bei manchen Texten schlecht wird. Die finde ich dann schlecht. Zu beschreiben, warum, ist nicht leicht, und es kann der Einstieg in eine Suche nach Eigenschaften des Textes sein.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
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		<title>
		Von: Frank Heibert		</title>
		<link>https://tell-review.de/ein-qualitaetstest-fuer-die-literatur-und-die-kritik/#comment-10225</link>

		<dc:creator><![CDATA[Frank Heibert]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Aug 2020 07:05:47 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://tell-review.de/?p=98608#comment-10225</guid>

					<description><![CDATA[Lieber Jürgen Kiel, danke für die erhellenden (und amüsanten) Ergänzungen. Zum ersten Punkt -- es gibt durchaus Verrisse, denen man anmerkt, dass der Kritiker/die Kritikerin dem Text übelgenommen hat, so zu sein, wie er sein will.
Mit dem unauffälligen, ordentlich gemachten Mittelfeld umzugehen erscheint mir einfach: Nicht besprechen. Höchstens, in einem übergeordneten Essay, das Phänomen dieser Art von Büchern.
Da sie dann aber doch öfter mal besprochen werden, kommt es in der Folge zu genau den angedeuteten Subtexten ...
Dann doch lieber direkt zur Sache, da, wo es sich lohnt!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Jürgen Kiel, danke für die erhellenden (und amüsanten) Ergänzungen. Zum ersten Punkt &#8212; es gibt durchaus Verrisse, denen man anmerkt, dass der Kritiker/die Kritikerin dem Text übelgenommen hat, so zu sein, wie er sein will.<br />
Mit dem unauffälligen, ordentlich gemachten Mittelfeld umzugehen erscheint mir einfach: Nicht besprechen. Höchstens, in einem übergeordneten Essay, das Phänomen dieser Art von Büchern.<br />
Da sie dann aber doch öfter mal besprochen werden, kommt es in der Folge zu genau den angedeuteten Subtexten &#8230;<br />
Dann doch lieber direkt zur Sache, da, wo es sich lohnt!</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Jürgen Kiel		</title>
		<link>https://tell-review.de/ein-qualitaetstest-fuer-die-literatur-und-die-kritik/#comment-10212</link>

		<dc:creator><![CDATA[Jürgen Kiel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Aug 2020 13:33:57 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://tell-review.de/?p=98608#comment-10212</guid>

					<description><![CDATA[Es ist schon richtig, Texte nach dem zu bemessen, was sie wollen. Erfahrene Kritiker, Lektoren und Leser können das. In der Praxis käme kaum ein Kritiker auf die Idee, einen Prosatext mit Kunstanspruch und einen intelligent geschriebenen Unterhaltungsroman nach identischen Kriterien zu beurteilen. 
Was sollte man aber mit dem breiten Mittelfeld von Romanen umgehen, die weder besonders unterhaltsam noch sprachlich originell sind, andererseits ausgezeichnet lektoriert sind und keine ästhetischen Schwächen aufweisen, die den Rotstift aktiv werden lassen könnten? 
Als Kritiker/-in kann man das (aufgrund höherer ästhetischer Ansprüche) doch nicht alles verreißen!
Als Leser habe ich mir angewöhnt, in Kritiken „zwischen den Zeilen“ zu lesen. Hier drei Beispiele für diese „unsichtbaren“ Botschaften:

„Eine positive Kritik – doch unter uns, lieber Leser: haben wir beide nicht viel bessere Romane in unserem Bücherregal als diesen? Überleg es dir!“

„Nein, ich habe nichts in dem Buch gefunden, das wirklich schlecht ist. Aber meine lustlose Zusammenfassung seines sogenannten Inhalts sollte dir, lieber Leser, liebe Leserin, zu denken geben.“

„Für die erfahrenen unter meinen Lesern habe ich meine positive Kritik mit der eigentlich überflüssigen Bemerkung „sprachlich routiniert“ gewürzt. Hey, Leute: Das ist die eigentliche Kritik!“]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist schon richtig, Texte nach dem zu bemessen, was sie wollen. Erfahrene Kritiker, Lektoren und Leser können das. In der Praxis käme kaum ein Kritiker auf die Idee, einen Prosatext mit Kunstanspruch und einen intelligent geschriebenen Unterhaltungsroman nach identischen Kriterien zu beurteilen.<br />
Was sollte man aber mit dem breiten Mittelfeld von Romanen umgehen, die weder besonders unterhaltsam noch sprachlich originell sind, andererseits ausgezeichnet lektoriert sind und keine ästhetischen Schwächen aufweisen, die den Rotstift aktiv werden lassen könnten?<br />
Als Kritiker/-in kann man das (aufgrund höherer ästhetischer Ansprüche) doch nicht alles verreißen!<br />
Als Leser habe ich mir angewöhnt, in Kritiken „zwischen den Zeilen“ zu lesen. Hier drei Beispiele für diese „unsichtbaren“ Botschaften:</p>
<p>„Eine positive Kritik – doch unter uns, lieber Leser: haben wir beide nicht viel bessere Romane in unserem Bücherregal als diesen? Überleg es dir!“</p>
<p>„Nein, ich habe nichts in dem Buch gefunden, das wirklich schlecht ist. Aber meine lustlose Zusammenfassung seines sogenannten Inhalts sollte dir, lieber Leser, liebe Leserin, zu denken geben.“</p>
<p>„Für die erfahrenen unter meinen Lesern habe ich meine positive Kritik mit der eigentlich überflüssigen Bemerkung „sprachlich routiniert“ gewürzt. Hey, Leute: Das ist die eigentliche Kritik!“</p>
]]></content:encoded>
		
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